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Funktion und Klassifikation von Körperstrafen in der mittelalterlichen Märendichtung

"hilf, daz ich den lîp behalde"

Titel: Funktion und Klassifikation von Körperstrafen in der mittelalterlichen Märendichtung

Hausarbeit , 2019 , 19 Seiten , Note: 2,3

Autor:in: Falk Kurt Bräcklein (Autor:in)

Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Ziel dieser Arbeit ist es, den Einsatz des narrativen Mittels der Körperstrafe in der mittelalterlichen Märendichtung zu untersuchen und eine Klassifizierung nach ihrer Erzählfunktion vorzunehmen. Dabei wird sowohl deren Bedeutung für die Gestaltung des jeweiligen Textes als auch deren Wirkung auf das Publikum in den Blick genommen. Wie häufig und zu welchem Zweck wird das Stilmittel verwendet? Welche Erzählfunktionen erfüllen diese Strafen innerhalb der Mären und welche Wirkung auf das Publikum soll durch sie erzielt werden? Ist das Motiv der Körperstrafe in dem jeweiligen Märe konstituierend für die Erzählung? Oder kann es weggelassen beziehungsweise durch eine andere Form der Sanktionierung ersetzt werden, ohne die Grundaussage des Märes zu verlieren?

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Das Märe im zeit- und ideengeschichtlichen Kontext des Mittelalters

2. Anwendung von Körperstrafen in der mittelalterlichen Märendichtung

2.1 Untersuchungsgegenstand und methodisches Vorgehen

2.2 Die Körperstrafe als Strafe für den Verstoß gegen Geschlechternormen

2.2.1 Textanalyse und Interpretation des Märes Der begrabene Ehemann

2.2.2 Textanalyse und Interpretation des Märes Die böse Adelheid

2.3 Die Körperstrafe als Strafe für den Verstoß gegen Standesnormen- Textanalyse und Interpretation des Märes Ritter Beringer

2.4 Die Körperstrafe als Strafe für Ehebruch –Textanalyse und Interpretation des Märes Der kluge Knecht

2.5 Die Körperstrafe als Opfer – Textanalyse und Interpretation des Märes Die treue Gattin

3. Fazit

Zielsetzung & Themen

Diese wissenschaftliche Arbeit untersucht den Einsatz und die narrative Funktion von Körperstrafen in ausgewählten mittelalterlichen Mären. Ziel ist es, diese Strafen zu klassifizieren und zu analysieren, inwieweit sie als konstituierende Elemente für die Erzählungen dienen oder normstabilisierende Wirkungen im zeitgenössischen gesellschaftlichen Kontext entfalten.

  • Analyse des Märe im Kontext des mittelalterlichen Weltbildes
  • Klassifizierung der Körperstrafe als narratives Mittel
  • Untersuchung der Sanktionierung von Geschlechter- und Standesnormen
  • Interpretation der Funktion von Gewalt in ausgewählten Mären
  • Bestimmung der normstabilisierenden Wirkung für das mittelalterliche Publikum

Auszug aus dem Buch

2.2.1 Textanalyse und Interpretation des Märes Der begrabene Ehemann

Als Autor des Märes Der begrabene Ehemann gilt Der Stricker, welcher als fahrender Berufsdichter zwischen 1220 und 1250 in Österreich tätig war. Da eine verlässliche chronologische Gliederung der Werke des Strickers bisher nicht gelungen ist, lässt sich das untersuchte Märe nur allgemein dieser Schaffensperiode zuordnen. Das Märe ist in drei großen Sammelhandschriften überliefert.

Im Kern des untersuchten Strickermäres lässt sich die Figurenkonstellation dummer Mann und verschlagene, listige Frau feststellen. Die Ehefrau entspricht damit dem Figurentypus des in der mittelalterlichen Literatur häufig anzutreffenden, durchaus als misogyn zu bezeichnenden übel wîp. Hinzu tritt die Figur des lüsternen Pfarrers (vgl. Der begrabene Ehemann, V 134-137). Dazu lässt sich festhalten, dass während der gesamten Erzählung keine Figurenentwicklung stattfindet. Alle Protagonist*innen folgen konsequent dem von ihnen eingeschlagenen Weg und bleiben – wie für diese Gattung üblich – schemenhaft, während die Motivation für ihre Handlungen weitestgehend im Dunkeln bleibt. Zudem erhalten die handelnden Figuren keine Namen.

Der Einstieg in die Erzählung erfolgt in medias res, ein Promythion liegt nicht vor (vgl. ebd., V 1). Auf eine zeitliche Einordnung der Handlung findet sich kein Hinweis im Text. Auch wird der Ort nur als nicht näher definierte stat (ebd., V 134) angegeben.

Der Ehemann räumt aufgrund übertriebener Hingabe und Gutgläubigkeit – du bist mir liep als der lîp (ebd., V 2) – die von der göttlichen ordo vorgesehene Vormachtsstellung innerhalb der Ehe. Eine Anlehnung an Stilelemente des Minnesangs wird hier deutlich, die Übertretung der Genregrenzen dient jedoch als überzeichnete Parodie: Die Protagonist*innen gehören nicht dem adligen Stand an, weshalb sie sich auch nicht in einem Moment der Minnewerbung befinden können.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Das Märe im zeit- und ideengeschichtlichen Kontext des Mittelalters: Dieses Kapitel erläutert die gesellschaftlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen des Mittelalters sowie die Gattungsdefinition des Märe als erzählerische Form.

2. Anwendung von Körperstrafen in der mittelalterlichen Märendichtung: Dieser Abschnitt dient der methodischen Einführung und der Kategorisierung der Körperstrafen in vier spezifische narrative Funktionstypen.

2.1 Untersuchungsgegenstand und methodisches Vorgehen: Hier wird die Auswahl der 15 Mären begründet und das methodische Vorgehen bei der Textanalyse und Interpretation festgelegt.

2.2 Die Körperstrafe als Strafe für den Verstoß gegen Geschlechternormen: Dieses Kapitel widmet sich der Sanktionierung von Verstößen gegen patriarchale Rollenbilder durch den Einsatz von Körperstrafen.

2.2.1 Textanalyse und Interpretation des Märes Der begrabene Ehemann: Analyse der passiven Rolle des Ehemanns und der daraus resultierenden Eskalation, die zur Körperstrafe führt.

2.2.2 Textanalyse und Interpretation des Märes Die böse Adelheid: Untersuchung, wie die List des Ehemanns dazu führt, dass die Frau durch ihr eigenes Fehlverhalten ihr Schicksal besiegelt.

2.3 Die Körperstrafe als Strafe für den Verstoß gegen Standesnormen- Textanalyse und Interpretation des Märes Ritter Beringer: Analyse der Bloßstellung ritterlicher Tugendlosigkeit durch die Ehefrau.

2.4 Die Körperstrafe als Strafe für Ehebruch –Textanalyse und Interpretation des Märes Der kluge Knecht: Darstellung der Rolle des klugen Knechts, der als Vermittler und Entlarver des Ehebruchs fungiert.

2.5 Die Körperstrafe als Opfer – Textanalyse und Interpretation des Märes Die treue Gattin: Untersuchung eines Sonderfalls, bei dem die Protagonistin durch Selbstverstümmelung eine körperliche Integrität in der Ehe demonstriert.

3. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse und Validierung der Kategorisierung der Körperstrafen hinsichtlich ihrer normstabilisierenden Wirkung.

Schlüsselwörter

Märendichtung, Mittelalter, Körperstrafe, Narratologie, Geschlechternormen, Standesnormen, Ehebruch, Der Stricker, Triuwe, Feudalgesellschaft, Normstabilisierung, Literaturwissenschaft, Textanalyse, Gewalt, Mittelalterliche Kleinepik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Verwendung von Körperstrafen als narratives Stilmittel in der mittelalterlichen Märendichtung und deren Funktion innerhalb des zeitgenössischen gesellschaftlichen Wertesystems.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die feudale Ordnung, Geschlechterhierarchien, religiöse Moralvorstellungen sowie die literarische Darstellung von Sanktionen bei Normverstößen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es zu untersuchen, wie häufig Körperstrafen in Mären vorkommen, welche erzählerischen Funktionen sie erfüllen und ob sie für die jeweilige Geschichte konstituierend sind.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine Textanalyse durchgeführt, bei der zwischen äußeren (Autor, Zeit, Überlieferung) und inneren Merkmalen (Figuren- und Handlungsebene) der Mären unterschieden wird.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in Analysen spezifischer Mären, unterteilt nach den Kategorien: Verstoß gegen Geschlechternormen, Standesnormen, Ehebruch sowie die Körperstrafe als Opfer.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Märendichtung, Körperstrafe, Normstabilisierung, Geschlechternormen und ritterliche Tugenden geprägt.

Warum spielt die Figur des Pfarrers eine so zentrale Rolle im Märe „Der begrabene Ehemann“?

Der Priester missbraucht sein Amt und seine Deutungshoheit, um den Ehebruch zu legitimieren und den Ehemann als besessen darzustellen, was die Katastrophe des Begrabens erst ermöglicht.

Inwiefern unterscheidet sich das Märe „Die treue Gattin“ von den anderen analysierten Texten?

Es ist ein Sonderfall, da die Körperstrafe nicht als Sanktion von außen erfolgt, sondern durch die Protagonistin selbst zugefügt wird, um ihre Treue und Opferbereitschaft zu beweisen.

Welche Bedeutung hat das „Promythion“ für die Interpretation der Texte?

Das Promythion führt oft in die Wertewelt ein, lenkt die Sympathien des Publikums und bereitet den normativen Rahmen für die anschließende Handlung vor.

Kann die Körperstrafe in den analysierten Mären einfach weggelassen werden?

In den meisten Fällen ist die Körperstrafe konstituierend für die Erzählung; sie dient dazu, die Konsequenzen eines Normverstoßes drastisch zu demonstrieren und das Publikum zu mahnen.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Funktion und Klassifikation von Körperstrafen in der mittelalterlichen Märendichtung
Untertitel
"hilf, daz ich den lîp behalde"
Hochschule
Universität Regensburg  (Institut für Germanistik)
Veranstaltung
Seminar „Geschlechter- und Standesnormen in der Kleinepik“
Note
2,3
Autor
Falk Kurt Bräcklein (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2019
Seiten
19
Katalognummer
V1031129
ISBN (eBook)
9783346434050
ISBN (Buch)
9783346434067
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Deutsche Philologie Germanistik Literatur Literaturwissenschaft Ältere Deutsche Literatur Mediävistik Märe Mären Märendichtung Kleinepik Epik Der Stricker Herrand von Wildonie Konrad von Würzburg Körperstrafe Körperstrafen Geschlecht Geschlechternormen Standesnormen Mittelalter Textanalyse
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Falk Kurt Bräcklein (Autor:in), 2019, Funktion und Klassifikation von Körperstrafen in der mittelalterlichen Märendichtung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1031129
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Leseprobe aus  19  Seiten
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