Es soll in dieser Arbeit der Frage nachgegangen werden, warum und wie sowohl Fachkräfte als auch SeniorInnen in stationären Settings als die AdressatInnen selbst über welche (niedrigschwelligen) methodischen Ansätze Unterstützung erfahren können.
Zu diesem Zweck soll sich in Kapitel zwei zunächst dem Begriff des Alter(n)s angenähert werden, bevor in Kapitel drei Grundlegendes zu Trauma, Traumatisierungsformen und Traumareaktivierung dargelegt wird. Kapitel vier führt sodann die Methode der Biografiearbeit als eine Form der Unterstützung ein und stellt diese tiefergehend anhand zweier ausgewählter Ansätze vor. Im letzten Kapitel soll schlussendlich unter Zuhilfenahme einer Rückschau die eben aufgeworfene Frage beantwortet werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Alter(n)
3 Trauma
3.1 Trauma und Traumafolgen
3.2 Formen von Traumatisierungen bei heutigen Senior*innen
3.3 Traumareaktivierung und Retraumatisierung im Alter
4 Biografiearbeit
4.1 Theorie
4.2 Praxis
4.2.1 Erzählcafé bzw. Erzählkreis
4.2.2 Lebensbuch
5 Fazit
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht die Bedeutung von Biografiearbeit als niedrigschwelligen Unterstützungsansatz für traumatisierte Senior*innen in stationären Pflegeeinrichtungen, um diesen Menschen zu helfen, ihre Lebensgeschichte zu reflektieren, Identität zu stärken und den Umgang mit Traumafolgen zu erleichtern.
- Grundlagen des Alterns und Wandel der Altersbilder
- Definition, Formen und Langzeitfolgen von Traumata bei Senior*innen
- Phänomene der Traumareaktivierung und Retraumatisierung im Alter
- Theoretische Fundierung der Biografiearbeit in der Sozialen Arbeit
- Praktische Methoden wie das Erzählcafé und das Lebensbuch im stationären Setting
Auszug aus dem Buch
4.2.1 Erzählcafé bzw. Erzählkreis
Das erste Erzählcafé Deutschlands fand in den 1980er Jahren in Berlin Wedding statt. Es hatte zum Ziel, Menschen der geteilten Stadt einander näher zu bringen und gemeinsam die unterschiedlichen Erfahrungen dies- und jenseits der Mauer zu reflektieren. Von dort breitete es sich (im urbanen Raum) in Deutschland aus, fand Einzug in die Gemeinwesenarbeit und wurde letztlich auch Bestandteil der Altenarbeit. (Vgl. für diesen Abschnitt Miethe, 2017, S. 105)
Ein Erzählcafé im ursprünglichen Sinn versteht sich als „ein offenes Gruppenangebot im Sinne einer öffentlichen, professionell organisierten und moderierten Veranstaltung“ (Weidner et al., 2016, S. 36). Jedes einzelne Erzählcafé steht unter einem vorab bestimmten und vorbereiteten Schwerpunkt (z.B. 75 Jahre Kriegsende, Schulalltag damals, die 1950er/1960er etc.), zu dem eine*e Referentin eingeladen werden kann, die*der zu Beginn ihre*seine eigene Geschichte zu diesem Schwerpunkt erzählt. Alternativ kann das Erzählcafé mit Liedern, Filmsequenzen, dem Vortragen von Gedichten oder einem Interview zu einem dezidierten Thema eingeleitet werden. Viele Möglichkeiten und aufgreifbare Themen sind hier denkbar. (Vgl. für diesen Abschnitt Zeißler, o.J., S. 2f)
Ablauf und Rahmenbedingungen der Erzählcafé-Sitzungen ähneln sich. So soll die Atmosphäre zum Wohlfühlen bei Kaffee und Kuchen einladen. Je nach Schwerpunkt können der Raum und die Tische thematisch passend dekoriert und Gegenstände ausgelegt werden. Die*der Moderator*in spricht zu Beginn grüßende, einleitende Worte, stellt gegebenenfalls die*den Referierende*n vor und achtet im weiteren Verlauf auf ausgewogene Redebeiträge und Diskussionen. Keine*r soll mit ihren*seinen Wortmeldungen dominieren. Jede*r, die*der sprechen möchte, meldet sich per Handzeichen, wird registriert (evtl. per Redeliste) und bekommt die gleiche Anzahl an Redeminuten. Während eines Redebeitrags hören alle anderen aufmerksam zu. (Vgl. für diesen Abschnitt ebd.)
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet anhand eines Fallbeispiels die Relevanz von Traumata bei Senior*innen im stationären Setting und stellt die Forschungsfrage der Arbeit vor.
2 Alter(n): Dieses Kapitel nähert sich dem vielschichtigen Begriff des Alterns, diskutiert Altersbilder und betont die individuellen Bedürfnisse älterer Menschen mithilfe der Bedürfnispyramide nach Maslow.
3 Trauma: Das Kapitel definiert den Traumabegriff, erläutert die Besonderheiten von Traumatisierungen bei den heutigen Senior*innengenerationen und beschreibt die Mechanismen von Traumareaktivierung sowie Retraumatisierung im Alter.
4 Biografiearbeit: Hier werden theoretische Grundlagen und die praktische Umsetzung von Biografiearbeit in der Sozialen Arbeit dargestellt, wobei der Fokus auf niedrigschwelligen Methoden wie Erzählcafés und Lebensbüchern liegt.
5 Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen, unterstreicht die Wirksamkeit von Biografiearbeit und plädiert für eine bessere traumasensible Ausbildung des Pflegepersonals.
Schlüsselwörter
Biografiearbeit, Senior*innen, Trauma, stationäres Setting, Traumareaktivierung, Retraumatisierung, Lebensbuch, Erzählcafé, Soziale Arbeit, Altersbilder, Bedürfnispyramide, Kompetenzmodell, Traumafolgen, Biografie, Empowerment.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Notwendigkeit und den Möglichkeiten der Biografiearbeit bei Senior*innen in stationären Pflegeeinrichtungen, die in ihrer Lebensgeschichte traumatische Erfahrungen gemacht haben.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen umfassen das Altern, die Entstehung und Folgen von Traumata bei der heutigen Generation der Senior*innen sowie die methodische Unterstützung durch Biografiearbeit.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie sowohl Fachkräfte als auch die Senior*innen selbst durch niedrigschwellige methodische Ansätze der Biografiearbeit unterstützt werden können, um mit Traumata besser umzugehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung mit dem Thema, die auf der Analyse bestehender Literatur, wissenschaftlicher Studien und fachspezifischer Konzepte zur Biografiearbeit basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Annäherung an den Alternsbegriff, die differenzierte Betrachtung von Traumata und deren Reaktivierung im Alter sowie die Vorstellung konkreter Methoden der Biografiearbeit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Biografiearbeit, Trauma, Senior*innen, stationäres Setting, Retraumatisierung, Lebensbuch und Empowerment.
Warum ist das Thema "Traumareaktivierung im Alter" so relevant?
Aufgrund sich ändernder sozialer und körperlicher Bedingungen im Alter können frühere, unbewältigte Traumata durch banale Ereignisse oder Umgebungswechsel reaktiviert werden, was die Betroffenen massiv belasten kann.
Welche Rolle spielt die Haltung der Fachkraft bei der Biografiearbeit?
Die Fachkraft muss eine wertschätzende, geduldige, empathische und traumasensible Haltung einnehmen, da der Aufbau von Vertrauen und die Wahrung der Freiwilligkeit und Intimsphäre essenzielle Voraussetzungen für den Erfolg der Arbeit sind.
- Arbeit zitieren
- Stefanie Weigel (Autor:in), 2020, Biografiearbeit mit Senior*Innen mit Traumata in der Lebensgeschichte, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1031139