Die psychosoziale Gesundheit von Kindern und Jugendlichen während der COVID-19-Pandemie. Die Situation in der stationären Kinder- und Jugendhilfe


Bachelorarbeit, 2021

56 Seiten, Note: 1,1

Julia Kersten (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Problemhintergrund

2. Zielentwicklung und Fragestellung

3. Theoretischer Rahmen
3.1. COVID-19-Pandemie
3.2. Kinder- und Jugendhilfe in Deutschland
3.2.1. Die stationäre Kinder- und Jugendhilfe
3.3. Psychosoziale Gesundheit

4. Methodik
4.1. Stichprobenbildung
4.2. Datenerhebung
4.3. Datenauswertung

5. Ergebnisse

6. Diskussion der Ergebnisse

7. Schlussfolgerung

8. Gütekriterien, Limitationen und Ausblick

9. Literaturverzeichnis

10. Anhang
10.1. Interviewleitfaden
10.2. Kodierleitfaden

Zusammenfassung

Um der COVID-19-Pandemie entgegenzuwirken, wurden Eindämmungsmaßnahmen und Kontaktbeschränkungen initiiert, die weitreichende Auswirkungen auf unser ge­sellschaftliches Zusammenleben haben. Besonders für Kinder und Jugendliche ist seit Anfang 2020 ein gewohnter Alltag nicht mehr möglich. In Einrichtungen der stationä­ren Kinder- und Jugendhilfe benötigen gerade sie daher einen strukturierten und ge­wohnten Tagesablauf, der ihnen fernab von der Herkunftsfamilie Sicherheit gibt. Ziel der vorliegenden Bachelor-Thesis ist es, aus Sicht von betreuenden Sozialpädagog*in- nen einen Einblick in das Erleben von Kindern und Jugendlichen in der stationären Kinder- und Jugendhilfe während der COVID-19-Pandemie zu geben und Rück­schlüsse auf deren psychosoziale Gesundheit zu ziehen. Dazu wird folgende For­schungsfrage gestellt: „Wie erleben Sozialpädagog*innen die psychosoziale Gesund­heit von Kindern und Jugendlichen in der stationären Kinder- und Jugendhilfe wäh­rend der COVID-19-Pandemie?“ Um die Forschungsfrage zu beantworten, wurde ein qualitatives Forschungsdesign gewählt und ein teilstandardisiertes Leitfadeninterview durchgeführt. Insgesamt wurden fünf Sozialpädagoginnen aus drei verschiedenen Bundesländern interviewt. Im Anschluss an die Interviews erfolgte eine strukturierte Inhaltsanalyse nach Mayring sowie eine deduktiv-induktive Kategorienbildung. Die qualitative Forschungsarbeit zeigt, dass Kinder und Jugendliche, die sich während der COVID-19-Pandemie in der stationären Kinder- und Jugendhilfe befinden, in ihrer psychosozialen Gesundheit insbesondere während eines Lockdowns beeinträchtigt sind. Aus den Ergebnissen lassen sich verschiedene Handlungsmaßnahmen und wei­terer Forschungsbedarf ableiten.

Abstract

In order to counteract the COVID-19 pandemic, containment measures and contact restrictions have been initiated that have far-reaching implications for our social inter­action. For children and adolescents in particular, a familiar daily routine has no longer been possible since the beginning of 2020. The aim of this study is to gain insight into the experience of children and adolescents in residential child and youth care during the COVID-19 pandemic as seen from the perspective of social pedagogues and to draw conclusions about their psychosocial health. The following research question is posed: “How do social educators experience the psychosocial health of children and adolescents in residential child and youth care during the COVID-19 pandemic?” To answer the research question, a qualitative research design was chosen and semi-stand­ardized guided interviews were conducted. Five social pedagogues from three different federal states were interviewed. The interviews were followed by a structured content analysis according to Mayring as well as by a deductive-inductive category formation. The qualitative research shows that children and adolescents who are in inpatient child and youth care at the time of the COVID-19 pandemic are impaired in their psycho­social health, especially during times of a lock-down. Several action items and further research needs can be derived from these findings.

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Transkriptionsregeln

Tabelle 2: Übersicht der Haupt- und Subkategorien

Tabelle 3: Merkmale der Interviewteilnehmerinnen

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Sorgenitems

Abbildung 2: Ablaufmodell inhaltlicher Strukturierung

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Problemhintergrund

Das aus der chinesischen Provinz Wuhan stammende Coronavirus SARS-CoV-2 hat sich Anfang 2020 innerhalb weniger Wochen weltweit rasant verbreitet. Um die Ge­sundheit der Menschen zu schützen und das Gesundheitssystem nicht zu überfordern, sorgte die Politik für weitreichende Eindämmungs- und Quarantänemaßnahmen, die Auswirkungen auf fast alle Lebens- und Gesellschaftsbereiche haben. Isolation, Kon­taktbeschränkungen und die Schließung von öffentlichen Einrichtungen wie Kinderta­gesstätten, Schulen, Freizeitverbänden oder Institutionen der Kinder- und Jugendhilfe bewirken insbesondere bei Kindern und Jugendlichen eine völlige Veränderung des sozialen Umfeldes. Kinder und Jugendliche stehen noch ganz am Anfang ihres Lebens und lernen soziale Strukturen erst kennen. Daher stellen sie eine besonders vulnerable Gruppe in der Gesellschaft dar. Wirtschaftliche Notlagen und Überforderungssituati­onen in Familien führen zu großem Druck. Psychosoziale Probleme und Gewalt inner­halb einer Familie können die Folge sein (Fegert et al. 2020). Da sich die pandemie­bedingten gesellschaftlichen Einschränkungen gravierend auf das zukünftige Sozial­leben und die psychosoziale Gesundheit dieser jungen Menschen auswirkt, sprechen Wissenschaftler*innen von einer sich kurz-und langfristig entwickelnden „parallelen Pandemie“ (Cardenas et al. 2020). Studien unterstützen diese These, denn sie zeigen einen internationalen Anstieg der häuslichen Gewalt um 21 bis 35 Prozent. Besonders Kinder und Frauen sind hiervon betroffen. Damit die Opfer häuslicher Gewalt Schutz suchen können, wurden in einigen Nationen, darunter Frankreich und Italien, Hotels zu Zufluchtsorten umgerüstet (Usher et al. 2020). Des Weiteren bewerten internatio­nale Studien solche Situationen als besonders herausfordernd, wenn sich Kinder in stationären Einrichtungen in Quarantäne befinden. Die Isolation von entscheidenden Vertrauenspersonen oder gar von den Eltern kann zu langfristigen Folgeerscheinungen wie posttraumatischen Belastungsstörungen, Angstzuständen, Psychosen oder Depres­sionen führen (Ghosh et al. 2020).

Um die Auswirkungen der gesellschaftlichen Beschränkungen in der deutschen Kin­der- und Jugendhilfe zu eruieren, wurde, unterstützt durch eine finanzielle Förderung des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ), von März bis April 2020 eine bundesweite Online-Befragung bei Jugendämtern zu den Folgen der Corona-Pandemie für die Kinder- und Jugendhilfe durchgeführt. Erhöhte Raten an Kindswohlgefährdungen oder Inobhutnahmen wurden zwar nicht angegeben. Zurückgeführt wurde dies jedoch auf die mit den Eindämmungsmaßnahmen in Ver­bindung stehenden Unterbrechungen der Kommunikationswege. Die Jugendämter äu­ßerten die Sorge, „dass während des Lockdowns Fälle von Missbrauch, Gewalt und Vernachlässigung junger Menschen möglicherweise nicht ausreichend erkannt wer­den und auch zusätzliche Unterstützungsbedarfe von Kindern, Jugendlichen und Fa­milien entstehen könnten“ (Mairhofer 2020: 5). Die zu Beginn der Pandemie noch vorherrschende Unsicherheit bezüglich der Übertragungswege des neuen Coronavirus und des Infektionsgeschehens sorgte für eine Verunsicherung hinsichtlich des Proze­dere und der Gestaltung von Sozialkontakten in der stationären Jugendhilfe. Dies führte dazu, dass diese Institutionen mit „regulären“ Institutionen wie beispielsweise Kindertagesstätten und Schulen gleichgestellt wurden, wodurch es zu Kontaktsperren zwischen Eltern und ihren Kindern kam. Familienarbeit konnte zeitweise nicht mehr stattfinden. 23 Prozent der Jugendämter gaben an, dass Kinder und Jugendliche vor­zeitig aus der stationären Hilfe zurück in ihre Familien entlassen wurden. Die oben genannten Maßnahmen führten unter anderem dazu, dass Konflikte und psychosoziale Belastungen, die ohnehin schon bestanden, durch die Kontaktbeschränkungen ver­stärkt wurden. Aus diesem Grund sehen die Jugendämter in der Kinder- und Jugend­hilfe es als ihre Aufgabe, aus den bestehenden Situationen zu lernen, sich auf das zu­künftige Infektionsgeschehen vorzubereiten und entsprechende Strategien zu entwi­ckeln, damit die Anzahl und das Ausmaß der Konflikte verringert und die psychoso­ziale Gesundheit der Betroffenen geschützt werden können (vgl. Mairhofer 2020).

Wie die psychosoziale Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in der deutschen stationären Kinder- und Jugendhilfe wahrgenommen wird, ist aus der vorhandenen Literatur nicht ersichtlich. Erste Eindrücke über das Wohlergehen und das alltägliche Befinden von Kindern und ihren Familien, insbesondere während des ersten Lock­downs im Frühjahr 2020, lieferte eine Studie des Forschungsverbundes „Kindheit - Jugend - Familie in der Corona-Zeit“ der Universität Hildesheim und der Universität Frankfurt in Kooperation mit der Universität Bielefeld. Über 25.000 Personen aus Fa­milien mit Kindern unter 15 Jahren nahmen an der Online-Befragung teil. Über 5.000 Teilnehmer*innen nutzten hierbei die Möglichkeit, sich in Freitextfeldern zu äußern. Dadurch konnten Erkenntnisse gewonnen werden, die über das Beantworten von stan­dardisierten Frage- und Antwortmöglichkeiten hinausgehen. Limitiert ist die Aussagekraft der Studie allerdings durch die geringe Teilnahme von Familien ohne erwerbs­tätige Eltern sowie von Familien mit Migrationshintergrund. Des Weiteren wurden keine Daten erhoben, die auf psychosoziale Belastungen hinweisen, die bereits vor der Pandemie bestanden oder darauf, ob Erkrankungen oder Behinderungen in der Familie vorliegen beziehungsweise, ob Förderbedarf besteht (Andresen et al. 2020). Dennoch wurde ein Stimmungsbild deutlich, das erste Eindrücke über das Erleben der Befragten im Zusammenhang mit der Pandemie deutlich werden ließ. Insbesondere Belastungen innerhalb der Familien und mangelnde Unterstützungsmöglichkeiten wurden angege­ben. In der folgenden Abbildung 1 werden drei „Sorgenitems“ dargestellt.

Abbildung 1: Sorgenitems (Andresen et al. 2020: 10)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Befragten waren aufgefordert, ihre Befindlichkeiten auf einer Skala von 0 (stimme gar nicht zu) bis 4 (stimme voll zu) zu bewerten. Die Abbildung verdeutlicht, dass in der Mehrheit der Familien Zukunftsängste geäußert wurden und dass der Eindruck herrschte, bezüglich seiner Sorgen nicht gehört zu werden. Insbesondere von der Po­litik fühlte sich die Mehrheit der Befragten nicht ausreichend informiert und unter­stützt (Andresen et al. 2020). Durch paraphrasierende Aussagen der Eltern in den Frei­textfeldern bot die Studie auch einen ersten Einblick in das Stimmungsbild von Kin­dern, inklusive ihrer Sorgen und Unsicherheiten. So lautete beispielsweise die Aussage einer Mutter:

„Ich würde mir wünschen, dass unsere Kinder jetzt nicht auf die Schlachtbank geführt werden, um sich und andere womöglich anzustecken. Mein Sohn sagte mir vor ein paar Tagen, dass er nicht schuld sein will, dass wegen ihm jemand krank wird.“ (Andresen et al. 2020: 14).

Die durch die COVID-19-Pandemie und die damit zusammenhängenden Maßnahmen ausgelösten psychosozialen Belastungen können weitreichende Auswirkungen auf un­ser Gesellschafts- und Sozialsystem haben und dieses stark belasten. Besonders her­anwachsende Menschen stellen eine wichtige Ressource dar, denn sie sichern die Zu­kunft der Gesellschaft. Als Erwachsene sorgen sie später zum einen für das Aufwach­sen, die Erziehung und die Ausbildung der jüngeren Bevölkerung und versorgen zum anderen ältere, sich im Rentenalter befindende Generationen in pflegerischer sowie in finanzieller Hinsicht. Dass die Versorgung und die Absicherung der Bevölkerung durch die jüngeren Generationen immer schwieriger und komplexer werden, zeigt sich bei der Betrachtung des fortschreitenden demographischen Wandels. Das Medianalter bezeichnet ein statistisches Maß, das die jüngere und die ältere Bevölkerung exakt in zwei Hälften teilt. Im Jahr 2013 betrug das Medianalter 45 Jahre; für 2060 wird ein Medianalter von 51 Jahren prognostiziert. Das bedeutet, dass die Hälfte der Menschen in der Bundesrepublik zukünftig älter als 51 Jahre sein wird. Grund dafür sind unter anderem ein kontinuierlicher Geburtenrückgang und ein Anstieg der Lebenserwartung (Statistisches Bundesamt 2015). Auch die finanziellen Belastungen, vor denen unser Gesundheitssystem steht, werden immer größer. Im Jahr 2013 betrugen die Gesund­heitsausgaben in Deutschland 314,9 Milliarden Euro. Im jährlichen Direktvergleich zwischen 1992 und 2015 sind sie damit um insgesamt 156 Milliarden Euro gestiegen (Lampert et al. 2015).

2. Zielentwicklung und Fragestellung

Diese Daten machen deutlich, wie wichtig es ist, dass Kinder und Jugendliche gesund und geschützt aufwachsen, da sie im späteren Erwachsenenleben verantwortlich für die Weiterentwicklung und das Fortbestehen aller Menschen sind. Daher ist es ele­mentar wichtig, ihre Gesundheit zu schützen und zu fördern. Kinder und Jugendliche, die aus unterschiedlichen Gründen Unterstützung von Institutionen der Kinder- und Jugendhilfe benötigen oder in einer stationären Einrichtung untergebracht wurden, zeichnen sich ganz besonders durch ihre hohe Vulnerabilität aus. Sie haben in ihrer Vergangenheit bereits Erfahrungen gemacht, die sich negativ auf ihre psychosoziale Entwicklung auswirken. Der Alltag in einer stationären Einrichtung der Kinder- und Jugendhilfe gibt ihnen Struktur und Sicherheit, was eine gesunde psychosoziale Ent­wicklung ermöglichen soll und kann. Die Maßnahmen zur Eindämmung des Corona­virus SARS-CoV-2, insbesondere während eines Lockdowns, machen einen struktu­rierten und organisierten Alltag in der stationären Kinder- und Jugendhilfe jedoch un­möglich. Wie Kinder und Jugendliche, die in diesen Einrichtungen leben, die gesell­schaftlichen Einschränkungen während der COVID-19-Pandemie erleben, geht aus der aktuellen Studienlage nicht hervor. Ziel des vorliegenden Forschungsvorhabens ist es daher, aus Sicht von betreuenden Sozialpädagog*innen einen Einblick in die Le­benswelt und das Erleben von Kindern und Jugendlichen in der stationären Jugendhilfe während der COVID-19-Pandemie zu erhalten. Des Weiteren soll erörtert werden, wie der Umgang mit der Pandemiesituation sowie mit der Bedürfnislage ist. Daher lautet die Forschungsfrage:

„Wie erleben Sozialpädagog*innen die psychosoziale Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in der stationären Kinder- und Jugendhilfe während der COVID-19- Pandemie?“

Um die Forschungsfrage umfassend beantworten zu können, wurden Unterfragestel­lungen generiert:

1. Wie nehmen Sozialpädagog*innen die derzeitige psychosoziale Gesundheit von Kindern und Jugendlichen wahr?
2. Welche Veränderungen in der psychosozialen Gesundheit von Kindern und Ju­gendlichen sind im Vergleich zur Situation vor der Pandemie erkennbar?
3. Welche Besonderheiten gab/gibt es während der Lockdown-Phasen?
4. Welche Bedenken, Herausforderungen oder Ängste im Hinblick auf die aktu­elle Pandemiesituation werden von Kindern und Jugendlichen geäußert?
5. Wie schätzen Sozialpädagog*innen die zukünftige psychosoziale Gesundheit der Kinder und Jugendlichen ein?

Die Unterfragestellungen beziehen sich ausschließlich auf den Kontext der stationären Jugendhilfe.

3. Theoretischer Rahmen

3.1. COVID-19-Pandemie

Die Erkrankung COVID-19 wird durch das Coronavirus SARS-CoV-2 (severe acute respiratory syndrome coronavirus 2) ausgelöst. Viren dieser Art können zu schweren akuten Atemwegssyndromen führen (Rabadan 2020: 68). Bereits bekannt war das ver­wandte Virus SARS-CoV, das 2003 die SARS-Epidemie auslöste und sich hinsichtlich seiner epidemiologischen und klinischen Befunde vom neueren SARS-CoV-2-Virus unterscheidet. Am 11.02.2020 wurde die durch SARS-CoV-2 ausgelöste und im De­zember 2019 erstmals aufgetretene Erkrankung durch die Weltgesundheitsorganisa­tion als COVID-19 bezeichnet. Die Herkunft des Virus ist bisher nicht eindeutig ge­klärt. Forscher gehen davon aus, dass das Virus mit Coronaviren verwandt ist, die bei Fledermäusen vorkommen. Genetische Anpassungen ermöglichten dem Virus ein Überspringen vom Tier auf den Menschen. Dieser Übergang wird als Zoonose be­zeichnet. Anders als SARS-CoV breitete sich das neuartige Coronavirus weltweit aus. Daher rief die WHO am 11.03.2020 eine globale Pandemie aus. Ausschlaggebend für die rasche Ausbreitung ist der Übertragungsweg des Virus. Durch Tröpfcheninfektion (Niesen, Husten) und Schmierinfektion (über Gegenstände und Kleidung) gelangt es schnell zum nächsten Wirt. Als besonders problematisch gelten „Superspreader“, die besonders viele Wirte auf einmal infizieren. Klinische Studien zeigten, dasssolche Menschen im Mittel über 20 Tage hinweg Viren abgeben können (Rabadan 2020: 82). Es ist noch nicht im Einzelnen geklärt, wie ein Superspreading-Ereignis zustande kommt. Es wird aber davon ausgegangen, dass Superspreader besonders viele Viren produzieren beziehungsweise dass die Viren durch Mutationen besonders ansteckend sind. Weiterhin kann ein Superspreading-Ereignis umweltbedingt zustande kommen, zum Beispiel, wenn sich viele Menschen in einem Raum in engem Kontakt miteinan­der befinden. Die Inkubationszeit von COVID-19 beträgt fünf bis sechs Tage. Circa 80 Prozent der Patienten zeigen einen milden bis mäßigen Krankheitsverlauf mit Fie­ber und schwachen Atemwegssymptomen. In sechs Prozent der Fälle besteht durch die Infektion mit dem Virus Lebensgefahr durch Atemnot und multiples Organversagen. Die Sterblichkeit von COVID-19 nimmt mit steigendem Alter der Betroffenen zu. Männer sind dabei häufiger betroffen als Frauen. Menschen über 80 Jahre sind zah­lenmäßig am häufigsten von Todesfällen und schweren Krankheitsverläufen betroffen, Kinder und Jugendliche dagegen am seltensten. Studien aus Wuhan zeigten eine Prä­valenz der Erkrankung von zwei Prozent bei Kindern und Jugendlichen unter 19 Jah­ren (Rabadan 2020).

3.2. Kinder- und Jugendhilfe in Deutschland

Es kommt vor, dass Kinder, Jugendliche und ihre Familien Hilfe oder Beratung in bestimmten Lebenslagen benötigen. Das 8. Sozialgesetzbuch (SGB VIII) bildet die rechtliche Grundlage und regelt die zahlreichen Leistungen und Angebote. Das SGB XIII versteht sich zudem als Instrument, das zum Schutz von Minderjährigen beiträgt und vorbeugend wirkt. Jugendämter werden zur Hilfe verpflichtet und Sorgeberech­tigte erhalten einen Rahmen von Handlungsspielräumen und Möglichkeiten zur Un­terstützung (vgl. bmfsfj 2020). Da in der Kinder- und Jugendhilfe das Subsidiaritäts­prinzip gilt, wird sie als ergänzende Sozialisationshilfe verstanden, die dann in Kraft tritt, wenn die familiären und persönlichen Ressourcen ausgeschöpft sind (Thole 2012). Im Jahr 2016 gab es in Deutschland 36.765 Einrichtungen der Kinder- und Ju­gendhilfe (vgl. bmfsfj 2020: 18). Bezüglich der Arbeitsformen kann unterschieden werden zwischen familienunterstützender Hilfe (beispielsweise Erziehungsberatung und Erziehungsbeistände), familienergänzender Hilfe (beispielsweise Tagesgruppen oder gemeinsame Wohnformen) und familienersetzender Hilfe (beispielsweise Voll­zeitpflege, Heimerziehung, Wohngruppen) (vgl. bmfsfj 2020). Eine weitere Einteilung kann mithilfe der Unterscheidung in ambulante (hierzu zählt auch die Erziehungsbe­ratung), teilstationäre (beispielsweise Tagesgruppen) und stationäre Unterstützungs­möglichkeiten (beispielsweise Wohngruppen) vorgenommen werden (Thole 2012). Insgesamt herrscht in der Bundesrepublik eine so vielfältige Hilfelandschaft, dass de­ren Analyse und Darstellung mindestens eine Arbeit gleichwertigen Umfangs erfor­derte wie die hier vorliegende Arbeit. Laut §3 Absatz 1 des SBG VIII ist eine solch „vielfältige Trägerlandschaft, in der unterschiedliche Wertorientierungen und vielfäl­tige Inhalte, Methoden und Arbeitsformen angeboten werden“, auch gewollt (bmfsfj 2020:13). Denn dadurch kann auf jeden Menschen in seiner jeweiligen Lebenslage individuell eingegangen werden. Kinder-und Jugendhilfe versteht sich als kommunale Aufgabe, bei der jede Stadt und jeder Landkreis verpflichtet ist, ein Jugendamt einzu­richten, das für die Organisation der Hilfen sowie für deren Koordination und Über­wachung zuständig ist (vgl. bmfsfj 2020).

3.2.1. Die stationäre Kinder- und Jugendhilfe

In stationären Einrichtungen werden Kinder und Jugendliche 24 Stunden am Tag be­treut, wenn das Leben in der Herkunftsfamilie zeitweise oder auf Dauer nicht möglich ist. Hilfeleistungen werden dann nach individuellem Bedarf erbracht. Seit Beginn der 1990er Jahre befindet sich die stationäre Kinder- und Jugendhilfe im Wandel. Die bis dato vorherrschende Form der Heimerziehung wurde umstrukturiert. Kleinere Wohn­gemeinschaften, Kleinheime und betreutes Wohnen prägen nun das Bild der stationä­ren Kinder- und Jugendhilfe (Thole 2012). Der lebensweltorientierte Ansatz in der Versorgung und Begleitung von Kindern und Jugendlichen in Wohngruppen hat ins­besondere das Ziel, die „alltäglichen, eher unauffälligen Bewältigungsaufgaben“ zu pflegen, wiederherzustellen oder zu strukturieren (Thole 2012: 187). Die für die Kin­der und Jugendlichen teils unüberschaubaren räumlichen und zeitlichen Strukturen sollen in kleine Abschnitte untergliedert und beiläufig unterstützt und verbessert wer­den. Weitere Aufgaben sind der Umgang mit sozialen Beziehungen sowie eine klare und transparente Kommunikation. Alltägliche Bewältigungsaufgaben wie beispiels­weise Aufstehen, Essen und Freizeitgestaltung werden für die Kinder und Jugendli­chen auf diese Weise überschaubar und bewältigbar (vgl. Thole 2012).

3.3. Psychosoziale Gesundheit

Die psychosoziale Gesundheit leitet sich von der Definition des Gesundheitsbegriffes der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ab. Laut WHO wird Gesundheit als Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens definiert (WHO 2020). Psychosoziale Gesundheit ist somit nicht nur durch das Fehlen von Krankheit gekennzeichnet, sondern auch durch die Fähigkeit, interne und externe Anforderungen zu bewältigen. Dabei meint der Begriff „Wohlbefinden“ die subjektiven Sichtweisen wie die Zufriedenheit des Einzelnen, während der Begriff „Wohlergehen“ die objekti­ven und gesellschaftlichen Faktoren von Gesundheit bezeichnet (Blümel 2015).

Im salutogenetischen Konzept von Aron Antonovsky werden Gesundheit und Krank­heit nicht als dichotom angesehen; vielmehr bewegt sich ein Mensch ständig zwischen den beiden Polen Gesundheit und Krankheit auf einem Kontinuum hin und her und ist dadurch nie statisch. Antonovsky beschäftigte sich vorwiegend mit der Frage, wie Ge­sundheit entsteht und was den Menschen trotz pathogener beziehungsweise traumati­scher Einflüsse gesund hält. Im Zentrum der Salutogenese steht das Kohärenzgefühl mit seinen Komponenten Verstehbarkeit, Handhabbarkeit und Bedeutsamkeit. Das Kohärenzgefühl verleiht dem Individuum das Gefühl der inneren Stimmigkeit und Sinnhaftigkeit, die nötig ist, um die Dinge aus der inneren und äußeren Umgebung zu verstehen, gedanklich zu verarbeiten und in angemessener Form anzuwenden. Stres- soren und Spannungszustände stellen Herausforderungen dar, denen mit internen und externen generalisierten Widerstandsressourcen entgegengewirkt werden kann. Das Ausmaß dieser Widerstandsressourcen entscheidet darüber, in welchem Umfang ein Mensch auf Spannungen reagieren kann und wie stark somit sein Kohärenzgefühl aus­gebildet wird (Bengel et al. 1998). Die Grundsteinlegung des Kohärenzgefühls erfolgt im Kindesalter. Konsistente Erfahrungen, die für Belastungsausgleiche sorgen, sind dabei ausschlaggebend und haben Einfluss auf Entscheidungsprozesse. Damit der Mensch im salutogenetischen Sinne gesund bleibt, sollte er in kritischen Lebenssitua­tionen begleitet werden. Antonovsky bezeichnet „strukturelle und gesellschaftliche Maßnahmen, die dem Einzelnen Einflussnahme und Teilhabe an sozial anerkannten Entscheidungsprozessen (Partizipation) ermöglichen, [...] als vielversprechendste Möglichkeit, das Kohärenzgefühl positiv zu beeinflussen“ (Bengel et al. 1998: 70). Die psychische Gesundheit bildet dabei die wesentliche Grundlage für die Lebensqualität und die soziale Teilhabe eines Individuums. Zeigen Heranwachsende psychische Auf­fälligkeiten, können diese zu hohen psychosozialen Beeinträchtigungen im Erwachse­nenalter führen, die neben individuellen Folgen auch mit gesamtgesellschaftlichen Folgen und hohen Krankheitskosten verbunden sind. Um dem entgegenzuwirken, müssen entsprechende Präventions- und Interventionsmaßnahmen initiiert und bewer­tet werden. Repräsentative Studiendaten sind Voraussetzung und Grundlage für die Entwicklung solcher Maßnahmen. Diese Daten wurden unter anderem in der Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland (KiGGS) erhoben. Demnach ist im Erhebungszeitraum 2003 bis 2006 (KiGGS-Basiserhebung) jedes fünfte Kind (20 Prozent) psychisch auffällig. Heranwachsende mit niedrigerem sozia­lem Status sind dabei häufiger betroffen als Kinder und Jugendliche aus Familien mit höherem sozialem Status. Ergebnisse aus der zweiten Welle der Studie (2014-2017) zeigen bezüglich der psychischen Auffälligkeiten, die Eltern bei ihren Kindern ange­ben, einen Rückgang von etwa drei Prozentpunkten. Die Rate lag damit bei 16,9 Pro­zent (RKI 2018). Im Vergleich zur Normalpopulation weisen Kinder und Jugendliche in Einrichtungen der stationären Kinder- und Jugendhilfe eine höhere Prävalenz für psychische Erkrankungen und Störungen auf. Internationale Studien erfassten Prä­valenzraten von 44 bis 96 Prozent. Zu den häufigsten Krankheitsbildern gehören in diesem Zusammenhang Störungen des Sozialverhaltens, depressive Verstimmungen und Auffälligkeiten bezüglich der Aufmerksamkeit wie zum Beispiel Hyperaktivitäts­störungen (Blower et al. 2004). Die Gründe für einen Einzug in eine stationäre Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung können sehr vielfältig sein. Ursachen sind unter anderem der Wegfall von Erziehungsberechtigten, Überforderungen, häusliche Gewalt oder Verwahrlosung. Trotz der hohen Prävalenz psychosozialer Auffälligkeiten gibt es auch einen Anteil von Kindern und Jugendlichen, die ein weitgehend gesundes und altersgerechtes Erleben und Verhalten zeigen. Anpassungsfähigkeit, hohe Selbstwirk­samkeitserwartung, Distanzierung vom belastenden Elternhaus, aktive Bewältigungs­strategien oder sonstige Resilienzfaktoren sind hierbei ausschlaggebend. Weiterhin ha­ben Strukturen und Rahmenbedingungen positiven Einfluss auf die psychosoziale Ent­wicklung und Rehabilitation von Heranwachsenden. Sie schützen vor erneuten Belas­tungen in den Ursprungsfamilien und geben den Heranwachsenden Sicherheit. Posi­tive soziale Beziehungen der Kinder und Jugendlichen untereinander können sich ebenfalls fördernd auf die Lebensqualität und die Kompetenzen auswirken (vgl. Wan­derer und Roessner 2015). Um die psychosoziale Gesundheit von Kindern und Jugend­lichen in der stationären Kinder- und Jugendhilfe zu schützen und zu fördern, ist es aus Sicht der Autorin dieser Arbeit unabdingbar, die Strukturen und Rahmenbedin­gungen sowie einen routinierten Tagesablauf auch in gesellschaftlichen Krisenzeiten wie der COVID-19-Pandemie möglichst konstant beizubehalten.

4. Methodik

Zur Beantwortung der Forschungsfrage wurde ein qualitatives Studiendesign gewählt, da es sich bei der gewählten Fragestellung um einen noch unbekannten Forschungs­gegenstand handelt. Qualitative Designs sind besonders dafür geeignet, um viele As­pekte an wenigen Fällen im natürlichen Setting zu untersuchen und anschließend Hy­pothesen oder Theorien zu generieren (vgl. Döring und Bortz 2015). Es wurden halb­standardisierte Experteninterviews mit insgesamt fünf Sozialpädagoginnen durchge­führt. Für diese Interviews wurde ein teilstandardisierter Interviewleitfaden genutzt. Dieser erlaubt individuelle Anpassungen der Fragen im Gesprächsverlauf je nach In­terviewsituation, wodurch Fragen vorgezogen oder übersprungen werden können (vgl. Döring und Bortz 2015). Alle Teilnehmerinnen sind beruflich in der stationären Ju­gendhilfe tätig. Die Interviews fanden einzeln statt, wodurch eine spätere Einzelfall­analyse möglich war. Qualitative Analysen einzelner Fälle sind besonders geeignet für offene, deskriptive und interpretative Anwendungen bei kleineren Stichproben (vgl. Mayring 2015). Die qualitative Inhaltsanalyse erfolgte nach der Methode von Mayring (Mayring 2015).

4.1. Stichprobenbildung

Die Stichprobenbildung fand gezielt und homogen statt. Homogene Stichproben zeichnen sich durch „wenige Rekrutierungswege“ aus „und es wird ein relativ kleines Sample“ gebildet (Döring und Bortz 2015: 304). Dies ist dadurch zu begründen, dass durch die Analyse der einzelnen Fälle in ihrem lebensweltlichen Zusammenhang ein hoher Arbeitsaufwand entsteht (vgl. Döring und Bortz 2015). Die Auswahl der Stu­dienteilnehmerinnen erfolgte über vermittelte Kontaktpersonen der Autorin dieses Studienprojektes. Aufgrund des begrenzten Arbeitszeitraumes von zwölf Wochen im Rahmen der Bachelor-Thesis erfolgte die Wahl im Sinne der Gelegenheitsstichprobe („convenience sample“). In der qualitativen Forschung zeichnen sich Gelegenheits­stichproben durch einen geringen Rekrutierungsaufwand aus. Personen werden in eine Studie eingeschlossen, die durch „günstige Gelegenheiten“ gefunden und untersucht werden können (vgl. Döring und Bortz). Interviewt wurden Teilnehmerinnen aus drei verschiedenen Bundesländern und jeweils fünf unterschiedlichen Einrichtungen der stationären Kinder- und Jugendhilfe.

Zu den Einschlusskriterien für die Interviewteilnehmerinnen gehörten:

- Vorhandensein einer fachlichen Qualifikation als Sozialpädagog*in
- Direktes Betreuungsverhältnis zu Kindern oder Jugendlichen in der stationären Jugendhilfe
- Berufliche Erfahrung länger als drei Jahre
- Durchgängige Berufstätigkeit seit Beginn der COVID-19-Pandemie

Zu den Ausschlusskriterien für die Interviewteilnehmerinnen gehörten:

- Berufstätigkeit erfolgt ohne fachliche Qualifikation im sozialpädagogischen Bereich
- Kein direktes Betreuungsverhältnis zu Kindern oder Jugendlichen in der stati­onären Kinder- und Jugendhilfe
- Berufliche Erfahrung kürzer als drei Jahre
- Während der Zeit der COVID-19-Pandemie erfolgte keine Berufstätigkei

Die Kriterien werden wie folgt begründet: Sozialpädagog*innen besitzen durch ihre fachliche Qualifikation sowie durch das direkte Betreuungsverhältnis zu Kindern und Jugendlichen in der stationären Kinder- und Jugendhilfe Fachkenntnisse, Fähigkeiten und Einblicke in deren Lebenswelten. Dieses Expertenwissen ist erforderlich, um die Forschungsfrage beantworten zu können. Die Sozialpädagog*innen können das Ver­halten der betreuten Kinder und Jugendlichen einschätzen und beurteilen. Dass die Interviewteilnehmer*innen vor Beginn der Pandemie in der stationären Kinder- und Jugendhilfe tätig waren und eine mindestens dreijährige Berufserfahrung vorweisen, ist deshalb unabdingbar, da Entwicklungen und Veränderungen im Kontext der CO- VID-19-Pandemie andernfalls nicht erkannt, beurteilt und miteinander verglichen hät­ten werden können.

4.2. Datenerhebung

Aufklärung und Einwilligung der Studienteilnehmerinnen:

Alle Studienteilnehmerinnen erhielten vor der Durchführung der Interviews postalisch eine Studieninformation und wurden telefonisch über den Zweck, die Vorgehens­weise, die Freiwilligkeit, die Anonymisierung und die Rechte an der Studie sowie über Datenschutzrichtlinien aufgeklärt. Des Weiteren erhielt jede Teilnehmerin eine Vor­lage zur schriftlichen Einwilligung, die vor Beginn der Interviewaufzeichnung posta­lisch an die Autorin zurückgesendet werden musste. Es erfolgte dabei der Hinweis, dass die Einwilligung auch nach Unterzeichnung jederzeit widerrufen werden kann. Die Studieninformation und das Einwilligungsformular sind auf der elektronischen Speicherversion dieser Bachelor-Thesis hinterlegt. Aufgrund der derzeitigen Kontakt­beschränkungen infolge der COVID-19-Pandemie erfolgte die Aufklärung der Stu­dienteilnehmerinnen sowie die Interviewdurchführung kontaktlos. Im Zeitraum von Ende Januar 2021 bis Mitte Februar 2021 fanden die Telefoninterviews statt.

Entwicklung des Interviewleitfadens und Durchführung der Interviews:

Zur Erstellung des Interviewleitfadens (vgl. 10.1) wurden die in Punkt 2. Fragestellung und Zielentwicklung aufgelisteten Unterfragestellungen herangezogen und es wurden offene Fragen entwickelt. Die befragten Personen hatten somit die Möglichkeit, sich in eigenen Worten zu äußern. Des Weiteren wurden die Interviewfragen in ihrer Rei- henfolge individuell und je nach Interviewsituation gestellt. Durch diese Herangehens­weise wurde ein guter „Interviewfluss“ gewährleistet (vgl. Döring und Bortz 2015). Die Eingangsfrage war in allen Interviews dieselbe. Die Teilnehmerinnen wurden auf­gefordert zu erzählen, wie die Kinder und Jugendlichen die aktuelle Corona-Situation in der stationären Kinder- und Jugendhilfe wahrnehmen. Die folgenden Fragen erga­ben sich aus dem Gesprächsverlauf der Befragten und wurden jeweils in unterschied­licher Reihenfolge gestellt. Die vorab entwickelten Leitfragen beinhalteten fünf The­menbereiche und stellten die Hauptkategorien dar, die sich aus der später erfolgten deduktiven Kategorienbildung ergaben (vgl. Tabelle 2). Der erste Themenbereich be­zieht sich auf die Wahrnehmung der COVID-19-Pandemie. Der zweite Themenkom­plex beinhaltet die Fragen 2. und 3. des Interviewleitfadens und thematisiert die Her­ausforderungen im Zusammenhang mit der COVID-19-Pandemie. Unter diesen Fra­gestellungen wurden die Besonderheiten in einer Lockdown-Phase sowie Bedenken und mögliche Ängste erfragt. Im dritten Themenkomplex wurden Wünsche und Be­dürfnisse erfragt. Der vierte Themenbereich deckte Fragen zur psychosozialen Ge­sundheit von Kindern und Jugendlichen ab. Dieser wurde individuell nach Gesprächs­verlauf erfragt und die Fragestellung wurde je nach Interviewsituation angepasst. Der fünfte Themenbereich deckte Äußerungen über die Zukunftsaussichten der Kinder und Jugendlichen ab. Die Sozialpädagoginnen waren aufgefordert, die Zukunft der betreu­ten Kinder und Jugendlichen im Zusammenhang mit der COVID-19-Pandemie einzu­schätzen.

Pretest:

Um die Anwendbarkeit des entwickelten Interviews zu testen, wurde bei der ersten Interviewteilnehmerin ein Pretest durchgeführt. Da sich der Interviewleitfaden dabei als anwendbar herausstellte und die Aussagen der Teilnehmerin brauchbar für die For­schungsarbeit waren, wurden die Informationen in die Ergebnissicherung einbezogen. Es konnten zwar nicht alle Daten genutzt werden, da das Telefongespräch aufgrund eines technischen Fehlers nur zum Teil aufgezeichnet wurde. Das Problem wurde je­doch analysiert und behoben, sodass die folgenden Interviewaufzeichnungen problem­los und technisch einwandfrei vonstattengehen konnten.

4.3. Datenauswertung

Transkription der Interviews:

Es erfolgte eine computergestützte Transkription der Interviews mit der Software MAXQDA. Der Erwerb einer Studierendenlizenz ermöglichte die Nutzung des Pro­gramms. Identifizierbare Daten wurden bei der Verschriftlichung der Interviews pseu- donymisiert. Damit das Transkript nicht nur den Interviewtext, sondern auch wichtige Merkmale eines Gesprächsverlaufes wie zum Beispiel Pausen und Emotionen wieder- gibt, ist es notwendig, Transkriptionsregeln aufzustellen und eine vollständige Tran­skription durchzuführen (Döring und Bortz 2015). Die folgende Tabelle zeigt die auf­gestellten Transkriptionsregeln zur Verschriftlichung der vorliegenden Interviews.

Tabelle 1: Transkriptionsregeln

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Strukturierte Inhaltsanalyse nach Mayring:

Zur Datenauswertung wurde die Methode der strukturierten Inhaltsanalyse nach Mayring gewählt. Diese hat das Ziel, das zu untersuchende Material anhand vorher festgelegter Kriterien einzuschätzen und eine Untersuchungsstruktur zu entwickeln. Dazu wird ein Kategoriensystem entwickelt und das Material systematisch extrahiert (Mayring 2015).

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Details

Titel
Die psychosoziale Gesundheit von Kindern und Jugendlichen während der COVID-19-Pandemie. Die Situation in der stationären Kinder- und Jugendhilfe
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin
Note
1,1
Autor
Jahr
2021
Seiten
56
Katalognummer
V1030386
ISBN (eBook)
9783346433312
ISBN (Buch)
9783346433329
Sprache
Deutsch
Schlagworte
gesundheit, kindern, jugendlichen, covid-19-pandemie, situation, kinder-, jugendhilfe
Arbeit zitieren
Julia Kersten (Autor), 2021, Die psychosoziale Gesundheit von Kindern und Jugendlichen während der COVID-19-Pandemie. Die Situation in der stationären Kinder- und Jugendhilfe, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1030386

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