Ziel dieser Arbeit ist es, einen Überblick über Human Enhancement zu schaffen und das Thema abschließend ethisch zu bewerten. Dabei wird insbesondere auf das Neuro- Enhancement eingegangen. Es wird folgende Frage beantwortet: Ist die Verbesserung gesunder Menschen durch Neuro-Enhancer ethisch vertretbar?
Um die Frage beantworten zu können, wird zunächst der Begriff „Enhancement“ geklärt bevor er in Neuro-Enhancement, physische Enhancement und genetisches Enhancement unterteilt wird. Auf ersteres wird in dieser Arbeit genauer eingegangen, während die anderen beiden eher eine informative Nebenrolle spielen. Anschließend werden die Risiken des Neuro-Enhancement aufgezeigt, bevor das Thema ethisch bewertet wird. Dafür werden zuerst die ethischen Positionen des Human Enhancement vorgestellt und darauffolgend drei wichtige ethische Diskussionspunkte des Neuro-Enhancement erläutert. Abschließend wird das Thema kritisch reflektiert.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Begriffsdefinition von „Human Enhancement“
3 Einteilung von Human-Enhancement
3.1 Physisches Enhancement
3.2 Genetisches Enhancement
3.3 Neuro-Enhancement
3.3.1 Pharmakologische Neuro-Enhancer
3.3.2 Neurobionische Enhancer
4 Risiken von Neuro-Enhancern
5 Ethische Bewertung von Neuro-Enhancement
5.1 Die vier ethischen Positionen des Human Enhancement
5.1.1 Der Transhumanist
5.1.2 Der liberale Ethiker
5.1.3 Der konservative Ethiker
5.1.4 Der Skeptiker
5.2 Ethische Argumente für und wider Neuro-Enhancement
5.2.1 Autonomie und Selbstbestimmtheit
5.2.2 Medizinethische Aspekte
5.2.3 Gesellschaftliche Fairness
6 Kritische Stellungnahme
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das kontrovers diskutierte Konzept des "Human Enhancement" mit einem spezifischen Fokus auf Neuro-Enhancement, um zu klären, ob die gezielte Steigerung mentaler und psychischer Leistungen bei gesunden Menschen ethisch vertretbar ist.
- Grundlagen und Begriffsbestimmung von Human Enhancement
- Differenzierung der Methoden: physisches, genetisches und Neuro-Enhancement
- Risiken und Nebenwirkungen von pharmakologischen und neurobionischen Eingriffen
- Ethische Bewertung durch verschiedene philosophische Positionen (Transhumanismus, Liberalismus, Konservatismus, Skeptizismus)
- Diskussion gesellschaftlicher Aspekte wie Autonomie, ärztliches Ethos und Verteilungsgerechtigkeit
Auszug aus dem Buch
3.3.1 Pharmakologische Neuro-Enhancer
Als pharmakologische Neuro-Enhancer werden vor allem Substanzen und Medikamente bezeichnet, die ursprünglich zu therapeutischen Zwecken entwickelt wurden. Sie sollen die Patienten bei der Psychotherapie unterstützen oder krankhafte Fehlfunktionen des Gehirns regulieren. Einige dieser Medikamente haben neben der therapeutischen Wirkung aber auch eine Wirkung auf das Gehirn gesunder Menschen. Beispielsweise soll neben dem bekannten Medikament Ritalin®, das zur Behandlung des Aufmerksamkeitsdefizitsyndroms (ADHS) verschrieben wird, auch Donepezil® (ein Alzheimer-Medikament) die Konzentrations- und Leistungsfähigkeit des Gehirns steigern.
Betablocker senken nicht nur den Blutdruck sondern sollen auch bei der Verarbeitung traumatischer Ereignisse helfen und die „Glückspille“ Prozac® (ein Fluoxetin-Präparat) behandelt nicht nur Depressionen sondern soll schlechte Gefühle hemmen und wird deshalb auch von Nicht-Depressiven eingenommen (vgl. Schleicher, 2017, S. 4). Psychopharmaka die als Neuro-Enhancer in Frage kommen, können laut Heuser (2009, S. 50) in drei verschiedene Bereiche eingeteilt werden: die Antidepressiva oder selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, die Stimulanzien und die Antidementiva. Medikamente des ersten Bereichs sollen sehr gut verträglich sein und werden bei gesunden Menschen vor allem gegen Schüchternheit bzw. Introvertiertheit und für einen höhere innerer Ruhe eingenommen. Zur Gruppe der Stimulanzien gehören Medikamente wie Ritalin® oder Vigil®, die wie oben bereits erwähnt die Aufnahme- und Konzentrationsfähigkeit gesunder Menschen steigern sollen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese führt in die Thematik der menschlichen Selbstoptimierung ein und stellt die zentrale Forschungsfrage nach der ethischen Vertretbarkeit von Neuro-Enhancement bei Gesunden.
2 Begriffsdefinition von „Human Enhancement“: Dieses Kapitel erläutert die terminologischen Herausforderungen und definiert Human Enhancement im Kontext von nicht-therapeutischen Eingriffen zur Leistungssteigerung.
3 Einteilung von Human-Enhancement: Es erfolgt eine Kategorisierung in physisches, genetisches und Neuro-Enhancement, wobei Letzteres detailliert in pharmakologische und neurobionische Ansätze unterteilt wird.
4 Risiken von Neuro-Enhancern: Hier werden potenzielle Gesundheitsrisiken, Suchtgefahren und die noch weitgehend unerforschten Langzeitfolgen von Hirndoping diskutiert.
5 Ethische Bewertung von Neuro-Enhancement: Dieses Kapitel analysiert verschiedene ethische Positionen und beleuchtet zentrale Diskussionspunkte wie Autonomie, ärztliches Ethos und gesellschaftliche Gerechtigkeit.
6 Kritische Stellungnahme: Die Autorin reflektiert die Ergebnisse, plädiert für eine einheitliche Definition und fordert eine staatlich geförderte, unabhängige Erforschung der Wirksamkeit und Risiken.
Schlüsselwörter
Neuro-Enhancement, Human Enhancement, Hirndoping, Medizinethik, Bioethik, Selbstoptimierung, Pharmakologie, Neurobionik, Autonomie, Leistungssteigerung, Transhumanismus, Gerechtigkeit, Tiefenhirnstimulation, Psychopharmaka, Grenzziehung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den ethischen Herausforderungen, die durch moderne technologische und pharmakologische Eingriffe zur Steigerung der menschlichen Leistungsfähigkeit – dem sogenannten Human Enhancement – entstehen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die Abgrenzung von Therapie und Enhancement, die Risiken für die Gesundheit, das Selbstverständnis des Menschen sowie ethische Grundsatzfragen zu Freiheit und Gerechtigkeit.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, einen fundierten Überblick über das Neuro-Enhancement zu geben und die Kernfrage zu beantworten, ob die Verbesserung gesunder Menschen durch Neuro-Enhancer ethisch vertretbar ist.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Die Arbeit nutzt eine Literaturanalyse, um den aktuellen Forschungsstand, verschiedene philosophische Positionen und ethische Argumente zusammenzuführen und kritisch zu bewerten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Begriffsbestimmung, die Kategorisierung der Methoden, die Darlegung der Risiken sowie die ethische Analyse unter Berücksichtigung unterschiedlicher weltanschaulicher Perspektiven.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Neuro-Enhancement, Hirndoping, Selbstoptimierung, medizinethische Aspekte und die gesellschaftliche Fairness geprägt.
Welche Unterscheidung trifft die Autorin zwischen pharmakologischen und neurobionischen Methoden?
Während pharmakologische Methoden (wie Pillen) als reversibel, aber risikobehaftet hinsichtlich Suchtpotenzial gelten, zeichnen sich neurobionische Methoden durch ihre (oft irreversible) Invasivität und Eingriffe in die direkte Hirnstruktur aus.
Welche Position vertritt die Autorin in ihrer kritischen Stellungnahme?
Die Autorin neigt persönlich zu einer liberalen Ethik, unterstreicht jedoch die Notwendigkeit, die Menschenwürde als unantastbare Grenze zu wahren und fordert mehr unabhängige Forschung sowie internationale Regelungen.
- Quote paper
- Christine Ober (Author), 2020, Neuro-Enhancement. Ethische Aspekte zu persönlichkeitsverändernden Interventionen am Menschen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1030783