Schwangerschaftsdiagnostik und Probleme


Hausarbeit, 2001
24 Seiten

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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Schwangerschaftsnachweis
2.1 Bluttest
2.2 Urintest

3. Pränataldiagnostik
3.1 Diagnosemethoden
3.1.1 Amnionzentese
3.1.2 Chorionzottenbiopsie
3.1.3 Ultraschall
3.1.4 Nackendichtanalyse
3.1.5 Triple Test
3.1.6 Präimplantaionsdiagnostik
3.1.7 Fetale Echokardiographie
3.1.8 Dopplersonographie

4. Störungen und Krankheiten
4.1 Störungen und Krankheiten des Eies und der Frucht
4.1.1 Exrauterninität
4.1.2 Störungen der intrauterinen Implantation
4.2 Pathologische Anlagen des Eies, der Eihäute und de Fruchtwassers
4.2.1 Abortiveier
4.2.2 Blasenmole
4.2.3 Chorionepitheliom
4.2.4 Hydramnion
4.3 Morbus haemolyticus fetalis bis Rh-Inkompatibilität
4.4 Intrauteriner Fruchttod
4.5 Störungen im Wachstum des Eies
4.5.1 Fehlgeburt (Abort)
4.5.2 Frühgeburt
4.6 Die Erkrankung der Mutter in der Schwangerschaft
4.6.1 Frühgestosen
4.6.2 Spätgestosen
4.6.3 Gestosen im weitern Sinn
4.6.4 Erkrankungen während der Schwangerschaft und Schwangerschaftsunterbrechung

SCHWANGERSCHAFTSDIAGNOSTIK UND PROBLEME

1.EINLEITUNG

Eine Schwangerschaft stellt eine physiologische, dabei aber oft auch seelische Ausnahmesituation im Leben einer Frau dar. Dieser Zustand ist von einer Vielzahl von Veränderungen begleitet, die die Aufgabe haben:

1. die Entwicklung des Kindes zu gewährleisten
2. den Verlauf der Schwangerschaft zu sichern
3. die Geburt vorzubereiten und zu ermöglichen.

Bei allen Betrachtungen zu diesem Thema sind immer Mutter und Kind gemeinsam zu berücksichtigen, da sich Veränderungen der Mutter fast immer auf das Kind und entsprechend Veränderungen des Kindes meist auf die Mutter auswirken.

Die Schwangerschaft wird in 3 Abschnitte unterteilt, die vo n der werdenden Mutter auf unterschiedliche Art und Weise empfunden werden:

1. Trimester (oder 1. Trimenon) vom 1.-4. Monat = Stadium der Anpassung an die körperlichen Veränderungen
2. Trimester (oder 2. Trimenon) vom 5.-7. Monat = Stadium des Wohlbefindens mit dem Kind
3. Trimester (oder 3. Trimenon) vom 8.-10. Monat = Stadium der Belastung

Schwangerschaftsanzeichen

Hinweise, die auf eine Schwangerschaft hindeuten und ohne apparativen Aufwand gefunden werden können, kann man in unsichere, wahrscheinliche und sichere Schwangerschaftszeichen unterteilen:

- Unsichere Schwangerschaftszeichen stellen Veränderungen des Allgemeinbefindens dar, wie Übelkeit, Erbrechen, Appetitstörungen (z.B. abnorme Essgelüste) oder Schwindel.
- Wahrscheinliche Schwangerschaftszeichen finden sich als Veränderungen der Genitalorgane, wie die ausbleibende Monatsblutung (Amenorrhoe), Vergrößerung von Gebärmutter und Brustdrüse oder eine verstärkte Pigmentierung des Warzenhofes an der Brustwarze.
- Sichere Schwangerschaftszeichen gehen vom Kind selbst aus, wie kindliche Herztöne, Kindsbewegungen oder bereits sehr früh in der Schwangerschaft die Erhöhung der Basaltemperatur durch hormonelle Veränderungen.

Gerade die ersten Wochen sind für die Entwicklung des Kindes am wichtigsten. Daher ist es sinnvoll, eine Schwangerschaft so früh wie möglich zu erkennen.

Bei ausbleibender Menstruation liegen Eisprung und Befruchtung bereits mindestens 15 Tage zurück. Schon zu diesem Zeitpunkt kann ein Schwangerschaftstest Gewissheit über eine Schwangerschaft geben.

1.1 HORMONZYKLUS DER FRAU

Der Hypothalamus regt die Hypophyse zur Produktion von Follikelstimulierungshormonen (FSH) und Luteinisierende Hormonen (LH) an. Das FSH bewirkt die Follikelbildung (Eibläschen) und dessen Reifung. Das Follikel wird nun selbst zur Hormondrüse und bildet das Follikelhormon FH (Östrogen). Seine Aufgabe ist der Aufbau der Gebärmutterschleimhaut und die Hemmung des Heranreifen eines weiteren Follikels (es hemmt das FSH). Das LH bewirkt den Eisprung und die Umwandlung des geplatzten Follikels in den Gelbkörper sowie die CL-Produktion (Corpus lutem Hormon; Gestagene, Progesterone) des Gelbkörpers. Das CL erhält die Gebärmutterschleimhaut, die Eizelle und es hemmt das LH.

Findet keine Befruchtung statt, schrumpft der Gelbkörper, die Progesteronproduktion wird eingestellt und die Gebärmutterschleimhaut stirbt ab. Es folgt die Menstruation. Findet eine Befruchtung statt, wird der Keim in die Gebärmutterschleimhaut eingenistet. Der Keimling bildet hCG (Humanes Choriongonatotropin) das den Gelbkörper zur weiteren Progesteronproduktion anregt. Ab dem 3. Schwangerschaftsmonat bildet die Plazenta Östrogene und Progesterone. Der Gelbkörper stirbt ab. Durch diese beiden Hormone wächst der Uterus und die Brustdrüsen, die Follikelbildung wird gehemmt und es erfolgt die Abgabe des Wehenhormons Oxytozin.

2.SCHWANGERSCHAFTSNACHWEIS

Der Beweis, dass eine Schwangerschaft vorliegt, kann mittels verschiedener Methoden schon sehr früh erbracht werden. Die wic htigsten Methoden sind Urin- und Bluttests. Für die hormonalen Schwangerschaftsnachweise gibt es heute empfindliche und einfach durchzuführende Testverfahren, die so empfindlich sind, dass sie bereits zum Zeitpunkt der zu erwartenden Menstruation eine Schwangerschaft anzeigen können.

2.1 Urintest

Im Urin lässt sich das Schwangerschaftshormon humanes Chorion- Gonatotropin (hCG) nachweisen. Dieses Hormon wird vom Embryo gebildet und ist damit charakteristisch für eine beginnende Schwangerschaft. Es ist biolo gisch identisch mit dem Eisprung auslösenden Hormon der Hirnanhangdrüse (LH = Luteinisierendes Hormon = gelbkörperbildendes Hormon). HCG kommt ausschließlich während einer Schwangerschaft vor. Urintests werden in der Arztpraxis durchgeführt und können scho n 12 bis 14 Tage nach der Befruchtung recht zuverlässige Ergebnisse liefern.

Heutzutage gibt es in Apotheken eine ganze Anzahl frei verkäuflicher Urinschwangerschaftstests, die leicht durchzuführen und zu etwa 90 bis 98 Prozent verlässlich sind. Je früher der Test durchgeführt wird, um so unsicherer ist das Ergebnis. Das Ergebnis des Tests ist entweder positiv (= schwanger) oder negativ (= nicht schwanger). Die Konzentration von hCG-Hormonen ist im Morgenurin direkt nach dem Aufstehen am höchsten. Die meis ten Tests können jedoch zu jeder Tageszeit durchgeführt werden. Bei den modernen Tests wird einfach ein Teststab oder ein Testplättchen mit Urin benetzt. Nach wenigen Minuten kann das Ergebnis abgelesen werden.

Viele Tests haben zwei Anzeigen: ein Kontrollfeld, das sich verfärbt und anzeigt, ob der Test ordnungsgemäß durchgeführt wurde, und ein Ergebnisfeld, das sich nur bei einer Schwangerschaft verfärbt. Auch leichte Verfärbungen im Ergebnisfeld deuten auf eine Schwangerschaft hin. Der Test sollte dann jedoch nach einigen Tagen wiederholt werden. Auch wenn der Test negativ war, die Monatsblutung jedoch ausbleibt, sollte der Test wiederholt werden. Je später ein Schwangerschaftstest durchgeführt wird, um so mehr hCG ist im Urin und um so sicherer ist das Ergebnis.

Die Tests müssen entsprechend der Anleitung durchgeführt werden und können bei nachlässiger Handhabung falsche Werte anzeigen. Antidepressiva oder einige Hormonpräparate können die Ergebnisse ebenso verändern wie falsche Aufbewahrung des Testmaterials. Alle Tests sollten bei normaler Raumtemperatur (18 °C bis 25 °C) durchgeführt werden; abweichende Temperaturen können die Sensitivität und die Entwicklungsgeschwindigkeit der Testergebnisse beeinflussen.

2.2 Bluttest

Der Bluttest ist wesentlich empfindlicher als der Urintest. Daher zeigt er schon im Frühstadium einer Schwangerschaft zuverlässigere Ergebnisse. Im Blut kann das Schwangerschaftshormon hCG als sicheres Anzeichen einer Schwangerschaft bereits 10 Tage nach der Befruchtung nachgewiesen werden.

Ein bis zwei Tage nach dem Einnisten der befruchteten Eizelle in der Gebärmutter beginnen die Eierstöcke das Schwangerschaftshormon hCG zu bilden, also etwa sieben bis neun Tage nach dem Eisprung oder am 21. bis 23. Tag des Menstruationszyklus. Die Eierstöcke setzen die hCG-Produktion fort, bis der Mutterkuchen etwa ab der zehnten bis zwölften Schwangerschaftswoche selbst in der Lage ist, ausreichend Hormone zu bilden. Die hCG-Konzentration verdoppelt sich etwa alle zweieinhalb Tage und erreicht ihr Maximum etwa zwischen der neunten und elften Schwangerschaftswoche (mittlerer Wert: 150.000 Einheiten pro Liter Blut). Wenn die Regel ausbleibt, liegt eine hCG-Konzentration von etwa 200 Einheiten pro Liter Blut vor, die bei Bluttests nachgewiesen werden kann. hCG wird auch mit dem Urin ausgeschieden. Bei einem Schwangerschaftstest wird immer überprüft, ob dieses Hormon im Blut oder im Urin zu finden ist.

Das Schwangerschaftshormon hCG wird für das morgendliche Erbrechen der Schwangeren, die Emesis gravidarum, verantwortlich gemacht.

Auch für den weiteren Verlauf der Schwangerschaft spielt hCG eine bedeutende Rolle. Bei der Triple-Diagnostik verwendet man den hCG-Wert in Verbindung mit anderen Parametern, um das Risiko verschiedener Chromosomenschäden des Fetus zu beurteilen. Allerdings weisen erhöhte hCG-Werte nicht notwendig auf Chromosomenschäden des Fetus oder auf andere Komplikationen wie z.B. Blasenmole oder Chorion-Karzinom hin; auch bei einer Mehrlingsschwangerschaft sind die Werte deutlich erhöht.

Bei der künstlichen Befruchtung setzt man hCG zum Auslösen des Eisprung und zur Unterstützung der zweiten Zyklushälfte in der IVF-Behandlung ein.

3.PRÄNATALDIAGNOSTIK

Unter Pränataldiagnostik versteht man die medizinischen Untersuchungen, die während der Schwangerschaft durchgeführt werden können, um eine mögliche Schädigung oder Erkrankung des ungeborenen Kindes erkennen zu lassen. Zu den Untersuchungsmethoden gehören sowohl bildgebende Verfahren wie Ultraschall als auch die Fruchtwasseruntersuchung oder als Spezialfall die Präimplantationsdiagnostik (PID).

Anfang der 80'er Jahre fanden die ersten Untersuchungen dieser Art statt. Seitdem sind sie nicht unumstritten, da sie die werdenden Eltern vor gravierende Entscheidungen stellen können. Als selektierende Methode lehnen viele Menschen, die Pränataldiagnostik ab. Da bei einem auffälligen Befund oftmals eine Abtreibung die Folge ist, sind auch die Kirchen, v.a. die katholische, gegen derartige Untersuchungen.

Es sei noch darauf hingewiesen, dass nach der Befruchtung der Eizelle in den ersten Tagen und Wochen ca. 80 % der Schwangerschaften mit genetischen Defekten durch einen Spontanabgang (Abort) vom Körper selbst beendet werden. Oft wird dies von den betroffenen Frauen gar nicht bemerkt, weil es in den ersten Tagen oder Wochen der Schwangerschaft passiert.

3.1 DIAGNOSEMETHODEN

3.1.1 Amninonzentese- Fruchtwasserentnahme

Die Amnionzentese wir hauptsächlich zur Erkennung von zahlenmäßigen und strukturellen Chromosomenveränderungen durchgeführt.

Empfohlen wird dieses Verfahren, wenn:

- die Schwangere älter als 35 oder
- der Vater über 41 Jahre alt ist
- die Frau bereits Chromosomstörungen hat oder
- bei ihr Chromosomentranslationen erkannt sind bzw. vermutet werden
- eine familiäre Disposition besteht für pränatal diagnostizierbare Erkrankungen oder ein Familienmitglied einen Neuraldefekt hat, z.B. einen offenen Rücken (Spina bifida; die Ursache dafür ist noch nicht bekannt, aber man weiß, dass Folsäure das Risiko, ein Kind mit Spina bifida zu gebären, verringert)
- Risiko beim Triple Test größer als 1:250 ist

Häufigkeit von Chromosomenanomalien in der 15. SSW im Alter von:

- 35-17J. = 1,4 %
- 38-40J. = 1,8 %
- 40-44J. = 4,7 %
- > 44J. = 8,5 %

Ab der 14. Schwangerschaftswoche etwa kann die Amniozentese durchgeführt werden. Sie findet unter sterilen Bedingungen und ohne Betäubung statt. Durch die Bauchdecke der Frau wird unter Ultraschallkontrolle eine dünne Punktionsnadel bis in die Fruchtblase vorgeschoben, um ca. 15 - 20 ml Fruchtwasser als Probe abzusaugen. Eine Berührung oder gar Verletzung des wachsenden Kindes ist dabei in der Regel ausgeschlossen. Die meisten Frauen empfinden diese Untersuchung wie eine intravenöse Injektion; sie wird als unangenehm aber nicht als schmerzhaft beschrieben. Untersucht werden Zellen des den Fötus umgebenden Fruchtwassersacks (Amnion), sowie abgeschilferte Hautzellen des Fötus und Zellen aus dem Magen-Darm-Trakt. Im Labor werden die Zellproben "angezüchtet". Nach erfolgreicher Vermehrung können die Chromosomen isoliert und analysiert werden. Zusätzlich lassen sich aus dem Fruchtwasser bestimmte Marker, wie das Alpha-Fetoprotein (AFP), bestimmen. Dieses Eiweiß ist speziell bei Neuraldefekten, z.B. beim offenen Rücken (Spina bifida), erhöht.

[Das Alpha-Fetoprotein ist ein Eiweiß, das vom Embryo bzw. Feten gebildet wird. Es gelangt über die Plazenta (Mutterkuchen) und die Eihäute in das mütterliche Blut, wo es etwa von der 4. Schwangerschaftswoche an nachgewiesen werden kann. Die Konzentration steigt zunächst an und fällt wieder zum Ende der Schwangerschaft, es kann Abweichungen im üblichen Konzentrationsverlauf geben, ohne dass beim Kind Veränderungen vorliegen.

Erhöhte Alpha-Fetoprotein-Werte können besonders bei Nervensystemfehlbildungen in Form der Neuralrohrdefekte (offenem Rücken, fehlender Hirnanlage) und anderen Fehlbildungen (wie offener Bauchwand) vorkommen. Bei Down-Syndrom und Edwards-Syndrom kann die Konzentration des Alpha-Fetoprotein wegen des bei diesen Störungen öfter vorkommenden Neuralrohrdefektes erhöht sein, aber auch bei Triploidie und Turner-Syndrom. Die Alpha-Fetoprotein-Konzentration bezogen auf das Schwangerschaftsalter kann jedoch auch bei Mehrlingsschwangerschaft, falsch angegebenem Schwangerschaftsalter, sehr kleinen Kindern und anderen Erkrankungen oder Störungen der Schwangerschaft erhöht bestimmt werden. Wenn erhöhte Alpha-Fetoprotein-Werte ermittelt werden, liegen lediglich bei 2-3% der Schwangerschaften Störungen des Feten vor.

Erniedrigte Alpha-Fetoprotein-Werte werden bei Down-Syndrom, Pätau-Syndrom und Edwards-Syndrom sowie bei Abweichungen in der Zahl der Geschlechtschromosomen (wie bei Turner-Syndrom) festgestellt. Aber nur bei 20 -30 % der erniedrigten Werte liegt tatsächlich ein Down-Syndrom vor.]

Die Ergebnisse der Untersuchung erhält man in der Regel zwei bis drei Wochen nach der Fruchtwasserentnahme.

Die diagnostische Genauigkeit der Amnionzentese liegt durchschnittlich bei ca. 99 %, bei der Bestimmung von Neuraldefekten etwas niedriger, bei 90 %. Die folgenden Diagnosen lassen sich mit ihrer Hilfe feststellen:

- Chromosomenveränderungen, z.B. das Down-Syndrom (Mongolismus): Unter dem Down-Syndrom versteht man eine Trisomie des Chromosoms 21 (95% der Fälle) oder eine Translokation dieses Chromosoms. (In seltenen Fällen kann auch das zusätzliche Chromosom oder größere Teile davon an ein anderes „Autosom“ angeheftet sein. Autosome sind die 22 Chromosomen, die keine Geschlechtschromosome sind. Der Mensch besitzt zwei Geschlechtschromosome und zwar das X und Y Chromosom, die das weibliche (XX) oder männliche (XY) Geschlecht definieren.). Trisomie 21 bedeutet, dass das Chromosom 21 nicht in doppelter, sondern dreifacher Ausprägung vorliegt; diese Personen besitzen also statt 46 Chromosomen 47. Dieser Chromosomenfehler kommt daher, dass bei der Bildung und Reifung von Spermien und Eizellen ein Chromosom nicht abgetrennt wird. Symptome: Geistige Behinderung, rundlicher Minder- bzw. Kleinwuchs, schräge Augenfalte, tiefsitzende, oft vergrößerte Ohren, verbreitete Nasenwurzel, ein meist offener Mund mit erhöhtem Speichelfluss und eine vergrößerte Zunge, Unterentwicklung von Zähnen und Kiefer sowie verspätetes Verschließen der Schädelnähte,...

- eine Reihe von Neuraldefekten, wie ein offener Rücken (Spina bifida: Das heißt „Gespaltenen Wirbelsäule“. Die Kinder haben im Rücken über der Wirbelsäule eine offene, manchmal sich vorwölbende Stelle, an der das Rückenmark zutage tritt. Spina bifida bedeutet ein komplexe Fehlbildung des Gehirns und des Nervensystems. Die letztliche Ursache dafür ist noch nicht bekannt und wir noch erforscht. Man weiß aber, dass durch eine ausreichende Versorgung der Schwangeren mit Folsäure das Risiko, ein Kind mit einer Spina bifida zu gebären, verringerbar ist. Die Folsäure muss vor Beginn der Schwangerschaft eingenommen werden, da diese Fehlentwicklung des Nervensystems bereits in den ersten Schwangerschaftswochen stattfindet. Das Nervensystem bildet sich aus der äußeren haut des Embryos und senkt sich normalerweise vollständig in die Tiefe ab. Eine unvollständige Versenkung führt dazu, dass ein Te il des Nervensystems an der Körperoberfläche verbleibt: der offene Rücken. In dieser Region liegt das Rückenmark nicht in den Wirbelkörpern in einem geschützten Kanal, sondern die Wirbel sind in dieser Region gespalten. Das nicht in den Körper eingewanderte und an der Oberfläche verbliebene Nervengewebe ist stark funktionsgestört.)

- erbliche Stoffwechselerkrankungen: Phenylketonurie (keine Umwandlung von Phenylalanin zu Thyrosin; statt dessen Anreicherung von giftiger Brenztraubensäure), Alkaptonurie (Phenylalanin und Thyrosin können nicht vollständig abgebaut werden - Zwischenprodukt Homogentisinsäure sammelt sich v.a. im Knorpel ab), Harnstoffzyklusdefekt (Störung der Stickstoffentgiftung), Purin- und Pyrimidinstoffwechselstörungen

Das Risiko, dass bei einer Amniozentese ein Abort ausgelöst wird, liegt durchschnittlich bei ca. 0,5 -1 %. Außerdem besteht eine gewisse Infektionsgefahr für Mutter und Kind. Die Fruchtwasserverluste nach der Entnahme und fetale Verletzungen sind äußerst selten. In spezialisierten Kliniken und Praxen werden bis zu 15 Amniozentesen pro Tag durchgeführt; entsprechend ist dort das Risiko wesentlich geringer als das allgemein gemittelte. Eine Fruchtwasseruntersuchung ist auch nach der 16. Schwangerschaftswoche möglich. Man muss auch mit einer Wiederholung der Entnahme infolge eines Laborfehlers aus technischen Schwierigkeiten, Zweifeln an Befunden die aus klinischer Sicht schwer zu interpretieren sind und äußerst seltenen Fehldiagnosen rechnen.

Diagnostizierte Erkrankungen entstehen durch:

- fehlerhafte Verteilung der Erbanlagen bei der Keimzellteilung
- die Vererbung von Störungen in den mütterlichen oder väterlichen Chromosomen ( Erbanlagen)
- fehlerhafte Entwicklung des Embryos mit Erhöhung der Konzentration von Alpha- Fetoprotein (spezielles kindliches Eiweiß) im Fruchtwasser.

In einer späteren Phase der Schwangerschaft ist es möglich:

- die etwaige Blutgruppenunverträglichkeit zwischen Mutter und Kind festzustellen (Bei der Konstellation Rh-negative Mutter und Rh-positives Kind kann es gegen Ende der Schwangerschaft zum Übertritt von kindlichen Rh-positiven Erythrozyten in den Blutkreislauf der Mutter kommen. Die Mutter bildet daraufhin gegen diese Erythrozyten Antikörper, die bei einer zweiten Schwangerschaft über die Plazenta in den fetalen Blutkreislauf gelangen können und dort die Rh-positiven Erythrozyten des Kindes binden und schädigen können. Bei leichtem Verlauf besteht eine geringgradige Anämie, bei schwerem Verlauf können Bewegungsstörungen, spastische Lähmungen und geistige Behinderungen sein. Tritt Plasma ins Gewebe und die Körperhöhlen, folgt in der Regel der Tod.)

- bei drohender Frühgeburt den Zustand der kindlichen Lunge als Reifezeichen zu ermitteln.

3.1.2 CHORIONZOTTENBIOPSIE

Zeitlich früher als die Amniozentese lässt sich diese Methode etwa ab der siebten bis neunten Schwangerschaftswoche anwenden, da diese Zellen dann mittels einer Kurzzeitkultur untersucht werden können. Die Beschaffenheit der Chromosomen kann auch untersucht werden. Die Chorionzottenbiopsie wird, wie die Amnionzentese, werdenden Eltern empfohlen, wenn:

- die Schwangere älter als 35 oder
- der Vater über 41 Jahre alt ist
- die Frau bereits Chromosomstörungen hat oder
- bei ihr Chromosomentranslationen erkannt sind bzw. vermutet werden
- eine familiäre Disposition besteht für pränatal diagnostizierbare Erkrankungen oder ein Familienmitglied einen Neuraldefekt hat, z.B. einen offenen Rücken (Spina bifida)

Das Verfahren findet unter sterilen Bedingungen statt. Um Zellen des Fötus zu gewinnen, gibt es die zwei folgenden Methoden:

- Transabdominal: Bei dieser Form der Chorionzottenbiopsie wird unter ständiger Ultraschallkontrolle durch die Bauchdecke der Schwangeren eine dünne Punktionsnadel gestochen und bis in die Placenta geführt. Eine Gewebeprobe wird entnommen und im Labor entsprechend analysiert. Für die Frau ist die Prozedur nahezu identisch mit der der Amniozentese, nur dass andere Zellen an einer anderen Stelle entnommen werden.

- Transzervikal: Im Unterschied zur transabdominalen Methode wird hier keine Nadel durch den Bauch gepiekt, sondern ein dünner Katheter durch die Scheide und den Gebärmuttermund in die Placenta geschoben.

Auch die Chorionzotten stammen, wie der Fötus, ursprünglich aus der befruchteten Eizelle. Daher lassen sie eine Aussage über den Fötus zu, man untersucht ihn sozusagen indirekt. Nach der Entnahme werden die Zellen im Labor, ähnlich wie bei der Amniozentese, entsprechend aufbereitet und analysiert. Diese Zellen werden in Kulturmedien im Labor angezüchtet und zum Wachsen gebracht. Die Chromosomen dieser kindlichen Zellen können nun auf das Vorliegen von Chromosomenveränderungen untersucht werden. Die Ergebnisse liegen normalerweise schon nach etwa ein bis zwei Tagen (oder auch erst nach bis zu zwei Wochen) vor. Sie lassen folgende Diagnosen zu:

- Chromosomenveränderungen, z.B. das Down-Syndrom (Mongolismus)
- eine Reihe von Neuraldefekten, wie ein offener Rücken (Spina bifida)
- erbliche Stoffwechselerkrankungen

Das Risiko eines Aborts liegt bei der Chorionzottenbiopsie bei ca. 1 - 1,5 %. Auch hier gilt, dass es umso geringer ist, je häufiger der verantwortliche Arzt die Methode anwendet. In Deutschland werden etwa fünfzig bis hundert Mal so viele Amniozentesen wie Chorionzottenbiopsien durchgeführt.

3.1.3 Ultraschall

Durch Ultraschall können Größen gemessen und verglichen sowie "sichtbare" Embryo- Fehlbildungen erkannt werden. Mit Hilfe der Methode des sogenannten Farbdopplers (Das Prinzip beruht auf einer farbkodierten Verarbeitung von Dopplersignalen. Es wird ein farbcodiertes und zweidimens ionales Real- time-Bild wiedergegeben.) kann außerdem der kindliche Blutfluss, die Eizellqualität bzw. die Fähigkeit der Gebärmutterschleimhaut und die Funktion der Herzklappen bestimmt werden. Eine Ultraschalluntersuchung beinhaltet nach derzeitigem Wissen keinerlei Risiko für Mutter und Kind. Die Untersuchung kann von außen "durch" die Bauchdecke erfolgen oder durch Einführung eines Schallkopfes in die Scheide. Auch bei guter Gerätequalität, größter Sorgfalt und Erfahrung des Untersuchers kann nicht erwartet werden, dass zu jedem Zeitpunkt der Schwangerschaft alle Fehlbildungen und Veränderungen erkannt werden können.

Es ist möglich, dass kleinere Defekte nicht erkannt werden, z.B. ein Loch in der Herzscheidewand, eine Lippen- Kiefer- Gaumenspalte im Bereich der Wirbelsäule sowie Finger- und Zehenmissbildungen. Auch kann die Beurteilbarkeit des ungeborenen Kindes durch ungünstige Untersuchungsbedingungen erschwert werden.

3.1.4 Nackendichteanalyse

Mit Hilfe besonders leistungsstarker Ultraschallgeräte kann man bis zu einer Steißlänge des Embryos von 8,5 cm (13. bis 14. Woche) eine Untersuchung der Nackendichte des Embryos durchführen. Diese relativ neue Methode beruht auf der Erkenntnis, dass Embryos mit Trisomien (Down Syndrom, Trisomie 13 u. 18) in den me isten Fällen einen dickeren Nacken haben als normale Embryos. Gemessen werden die Längen der Ober- und Unterarme, Ober- und Unterschenkel, Schädeldurchmesser, die Nackendichte und die Steißlänge. Diese Werte werden zueinander in einem Verhältnis verrechnet. Das Ergebnis ist wie beim Triple-Test eine veränderte Wahrscheinlichkeit der Schwangeren (zu der ihrem Alter entsprechenden) ein behindertes Kind zu bekommen, an die sich die Entscheidung für oder gegen eine Amniozentese anschließt.

3.1.5 Triple Test

Beim Triple-Test, auch MoM- Test genannt, werden drei bestimmte Eiweiße (Alpha- Fetoprotein, Choriongonadotropin und unkonjugiertes Östriol) als Serummarker im mütterlichen Blut untersucht. Chromosomenanomalien können mit dem Triple-Test nicht diagnostiziert werden. Vielmehr dient er aufgrund eventuell erhöhter Eiweißwerte einer Abschätzung des Risikos für die werdende Mutter. Liegen die Werte der Serummarker im Normbereich erübrigt sich eine Fruchtwasserentnahme.

Durch den Triple-Test müssen invasive Untersuc hungsmethoden weniger häufig durchgeführt werden. Seit seiner Einführung konnte die Zahl der Amniozentesen, die aufgrund des Alters der Schwangeren vorgenommen wurden, um die Hälfte reduziert werden. Die Anzahl der erkannten fetalen Chromosomenstörungen verdoppelte sich seitdem.

Um das Risiko für bestimmte Chromosomenstörungen besser einzuschätzen, können zusätzlich zum Alter der Mutter bestimmte Werte im mütterlichen Blut herangezogen werden. Da es sich um drei verschiedene Laborwerte handelt, spricht man in diesem Zusammenhang auch vom “Tripple-Screening“. Berücksichtigt man das Alter der Mutter für eine Risikoabschätzung (35 Jahre oder älter), werden etwa nur 30%, bei zusätzlicher Bewertung des Ergebnisses der „Tripple Untersuchung“ etwa 60%, aller Trisomien 21 diagnostiziert. Es muss aber betont werden, dass auch die „Triple Untersuchungen“ wie die alleinige Berücksichtigung das Alters nur eine Risikoeinschätzung bieten kann, z.B. ein Risiko von 1:1500 oder aber 1:20 für ein Kind mit Down-Syndrom.

Wird bei 1000 Schwangeren ein Triple- Test durchgeführt, haben 40 Frauen ein erhöhtes Risiko für ein Kind mit Neuralrohrdefekt, jedoch sind nur zwei Kinder davon tatsächlich betroffen.

Wegen der großen Unsicherheitswerte sollte der Triple-Test durchaus auch kritisch beurteilt werden und die Schwangere über die folgenden Punkte informiert sein: Vor der 15. Woche liefert der Test keine Ergebnisse. Aus diesem Grund kommt es zu falschen Ergebnissen, wenn das Stadium der Schwangerschaft nicht genau bekannt ist. Eine nachfolgende Fruchtwasseruntersuchung kann also erst in der 16. oder 17. Woche durchgeführt werden kann. Das bedeutet einen Zeitverlust von 2 bis 3 Wochen gegenüber dem normalen Zeitpunkt der Amniozentese. Eine mögliche Abtreibung würde dann zu einem relativ späten Stadium, nämlich erst in der 20. -21. Woche durchgeführt werden können. Bei auffälligem Testergebnis liegt in den meisten Fällen keine Chromosomenanomalie vor, die sogenannte Falschpositivrate des Tests ist sehr hoch. Ein unauffälliges Testergebnis ist keine Garantie für ein gesundes Kind, sondern gibt nur eine Aussage über veränderte Wahrscheinlichkeiten ein kranken Kind zu bekommen. Das auffällige Ergebnis sollte unbedingt mit einer Amniozentese bestätigt werden. Die Rate an auffälligen Testergebnissen steigt deutlich mit dem Alter der Mutter (35 Jahre: 16 Prozent; 40 Jahre: 90 Prozent), und das, obwohl die Gefahr für Chromosomenanomalien im gleichen Zeitraum nur leicht ansteigt.

3.1.6 Präimplantationsdiagnostik (PID)

Bei dieser derzeit in Deutschland heftig umstrittenen Spezialform einer Pränataldiagnostik wird die weibliche Eizelle außerhalb des weiblichen Körpers mit einer Samenzelle befruchtet. In der normalen Reproduktionsmedizin wird sie dann in den Uterus eingepflanzt, in der Hoffnung, dass sich ein gesundes Kind entwickelt. Bei der PID hingegen wird, wenn sich aus der befruchteten Eizelle etwa acht Zellen gebildet haben, eine entnommen und auf eventuelle Erbfehler untersucht. Die Frau kann dann entscheiden, ob sie eine Einpflanzung wünscht oder die Embryonalzellen abgetötet werden sollen, bzw. aus mehreren Embryos kann der gesündeste ausgesucht werden.

3.1.7 Fetale Echokardiographie

Bei der fetalen Echokardiographie sucht man nach angeborenen Fehlbildungen des kindlichen Herzens. Diese sind relativ häufig und können das spätere geburtshilfliche Management entscheidend beeinflussen. Auch hier ist der günstigste Zeitpunkt die 20. bis 22. Schwangerschaftswochen.

3.1.8 Dopplersonographie

Mit Hilfe einer Doppler-Sonographie, einem speziellen Ultraschallverfahren, können sowohl die Funktionsfähigkeit einzelner Organe als auch die Blutversorgung des ungeborenen Kindes im Mutterleib untersucht werden. Dieses Verfahren macht den Blutfluss von den mütterlichen Gefäßen in die Plazenta und in den Körper des ungeborenen Kindes sichtbar. Die gemessene Menge des Blutes und seine Fließgeschwindigkeit geben Aufschluss darüber, ob das Kind genügend Sauerstoff und Nährstoffe über die Plazenta erhält. Außerdem kann die Funktion der Herzklappen und teils auch die der Scheidenwände der Kammern und Vorhöfe beurteilt werden. Liegt eine Durchblutungsstörung vor, kann der Arzt gegebenenfalls zu durchblutungsfördernden Maßnahmen greifen.

Fehlbildungssonographie: Durch die Fehlbildungssonographie können Schäden oder Fehlbildungen des ungeborenen Kindes frühzeitig entdeckt werden. Günstigster Untersuchungszeitpunkt: 20. bis 22. Schwangerschaftswoche. Indikationen sind vermutete Schädigung des Kindes oder eine belastende Krankheitsgeschichte der werdenden Mutter.

4.Störungen und Krankheiten

4.1 Störungen und Krankheiten des Eies und der Frucht

4.1.1 Extrauterinität

Eine fehlerhafte Ansiedlung des befruchteten Eies außerhalb der Gebärmutter kommt in 1 bis 2% aller Schwangerschaften vor. Dies können eine Eierstock-, Bauchhö len- (primär oder sekundär) oder Eileiterschwangerschaft (über 90% aller extrauterinen Schwangerschaften) sein.

Ursachen:

- Wegstörungen des Eileiters
- Störungen der Eileiter-Peristaltik
- Fehlbildungen des Eileiters

Die Wiederholung einer Eileiterschwangerscha ft findet in 5 bis 10% der Fälle wegen der häufigen Doppelseitigkeit der Eileiterveränderungen statt.

Symptome:

- Ausbleiben der Periode
- Krampfartige Schmerzen in der Brust
- Morgendliche Übelkeit
- Einseitige Schmerzen im Unterbauch
- Zunehmende Anämie
- Schmerzhafte Kindesbewegungen
- Störungen der Darmtätigkeit

Behandlung:

In jedem Falle ist ein Operation notwendig. Bei unklarer Diagnose führt man zuerst eine Punktion der Bauchfelltasche zwischen Gebärmutter und Mastdarm durch um den Nachweis von geronnenem Blut oder eine Eröffnung dieses Raumes zu erbringen. Dabei kann der veränderte Eileiter entfernt werden.

4.1.2 Störungen der intrauterinen Implantation

Wenn sich das Ei im untern Abschnitt der Gebärmutterhöhle ansiedelt, kann es zu einem tiefen Sitz der Plazenta oder zur Entwicklung einer Placenta praevia (tiefer Sitz und Vorliegen der Nachgeburt im unteren Teil der Gebärmutter) kommen. Klinische Erscheinungen treten erst in der zweiten Hälfte der Schwangerschaft auf. Das Endometrium (Innenhaut der Gebärmutter) kann durch frühere Ausschabung oder örtliche Erkrankungen am Sitz der Implantation schlecht ausgebildet sein. Die Zotten der äußeren Keimblasenschicht dringen dann bis in die Muskulatur ein und es folgt eine Störung der Plazentation. Ein Abort oder Lösungsschwierigkeiten der Plazenta können die Folge sein.

4.2 Pathologische Anlagen des Eies, der Eihäute und des Fruchtwassers

4.2.1 Abortiveier

Genetisch bedingte Fehlbildungen der Eianlage führen meist in den ersten Monaten zur Ausstoßung des Eies. Teilweise is t keine Embryonalanlage mehr zu erkennen (Windei). Es gehen erheblich mehr männliche als weibliche Früchte zugrunde.

4.2.2 Blasenmole

Dies ist eine Erkrankung der Chorionzotten, die durch Flüssigkeitsansammlungen aufquellen. Die Ursache ist unbekannt. Es kann die Planzenta oder nur ein Teil davon erkranken. Die Frucht stirbt ab, wenn mehr als 1/3 der Plazenta befallen ist. Meist erfolgt die Ausstoßung im 2. bis 3. Monat.

Typische Zeichen sind Blutungen und der Abgang von gequollenen Chorionzotten. Jeder Versuch, die Schwangerschaft zu erhalten ist bei diesem Anzeichen zwecklos.

Unter Plazenta versteht man den Mutterkuchen. Die Plazenta ist ein tellerförmiges Organ, das einen Durchmesser von ca. 15 bis 20 cm hat, 2 bis 4 cm dick ist und ungefähr ½ kg wiegt. Sie besteht aus dunkelrotem, schwammigen Gewebe, in dem sich eine Vielzahl großer und kleiner Blutgefäße befinden, die sich baumartig verzweigen. Neben der Versorgung des Fetus mit Nahrung und Sauerstoff sowie der Entsorgung diverser Abbauprodukte übernimmt die Plazenta auch eine wichtige Filterfunktion. Sie hält Gift- und Schadstoffe, die sich im mütterlichen Blut befinden, vom Ungeborenen fern. Kurz vor der Geburt beginnt die Plazenta allmählich ihre Arbeit einzustellen.

Außerdem ist die Plazenta ein wichtiger Hormonproduzent. Sie produziert HCG (Human Chorion Gonadotropin), Östrogene und Progesteron.

Die sogenannte "Plazentaschranke" bewirkt, daß viele Stoffe, die die Leibesfrucht schädigen könnten, nicht aus dem mütterlichen in den kindlichen Kreislauf übertreten können. Leider ist das Kind auf diese Weise nicht vor allen Schadstoffen geschützt; beispielsweise Nikotin, Alkohol, viele Medikamente und auch Krankheitserreger (z. B. Rötelnerreger) können die Plazentarschranke überwinden und so vom mütterlichen in den kindlichen Kreislauf gelangen.

Das Chorion, die Zottenhaut, wird währende der Keimlingsentwicklung vom Trophoblast gebildet. Die Chorionzotten, die sich an der äußeren Haut der Keimblase bilden, sind mit der Gebärmutterschleimhaut verbunden und bildet mit ihr die Plazenta. Durch das Chorion vollzieht sich der Stoffaustausch zwischen kindlichem und mütterlichem Organismus. Jede Zotten enthält auch kindliche Zellen.

4.2.3 Chorionepitheliom

Dabei entsteht ein Tumor aus fetalem Gewebe oft nach einer Blasenmole. Es zeigen sich ein rapides Wachstum und eine frühzeitige Metastasierung im Beckenbindegewebe, Scheide, Lunge, Leber und Gehirn. Die Scheidenknoten sehen dunkelblaurot aus. Es gibt auch eine gutartig Form dieser Krankheit, jedoch ist die histologische Differenzierung schwierig.

Die Krankheit tritt durch anhaltende Blutungen im Anschluss an eine gestörte Schwangerschaft (Abort, Blasenmole) aber auch bei einer normalen Geburt in Erscheinung. Dabei gibt es aber keine Schmerzen. Durch Medikamente sind oft eine vollständige Heilung und sogar weitere Schwangerschaften möglich.

4.2.4 Hydramnion

(Das Amnion entsteht aus dem dorsalen Teil des Embryos. Es ist eine dünne transparente Schicht der zwei fetalen Membranen (das Chorion ist das äußere). Diese Membranen bilden eine schätzende Schicht für das Baby, das es von Bakterien in der Vagina isoliert.) Ursache ist ein vermehrte Produktion aus dem Amnionepithel (oberste Zellschicht des Hautund Schleimschichtgewebes). Es tritt oft bei Missbildunge n von Kindern wie das Fehlen des Gehirns, einer Blasenspalte und der Spaltbildung der Wirbel des Schädelknochens, der Wirbelsäule und des Gehirns auf, vor allem aber bei Missbildungen, die zur Behinderung des Schluckvermögens führen.

Erkennen kann man dies am abnorm vergrößerten Bauchumfang, an der übermäßigen Beweglichkeit des Kindes, der starken Kurzatmigkeit der Mutter und dass die Fruchtwassermenge bei 3 bis 15 Liter liegt (normal sind 1 Liter). Die Behandlung erfolgt durch eine Bettruhe oder einer Blasensprengung.

4.3 Morbus haemolyticus fetalis bei Rh - Inkompatibilität

Der Rhesusfaktor ist, ähnlich wie bei den Blutgruppenmerkmalen, ein chemisches Merkmal auf den ERytrozyten. Es ist ein erbliches Blutgruppen-Antigen. Rund 85% aller Menschen haben das Merkmal auf den roten Blutkörperchen (Rh). Den restlichen 15% fehlt er (rh).

Der Übertritt von Rh-positiven Blut auf ein rh-negatives erfolgt üblicherweise nur über eine fetomaternelle Mikrotransfusion während der Schwangerschaft, der Geburt oder der Nachgeburt. Die Mutter bildet Antikörper gegen das Rh-Merkmal der eingedrungenen kindlichen Erythrozyten (rote Blutkörperchen). Da die quantitative Bildung von Antikörpern 1 bis 3 Monate benötigt, wird das erste Rh-positive Kinde nicht betroffen. Bei der nächsten Schwangerschaft mit einem Rh-positiven Fetus kann es nun zum Übergang der Antikörper auf den Fetus kommen. Im fetalen Organismus läuft eine Antigen-Antikörper-Reaktion an den Erythrozyten ab, die zur Anämie, zur Zerstörung der Erythrozyten und zur einem Permanenten Sauerstoffmangel führt. (Antigene sind körperfremde Stoffe, die nach dem Eindringen in den Körper eine Immunreaktion hervorrufen. Antikörper sind Eiweiße mit spezifischen Bindungseigenschaften zu einem bestimmten Antigen.) Ehen, bei denen die Frau rh-negativ und der Mann Rh-positiv sind, haben nur mit einer Wahrscheinlichkeit von 5 bis 10% mit einem erkrankten Kind zu rechnen.

4.4 Intrauteriner Fruchttod

Fehlgeburt: vor der 28. Schwangerschaftswoche Totgeburt: nach der 28. Schwangerschaftswoche

Ursachen:

- Syphilis der Mutter
- Toxoplasmose
- Listeriose (Infektionskrankheit bei Tieren)
- Hochfiebrige Erkrankungen der Mutter
- Stoffwechselstörungen der Mutter
- Gestosen
- Störungen der Plazenta
- Missbildungen
- Genschäden
- Toxische Schäden (Medikamente, Alkohol,...) Diagnose.
- Fehlen der kindlichen Herztöne
- Kindesbewegungen sind nicht fühlbar
- Abnahme des Leibesumfanges (Fruchtwasserschwund)
- Nachweis durch Röntgen oder Ultraschall

4.5 Störungen im Wachstum des Eies

4.5.1 Fehlgeburt (Abortus)

Als Fehlgeburt bezeichnet man die Ausstoßung des Eies bis zum Ende der 28. Schwangerschaftswoche. Die Lebensfähigkeit der Früchte ist nur in Ausnahmefällen zu erreichen. Auch bei der richtigen Einnistung des Eies im Uterus ist die normale Entwichlung nicht immer gewährleistet. Es kann zum Absterben und zu Ausstoßung der Frucht kommen. Sie geht in den frühen Monaten immer mit Blutungen einher, weil das Ei in dieser Zeit ringsherum von Zotten besetzt ist, bei deren Lösung intervillöse Räume (die von mütterlichem Blut durchströmten Räume zwischen den Plazentazotten) eröffnet werden. Erst mit zunehmenden Schwangerschaftswochen verläuft auch die Fehlgeburt wie die Geburt mit Blasensprung und nachfolgender Ausstoßung der Frucht und der Planzenta. Es gibt viele Ursachen für einen „Spontan-Abortus“:

Abortus arteficialis (künstlich eingeleitete Fehlgeburt)

(Auch bei fachgerechten Interruptionen kann es manchmal zu schweren unmittelbaren oder aber später auftretenden Schäden kommen.)

Im Verlauf einer Fehlgeburt wird unterschieden in:

1. den drohenden Abort
2. den beginnenden Abort
3. den unvollständigen Abort
4. den vollständigen Abort

Im ersten Fall wird versucht, die Fehlgeburt durch strenge Bettruhen und Gelbkörper- Hormonen in hohen Dosen aufzuhalten. Die Gelbkörperhormone regen den Gelbkörper zur Produktion von Gestagen und Progesteron an, die die Gebärmutterschleimhaut und die Eizelle erhält. Im 2. und 3. Fall kann je nach Stärke der Blutung abwartend oder aktiv durch Ausräumung vorgegangen werden, im vierten Fall ist die Fehlgeburt abgeschlossen und keine weiter Behandlung außer Schonung während der Rückbildung der Gebärmutter notwendig. Die Schonung ist allerdings sehr wichtig, das gerade zur Zeit einer Fehlgeburt die Abwehr gegen aufsteigenden Infektionen besonders schlecht ist.

Bei medizinisch indizierter Interruptio wurde früher der Gebärmutterhalskanal instrumentell soweit erweitert, dass dann die weiter Ausräumung mit dem Finger oder mit einer Abortuszange erfolgen konnte. Heute wird meistens mit Hilfe eines Medikaments eine Wehentätigkeit und eine Cervix (Gebärmutterhals) - Erweiterung mit nachfolgendem Fruchtabgang erreicht oder zumindest die Ausräumung ermöglicht. Gelegentlich können Verletzungen entstehen, bei denen entweder die Scheide bis in die Bauchhöhle durchstoßen, der Halskanal verletzt oder die Gebärmutter perforiert wird. Zusätzliche Verletzungen des Darmes, der Harnblase und des Harnleiters sind möglich. All diese schweren Verletzungen können zum Tod der Patientin durch Verbluten, Bauchfellentzündung oder Blutvergiftung führen. Bei rechtzeitiger Hilfe enden sie meist mit dem Verlust der Gebärmutter, die operativ entfernt werden muss.

Fieberhafte Fehlgeburt

Aborte mit einer Temperatur über 38,5° rektal, sind fiebrige Fehlgeburten. Ihre Behandlung erfordert besondere Vorsicht und sollte nicht zu aktiv, sondern mehr abwartend durchgeführt werden. Nur bei stärkerer Blutung muss in jedem Fall sofort eingegriffen werden. Beim septischen Abort, der ein komplizierter Abort ist, kann es durch Bakterien im Blut, vor allem nach Verletztungen, zum septischen Schock kommen.

Vorsorge:

Bei schlechter Prognose des septischen Schocks (Mortalität etwas 50%) sind besonders wichtig:

1. Exakte Überwachung aller Aborte mit Fieber über 38°; regelmäßige Blutdruckkontrollen. Kontrolle der Harnausscheidung; Thrombozytenkontrolle

2. Medikamentöse Prohylaxe: Bei allen Aborten mit Fieber über 39° oder Schüttelfrost: Heparinisieren (Blutgerinnung hemmen), Cocktail lytique (=ein stark sedierendes Medikament, dh: es dämpft das zentrale Nervensystem der Mutter; es erleichtert die Öffnung des Muttermundes; wird bei Abortinduktion verwendet), Anitbiotika

Besondere Formen der Fehlgeburt sind:

1. die Blutmole: in den ersten 12 Wochen (nach Traumata der Gebärmutter) abgestorbenes, nicht ausgestoßenes und vollstängig von Blut durchsetztes Schwangerschaftsprodukt; entwickelt sich zur Fleischmole
2. die Fleischmole, die durch Auslaugen des Blutfarbstoffes Hämoglobin eine helle, ins bräunliche gehende Farbe angenommen hat; Umbau des Bindegewebes
3. die Breus’sche Hämatommole, bei der es nur an einzelnen Stellen zu Blutungen unter die Eihüllen gekommen ist. Die Frucht ist in diesen Fällen für gewöhnlich mit aufgesogen worden und nur noch als kleines Gebilde am verkümmerten Nabelstrang zu erkennen. Sie kann aber auch durch Infektion zerfallen. Papierdünn ausgewalzte und plattgedrückte Feten sind bis auf das Knochengerüst zerstört (skelettiert, eingetrocknet, mumifiziert und durch Kalkablagerungen zu Steinkindern geworden).

Habituelle Fehlgeburt

Bei jeder Schwangerschaft erfolgt, meist in den ersten Wochen bis Monaten der Fruchtabgang. Zur Klärung der Ursachen benötigt man genaueste pathologische anatomische Untersuchungen der Frucht und der Plazenta. Man führt genetische Untersuchungen der Erbmasse beider Eltern durch um einen eventuell in der Erbmasse gegebenen „Letalfaktor23 (fehlerhafte Gen- oder Chromosomenanlage, die zum Tod führt) auszuschließen. Eine allgemeine Behandlung sind Bettruhe und eine Hormontherapie.

Verhaltene Fehlgeburt

Das Ei stirbt ab, ohne dass eine Ausstoßung erfolgt. Das führt zu einem Übergang in Blut und in eine Fleischmole. Manchmal kommt es auch zur Ablösung der Frucht im Körper. Die Wehenkraft reicht aber nicht zur Entfaltung des äußeren Muttermundes, das Ei bleibt in der Zervix (Gebärmutterhals) liegen.

Zunächst scheint es wie eine normale Schwangerschaft, dann kommt es allerdings zum Nachlassen der üblichen Schwangerschaftszeichen. Bei wiederholten Untersuchungen ist kein Wachstum des Uterus mehr feststellbar.

Erst nach absoluter Sicherheit der Diagnose kann man die abgestorbene Frucht operativ entfernen, wobei die Gefahr einer postoperativen Gerinnungsstörung besteht.

Zervikalgravidität

In seltenen Fällen erfolgt die Ansiedlung des Eies primär in der Zervix. Dort ist keine Innenhaut der Gebärmutter, sodass die Zotten in die Muskulatur eindringen. Zunächst scheint das eine normale Schwangerschaft zu sein. Die Zervix ist stark verbreitet und ausgezogen. Eine Ausräumung erweist sich oft als sehr schwierig.

4.5.2 Frühgeburt

Nach der 28. Schwangerschaftswoche verläuft die Ausstoßung der Frucht meist wie bei einer normalen Geburt, das Kind kann bei entsprechender Pflege am Leben erhalten werden.

1. Vorzeitiger Wehenbeginn. Zur Ruhigstellung des Uterus werden Bettruhe, Valium und Wehenhemmer eingesetzt.
2. Vorzeitiger Blasensprung: Es beginnt mit einem laufenden Abgang des Fruchtwassers. Die Wehen beginnen oft erst nach einigen Tagen. Auch die Gefahr aufsteigender Infektionen ist groß. Die Ausstoßung der Frucht wird möglichst den spontanen Kräften überlassen, aber es werden auch Wehenmittel eingesetzt. Wenn die Nachgeburtsperiode durch eine unvollständige Plazentalösung gestört ist, muss man das manuell tun. Die noch unreifen Kinder sind oft durch das Geburtstrauma (=Schädigung des Gehirns oder anderer Organe während der Geburt; wegen Sauerstoffmangel bei Geburt oder mechanischen Eingriffen zB: Zangengeburt) gefährdet, deshalb führt man immer einen Dammschnitt ( der Scheideneingang wird wenn der Kopf des Babys aus der Scheide hervortritt eingeschnitten und die Geburtsöffnung künstlich geweitet; nachher muss der Schnitt mit einer Naht versorgt werden) durch. Zur Verhinderung des häufigen „Atemnot-Syndroms“ wird auch vorsorglich der von der Frühgeburt bedrohten Mutter über einige Tage hindurch Cortison verabreicht, um die kindliche Lungenreife zu fördern.

4.6 Die Erkrankungen der Mutter in der Schwangerschaft

Unter der Bezeichnung Gestosen werden diejenigen Erkrankungen zusammengefasst, bei denen infolge der schwangerschaftsbedingten Mehrbelastung des Organismus entweder an sich physiologische Vorgänge entgleisen, oder aber schon früher geschädigte Organe bzw. deren Funktionen ihren bisher eben gerade noch bewältigte Aufgabe nicht mehr genügen. Die Gravidität kann dann als krankheitsauslösender Stressor (=Leistungsanforderung, dem der Organismus nicht gewachsen ist).

4.6.1 Frühgestosen

Sie treten in den ersten Monaten auf und klingen bis zur 20. Woche ab. Die einfache Emesis gravidarum kann sich zur Hypermensis (unstillbares Erbrechen) steigern. Dabei kommt es unabhängig von der Nahrungsaufnahme insbesondere morgens zu quälendem Erbrechen. Selbst Tee und Wasser wird erbrochen. Die Wasser- und Mineralverluste führen schnell zur Abmagerung, wobei vor allem die Leber gefährdet ist.

Als Therapie empfiehlt sich eine Klinikeinweisung, strenge Bettruhe, Diät, dann kalter Tee oder Milch oder Kakao in kleinen Portionen und trockenes Gebäck. In schweren Fällen muss außer der Bettruhe eine Flüssigkeitszufuhr mit Dauertropf mit einer Elektrolyt- Traubenzucker-Lösung verabreicht werden, ebenso auch Vitamine. Auch medikamentöse können die Beschwerden bekämpft werden.

4.6.2 Spätgestose (EPH-Gestose)

Der Name ergibt sich aus den drei Hauptsymptomen: Ödem (Schwellung durch Flüssigkeitsansammlung; E = edema) - Proteinurie (P; Eiweiß im Harn durch Grippe, Blasenentzündung oder Nierenfunktionstörung) - Hypertonie (Bluthochdruck; H). Die EPH - Gestose gehört zu den häufigsten mütterlichen Todesursachen. Besonders gefährdet sind:

- fettsüchtig Frauen
- Diabetikerinnen
- Frauen mit Mehrlingsschwangerschaften
- Schwangeres mit früheren Nierenerkrankungen

Höhepunkte der Gefahr sind eine Eklampsie (Krämpfe), Blutungen im ZNS, Amaurose

(schwarzen Star = vollständige Erblindung) und Nierenversagen. Die Gefährdung des Fetus kann sich in dreifacher Weise zeigen:

- Entwicklung eines „small-for-date-baby“
- Atemnot
- Intrauteriner Fruchttod

Ursachen sind eine Toxikose der Mutter oder eine Plazentaschwäche.

Bei einer unkomplizierten EPH-Gestose zeigen sich Ödeme, exzessive Gewichtszunahmen, Eiweiß im Harn und Hypertonie. Schwere Fälle zeigen sich durch Schwindelgefühl, zunehmenden Kopfschmerzen, Ohrensausen, Sehstörungen, Erbrechen und Schmerzen im Oberbauch.

Eklampsie

Nach einem eklamptischen Anfall (wegen Sauerstoffmangel im Gehirn) bleibt für eine unterschiedlich lange Zeit eine Bewusstseinstrübung bis zur Nichtansprechbarkeit bestehen. Die Anfälle können während der Schwangerschaft, unter der Geburt, kurz nach der Geburt oder auch noch im Wochenbett auftreten. Die Situation ist besonders ernst, wenn der erste Anfall weit vor dem Geburtstermin erfolgt. Je mehr Anfälle, umso schlechter ist die Prognose.

Therapie mit:

Ernährungsumstellung, körperliche Schonung, Bettruhe, Medikamente, Überwachung des Fetus und Kontrolle von Blutdruck, Harn, Atemfrequenz und Atemwege, kindliches Befinden,...

Bei Besserung der Symptome und des Zustandes wird eine baldige Entbindung angestrebt. Bei Therapieresistenz drohen vier Gefahren: Nierenversagen, vorzeitige Plazentaablösung, Absterben des Kindes und Entwicklung zunehmender zerebraler Schäden.

4.6.3 Gestosen im weitern Sinn

Hierunter versteht man Erkrankungen, die im Rahmen einer Gravidität (Schwangerschaft), aber auch aus anderer Ursache außerhalb der Schwangerschaft auftreten können. Dazu gehören:

- Nierenbeckenentzündung
- Blasenentzündung
- Darmlähmung
- Darmverschluss in der Schwangerschaft
- „Schwangerschaftsgelbsucht“
- Blutarmut
- Hautkrankheiten
- Knochenerweichung
- Kreislaufstörungen
- Nervenschmerzen

Nierenbeckenentzündungen

Sie entsteht durch eine schwangerschaftsbedingte Weiterstellung des Harnleiters mit verzögertem Abfluss aus dem Nierenbecken und früheren Entzündungen der Harnwege. Außerdem auch durch den Rückfluss von Harn aus der Blase in den Harnleiter, durch Diabetes, Fehlbildungen und Anämie.

Erkennen kann man sie durch Schmerzen im erkrankten Nierenlager, durch plötzlichen hohen Temperaturanstieg, Schüttelfrost und Stuhlverstopfung.

Behandelt wird die Krankheit mit Bettruhe, Lagerung auf der gesunden Seite und Stuhlregulierung.

Gefahren bestehen durch:

- Vorzeitigen Wehenbeginn
- Miterkrankung der Niere
- Bleibende Nierenschäden
- Miterkrankung der Leber mit Gelbsucht

Blasenentzündung

Sie entsteht durch schwangerschaftsbedingten Spannungsverlust der Blasenwand, mangelhafter Blasenentleerung und durch Bakterieneintritt durch die Harnröhre. Daraus ergeben sich Schmerzen beim Wasserlassen, ein vermehrter Harndrang und meist keine Temperaturerhöhung. Wichtig ist nun Bettruhe, feucht-warme Umschläge in Blasengegend, Blasentee und Medikamente

Darmlähmung

Durch die schwangerschaftsbedingte Darmträgheit folgt eine Darmlähmung. Eine Raumbeengung und Verlagerung des Darmes durch das Wachstum der Gebärmutter wirkt begünstigend. Die Krankheitszeichen sind:

- Ausbleiben der Stuhlentleerung
- Auftreiben des Leibes
- Übelkeit und Erbrechen
- Trockene belegte Zunge
- Pulsbeschleunigung und Kreislaufschwäche

Die Behandlung erfolgt mittels Medikamenten oder Absaugens des Dünndarmes mit einer Sonde von oben. Tritt nach wenigen Stunden keinen Besserung ein, muss die Bauchhöhle operativ geöffnet werden.

Darmverschluss

Das Bauchfell verwächst und die Darmschlingen drehen sich. Selten kommt es auch zu Dickdarmkrebs. Bei Verdacht ist ein Operation sofort notwendig.

„Schwangerschaftsgelbsucht“

Sie entsteht bei Funktionsstörungen der Leber infolge der zusätzlichen Belastung des Organs durch die Schwangerschaft und bei vorgeschädigtem Organ.

Erkennbar ist sie and der Gelbsucht, am Juckreiz, bierbrauner Harn und eingeschränktem Appetit. Eine Gefahr der Fehl- und Frühgeburt besteht.

Behandelt wird mit Leberschonkost, Infusionsbehand lungen, Stuhlregulierungen und Nebennierenrindenhormonen.

Hepatitis in der Schwangerschaft

Die Ursache ist eine infektiöse Gelbsucht (= Virus-Leberentzündung; durch verunreinigtes Trinkwasser und Nahrungsmittel übertragen). Eine Unterscheidung von der Schwangerschafts- Gelbsucht ist sehr schwierig. Der Verlauf ist schwerer. Die Gefahr des Leberversagens ist ebenfalls gegeben. Die Sterblichkeit der Schwangeren an Hepatitis ist etwas 20 mal höher als außerhalb der Schwangerschaft. Beim Kind besteht die Gefahr einer Missbildung.

Infektionskrankheiten

Sie bedeuten für Schwangere eine erhöhte Gefährdung. Hohes Fieber verursacht meist Wehen. Bei vielen Infektionskrankheiten (Masern, Röteln, Toxoplasmose) ist die Missbildungsrate der Kinder erhöht, besonders, wenn sie zur Zeit der Anlage und Entwicklung der einzelnen Organe, also bis zum 4. Monat, ausbrechen. Die veränderte Reaktionslage der Schwangeren begünstigt in verstärktem Maße das Auftreten von Komplikationen seitens der Lunge und des Kreislaufes. Die Behandlung erfolgt ohne Rücksicht auf die Schwangerschaft.

Toxoplasmose

Die Toxoplasmose gilt als die häufigste infektiöse Fetalkrankheit mit einer Häufigkeit von 1 bis 8 auf 1000 Neugeborene. Während der Schwangerschaft kommt es im Stadium der Parasitämie der Mutter in ca. 1% bis 10% zur Infektion des Kindes. Der Erreger ist Toxoplasma Gondii. Es ist ein Einzeller, welcher in Geweben von Menschen und Tieren vorkommt. Die Krankheit wird durch rohes Fleisch und Schmier - Infektion besonders durch Katzen übertragen. Sie enthalten alle Geschlechtsformen und scheiden die Dauerform aus. Der Erreger vermehrt sich bevorzugt innerhalb der Zellen des Immunsystems. Der Zerfall der mit ihnen angefüllten Zellen führt zu einer weiteren Streuung. Aus dem Blut der Mutter gelangen Parasiten durch die Plazenta in die Feten (meist nach dem 4. Monat). Bei weiteren Schwangerschaften braucht sich die Infektion des Kindes nicht zu wiederholen. Symptome bei der Schwangeren sind ein grippeähnliches Bild mit Fieber und Kopfschmerzen und ist daher meist unerkannt. Beim Kind kann es zum Fruchttod, Fehlbildungen, Wasserkopf, Verkalkung im Gehirn, Hirnhautentzündung, Netzhautentzündung, Augenmissbildungen sowie einem Rückstand in der geistigen Entwicklung kommen. Auch Krämpfe und spastische Lähmungen können auftreten.

Listeriose

Der Erreger der Listeriose beim Menschen ist Listeria monozytogenes. Es ist ein stäbchenförmiges Bakterium, das in der Natur weit verbreitet ist.

Sie ist bei den Tieren eine weitverbreitete Infektionskrankheit und wird durch Tiere und rohe Milch, Milchprodukte und Fleisch übertragen. Die Übertragung durch die Plazenta erfolgt meist erst ab dem 5. Monat. Symptome sind ein fieberhafter grippaler Infekt, Entzündungen der Niere und des Nierenbeckens, Enzepahlitis und Meningitis. Die Inkubationszeit beträgt zwischen 3 Tagen und 2 Monaten auf. Es kann zu Fehl- oder Frühgeburten eines geschädigten Kindes kommen, das in seinen Organen kleine Knötchen hat. Neugeborene sind apatisch und trinkfaul, haben einen Ausschlag und können an Krampfanfällen leiden. Nachweisen kann man die Erreger in Blut, Hirnflüssigkeit, Stuhl und Vaginalsekret. Die Therapie besteht aus Penicillin.

Syphilis

Erreger ist Treponema pallidum. Es ist ein schraubenförmiges Bakterium. Es gelangt über die Schleimhäute oder die verletzte Haut in den Körper und breitet sich über das Lymphsystem ins Blut und die Organe aus. Die Inkubationszeit liegt zwischen 9 - 90 Tagen. Es kommt zur schweren neurologischen Symptomen, Herz- und Knochenveränderungen und der Befall der inneren Organe.

Während der 2. Hälfte der Schwangerschaft ist eine Übertragung von der Mutter auf die Frucht möglich. Als Behandlung wird ein bestimmte Kur angewendet, die auch das Kind miterfasst. Jede Frau, die früher eine Syphilis durchgemacht hat, soll sich während der Schwangerschaft drei Sicherheitskuren unterziehen (Penicillin- Kur).

Gonorrhoe

Gonorrhoe (Tripper) ist eine Geschlechtskrankheit, die durch die Bakterien Neisseria gonorrhoeae = Gonokokken ausgelöst wird. Mütter können Kinder während der Geburt anstecken. Beschwerden zeigen sich durch ein Brennen beim Wasserlassen und Ausfluss aus der Scheide. Manchmal kommt es zu einer aufsteigenden Entzündung der Gebärmutter, der Eileiter und der Eierstöcke, die mit Fieber, Unterbauchbeschwerden und Ausfluss einhergehen kann. Zusätzlich kann Gonorrhoe zum Eileiterverschluss, zur Eileiterschwangerschaft und sogar zur Sterilität führen. Selten verteilt sich die Krankheit über den gesamten Körper, sodass Gelenkentzündungen, Hautausschläge und Fieber auftreten. Schwere Fälle führen zu Gehirnhaut- und Herzmuskelentzündung.

Wird die Krankheit auf das Kind übertragen kann es an einer eitrigen Bindehautentzündung erkranken, die unbehandelt zur Blindheit führen kann. Eine Behandlung erfolgt mit Antibiotika.

Chirurgische Erkrankungen

Die Blinddarmentzündung ist eine gefürchtete Komplikation. Mit zunehmender Verlagerung des Blinddarms und des Wurmfortsatzes nach oben in den letzten Monaten verhindert oft eine rechtzeitige Diagnosestellung. Wenn sie nicht spontan abklingt, kommt es zum Blinddarm- Durchbruch mit einer Bauchfell- Entzündung, die auch heute noch eine lebensbedrohliche Situation darstellt. Besonders unter der Geburt ist sie eine Komplikation, da durch dir Überlagerung mit dem Wehenschmerz die Frühdiagnose noch mehr erschwert wird. Die Krankheit zeigt sich in einem plötzlichen Beginn mit Fieber, Erbrechen, Pulsbeschleunigung und in einer Vermehrung der weißen Blutkörperchen. Eine Behandlung erfolgt durch eine Operation, durch Ruhestellung des Uterus oder durch Breitbandantibiotika.

Infektionen mit Viren

Röteln

Die bekannteste Virusinfektion, die während der Schwangerschaft zu einer Schädigung des Kindes führt, ist die Rötelninfektion. Die klassische Rötelnembryopathie wird bei einer Infektion des Kindes bis zur 16. SSW, selten auch bis zur 20. SSW beobachtet. Die Häufigkeit von Fehlbildungen wird durch den Infektionstermin bestimmt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Voraussetzung für eine Infektion des Kindes ist eine frische Rötelninfektion der Mutter zwischen der 1. und 16. SSW. Das Rötelnvirus schädigt die kindlichen (embryonalen) Zellen direkt und führt so zu schweren, bleibenden Fehlbildungen innerer Organe. Die klassische Symptomentrias besteht aus Herzfehlbildungen, Augendefekten und Hörschäden. Wenn weitere Manifestationen, wie geistige Verlangsamung, Leber- und Milzvergrößerung, ein niedriges Geburtsgewicht sowie Skelettveränderungen hinzukommen, spricht man vom erweiterten Rubella-Syndrom. Um dieser schwerwiegenden Erkrankung vorzubeugen, wird jede Schwangere auf das Vorhandensein von Rötelnantikörpern untersucht.

Wenn trotz aller Bemühungen und Vorsicht eine Rötelninfektion bei der Schwangeren auftritt, ist die Vorgehensweise von der Schwangerschaftsdauer abhängig. Bei einer Schwangerschaftsdauer bis zur 16. SSW ist ein Schwangerschaftsabbruch ernsthaft zu erwägen, da das Schädigungsrisiko für das Kind, wie in der Tabelle ersichtlich, sehr hoch ist. Ab der 22. SSW ist dann nicht mehr mit bleibenden Schäden beim Kind zu rechnen. Der Zeitabschnitt zwischen der 16. und 22. SSW birgt jedoch einige Probleme da bei einer Infektion des Kindes zu diesem Zeitpunkt eine Schädigung zwar nicht mehr zu erwarten, prinzipiell aber noch möglich ist. Hier sollte auch im kindlichen Blut eine Untersuchung auf Rötelnantikörper erfolgen. Werden Antikörper (IgM) im kindlichen Blut gefunden, kann auch dann noch ein Abbruch der Schwangerschaft erwogen werden. Bleibt die Schwangerschaft bestehen, kann der Verlauf der Infektion abgemildert werden, wenn innerhalb von 7 Tagen nach Rötelnkontakt die Gabe von Rötelnimmunglobulin (besteht aus Proteinen, Antikörper gegen Rötelvirus, Aminoessigsäure, Natriumchlorid) erfolgt.

Herpes

Eine weitere Gefährdung des Neugeborenen durch Viren besteht bei einer Infektion der Mutter mit Herpesviren im Genitalbereich (Herpes genitalis). Infektionen des Kindes während der Schwangerschaft sind selten, können aber zu Aborten und auch zu Fehlbildungen führen. Während der Geburt stellt ein Herpes genitalis der Mutter jedoch eine echte Lebensgefahr für das Kind dar. Die Ansteckungshäufigkeit unter der Geburt beträgt ca. 40%. Die Neugeborenen zeigen die typischen Herpesbläschen, häufig eine Bindehautentzündung sowie Allgemeinsymptome wie Fieber, Erbrechen und Nahrungsverweigerung. Besonders gefürchtet ist die Generalisation der Erkrankung mit Übergriff aus das Gehirn (Herpesencephalitis). Im Bläscheninhalt können die Viren nachgewiesen werden. Die Therapie muss bereits bei Verdacht auf eine Herpesinfektion des Neugeborenen einsetzten und besteht in der Gabe von Aciclovir (Zovirax). Die klinisch manifeste Herpesinfektion des Neugeborenen endet in ca. 30% der Fälle tödlich, bei 30% der Kinder bleiben schwere neurologische Schäden zurück. Um eine Herpesinfektion des Kindes unter der Geburt zu vermeiden, ist bei einer floriden Infektion der Mutter eine Entbindung durch Kaiserschnitt vorzunehmen.

Bei der Therapie der Herpesinfektion der Mutter (Aciclovir) muss daran gedacht werden, den Sexualpartner mitzubehandeln, da es sich um eine sexuell übertragbare Erkrankung handelt.

Hepatitis

Eine große Gefährdung für das Kind während der Schwangerschaft besteht vor allem in einer Infektion mit dem Hepatitis-B-Virus und weniger mit dem Hepatitis-A-Virus. Das Hepatitis- B-Virus kann über die Plazenta auf das Kind übertragen werden. Die Gefahr ist dabei in den letzten Schwangerschaftswochen am größten. Da auch mütterliche Antikörper übertragen werden, verläuft die Infektion des Kindes meist mild. Davon unabhängig ist der Übergang in eine chronische Hepatitis mit der Ausbildung einer Leberzirrhose und einem späteren Leberkrebs möglich. Die Kinder erhalten nach der Geburt Hepatitis- B-Hyperimmunglobulin sowie anschließend alle 4 Wochen bis zum 6. Lebensmonat (passive Immunisierung). Zeitgleich erfolgt die aktive Immunisierung mit Hepatitis-B-Impfstoff.

AIDS

=erworbene Immunschwächeerkrankung. Es wird durch das HI-Virus ausgelöst. Tage bis Wochen nach der Infektion beginnt die Krankheit mit vorübergehendem Fieber und Lymphknotenanschwellungen. Nun beginnt eine rund 10 Jahre lange Phase in der der Mensch zwar gesund aber dennoch infektiös ist. Dann zeigen sich Symptome wie lange Durchfälle, Fieberschübe, Lymphknotenschwellungen, Gewichtsverlust,... Schlussendlich spricht man vom Aidsvollbild. Diese Krankheit ist nicht heil- aber behandelbar. Medikamente bewirken einen Anstieg der T-Helferzellen und verlängert die krankheitsfreie Zeit. Das HI-Virus kann sowohl während der Schwangerschaft als auch unter der Geburt sowie nach der Geburt, z.B. über die Muttermilch, von der Mutter auf ihr Kind übertragen werden.

Das Übertragungsrisiko steigt, je länger die Frau bereits HIV-positiv ist. Die Entwicklung der AIDS-Erkrankung scheint bei HIV-positiven Frauen durch die Schwangerschaft begünstigt zu werden.

Mit dem HI-Virus infizierte Kinder zeigen meist eine verzögerte Entwicklung und haben oft anhaltende Infektionen.

Allgemeines

Im Verlauf einer Schwangerschaft kann ein Kind einer Vielzahl von schädigenden Einflüssen ausgesetzt sein. Die Schädigung des Kindes kann in Fehlbildungen, in Früh- und Fehlgeburten, in Anpassungsstörungen an das Leben außerhalb des Mutterleibes und sogar im Tod bestehen. Dabei ist für das Kindes von entscheidender Bedeutung, in welcher Entwicklungsphase es sich gerade befindet. Werden schädigende Faktoren bis zum 15. Tag nach der Befruchtung der Eizelle wirksam, werden diese Schäden entweder völlig "repariert" oder die weitere Entwicklung beendet (Alles-oder-Nichts-Prinzip).

In der Embryonalperiode (3. bis 10. SSW) entwickeln sich die einzelnen Organe und Gewebe. Während dieser Zeit ist der Embryo gegenüber schädigenden Einflüssen besonders anfällig, da diese zu bleibenden Schäden führen können (Embryopathie). Die meisten Missbildungen entstehen in dieser kritischen Entwicklungsphase.

Demgegenüber entstehen während der Fetalperiode (ab 10. SSW) kaum noch Missbildungen. Schädigende Faktoren rufen Abwehrreaktionen des kindlichen Organismus (Fetopathien) hervor, die ihrerseits zu bleibenden Veränderungen führen können. Man kann allgemein feststellen, dass, je fortgeschrittener die Schwangerschaft zum Zeitpunkt des schädigenden Einflusses ist, umso geringer der Schweregrad dieser Fetopathie (=Fetalkrankheit) ist

Erkrankungen im Bereich des Genitaltraktes:

Erkrankungen der Scheide

Verstärkter Ausfluss kommt durch die Auflockerung des Gewebes vor und führt zu Ekzemen (häufige Form der Hautentzündung). Auch ein Pilzbefall ist möglich. Nun ist eine energische Therapie nötig, um für das Kind eine Infektionsquelle zu beseitigen. Krampfadern am Scheideneingang vergrößern sich und können unter der Geburt lebensbedrohlich bluten.

Lageveränderung der Gebärmutter

Die Gebärmutter sinkt in die Bauchfelltasche zwischen Gebärmutter und Mastdarm zurück. Der Arzt muss sie wieder in die richtige Lage bringen.

Geschwülste

Sei können die Ursache für Fehlgeburten sein. Myome (gutartige Geschwülste) machen meist keine Beschwerden. Zervixmyome sind gelegentlich Geburtshindernisse. Je nach Befund müssen die Myome ausgeschält oder vollständig entfernt werden. Im Wochenbett können Myome vereitern oder nach einem Gewebstod ausgestoßen werden.

Karzinome (Krebs)

Bei gesicherten Karzinomen in der ersten Hälfte der Schwangerschaft ist ohne Rücksicht auf die Frucht die Radikaloperation mit Nachbestrahlung durchzuführen. Ab dem 7. Monat kann man in geeigneten Fällen zunächst mit der Radiumbehandlung beginnen und später das lebensfähig Kind durch einen Kaiserschnitt entwickeln und die weitere Radikaloperation anschließen. Im Wochenbett ist meist ein rapides Wachstum von Karzinoms zu beobachten.

4.6.4 Erkrankungen während der Schwangerschaft und Schwangerschaftsunterbrechung

Die häufigste Todesursache bei Müttern ist der eklamptische Symptomkomplex. Das sind Krampfanfälle und/oder eine tiefe Bewusstlosigkeit währende der Schwangerschaft bzw. Geburt. Dir Krämpfe sind die Folge einer Minderdurchblutung des Gehirns. Alarmierende Zeichen sind: Kopfschmerzen, Verschwommemsehen, Übelkeit, Oberbauchschmerzen und Unruhe,... Bei schweren Fällen kann es zu Atemstillstand und Erblindung kommen. Die Therapie enthält Unterbrechung des Krampfanfalles sowie der Gabe von Magnesium und Sauerstoff und die Senkung des Blutdruckes.

Die heute allgemeinübliche Therapie mit baldmöglichster Entbindung hat die Prognose deutlich verbessert, aber ohne allseitiges Bemühen um rechtzeitige Erfassung wird die Sterblichkeit immer relativ hoch bleiben.

Weitere Todesursachen sind Herzkrankheiten, durch Streptokokken hervorgerufene Entzündung der Herzinnenhaut, Störungen der Leberfunktion und die Gelbsucht, Entzündungen der Niere, des Nierenbeckens und Diabetes.

Schwangerschaftsabbruch:

Die Methode des S. ist abhängig vom Stadium der Schwangerschaft. Je weiter die Schwangerschaft fortgeschritten ist, desto größer ist die Gefahr für Komplikationen. Der früher von der Schwangeren selbst oder durch "Engelmacherinnen" unsachgemäß durchgeführte S. durch Einspritzen von Seifenlösung in die Gebärmutter (Seifenabort), der zu schweren gesundheitlichen Schäden und sogar zum Tod der Frau führen konnte, ist heute sehr selten geworden.

S. vor der 12. SSW: Der Gebärmutterhals wird mit Metallstiften (Hegarstifte) aufgedehnt. Mit einem speziellen Instrument (Kürette oder Saugkürette) wird eine Ausschabung der Gebärmutter durchgeführt. Der Eingriff wird meist in Vollnarkose durchgeführt.

S. nach der 12. SSW: Mit Medikamenten wird eine geburtsähnliche Fruchtausstoßung eingeleitet. Anschließend ist ebenfalls eine Ausschabung erforderlich, um sicherzustellen, dass keine Gewebereste zurückgeblieben sind.

S. nach der 16. SSW: Es muss zusätzlich der Milcheinschuss medikamentös unterdrückt werden. Zur Förderung der Rückbildung der Gebärmutter erhalten die Frauen nach dem Eingriff das wehenfördernde Mittel Oxytozin.

Komplikationen und Nachsorge:

Komplikationen: Die häufigsten Komplikationen sind Nachblutungen und eine unvollständige Rückbildung der Gebärmutter. Außerdem kann es zu Infektionen der Gebärmutterschleimhaut (Endometritis) und von Eierstöcken und Eileitern (Adnexitis) kommen. Folge solcher Entzündungen können eine spätere Unfruchtbarkeit und das erhöhte Risiko einer

Extrauterinschwangerschaft sein. Bei einer Ausschabung kann in seltenen Fällen die Gebärmutter verletzt werden. Ist die Ausschabung unvollständig und bleiben Reste des Ungeborenen, des Mutterkuchens oder der Eihäute in der Gebärmutter zurück, können Blutungen und Infektionen auftreten; in seltenen Fällen kann sich später ein Tumor (Chorionadenom) entwickeln.

Nachsorge: Solange die Blutung nach dem Eingriff noch besteht (ca. 10-12 Tage), sollte auf Geschlechtsverkehr verzichtet werden. Vollbäder sollten ebenfalls vermieden werden. Nach 4 Wochen wird eine Nachuntersuchung durch den Frauenarzt durchgeführt. Vor einer erneuten (geplanten) Schwangerschaft sollten einige Menstruationszyklen abgewartet werden, damit sich die Gebärmutterschleimhaut vollständig erholen und sich auf die erneute Einnistung einer befruchteten Eizelle vorbereiten kann.

24 von 24 Seiten

Details

Titel
Schwangerschaftsdiagnostik und Probleme
Autor
Jahr
2001
Seiten
24
Katalognummer
V103072
Dateigröße
418 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Schwangerschaftsdiagnostik, Probleme
Arbeit zitieren
Anika Handl (Autor), 2001, Schwangerschaftsdiagnostik und Probleme, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/103072

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