In diesem Essay soll die Frage behandelt werden, wie Fiktionen über die Zukunft - insbesondere in Spielfilmen - einen Einfluss auf die Gegenwart haben und wie groß dieser Einfluss sein kann. Dabei sollen im besonderen Maße die Effekte von Spielfilmen, die die Zukunft in Katstrophenszenarios darstellen, untersucht werden. Dabei spielen Lerneffekte, der wahrgenommene Realismus in Fiktionen und die Bedeutung von Dystopien eine Rolle. Besonders soll beleuchtet werden, inwiefern Emotionalität und andere Dimensionen eine Auswirkung auf den wahrgenommenen Realismus von Fiktionen haben. Denn ein großer Teil der Wirkmacht scheint daher zu kommen, wie „real“ uns Fiktionen vorkommen. Das heißt nicht nur, wie wahrscheinlich uns fiktive Einzelereignisse vorkommen, sondern auch welche unterbewussten Prozesse stattfinden und wie wir dem Geschehen des Spielfilms und den Charakteren Glauben schenken. Dabei steht die Frage im Vordergrund, auf welche Art und Weise Filme über die Darstellung einer möglichen Zukunft die Gegenwart beeinflussen, und wie dadurch wiederum die tatsächliche Zukunft entstehen kann. Dies soll anhand theoretischer Überlegungen und bereits durchgeführten Studien zu dem Thema erörtert werden.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Bedeutung von Fiktionen in der Gegenwart
Bedeutung von Film
Reichweite
Wirkweise
Messbare Effekte als Beispiele
Schluss
Zielsetzung & Themen
Dieses theoretische Essay untersucht den Einfluss fiktionaler Zukunftsszenarien in Spielfilmen, insbesondere von Katastrophenfilmen, auf die Wahrnehmung und das Verhalten des Publikums in der Gegenwart.
- Die Rolle von Fiktionen als gesellschaftlicher Denkraum
- Der wahrgenommene Realismus (perceived realism) in audiovisuellen Medien
- Lerneffekte und die Formung politischer Auffassungen durch dystopische Narrative
- Die Bedeutung von Emotionalität bei der Vermittlung fiktionaler Inhalte
- Der Einfluss des Zeitgeistes auf die Gestaltung von Zukunftsszenarien
Auszug aus dem Buch
Wirkweise
Es gilt als gesichert, dass Menschen „Fakten“ bzw. Gegebenheiten lernen, unabhängig davon, ob die Datenquelle als fiktiv oder nicht-fiktiv gilt. (Green & Brock, 2000) Darüber hinaus wirkt die Erzählstruktur von Fiktion besonders überzeugend (Gerrig & Prentice, 1991). Diese Überzeugungskunst soll im folgenden Teil erörtert werden.
Einer der Hauptunterschiede zu Journalismus, der so etwas wie einen „Objektivitäts-“ bzw. Unparteiigkeitsanspruch hat, drängen künstlerische Darbietungen wie Spielfilme dazu, sich mit einer Person auseinanderzusetzen und wirken so empathisierend und stark emotional. Schnell entstehen im Film z.B. Identifikationen mit „den Guten“ oder Antipathien durch Feindbilder, wie den „Bösewichten“. Im Spielfilm sind die Emotionalität und eine Fokussierung der Betrachtung deutlich stärker als im Journalismus. (Jones & Paris, 2018, p. 981) Während eine Subjektivität und einseitige Berichterstattung im Journalismus oder in wissenschaftlichen Publikationen oftmals als „Propaganda“ abgetan wird (ibidem), ist jedoch keine Art des Journalismus wirklich befreit von Vorannahmen und Einnahmen und schließlich der wenn auch latenten Kundgabe von Meinungen, die subjektiv sind. Jedoch wirkt dies längst nicht so reißerisch und so effektiv wie bei Spielfilmen. Daher könnte genau dieses Emotionale, Reißerische, und das Element des „Schlagens auf die eine oder andere Seite“ sein, das so ein zentraler Aspekt von vielen Spielfilmen ist und in der „Nicht-Fiktion“ auf Grund dem Unparteiigkeitsanspruch fehlt, was dazu führt, dass nicht-fiktive Abhandlungen von Problemen nicht wie Spielfilme kraftvoll genug sind, um Menschen zu mobilisieren und zu „aktivieren“.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Das Kapitel führt in die Fragestellung ein, wie Spielfilme über Katastrophenszenarien die Wahrnehmung der Gegenwart und die tatsächliche Zukunft beeinflussen können.
Bedeutung von Fiktionen in der Gegenwart: Hier wird erläutert, wie Fiktionen seit Jahrhunderten als Visionen oder Spielräume für gesellschaftliches Handeln dienen und wie sie trotz fehlender wissenschaftlicher Belegung Realitätsnähe erzeugen.
Bedeutung von Film: Dieses Kapitel analysiert, warum Spielfilme aufgrund ihrer Reichweite und Erzählweise eine besondere Wirkmacht besitzen, um gesellschaftliche Diskussionen anzuregen.
Reichweite: Es wird diskutiert, wie Spielfilme durch ihre globale Verbreitung komplexe Probleme wie den Klimawandel einem breiten Publikum zugänglich machen können.
Wirkweise: Dieser Abschnitt beleuchtet, wie Fiktionen durch emotionale Identifikation und „wahrgenommenen Realismus“ das Publikum mobilisieren und Lernprozesse initiieren.
Messbare Effekte als Beispiele: Anhand von Studien zu Filmen wie „The Hunger Games“ und „San Andreas“ wird aufgezeigt, wie Spielfilme tatsächliche politische Einstellungen und das Verhalten in Krisensituationen beeinflussen.
Schluss: Das Fazit fasst zusammen, dass Spielfilme durch die Kombination von Makro-Ereignissen und individueller Mikro-Ebene eine nachhaltige, messbare Wirkung auf das Publikum und den Zeitgeist ausüben.
Schlüsselwörter
Zukunftsszenarien, Katastrophenfilme, Fiktion, Wahrgenommener Realismus, Spielfilm, Dystopie, Zeitgeist, Lerneffekt, Soziale Wirkung, Medienpsychologie, Klimawandel, Politische Einstellungen, Emotionalität, Gesellschaftliche Vision, Medienrezeption.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht den Einfluss von zukunftsgerichteten Spielfilmen, insbesondere Katastrophenfilmen, auf die reale gesellschaftliche Wahrnehmung und das Handeln in der Gegenwart.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit befasst sich mit der Wirkmacht von Fiktionen, der Bedeutung von wahrgenommenem Realismus, der Rolle von Emotionen in audiovisuellen Medien und dem Einfluss von Narrativen auf politische Einstellungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu ergründen, wie Spielfilme die Gegenwart beeinflussen und inwiefern sie als „Hilfsmittel der Vorstellungskraft“ dazu beitragen, die tatsächliche Zukunft zu gestalten.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um ein theoretisches Essay, das verschiedene medienwissenschaftliche und psychologische Theorien sowie empirische Studien zum Thema Filmwirkung synthetisiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Reichweite und Wirkweise von Filmen, untersucht das Konzept des „wahrgenommenen Realismus“ und führt Beispiele für messbare Verhaltensänderungen durch Kinofilme an.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zukunftsszenarien, Katastrophenfilme, wahrgenommener Realismus, Medienwirkung, soziale Lernprozesse und Dystopien.
Warum wird der „wahrgenommene Realismus“ als so wichtig eingestuft?
Da die Überzeugungskraft eines Films und die Wahrscheinlichkeit, dass Informationen daraus als valide und nützlich übernommen werden, direkt mit der empfundenen Realitätsnähe des Zuschauers korrelieren.
Welche Rolle spielt die „Mikro-Ebene“ in den untersuchten Filmen?
Die Mikro-Ebene bricht komplexe Makro-Krisen (wie Umweltzerstörung) auf die Erfahrungen einzelner Charaktere herunter, was die emotionale Identifikation fördert und das Ereignis für den Zuschauer greifbarer macht.
- Citation du texte
- Philipp Blaich (Auteur), 2020, Wie Filme über die Zukunft die Gegenwart prägen und damit die Zukunft. Ein theoretisches Essay mit einem Fokus auf Katastrophenfilme, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1030300