Unterrichtsstörung als Problem. Welche Präventivmaßnahmen bieten sich für ein gutes Classroom Management an?


Hausarbeit, 2021

18 Seiten, Note: 2,0

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Unterrichtsstörung im Allgemeinen
2.1 Klassifikation von Unterrichtsstörungen
2.2 Ursachen von Unterrichtsstörungen
2.3 Bewertung von Unterrichtsstörungen
2.4 Der Wellen-Effekt nach Kounin

3. Präventionen von Unterrichtsstörungen
3.1 Erwartungen und Erkenntnisse für ein positives Classroom Management

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Also lautet ein Beschluß: Daß der Mensch was lernen muß. Nicht allein das Abc Bringt den Menschen in die Höh, Nicht allein im Schreiben, Lesen Übt sich ein vernünftig Wesen; Nicht allein in Rechnungssachen Soll der Mensch sich Mühe machen; Sondern auch der Weisheit Lehren Muß man mit Vergnügen hören.

Daß dies mit Verstand geschah War Herr Lehrer Lämpel da.

Max und Moritz, diese beiden, Mochten ihn darum nicht leiden. Denn wer böse Streiche macht, Gibt nicht auf den Lehrer acht. Nun war dieser brave Lehrer Von dem Tobak ein Verehrer, Was man ohne alle Frage Nach des Tages Müh und Plage Einem guten, alten Mann Auch von Herzen gönnen kann. Max und Moritz, unverdrossen, Sinnen aber schon auf Possen, Ob vermittelst seiner Pfeifen Dieser Mann nicht anzugreifen.“ (aus Wilhelm Busch: Max und Moritz; Vierter Streich)

Die Bubengeschichte „Max und Moritz“ von Wilhelm Busch zeigt sieben Streiche, die im heutigen Alltag und auch im Schulunterricht immer wieder Platz finden. Neben dem Unterricht und der Bildung, steht auch die Erziehung von Schülerinnen/ Schülern (im Folgenden mit SuS abgekürzt) auf der Tagesordnung einer jeden Lehrkraft. Mit wissenschaftlichen Ansätze und Studien, die einer Lehrkraft unterstützend zur Verfügung stehen, und dem Umgang mit möglichen Störungen im Unterricht hat sich das Seminar „Unterricht-Bildung-Erziehung“ befasst, welches den Rahmen der vorliegenden Hausarbeit umfasst.

Aus heutiger Sicht stellt moderner Unterricht große Ansprüche an SuS und Lehrkräfte. Auf der einen Seite sind die SuS aufgefordert, in kürzester Zeit, den Lernstoff zu bewältigen, der vom Ausschuss der Kultusministerkonferenz (KMK) aufgestellt worden ist. Dabei werden Lehrpläne immer komprimierter und die breite Zahl an neuen und verheißungsvollen Lehr-Lern-Methoden, welche die verschiedensten kognitiven Fähigkeiten und Handlungskompetenzen voraussetzen, steigt. Auf der anderen Seite sind auch Lehrkräfte von diesen Maßnahmen betroffen. Die Erwartung an eine heutige Lehrkraft sind hoch. Es wird vorausgesetzt, dass sie die neuen Lehrpläne und Konzepte in ihren Unterricht einfügen und dabei auf Vielfalt bei den Lernarrangements achten. Trotz alledem sollten die genannten Erwartungen keine Hürden darstellen, viel mehr eine Herausforderung und Chance für die Lehrkraft ein gutes Classroom Management zu erreichen. Hauptziel dabei sollte die erfolgreiche Vermittlung von Inhalten und Kompetenzen sein, die mit Hilfe durch Lehr-Lern-Prozesse (im Idealfall) störungsfrei vermittelt werden können. Leider ist die Erreichung eines störungsfreien Unterrichts meist nicht möglich, im schlimmsten Fall unvermeidbar. So sagt Lohmann, dass eine Störung im Unterricht eine „unausweichliche und bis zu einem gewissen Grad normale Begleiterscheinung [sei]“ (Lohmann 2012, S. 14). Er stellt damit die These in den Raum, dass Unterricht völlig störungsfrei nur eine Fiktion darstellt (vgl. ebd.). Unterrichtsstörungen erschweren das Lehren und das Lernen. So gehen etwa 35% der Zeit im Unterricht durch Unterrichtsstörung verloren (vgl. Keller 2014, S. 25). Betrachtet man eine Unterrichtsstunde mit 45 Minuten, dann verliert man etwa 16 Minuten (bei einer Doppelstunde von 90 Minuten sogar 32 Minuten) reine Unterrichtszeit. Diese verlorene Zeit könnten sowohl Lehrkräfte als auch SuS effektiver zur Erarbeitung und Sicherung von Unterrichtsinhalten nutzen. Unterrichtsstörung tritt als Phänomen auf, welches in Schulen und Forschung präsent ist. Dabei sind mehrere Faktoren zu beachten. Nicht nur Disziplinlosigkeit der SuS, auch ein unstrukturierter Unterricht können Auslöser von Störungen sein.

Ergebnis daraus ist eine schlechte Lernatmosphäre und schlechte Stimmung im Klassenraum, die sich zusätzlich auf den Lernerfolg der SuS auswirken kann. Auch die berufliche Frustration der Lehrkraft kann eine Folge von Unterrichtsstörungen sein. Die vorliegende Hausarbeit befasst sich daher mit dem Thema von Präventionsmaßnahmen von Unterrichtsstörungen. Betrachtung hierbei finden Auffäligkeiten der SuS, die am ehesten im Zusammenhang mit Unterrichtsstörung genannt werden. Jedoch werden auch Ursachen solcher Störungen betrachtet, die von der Lehrkraft ausgehen, welche daher vermeintlich leicht behoben werden könnten. Zunächst erfolgt eine Abgrenzung von Unterrichtsstörungen durch Definitionen. Anschließend werden Erscheinungsformen und Ursachen betrachtet. Neben der Selbstreflexion von Lehrkräften sollen dann pädagogische Präventivmaßnahmen gefunden werden, die eine Schlüsselrolle im Classroom Management einnehmen und diskutiert werden. Am Ende erfolgt ein Fazit.

2. Unterrichtsstörung im Allgemeinen

„Unterrichtsstörungen sind Ereignisse, die den Lehr-Lern-Prozess beeinträchtigen, unterbrechen oder unmöglich machen, indem sie die Voraussetzungen, unter denen Lehren und Lernen erst stattfinden kann, teilweise oder ganz außer Kraft setzen“ (Lohmann 2012, S. 13). Lohmann stellt fest, dass Ansatzpunkte für mögliche Störungen auf innere und äußeren Faktoren, wie „physische und psychische Sicherheit, Ruhe, Aufmerksamkeit [und] Konzentration“ (ebd.), zurückzuführen sind. Unterrichtsstörungen können dabei „von Schülern oder Lehrern verursacht oder hervorgerufen werden“ (ebd.). Winkel sieht dagegen eine Unterrichtsstörung, „wenn das Lehren und Lernen stockt, aufhört, pervertiert, unerträglich oder inhuman wird“ (Winkel 2011, S. 31). Meyer dagegen versteht eine Unterrichtsstörung als eine Normabweichung, welche nicht nur von den SuS, sondern auch von der Lehrkraft, ausgehen (vgl. Meyer 1989 S. 227). Beispielsweise kann ein übermäßiges Ausschweifen der Lehrkraft innerhalb eines Unterrichtsgespräches zu einer Unterrichtsstörung führen, da die SuS womöglich den Bezug zum Thema verlieren oder gar durch den erhöhten Input überfordert werden (vgl. Böhmann, Schäfer-Munro 2008, S. 162.). Dabei wird deutlich, dass die Wissenschaft den Themenkomplex Unterrichtsstörung differenziert betrachten muss (vgl. Nolting 2013).

Weitere Faktoren, wie Umwelteinflüsse (z.B. das Elternhaus), schulische Rahmenbedingung (z.B. Lage der Schule, Baustellen, anderer Lärm) oder soziale Entwicklungsstufen (z.B. Pubertät) können genannt werden (vgl. Arnold/ Pätzold 2002, S. 80). Hierzu bringt Klein an, dass Probleme aus dem Elternhaus der SuS ursächlich für Unterrichtsstörungen sein, da diese von den Kindern selbst oft nicht gelöst beziehungsweise verarbeitet werden können. So werden Unterrichtsstörungen häufig ein Ventil für Jugendliche, weil diese außerhalb ihres Problemumfeldes (Elternhaus) stattfinden (vgl. Klein 2001, S. 15). Des Weiteren soll nicht unerwähnt bleiben, dass auch Krankheiten, wie beispielsweise das Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom oder Hyperaktivität zu Unterrichtsstörungen führen können, da die Konzentration der/ des betroffenen SuS genetisch gestört ist.

2.1 Klassifikation von Unterrichtsstörungen

Betrachtet man Lohmann, dann unterscheidet er grob folgende Formen von Schülerstörungen:

- verbales Störverhalten (schwatzen, vorlautes Verhalten, Zwischenrufe, Beleidigungen)
- mangelnder Lerneifer (geistige Abwesenheit, Desinteresse, Unaufmerksamkeit)
- motorische Unruhe (zappeln, kippeln, herumlaufen)
- aggressives Verhalten (Wutausbrüche, Angriffe auf Personen, Sachbeschädigung) (vgl. Lohmann 2012, S. 14)

Die zuletzt genannte Form der Unterrichtsstörung sei „entgegen landläufiger Meinung eher selten zu beobachten“ (ebd.).

Der Psychologe Nolting teilt Unterrichtsstörung dagegen in verschiedene Klassen ein. Er beschränkt sich dabei auf folgende drei Formen:

- aktive Unterrichtsstörung: ist eine Störung im Unterricht, die sich in Unruhe und Unaufmerksamkeit der SuS äußert (bspw. hier: schwatzen herumlaufen)
- passive Unterrichtsstörung: drückt sich in einem Mangel an Aktivität oder Teilnahme aus (bspw. Mitarbeit, vergessen der Hausaufgaben oder Beteiligung am Unterricht)
- Schüler-Schüler-Interaktion: Feindseligkeiten, Ausgrenzung, Aggressivität unter SuS (vgl. Nolting 2013, S. 13)

Die Übergänge der drei genannten Formen sind nach Nolting fließend, weshalb er zwei Kriterien zur Abgrenzung für eine Definition von Unterrichtsstörung ableitet, „und zwar eine normative und eine fiktionale“ (ebd.). Bei der normativen Unterrichtsstörung wird auf Regelverstöße der SuS Bezug genommen. Diese werden jedoch von der entsprechenden Lehrkraft subjektiv bewertet. Dagegen bezieht sich die fiktionale Unterrichtsstörung auf die Beeinträchtigung der Unterrichtsdurchführung, sodass SuS oder Lehrkraft in der Durchführung von Aufgaben oder Erhalt der Aufmerksamkeit behindert werden (vgl. ebd.).

Im Vergleich zu den bereits genannten Ursachen von Unterrichtsstörungen lassen sich nach Keller fünf klassische Erscheinungsformen untergliedern:

- motorisch: umherlaufen im Klassenraum, kippeln
- akustisch: schwatzen, Handynutzung
- aggressives Verhalten: Angriffe auf Personen, Sachbeschädigung
- geistige Abwesenheit: schlafen, träumen
- Verweigerung: vergessene/ unvollständige Hausaufgaben, fehlende Beteiligung am Unterricht, Verstöße gegen die Hausordnung) (vgl. Keller 2014, S. 25 ff.)

Auch die Lehrkraft kann Ausgangspunkt der Störung im Unterricht sein. Nolting sieht vor allem in dem Verhalten der Lehrkraft und dem Umgang mit der Störung den Kern. Oftmals wird diese unnötig ausgedehnt (z.B. Lehrerpredigt) und stört somit den Lehr-Lern-Prozess länger, als die eigentliche Störung selbst (vgl. Nolting 2013, S.67). So schlussfolgert er nachvollziehbar „Viele Lehrer/innen stören ihren eigenen Unterricht“ (ebd.).

Dies sei witziger Weise nur ihre Reaktion auf eine Unterrichtsstörung durch die SuS (vgl. ebd.). Weiterhin stellt Nolting fest, dass das sprunghafte Verhalten der Lehrkraft diverse Nebenaspekte (z.B. ein herumliegendes Blatt oder die schlechte Haltung der SuS) den eigenen Unterricht stören kann und dadurch die Lernaktivität unterbricht (vgl. ebd., S. 67f).

2.2 Ursachen von Unterrichtsstörungen

Einige Ursachen für Störungen im Unterricht, welche durch die SuS erfolgen, sind nach Keller unter anderem mit außerschulischen Gründen zu erklären. Hierzu nennt er bspw. Entwicklungsverletzungen, Entwicklungskrisen (Pubertät), neurobiologische Störungen (bspw. ADHS), familiäre Probleme & Erziehungsfehler, gesellschaftliche Einflüsse, aber auch schulische Fehler (vgl. Keller 2014, S. 33-39). Im Schulalltag lassen sich jedoch weitere störungsverursachende Quellen finden und beschreiben. Dazu zählen die fehlende Festlegung sowie deren Einhaltung von Grenzen, keine einheitliche Verhaltenserwartung unter den Lehrkräften, kaum bzw. gar keine Umsetzung von Konsequenzen, oder auch das Fehlen von sozialen Umgängen. In den meisten Fällen werden diese Ursachen durch die Lehrkraft als selbstverständlich wahrgenommen, aber unabsichtlich oftmals auch durch die Lehrkraft selbst gefördert. Das zeigt, dass die Bedeutung oder der Grad des Störpotentials, die von der Lehrkraft ausgeht, nicht niedriger ausfällt, als Unterrichtsstörungen, die durch SuS hervorgerufen werden. So kritisiert Winkel: „Und wer will denn immer so genau wissen, dass die Studenten, nur die Schüler, nur die Lernenden ´stören´“ (Winkel 2011, S. 3). Jedoch stellt ein weiterer Faktor den größten Punkt für eine Störung des laufenden Unterrichts dar: der schlechte Unterricht. Schlechter Unterricht lässt sich wie folgt kennzeichnen:

- Eindimensionales Handeln auf Disziplin- und Managementebene: die eigentlichen Störungsursachen werden nicht erkannt und die Handlungsmöglichkeiten auf Beziehungs- und Unterrichtsebene liegen außerhalb des Blickfeldes der Lehrkraft
- Einseitiger Adressat der Handlungen: lediglich der SuS mit Disziplinarmaßnahmen wird angesprochen, Änderungen der Lernumgebung, des Lehrerverhaltens oder aber seiner Einstellung finden keine Berücksichtigung
- Betonung korrektiver Handlungen: lediglich Reaktion auf ein Störverhalten; eine proaktive Störprophylaxe ist nicht erkennbar
- Inkonsequenz durch monotone Endlosschleifen: dabei gibt die Lehrkraft offensichtlich wirkungslose Handlungen nicht auf & wiederholt Ermahnungen, Verwarnungen und Drohungen
- Gefahr -> Ermahnungen verkommen zu inhaltslosen Gebilden
- Ungeeignete Interventionen: „Die ausgewählten Disziplinarmaßnahmen führen keine Besserung herbei, sondern werden im Gegenteil selbst zur Störquelle und wirken sich negativ auf die Beziehungsebene aus“ (Lohmann 2012, S. 25)
- ungewollte Selbstverstärkung und Eigendynamik der Prozesse
- Mangelnde Nutzung kommunikativer und integrativer Strategien: die fehlende Thematisierung gegenseitiger Interessen und Erwartungen von der Lehrkraft und SuS
- fehlendes Mitsprachrecht, Transparenz in Bezug auf Klassenregeln der SuS (vgl. ebd., S. 24-25)

Als eine Begründung im Verhalten und Durchführen von schlechtem Unterricht durch die Lehrkräfte kennzeichnet Lohmann das Wissen über „subjektive Theorien über Unterricht, Erziehung und Disziplinkonflikte“(ebd.). Eingefahrene Verhaltensweisen sowie wahrnehmbare Muster von Unterrichtssituationen seien Auslöser und führen zwangsläufig zu starren Verhaltensmustern. Zusätzlich wird der Handlungsspielraum der Lehrkraft unnötig auf einen Ausschnitt der eigenen Möglichkeiten begrenzt (vgl. ebd.). „Ein erfolgreicher Lehrer hat keine Schwierigkeiten mit Schülern. (ebd.) oder „Ich kann mich nur an die Schulrealität anpassen, da ich sie nicht verändern kann.“ (ebd.) sind nach Lohmann alltägliche Wahrnehmungen einer Lehrkraft, die zu Selbstzweifel und Stagnation der eigenen Kompetenzen führen. Erst, wenn es eine Lehrkraft schafft, durch ein Wechselspiel zwischen Aktion und Reflexion zu einem „reflektierenden Didaktiker“ (ebd., S. 26) zu werden, können die bereits beschriebenen Verhaltensmuster erkannt und abgelegt werden. Die Lehrkraft kann in professionelles Handeln übergehen.

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Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Unterrichtsstörung als Problem. Welche Präventivmaßnahmen bieten sich für ein gutes Classroom Management an?
Hochschule
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg
Veranstaltung
Unterricht-Bildung-Erziehung
Note
2,0
Jahr
2021
Seiten
18
Katalognummer
V1030794
ISBN (eBook)
9783346434999
ISBN (Buch)
9783346435002
Sprache
Deutsch
Schlagworte
unterrichtsstörung, problem, welche, präventivmaßnahmen, classroom, management
Arbeit zitieren
Anonym, 2021, Unterrichtsstörung als Problem. Welche Präventivmaßnahmen bieten sich für ein gutes Classroom Management an?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1030794

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