Die Arbeit beschäftigt sich anhand einer erfolgreichen Videoplattform näher mit den Grundlagen der parasozialen Interaktion. Das Ziel der Forschung ist herauszustellen, inwiefern das Konzept der parasozialen Interaktion aufgrund des Zuwachses der neuen Medien nochmal überarbeitet und/oder erweitert werden könnte. Um diesem Thema auf den Grund gehen zu können, wurde eine zusammenfassende Forschungsfrage aufgestellt, die im Laufe dieser Arbeit beantwortet werden soll: Ist die Theorie der parasozialen Interaktion nach Horton und Wohl auf die Videoplattform YouTube übertragbar?
Die Theorie von Horton und Wohl bietet sich für diese Untersuchung gut an, da dieses Modell als klassisches Konzept der Kommunikationswissenschaft gilt. Die beiden Forscher haben sich in ihrer Theorie auf das Medium Fernsehen fokussiert und erklären anhand dessen, wie sich Rezipienten und Medienfiguren gegenseitig wahrnehmen und einander gegenüber verhalten. Ausgehend von dieser Arbeit ist es möglich, die Theorie von Horton und Wohl auf eine Online-Plattform wie YouTube zu übertragen und zu analysieren.
Zunächst werden die Grundlagen der Theorie der parasozialen Interaktion nach Horton und Wohl dargelegt. Die Kapitel werden in Sinnabschnitte des Interaktionsprozesses unterteilt und im darauffolgenden Kapitel direkt mit der Online-Plattform verglichen. Anschließend wird auf die verschiedenen Rollen in der parasozialen Interaktionssituation eingegangen und erklärt, wie sich diese beim Fernsehen und bei YouTube gegenüberstehen. Darauf aufbauend wird der Begriff der parasozialen Beziehung vorgestellt, welche sich nach Horton und Wohl aus der parasozialen Interaktion zwischen Publikum und Darsteller entwickeln kann.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Parasoziale Interaktion nach Horton und Wohl
2.1 Objektiv einseitige Interaktion
2.1.1 Objektiv einseitige Interaktion: YouTube
2.2 Gefühlte Wechselseitigkeit
2.2.1 Gefühlte Wechselseitigkeit: YouTube
2.3 Doppelbödigkeit
2.3.1 Doppelbödigkeit: YouTube
3. Die Rollen in der parasozialen Interaktion
3.1 Die Rolle des Zuschauers als Rezipient
3.1.1 Rezipient: YouTube
3.2 Rolle der Medienperson als Persona
3.2.1 Persona: YouTube
4. Parasoziale Beziehungen nach Horton und Wohl
4.1 Parasoziale Beziehungen nach Horton und Wohl: YouTube
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Übertragbarkeit des klassischen kommunikationswissenschaftlichen Konzepts der parasozialen Interaktion nach Horton und Wohl auf moderne Online-Videoplattformen wie YouTube, um zu analysieren, wie sich die Interaktionsdynamik durch technologische Veränderungen gewandelt hat.
- Grundlagen der Theorie der parasozialen Interaktion nach Horton und Wohl
- Vergleich der Interaktionsmerkmale zwischen traditionellem Fernsehen und YouTube
- Analyse der Rollenverteilung zwischen Rezipient und Persona
- Einfluss von Feedbackkanälen und Community-Interaktionen
- Herausbildung parasozialer Beziehungen im digitalen Zeitalter
Auszug aus dem Buch
3.1 Die Rolle des Zuschauers als Rezipient
Bei der Rolle des Zuschauers als Rezipient stellt sich die Frage auf, wie dieser mit der parasozialen Situation umgeht und in dem Verhältnis mit der Medienperson agiert. Wechselseitige Interaktionen im Alltag seien im Allgemeinen von physischer und sozialer Nähe geprägt, „welche einen Einfluss auf die Art und Weise [haben], wie Menschen miteinander umgehen“. Bei der parasozialen Interaktion stehe die Medienperson dem Publikum jedoch nur scheinbar gegenüber, aus welchem Grund sich hier nach Horton und Wohl die gesamte soziale Situation ändert. Die Reaktionen des Zuschauers blieben für den Darsteller demnach verborgen, das Publikum könne somit frei reagieren, ohne eine Sanktion der Medienperson befürchten zu müssen.
Genauer ausgedrückt, erlaubt Fernsehen demnach „Engagement und Pseudoauthentizität, ohne persönliche Verpflichtung, ohne physischen und sozialen Aufwand, ohne Verantwortung und ohne einschränkende soziale Zwänge und Risiken“. Diese Handlungsfreiräume, die die parasoziale Interaktionssituation dem Zuschauer biete, verstehen Horton und Wohl als eine Form des Rollenspiels. Durch die Rollenübernahme könne der Zuschauer in einem Sendeformat partizipieren, sich mit einem Performer identifizieren, oder auch die Rolle des Darstellers ablehnen und zurückweisen. Zusätzlich dazu, könne der Rezipient Rollen ausleben, die ihm im echten Leben nicht geboten werden. Um sich mit einer bekannten oder auch unbekannten Rolle identifizieren zu können, müsse für den Rezipienten eine Vertrautheit gegenüber der Medienperson vorliegen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik der parasozialen Interaktion ein und definiert die Forschungsfrage, ob das klassische Modell von Horton und Wohl auf die moderne Plattform YouTube übertragbar ist.
2. Parasoziale Interaktion nach Horton und Wohl: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen der einseitigen Interaktion, der gefühlten Wechselseitigkeit sowie der Doppelbödigkeit und wendet diese Konzepte kritisch auf das Medium YouTube an.
3. Die Rollen in der parasozialen Interaktion: Hier werden die Rollen des Rezipienten sowie der Persona detailliert analysiert und untersucht, wie sich das Rollenspiel des Zuschauers und die Performance der Medienfigur in YouTube-Umgebungen gestalten.
4. Parasoziale Beziehungen nach Horton und Wohl: Dieses Kapitel thematisiert die zeitliche Entwicklung parasozialer Beziehungen und diskutiert, inwiefern YouTube-Formate den Aufbau dieser Bindungen im Vergleich zum Fernsehen beeinflussen oder intensivieren können.
5. Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen, beantwortet die Forschungsfrage zur Übertragbarkeit der Theorie und gibt einen Ausblick auf künftige wissenschaftliche Fragestellungen.
Schlüsselwörter
Parasoziale Interaktion, Horton und Wohl, YouTube, Medienrezeption, Rezipient, Persona, Wechselseitigkeit, Doppelbödigkeit, Online-Medien, Medienwissenschaften, Kommunikation, Rollenspiel, Feedbackkanal, parasoziale Beziehung, Digitalisierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht das kommunikationswissenschaftliche Konzept der parasozialen Interaktion, das ursprünglich für das Fernsehen entwickelt wurde, und analysiert dessen Anwendbarkeit auf die heutige YouTube-Kultur.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die Einseitigkeit der Kommunikation, die psychologische Illusion der Wechselseitigkeit, die Rolle der Akteure (Rezipient und Persona) sowie die Entstehung langfristiger parasozialer Beziehungen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist die Beantwortung der Frage, ob und wie die klassische Theorie von Horton und Wohl durch die technischen Gegebenheiten und Kommunikationsmöglichkeiten der Plattform YouTube überarbeitet oder erweitert werden muss.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Analyse, bei der das Modell von Horton und Wohl als theoretischer Rahmen genutzt wird, um aktuelle Phänomene der Videorezeption auf YouTube kritisch zu reflektieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Interaktionsprozesses, der Rollenverteilung zwischen Zuschauern und YouTubern sowie der vergleichenden Analyse der Beziehungsstrukturen zwischen Fernsehen und Online-Plattformen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich maßgeblich durch Begriffe wie parasoziale Interaktion, Rezipient, Persona, YouTube, Wechselseitigkeit und Doppelbödigkeit beschreiben.
Wie verändert der Rückkanal bei YouTube die parasoziale Situation?
Obwohl der Rückkanal durch Kommentar- und Likefunktionen eine aktive Interaktion ermöglicht, bleibt der blinde Fleck laut Autorin bestehen, da der Darsteller das Publikum weiterhin nicht in Echtzeit beobachten und sein Verhalten unmittelbar anpassen kann.
Inwiefern beeinflusst die Reichweite eines YouTube-Kanals die parasoziale Bindung?
Die Arbeit argumentiert, dass eine geringere Reichweite es dem Ersteller oft einfacher macht, eine persönliche, fast intime Bindung zu den Zuschauern aufzubauen, da weniger Kommentare und Feedbackmengen zu bewältigen sind.
- Citation du texte
- Lea Kleinelümern (Auteur), 2020, Parasoziale Interaktion nach Horton und Wohl. Ein Vergleich von YouTube und Fernsehen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1030080