Um der COVID-19-Pandemie entgegenzuwirken, wurden Eindämmungsmaßnahmen und Kontaktbeschränkungen initiiert, die weitreichende Auswirkungen auf unser gesellschaftliches Zusammenleben haben. Besonders für Kinder und Jugendliche ist seit Anfang 2020 ein gewohnter Alltag nicht mehr möglich. In Einrichtungen der stationären Kinder- und Jugendhilfe benötigen gerade sie daher einen strukturierten und gewohnten Tagesablauf, der ihnen fernab von der Herkunftsfamilie Sicherheit gibt.
Ziel der vorliegenden Bachelor-Thesis ist es, aus Sicht von betreuenden Sozialpädagog*innen einen Einblick in das Erleben von Kindern und Jugendlichen in der stationären Kinder- und Jugendhilfe während der COVID-19-Pandemie zu geben und Rückschlüsse auf deren psychosoziale Gesundheit zu ziehen. Dazu wird folgende Forschungsfrage gestellt: „Wie erleben Sozialpädagog*innen die psychosoziale Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in der stationären Kinder- und Jugendhilfe während der COVID-19-Pandemie?“
Um die Forschungsfrage zu beantworten, wurde ein qualitatives Forschungsdesign gewählt und ein teilstandardisiertes Leitfadeninterview durchgeführt. Insgesamt wurden fünf Sozialpädagoginnen aus drei verschiedenen Bundesländern interviewt. Im Anschluss an die Interviews erfolgte eine strukturierte Inhaltsanalyse nach Mayring sowie eine deduktiv-induktive Kategorienbildung. Die qualitative Forschungsarbeit zeigt, dass Kinder und Jugendliche, die sich während der COVID-19-Pandemie in der stationären Kinder- und Jugendhilfe befinden, in ihrer psychosozialen Gesundheit insbesondere während eines Lockdowns beeinträchtigt sind. Aus den Ergebnissen lassen sich verschiedene Handlungsmaßnahmen und weiterer Forschungsbedarf ableiten.
Inhaltsverzeichnis
1. Problemhintergrund
2. Zielentwicklung und Fragestellung
3. Theoretischer Rahmen
3.1. COVID-19-Pandemie
3.2. Kinder- und Jugendhilfe in Deutschland
3.2.1. Die stationäre Kinder- und Jugendhilfe
3.3. Psychosoziale Gesundheit
4. Methodik
4.1. Stichprobenbildung
4.2. Datenerhebung
4.3. Datenauswertung
5. Ergebnisse
6. Diskussion der Ergebnisse
7. Schlussfolgerung
8. Gütekriterien, Limitationen und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht aus der Perspektive von Sozialpädagoginnen, wie die COVID-19-Pandemie die psychosoziale Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in der stationären Kinder- und Jugendhilfe beeinflusst hat und welche Auswirkungen die Kontaktbeschränkungen auf den pädagogischen Alltag hatten.
- Psychosoziale Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf vulnerable Gruppen.
- Herausforderungen der stationären Kinder- und Jugendhilfe während der Pandemie.
- Bedeutung von Alltagsstrukturen für die gesunde psychosoziale Entwicklung.
- Auswirkungen von Quarantäne und Kontaktbeschränkungen auf das Erleben der Kinder.
- Die Rolle der Sozialpädagogen als unterstützende Akteure in Krisenzeiten.
Auszug aus dem Buch
1. Problemhintergrund
Das aus der chinesischen Provinz Wuhan stammende Coronavirus SARS-CoV-2 hat sich Anfang 2020 innerhalb weniger Wochen weltweit rasant verbreitet. Um die Gesundheit der Menschen zu schützen und das Gesundheitssystem nicht zu überfordern, sorgte die Politik für weitreichende Eindämmungs- und Quarantänemaßnahmen, die Auswirkungen auf fast alle Lebens- und Gesellschaftsbereiche haben. Isolation, Kontaktbeschränkungen und die Schließung von öffentlichen Einrichtungen wie Kindertagesstätten, Schulen, Freizeitverbänden oder Institutionen der Kinder- und Jugendhilfe bewirken insbesondere bei Kindern und Jugendlichen eine völlige Veränderung des sozialen Umfeldes.
Kinder und Jugendliche stehen noch ganz am Anfang ihres Lebens und lernen soziale Strukturen erst kennen. Daher stellen sie eine besonders vulnerable Gruppe in der Gesellschaft dar. Wirtschaftliche Notlagen und Überforderungssituationen in Familien führen zu großem Druck. Psychosoziale Probleme und Gewalt innerhalb einer Familie können die Folge sein (Fegert et al. 2020). Da sich die pandemiebedingten gesellschaftlichen Einschränkungen gravierend auf das zukünftige Sozialleben und die psychosoziale Gesundheit dieser jungen Menschen auswirkt, sprechen Wissenschaftler*innen von einer sich kurz- und langfristig entwickelnden „parallelen Pandemie“ (Cardenas et al. 2020).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Problemhintergrund: Dieser Abschnitt beschreibt die globalen Auswirkungen der SARS-CoV-2-Pandemie und betont die besondere Vulnerabilität von Kindern und Jugendlichen durch gesellschaftliche Einschränkungen.
2. Zielentwicklung und Fragestellung: Hier wird das Forschungsziel definiert, die psychosoziale Gesundheit von Kindern in der stationären Jugendhilfe aus Sicht der betreuenden Sozialpädagogen während der Pandemie zu erfassen.
3. Theoretischer Rahmen: Dieses Kapitel erläutert die medizinischen Grundlagen der Pandemie, Strukturen der Kinder- und Jugendhilfe in Deutschland sowie Konzepte der psychosozialen Gesundheit.
4. Methodik: Es wird das qualitative Forschungsdesign dargelegt, welches auf Experteninterviews mit fünf Sozialpädagoginnen basiert und nach der Methode von Mayring ausgewertet wurde.
5. Ergebnisse: Dieses Kapitel präsentiert die Erkenntnisse aus den Interviews, unterteilt in Wahrnehmung der Pandemie, Herausforderungen, Bedürfnisse sowie psychosoziale und körperliche Gesundheit.
6. Diskussion der Ergebnisse: Die Ergebnisse werden kritisch reflektiert und in den theoretischen Kontext eingeordnet, wobei die Belastungssituation für Kinder und Fachpersonal hervorgehoben wird.
7. Schlussfolgerung: Das Fazit fasst zusammen, dass die Pandemie die psychosoziale Gesundheit der Kinder beeinträchtigt und Handlungsbedarf bei strukturellen Regelungen besteht.
8. Gütekriterien, Limitationen und Ausblick: Hier werden die wissenschaftliche Validität der Studie diskutiert, die Grenzen der Stichprobengröße aufgezeigt und Impulse für zukünftige Forschung gegeben.
Schlüsselwörter
COVID-19-Pandemie, stationäre Kinder- und Jugendhilfe, psychosoziale Gesundheit, Sozialpädagogik, Lockdown, Kontaktbeschränkungen, Gesundheitskompetenz, vulnerable Gruppen, Kindeswohl, Quarantäne, Alltag, pädagogisches Personal, Bewältigungsstrategien, Salutogenese.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Bachelor-Thesis untersucht das Erleben von Kindern und Jugendlichen in der stationären Kinder- und Jugendhilfe während der COVID-19-Pandemie aus der Sicht von Sozialpädagoginnen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen die Wahrnehmung der Pandemie, die Herausforderungen im Alltag, Bedürfnisse der Kinder, psychosoziale Belastungen sowie die berufliche Arbeitsbelastung der Betreuer.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, einen Einblick in die Lebenswelt der Kinder in stationären Einrichtungen während der Pandemie zu gewinnen und Rückschlüsse auf deren psychosoziale Gesundheit zu ziehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wurde ein qualitatives Forschungsdesign gewählt, bestehend aus fünf problemzentrierten, halbstandardisierten Experteninterviews, die nach der Methode der strukturierten Inhaltsanalyse von Mayring ausgewertet wurden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Ergebnisse in fünf Kategorien: Wahrnehmung der Pandemie, Herausforderungen, Wünsche und Bedürfnisse, Gesundheit (psychosozial und körperlich) sowie Zukunftsaussichten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind COVID-19-Pandemie, stationäre Jugendhilfe, psychosoziale Gesundheit, Lockdown, Kindeswohl und pädagogische Arbeitsbelastung.
Wie beeinflusst der Lockdown die psychosoziale Gesundheit der Kinder?
Die Arbeit zeigt, dass Kinder ab dem Schulalter durch soziale Isolation von Peer-Groups und den Wegfall gewohnter Strukturen in ihrer psychosozialen Gesundheit beeinträchtigt werden.
Welche Rolle spielt die Quarantäne in der stationären Hilfe?
Die Umsetzung von Quarantänemaßnahmen stellt eine enorme Herausforderung dar, da bei jüngeren Kindern eine Einzelisolierung kaum realisierbar ist und Ängste sowie Verunsicherung auslöst.
Welche Forderung wird an die Politik gestellt?
Die befragten Sozialpädagoginnen fordern einheitlichere, klare Regelungen sowie mehr Anerkennung und eine personelle Aufstockung, um die Betreuung in Krisenzeiten sicherzustellen.
- Citation du texte
- Julia Kersten (Auteur), 2021, Die psychosoziale Gesundheit von Kindern und Jugendlichen während der COVID-19-Pandemie. Die Situation in der stationären Kinder- und Jugendhilfe, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1030386