Diese Hausarbeit fokussiert sich auf die audiovisuelle Verhandlung der repräsentierten Geschlechterrollen über die Perspektivierungsstrategie des inszenierten, weiblichen Blickes. Um der Ausarbeitung zunächst einen theoretischen Rahmen zu verleihen, wird im ersten Kapitel auf Judith Butlers Gender-Theorie eingegangen. Auf Grundlage dieses theoretischen Rahmens wird im nächsten Schritt betrachtet, wie soziokulturelle Geschlechterdifferenzen in "Bridgerton" über die Perspektivierungsstrategie des inszenierten, weiblichen Blickes repräsentiert und ausgestaltet werden. Die gewonnenen Erkenntnisse werden abschließend in einem Resümee zusammengefasst.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Gender nach Judith Butler
3. Der weibliche Blick in BRIDGERTON
3.1 Zusammenfassung der Rahmenhandlung
3.2 Die audiovisuelle Verhandlung der Geschlechterdifferenzen
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Hausarbeit untersucht die Netflix-Serie "Bridgerton" im Kontext aktueller Genderdiskurse. Dabei wird analysiert, wie soziokulturelle Geschlechterdifferenzen durch die filmische Strategie des "weiblichen Blickes" repräsentiert, verhandelt und teils kritisch hinterfragt werden, während gleichzeitig patriarchale Strukturen bestehen bleiben.
- Anwendung der Gender-Theorie von Judith Butler auf serielle Medieninhalte.
- Analyse des "weiblichen Blickes" als Umkehrung des klassischen "male gaze".
- Untersuchung der Rollenbilder von Daphne Bridgerton und Simon Basset.
- Kritische Reflexion über die Darstellung von Weiblichkeit und Männlichkeit.
- Dekonstruktion binärer Geschlechterkonstrukte im Kontext der Serienhandlung.
Auszug aus dem Buch
3. Der weibliche Blick in BRIDGERTON
Nach der einführenden Skizze des Gender-Konzeptes von Judith Butler soll sich in diesem Kapitel mit dem weiblichen Blick und der audiovisuellen Verhandlung von Geschlechterdifferenzen innerhalb der amerikanischen Dramaserie BRIDGERTON befasst werden. Ich verstehe den weiblichen Blick dabei als Umkehrung zu dem von Laura Mulvey etablierten Begriff des male gaze. Nach Mulvey ist das Kino durch eine patriarchale Ordnung sowie eine Lust am Schauen gekennzeichnet, deren Objekte der visuellen Begierde die weibliche Filmfigur ist (vgl. Mulvey 1994, 51 ff.). Träger des Blickes ist somit immer der Mann, während die Frau stets die Betrachtete ist, die als Spiegelbild patriarchisch verzerrter, fetischisierter Weiblichkeitsvorstellungen fungieren soll: „Der bestimmende männliche Blick projiziert seine Phantasie auf die weibliche Gestalt, die dementsprechend geformt wird“ (ebd., 55).
Der weibliche Blick eröffnet in diesem Umkehrschluss eine neue, antipatriarchische Blickanordnungen, die von Frauen definiert, geformt und bespielt werden. So gesehen kann der weibliche Blick für die Sichtweisen der ProduzentInnen von filmischen, fotografischen und literarischen Repräsentationen, die Wahrnehmungsformen der Rezipientinnen und für eine alternative, emanzipatorische Sicht- und Interpretationsweise stehen (Muysers 1990, 101).
In meinen weiteren Ausführungen werde ich schauen, wie die Produzentin von BRIDGERTON Shonda Rhimes versucht, patriarchische Blickstrukturen durch die weibliche Perspektivierung zu überwinden. In diesem Sinne dient mir der weibliche Blick als ein roter Faden, um die Repräsentationen der Geschlechter innerhalb der ausgewählten Szenenbeispiele zu reflektieren. Diese Szenenbeispiele können als repräsentativ für die Auseinandersetzungen mit den besagten Genderkonstruktionen angesehen werden, wobei ich mich in meinen weiteren Ausführungen vor allem auf die Darstellung der Protagonisten Daphne Bridgerton und Simon Basset fokussieren werde. Ein Anspruch auf Vollständigkeit besteht aufgrund der Fülle an diskutablen Serienausschnitten nicht.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in den Erfolg der Serie ein und definiert das Ziel, die audiovisuelle Verhandlung von Geschlechterrollen auf Basis der Gender-Theorie zu untersuchen.
2. Gender nach Judith Butler: Dieses Kapitel erläutert die theoretische Grundlage von Judith Butler, insbesondere die Kritik an der binären Zweiteilung der Geschlechter und das Konzept der Performativität.
3. Der weibliche Blick in BRIDGERTON: Der Hauptteil analysiert die Serie durch das Konzept des weiblichen Blickes, wobei die Handlungsstränge und die Dynamiken zwischen den Protagonisten Daphne und Simon beleuchtet werden.
3.1 Zusammenfassung der Rahmenhandlung: Ein kurzer Abriss der Serienhandlung, die in der fiktiven Londoner Aristokratie des 19. Jahrhunderts spielt und den Heiratsmarkt der Familie Bridgerton thematisiert.
3.2 Die audiovisuelle Verhandlung der Geschlechterdifferenzen: Eine detaillierte Untersuchung der filmischen Mittel, mit denen Geschlechterrollen inszeniert und im Verlauf der Serie dekonstruiert oder verfestigt werden.
4. Fazit: Die Zusammenfassung der Ergebnisse stellt fest, dass die Serie zwar traditionelle Geschlechterordnungen affirmiert, aber durch den weiblichen Blick gleichzeitig Räume für kritische Genderdiskurse schafft.
Schlüsselwörter
Bridgerton, Gender, Judith Butler, weiblicher Blick, male gaze, Geschlechterdifferenz, Performativität, audiovisuelle Medien, Patriarchat, Daphne Bridgerton, Simon Basset, soziale Geschlechtsidentität, Serienanalyse, Genderdiskurs, Geschlechterrollen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert die Dramaserie "Bridgerton" als einen Ort der Verhandlung von soziokulturellen Geschlechterdifferenzen unter Verwendung feministischer Theorieansätze.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt?
Die zentralen Themen sind das "Gender"-Konzept nach Judith Butler, das Konzept des "weiblichen Blickes" sowie die kritische Untersuchung patriarchaler Strukturen in filmischen Darstellungen.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht, wie Geschlechterrollen in "Bridgerton" durch die Strategie des weiblichen Blickes repräsentiert werden und inwiefern dabei binäre Geschlechtervorstellungen aufgebrochen oder verfestigt werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine film- und medienwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die theoretische Konzepte (wie den "male gaze" von Laura Mulvey und die Theorie von Judith Butler) auf ausgewählte Szenenbeispiele der Serie anwendet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Rahmenhandlung der Serie, der Analyse der Protagonisten Daphne Bridgerton und Simon Basset sowie der Dekonstruktion ihrer Interaktionen vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Geschlechternormen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit zeichnet sich durch Begriffe wie Gender, Performativität, weiblicher Blick, heteronormatives Regime und audiovisuelle Machtstrukturen aus.
Wie bewertet die Autorin die feministische Botschaft der Serie?
Die Autorin sieht eine Ambivalenz: Während die Serie patriarchale Strukturen hinterfragt, bleibt sie in ihrer Erzählweise oft in heteronormativen Mustern verhaftet, was durch die kritische Analyse der Darstellung von Daphnes Handlungen verdeutlicht wird.
Welche Rolle spielt Lady Whistledown in der Analyse?
Die Analyse hebt hervor, dass die Stimme von Lady Whistledown als machtvolles Instrument dient, um die konventionelle "To be seen but not heard"-Repräsentation von Frauen zu durchbrechen.
- Arbeit zitieren
- Katrin Adler (Autor:in), 2021, Die amerikanische Dramaserie "Bridgerton" als Genderdiskurs, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1030759