Menschen sind in der Lage ihre Umwelt wahrzunehmen, diese Informationen weiterzuverarbeiten und sich mit anderen darüber auszutauschen. Dieser Austausch kann auch abstrakte Dinge betreffen wie Gefühle und dabei werden nicht einmal Worte benötigt. Ein Lächeln oder eine Träne der Trauer ist kulturunabhängig verständlich und vermittelbar, es löst beim Gegenüber sofort Assoziationen aus, doch gibt es nicht nur das eine Gefühl, welches von jedem Menschen gleich empfunden wird, da es subjektiv ist. Daher stellt sich die Frage, wie Gefühle, die ein internes, nicht greifbares Phänomen sind, versprachlicht werden. Jeder Mensch empfindet anders, trotzdem gibt es bestimmte verbale bildliche Ausdrucksvarianten wie "mir platzt der Kragen", die im Deutschen zur Kommunikation genutzt werden, ohne dass der Gegenüber je gesehen oder gehört hat, wie jemandem wirklich der Kragen geplatzt ist und trotzdem den beschriebenen Gefühlszustand einordnen kann. Dabei fällt auf, dass, wenn über Emotionen gesprochen wird, werden häufig Bilder und Assoziationen genutzt, um diese dem Gegenüber zu vermitteln.
Ziel dieser Arbeit soll sein, Strukturen und Konzepte, die zur Bildung solcher Ausdrucksformen dienen bzw. die bei der Entschlüsselung solcher Aussagen helfen, aufzuzeigen. Dazu soll nächst grundlagentheoretisch erläutert werden, was Gegenstand dieser Arbeit ist. Dabei werden zunächst die Begriffe Emotion, Gefühl, Stimmung und Affekt voneinander abgegrenzt und auf die Gruppe der Basisemotionen eingegangen, um daran anschließend die Charakteristika der Emotion Ärger aufzuzeigen. In Folge dessen wird auf die verbale Realisierungsformen von Emotionen anhand der Lexik und Satzsemantik in Form von bildlicher Sprache, insbesondere der Metaphern, Bezug genommen. Diese Schritte sind notwendig, um den darauf aufbauenden Hauptteil und das methodische Vorgehen in Bezug auf die hier skizzierte Emotion Ärger nachvollziehen zu können. Es werden Metaphern, die diese Emotion ausdrücken, den vier Klassen von Metaphern nach Baldauf zugeordnet und die zugrundeliegende Konzeptualisierungen erläutert. Abschließend werden die Merkmale Intensität und Kontrollverlust in Bezug auf Ärger beschrieben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Emotionen
3. Verbale Realisierungsformen
3.1. Emotionsbezeichnender und emotionsausdrückender Wortschatz
3.2. Metaphernverständnis
4. Die Emotion Ärger in der Metaphorik
4.1. Das Konzept der Intensität
4.2. Das Konzept des Kontrollverlusts
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, wie Emotionen, insbesondere die Basisemotion „Ärger“, sprachlich durch Metaphern und bildhafte Ausdrucksformen realisiert werden, um schwer greifbare interne Gefühlszustände für das Gegenüber verständlich zu machen.
- Kognitive Grundlagen der Emotionsdarstellung und Versprachlichung
- Unterscheidung zwischen emotionsbezeichnendem und emotionsausdrückendem Wortschatz
- Theoretische Einordnung von Metaphern und deren Verständnisprozessen
- Konzeptualisierungen von Ärger (u.a. Wärme, Behälter, Krankheit, Krieg)
- Analyse der Merkmale Intensität und Kontrollverlust in der Metaphorik
Auszug aus dem Buch
3.2. Metaphernverständnis
Metaphern als Ausdrucksvariante ermöglichen einen Austausch über schwer Greifbares und Abstraktes aus der Geistes-, Gefühls, und Erlebenswelt (vgl. Schwarz-Friesel 2004: 85). „Es werden alltagssprachlich mehr metaphorische Ausdrücke bei Emotionsdarstellungen eingesetzt als in der Beschreibung von anderen Referenzdomänen“ (Schwarz-Friesel 2007: 202) und insbesondere bei der Beschreibung intensiver Gefühle wie der Wut werden Metaphern gebraucht, was der Fokus dieser Arbeit ist. Im Folgenden jedoch soll zunächst erläutert werden von welchem Metaphernverständnis ausgegangen wird.
Becker, Hummel und Sander (2006: 70) beschreiben die Metapher wie folgt:
„Der Begriff »Metapher« kommt vom griechischen metaphoreín, was so viel bedeutet wie ‹hinübertragen›. In der Rhetorik der Antike wurde die Metapher als verkürzter Vergleich definiert (QUINTILIAN). Sie beruht auf Abbild- oder Ähnlichkeitsrelation[…]“
In der Antike ging man somit von einer Substitutionstheorie aus, bei der ein Ausdruck durch einen anderen uneigentlichen ersetzt wird.
„Metaphorik wird auch hier als sprachliche Abweichung betrachtet, als ästhetisches Substitut eines literalen, das Gemeinte direkt bezeichnenden Ausdrucks. Metaphorik erhält einen Status einer sprachlichen Anomalie oder Normabweichung, die im Verlauf des Verstehensprozesses mit Hilfe der jeweils ausgelösten Assoziation korrigiert wird.“ (Baldauf 1997: 14)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik der Versprachlichung abstrakter Emotionen ein, stellt die Forschungsfrage und umreißt das methodische Vorgehen sowie die Zielsetzung der Arbeit.
2. Emotionen: Dieses Kapitel definiert den Begriff Emotion in Abgrenzung zu Gefühl, Stimmung und Affekt und betrachtet die kognitiven sowie physiologischen Komponenten emotionaler Prozesse.
3. Verbale Realisierungsformen: Das Kapitel widmet sich den sprachlichen Ausdrucksmöglichkeiten von Emotionen, differenziert zwischen emotionsbezeichnendem und emotionsausdrückendem Wortschatz und erläutert theoretische Grundlagen des Metaphernverständnisses.
4. Die Emotion Ärger in der Metaphorik: Hier erfolgt die konkrete Anwendung der Metapherntheorie auf die Emotion Ärger, wobei verschiedene Konzeptualisierungen wie Wärme, Behälter, Krankheit und Krieg untersucht werden.
4.1. Das Konzept der Intensität: Dieser Abschnitt analysiert, wie metaphorische Ausdrücke und sprachliche Mittel genutzt werden, um das Ausmaß und die Intensität des Ärgers zu verdeutlichen.
4.2. Das Konzept des Kontrollverlusts: Das Unterkapitel beschreibt, wie Metaphern den mit Ärger einhergehenden Kontrollverlust über das eigene Verhalten oder den Körper bildhaft darstellen.
5. Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Ergebnisse zusammen und bestätigt, dass Emotionen häufig durch bildhafte Metaphern kommuniziert werden, um sie als greifbare Konzepte darzustellen.
Schlüsselwörter
Metaphern, Emotionen, Ärger, Kognitive Linguistik, Versprachlichung, Metaphorik, Konzeptualisierung, Intensität, Kontrollverlust, Gefühlsausdruck, Semantik, Mentales Lexikon, Basisemotionen, Bildhafte Sprache, Ausdrucksverhalten.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die sprachliche Darstellung von Emotionen, speziell der Emotion „Ärger“, durch den Einsatz von Metaphern und bildhaften Konstruktionen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Kernbereichen gehören die kognitive Linguistik, die Definition von Emotionen, die Analyse des Emotionswortschatzes sowie die Typologie und das Verständnis von Metaphern.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es aufzuzeigen, welche Konzepte und Strukturen zur Bildung metaphorischer Äußerungen über Emotionen dienen und wie diese dazu beitragen, abstrakte Gefühle greifbarer zu machen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Aufarbeitung der kognitiven Linguistik und wendet eine metaphorologische Analyse nach Baldauf auf das Beispiel der Emotion „Ärger“ an.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Differenzierung von emotionsbezeichnenden Wörtern, der Einordnung verschiedener Metapherntypen und der detaillierten Untersuchung von Ärger-Konzeptualisierungen wie Wärme, Behälter und Krankheit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Metaphern, Emotionen, Ärger, Kognitive Linguistik, Konzeptualisierung sowie die Merkmale Intensität und Kontrollverlust.
Warum wird Ärger oft durch Wärme-Metaphern beschrieben?
Ärger wird häufig mit Hitze assoziiert, da diese mit der physiologischen Erregung und dem Gefühl des „Überkochens“ bei einem Kontrollverlust korrespondiert.
Welche Rolle spielt der „Behälter“ bei der Beschreibung von Ärger?
Das Konzept des Menschen oder der Emotion als Behälter visualisiert den Druck, der bei intensiver Wut entsteht, bis dieser durch Ausbrüche wie „aus der Haut fahren“ nach außen tritt.
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- Julia Schnäbeli (Author), 2020, Metaphern als sprachlicher Ausdruck von Emotionen am Beispiel "Ärger", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1030805