Homer - Odyssee


Referat / Aufsatz (Schule), 2001
10 Seiten, Note: 1

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Die Odyssee

Nachdem den Achaiern nach zehnjähriger Belagerung der Stadt Troja die Befreiung der von Paris geraubten Helena gelingt, verlassen Odysseus und sein Freund Agamemnon mit ihren Kriegern den Hafen von Troja um zurück auf die Insel Ithaka zu sege ln. Doch die Götter des Olymp zürnen den Achaiern, da im trojanischen Krieg zu viele Untaten geschehen sind. Kaum sind die Flotten des Odysseus und des Agamemnon auf dem offenen Meer, schickt Poseidon, der Beherrscher der Meere, einen gewaltigen Wirbelstur m. Als das Meer sich wieder beruhigt, bemerkt Odysseus, dass die .Flotte seines Freundes Agamemnon von seinen eigenen Schiffen weg fortgetrieben worden war.

Seine Freude darüber, dass es selbst kein Schiff verloren hatte, wird bald dadurch getrübt, dass die Flotte auf einen flachen Strand aufläuft und Odysseus die Insel erkennt, auf die seine Boote durch die Willkür der Wellen getrieben worden waren. Es ist die Insel der Kikonen, welche im zehnjährigen Krieg um die Befreiung der schönen Helena mit den Trojanern verbündet gewesen waren.

Odysseus und seine Krieger erblicken vor sich die Stadt Ismaros und sie beschließen, die Kikonen zu überfallen. Da diese keinen Angriff erwarten, tragen die Achaier einen leichten Sieg davon. Doch anstatt mit ihren erbeuteten Gütern wieder auf ihre Schiffe zu gehen und die Insel zu verlassen, verweilen sie in der Stadt und feiern ein Siegesfest.

Am nächsten Morgen jedoch kommt das Verhängnis über sie. Die geflüchteten Kikonen haben ihre Stammesbrüder zu Hilfe gerufen und Odys seus‘ Krieger sehen keine Chance, gegen eine solche Übermacht anzukommen. Sie fliehen auf ihre Schiffe und stellen mit Bedauern fest, dass auf jedem Boot sechs Krieger fehlen. Ohne ihren Freunden helfen zu können, rudern sie wieder aufs Meer hinaus.

Odysseus glaubt, der Zorn der Götter sei inzwischen abgeflaut, doch je näher die Schiffe der Insel Ithaka kommen, desto stärker wird der Sturm, der sie wieder zurücktreibt, von woher sie kommen.

Eines Tages taucht vor den Schiffen eine fremde Insel aus dem Nebel. Eilig steuern die Krieger darauf zu, denn ihre Essensvorräte gehen dem Ende zu und sie haben kaum noch Wasser. Odysseus schickt zuerst zwei seiner Männer zu Erkundungen ins Landesinnere. Als diese nicht wieder zurück kommen, geht Odysseus mit wenigen seiner besten Krieger, um die Verschollenen zu finden. Doch ihr Erstaunen ist groß, als sie die zwei Krieger erblicken, die mit fremden Männern im Kreis sitzen und eigenartige Früchte essen.

Beim Anblick des Obstes in ihren Händen erstarrt Odysseus. Er kommt zu der schrecklichen Erkenntnis, dass dies das Volk der Lotophagen sein muss, welche die süßen Lotosfrüchte zu essen pflegen. Odysseus weiß, dass der Verzehr dieser Früchte jeden Menschen seine Heimat vergessen lässt.

Odysseus befiehlt den drei Männern, zu den Schiffen zurückzukommen. Als diese sich weigern, müssen sie mit Gewalt von ihren Gefährten weggezerrt werden.

Schnell rudern die Krieger wieder von der unheimlichen Insel fort.

In einer der darauffolgenden Nächte kommen sie ganz nahe an einer Küste vorbei. Nach einigem Überlegen binden sie ihre Schiffe am Ufer fest. Doch schon bald bemerken sie, dass dies das Land der Kyklopen ist.

Die Kyklopen sind ein Volk von einäugigen, behaarten Riesen, die in Höhlen wohnen und von denen man sich erzählt, dass sie Menschenfleisch fessen. Sie haben keine Gesetze und verachten die Götter des Olymp.

Eines Nachts vernehmen sie aus den Inneren der Insel ein gräßliches, wildes Gebrüll.

Odysseus wählt zwölf seiner besten und treuesten Krieger aus und folgt der Richtung, aus ger das Gebrüll kommt. Den Zurückbleibenden befiehlt er, auf die Schiffe zu gehen und dort zu warten.

Die Krieger nehmen ihre Schwerter und einen Sack mit Brot und rotem Wein mit.

Als sie zu einer Höhle kommen, bemerken sie, dass neben dem Höhleneinga ng ein großer Felsbrocken liegt, der wohl zum Verschließen der Höhle gedacht ist.

Auf Odysseus‘ Drängen betreten die Männer die Höhle und sehen bald, dass diese sich im Berginneren in viele weitere Seitenarme verzweigt. In diesen Seitenarmen werden die Herden der Kyklopen nachts eingesperrt.

Plötzlich betritt ein Kyklop die Höhle. Die Männer erkennen ihn sofort. Es ist Polyphem, der ruchloseste und stärkste unter den Kyklopen. Außerdem sagt man von ihm, dass er der Sohn des Poseidon ist.

Als Polyphem die Männer erblickt, fragt er sie, wer sie sind. Da tritt Odysseus vor und erzählt dem Kyklopen, dass sie von Troja auf den Weg nach Hause sind und dass er Niemand heißt. Plötzlich packt der Kyklop zwei der Männer und verschlingt sie vor den Augen ihrer Gefährten. Dann legt er sich auf den Boden und schläft ein.

Odysseus sucht währenddessen nach einem Weg, sich und seine Männer zu retten. Er nimmt eine der Keulen des Kyklopen, spitzt sie an einem Ende zu und härtet die Spitze im Feuer. Als der Riese erwacht, verspeist er abermals zwei der Männer, ohne dass Odysseus etwas dagegen unternehmen kann. Dann bietet Odysseus dem Kyklopen einen Becher Wein an. Dieser schmeckt Polyphem so gut, dass er nach mehr verlangt. Bald ist Polyphem betrunken und streckt sich wieder auf den Höhlenboden aus.

Als der Riese fest schläft, nehmen die Krieger den angespitzten Pfahl und stoßen ihn dem Kyklopen ins Auge. Dieser springt auf, um die Krieger zu suchen, aber er kann nichts mehr sehen und sie entwischen seinen großen Händen immer wieder. Er beginnt nach den anderen Kyklopen zu rufen, die sofort herbeieilen und ihn fragen, was los ist. Polyphem aber schreit nur, dass Niemand da ist und ihn töten will, und so gehen seine Stammesbrüder wieder zurück in ihre Höhlen.

Da aber der Eingang versperrt ist, kommen Odysseus und seine Krieger ohne die Hilfe des Kyklopen nicht ins Freie.

Wieder hat Odysseus die rettende Idee. Mit Seilen binden sie immer drei Schafe zusammen und je ein Mann klammert sich am mittleren Schaf fest.

Polyphem weiß, dass die Schafe ins Freie wollen und öffnet deshalb den Höhleneingang. Aber jedem Tier, das ins Freie will, streicht er über den Rücken, damit ihm ja nicht die Eindringlinge entwischen.

Dank den Schafen gelangen die Männer alle sicher durch den Höhleneingang ins Freie. Die Schafe vor sich her treibend eilen sie schnell zurück zu den Schiffen und rudern wieder aufs offene Meer hinaus.

Odysseus ruft dem Kyklopen noch zu, dass er Odysseus heißt und der König von Ithaka ist. Am Ufer steht der Riese und wirft Steinbrocken in die Richtung, aus der die Stimme kommt. Dann ruft er seinen Vater Poseidon an, dass dieser Odysseus dem Weg nach Ihaka verwehren oder ihn erst nach langer Irrfahrt die Rückkehr ermöglichen soll.

Poseidon beschließt, der Bitte seines Sohnes Folge zu leisten, was für Odysseus und seine Freunde großes Unheil bedeutet.

Viele Wochen fahren die zwölf starken Schiffe über das Meer, bis eines Tages ein kleines Eiland vor ihnen auftaucht. Sie erfahren, dass dies der Wohnsitz von Aiolos, dem Beherrscher der Winde ist.

Die Krieger werden von Aiolos und seiner Gemahlin freundlich empfangen.

Als Odysseus und seine Männer sich nach längerer Zeit wieder in Richtung Heimat aufmachen, überreicht Aiolos Odysseus einen ledernen Schlauch, in dem die heulenden Winde gefangen sind. Aiolos erklärt, dass, solange der Schlauch geschlossen bleibt, die Schiffe von alleine gegen Ihaka treiben werden.

Am zehnten Tag taucht vor der Flotte die heimatliche Küste auf. Da Odysseus sich nun seiner Heimkehr sicher ist, legt er sich auf das Schiffsdeck, um sich ein wenig auszuruhen. Seine Männer aber haben nur darauf gewartet, dass ihr Führer von seiner Müdigkeit übermannt wird. Sie schleichen sich zu dem Schlauch und öffnen ihn, da sie denken, er sei mit Gold und Silber gefüllt. Kaum aber lösen die Krieger die Schnur, entweichen die heulenden Winde und ein gewaltiger Sturm treibt die Boote wieder von der Küste fort zurück zur Insel des Aiolos. Dort bittet Odysseus abermals um einen günstigen Wind, doch Aiolos ist nicht bereit dazu, einem Mann ein zweites Mal zu helfen, der den Zorn der Götter auf sich geladen hat.

So rudern Odysseus und seine Männer wieder über das Meer, bis nach sieben Tagen vor ihnen eine Insel auftaucht. Auf dieser ragt eine große Festung auf und direkt davor liegt ein kleiner Hafen. Odysseus beschleicht ein eigenartiges Gefühl beim Anblick des Hafens. Deshalb lässt er sein Schiff außerhalb der Hafeneinfahrt anbinden, während seine Gefährten ihre Boote in den Hafen hineinlenken.

Odysseus schickt zwei Kundschafter nach der Stadt aus, die erfahren, dass dies das Land der Laistrygonen ist. Es wird von Antiphates und dessen Gemahlin beherrscht.

Als die zwei Männer zur Burg hinauf steigen und den Saal betreten, kommt ihnen Antiphates entgegen. Er blickt sie zornig an und packt einen der Herolde. Der andere flüchtet zurück zu den Schiffen doch plötzlich stehen überall an der Hafenmauer andere Laistrygonen, die große Felsbrocken nach den Schiffen im Hafen werfen. Keines der Schiffe dort ist nach dem Angriff noch seetauglich und auch viele der Männer werden von den Steinen erschlagen. Odysseus sieht das Unheil kommen und flieht mit seinen Männern auf sein Schiff. So schnell es geht, rudern diese ihr letztes Boot von der unheilvollen Küste fort.

Als sie wiederum zu einer Insel kommen, sehen sie, dass aus der Inselmitte Rauch aufs teigt. Odysseus sendet die Hälfte seiner Männer nach Erkundungen aus. Die Männer finden eine schöne Frau vor, die alleine auf einer Lichtung wohnt. Es ist die Zauberin Kirke, die Männer mit Vorliebe in Schweine verwandelt.. Die Frau lädt Odysseus´ Krieger zu einem Trunk ein, doch es ist ein Zaubertrank, und die Krieger werden zu Schweinen. .

Nur einer der Männer, der nicht mit Kirke in ihr Haus gekommen war, kehrt zurück zu Odysseus, und erzählt ihm, was geschehen war.

Daraufhin macht Odysseus sich auf den Weg, seine Freunde zu retten. Auf einer Lichtung erscheint ihm Hermes, der Götterbote. Er reicht Odysseus ein Kraut. Diese Pflanze soll Odysseus vor der Zauberkraft der Kirke bewahren.

Odysseus kommt zu der Hütte und wird von Kirke eingeladen. Doch als sie Odysseus verwandeln will, wird dieser nicht zum Schwein wie die anderen Männer. Er springt auf und bedroht die Zauberin mit seinem Schwert.

Kirke bleibt nichts anderes übrig, als die Männer wieder zurückzuverwandeln. Dann befiehlt ihr Odysseus noch, den Schwur der Götter zu sprechen, dass sie ihm und seinen Gefährten nicht mehr schaden wird.

Daraufhin lädt Kirke die Krieger ein, für längere Zeit bei ihr zu bleiben. Und als sich die Männer nach einem Jahr wieder in Richtung Heimat aufmachen, gibt Kirke gibt ihnen zum Abschied noch einen Rat: Wenn sie jemals heimkehren wollen, müssen sie ins Reich des Hades, in das Totenreich, hinabsteigen und dort unter den Toten die Seele des blinden Sehers Teiresias suchen. Ihm sollen sie ein vollkommen schwarzes Schaf opfern und das Blut zu trinken geben. Daraufhin wird Teiresias ihnen ihr Schicksal erzählen.

Bald wird das Schiff an eine dunkle Küste getrieben. Als die Männer an Land gehen, opfert Odysseus das schwarze Schaf und lässt das Blut in eine Grube fließen. Die Schatten der Toten erscheinen. Da tritt Teiresias hervor, beugt sich zu dem Blut hinab und trinkt. Daraufhin beginnt Teiresias mit seiner Rede. Er erzählt, dass Poseidon den Männern immer noch grollt, da sie seinem Sohn Polyphem das Augenlicht genommen haben. Dennoch besteht die Chance auf eine glückliche Heimkehr. Odysseus und seine Männer werden auf die Insel Thrinakia kommen, wo die heiligen Schafe des Sonnengottes Helios weiden. Nur wenn die Männer sich beherrschen und keines der Tiere erlegen, werden alle die Insel Ithaka erreichen. Sonst aber wird nur Odys seus entrinnen und nach mühsamer Reise als alter Mann heimkehren. Zu Hause jedoch wird dann großes Unheil herrschen.

Im nächsten Augenblick war Teiresias verschwunden. Odysseus und seine Männer wenden sich von den anderen Toten ab um schleunigst zu ihrem Schiff zurückzukehren.

Auf dem Weg ü ber die d ü steren Wiesen kommen sie an einem Teich vorbei, in dem ein Greis steht. Das Wasser steht ihm bis zum Kinn, doch immer wenn er zu trinken versucht, verschwindet das Wasser und es bleibt nur trockene Erde unter seinen F üß en zur ü ck. Ü ber dem Kopf des Greises h ä ngen die Zweige von Obstb ä umen herab. Als der Alte jedoch versucht, nach dem Obst zu greifen, kommt ein Windsto ß und weht die Zweige hoch in die Luft.

Der Greis ist Tantalos, der in seinem Leben eine furchtbare Freveltat begangen hat. Er hat es sich erlaubt, die Allwissenheit der G ö tter zu pr ü fen.

Odysseus und seine Krieger kommen an einem Berg vorbei, wo Sisyphos versucht, einen Stein hinaufzurollen. Doch jedes Mal, wenn er fast oben angelangt ist, ger ä t der Felsen wieder ins Rollen und Sisyphos muss von neuem mit dem Hinaufrollen beginnen.

Eilig flüchten die Männer aus dem schrecklichen Reich des Todes. Der Wind treibt das Boot wieder zurück auf die Insel Aia, wo Kirke schon auf sie wartet.

Kirke gibt den Männern ein zweites Mal einen Rat mit auf den Weg. Sie erzählt ihnen, dass er bei der Insel der Sirenen vorbeikommen wird, die mit ihrem lieblichen Gesang jeden Mann an die Insel fesseln. Odysseus soll seinen Männern, bevor er zu nahe an die Insel herankommt, die Ohren mit Wachs verstopfen. Die Krieger müssen Odysseus aber so fest an den Mast binden, dass er alleine nicht mehr davon loskommt.

Wenn sie an der Insel der Sirenen vorüber sind, werden sie zu zwei Klippen kommen, die eine steil aufragend, die andere niedrig. Sie müssen den Weg nehmen, der an der steilen Klippe vorbeiführt. Dort haust Skylla, ein Ungeheuer mit sechs Köpfen. Skylla wird sechs der Gefährten Odysseus‘ verschlingen, wenn das Schiff an den Klippen vorbeifährt. Wenn die Männer aber den Weg an der niedrigen Klippe wählen, wird keiner von ihnen überleben, denn dort haust Charybdis, versteckt hinter einem gewaltigen Feigenbaum. Drei Mal am Tag saugt sie das ganze Meer in ihren Rachen hinein. Nicht einmal Poseidon kann ein Schiff vor Charybdis retten Dann wiederholt Kirke noch einmal die Worte, die auch Teiresias schon zu den Kriegern gesagt hat:

Die Männer werden zur Insel Thrinakia kommen, wo die Herden des Sonnengottes weiden. Nur wenn sie keines der Tiere erlegen, wird ihnen allen eine Heimkehr beschieden sein. Sollten sie aber die Tiere töten, würde nur Odysseus nach vielen Irrfahrten heimkehren.

Am nächsten Tag machen sich Odysseus und seine Gefährten wieder auf den Weg.

Pfeilschnell treibt sie der Wind zur Insel der Sirenen. Odysseus verstopft seinen Freunden die Ohren und lässt sich an den Mast binden. Als er die Sirenen hört, die seinen Namen rufen, will er unbedingt auf die Insel. Doch seine Männer vernehmen die verlockenden Stimmen nicht und rudern an der Insel vorbei.

Bald darauf können Odysseus und seine Gefährten die zwei Klippen erkennen. Der Steuermann lenkt das Schiff auf die steile Klippe zu. Plötzlich sausen von ober herab sechs Hälse mit gräßlichen Köpfen und packen sechs der Männer. Die anderen laufen schnell an die Ruder und beginnen durch die Meerenge zu rudern. Bald lassen sie die schrecklichen Klippen hinter sich.

Nach einiger Zeit sehen die Krieger einen flachen Strand aus den Fluten tauchen. Odysseus erkennt das Land als die Insel Thrinakia, vor der er schon zweimal gewarnt worden war. Doch seine Gefährten halten nichts von den Warnungen und steuern die Insel an. Kaum sind sie gelandet, da erhebt sich ein Sturm, der jede Weiterfahrt unmöglich macht. Nach einem Monat ist der Sturm noch genauso lebhaft, wie am ersten Tag und die Vorräte der Männer gehen zur Neige. Eines Tages ist kein Bissen mehr in den Vorratskammern und als Odysseus sich auf den Weg ins Landesinnere macht, um zu den Göttern zu beten, schlachten die anderen Krieger die schönsten Tiere der Herden, opfern den Göttern und bereiten sich ein Festmahl.

Als Odysseus den Geruch des gebratenen Fleisches vernimmt, läuft er schnell zu seinen Gefährten, doch er kann ihre Freveltat nicht mehr ungeschehen machen.

Nach einigen Tagen legt sich der Sturm und das Schiff fährt wieder aufs Meer hinaus.

Plötzlich schlagen hohe Wellen über das Schiff herein. Als das Schiff untergeht, kann sich nur Odysseus einige Planken zusammenbinden zu einem Floß. Die anderen Krieger werden in einem gewaltigen Sog unter Wasser gezogen.

Das Floß des Odysseus wird zurückgetrieben zu den zwei Klippen mit den gefährlichen Ungeheuern. Odysseus gerät in den Sog der Charybdis. Mit letzter Kraft greift er nach den Ästen des gewaltigen Feigenbaumes, unter dem Charybdis versteckt liegt, während sein Floß in den Rachen des Ungeheuers gezogen wird. Als das Ungeheuer das Wasser wieder ausspeit, lässt Odysseus sich auf sein Floß fallen, das ihn wieder hinausträgt auf das offene Meer.

Als das Floß sanft auf den flachen Strand gleitet, glaubt Odysseus zuerst nicht, dass das, was er sieht, wahr ist. Vor ihm erstreckt sich eine Wiese, auf der die wunderbarsten Blumen blühen und auf einer Anhöhe erblickt er einen großen Palast.

Unsicher geht er auf den Palast zu und als er durch eines der Tore einen Saal betritt, sieht er eine Frau. Sie ist so schön, wie nur eine Göttin es sein kann.

Sie hat ihn schon bemerkt und lädt ihn zu Speis und Trank ein. Odysseus erfährt, dass sie die Nymphe Kalypso ist, die Tochter des Himmelsgottes Atlas.

Es vergehen sieben Jahre, die Odysseus bei der Nymphe verbringt. Eines Tages kommt er zu Kalypso und sagt ihr, er wolle heim nach Ithaka. Diese will ihn aber nicht freigeben und beschließt, ihn zum Mann zu nehmen.

Währenddessen versammeln sich alle Götter auf dem Olymp, um über das Schicksal des Odysseus zu beraten. Pallas Athene bewundert diesen tapferen, gottesfürchtigen Mann und will deshalb bei Zeus ein gutes Wort für ihn einlegen. Zu ihrem Glück ist Poseidon nicht anwesend, da dieser der einzige ist, der Odysseus bisher die Heimkehr nach Ithaka verweigerte.

Die Götter beschließen, ihn von der Insel der Kalypso zwanzig Tage über das Meer zur Insel Scheria ziehen zu lassen, wo das Volk der Phaiaken lebt. Die Phaiaken haben die besondere Gabe, jeden Gast sicher mit ihren Schiffen über das Meer nach Hause zu geleiten. Selbst Poseidon kann ihren Schiffen nichts anhaben.

Die Unsterblichen schicken den Götterboten Hermes aus, um Kalypso die Nachricht zu überbringen. Als Kalypso vom Beschluß der Götter erfährt, ist sie zwar nicht damit einverstanden, doch sie wagt es nicht, sich den Unsterblichen zu widersetzen.

Am nächsten Morgen zeigt sie Odysseus einen Hain, wo große Bäume stehen, deren Stämme sich zum Bau eines Floßes eignen. Sie gibt ihm die nötigen Werkzeuge und innerhalb weniger Tage baut Odysseus sich ein stabiles Floß. Zum Abschied überreicht Kalypso ihm noch zwei Schläuche, einen mit Wasser und einen mit Wein, und einen großen ledernen Sack mit verschiedensten Essensvorräten.

Bei günstigem Wind tritt Odysseus seine Reise zur Insel der Phaiaken an.

Zur selben Zeit nähert sich Pallas Athene in der Gestalt des Fürsten Mentes, der mit Odysseus befreundet ist, der Stadt Ithaka. Sie will in Telemachos Kopf die Erinnerung an seinen Vater wieder wachrufen. Außerdem hat sie vor, ihn zu Nestor nach Pylos und zu Menelaos nach Sparta zu schicken, damit er dort nach seinem Vater forscht und dessen große Taten erzählt bekommt.

Als Pallas Athene in den Palast tritt, erblickt sie die vielen Freier, die um die Gunst der Penelope werben. Sie wirft ihnen einen missmutigen Blick zu, da sie erkennt, dass diese ein gewaltiges Gelage feiern und dabei die Vorräte des Königs aufzehren. Bald wird Pallas Athe ne von Telemachos zu Speis und Trank eingeladen. Nach dem Mahl beginnt sie, Telemachos den Grund für ihren Besuch zu erklären. Sie erzählt ihm, er solle nach Pylos und Sparta reisen, um nach seinem Vater zu forschen. Außerdem müsse er das Haus des Königs von den Freiern säubern.

Telemachos will etwas erwidern, doch Pallas Athene verschwindet im selben Augenblick, in dem sie mit ihrem Rat geendet hat.

Als die Freier mit dem Mahl fertig sind, tritt Telemachos vor sie und befiehlt ihnen, das Haus des Königs von Ihaka zu verlassen. Doch diese achten nicht auf den Jüngling.

Also entschließt sich Telemachos zu der Reise, zu der Mentes ihm geraten hat. Da Pallas Athene Mitleid mit dem Jüngling hat, geht sie noch einmal in der Gestalt des Mentes zu ihm, und verspricht ihm, dass sie ihn auf seiner Reise begleiten wird.

Dann verlässt sie den Jüngling und nimmt seine Gestalt an, als sie durch die Straßen von Ithaka geht. Hin und wieder spricht sie junge Männer an, die Telemachos wohlgesonnen sind. Sie fragt diese Jünglinge, ob sie Telemachos auf seiner Reise nach Pylos begleiten wollen. Als sie zwanzig Begleiter für Telemachos gefunden hat, geht sie zu einem alten Schiffbauer und leiht sein schnellstes Boot aus.

Als es dunkel wird, nimmt Athene wieder die Gestalt des Mentor an und begleitet Telemachos zum Schiff und zu seinen Gefährten. .Mitten in der Nacht gleitet das Schiff leise durch die Hafeneinfahrt hinaus aufs offene Meer.

Schon am nächsten Tag bei Morgengrauen kommen die Männer auf der Insel Pylos an. Dort wird gerade ein Opferfest zu Ehren des Meergottes Poseidon veranstaltet. Aus dem Getümmel kommt ein Jüngling auf die Fremden zu - es ist Peisistratos, der jüngste Sohn des Nestor. Er führt Mentor und Telemachos zu seien Vater und bietet ihnen von den gebratenen Eingeweiden der geopferten Tiere an, wie es der Brauch verlangt.

Dann stellen sich die beiden Fremden vor und Nestor erzählt ihnen von dem Tag, als er Odysseus zum letzten mal erblickte. Der listige Krieger wollte damals nach dem Sieg gegen Troja seinen Freund Agamemnon nicht allein zurücklassen und hatte deshalb nicht mit Nestor und den übrigen Achaiern den Hafen von Troja verlassen. Das ist das einzige, was der alte Nestor Telemachos und seiner göttlichen Begleiterin in der Gestalt des Mentor über Odysseus‘ Verbleib erzählen kann. Nestor schickt Telemachos weiter zu Menelaos nach Sparta. Mentor aber beschließt, Telemachos nicht dorthin zu begleiten. Er dreht sich nach dem Schiff um und als Telemachos und Nestor ihm nachschauen, sehen sie, wie Mentor sich in einen Adler verwandelt und sich in die Lüfte schwingt. Von da an wird Telemachos von Nestor als ein „Liebling der Götter“ bezeichnet.

Am nächsten Tag machen sich Telemachos und Peisistratos mit einem Wagen auf den Weg nach Sparta. Dort kommen sie nach zwei Tagen an und finden den Königshof hell erleuchtet vor. Menelaos feiert gerade ein großes Fest.

Die beiden Jünglinge werden freundlich aufgenommen und vor Menelaos geführt. Noch bevor dieser nach den Namen der beiden Besucher fragen kann, betritt die schöne Helena, die Gemahlin des Menelaos, den Saal. Sie erkennt sofort, dass Telemachos der Sohn des Odysseus sein muss und beginnt, ihm von den kühnen Taten seines Vaters zu erzählen. Helena erzählt ihm von Troja und dass Odysseus sich einmal während der Belagerung als Bettler in die Stadt geschlichen hatte, um die Anzahl der Krieger auszuspionieren. Helena hatte ihn damals entdeckt und er hatte ihr von seinem Plan mit dem hölzernen Pferd erzählt. Auch Menelaos beginnt, sich wieder an die Taten seines alten Freundes zu erinnern und verspricht den Jünglingen, ihnen am nächsten Morgen alles zu erzählen, was er über Odysseus‘ Verbleib weiß.

Früh am nächsten Tag erscheint Menelaos beim Schlaflager des Telemachos und beginnt, ihm von seinen eigenen Irrfahrten zu erzählen:

Auf seinem Weg zurück nach Hause war er nach Ägypten und in andere reiche Länder gekommen, hatte jedoch den richtigen Weg nicht gefunden.

Eines Tages war ihm die Nymphe Eidothea erschienen und hatte ihm geraten, ihren Vater Proteus zu fangen, da dieser den richtigen Weg wisse.

Als Menelaos und drei seiner tapfersten Krieger den Meergreis gefangen hatten, erzählte dieser ihnen über das Schicksal der anderen Männer, die aus Troja heimgekehrt waren. Nur drei von ihnen waren nicht glücklich nach Hause gekommen: Aias‘ Schiff zerschellte auf den Klippen vor seinem Heimathafen, Agamemnon wurde vom neuen Gemahl seiner Frau erstochen und Odysseus verschlug es auf die Insel der Kalypso, wo er immer noch ohne ein Schiff festsäße.

Dann wies der Meergreis Menelaos noch den Weg, der nach Sparta zurückführte und verschwand.

Als Telemachos diese Geschichte vernimmt, steigt wieder Hoffnung in ihm auf, dass sein Vater noch am Leben ist und sofort macht er sich mit seinem Begleiter Peisistratos sofort wieder auf den Weg nach Pylos.

Währenddessen haben die Freier im Königshaus der Insel Ithaka von Telemachos Reise erfahren und machen sich auf den Weg, ihn bei den Klippen zu Same abzufangen und zu töten. Und als Telemachos sich mit seinen Gefährten wieder in Richtung Heimat aufmacht, warten die Freier schon versteckt auf sein Kommen.

Doch in dieser Nacht hat Telemachos einen Traum: Die Göttin Pallas Athene befiehlt ihm, nicht mit seinen Gefährten in den Hafen von Ithaka zurückzukehren sondern das Schiff schon vorzeitig zu verlassen, um zum Schweinehirten Eumaios zu gehen.

Zur selben Zeit treibt Odysseus nun schon den achtzehnten Tag auf dem Meer, als er vor sich die Insel der Phaiaken erkennt. Da entdeckt ihn Poseidon und schickt einen gewaltigen Sturm, der Odysseus‘ Floß in Stücke reißt und den tapferen Krieger unter Wasser ziehen zu droht. Plötzlich taucht aus den Wogen die Nymphe Leukothea auf, die Odysseus einen Schleier reicht, der ihn vor dem Ertrinken bewahren soll. Odysseus muss sich seiner Kleider entledigen und den Schleier um seine Brust binden.

Als das Floß untergeht, springt Odysseus ins Wasser und schwimmt zwei Tage und zwei Nächte lang auf die Insel zu. Endlich erreicht er den flachen Strand an einer Stelle, wo ein Fluß ins Meer fließt.

Erschöpft bindet er den Schleier von seiner Brust und wirft ihn mit abgewandten Gesicht zurück ins Meer, so wie es die Nymphe ihm befohlen hat. Dann sinkt er, verborgen hinter dichtem Gestrüpp, in einen tiefen Schlaf.

Am nächsten Morgen wird Odysseus durch das fröhliche Lachen einiger Mädchen geweckt, die am Fluss stehen und Wäsche waschen. Unter ihnen erkennt er die Königstochter Nausikaa.

Er kann aber nicht vor die Mädchen treten, da er kein Gewand mehr am Leibe trägt.

Schließlich nimmt er all seinen Mut zusammen, bedeckt seine Blöße mit einem dichtbelaubten Zweig und verlässt sein Versteck. Als die Mägde den Mann erblicken, der unbekleidet und vor Schmutz starrend vor ihnen auftaucht, flüchten sie in alle Richtungen. Nur die Königstochter bleibt vor dem Fremden stehen. Odysseus bittet sie um Gewand und Speise. Nausikaa erkennt aus der klugen Rede, mit der Odysseus um diese Dinge bittet, dass der Fremde nicht aus schlechtem Hause kommt. Sie weist ihn an, sich im Fluß zu säubern und eines der frischgewaschenen Gewänder anzuziehen.

Als es für die Mädchen Zeit wird, zum Palast zurückzukehren, beschreibt Nausikaa Odysseus den Weg zum Haus ihres Vaters. Sie rät ihm, erst später nachzukommen und direkt in den Saal des Königs zu gehen.

Als Odysseus dann einige Zeit später vor König Antinoos und Königin Arete tritt, kniet er vor ihnen nieder und bittet um Geleit nach Hause.

Antinoos bittet um Bedenkze it und lädt den Fremden ein, mit ihm und den Fürsten der Stadt zu speisen. Während des Festmahls singt ein berühmter Sänger Lieder über den Trojanischen Krieg und den listigen Helden Odysseus.

Als Odysseus diese Lieder hört, steigen ihm Tränen in die Auge n, sosehr berühren ihn die glorreichen Texte. König Antinoos bemerkt die Tränen und fordert seinen Gast auf, ihm zu erzählen, weshalb ihn die Texte des Sängers so traurig machen.

Also nennt Odysseus seinen Namen und seine Herkunft und beginnt dann, von seinen Irrfahrten zu erzählen. Die Nacht vergeht während der König und die Fürsten gebannt Odysseus‘ Worten lauschen. Sie sind die ersten, die von dem Kyklopen Polyphem, den Leistrygonen, der Zauberin Kirke und der schönen Nymphe Kalypso erfahren. Die ersten, die Odysseus in seinen Geschichten zu den Ungeheuern Skylla und Charybdis und ins Totenreich führt.

Am nächsten Tag besteigen Odysseus und viele Phaiaken das Schiff, dass Odysseus nach Hause bringen soll. Odysseus schläft die ganze Fahrt über und als das Schiff im Hafen von Ithaka ankommt, tragen ihn die Phaiaken an Land und legen neben ihn die vielen Gastgeschenke, die König Antinoos dem Helden mitgegeben hat.

Dann verlassen sie die Insel und den schlafenden Krieger und machen sich wieder auf den Weg nach Hause.

Als Odysseus wenig später erwacht, weiß er nicht, wo er sich befindet. Zu seinem Schrecken sind die Phaiaken verschwunden, und so macht er sich auf den Weg, jemanden zu suchen, der ihm Auskunft geben kann. Zuvor aber versteckt er all seine Schätze in einer Höhle um sie vor Dieben zu bewahren.

Wenig später begegnet er einem Hirten, der ihm erzählt, dass dies die Insel Ithaka ist.

Odysseus ist trotz seiner Freude aber immer noch vorsichtig und als der Hirte ihn nach seiner Herkunft fragt, erfindet er schnell eine Geschichte, um nicht seinen richtigen Namen preisgeben zu müssen.

Plötzlich verwandelt sich der Hirte in Pallas Athene. Die Göttin ist Odysseus immer noch wohlgesinnt und erzählt dem König, was sich während der letzten 20 Jahre in seinem Pala st zugetragen hat. Dann verwandelt sie Odysseus in einen zerlumpten Bettler und schickt ihn zum Schweinehirten Eumaios, wo er auf die Rückkehr seines Sohnes Telemachos warten soll. Als Odysseus in der Gestalt des alten Bettlers in den Hof des Schweinehirten tritt, heißt dieser ihn herzlich willkommen. Natürlich fragt auch Eumaios nach der Herkunft des Fremden und wiederum erzählt der schlaue Odysseus ein Märchen. Er baut in seiner Geschichte geschickt ein Zusammentreffen mit dem verschollenen Helden Odysseus ein. Doch Eumaios und auch die anderen Schweinehirten schenken ihm keinen Glauben.

Zur selben Zeit nähert sich das Schiff des Telemachos dem Hafen von Ithaka und somit dem Felsen, hinter dem die Freier der Penelope mit ihren bösen Absichten versteckt liegen. Telemachos will seinem Traum Folge leisten, verlässt das Schiff noch bevor es in den Hafen von Ithaka hineinfährt und schlägt dem Weg ein, dem wenige Tage zuvor sein Vater Odysseus gefolgt war.

Als Telemachos zum Hof des Schweinehirten kommt, wird er freundlich empfangen. Auch er erkennt nicht, dass es sich bei dem armen Bettler um seinen Vater Odysseus handelt. Telemachos schickt Eumaios zum Palast um Penelope von der Rückkehr ihres Sohnes Bericht zu erstatten.

Als Eumaios sich auf den Weg in die Stadt gemacht hat, erscheint Pallas Athe ne und verwandelt den armen Bettler wieder in Odysseus. Telemachos glaubt zuerst nicht, dass der Fremde sein Vater ist, doch Odysseus kann seinen Sohn davon überzeugen. Kurze Zeit später beginnen Vater und Sohn, einen Plan auszuhecken, wie sie die lästigen Freier aus dem Palast vertreiben können.

Am nächsten Tag kehrt Eumaios zurück und Telemachos macht sich auf den Weg nach Hause. Wenig später macht sich Eumaios mit dem alten Bettler auch auf den Weg zum Palast. Als Odysseus und Eumaios den Saal betreten, schickt Penelope eine der Mägde zu dem alten Bettler, um ihn zu befragen, ob dieser Kunde brachte von Odysseus. Doch Odysseus lässt Penelope ausrichten, dass sie zu ihm in den Saal kommen sollte, wenn die Freier gegangen wären. Also schickt Telemachos mit wütender Stimme die betrunkenen Männer nach Hause. Nun ist es für Telemachos an der Zeit, die Waffen der Freier einzusammeln, wie er es zuvor mit seinem Vater ausgemacht hatte. Dann lässt er seine Mutter rufen. Als Penelope den alten Mann nach dessen Namen und Herkunft fragt, erzählt Odysseus wiederum eine erfundene Geschichte.

Penelope findet Gefallen an dem alten Bettler und schüttet ihm ihr Herz aus, dass sie die Hoffnung verloren hätte, dass ihr Gemahl je wieder nach Hause zurückkehren würde. Deshalb habe sie für den nächsten Tag ein Bogenschießen angekündigt. Die Freier sollten versuchen, den schweren Bogen des Odysseus zu spannen und einen Pfeil durch die Ösen von 12 aufgestellten Äxten zu schießen, so wie es Odysseus immer getan hatte. Kein Mann von Ithaka hatte es ihrem Gemahl je nachmachen können, und so hatte Penelope geschworen, sie würde denjenigen zum Mann nehmen, der den Pfeil durch alle Ösen zu schicken vermögen würde.

Mit diesen Worten verlässt Penelope den Bettler und geht zurück in ihre Gemächer. Vorher ordnet sie jedoch der alten Dienerin Eurykleia an, dem Gast die Füße zu waschen und ihm eine Bettstatt zu bereiten.

Als Eurykleia die Füße des Bettlers mit warmem Wasser waschen will, bemerkt sie eine Narbe am Bein des Bettlers und erkennt sofort, dass dieser alte Mann Odysseus, ihr Gebieter ist. Vor Freude will sie laut aufschreien, doch Odysseus kann sie zurückhalten. Er befiehlt seiner alten Dienerin, niemandem zu verraten, wer der Bettler sei. Dann legt Odysseus sich auf seine Schlafstatt und schläft bis zum nächsten Morgen.

Als am nächsten Tag um die Mittagszeit die Freier wieder in den Saal kommen, um sich an Wein und Fleisch zu laben, tritt plötzlich Penelope aus ihren Gemächern. In den Händen hält sie den gewaltigen Bogen von Odysseus.

Die Mägde hinter ihr tragen eine große Truhe mit den zwölf Äxten.

Penelope erklärt den Freiern, dass es in diesem Wettbewerb darum ginge, wer sie zur Frau bekommen würde.

Die Männer sind begeistert, und stellen schnell die zwölf Äxte in einer Reihe auf. Alsbald beginnen die übermütigen Freier mit dem Wettbewerb. Doch kein einziger vermag es, den Bogen auch nur ganz zu spannen. Da tritt der alte Bettler zu Eurykleia und befiehlt ihr, die Tore zu schließen und die Mägde in den Frauengemächern einzusperren. Dann ergreift er den Bogen und die Freier beginnen, wütend auf den alten Mann einzuschreiens. Penelope erträgt das Gebrüll nicht länger und verlässt den Saal.

Doch Odysseus wiegt unbekümmert den Bogen in seinen Händen und spürt, wie seine alte Kraft in seinen Körper zurückkehrt. Dann spannt er den Bogen, so leicht, dass die Freier vor Bestürzung keinen Ton mehr zu sagen vermögen. Odysseus ergreift einen Pfeil und jagt ihn durch die Ösen der zwölf Äxte.

Als die Freier das sehen, springen sie ungläubig auf. Schnell nimmt Odysseus einen weiteren Pfeil und tötet damit einen der Freier. Die anderen wollen schnell ihre Waffen von den Wänden nehmen, doch dort befinden diese sich nicht mehr. Hilflos blicken sie um sich auf der Suche nach einen Ausweg. Da tritt Odysseus in die Mitte des Saales und schreit die Freier an, dass er die vergangenen Jahre der Prasserei rächen werde. Telemachos und Eumaios haben sich in der Zwischenzeit bewaffnet und ein schrecklicher Kampf zwischen den Freiern und den Verbündeten des heimgekehrten Königs bricht aus. Die Freier haben nur mehr ihre Wurfpfeile, denn ihre Schwerter wurden ja von Telemachos und Odysseus zuvor weggetragen.

Schnell ergreift Odysseus einen Schild, als schon die ersten Pfeile der Freier durch den Saal fliegen. Doch wie durch ein Wunder treffen die Geschosse nicht ihr Ziel. Es ist, als wäre Pallas Athene im Saal und würde die Pfeile leiten. Doch nur die Pfeile von Odysseus und Telemachos treffen ihre Ziele, während die Freier nicht vermögen, den König oder seinen Sohn zu verletzen. Bald schon sind alle Freier vernichtet.

Odysseus schickt nun Eurykleia, um Penelope in den Saal zu holen. Als diese kommt, glaubt sie nicht, dass der alte Bettler ihr geliebter Odysseus ist. Odysseus leidet schreckliche Qualen und hofft, dass nun bald Pallas Athene kommen würde, um ihn in den großen starken Mann zurückzuverwandeln.

Dieser Wunsch erfüllt sich alsbald, doch Penelope ist nun so verwirrt, dass sie nicht glauben mag, was Odysseus erzählt. Erst, als sie ihm eine Frage gestellt hat, die nur der wahre Odysseus hätte richtig beantworten können, schlingt sie ihre Arme um ihn. Und Odysseus beschließt im Stillen, nie wieder von seiner geliebten Frau fortzugehen.

10 von 10 Seiten

Details

Titel
Homer - Odyssee
Note
1
Autor
Jahr
2001
Seiten
10
Katalognummer
V103005
Dateigröße
353 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Homer, Odyssee
Arbeit zitieren
Julia Schuster (Autor), 2001, Homer - Odyssee, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/103005

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