Der Monotheismus unter Pharao Echnaton. Die Kritik der Ägypter und die daraus resultierende Zensur in der Geschichte


Facharbeit (Schule), 2021

14 Seiten, Note: 1

Anonym


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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
2.1 Wie sahen die Gesellschaft und die Religion vor Echnaton im alten Ägypten aus?
2.2 Wer war Echnaton und wer oder was war Aton?
2.3 Wie gingen die Ägypter während der Regentschaft Echnatons mit dem Aton-Kult um?
2.4 Wie gingen die Ägypter nach Echnatons Tod mit dem Aton-Kult um?
2.5 Warum vernichteten die Ägypter also alle Hinweise auf Echnatons Leben und seine Werke nach seinem Tod?

3. Resümee

Glossar

Quellenverzeichnis

1 Einleitung

Warum ich das alte Ägypten zu meinem Facharbeitsthema gewählt habe ist einfach. Da ich schon früh durch Filme, Serien, Dokumentationen, Bücher und Geschichten über das alte Ägypten geprägt wurde, war es für mich schon recht früh klar, dass ich mich - in meiner Facharbeit - dem alten Ägypten widmen würde. Anderswo faszinierten mich die Traditionen und Bräuche, sowie die Glaubensrichtung und die Art des Lebens, zu eben jener Zeit. Auch dies trug zu der Bekräftigung der Themenauswahl bei, allerdings erschwerte es meine Themenauswahl zugleich auch. Letzten Endes entschied ich mich dazu über Pharao Echnaton zu schreiben. Ich wählte diesen, da er einer der - meiner Meinung nach - außergewöhnlichsten und rätselhaftesten Pharaonen in der ganzen altägyptischen Geschichtsschreibung zu sein scheint. Aus Gründen der Themenvielfalt, beschränkte ich mein spezifisches Facharbeitsthema auf den von ihm eingeführten ersten monotheistischen Glauben, im alten Ägypten und nach aktuellem Forschungsstand auch auf der Welt. Das letztendliche Ziel meiner Facharbeit ist die Frage: Warum hatten die Ägypter ein Problem mit dem von Echnaton eingeführten monotheistischen Glauben und haben fast alles was an ihn und seine Religion erinnert aus der Geschichte getilgt?

2.1 Wie sahen die Gesellschaft und die Religion vor Echnaton im alten Ägypten aus?

Die Gesellschaft im Alten Ägypten war klar strukturiert und organisiert. Es war eine Drei Klassengesellschaft, die sich allerdings von der heutigen in einem Punkt unterschied. Denn über der Unter-, Mittel- und Oberschicht stand der Pharao. Der Pharao war das Oberste des alt ägyptischen Staates. Seine Familienmitglieder kamen nach ihm.

Unter dem Pharao und seiner Familie, stand der Wesir. Dieser war neben dem Pharao der mächtigste Mann im Staat, denn er kümmerte sich um die Regierungsgeschäfte. Ernannt wurde der Wesir vom Pharao selbst. Der Wesir war allerdings nicht der einzige mit diesen Privilegien, stattdessen teilte er seine Macht mit anderen hohen Beamten, Generälen, welche aufgrund der kriegerischen und militärischen Gesellschaft eine hohe Stellung einnahmen, und Priestern, diese waren so hoch angesehen da die altägyptische Gesellschaft sehr von der Religion beeinflusst und geleitet wurde. Aber mehr dazu im zweiten Teil dieses Kapitels.

Nach all diesen Zweit Mächtigsten kamen die Schreiber, Ärzte, Baumeister, Kaufleute und Handwerksmeister. Darauffolgend kamen die Klagefrauen, niedere Priester und normale Handwerker.

Den vorletzten Stand bildeten die Soldaten, Seeleute, Diener, das Hauspersonal, Schauspieler und Tänzer und ganz unten in der Gesellschaft standen die Bauern, ungelernte Arbeiter und auch die Sklaven.

Anders als in der heutigen Gesellschaft war die Emanzipation der Frau im alten Ägypten kein relevantes Thema, dies zeigt sich daran, dass Frauen zumeist Analphabet waren und aus der Verwaltung, sowie der Arbeitswelt ausgeschlossen wurden. Ausnahmen waren allerdings die Tätigkeiten in der Textilproduktion oder als Bäuerin, Bäckerin und Weberin.

Wie bereits angesprochen war die Außenpolitik der alten Ägypter kriegerisch, militärisch ausgerichtet. So führten sie in fast jeder Amtsperiode einen Krieg. Dieser wurde mit den anliegenden Ländern geführt, dazu zählen Nubien, das Mitanni-Reich oder das Hethiter-Reich etc.

Die Religion des alten Ägypten war im Laufe seiner Existenz dem Osiris-Kult zugetan, bis auf eine Unterbrechung durch Pharao Echnaton.

Bruce Trigger wies in seinem Buch Early Civilizations: Ancient Egypt daraufhin, dass einer der wichtigsten Unterschiede zwischen unserer Weltanschauung und jener der alten Ägypter darin besteht, dass wir eine klare Trennungslinie zwischen der natürlichen und der übernatürlichen Welt ziehen, während für die Ägypter Götter und Menschen auf der gleichen sozialen und physischen Ebene interagierten.

Aufgrund der polytheistischen Religion der Ägypter, umfasste ihr Pantheon eine Vielzahl unterschiedlichster Götter, die sich selbst im ständigen Wandel befanden. Dazu passend das Zitat des Forschers Erik Hornung, der sich mit der altägyptischen Religion befasst:,,In der ständigen Wandlung ihres Wesens und ihrer Erscheinung gleichen die ägyptischen Götter den Tempeln des Landes, die in ähnlicher Weise niemals abgeschlossen und fertig sind, sondern stets im Bau.‘‘

Ebenso befand sich aber auch das Pantheon selbst im Wandel, damit ist gemeint, dass die Ägypter immer neue Götter hinzufügten oder auch entfernten.

Ein fundamentaler Grundbaustein der altägyptischen Religion war das Schema der Verborgenheit und Offenbarung, welche durch Mythen, Rituale und Architektur untermauert wurden. Als Beispiel, war es der Masse der Bevölkerung nicht gestattet in das innere der Tempel einzudringen. Daraus resultierte, dass die Masse der Bevölkerung die Abbildungen ihrer Götter nur bei Festen, wie einem Transport sah.

Da die Götter den Ägyptern von großer Bedeutung waren, opferten sie den Göttern. Am häufigsten -durch Tempelinschriften überliefert- wurde den Göttern pesen und bit, also Brotarten geopfert. Aber die Opfer galten nach neuen Schlüssen nicht nur den Göttern, sondern auch dem Pharao. Dies zeigt sich an der sog. Opferformel, die Auflistungen von Opfergaben mit den Worten hetep di nesu (dt.: ein Opfer, das der König gibt) einleitete. Mit anderen Worten: Jede Anbetung und jedes Opfer, mit dem sich ein Individuum an die Götter wandte, definierte sich über dessen Verbindung zum König., so Ian Shaw, in seinem Buch Das alte Ägypten.

Die Religion der Ägypter leitete auch ihr ethisches Denken. Aus Quellen ergibt sich, dass sich die Ägypter darum bemühten ihre Gräber auf jungfräulichem Boden zu bauen und die Bauleute angemessen und gerecht zu bezahlen, da sie so ihr moralisches Recht auf das Grabmal verteidigten. Ein Beweis ist das Zitat des Anchtifi:

Ich bin ein ehrlicher Mann, der nicht Seinesgleichen hat, ein Mann, der offen sprechen kann, wenn andere schweigen müssen […]. Ganz Oberägypten starb an Hunger, und jedermann litt solchen Hunger, dass er seine eigenen Kinder aufaß, Aber ich weigerte mich, in dieser Provinz jemanden Hungers sterben zu sehen. Ich sorgte dafür, dass Oberägypten Getreide aus Oberägypten geliehen wurde, und gab dem Norden Getreide aus Oberägypten. Und ich glaube nicht, dass dergleichen je von den Provinzgouverneuren getan worden ist. Die vor mir kamen […].

Gewiss gibt es auch klar formulierte Aussagen zur Ägyptische Ethik die in sebayt (dt.: Lehren), über einen Zeitraum von 2500 v. Chr. bis 325 n. Chr. überliefert sind.

2.2 Wer war Echnaton und wer oder was war Aton?

Über Echnatons oder auch Amenophis IV Kindheit weiß man recht wenig, da wenig überliefert wurde, so weiß man nicht einmal das genaue Geburtsdatum. Was man aber mit Sicherheit weiß ist, dass er in einer Zeit des Friedens und des Wohlstandes in Ägypten aufwuchs. Dies lag an seinem Vater Amenophis III, der sich sehr um einen friedlichen Austausch mit den Nachbarn Ägyptens bemühte.

Ein sehr prägendes Ereignis für den jungen Amenophis IV, war hingegen der Tod seines älteren Bruders Tutmosis V, der eigentlich hätte Pharao werden sollen. So rückte Amenophis IV an erste Stelle in der Thronfolge.

Eine sehr wichtige Rolle, für das spätere Denken Amenophis IV, spielte vermutlich sein Onkel Aanen, der einer der bedeutendsten Religionsgelehrten zu dieser Zeit war. Aanen war zweiter Amunsprophet und für die gesamten Finanzen des Tempels von Karnak verantwortlich, somit nahm er eine Schlüsselposition im Staat ein. Er selbst war auch ein sehr gebildeter Mann, so war er ein großer Gelehrter der Astronomie.

Nach Jahren der Regentschaft über Ober- und Unterägypten, verstarb Pharao Amenophis III im 38.Jahr seiner Regentschaft. So bestieg Amenophis IV um 1351 v. Chr. den Thron Ober- und Unterägyptens, mit schätzungsweise zweiundzwanzig oder dreiundzwanzig Jahren. Er war der 10.Pharao der 18.Dynastie, die 180 Jahre zuvor von Pharao Ahmose (1540-1525 v. Chr.) gegründet wurde.

Amenophis IV war bei seiner Krönung bereits mit Nofretete verheiratet, das weiß man daher, da in seinem ersten Regierungsjahr seine erste Tochter geboren wurde. Er gab ihr den Namen Meritaton (Liebling des Gottes Aton), was schon auf seine späteren Umbrüche hindeuteten ließ.

Die fünf Regierungsnahmen die jeder Pharao bei seiner Thronbesteigung wählt, wählte Amenophis IV ähnlich denen seines Vaters. So kann man annehmen, dass der Regierungswechsel ruhig verlief und sich noch nichts von den kommenden Ereignissen ahnen ließ. Es wird ebenfalls dadurch bekräftigt, dass Amenophis IV die Beamten seines Vaters auf ihren Positionen beließ.

Eine interessante Eigenschaft Amenophis IV war es, dass er seine Frau als im Rang fast ebenbürtig zu sich sah. Anders als bei früheren Pharaonen, wie in Kapitel 2.1 bereits angesprochen. Nofretete war es somit gestattet Opferungen abzuhalten. Ein Beweis für die Akzeptanz Echnatons seiner Nofretete gegenüber ist anderswo auch, dass sie immer zu zweit auf Abbildungen zu sehen waren und dabei war nie einer dem anderen übergeordnet.

Das erste Bauwerk Amenophis IV sollte aber den wahren Beginn seines einzigartigen Wirkens markieren. So baute er in Karnak seinen ersten Tempel, der allerdings nicht dem Reichsgott- und seinen Namensgeber Amun gewidmet war, sondern der Erscheinungsform seiner Version der Tagessonne, Re-Harachete-Aton.

Bei all seinen Bauwerken bemerkt man einen Bruch Echnatons mit der vorherigen Kunstrichtung in Ägypten. So wurde nun, statt der Darstellung von kraftvollen, jungen und athletischen Gestalten, körperlich schwächere Gestalten dargestellt. Diese hatten lange Köpfe, dicke Oberschenkel, dünne Arme und schmale Gesichter.

Echnaton, wie Amenophis sich dann im Laufe seiner Regentschaft nannte, war scheinbar besessen von der Vorstellung Gott erkannt zu haben und dessen Heils-König zu sein. So gab es von nun an nach dem Tod keine Totengerichte mehr, stattdessen entschied nun Echnaton selbst was mit einem Toten nach dessen Tod passierte. Seine Wahrnehmung eine Art Messias zu sein, brachte ihn dazu seine Untertanen auf Aton vorbereiten zu wollen und ihn unter eben jenen zu verbreiten.

Echnatons ganzes Handeln zielte dementsprechend auf eine Abrechnung mit der Religion seiner Väter und deren Väter ab und der Etablierung eines neuen Glaubens.

Wer oder Was war nun aber dieser oder dieses Aton?

Aton war ein von Echnaton eingeführter Sonnengott. Sein ganzer Name war Re-Harachete-Aton. Dieser Gott trennte sich vollkommen von dem traditionellen Wesen des Sonnengottes. Folgendermaßen präsentierte er sich nun nicht mehr als körperliche Gestalt, wie die vorangegangenen Sonnengötter, sondern als pures Licht. Diese Art der Darstellung wird auch in den neuen Tempeln deutlich. Statt der traditionellen Finsternis in den heiligen Tempeln, waren diese von da an von Licht durchflutet, sodass man glaubte die Sonne selbst sei in den Räumen gegenwärtig und somit auch Aton.

Die Kommunikation Atons erfolgte ausschließlich über Echnaton, der als hoher Priester Atons, im direkten Kontakt zu Aton stand.

2.3 Wie gingen die Ägypter während der Regentschaft Echnatons mit dem Aton-Kult um?

Zu Beginn sollte man wissen, dass es in der ägyptischen Geschichte schon oft Götterwechsel gegeben hatte, zum Beispiel der Gott Amun. Dieser Gott war vor 2100 v. Chr. nur eine bescheidende Gottheit gewesen, bis er später zum mächtigen Reichsgott aufstieg. Also kann man mit ziemlicher Sicherheit annehmen, dass Echnatons Untertanen die Reform durchaus angenommen hätten, wäre da nicht sein immer höheres Streben nach Reinheit und Absolutheit, seiner Lehren, gewesen. Dieses zuvor genannte Reinheits- und Absolutheitsstreben, führte dazu, dass der Glaube anderer, als Opposition gegenüber dem Pharao gewertet wurde und im gleichen Zuge auch ernsthaft geahndet wurde.

Das Zwang der von Echnaton ausging führte beim Volk zu tiefer Angst und Verwirrung, aus dem Grund, da es von nun an für die Ägypter verboten war an ihre alten Götter zu glauben, die Götter unter denen sie sich sicher und geborgen fühlten und die ihnen vertraut waren und die Götter die die Herzen der Ägypter in den vergangenen Jahrhunderten fest in Besitz genommen hatten.

Es war den Ägyptern einfach nicht möglich, diesen neuen Gott, mit seinem abstrakten und fremden Wesen, zu begreifen

Trotz alle dem gab es Ägypter, die mit Echnatons Glauben und Änderungen gut ausgekommen sind. So änderten beispielsweise einige Ägypter ihre Namen, um den Pharao ihre Hinwendung und Treue zu demonstrieren. Einen Beweis, für die Echnaton treuen Ägypter, liefern zwei Grabtexte:

General Maja (Grab Nr.14) sagte:

[…]ich tat nach seinen Weisungen und hörte seine Worte ohne Unterlass[…] o mein Herr, der du so kundig wie Aton bist und zufrieden mit der Wahrheit, oh, wie gedeihlich ist es für den, der auf deine Lehre hört[…]oh, wie gedeihlich ist es für den, der dir folgt!

Und der Kammerherr Tutu (Grab Nr.8) sagte:

Deine Hände sind die Strahlen des Aton, du formst die Menschen und ihre Sinnesarten.

Ob es ich bei diesen Texten allerdings um den wahrhaften Glauben dieser beiden Männer handelte oder ob es sich letzten Endes doch nur um eigenen Profit gehandelt hat, wird vermutlich immer ein Rätsel bleiben.

Die Menschen die nicht mit Echnatons progressiven Änderungen einverstanden waren oder sie nicht umsetzten, glaubten weiterhin an den Götterglauben ihrer Väter -Selbst Menschen in unmittelbarer Nähe des Pharaos- dies belegen Funde von traditionellen Götterfiguren in Amarna, wo sich das Zentrum Echnatons Wirken befand. Achetaton. Ein Effekt des heimlichen Glaubens und der religiösen Verarmung war der in Achetaton neu aufgetauchte Gott Sched, zu Deutsch Retter, Dieser war ein Kämpfer gegen die Not der Menschen, der sie aus einer Verzweifelten Lage oder aus einer Verlorenheit befreien sollte. So schrieb Prof. Schlögl, in seinem Buch Echnaton: Dieser Gott ist förmlich die Verbildlichung des Hilferufes, der Ägypter.

Im direkten Kontrast zu dem geheimen Glauben vieler, steht die offene Kritik, in Form einer altertümlichen Satire. W. M. Flinders Petri fand in Amarna bemalte Kalksteinfiguren. Diese Figuren stellten Affen dar, die gewisse Handlungen menschlicher Natur ausführten, so zum Beispiel das Musizieren, das Stillen von Jungen, das Streitwagen Fahren oder auch das Küssen. Auffällig war allerdings, dass die Figuren wie offizielle Bilder der königlichen Familie dargestellt wurden, demgemäß waren sie mehr als nur eine Satire des gewöhnlichen Lebens, es waren eindeutige Karikaturen der königlichen Familie, die zur Demonstration von Ablehnung und Kritik dienten.

Die einfachen Menschen Ägyptens, waren aber nicht die einzigen, die Echnaton kritisierten. So kam es durch die religiöse Umgestaltung auch zu einem Zerwürfnis Echnatons mit dem großen Amun-Tempel von Karnak. Dieser war ein bestimmender Faktor im Staat, er besaß Bergwerke, Viehherden, Handelsschiffe, Werkstätten und auch große Ländereien, indes waren auch die einflussreichsten Familien des Staates durch Ämter und Einkommen Beteiligte des Zerwürfnisses. Dadurch trat im 4. Jahr Echnatons Regentschaft massive Kritik auf, die er rasch und kompromisslos, durch einen Führungswechsel, entfernte.

2.4 Wie gingen die Ägypter nach Echnatons Tod mit dem Aton-Kult um?

Wie zuvor in Kapitel 2.3 bereits erwähnt, war die Mehrzahl der Ägypter insgeheim immer noch Anhänger der alten polytheistischen Religion, auch wenn sie es nicht öffentlich machten.

Nach dem Pharao Echnaton verstorben war, begann der sich im Staat oberflächlich etablierte monotheistische Glaube allmählich abzubauen und verkündete dementsprechend auch das Ende der Amarnazeit-Periode. Dies ist zurückzuführen auf mehrere Parteien, darunter zähle ich die Familie des Pharaos, die Beamten, die Priesterschaft und die gewöhnlichen Menschen. (Der Begriff gewöhnlich weist auf die Menschen hin, die die breite Masse der Bevölkerung ausmachten, de facto Bauern, Arbeiter, Gelehrte etc.)

Der Großteil der gewöhnlichen Menschen war froh, dass der jahrelange Zwang ein Ende gefunden hatte. So wollten viele nicht mehr in einer demutsvollen Unterwürfigkeit verharren, sondern so weit wie möglich Abstand nehmen von Echnaton und seinem Aton-Kult.

Eine wegweisende Persönlichkeit war Echnatons Sohn Tutanchaton, der, nach dem er den Thron Ägyptens bestieg, eine Politik der Restauration einleitete, so erlaubte er den alten Göttern mit Aton zu existieren. Es war eine ,,behutsame Restauration‘‘, wie Prof. Schlögl sie bezeichnete. Dieser Begriff der Behutsamkeit wird durch den Fakt gefestigt, dass Tutanch-Aton trotz Rückführung zum alten Glauben seinen Namen erst in einer späten Phase der Restauration in Tutanch-Amun umänderte.

Die nach Echnatons Tod wieder an Einfluss gewonnene Priesterschaft, vor allem die des Gottes Amun, wollte einen sofortigen Umbruch mit dem Aton-Kult. Dies lag an den Verboten des Pharaos Echnaton, bezogen auf die alten Götter, die von der Priesterschaft verehrt wurden.

Die Beamten waren generell auf der Seite des Pharaos und folgten diesem, aber sie folgten auch dem Willen des Volkes. Da nun Tutanchaton herrschte und das gleiche vorhatte wie das Volk es wollte, kam es nicht zu Interessenskonflikten. Die Beamten waren für die Absetzung des Aton-Kultes.

2.5 Warum vernichteten die Ägypter also alle Hinweise auf Echnatons Leben und seine Werke nach seinem Tod?

Die Antwort auf diese Frage ist prinzipiell schlicht. Es waren nicht die Ägypter. Es war vielmehr ein Ägypter. Dieser eine Ägypter schaffte es eine ganze Regierungsepisode nahezu vollständig auszulöschen. Es war der unter Echnaton steil aufgestiegene General Horemheb. Nach dem Horemheb durch den Tod Pharao Ajas, den Nachfolger Tutanchamuns, der Pharao Ägyptens wurde, vollzog sich der Schlussakt der Amarnaepisode. Horemheb ließ Ajas Totentempel für sich annektieren, zerstörte dessen Inschriften und Statuen, ebenso entweihte er Ajas Grabstelle. Er ließ die Statuen des Tutanchamun an sich überschreiben, indem er Namen und Titel änderte. Außerdem vernichtete er Echnatons Hinterlassenschaften. Prof. Schlögl formulierte dazu passend:

,,Auch Echnaton, dem Horemheb doch seinen Aufstieg aus dem Nichts verdankte, fiel der Damnatio memoriae anheim. Er vernichtete alles.‘‘

Horemheb setzte die Epoche zum Schluss, durch sein brutales, wahrlich schon fanatisches, Zerstören direkt auf die Herrschaft Amenophis III zurück. So ließ er die vollkommene Amarnaperiode zu einer Zeit werden, die es nie gegeben hat.

Warum Horemheb nun aber diese Welle der Zerstörung über Ägypten schwämmen ließ, bleibt schließlich ein Rätsel. Wir können aber Mutmaßungen anstellen. So könnte es persönlicher Hass gegenüber der Herrscher Familie mit ihrem Aton-Kult gewesen sein oder vielleicht wollte er sich auch nur beim Volk beliebt machen, da er kein legitimer Herrscher war. Letzten Endes könnten es doch nur Machthunger gewesen sein, der ihn dazu trieb Pharao zu werden und mit allen vorherigen abzurechnen. Eine letzte interessante Theorie ist die, dass Ägypten nach dem Tod Echnatons im Krieg mit Mitanni war und zugleich mit einer landesweiten Pestepidemie zu kämpfen hatte, hinzukommend die Unterdrückung aus der Zeit Echnatons, sehnten sich die Ägypter nach der friedlichen Zeit Amenophis III, wie in Kapitel 2.2 bereits erörtert. Dies würde den Hass gegenüber den Amarna-Herrschern erklären und warum Horemheb genau an Amenophis III ansetzte. Am Ende bleiben dies aber nur Theorien.

3 Resümee

Die Amarnazeit, also die Zeitperiode beginnend mit Echnaton und endend mit Aja, war eine harte zermürbende Zeit für das Volk Ägyptens, welches sozusagen von heute auf morgen mit allen Traditionen brechen musste und an einen Kult glauben musste, den es nie zuvor gegeben hatte. Die Reaktion die zum Schluss vom Volk ausging, scheint aus unserer Sicht somit wohl begründet.

Aber wie können wir uns in so etwas hineinversetzten, wir, die nie erlebt haben wie es ist, wenn einem ein neu geschaffener Glaube aufgezwungen und der Glaube an allem was wir zuvor kannten und uns ausmachte verboten wird?

Um auf den monotheistischen Glauben an Aton zurückzukommen, scheint es so, dass es besser wäre, wenn es nie diese monotheistische Religion gegeben hätte. Dies hätte sicher vielen Ägyptern eine Menge an Leid erspart.

Allerdings wäre es ohne diesen Aton-Kult, nie zu der Tora, der Bibel oder dem Koran, wie wir sie heute kennen, gekommen. Denn Echnatons Sonnenhymnus bildete die Grundlage für alle drei abrahamitischen Religionen.

Meiner Meinung nach lässt sich eine solche Facharbeit, mit einem Thema von elementarer menschlicher Bedeutung, in Bezug auf Fortschritt und Religion, nur beenden mit den Worten. Progressus laborare est.

Glossar

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quellenverzeichnis

1. Ian Shaw: Das alte Ägypten. Eine kleine Einführung: Reclam, 2004, Auflage Nr. 17052
2. Prof. Hermann A. Schlögl: Echnaton: C.H.BECK WISSEN, 2008, Auflage Nr. 2441
3. Nagib Machfus: Echnaton: Unionsverlag Zürich, 1985, Auflage Nr. 530
4. Echnaton: Sonnenhymnus. Ägyptisch/Deutsch: Reclam, 2007, Auflage Nr. 18492
5. Erik Hornung: Zitat übernommen aus: Ian Shaw: Das alte Ägypten. Eine kleine Einführung: Reclam, 2004, Auflage NR. 17052
6. Bruce Trigger: Zitat übernommen aus: Ian Shaw: Das alte Ägypten. Eine kleine Einführung: Reclam, 2004, Auflage Nr. 17052
7. Anchtifi: Zitat übernommen aus: Prof. Hermann A. Schlögl: Echnaton: C.H.BECK WISSEN, 2008, Auflage Nr. 2441
8. W. M. Flinders: Zitat übernommen aus: Ian Shaw: Das alte Ägypten. Eine kleine Einführung: Reclam, 2004, Auflage Nr. 17052

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14 von 14 Seiten

Details

Titel
Der Monotheismus unter Pharao Echnaton. Die Kritik der Ägypter und die daraus resultierende Zensur in der Geschichte
Note
1
Jahr
2021
Seiten
14
Katalognummer
V1030710
ISBN (eBook)
9783346441959
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Altes Ägypten, Echnaton, Monotheismus
Arbeit zitieren
Anonym, 2021, Der Monotheismus unter Pharao Echnaton. Die Kritik der Ägypter und die daraus resultierende Zensur in der Geschichte, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1030710

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