Die Pisonische Verschwörung 65 n. Chr.


Seminararbeit, 1999

11 Seiten


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Inhalt

A) Einleitung
a.1.1) Regest
a.1.2) Quellenkritik
a.2.1.) Thema der Arbeit a.2.2.) Aufbau der Arbeit

B) Hauptteil
b.1) Senatoren
b.1.1) C. Calpurnius Piso
b.1.2) Plautius Lateranus
b.1.3) Flavus Scaevinus
b.1.4) Afranius Quintianus
b.2) Ritter
b.2.1) Claudius Senecio
b.2.2) Antonius Natalis
b.2.3) Cervarius Proculus
b.2.4)Vulcacius Araricus, Iulius Augurinus, Munatius Gratus und Marcius Festus.
b.3) Soldaten
b.3.1)Faenius Rufus
b.3.2)Subrius Flavus
b.3.3)Gavius Silvanus
b.3.4)Statius Proxumus
b.3.5)Sulpicius Asper
b.3.6) Maximus Scaurus und Venetus Paulus
b.4) Übrige
b.4.1) Annaeus Lucanus
b.4.2) Epicharsis

C) Schluß
c.1) Zusammenfassung
c.2) Quellen und Literaturhinweise

A) Einleitung

a.1.1) Regest :

Die vorliegende Quelle ist ein Auszug aus dem 15. Buch der Annalen des Tacitus, Kapitel 48 bis 74. In diesen Abschnitten berichtet Tacitus von den Ereignissen und den Teilnehmern an der sogenannten ‘ Pisonischen Verschwörung’ gegen Nero im Jahre 65 n. Chr. .Es werden teilweise auch andere Bücher der Annalen hinzugezogen.

a.1.2) Quellenkritik :

Die Quelle liegt in einer deutschen Übersetzung vor. Die lateinische Originalfassung, soweit man überhaupt von Original sprechen kann, da nur Abschriften der Bücher des Tacitus vorliegen, steht nicht zum Vergleich. Eine Überprüfung dieser Übersetzungsversion auf etwaige sprachliche Nuancen kann daher nicht erfolgen.1

Deshalb sind alle Ergebnisse der Arbeit unter einem gewissen Vorbehalt zu betrachten.

a.2.1) Thema der Arbeit :

Im Jahre 65 n. Chr. wurde ein geplantes Attentat auf Nero vereitelt. Im Zuge der Aufdeckung dieser sogenannten ‘ Pisonischen Verschwörung ‘ zeigte sich, das weite Teile des römischen Adels, der Ritter und des Militärs darin verwickelt waren. Gegen die Verschwörer ging Nero rigoros vor, indem er sie entweder töten ließ, ihnen Selbstmord befahl oder sie verbannte. Unter den Verurteilten war auch Seneca der ehemalige Lehrer und Erzieher Neros.

Da Tacitus am ausführlichsten von diesen Ereignissen berichtet, soll anhand seiner Darstellung folgende Frage untersucht werden:

Welche Gründe gab es für das Scheitern der Verschwörung ?

a.2.2) Aufbau der Arbeit:

Zur Beantwortung dieser Frage soll im Haupteil untersucht werden, wer die Verschwörer waren, und welche Motive sie hatten. Anschließend werden die Ergebnisse zusammengefaßt und ein Resümee gezogen. Den Abschluß bildet ein Verzeichnis der verwendeten Quellen und Literatur.

B) Hauptteil

Welche Gründe gab es für das Scheitern der Verschwörung ?

Die Zahl der von Tacitus benannten Verschwörer beläuft sich auf zwanzig, wobei im Zuge der Verhöre Neros noch drei weitere Namen fallen.2Es ist aber kein Hinweis darauf zu finden, daß diese tatsächlich beteiligt waren. Unter ihnen ist auch Seneca, dessen Fall zu untersuchen im Rahmen dieser Arbeit jedoch nicht geleistet werden kann.

Im folgenden sollen, nach Ständen gegliedert, die einzelnen Teilnehmer und ihre Motive untersucht werden:

b.1) Senatoren

Tacitus nennt 4 Senatoren: C. Calpurnius Piso, Plautius Lateranus, Flavius Scaevinus und Afranius Quintianus:

b.1.1) C. Calpurinus Piso stammte aus einer alten, adeligen Familie und war beim römischen Volk beliebt.Tacitus schreibt über seine Person allerdings, daß er, „ sich einem oberflächlichen, prunkliebenden, manchmal auch verschwen- derischem Leben hin[gab]“, seine Frau keinen guten Leumund hatteund die Verschwörung nicht auf seiner eigenen Initiative beruhte. Daher ist der Name „Pisonische“ - Verschwörung irreführend.

Aus3 den456 biographischen Informationen, die sich zu Piso bei Tacitus finden, lassen sich nur schwer Motive erkennen, die seine Teilnahme schlüssig begründen: Unter Caligula wurde ihm im Jahre 38 seine Frau weggenommen, und im Jahre 40 wurde er verbannt, jedoch unter Claudius wieder zurückgeholt.7 Es ist von keinem Unrecht zu lesen, das ihm von Nero widerfahren ist. Das Einzige, was Tacitus berichtet, ist, daß Piso befürchtete, daß nach einem erfolgreichen Attentat andere zum Princeps ausgerufen werde könnten. Das heißt, daß persönliches Machtbestreben ihn dazu veranlaßt haben könnte, an der Verschwörung teilzunehmen. Als diese entdeckt wurde, versuchte er jedoch nicht sich an die Spitze eines bewaffneten Aufstandes zu stellen, sondern wartete in seinem Haus auf seine Gefangennahme und Tötung8.

Es bleibt der Eindruck, daß er letztendlich nur ein Strohmann war, der von den eigentlichen Urhebern der Verschwörung gebraucht wurde, um einen populären Ersatz für den getöteten Nero zu haben.

Zitat: „ Yet all his graces he ruined the conspiracy by weakness and a tire lack of resolution and of daring at the criticel moment. His position and notoriety had caused the more determined plotters to push him into the dangerous position of chief conspirator, a position wich he occupied rather against his will than of any impelling ambition of his own.“9

b.1.2) Plautius Lateranus, dessen Onkel 28 n. Chr. Konsul war, war unter

Claudius seines Senatorenamtes enthoben worden, aufgrund des Vorwurfes des Ehebruchs mit Messalina. Er wurde jedoch im Jahre 55 n. Chr. von Nero wieder eingesetzt.Als sein Motiv wird allein „die Liebe zum Vaterland“10genannt. Nach Tacitus Darstellung ist er der einzige der Senatoren, der sich nach der Entdeckung der Verschwörung aufrecht verhält11.

b.1.3) Flavius Scaevinus stand in keinem sonderlich guten Ruf. Er wollte den

eigentlichen Mord durchführen,doch erfährt man nichts über seine Motive. Durch sein auffälliges Verhalten im Vorfeld des Attentats erregt er das Mißtrauen eines seiner Sklaven, der ihn bei Nero anzeigt. Bei den Verhören gibt er nach dem Geständnis der Antonius Natalis (s.u.) die Namen aller Verschwörer preis.12

b.1.4) Afranius Quintianus stand in ähnlich schlechtem Ruf wie Scaevinus und wollte sich für eine von Nero erlittene Kränkungan diesem rächen. Bei den Verhören verhielt er sich ähnlich wie Scaevinus.

Zusammengefaßt 13kann man sagen, daß nach Tacitus nur einer der beteiligten Senatoren aus staatspolitischen Motiven gehandelt zu haben scheint. Bei den Anderen standen offensichtlich persönliche oder unbekannte Motive im Vordergrund.

b.2) Ritter

Tacitus nennt sieben Ritter: Claudius Senecio, Antonius Natalis, Cervarius Proculus, Vulcacius Araricus, Iulius Augurinus, Munatius Gratus und Marcius Festus.

b.2.1) Claudius Senecio , „Sohn eines Freigelassenes Cäsars“war ein enger Vertrauter Neros, den dieser auch in seine intimsten Geheimnisse eingeweiht hatte.Nach dem Ihm Straffreiheit zugesichert wurde gab er die Namen der Mitverschwörer an und wurde dennoch hingerichtet.

b.2.2) Antonius Natalis war ein enger Freund des Piso und maßgeblich an der Planung des Komplotts beteiligt.Ihm wurde die zugesicherte Straffreiheit gewährt, da er wie Cervarius Proculus(s.u.) als einer der Ersten gestand. Er allein gab an, daß Seneca an der Verschwörung beteiligt war. Dieser wurde daraufhin verurteilt und ihm der Selbstmord befohlen.

Vielleicht trug auch gerade die Beschuldigung Senecas zu seiner Straflosigkeit bei: Die Geständnisse wurden veröffentlicht18, wodurch Nero eine141516 17formale Rechtfertigung hatte, Seneca töten zu lassen, was er schon vorher vergeblich versucht hatte.19

b.2.3) Cervarius Proculus’ Aussage führte zur Überführung des

Prätorianerpraefekten Faenius Rufus(s.u.). Vielleicht war dies der Grund weshalb ihm ebenfalls Straffreiheit gewährt wurde. Sein Motiv war die Hoffnung auf Profit durch Teilnahme an dem Staatsstreich. Es steht zu vermuten, daß sie hingerichtet wurden, da Scaevinus die Namen aller Verschwörer ausgesagt hatte(s.o.).

b.2.4) Vulcacius Araricus, Iulius Augurinus, Munatius Gratus und Marcius Festus hofften ebenfalls, durch den Staatsstreich zu profitieren. Über das Schicksal dieser Ritter wird nichts berichtet. Es steht anzunehmen, daß sie hingerichtet wurden.

Zusammengefaßt kann man sagen, daß bei den Rittern nur Profitsucht explizit als Tatmotiv angegeben wird.

b.3) Soldaten

Tacitus nennt 7 Soldaten: Faenius Rufus, Prätorianerpräfekt, Subrius Flavus, Gavius Silvanus, Statius Proxumus, Tribunen der Prätorianergarde, 20212223sowie die Centurios Sulpicius Asper, Maximus Scaurus Venetus Paulus.

b.3.1) Faenius Rufus war neben Tigellinus der Nachfolger des Burrus. Er gehörte dem engsten Vertrautenkreis der Agrippina an und erhielt durch ihre Unterstützung die „Aufsicht über das Gtreidewesen“. Er stand bei dem Volk im guten Ruf, doch schwächte Tigellinus durch Intrigen seine Position bei Nero. So ist auch bei ihm ein persönliches Motiv anzunehmen. Er leitete in seiner Position als Prätorianerpräfekt die Verhöre und versuchte durch eine besonders harte Vorgehensweise, seine Beteiligung am Komplott vor Nero zu verheimlichen und den Verdacht von sich zu lenken.Als er schließlich doch enttarnt wurde, flehte er um Gnade, welche ihm jedoch nicht gewährt wurde.

Es bleibt festzustellen, daß er in seiner Position als Präfekt nicht die Initiative ergriffen hat, Nero zu töten bzw. töten zu lassen, obwohl er dazu auch nach der Aufdeckung des Komplott noch Gelegenheit hatte24.

Insofern weist sein Verhalten und die letztendlich daraus resultierenden Konsequenzen Parallelen zu dem Verhalten Pisos auf(s.o.).

b.3.2) Subrius Flavus galt als einer der entschlossensten Verschwörer. Es wird berichtet, daß er schon während des Brandes von Rom plante, Nero zu töten. Dies kann ein Hinweis darauf sein ,daß die Ursprünge der Verschwörung bis ins Jahr 64 zurückreichen. Weiterhin erfährt man, daß er noch während der Verhöre bereit war, Nero zu töten, dabei aber von Faenius Rufus zurückgehalten wurde(s.o.). Kurz darauf wurde auch seine Beteiligung offenbar und nach anfänglichem Leugnen gab er sie zu.

Interessant 2526ist sein Geständnis aus zwei Gründen:

Erstens gibt er hier als einziger Neros Verbrechen als Tatmotiv an, was Tacitus zufolge keiner der anderen Verschwörer in dieser klaren Form getan zu haben scheint.

Zweitens ist das Geständnis nicht veröffentlicht worden, wie es bei den anderen der Fall war. Eine plausible Erklärung hierfür scheint zu sein, daß Nero die Geständnisprotokolle zur Rechtfertigung seiner politischen Morde nutzen wollte. Die Veröffentlichung des Protokolls von Subrius Flavius wäre einer Selbstanklage Neros gleichgekommen. Sie hätte seinem Plan jeglichen Boden entzogen und stattdessen die Verschwörer nachträglich rehabilitiert. Vielleicht hat Tacitus gerade durch die Wiedergabe dieser Aussage die Verbrechen in das Zentrum des Interesses rücken wollen, um das Ansinnen der Verschwörer posthum zu rechtfertigen. Doch kann diese Hypothese nicht aus der Quelle nicht schlüssig bewiesen werden.

Es bleibt noch zu erwähnen, daß Tacitus von einem Gerücht berichtet, dem zufolge Subrius Flavus Seneca anstatt Piso als Princeps einsetzen wollte. Da dieses jedoch nicht verbürgt ist, kann darauf in diesem Zusammenhang nicht weiter eingegangen werden.

b.3.3) Gavius Silvanus verhielt sich ähnlich wie Faenius Rufus.

Er überbrachte Seneca sowohl die Anschuldigungen des Natalis als auch den Selbstmordbefehl Neros. Allerdings hielt er Rücksprache mit seinem Vorgesetzen Faenius Rufus, der ihm die Ausführung der Anordnung befahl. Formal befand sich Silvanus also im Recht, da er auf Befehl handelte. Trotz seines Freispruchs beging er im Anschluß Selbstmord. Ob seine Motive über Gefolgstreue zu Faenius Rufus hinausgingen erfährt man nicht.

b.3.4) Statius Proxumus folgte ebenfalls den Befehlen Neros und exekutierte auf dessen Befehl Plautius Lateranus, wobei dieser ihn bis zum Schluß nicht verriet(s.o.). Auch er starb, obwohl er freigesprochen wurde.

b.3.5) Sulpicius Asper gab wie Subrius Flavus an, daß das Verhalten Neros ihm keine andere Wahl gelassen habe, woraufhin er getötet wurde.

b.3.6) Maximus Scaurus und Venetus Paulus verhielten sich offensichtlich ähnlich.

Zusammengefaßt kann man sagen, daß sowohl persönliche als auch idealistische Motive bei2728 den Soldaten zu finden sind, wobei vielleicht auch militärische Gefolgschaft eine Rolle gespielt haben kann.

b.4) Übrige

Tacitus nennt außerdem M. Annaeus Lucanus und eine Frau namens Epicharis.

b.4.1) M. Annaeus Lucanus, ein Neffe Senecas aus Corduba, war früher ein enger Freund Neros gewesen und hatte ihm sogar eigens ein Gedicht gewidmet. Als Verfasser des Epos Pharsalia, welches vom Bürgerkrieg zwischen Pompeius und Caesar handelt, erlangte er eine gewisse Berühmtheit und erregte so Neros Neid. Nach der Veröffentlichung einiger Spottgedichte über Nero erteilte ihm dieser Publikationsverbot.

Dieses 29Publikationsverbot sollte den Ausschlag für Lucanus geben, sich an dem Komplott zu beteiligen. In den letzten Büchern der Pharsalia sprach er sich klar für die römische Republik und gegen das Prinzipat aus.

Als er jedoch verhört wurde stand er nicht für diese Ideale ein, sondern gab mit der Aussicht auf Straffreiheit sogar den Namen seiner Mutter preis30, obwohl Tacitus z.B. sie nicht bei der Aufzählung der Verschwörer erwähnte. Ein möglicher Grund dafür könnte gewesen sein, daß Nero auch gegen Senecas Bruder, den Vater Lucanus’ einen Vorwand brauchte, um diesen nach Bedarf töten zu lassen, wobei er jedoch nachher auf einen anderen Weg verfiel, dieses Ziel zu erreichen31.

b.4.2) Epicharsis spielte die rätselhaftteste und zugleich ehrenvollste Rolle in diesem Komplott. Sie war nicht nur die einzige Frau in dieser Verschwörung, sondern trieb auch viel energischer als ihre Mitverschwörer die Vorbereitungen dazu voran.Ihre Herkunft war ungewiß,Tacitus nennt sie eine „freigelassene Frau“, und die Stelle „sie hatte sich bisher nie um anständige Dinge gekümmert“kann darauf hindeuten, daß sie eine Mätresse war, die durch eine Indiskretion eines der Verschwörer in die Sache eingeweiht war und vielleicht sogar eine persönliche Abneigung gegen Nero hegte, wobei letzteres reine Spekulation bleiben muß.

Sie323334 schien die Lethargie der Verschwörer zum Anlaß genommen zu haben, eigenverantwortlich zu handeln. So stellte sie den Kontakt zu einem Flotten- kapitän Volusius Proculus her, da sie annahm, daß auch er aus persönlichen Motiven sich beteiligen würde und die Verschwörer somit Teile der Flotte für sich gewinnen könnten. Epicharis wurde jedoch von Proculus bei Nero angezeigt. Da er für seine Behauptungen keine Zeugen und Epicharis ihm nicht die Namen der Verschwörer offenbart hatte, konnte sie alles leugnen und so eine vorzeitige Entdeckung verhindern. Dennoch ließ Nero sie verhaften.

Sie zeigte auch in dieser für sie gefährlichen Lage Courage und Verantwortungs- bewußtsein, indem sie mit ihrer Person für ihr voreiliges Handeln einstand und nicht ihre Situation durch die Auslieferung der Mitverschwörer zu verbessern suchte.

Die Fälle von Antonius Natalis und Cervarius Proculus zeigen, daß sie möglicherweise dadurch ihr Leben hätte retten können(s.o.). Ihre Loyalität ging sogar soweit, daß sie trotz Folter schwieg und sich selbst das Leben nahm, ohne jemanden verraten zu haben.35Durch die Erduldunng der Folter steht ihre Haltung moralisch sogar noch über der von Subrius Flavus, Sulpicius Asper und Plautius Lateranus(s.o).

Eine Zusammenfassung dieser Positionen erfolgt in der anschließenden Schlußbetrachtung.

C) Schluß

c.1) Zusammenfassung:

Aus dem oben gesagten läßt sich folgendes feststellen: Es gab bei den Verschwörern außer dem Plan, Nero zu töten, fast keine Gemeinsamkeiten. Nur bei dreien sind staatspolitische Motive erkennbar. Die Übrigen scheinen aus rein egoistischen Beweggründen gehandelt zu haben. Die Tatsache, daß die Verschwörung so lange geheimgehalten werden konnte, spiegelt nur die Furcht vor Repressalien wider, denn bei den Verhören scheint der Großteil der Teilnehmer sich geradezu überboten zu haben, die Namen der Mitverschwörer preiszugeben. Der Begriff Gemeinschaft scheint daher nur formal angemessen. Gerade dieser fehlende Gemeinschaftssinn war ein wesentlicher Grund für das Scheitern der Verschwörung: Es scheinen keine Maßnahmen getroffen worden zu sein für den Fall einer vorzeitigen Aufdeckung, weshalb die Aussagen von Natalis und Scaevinus unterschiedlich ausfielen und so das Komplott entdeckt wurde. Will man die Schuld einzelnen Personen zuschreiben, so lassen sich drei Hauptschuldige ausmachen:

1. Flavius Scaevinus hat durch sein ostentatives Verhalten am Tag vor dem

geplanten Attentat, die Verschwörung leichtfertig gefährdet und anschließend verraten. Letzteres hat er allerdings mit den meisten anderen gemein.

2. C. Calpurnius Piso hat nach der Gefangennahme Scaevinus’ und Natalis’ nicht versucht, die Prätorianergarde für einen Umsturz zu gewinnen, obwohl diese Möglichkeit durchaus noch zum Gelingen des Vorhabens hätte führen können. Stattdessen hat er sich für die Passivität entschieden.

3. Faenius Rufus hat schließlich die sich bietende Gelegenheit nicht nur nicht ergriffen und kraft seiner Befehlsgewalt verhindert, sondern sogar aktiv an der Verfolgung und Folterung seiner Mitverschworenen teilgenommen, um sein Leben zu retten. Er hat also sowohl seinen Fahneneid gebrochen, als auch die Gemeinschaft verraten.

Dies wirkt um so schwerer vor dem Hintergrund des Verhaltens von Subrius Flavus, Sulpicius Asper und vor allen Dingen Epicharsis.

Unter diesen Bedingungen konnte die Verschwörung nur scheitern.

c.2) Quellen und Literaturhinweise

Quellen:

„Annalen XI-XVI“, Tacitus,Reclam, Stuttgart,1967.

Sekundärliteratur:

- „ The life and principate of the emperor Nero“, Bernard W. Henderson, M.A, Studia Historica Bd. 55, „L’ERMA“ di Brotschneider-Roma,1968.

- „ Nero - Reality and Legend“, B.H. Warmington, Chatto&Wings London,19812.

- „ Political dissidence under Nero - The price of dissimultation“, Vasily Rudich, Routledge, London, 1993.

- „ Kaiser und Senat in der Zeit von Nero bis Nerva“,Bruno Grenzhauser, Münster, 1964.

- „ Nero - The End of a Dynasty“, Miriam T. Griffin, London, 1984.

[...]


1„ Im Text stehtneque senatui quid (quam) manere,was aber im Hinblick auf diescelera principisnicht recht zu passen scheint. Daher ist dem Vorschlag, senatui in sancti zu ändern, in der Übersetzung gefolgt“, „Annalen XV,51“, S.196, Fußnote 103 aus „Annalen XI-XVI“, Tacitus, Reclam, Stuttgart, 1967.

2vgl.: Annalen XV,56, Tacitus. Im folgenden :Ann. Buchnr.,Kapitelnr. abgekürzt

3vgl.: Ann. XV,48

4Zitat aus Ann. XV,48

5vgl.: Ann. XV,59

6vgl.: Ann. XV,49

7 siehe Fußnote 99, Ann.XV,48

8vgl.: Ann. XV, 59

9Zitat aus „The life and Principate of the Emperor Nero“, Bernard W. Henderson, M.A.,S. 262, Studia Historica Bd. 55, „L’ERMA“ di Brotschneider-Roma, 1968.

10Zitat aus Ann. XV,48

11vgl.: Ann. XV,60

12vgl.: Ann. XV,58

13 vgl.: Ann XV,49

14Zitat aus Ann XIII,12

15 ebd.

16vgl.: Ann XV,50 und 56

17vgl.: Ann. XV,56

18vgl.: Ann. XV,73

19 vgl.: Ann. XV,45

20vgl.: Ann. XIV,51

21Zitat aus Ann XIII,22. siehe auch Fußnote 57 ebd.

22vgl.: Ann. XIV,55 und 57 sowie XV,49 und 50

23vgl.: Ann. XV,58 und 61

24vgl.: Ann. XV,58

25vgl.: Ann. XV,49

26 vgl.: Ann. XV,50

27vgl.: Ann. XV,71

28vgl.: Ann. XV,68

29vgl.: „The life and principate of Nero“, S. 262f

30 vgl.: Ann. XV,56

31vgl.: Ann. XVI,17

32vgl.: Ann. XV,51

33vgl.: Ann. XV,57

34Zitat aus Ann. XV,51

35 vgl.: XV,57

11 von 11 Seiten

Details

Titel
Die Pisonische Verschwörung 65 n. Chr.
Autor
Jahr
1999
Seiten
11
Katalognummer
V103036
Dateigröße
350 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Pisonische, Verschwörung
Arbeit zitieren
Falk Rosenthal (Autor), 1999, Die Pisonische Verschwörung 65 n. Chr., München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/103036

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