In der Arbeit soll, ausgehend von einer theoretischen Betrachtung unterschiedlicher Personenbegriffe ausgewählter Philosophen, sich den Fragen gewidmet werden, inwiefern diese Personenbegriffe auf Menschen mit Demenz anwendbar sind. Des Weiteren wird thematisiert, ob sie eventuell eine Erweiterung erfahren müssen oder diese schon erfahren haben und inwieweit unterschiedlichste Personenbegriffe das Fachpersonal in seiner täglichen Praxis mit Menschen mit Demenz unterstützen können.
Dazu wird im nächsten Kapitel zunächst grundlegendes biomedizinisches Wissen zu Demenz, ihren unterschiedlichen Formen, Ursachen, Symptomen und möglichen Verläufen vermittelt. Auch Betroffene sollen in einem eigenen Unterkapitel zu Wort kommen. Kapitel 3 beschäftigt sich zuerst mit dem Begriff der Person in unserem Alltagsgebrauch. Daran anschließend werden die Personenbegriffe dreier ausgewählter Philosophen der letzten Jahrhunderte vorgestellt und schließlich wird der Begriff der Person direkt mit Demenz in Verbindung gebracht. In Kapitel 4 geht die Autorin auf Ansätze für eine gute Praxis in der Sozialen Arbeit mit Menschen mit Demenz ein, um schlussendlich im letzten Kapitel ein Fazit zu ziehen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Grundwissen Demenz
2.1 Definition
2.2 Formen und Ursachen
2.3 Symptome und Verlauf
2.4 Innenperspektive von Betroffenen
3 Zum Begriff der Person
3.1 Allgemeines
3.2 In der Philosophie
3.2.1 John Locke
3.2.2 Immanuel Kant
3.2.3 Peter Singer
3.3 Bei Demenz
4 Ansatz für die Soziale Arbeit
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwieweit philosophische Personenbegriffe auf Menschen mit Demenz anwendbar sind und wie diese Erkenntnisse die praktische Soziale Arbeit unterstützen können, um einer Depersonalisierung der Betroffenen entgegenzuwirken.
- Biomedizinische Grundlagen und Erscheinungsformen der Demenz
- Philosophische Traditionen des Personenbegriffs (Locke, Kant, Singer)
- Die Wahrnehmung des eigenen Personseins aus der Innenperspektive Betroffener
- Die Bedeutung von Relationalität und leiblicher Vernunft bei Demenz
- Der person-zentrierte Ansatz nach Kitwood als Leitlinie für die Soziale Arbeit
Auszug aus dem Buch
3.2.3 Peter Singer
Peter Singer (geb. 1946) ist einer der am kontroversesten diskutierten, aber auch profiliertesten (Präferenz-)UtilitaristInnen der Gegenwart. Einen Namen machte er sich mit seinem Werk „Practical Ethics“11, das 1979 erschien (vgl. Lutz, 2015, S. 678).
Singer knüpft mit seinem Personenbegriff an Locke an. Um „Person“ zu sein, ist es für ihn unabdingbar, über Vernunft und Selbst-Bewusstsein zu verfügen, wie bei Locke, eine Bewusstseinskontinuität über Vergangenheit und Zukunft hinweg aufzuweisen und über zukunftsgerichtetes Denkvermögen zu verfügen (Singer, 2011, S. 76). Singer besteht auf einer strikten Trennung zwischen „Mensch“ und „Person“, so dass ihm zufolge, in Abhängigkeit von der jeweils eigenen Konstitution, Menschen Nicht-Personen und Tiere Personen sein können:
„I shall for the moment put aside the tricky term ‘human’ and substitute two different terms, corresponding to the two different senses of ‘human’. For the first sense, the biological sense, I shall simply use the cumbersome but precise expression ‘member of the species Homo sapiens’, and for the second sense, I shall use the term ‘person’. This use of ‘person’ is itself, unfortunately, liable to mislead, because ‘person’ is often used as if it meant the same as ‘human being’. Yet the terms are not equivalent; there could be a person who is not a member of our species. There could also be members of our species who are not persons. [...] In any case, I propose to use ‘person’, in the sense of a rational and self-aware being [...]“ (Singer, 2011, S. 74f).
Er etablierte demzufolge die Kategorien „menschliche Personen“ (Menschen, die unter die Definition seines Personenbegriffs fallen), „menschliche Nicht-Personen“ („merely conscious beings“, z.B. „nichtmenschliche Tiere“, Neugeborene und Menschen mit bestimmten geistigen Einschränkungen; Singer, 2011, S. 85) und „nicht-menschliche Personen“ (z.B. Menschenaffen und weitere Tierarten, die Selbst-Bewusstsein besitzen und, laut Singer, in die Zukunft gerichtet denken können; vgl. Singer, 2011, S. 101).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik des Alltags von Menschen mit Demenz ein und stellt die Forschungsfrage nach der Anwendbarkeit traditioneller Personenbegriffe auf diese Personengruppe.
2 Grundwissen Demenz: Dieses Kapitel vermittelt die medizinischen Grundlagen, von der etymologischen Herleitung bis hin zu den verschiedenen Demenzformen, Symptomen und der Innenperspektive der Betroffenen.
3 Zum Begriff der Person: Dieser Abschnitt analysiert die historische und philosophische Entwicklung des Personenbegriffs, ausgehend von der Antike über Locke, Kant und Singer bis hin zu spezifischen Ansätzen bei Demenz.
4 Ansatz für die Soziale Arbeit: Das Kapitel überträgt die theoretischen Erkenntnisse in die Praxis und stellt den person-zentrierten Ansatz als Methode zur Wahrung der Würde und Individualität dar.
5 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kritisiert die begrenzte Tauglichkeit klassischer, auf Vernunft fixierter Personenbegriffe für die soziale Praxis mit Menschen mit Demenz.
Schlüsselwörter
Demenz, Personenbegriff, Soziale Arbeit, Philosophie, John Locke, Immanuel Kant, Peter Singer, Person-zentrierter Ansatz, Tom Kitwood, Menschenrechte, Identität, Selbstbestimmung, Würde, Depersonalisierung, Relationalität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die philosophische Definition von „Personsein“ und reflektiert deren Anwendbarkeit auf Menschen, die aufgrund einer Demenz kognitive Einschränkungen erfahren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themenfelder umfassen die Biomedizin der Demenz, die philosophische Anthropologie sowie ethische Leitlinien für die professionelle Soziale Arbeit.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es zu klären, ob klassische Personenbegriffe eine Erweiterung benötigen, um Menschen mit Demenz nicht länger als bloße Objekte, sondern als Subjekte mit Würde und Rechten wahrzunehmen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine theoretische Literaturanalyse, um philosophische Konzepte kritisch zu sichten und mit aktuellen Ansätzen der Sozialen Arbeit zu verknüpfen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine medizinische Basis-Einführung, eine detaillierte philosophische Auseinandersetzung mit verschiedenen Identitätstheorien und die Vorstellung des person-zentrierten Ansatzes nach Kitwood.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Personsein, Demenz, Menschenwürde, person-zentrierter Ansatz und Ethik in der Sozialen Arbeit.
Wie unterscheidet sich der Personenbegriff von Locke und Kant?
Während Locke personale Identität primär über Bewusstseinskontinuität und Reflexion definiert, ergänzt Kant den Begriff um die moralische Zurechnungsfähigkeit und die Idee des Menschen als „Zweck an sich selbst“.
Warum ist Peter Singers Ansatz besonders umstritten in diesem Kontext?
Singer unterscheidet strikt zwischen „Mensch“ und „Person“ und stuft Menschen mit geistigen Einschränkungen potenziell als „menschliche Nicht-Personen“ ein, was ethisch höchst problematisch für den Schutz ihrer Rechte ist.
Welche Alternative bietet der relationale Personenbegriff bei Demenz?
Der relationale Ansatz versteht Personsein nicht als isolierte kognitive Leistung, sondern konstituiert dieses durch soziale Beziehungen und die Teilhabe an der Gemeinschaft.
- Citation du texte
- Stefanie Weigel (Auteur), 2020, Menschen mit Demenz und der Begriff der Person, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1031136