Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, inwiefern die Nutzung des N-Wortes von weißen Komikern als Rassismus zu verstehen ist.
Eine universell akzeptierte Definition von Rassismus gibt es derzeit aufgrund der multiinterdisziplinären (historisch, psychologisch, soziologisch, kulturell, politisch, ökonomisch usw.) Forschungsgebiete und vielseitigen Wirkungsebenen (individueller, interaktiver, struktureller und institutioneller), die den Rassismusdiskurs prägen, nicht. „Kaum ein anderes Feld wissenschaftlicher Arbeit ist komplizierter, verwirrender und belasteter als jenes des Rassismus“.
Demnach ist es umso wichtiger, die in den 90er Jahren stark vernachlässigte Rassismus-Forschung in Deutschland wieder zu intensivieren, um zu ermitteln, wie sehr Rassismus auch heute in den kulturellen und strukturellen Wurzeln der deutschen Gesellschaft verankert ist.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung und Gliederung
2 Rassismus: Definition, Funktion und Merkmale
2.1 Biologismus (Klassischer Rassismus) vs. Kulturalismus (Neorassismus)
2.2 N-Wort
3 Komik: Definition, Funktion und Merkmale
3.1 Humor als Legitimationsinstrument
3.2 Rassistische Komik und deren Wirkung
4 Komik über Rassismus und die Technik des ‚Geusenwort‘
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Wechselwirkung zwischen Komik und rassistischen Diskursen in Deutschland, wobei der Fokus insbesondere auf der Verwendung des N-Wortes durch weiße Komiker liegt. Ziel ist es, kritisch zu hinterfragen, inwiefern solche humoristischen Darstellungen als rassistisch zu verstehen sind und welche gesellschaftlichen Auswirkungen diese Art der Komik hat.
- Analyse des Rassismusbegriffs und dessen Wandel
- Untersuchung der Funktion von Humor als gesellschaftliches Legitimationsinstrument
- Kritische Auseinandersetzung mit der Verwendung des N-Wortes in der Unterhaltung
- Vergleich von Komikformaten hinsichtlich ihrer gesellschaftspolitischen Wirkung
- Reflexion über die Grenzen der freien Meinungsäußerung im Kontext von Diskriminierung
Auszug aus dem Buch
3.1 Humor als Legitimationsinstrument
„Excessive contentiousness produces offence instead of humor, excessive politeness produces boredom; one of the arts demanded of the comedian is the ability to tread this dividing line“ (Palmer, 1987, S. 175 zitiert nach Lockyer & Pickering, 2005, S.12).
Im 21. Jh. wirkt die sogenannte ‚political correctness‘ dominant auf die Gesellschaft ein. Das Nichteinhalten dieser Norm kann zu sozialer und gesellschaftlicher Sanktion gegen den Aggressor führen. Ein Schwarzen mit dem N-Wort zu bezeichnen ist immer eine offensichtliche rassistische Beleidigung. Die Komik hingegen beansprucht einen Raum, der frei von Sanktionen sein soll: Wo wir übereinander lachen können – das ‚unbewusste Spiegelbild‘ der Gesellschaft. Dieser Raum kann aber auch als Legitimationsinstrument für rassistische Äußerungen missbraucht werden. Stößt ein Witz zu sehr auf, d.h. stimmt er nicht mit dem kulturellen Humor überein, kann eine Floskel, wie ‚war doch nur ein Witz‘, den Aggressor vor sozialer Sanktionierung schützen (vgl. Goffman, 1974).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung und Gliederung: Einführung in die Thematik anhand des Beispiels „Otto der Film“ und Darlegung der zentralen Forschungsfrage.
2 Rassismus: Definition, Funktion und Merkmale: Theoretische Fundierung des Rassismusbegriffs unter Berücksichtigung historischer und aktueller Ausprägungen wie Biologismus und Kulturalismus.
3 Komik: Definition, Funktion und Merkmale: Erläuterung der theoretischen Grundlagen der Komikforschung und der Wirkungsweise von Humor als Instrument.
4 Komik über Rassismus und die Technik des ‚Geusenwort‘: Untersuchung der spezifischen Verwendung des N-Wortes durch Schwarze Komiker im Gegensatz zum Gebrauch durch weiße Komiker.
5 Fazit: Zusammenfassende Einschätzung zur Problematik der rassistischen Komik und deren gesellschaftlicher Verantwortung.
Schlüsselwörter
Rassismus, Komik, Humor, N-Wort, Biologismus, Kulturalismus, Diskriminierung, Political Correctness, White Supremacy, Gesellschaftskritik, Legitimationsinstrument, Satire, Vorurteile, Fremdenfeindlichkeit, Ethnozentrismus
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das komplexe Spannungsfeld zwischen der Kunstform Komik und rassistischen Diskursen in Deutschland, insbesondere unter dem Aspekt, wie rassistische Begriffe wie das N-Wort in humoristischen Kontexten verwendet werden.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Felder umfassen die Definition von Rassismus (Biologismus vs. Kulturalismus), die Theorie der Komik, die Analyse von Humor als Legitimationsinstrument und die Untersuchung von Machtstrukturen innerhalb der Gesellschaft.
Was ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet: „Inwiefern ist die Nutzung des N-Wortes von weißen Komikern als Rassismus zu verstehen?“
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Literaturanalyse sowie auf eine synthetische Betrachtung verschiedener Rassismus-Forschungsansätze in Verbindung mit komiktheoretischen Konzepten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Definition von Rassismus, die Erläuterung der Komik-Theorien (Inkongruenz-, Überlegenheits- und Entlastungstheorie) sowie die praktische Anwendung dieser Theorien auf Fallbeispiele wie den Film „Otto – der Film“.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Rassismus, Komik, N-Wort, Diskriminierung, Machtstrukturen und White Supremacy charakterisiert.
Warum wird „Otto – der Film“ als zentrales Fallbeispiel herangezogen?
Der Film dient als exemplarisches Beispiel, um zu zeigen, wie eine Szene aus den 1980er Jahren auch Jahrzehnte später Rassismus-Debatten auslöst und welche Rolle Humor bei der Normalisierung oder Reproduktion von Vorurteilen spielt.
Was ist mit der „Technik des Geusenworts“ gemeint?
Der Begriff beschreibt die Strategie, ein abwertendes Wort (wie das N-Wort) durch die betroffene Gruppe selbst umzudeuten und zu entwaffnen, was sich grundlegend von der Verwendung durch Angehörige der Mehrheitsgesellschaft unterscheidet.
Wie unterscheidet sich die Wirkung von „High Comedy“ von „Low Comedy“ laut Arbeit?
Die Arbeit führt an, dass High Comedy eher den Intellekt anspricht, während Low Comedy auf unbewusste Reflexe zielt, was im Kontext rassistischer Darstellungen für die moralische Bewertung von entscheidender Bedeutung ist.
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- Antonia Schueler (Author), 2020, Rassismus in der deutschen Komik. Die Nutzung rassistischer Wörter und ihre Wirkung auf den Diskurs, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1030555