Ökonomische Ansätze von Migration

Das Beispiel italienischer Migranten in Europa


Essay, 2016

9 Seiten, Note: 2.3


Leseprobe

In der Vorlesung zur Einführung in die Bevölkerungssoziologie am 17.12.2015 an der Leibniz Universität Hannover diskutierten wir einen Auszug aus dem Buch von Sonja Haug „Sozialkapital und Kettenmigration“. Dabei ging es um die theoretische Modellierung und empirische Untersuchung von Kettenmigrationsprozessen. In dieser Hinsicht hat Sonja Haug die These aufgestellt, dass bei der Entscheidung zur Migration neben ökonomischen Überlegungen soziale Beziehungen der Migranten von zentraler Bedeutung sind und somit im Mittelpunkt stehen. In diesem Essay wird die Rolle von Verwandtschaftsnetzwerken bei der Immigrations- und Rückkehrentscheidung am Beispiel der italienischen Migranten in Deutschland analysiert. Außer Sonja Haug werden in meiner Arbeit auch weitere Autoren berücksichtigt wie Marc Schmid und Norman Braun, die sich mit ökonomischen Ansätzen in Bezug auf die Kettenmigration befassen. Der Schwerpunkt in diesem Essay liegt somit überwiegend bei ökonomischen Ansätzen und Modellen. Meine Zielgruppe in dieser Untersuchung sind italienische Migranten in Deutschland. Im weiteren Verlauf meines Essays werden die ökonomischen Ansätze erwähnt, die eine Arbeitsmigration bzw. Kettenmigration erklären. Die Leitfragen meines Essays lauten wie folgt: Welche Rolle spielen Verwandtschaftsnetzwerke bei der Immigration am Beispiel der italienischen Migranten in Deutschland? Inwiefern passt der ökonomische Erklärungsansatz für ökonomisch induzierte Wanderungen von Arbeitsmigranten? Kettenmigration und Arbeitsmigration ist ein viel diskutiertes und strittiges Thema. „Seit 2011 ist die Zahl der Zuwanderer von Jahr zu Jahr angestiegen. Besonders deutlich war der Zuwachs bei Zuwanderern aus der Europäischen Union mit 620.000 Personen (+ 18,3 %). Hierbei spielten vor allem Migranten und Migrantinnen aus Polen (+ 179.000 oder + 16,7%), Rumänien (+ 109.000 oder + 28,7 %), Italien (+ 55.000 oder + 14,6 %), Bulgarien (+ 53.000 oder + 79,4 %) und Ungarn (+ 53.000 oder 51,9 %) eine große Rolle“ (Mikrozensus 2014: 2). Das Statistische Bundesamt hat auf Basis des Mikrozensus 2014 die Zahl der Zugewanderten ermittelt. Gegenstand dieser Arbeit sind italienische Migranten, deren Zuwachs in Deutschland im Jahre 2011 bei 14, 6 Prozent lag. Im Rahmen dieser Arbeit soll die Frage beantwortet werden, welcher ökonomische Ansatz die Migration am besten erklären kann. Ich habe mich bewusst für das ökonomische Modell entschieden, weil dieses Modell anhand von Zahlen und Statistiken schneller unterschiedliche und gegensätzliche Studien auf den Punkt bringt.

Anhand ökonomischer Modelle wird das bevölkerungssoziologische Phänomen Migration erklärt. Dafür wird als Erstes die Begrifflichkeit Migration erörtert. Je nach angewandter wissenschaftlicher Disziplin hat die Definition eine andere Schwerpunktsetzung. In dieser Arbeit ist die Disziplin die Soziologie. „Soziologie setzt einen Schwerpunkt auf die individuellen und gesellschaftlichen Folgen von Migration und untersucht Verhaltensweisen von Migranten und Einheimischen der Zuwanderungsgesellschaft“ (Treibel 2003: 18). Nachfolgend wird auf die erste Leitfrage eingegangen: Welche Rolle spielen Verwandtschaftsnetzwerke bei der Immigration am Beispiel der italienischen Migranten in Deutschland? Zur Beantwortung wird die Theorie von Sonja Haug vorgestellt. Die Immigration der italienischen Migranten wird als Kettenmigration erklärt. Die sozialen Beziehungen (Verwandtschaftsnetzwerke) sind dabei die Hauptdeterminante für die Entscheidung zur Migration. „Eine Migrationskette kann somit als Resultat des Effektes sozialer Netzwerke auf Migrationsentscheidungen gesehen werden“ (Haug 2010: 4). Im Vordergrund der theoretischen Überlegungen von Sonja Haug steht die Frage, wie die Entstehung von Migrationsketten erklärt werden kann. Dabei stellt Sonja Haug die Annahme auf, dass bei internationaler Migration zielortspezifisches soziales Kapital eine entscheidende Rolle spielt. In meinem Essay werden Begrifflichkeiten wie soziales Kapital und ökonomisches Kapital öfter vorkommen. Sogar in allen von mir untersuchten Theorien finden sich diese Begrifflichkeiten wieder. Nachfolgend werden diese Begriffe definiert. „Ökonomisches Kapital ist unmittelbar in Geld konvertierbar und institutionalisiert im Eigentumsrecht“ (Bourdieu 1983: 185ff.). „Soziales Kapital besteht aus sozialen Verpflichtungen und Beziehungen“ (Bourdieu 1983: 183). Bei ihrer Untersuchung hat Haug Daten aus dem Melderegisterauszug der italienischen Einwohner der Gemeinden und die verfügbaren amtlichen Daten über Italiener ausgewertet. Laut Haug können die neuen Ansätze der Migrationsforschung die Entstehung einer Kettenmigration am besten erklären. „Persönliche Beziehungen, die Migranten, ehemalige Migranten und Nichtmigranten in Herkunfts- und Zielregionen miteinander verbinden, erhöhen im Zusammenhang mit Migrationskreisläufen und Kettenmigrationsprozessen die Wahrscheinlichkeit internationaler Arbeitsmigration. Durch den Selbstverstärkungseffekt der sozialen Netzwerke, die mit jedem weiteren Mitglied ausgedehnt und verstärkt werden, werden weitere potentielle Migranten angelockt, die von den bereits bestehenden Netzen profitieren können. Eine Konkretisierung erfährt die Netzwerk-Perspektive mit dem Begriff des sozialen Kapitals“ (Massey u. a. 1987, Portes 1995). In ihrer Studie stößt Sonja Haug auf methodische Probleme: „Amtliche Daten unterliegen folgenden Beschränkungen: Die Daten für den Beginn des Einwanderungsverlaufs fehlen. Die Daten im Haushalts- und Familienkontext fehlen. Bei der Stichprobenziehung für Befragungen lassen sich folgende Fehlerquellen oftmals nicht vermeiden: Die Auswahl der Gemeinde ist nicht zufällig. Zur Auswahl der Befragten wird das Schneeballverfahren verwendet. Die Stichprobe ist sehr klein. Es fehlt eine Vergleichsgruppe zu der ausgewählten Migrantengruppe. Die ins Heimatland zurückgekehrten Migranten fehlen“ (Haug 2000: 14). Abgesehen von diesen Problemen hat die Autorin folgende Ergebnisse ermittelt: „Die Anzahl der in Deutschland lebenden Italiener liegt seit etwa dreißig Jahren fast konstant bei etwa 600.000. Der idealtypische Verlauf eines Migrationsprozesses entspricht einem s-förmigen Kurvenverlauf“ (Haug 2000a: 16). Persönliche Beziehungen beeinflussen laut Sonja Haug die Arbeitsmigration und darauf folgende Kettenmigration. „Persönliche Beziehungen, die Migranten, ehemalige Migranten und Nichtmigranten in Herkunfts- und Zielregionen miteinander verbinden, erhöhen demnach die Wahrscheinlichkeit internationaler Arbeitsmigration, was zur Kettenmigration führen kann“ (Haug 2000: 19). Die Inklusion (Einbindung) in soziale Netzwerke (Migrantennetzwerke) beeinflusst die Kettenmigtation somit am stärksten. „Migrationsnetzwerke spielen nach Angaben der Befragten bei der Immigration eine große Rolle. Zwar sind ökonomische Aspekte am wichtigsten für Pioniermigranten, aber soziale Aspekte spielen eine entscheidende Rolle für nachfolgende Migranten. Die Verwandtschafts- und Familiennetzwerke umfassen sowohl in der lokalen Gemeinde, als auch am Herkunftsort in Italien eine relativ große Zahl (durchschnittlich 15 bzw. 8 Personen), wohingegen die Zahl der andernorts in Deutschland lebenden Personen eher gering ist“ (Haug 2000: 20). Dabei wurde die These von Haug bestätigt: „Migrationsentscheidungen werden nicht unabhängig von der Ausstattung mit ortsspezifischem sozialen Kapital getroffen. Insbesondere stellen vorherige Migrationsentscheidungen enger Bezugspersonen ein dominantes Motiv für das eigene Verhalten dar“ (Haug 2000: 29). Die Ergebnisse der Studie lassen den Schluss zu, dass die soziale Einbettung in Migrationsnetzwerke und die sukzessive Migration im Verwandtschaftskontext die Kettenmigration der italienischen Migranten in Deutschland erklären können. Die Auswertung der Ergebnisse belegt, dass die Rolle der Verwandtschaftsnetzwerke bei der Kettenmigration hoch signifikant ist. Es wird aber angenommen, dass neben sozialem Kapital auch die ökonomischen Überlegungen eine Rolle bei der Immigration spielen. Hierfür wird auf die zweite Leitfrage eingegangen: Inwiefern passt der ökonomische Erklärungsansatz für ökonomisch induzierte Wanderungen von Arbeitsmigranten? Zur Beantwortung dieser Leitfrage wird die Studie von Marc Schmidt analysiert. Marc Schmidt verweist darauf, dass der Rational-Choice-Ansatz von Esser in der Lage sei, die ökonomisch induzierte Wanderung von Arbeitsmigranten zu erklären. „Das Handeln orientiert sich demnach an der Maximierung des Nutzens unter Restriktionen über den kostenträchtigen Einsatz bestimmter Ressourcen für eine längerfristig ertragreiche Investition“ (Esser 2006: 69). In seiner Empirie beruft sich Esser überwiegend auf die Humankapitaltheorie und RC-Theorie. „Unter Rückgriff auf die Prämissen der Humankapitaltheorie und des Rational-Choice-Ansatzes unterstellt Esser letztlich allen Migranten eine gleichgerichtete Orientierung an denselben rationalen Handlungsmustern“ (Schmidt 2014: 61). Zur Erreichung der ökonomischen Ziele im Zielland wird eine Integration im Aufnahmeland vorausgesetzt. „Die Integration bezeichnet demnach den Stand und Verlauf der strukturellen Teilhabe von Migranten an der Aufnahmegesellschaft“ (Schmidt 2014: 61). Darauf aufbauend stellt Schmidt den weiteren Erklärungsansatz des Push-Pull-Modells zur Klärung des spezifischen Falls der italienischen Auswanderung nach Deutschland dar. Die Theorie geht davon aus, dass Menschen aus einem ursprünglichen Gebiet weggedrückt werden, während sie von einem anderen Gebiet angezogen werden: „Push- und Pull-Faktoren sind migrationsfördernde bzw. -mindernde Faktoren im Herkunfts- und Aufnahmekontext“ (Schmidt 2014: 59). Diese Faktoren umfassen mehrere Bedingungen: „Unter Push-Faktoren werden diejenigen Bedingungen gefasst, die zu einem Verlassen des Herkunftslandes führen, im Gegenzug werden diejenigen Bedingungen als Pull-Faktoren bezeichnet, die einen Anreiz beziehungsweise Anziehungsfaktor bilden, in ein Land einzuwandern“ (Han 2000: 14). Push-Faktoren sind politische Repression, religiöse Repression, Wirtschaftskrisen, Krieg/ Bürgerkriege, Umwelt- und Naturkatastrophen. Pull-Faktoren dagegen sind positiv: politische Faktoren (politische Stabilität und demokratische Sozialstruktur), religiöse Faktoren (Glaubensfreiheit) und ökonomische Faktoren (wirtschaftliche Prosperität, besseres Ausbildungssystem, bessere Verdienstmöglichkeiten). „Die Arbeitsmigration ist aufgrund der Hoffnung von ökonomischer Besserstellung eher den Pull-Faktoren zuzuordnen (Märker 2005: 27). Aufbauend auf diesem Ansatz stellt Schmidt eine weiterführende Theorie, die Theorie der strukturellen Spannung vor. Daraus zieht Schmidt eine Schlussfolgerung: „Kettenmigrationsmechanismen und Migrantennetzwerke nehmen entscheidend Einfluss auf die Kosten und Risiken, die für den Einzelnen mit einer Migration verbunden sind. D.h. die Netzwerke können – unter bestimmten Rahmenbedingungen – zu einer relativen Unabhängigkeit der Migration von ihren ursprünglichen strukturellen Ursachen führen“ (Schmidt 2014: 60). Der Autor Schmidt vermutet, dass sich die Lage der italienischen Migranten in Deutschland schwer mit Hoffmann-Nowotnys Modell (strukturelle Spannung) erklären lässt. „Dies beginnt bei der recht groben Unterscheidung zwischen Integration und Assimilation entlang des Begriffspaars Struktur/Kultur, ganz abgesehen von der Frage, wie die Kultur definiert wird. Die hohe Zahl binationaler Kontakte hat strukturelle Folgen (Vereine, Familien), ohne dass sich der schulische und berufliche Status der Italiener verbessert hätte. Gleichzeitig setzt der rege Kontakt zu Deutschen nicht automatisch voraus, dass gesellschaftliche Werte übernommen werden. Die Situation der Italiener kann nicht durch einen Widerspruch zwischen Struktur und Kultur begründet werden, auch nicht bezogen auf die von Hoffmann-Nowotny benannten drei sozialen Subsysteme“ (Schmidt 2014: 61ff.). In diesem Zusammenhang wird die Lage der italienischen Migranten in gewissem Maß durch Diskriminierung beeinflusst. In seiner Arbeit hat Schmidt auch die Ursache der strukturellen Diskriminierung entschlüsselt. „Geht man von dem steten Bemühen der Migranten nach einem Aufstieg aus, so stellt sich politische Beteiligung, sozialer Aufstieg usw. in einem ersten Schritt als eine Frage der sozialen Schließung/Öffnung und strukturellen Diskriminierung durch die Aufnahmegesellschaft dar“ (Schmidt 2014: 81ff.). In seiner Arbeit hat Schmidt alle migrationssoziologischen Analysemodelle kritisch analysiert. Dabei kommt Schmidt zu dem Ergebnis, dass alle Erklärungsansätze signifikante Ergebnisse liefern, jedoch keinesfalls zufriedenstellend die Lage der italienischen Migranten erklären. Dabei hat Schmidt aus der Gruppe von Theorien keine Gegenüberstellung gemacht, da jede Theorie die Lage der italienischen Migranten mit unterschiedlichen Indikatoren erklärt. Die Theorie von Bourdieu erklärt sie aber am genauesten. „Insbesondere die Kapitaltheorie Bourdieus wurde dabei als relevanter Bezugspunkt herausgestellt, da sie eine mehrdimensionale Erfassung gesellschaftlicher Positionen sowie Verteilungs- und Deutungsprozesse ermöglicht“ (Schmidt 2014: 106). In diesem Essay sind nur ökonomische Theorien relevant. Daher wird die Lage der italienischen Migranten anhand weiterer Studien untersucht, um die Leitfrage begründet zu beantworten. Aus Platzgründen werden aber nicht alle ökonomischen Theorien dargestellt. Ökonomische Theorien bewegen sich grundsätzlich zwischen Makro- und Mikroökonomie. „Bevölkerungsökonomische Theorien lassen sich mehr oder weniger eindeutig der Mikroökonomik oder der Makroökonomik zuordnen“ (Braun 2010: 299ff.). Italienische Migranten streben genauso wie alle anderen nach ökonomischem Wohlstand im Zielland. „Üblicherweise wird dabei der ökonomische Wohlstand, d. h. die Ausstattung mit wirtschaftlichen Ressourcen, durch die Differenz zwischen dem tatsächlichen Pro-Kopf-Einkommen und einem bestimmten Mindesteinkommen gemessen“ (Neumann 1994: 6). Es scheint fasst nicht möglich, ökonomische Wanderungsfaktoren von nicht-ökonomischen zu trennen. „In mehreren Studien haben Migrationsentscheidungen wirtschaftliche Gründe, aber es ist schwierig, ökonomische von nicht-ökonomischen Wanderungsfaktoren zu unterscheiden. Oft wirken sie zusammen“ (Steffen Angenendt 2009: 3). Ökonomisch induzierte Wanderungen von Migranten können mit der klassischen Migrationstheorie von Ernest George Ravenstein erklärt werden. „Ravenstein entwickelte auf der Basis von Beobachtungen die Erkenntnis, dass das Wanderungsverhalten der Menschen immer von schlecht entwickelten Gebieten (ländliche Regionen) in besser entwickelte Gebiete (industriell geprägte Städte) verläuft“ (Huck 2012: 5). Ein weiterer ökonomischer Erklärungsansatz sei die Rational-Choice-Theorie (SEU-Modell). „Das Subjective-expected-utility-Modell (SEU-Modell) ist ein individuelles Entscheidungsmodell und zählt deshalb zu den Mikrotheorien“ (Kalter 2000: 453). Dieses Modell im Hinblick auf die Migration sieht wie folgt aus: Bei der „[…] Entscheidung zur Migration und gegebenenfalls auch zur Remigration wird angenommen, dass der subjektiv erwartete Nutzen am Zielort y höher als der subjektiv erwartete Nutzen am Herkunftsort x ist. Formal lässt sich dies folgendermaßen ausdrücken: SEU(y) > SEU(x)“ (Haug 2000: 8). Grundlegender Gedanke dabei ist die Wahl der Handlungsalternative, bei der der Nutzen maximal ist (Nutzenmaximierung laut RC-Theorie). Eine weitere Studie, auf die ich mich jetzt beziehen werde, kommt ursprünglich aus der Politikwissenschaft. Der Autor Straubhaar stellt in seiner Arbeit Überlegungen hinsichtlich der Motive einer Migration dar. Der Autor hat dabei festgestellt, dass sich legale und illegale Migration aus ökonomischer Sicht zunächst nur hinsichtlich der Nutzen-Kosten-Relation unterscheiden. Dabei hat er in seiner Untersuchung die Gefahr für unser Rechtssystem und Wirtschaftssystem ermittelt. Die illegale Beschäftigung im Zielland (illegale Migration) stelle diese Gefahr dar. Ausgangspunkt seiner Theorie ist das ökonomische Menschenbild. „Rational handelnde Menschen streben danach, ihre individuelle Lebensqualität zu maximieren. Rationales Handeln meint, dass verschiedene Alternativen auf Vor- und Nachteile geprüft werden. Bevorzugt werden jene Entscheidungen, die in der Summe den höchsten Saldo aller Vor- und Nachteile erwarten lassen. Der Alternativenraum wird durch die Budgetrestriktion begrenzt; nicht alles, was hypothetisch gewünscht würde, lässt sich demzufolge tatsächlich realisieren. Allerdings versuchen Menschen, den erreichbaren Alternativenraum möglichst weitgehend auszuschöpfen“ (Straubhaar 2007: 6). Anknüpfend an dieses Menschenbild hat der Autor festgestellt, dass Beschäftigungschancen eine Migration beschleunigen können. „Beim mikroökonomischen Kalkül der Wanderung spielen Beschäftigungschancen und Lohnerwartungen daheim im Vergleich zu andernorts eine entscheidende Rolle“ (Straubhaar 2007: 7). Was aber die illegale Migration angeht, hat Straubhaar als These aufgestellt: „Solange die Staatsgrenzen für gewöhnliche Grenzübertritte, für den Berufs- und Reiseverkehr offen bleiben, wird es enorm schwierig, illegale Grenzübertritte zu verhindern“ (Straubhaar 2007: 7). Solange man in Deutschland oder in der EU die Schattenwirtschaft hat, wird der Nachzug illegaler Migranten nur stärker und das Wirtschaftssystem nur schwächer.

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Details

Titel
Ökonomische Ansätze von Migration
Untertitel
Das Beispiel italienischer Migranten in Europa
Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover  (Institut für Soziologie)
Veranstaltung
Einführung in die Bevölkerungssoziologie
Note
2.3
Autor
Jahr
2016
Seiten
9
Katalognummer
V1030898
ISBN (eBook)
9783346432186
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Migration, Ökonomische Ansätze
Arbeit zitieren
M.A. Sergio Merz (Autor:in), 2016, Ökonomische Ansätze von Migration, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1030898

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