Wie wird das Motiv des fremden Kindes in Astrid Lindgrens Kinderbuchreihe „Pippi Langstrumpf“ umgesetzt? Zunächst wird ein Versuch der Definition von Phantastik angeführt sowie das Zwei-Welten-Modell von Maria Nikolajeva erläutert. Darauffolgend werden Themen und Motive in phantastischen Erzählungen aufgezählt. Auf der Grundlage dessen wird zunächst geklärt, ob beziehungsweise warum es sich bei der Erzählung von Pippi Langstrumpf um eine phantastische Geschichte handelt und wie sie in das Zwei-Welten-Modell eingeordnet werden kann. Danach wird näher darauf eingegangen, wie das phantastische Motiv des fremden Kindes in „Pippi Langstrumpf“ umgesetzt wird.
Die Geschichte von Pippi Langstrumpf hat bereits viele Auszeichnungen bekommen, wurde in über 70 Sprachen übersetzt und über 66 Millionen Mal. Die Behandlung des Werkes ist von besonderer gesellschaftlicher Bedeutung, da es zu den bekanntesten Lektüren der Kinder- und Jugendliteratur gehört und vielfach im Deutschunterricht eingesetzt wird. Das Motiv des fremden Kindes zeichnet sich beispielsweise auch durch die Androgynität jener Figur aus. Die Gender-Debatte wird immer wichtiger und Pippis Figur stellt ein gutes Beispiel dafür dar, über dieses Thema zu diskutieren und Geschlechterbilder grundsätzlich zu überdenken.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung in die Thematik
2. Phantastische Kinder- und Jugendliteratur
2.1 Versuche einer Definition
2.2 Die phantastischen Welten von Maria Nikolajeva
2.3 Themen und Motive in der Phantastik
3. Phantastische Elemente in Astrid Lindgrens Kinderbuchreihe Pippi Langstrumpf
3.1 Analyse des Zwei-Welten-Modells
3.2 Das Motiv des fremden Kindes
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Umsetzung des Motivs des fremden Kindes in der Kinderbuchreihe Pippi Langstrumpf von Astrid Lindgren, um aufzuzeigen, inwiefern die Figur durch phantastische Elemente und die bewusste Missachtung gesellschaftlicher Geschlechterrollenklischees als geschlechterübergreifendes Modell fungiert.
- Charakterisierung der Kinderbuchreihe als Teil der phantastischen Literatur
- Anwendung des Zwei-Welten-Modells nach Maria Nikolajeva auf das Werk
- Analyse des Motivs des fremden Kindes anhand der spezifischen Merkmale von Pippi Langstrumpf
- Untersuchung der Androgynität und des Aufbruchs von Geschlechterklischees
- Einordnung der Figur in den Kontext traditioneller versus autonomer Erziehungsvorstellungen
Auszug aus dem Buch
3.2 Das Motiv des fremden Kindes
Astrid Lindgren hat in ihrer renommierten Kinderbuchreihe Pippi Langstrumpf das Motiv des fremden Kindes verwendet. Andere Themen und Motive, wie Zauberer und Hexen, eine phantastische Schwelle oder verlebendigte Gegenstände kommen in ihrer Geschichte nicht vor.
In Lindgrens Werk wird schon zu Beginn der Geschichte ersichtlich, dass es sich bei der Hauptfigur Pippi Langstrumpf um ein sehr außergewöhnliches Kind handelt. Es wird klar, dass Pippi die Rolle des fremden Kindes einnimmt.
Ihre geheimnisvolle Herkunft aus hoher See und die ungewöhnliche Familiensituation sind Merkmale eines fremden Kindes. Pippis Mutter ist gestorben, als sie noch „ein kleines Ding“ (Lindgren 1945, 8) war und ihr Vater wurde bei einer Schiffsfahrt während eines Sturms ins Meer geweht und ist seit dem Tag verschollen. Pippi hegt die Vorstellung, dass ihr Papa ein Südseekönig geworden ist und sie eines Tages abholen wird (vgl. ebd., 8). Nach dem Verschwinden von Pippis Vater, dem Kapitän der Hoppetosse, ist Pippi zunächst in der Obhut der Matrosen. Sie entscheidet sich jedoch dafür, allein in die Villa Kunterbunt zu ziehen. Dies ist ein Haus, dass ihr Vater gekauft hat, um dort, „wenn er alt war und nicht mehr über die Meere segeln konnte“ (ebd., 9), mit Pippi hinzuziehen. Pippi ist demnach eine Halbwaise und hat keinen Vormund. Das Kind ist also vollkommen auf sich allein gestellt. Im zweiten Teil der Kinderbuchreihe Pippi Langstrumpf geht an Bord besucht Papa Efraim seine Tochter in der Villa Kunterbunt. Er wurde tatsächlich bei seinem Seeunglück auf der Taka-Tuka-Insel an Land gespült und regiert seither dort das Volk (vgl. Lindgren 1946, 108 ff.). Am Ende des Buches möchte er Pippi zu seiner Taka-Tuka-Insel mitnehmen. Tommy und Annika, ihre Nachbarskinder, die sie sehr liebgewonnen hat, sind verzweifelt über Pippis Abschied. So entscheidet sich Pippi, in der Villa Kunterbunt zu bleiben (vgl. ebd., 135). Ihr Vater antwortet auf ihre Entscheidung mit: „Mach, was du willst. Das hast du immer getan.“ (ebd., 135).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung in die Thematik: Vorstellung der Kinderbuchreihe und Darlegung der zentralen Fragestellung bezüglich des Motivs des fremden Kindes.
2. Phantastische Kinder- und Jugendliteratur: Theoretische Herleitung des Genres Phantastik inklusive Begriffsdefinitionen und Erläuterung relevanter Erklärungsmodelle.
3. Phantastische Elemente in Astrid Lindgrens Kinderbuchreihe Pippi Langstrumpf: Analyse der literarischen Einordnung der Reihe sowie detaillierte Untersuchung der Figur Pippi anhand der Merkmale eines fremden Kindes.
4. Fazit: Zusammenfassende Beantwortung der Forschungsfrage und Einordnung der Bedeutung von Pippi Langstrumpf als geschlechterübergreifende Figur.
Schlüsselwörter
Astrid Lindgren, Pippi Langstrumpf, Phantastik, Fremdes Kind, Kinderliteratur, Zwei-Welten-Modell, Maria Nikolajeva, Geschlechterrollen, Androgynität, Autonomie, Mädchenrolle, Kinderbuchforschung, Identitätsfindung, Rollenklischees, Literaturanalyse
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert die Kinderbuchreihe Pippi Langstrumpf von Astrid Lindgren unter dem Aspekt phantastischer Motive, mit einem besonderen Fokus auf das literarische Motiv des fremden Kindes.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Arbeit behandelt die Definition phantastischer Kinderliteratur, das Zwei-Welten-Modell von Maria Nikolajeva sowie die Themenbereiche Geschlechterrollen und kindliche Autonomie.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, zu klären, wie das Motiv des fremden Kindes in der Geschichte umgesetzt wird und inwiefern Pippi dadurch als Figur fungiert, die gesellschaftliche Normen und Geschlechterbilder in Frage stellt.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Autorin verwendet eine literaturwissenschaftliche Analyse, gestützt auf fachspezifische Definitionen der Phantastik und etablierte Modelle der Kinder- und Jugendliteraturforschung.
Was steht im inhaltlichen Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Einordnung der Phantastik und die spezifische Anwendung auf Pippi Langstrumpf, wobei besonders Pippis Herkunft, ihr Erscheinungsbild und ihr Verhalten hinsichtlich Geschlechterklischees untersucht werden.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit am besten charakterisieren?
Zu den Kernbegriffen zählen Pippi Langstrumpf, Phantastik, das fremde Kind, Autonomie und die Dekonstruktion von Geschlechterrollen.
Inwiefern ist das „Zwei-Welten-Modell“ für die Analyse wichtig?
Es dient dazu, die Geschichte von Pippi Langstrumpf in eine theoretische Struktur einzubetten, wobei die „implizierte Welt“ als das passende Modell für Pippis Alltag in der Villa Kunterbunt identifiziert wird.
Wie bricht Pippi mit gängigen Geschlechterklischees?
Die Figur vereint übersteigerte weibliche und männliche Attribute, die sie jedoch oft ins Absurde oder Komische verkehrt, wodurch sie traditionelle Erwartungen an ein Mädchen oder einen Jungen konsequent unterläuft.
Welche Bedeutung hat das Motiv des „fremden Kindes“ für die Entwicklung der Figur?
Das Motiv betont Pippis Status als Halbwaise, ihre Unabhängigkeit von Erwachsenen und ihren bewussten Verzicht auf das Erwachsenwerden, was ihr ihre eigensinnige Lebensweise erst ermöglicht.
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- Anonym (Author), 2021, Phantastische Elemente in der Kinderbuchreihe "Pippi Langstrumpf" von Astrid Lindgren, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1031133