Bernhard von Clairvaux und der Zweite Kreuzzug


Seminararbeit, 2000
24 Seiten, Note: 1

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1. Prolog

Bernhard von Clairvaux war ohne Zweifel eine der bedeutendsten und vielseitigsten, aber auch eine der umstrittensten Persönlichkeiten seines Jahrhunderts: er war tätig als „Mönch und Klostergründer, als Prediger und Seelsorger, als Mystiker, Kirchenpolitiker und Theologe“. 1 In dieser Proseminararbeit gilt es zu beleuchten, inwieweit Bernhards Tätigkeit mit den Vorbereitungen und Geschehnissen des Zweiten Kreuzzuges verknüpft war, welche Rolle er selbst dabei gespielt hat und wie er dem negativen Ausgang des Unternehmens entgegengetreten ist.

Zuerst soll ein Blick auf Bernhards Leben geworfen werden, sowohl auf seine Kindheit und Jugend (soweit möglich); der größere Teil jedoch beschäftigt sich mit seinem Wirken in den späteren Jahren. Es würde den Rahmen der Arbeit sprengen, jeden Aspekt aus seinem weitreichenden Betätigungsfeld zu beschreiben, daher kann lediglich ein Exzerpt seiner Vita gegeben werden.

Punkt 3 bildet den Hauptteil der Arbeit. Darin möchte ich mich im Besonderen mit den beiden Kreuzzugsbriefen Bernhards, Epp. 363 und 458, auseinandersetzen und detailliert ausführen, mit welchen Mitteln der Abt sein Anliegen, die Menschen zu einem erneuten Kreuzzug aufzurufen, verbreitet. Es soll speziell eine Analyse der Motive, Hintergründe und Vergleiche erarbeitet werden, in der deutlich wird, wie geschickt Bernhard die Emotionen und die Sensibilität der Adressaten zu beeinflussen vermag.

Des weiteren folgt eine Ausführung über den Ablauf des Zweiten Kreuzzuges, welche sich hauptsächlich auf Geschichtsbücher stützt, die sich ausschließlich mit dem Thema Kreuzzüge befassen. Dieser Abschnitt beruht ganz und gar auf historisch sicheren Fakten.

Im Anschlußdaran möchte ich mich der „Apologia super consumptionem Ierosolymitarum“ 2 widmen, einer Schrift, in der sich Bernhard bemüht, seine Rolle und sein Wirken angesichts der katastrophalen Niederlage der christlichen Heere im Osten zu rechtfertigen. Gleichzeitig versuche ich zu zeigen, wie Bernhard mit der ihm begegnenden Kritik umgeht, aber auch wie seine eigenen Gefühle bezüglich des von ihm voll unterstützten und am Ende gescheiterten Unternehmens aussehen.

Der Abschlußmündet in eine kurze Zusammenfassung, die noch einmal Bernhards Charakterzüge und psychologische Begabung anschneidet und so die gesamte Arbeit abrundet. Einige Kritikpunkte an Bernhards Eifer sollten aber m. E. nicht fehlen, und so werde ich noch die eine oder andere Bemerkung in diesem Sinne anfügen, daßsich der Leser möglicherweise ermutigt fühlt, seine eigenen Gedanken in die Vergangenheit schweifen zu lassen und die vielen unbekannten Variablen, sowie die Gefahren einer so großen ideologischen Massenbewegung selbst kritisch zu überdenken und die Beweggründe der führenden Persönlichkeiten wie eines Bernhard von Clairvaux zu prüfen. Viel Vergnügen beim Lesen [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten].

2. Bernhard von Clairvaux - Vita

Die Rückschlüsse auf Bernhards Leben im Allgemeinen, im Besonderen aber auf seine Jugend, sind nicht leicht zu ziehen. Zwar existieren drei Hauptzeugen 3, doch deren Schilderungen zeigen uns leider nicht den wahren, den historischen Bernhard und wie er wirklich gewesen ist. Zwischen Wahrheit und Verzerrung läßt sich besonders in den zwei Viten von Bernhards Vertrauten Gottfried von Auxerre († 1188) und Wilhelm von Saint - Thierry (1080/85-1148) nur schwer unterscheiden, da sie aufgrund ihrer Verehrung Bernhards keine wirklichkeitsgetreue Lebensgeschichte geschrieben haben. Was wir vorfinden, sind Verherrlichungen eines Heiligen, manchmal sogar Wundertäters, die ein Bild Bernhards auf seinem entschlossenen Weg zum unvergessenen Menschen und zukünftigen Heiligen zeichnen wollen. Diese hagiographischen Werke dienen aber nur wenig dazu, den historischen Kern Bernhards herauszuschälen, so daßsie für ernste Forschungen nur begrenzt verfügbar sind.

2.1 Kindheit und Jugend

Geboren wird Bernhard von Clairvaux im Jahre 1090 4 auf der elterlichen Burg von Fontaines - lès - Dîjon. Sein Vater ist der adlige Tescelin 5, ein reicher und frommer Mann mit Sinn für Gerechtigkeit, Tapferkeit und Rittertugenden. Aleth von Montbard († 1106/07), Bernhards Mutter, ist ebenfalls sehr fromm und gibt ihm eben diese Frömmigkeit mit auf den Weg, aber sie lehrt ihm auch Gottesliebe und geistige Selbstzucht. 6 Bernhards adlige Herkunft spielt mit Sicherheit eine nicht unerhebliche Rolle in seinem späteren Einflußauf Menschen und seinen immensen Erfolg. Neben fünf Brüdern hat Bernhard noch eine Schwester. Während alle seine Brüder eine militärische Laufbahn einschlagen, ist Bernhard der einzige, der geistlich erzogen werden soll. So wird er im Jahre 1098/99 in die Kapitelschule Saint - Vorles in Châtillon - sur - Seine aufgenommen, die einen sehr guten Ruf besitzt und zudem noch in der Nähe der elterlichen Burg liegt. Was Bernhard dort lernt, läßt sich nur vermuten, wahrscheinlich ist aber eine Ausbildung in den üblichen Unterrichtsfächern der damaligen Zeitperiode, wie z. B. Lesen, Schreiben, Singen, Rhetorik, Grammatik und Dialektik. 7. So heißt es, daßBernhard ein außergewöhnlich intelligenter junger Mensch sei, ja, ein wahres „Genie“ 8, wißbegierig, sehr begabt im Denken, aber er interessiere sich nebenher auch für Kunst und Architektur. Die Ausbildung trägt dazu bei, „seine angeborenen außergewöhnlichen Talente zu entfalten“ 9. Er entwickelt einen herausragenden Schreibstil und läßt Redewendungen aus der Kirche und antiker Schriftsteller in seine eigenen Ausdrucksmittel einfließen und verinnerlicht sie in seinem Geist. 10 Des weiteren bleiben aber weitreichende Abschnitte aus Bernhards Kindheit und Jugend im Verborgenen, es ist nicht bekannt, wie er sich gab noch wie er sein Leben gestaltet hat in dieser Phase. Alle übrigen Aussagen über diese Zeit beruhen auf Vermutungen und Rückschlüssen. 11

2.2 Bernhard als Mönch

Auch die Schritte zum EntschlußBernhards, Mönch zu werden und in ein Kloster einzutreten, können nicht genau nachgezeichnet werden. Die Vermutung liegt nahe, daßdie Entscheidung erst langsam in ihm heranreift und nicht ohne Zweifel vonstatten geht: und wieso sollte ein junger Mann, völlig integriert in seine Welt, nicht zögern, sein gesamtes Leben Gott zu weihen? 12 Bernhard fühlt sich hin und her gerissen zwischen weltlichem Leben und einem inneren Verlangen nach einem tieferen Sinn. Doch alles, was Bernhard tut und unternimmt, möchte er mit vollem Einsatz und kompromißlos tun 13. 1112/13 14 tritt Bernhard in das 1098 neu gegründete Kloster Cîteaux ein 15, doch über seine Jahre dort ist nichts bekannt. Wohl aber vervollständigt er dort seine literarische Bildung und studiert die Lehre der Kirche. Bernhard entwickelt eine eigene Begründung des Mönchtums mit dem Ziel, es in seinen Grundfesten zu radikalisieren. Der Mönch soll die Armut frei und gerne wählen ohne Kompromisse mit den sozialen und ökonomischen Einbindungen! Der Mönch als solcher solle ohne unnütze und hinderliche Gedanken, Vorstellungen und Zwänge die Chance haben, durch die Lösung von allem rein Weltlichen Gott näher zu kommen. Damit sollte Bernhard der Begründer des zisterziensischen Lebens als solchem werden. 16

2.3 1. große Phase von Bernhards Leben

Im Jahre 1115 (am 25. Juni) wird Bernhard zum Abt des Tochterklosters von Cîteaux, namentlich Clairvaux, ernannt, gelegen in der Diözese Langres, 116 km von Cîteaux entfernt. Daher stammt auch sein „Nachname“ „von Clairvaux“ 17, der sich bis heute gehalten hat. Dort sollte Bernhard bis zu seinem Tode bleiben und walten. Nach den Anfängen in Clairvaux kann man drei große Phasen in Bernhards Leben unterscheiden.

Bis 1130 wirkt er in Frankreich, reist viel durch das Land (besonders in die nähere Umgebung) und verfaßt vor allem den Großteil seiner Korrespondenz. An die 1000 Briefe oder mehr ergehen an die unterschiedlichsten Bevölkerungsschichten. Darin liegt sein großes Talent! Bernhard möchte im Schreiben seine Ideen, Überzeugungen und Grundsätze vermitteln, er berichtet wenig über gegenwärtige Ereignisse. Man kann sagen, er ist „der ‚Bestsellerautor‘ des 12. Jahrhunderts, vielleicht sogar des Mittelalters“ .18 Von jedem Brief läßt er eine Kopie anfertigen. 19

Doch auch Leid ist ihm nicht fremd. So berichtet Bernhard andeutungsweise in einigen Briefen von seinem angegriffenen Gesundheitszustand. 20 Er ist häufig krank, er ißt schlecht und mußoft erbrechen, was wohl auf eine chronische Gastritis zurückzuführen ist. 21 Doch nichts kann ihn davon abhalten, weiterhin auf Reisen zu gehen und seine Überzeugungen zu verbreiten.

2.4 2. große Phase von Bernhards Leben

In den Jahren 1130-1138 befindet sich Bernhard auf dem Höhepunkt seines Wirkens und kann seinen Einflußin Kirche und Gesellschaft festigen. Er unternimmt drei Reisen nach Rom (1133, 1135 und 1136/37) und setzt sich intensiv mit dem Rittertum auseinander. 22 Aufgrund von Nachrichten aus dem Heiligen Land, die von Überfällen auf Pilger und der Bedrohung der Kirche berichten, spricht Bernhard sich für ein Rittertum aus, allerdings solle Gewalt nur in einer Haltung der Liebe angewandt werden. 23

Doch Bernhard wird nicht nur hochgelobt, sondern ist auch besonders im eigenen Kloster umstritten, was seine Ideale angeht. Diese Kritik und Zwiespältigkeit seiner Bewunderung sollte sich in seinem restlichen Leben und Wirken noch steigern. Auch Erfolglosigkeit begleitet ihn auf seinem Weg, er kannte „Enttäuschung,..., Trauer und Sorge“ 24.

2.5 3. große Phase von Bernhards Leben

Als Bernhards spätes Wirken gelten die Jahre 1139-1148. In dieser Zeit beschäftigt er sich viel mit kirchlichen und politischen Fragen und gibt wichtige Impulse für Lehre und Glaubensfragen. Besonders bekannt sind der Streit mit dem Abt Peter von Cluny (1122-1156) über das Klosterleben, welches auf keinen Fall zu weltlich und prunkvoll gestaltet werden dürfe. 1130 findet die Doppelwahl der beiden Päpste Innozenz II. (1130-1143) und Anaklet (1090-1138) statt, bei der Bernhard für Innozenz II. votiert, der sich letztendlich als Papst im rechtmäßigen Amt durchsetzen kann. Bernhard verfolgt Peter Abaelard (1079-1142), einen Mönch, der versucht, mit Hilfe der Scholastik Glaubensinhalte einsichtig zu machen und so die Glaubenserkenntnis zu reformieren, wobei es ständig zu heftigen Disputen beider Kontrahenten kommt . 25 Bernhard ist der Ansicht, daßder Gläubige glaubt und keine Diskussionen über den Glauben führt. Und nicht zuletzt propagiert der große Theologe den Aufbruch zum Zweiten Kreuzzug, durch den er zu zweifelhafter Berühmtheit gelangt. Über diese letzten Lebensjahre Bernhards ist relativ viel bekannt. 1148 verfaßt er eines seiner größten Werke, die Besinnung an Papst Eugen III. (1145-1153) 26 und fährt fort, an seinen „Sermones super Canticum Canticorum“ zu arbeiten, welche er aber nicht mehr vollenden kann.

Bernhard von Clairvaux stirbt am 20. August 1153 im Alter von 63 Jahren in seinem Kloster in Clairvaux.

3. Bernhard von Clairvaux und der Zweite Kreuzzug (1147-1149)

3.1 Quellen

Für die nun folgende Betrachtung der Rolle von Bernhard von Clairvaux im Zweiten Kreuzzug sollen mir hauptsächlich Epp 363 und 458 dienen. Beide sind die einzig erhaltenen Kreuzzugsrundbriefe, die einen direkten Aufruf zum Kampf mit dem Schwert für das Heilige Land enthalten. 27 Die Datierung beider Briefe läßt sich nicht mit Sicherheit bestimmen, es sind lediglich Vermutungen möglich. So wird Ep 363 in den Monat August oder September des Jahres 1146 anzusetzen, Ep 458 dürfte Ende 1146 oder Anfang 1147 geschrieben worden sein. 28 Doch möchte ich selbstverständlich auch noch auf andere Briefe und Ausarbeitungen Bernhards zurückgreifen, die ich für meine Analyse des entsprechenden Themas für hilfreich und angemessen halte. Diese sind (nach Numerierung geordnet): Epp 288 29, 457 30, 521 31 und 544 32, sowie Auszüge aus dem „Liber ad milites Templi“ 33.

Zum einfacheren Verständnis der Fußnoten gebe ich für die Zitate Bernhards von Clairvaux die direkte lateinische Quelle an mit Bernhard v. C. als Autor, die sich aber in den "Sämtlichen Werken" von Winkler, G. B. auf den jeweiligen Seiten findet.

3.2 Der Grund für einen erneuten Kreuzzug und die Adressaten des Aufrufs

Im Jahre 1144 setzt die stetige und unaufhaltbare Verdrängung der Kreuzfahrer im Orient ein, die sich seit den Erfolgen des Ersten Kreuzzuges (1096-1099) dort niedergelassen und etliche Regionen verwaltet haben. Die muslimische Kraft in den besetzten Gebieten nimmt zu und erreicht ihren Höhepunkt mit der Eroberung Edessas (1144) durch Atabeg Zengi von Monsul. 34

Dieser „Schock...traf die ganze christliche Welt“ 35, selbst Königin Melisinde von Jerusalem (1144-1161) erbittet Hilfe von Rom, was Papst Eugen III. am 1. Dezember 1145 dazu veranlaßt, die Ritterschaft von König Ludwig VII. (1137-1180) von Frankreich zu ermutigen, die Schwerter zu ergreifen und sich in das Heilige Land aufzumachen, um es von den „crucis adversarii“ (den Feinden des Kreuzes), dem „spurcitia paganorum“ (Unrat der Heiden) 36 zu befreien. Doch der Aufruf wird nur zögerlich angenommen. Es ist nicht genau bekannt, wann Bernhard von dieser Bulle des Papstes erfährt. Jedoch wird er von König Ludwig VII. zu sich gebeten, um noch einmal zu einem erneuten Kreuzzug aufzurufen. Weißder König doch, daßder Abt weitaus größere Autorität und Einflußgenießt als er selbst, besonders in religiösen Angelegenheiten. Bernhard läßt sich auch darauf ein, nicht jedoch ohne vorher den Rat „seines“ Papstes 37 Eugen III. einzuholen. Als dieser erneut eine Kreuzzugs - Bulle erläßt (1. März 1146), und Bernhard durch mehrfache Aufforderungen seitens des Königs von Frankreich und des Papstes gebeten wird, Stellung zu nehmen, kann und möchte sich Bernhard der Idee eines neuen Unternehmens nicht mehr entziehen. 38

Am 31. März 1146 hält Bernhard seine „berühmt - berüchtigte“ Kreuzzugspredigt in Vézelay. 39 Es heißt, die Kirche konnte die Menge der Zuhörer nicht fassen, der Platz sei von Menschen überfüllt gewesen und fanatisches Jubelgeschrei sei ausgebrochen, während Bernhard auf das für ihn vorgesehene Podest steigt und zu predigen beginnt. Bernhard „warf die Kreuze in Haufen herab und zerrißsein Kleid, weil sie nicht reichten“ 40 Im Schnitt verpflichten sich dort, wo Bernhard für den neuen Kreuzzug wirbt, sechs von sieben Männern zur Palästinafahrt 41. So enthusiastisch, kraftvoll und überzeugend 42 sind Bernhards Worte, daßder Funke auf die Menschen überspringt und „sie seinem Einflußund seinen Ideen gefügig macht“ 43.

Zunächst tätigt Bernhard seine Predigtarbeit in Frankreich. Seine Hauptaufgabe liegt nach Papst Eugen III. darin, König Ludwig VII. und sein Volk davon zu überzeugen, „das Kreuz zu nehmen“ um zur Rettung der Kirche nach Palästina zu ziehen. Doch was Bernhard unternimmt, erledigt er auch mit seiner gesamten Einsatzkraft. Er macht das Unternehmen Kreuzzug völlig zu seiner Sache und wendet sich mit seinem Aufruf auch an König Konrad III. von Deutschland (1138-1152), was vorerst nicht vorgesehen war. Und so ist uns Ep 363 erhalten geblieben, die sich an die „Archiepiscopos orientalis Franciae et Bavariae“ (Erzbischöfe der Ostfranken und Baiern) richtet. Bernhard wird auch zu einigen deutschen Kirchenfürsten eingeladen, um den Kreuzzug in Deutschland persönlich zu propagieren. 44 Ep. 457 schreibt Bernhard sogar für „universos fideles“, die Gesamtschar der Gläubigen.

3.3 Motive, Anspielungen und Hintergründe der Kreuzzugsbriefe 363 (und 457)

„Suscipe Crucis signum“ (Nehmt das Zeichen des Kreuzes) 45, „felicia arma corripite christiani nominis zelo“ (Ergreift im Eifer für den Christennamen die heilbringenden Waffen) 46, zwei direkte und konkrete Aufrufe an die Adressaten, nach Palästina zu ziehen, um Christi Land zu retten und zu verteidigen. Darauf läuft Bernhards Absicht hinaus. Doch vorerst beginnt er seinen Brief mit einer kurzen Darstellung seiner Person, um dann zur Schilderung der in den Augen der Kirche katastrophalen und bedrohlichen Lage im Heiligen Land überzugehen. Gottes geheiligtes Land ist in Gefahr, „terram suam“ (sein Land), wie Bernhard immer wieder betont. 47 Es ist also kein gewöhnliches Land, kein Staat wie jeder andere, sondern Gott selbst erhebt Anspruch darauf. Er hat dort „annis plus quam triginta“ 48 (mehr als dreißig Jahre) als Mensch unter Menschen gelebt und somit dieses Land geweiht: „illustravit miraculis (er hat [es] durch seine Wunder erleuchtet), dedicavit sanguine proprio 49 (Er hat [es] durch sein eigenes Blut geweiht), honoravit nativitate sua (Er hat [es] durch seine Geburt geehrt), sepultura didavit 50 (Er hat [es] durch sein Grab bereichert), terra lectulus floridus et decorus, in quo virgineus flos Mariae linteis et aromatibus conditus est“ 51 (das blumenübersäte, liebliche Lager, auf dem die jungfräuliche Blüte Marias in Tüchern und Wohlgerüchen ruht). Bernhard reiht die Besonderheiten dieses Landes, beschenkt durch die Güte Gottes, auf, um eindrücklich zu schildern, daßes allein schon aus diesem Grunde Pflicht eines jeden Christenmenschen sei, dieses geweihte Land zu verteidigen. Für Gott, für Christus! Denn die Christenheit selbst trägt Schuld daran, daß„coepit Deus caeli perdere terram suam“ 52 ( der Gott des Himmels beginnt, Sein Land zu verlieren), denn durch die eigene Sündhaftigkeit und vielen Laster ist es soweit gekommen, daßnun das „terram benedictam (das gepriesene Land), terram promissionem“ (das verheißene Land) 53 verwüstet wird. Doch mit Sicherheit richtet sich Bernhard mit seinen Beschreibungen des Heiligen Landes auch zielgenau an den Wunsch der Gläubigen, einmal im Leben an den Stätten zu stehen, „in qua Jesus Christus pro nobis passus est“ (in denen Jesus Christus für uns gelitten hat) 54. Bernhard wußte mit Sicherheit, daßviele Menschen, und gerade die Geistlichen und Ritter, ein schwärmerisches Glaubensgefühl für die heilige Stadt Jerusalem hegten, wo „das Göttliche die Erde geheiligt hat“ 55.

Bernhard setzt geschickt eine Fülle von Antithesen ein, was die Ausdrücke für die Heiligkeit des Landes Palästina und die Gottlosigkeit der Heiden, sprich der Muslime, angeht. So bezeichnet er diese als „crucis adversarii“ 56 (Feinde des Kreuzes) mit ihrem „caput...sacrilegum“ 57 (gottlosen Haupt) und „ore sacrilego“ 58 (gottlosen Rachen), die die heiligen Stätte besudeln und schänden. Heiligkeit gegen Gottlosigkeit, lebendiger Gott gegen Verwüstung, geweihtes Land gegen Schande, die Liebe Jesu Christi und Güte Gottes gegen Bosheit und das Böse an sich. So entsteht ein eindrucksvolles Bild, das die Notwenigkeit der Gegenmaßnahmen in den Köpfen der Adressaten lebendig macht, um das Land Christi zu retten und zu „säubern“, ja, diese Bilder kreieren geradezu eine Lebendigkeit, die die Leser animieren muß, die heiligen Orte wieder zu dem zu machen, was sie eigentlich sind, nämlich der Ort, „in quo propter nos Vita nostra obdormivit in morte“ 59 (in dem unser Leben unseretwegen im Tode entschlief). Jerusalem meint im Rahmen von Bernhards Predigten stets das himmlische Jerusalem in eschatologischen Zeiten. Dort ist jetzt durch die islamische Bedrohung die Grundlage christlichen Glaubens bedroht, sein Herzstück. Es klingt bei Bernhard so, als paßten die Muslime nicht in dieses Land, als gehörten sie nicht dorthin. Die Christenheit schade sich nur selber, wenn sie sich gegen diesen Frevel nicht wehre, denn Jesus, der in diesem Land gelebt hat, sei „Vita nostra“ 60 (unser Leben). Die Christen schändeten damit, indem sie gegen die dort wütenden Heiden nichts unternehmen, ihr eigenes Leben, ihre Erlösung, was einem Verrat gleichkäme.

Das Motiv des Blutes findet sowohl in Ep 363 als auch in Ep 458 große Bedeutung. Es ist immer das Blut Jesu Christi, das Bernhard erwähnt. Sein Blut, das für alle Menschen gegeben wurde, mit dem er jeden Einzelnen freigekauft und erlöst hat. So werden Blut und Tod zu Leben. Doch durch die Freveltaten der Heiden kehrt sich dieses Bild ins Negative, es wird regelrecht zerstört, das Blut des unbefleckten Lammes („Agni immaculati...cruore“) 61 wird besudelt. Hier findet sich wieder ein Gegensatz: Jesus als unbeflecktes Lamm wird symbolisch in seiner heiligen Stätte beschmutzt durch „spurcitia paganorum“ 62 (den Unrat der Heiden). Jesus ist auf dem Weg zu einer „erneuten Passion“ 63.

Bernhard appelliert zudem äußerst stark an die persönlichen Gefühle der Leser, besonders an ihr Gewissen. Durch viele rhetorische Fragen 64 wendet er sich an ihr Ehrgefühl und offenbart ihnen die große Möglichkeit, der „negotio Christi“ (Sache Christi) 65 zu dienen. Einerseits richtet sich Bernhard fast schon klagend und mahnend an die Adressaten, er kann es nicht verstehen, daßdie Situation im Heiligen Land sich überhaupt so drastisch entwickeln konnte. Soll es so weitergehen?, fragt er. Kann es sein, daß„dabitis sanctum canibus et margaritas porcis“ 66 (ihr das Heilige den Hunden und die Perlen den Säuen preisgeben wollt)? Auf der anderen Seite ermutigt der Abt aber auch durch Hinweise auf die Güte und Gnade Gottes sowie auf die Fähigkeiten jedes einzelnen Kämpfers 67. Beides sind weitere wichtige Motive, die Bernhard in seine Kreuzzugsbriefe einfließen läßt und ausbaut.

Bernhard läßt den Kreuzzug als einmalige Chance erscheinen („quod recuperari ultra non possit“ 68 - was nie mehr erlangt werden kann), von Gott als Gelegenheit für die Christen, einsichtig zu werden, ihre Sünden zu bereuen und wieder auf den richtigen Pfad zurückzukehren. Ja, es sei ein „artificio“ 69 (kunstvolles Mittel) Gottes, erfüllt von „pietatis abyssum“ 70 (der Tiefe Seiner Liebe), und diese Gelegenheit sei nun zu nutzen! Denn eines steht nach Bernhard fest: benignus est Dominus 71 (Gott ist gnädig). An keiner Generation habe Er je so gnädig gehandelt („non fecit Dominus taliter omni retro generationi, nec tam copiosum in patres nostros gratiae munus effundit“ 72 ). Nicht den Tod und Untergang der Christen wolle Er, sondern ihr Leben und Heil! Dies alles geschehe nur „ad salvandos vos“ 73 (zu eurer Rettung). Es sei etwas Besonderes, „exquisita prorsus“ 74 (auserlesene Gelegenheit), ja, sogar benedictio 75 (ein Segen), betont Bernhard, daßGott, der Allmächtige, gerade sie - Sünder, eigentlich Unwürdige! - auserwähle, sich für Ihn einzusetzen. Die Heiden seien keine Strafe Gottes, sondern die Bewährung der Christen, geläutert zu werden und wieder zu ihrem Herrn zurückzufinden. Gott „non vult mortem vestram, sed ut convertamini et vivatis“ 76 (will nicht Euren Tod, sondern daßIhr umkehrt und lebt), denn Gott ist der lebendige Gott. Schon des öfteren hat Gott die Bedrohung seines Erblandes zugelassen, „um tapferen Männern die Gelegenheit zu bieten, ihr Seelenheil zu wirken“ 77. Jeder Mensch kann diese Chance beim Schopfe packen, egal ob „homicidas, raptores, adulteros et periuros, ceterisque obligatos criminibus“ 78 (Mörder, Räuber, Ehebrecher, Meineidige und in andere Verbrechen verstrickte [Menschen]). „Aus brutalen Verwüstern werden treue Verteidiger..., aus Widerstreitern werden Verfechter des Herrn“ 79 aus Sündern und „schwachen Würmern“ („exiguos vermiculos“ 80 ) werden Auserwählte, die für die Herrlichkeit Gottes kämpfen dürfen, wie es geschah bei Saulus, der zum Paulus wurde.

Dieses indirekt angedeutete Urbild der Bekehrung wird somit zur möglich gewordenen Realität für jedermann. Denn jedermann ist ein Sünder („peccatores“ 81 ). Auch das so heldenhafte Rittertum findet in Bernhards Aufruf seinen Platz, das er aber wieder unter dem Aspekt ihrer vergangenen Verbrechen und Torheit beschreibt 82. Die Ritter sollen nicht gegeneinander kämpfen und sich gegenseitig ins Verderben stürzen, sondern sich vereinen und gemeinsam gegen den Feind zu Felde ziehen. Denn „Habes nunc, fortis miles, habes, vir bellicose, ubi dimices absque periculo, ubi et vincere gloria, ET MORI LUCRUM“ 83 (jetzt hast Du, tapferer Soldat, jetzt hast Du, streitbarer Mann, [einen Ort], wo Du ohne Gefahr kämpfen kannst, wo der Sieg Ruhm und „der Tod Gewinn ist“). Der Tod ist Gewinn. Für „christiani nominis“ 84 (den christlichen Namen) kämpfen und sterben bedeutet Heil, ewiges Leben und Gemeinschaft mit Christus. Vor diesem Hintergrund erachtet Bernhard den Unterschied zwischen (Über - ) Leben und Sterben in der Schlacht gering. Bernhard gelangt hiermit zum Höhepunkt seine Aufrufes 85, nämlich dem Lohn, dem Gewinn, der zu erhalten ist, wenn man sich auf die „Sache Christi“ einläßt. In diesem Sinne steigert er natürlich die positive Motivierung zum Aufbruch. Bekehrung bzw. Läuterung und der Lohngedanke stehen hier in sehr enger Verbindung zueinander. Durch Gottes Gnade entsteht mit der Bedrohung des Heiligen Landes eine einmalige und günstige (`bequem praktikable´, wie Dinzelbacher anmerkt 86 ) Möglichkeit für diese Generation, Vergebung für alle begangenen Sünden zu erlangen 87 - wenn sie von ganzem Herzen bereut werden. Dies entspricht der damaligen Vorstellung des Bußwesens, Bernhard spricht sogar von „irrecupirabilem indulgentiae facultatem“ 88, also von der unwiederbringlichen Gelegenheit des Ablasses. Gerade zur damaligen Zeit prägten endzeitliche Erwartungen sowie die Vorstellung von Jesu unmittelbarer Wiederkunft die Gedanken und Lebensweise der Menschen. So sorgten z. B. das Erscheinen des Halleyschen Kometen, Mißernten und der dritte Tod eines Papstes innerhalb von zwei Jahren für Unruhe.

89 Man sah sich in einer Art Sackgasse, und nur durch ein wahrhaft christlich geführtes Leben konnte eine Umkehr zu Gott gewährleistet werden. Diese Umkehr bzw. dieser Ausweg bestand in der Buße, die häufig in Pilger - und längeren Wallfahrten Gestalt annahm.

Bernhard nimmt diesen Gedanken auf und erweitert ihn für die Teilnehmer des Kreuzzuges auf „plenam indulgentiam delictorum“ 90 (volle Vergebung aller Sünden) - die ihnen der „summus Pontifex“ 91 anbietet. Auch „omnes qui crucis signum acceperint, ab omni usurarum exactinoe liberos omnino dimittant“ 92 ([das mußman von ihnen fordern:]alle, die das Zeichen des Kreuzes genommen haben, gänzlich von jeder Zinseintreibung zu befreien). Ja, Bernhard stellt diese Angebote dar, als handle es sich um einen Wettkampf, der eine solle dem anderen zuvorkommen („alter alterum praevenire festinet“ 93 ), bei so einem Angebot müsse man zugreifen! 94 Bernhard verwendet dabei das Bild des klugen Kaufmannes („prudens mercator“ 95 ), der sich die „magnas quasdam...nundinas“ 96 (die etlichen großen Märkte) auf keinen Fall entgehen lassen dürfe. „Dies ist eine Botschaft, genau abgepaßt auf die Menschen in den heftig expandierenden Städten, die von Handel und Geldwirtschaft lebten“. 97

Die Ritterschaft ließsich natürlich auch mit anderen Argumenten fassen. So schreibt Bernhard in Ep 458 von einem angeblichen Verrat des Königs („Accusatur proditionis Rex noster“ 98 ), von Täuschung und Irreführung. Bernhard verlangt treue Ergebenheit der Ritter („Quis in vobis est fidelis eius, surgat, defendat Dominum suum ab impositae proditionis infamia“ 99 ), „was ganz in den Bahnen von Gefolgschaft, Vasallität, Feudalrecht gedacht“ 100 ist. „Die Ritter sollen in ihrem Metier bleiben und kämpfen, aber `verchristlicht´, für ein von der Kirche vorgegebenes Ziel“ 101.

Doch auch Bernhard selbst bezieht sich immer wieder in die Gruppe der von ihm Angesprochenen mit ein. So verwendet er häufig ein verallgemeinerndes „wir“, daßder Leser sich automatisch und unterbewußt auf ein Zusammengehörigkeitsgefühl einläßt 102. Auch bezeichnet Bernhard sie als Brüder („fratres“ 103 ), was nichts Anderes bedeutet, als daßer selbst sich zu dieser Brüderschaft hinzuzählt. Man sitze doch im selben Boot, sei eine Gemeinschaft, in der es gilt, alle Kräfte zu bündeln und gemeinsam gegen den einen Feind, nämlich den Feind Gottes und der Christenheit, anzugehen. Solche und ähnliche Anspielungen finden sich stets in seinem Appell. Die ständigen direkten Anreden an die Leserschaft tun ein Übriges, den Brief lebendig und zu einem konkreten Aufruf zu gestalten. Der Leser kann nicht als Unbeteiligter dastehen, hat kaum eine Möglichkeit, sich der persönlichen Ansprache zu entziehen. Hier steht ein „ecce“ 104, dort findet sich ein „viri fortes“ oder „servi cruci“ 105, an der einen Stelle setzt Bernhard ein mahnendes „peccatores“ 106 als wirksame Anrede ein, an anderer Stelle ein ermutigendes „fortis miles“ oder „vir bellicose“ 107. Es ist ebenso offensichtlich, daßBernhard auch persönlich unter der „Heidenbelagerung“ der Heiligen Stätte leidet. 1108 So fühlt er bei Betrachtung und Beschreibung der schlimmen Lage dort einen großen Schmerz („proh dolor“ 109 ), was die enge Verbundenheit zu den Adressaten ebenso stark betont wie das einnehmende „Wir“. Das „Mit - Leiden“ ist immer ein starker Faktor, wenn Zusammengehörigkeit in einer Gruppe gefördert werden soll. Und bei diesem gnädigen Angebot Gottes, sein Seelenheil zu wirken, könne eigentlich niemand so töricht sein und ablehnen. Unbetroffen könne doch niemand gegenüber Gottes Leid sein! Am Ende bzw. in den letzten Abschnitten beider Epistula 363 und 458 sieht sich Bernhard veranlaßt noch einige abschließende Mahnworte zu finden.

So weist Bernhard extra darauf hin, daß„non sunt persequendi Iudaei, non sunt trucidandi, sed nec effugandi quidem“ 110 (die Juden nicht verfolgt, nicht getötet und auch nicht vertrieben werden dürfen). 111 Zwar kann nicht davon die Rede sein, daßBernhard die Juden mochte oder in irgendeiner Weise unterstützte, doch sie sind Gottes auserwähltes Volk und unterstehen damit einem gewissen Schutz. Bernhard ist ein „ausgesprochener Bibel - Theologe“ 112 und ist der Meinung, die Bibel lege sich selbst hinreichend aus. So zitiert Bernhard Ps 58,12, der ein ausdrückliches Verbot der Tötung von Juden beinhaltet. 113 Der Schrift ist zu gehorchen. Des weiteren haben die Juden einen anderen Zweck, sie dienen sozusagen als Mahnmal, sie sind „vivi...apices nobis“ 114 (lebende Zeichen für uns), die die Christenheit immer wieder an das Leiden Jesu Christi erinnern. Schließlich und endlich werden auch sie am Ende aller Zeiten errettet, und diese Prophezeiung dürfe nicht zunichte gemacht werden, indem sie alle umgebracht werden. 115 Zudem würde eine zusätzliche Verfolgung der Juden mit Sicherheit für das eigentliche Ziel der Kreuzfahrer hinderlich sein und Kraft verschwenden. So, erbittet Bernhard, solle auch niemand daran denken, „propria...negotia Christi negotia... preaferenda“ 116 (die eigene Sache der Sache Christi vorzuziehen), da diese nun absolute Priorität besitze, da sie nie mehr wiederkehren werde („quod recuperari ultra non possit“ 117 ).

Auch warnt Bernhard vor einem ähnlichen Desaster wie dem des sogenannten „Armenkreuzzuges“ unter der Führung von Peter von Amiens (oder Peter der Einsiedler, † 1115) im Jahre 1096. 118 Es sollen sich keine spontanen Gruppen bilden und in ihrem Eifer ohne Führung und konkreten Plan losziehen. Bernhards Vorstellung ist es, daß„Viros bellicosos et gnaros talium duces eligere est, et simul proficisci exercitum Domini, ut ubique habeat robur et non possit a quibuslibet violentiam sustinere“ 119 (kriegstüchtige und kundige Männer als Führer gewählt werden sollen, und das Heer des Herrn gleichzeitig aufbrechen soll, damit es überall Stärke zeige und der Gewalt jedes beliebigen Feindes standhalten könne). Eine durchaus realistische Forderung.

Den Tag des Aufbruchs gibt Bernhard mit „in proximo Pascha“ 120 (am nächsten Osterfest), der Weg würde „per Hungriam“ 121 (durch Ungarn) führen.

Weitere Ausführungen zum Verlauf des Zweiten Kreuzzuges werden im nächsten Kapitel offeriert.

4. Der Zweite Kreuzzug (1147-1149)

Nach mehrmaligen Aufrufen des Papstes und vielen Kreuzzugspredigten und - rundbriefen seitens Bernhards von Clairvaux nahm man sich noch ein Jahr Zeit, Vorbereitungen zu treffen und die Marschruten zu planen. Der Aufbruch zum eigentlichen Kreuzzug erfolgte in Deutschland im Mai 1147 von Regensburg, in Frankreich wenige Wochen später aus Metz. 122 Das Heer Konrads III. gelangte ohne weitere Schwierigkeiten im September nach Konstantinopel. Jedoch war es vorher schon zu einer Abspaltung des deutschen Heeres, die sich gegen die heidnischen Slawen richtete, gekommen. 123 Entgegen des ursprünglichen Planes wartete das deutsche Heer in Konstantinopel nicht auf seine französischen Genossen, sondern setzte sogleich nach Kleinasien über. Es kam dort also zu keinem großen Zusammenschlußbeider Kräfte, wie es während des Ersten Kreuzzuges der Fall gewesen war. Die Deutschen beschlossen, sogleich nach Edessa vorzustoßen. In Anatolien entschloßman sich zu einer erneuten Spaltung des deutschen Heeres. Ca. 14 000 Nichtkämpfer unter Bischof Otto von Freising (1138-1158) und Graf Bernhard von Kärnten 124 entschieden sich für den Weg die Küste entlang, während das Hauptheer die Straße des Ersten Kreuzzuges wählte. Eine weitere Trennung mußte aufgrund von Wassermangel in Inneranatolien unternommen werden, so daßvon dem Großteil des ursprünglichen Zusammenhaltes des deutschen Heeres nicht mehr viel übrig war. 125

Indessen war das französische Heer unter Ludwig VII. am 4. Oktober 1147 nach Konstantinopel gelangt. Hatte schon Konrad III. kein sehr gutes Verhältnis zum byzantinischen Monarchen Manuel Komnenos (1118-1180), so gab es auch in der französischen Gruppe eine starke antibyzantinische Front unter der Führung von Bischof Gottfried von Langres (1138-1163). So kam es also auch in innerchristlichen Kreisen Unstimmigkeiten und Feindschaften, die eine Unterstützung beider Kreuzzugsheere erschwerte, wenn nicht gar absichtlich verhinderte. 126 Eine Vereinigung der Deutschen und Franzosen fand endlich in Nicaea statt, doch zum Teil durch viele vereinzelte Kämpfe mit Türken oder Seldschuken sah man besonders das deutsche Heer arg geschrumpft. Auch durch ständige interne Streitereien und Kämpfen zwischen der deutschen Nachhut und französischen Vorhut schwanden die Kräfte, ebenso der Zusammenhalt untereinander 127. Es erreichten nur 1/10 des deutschen Zuges die sicheren Stadtmauern Nicaeas, von wo der Rest letztendlich gemeinsam mit dem französischen Heer über Smyrna nach Ephesus zogen. Hier erkrankte jedoch Weihnachten 1147 Konrad III. und mußte nach Konstantinopel zurückkehren. Auch nur 7000 Gefolgsleute des deutschen Zweigheeres an der Küste erreichten mit letzter Kraft per Schiff die heilige Stadt Jerusalem.

Im April 1148 zog Konrad III. gesundet und mit einer Unterstützung von 13 000 frischen Soldaten ebenfalls in Jerusalem ein. Dort versammelten sich ein letztes Mal der Rest des französischen Heeres, das deutsche Heer mit den neuen Soldaten Konrads III., sowie das christliche Heer Jerusalems, welches sich noch seit dem Ersten Kreuzzug dort aufhielt. Der Plan besagte, nach Edessa zu ziehen, doch Edessa schied seit 1146 zerstört als Kriegsziel aus. Nach einiger Debatte faßten die Führer „den grenzenlos dummen Beschluß“ 128, ihre kriegerische Energie auf Damaskus zu lenken und die Stadt zu erobern. Damit schnitten sie sich aber ins eigene Fleisch, war Damaskus doch dem muslimischen Herrscher Nur ad - Din († 1147), dessen Truppen man bekämpfte, gegenüber feindlich eingestellt, zudem hing „an der seit 1139 bestehenden Allianz mit Damaskus gegen Aleppo...der Bestand des Königreiches“ 129, die man auf keinen Fall preisgeben durfte. Auch die Durchführung des Angriffs war mehr als unsinnig. Nach längerer Belagerung der Stadt sah man sich aufgrund von Wassermangel und Hitze gezwungen, das Vorhaben abzubrechen. Einen erheblichen Beitrag zur Niederlage bzw. zum Scheitern dieser Verzweiflungstat leisteten die zerstrittenen christlichen Heere selbst, die sich nicht einigen konnten, keiner gemeinsamen Führung unterstellt waren und sich sogar untereinander mißtrauten. Andererseits mußte man schon im Hinblick auf die Erwartungen Europas Erfolge, zumindest aber Taten zeigen, doch die Einnahme Damaskus´ war von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Das islamische Heer war schon vorher durch die vielen Erfolge gegen die Christen motiviert und befand sich nun eindeutig in der Offensive. Der Zweite Kreuzzug war damit gescheitert.

Konrad III. verließam 8. September 1148 „erbittert“ 130 mit seinem Heer das Heilige Land, König Ludwig VII. folgte ihm Ostern 1149. Die Hauptgründe für die Niederlage des großangelegten Kreuzzuges waren Uneinheitlichkeit in der Führung, Fehlplanung, mangelnder Gemeinschaftssinn und wohl auch die zunehmende Sucht nach eigenem Ruhm und Beute. Es kam immer wieder zu Plünderungen und Brandschatzungen anderer Besitztümer auf dem Weg nach Palästina.

Europa war so schnell nicht wieder für einen Kreuzzug zu gewinnen, der glorreiche Gedanke eines alles umspannenden Christentums war vorerst am Boden.

5. Bernhards Rechtfertigung zur Niederlage des Zweiten Kreuzzuges

5.1 Vorwort

Verständlicherweise fiel die größte Kritik am gescheiterten Kreuzzugsunternehmen auf seinen eifrigsten Förderer und Propagandisten Bernhard von Clairvaux. Schließlich war er es, der die stärkste Antriebskraft gewesen war und die größten Versprechungen gemacht hatte. In diesem Kapitel soll auf der Grundlage von Bernhards Schrift „Apologia super consumptionem Ierosolymitarum“ 131 untersucht werden, wie der Abt seine Verteidigung unterbreitet und welche Argumentationen er vorbringt. Auch hier weißer geschickt seine Gründe und Ansichten ins rechte Licht zu rücken.

5.2 Analyse der Apologia Bernhards

Dieser Brief zeigt auf, welche Unfaßbarkeit Bernhard angesichts des katastrophalen Ausgangs des Zweiten Kreuzzuges fühlt, er läßt aber auch ahnen, welcher Kritik der Abt nach dem Scheitern ausgesetzt gewesen sein mag. Bernhard versucht nun, sein Wirken und Engagement in Einklang mit dem göttlichen Willen zu bringen und den Ausgang des Kreuzzuges zu rechtfertigen.

Doch vorerst läßt er seiner Erschütterung freien Lauf. 132 Zwar stellt er die Gerechtigkeit Gottes nicht in Frage („in aequitate quidem“ 133 ), jedoch scheint es ihm so, als habe Gott kein Mitleid mehr und schon jetzt Sein Urteil über die Welt und im Besonderen über das Unternehmen Kreuzzug gefällt: „ante tempus (Hervorhebung d. Verf.) quodammodo visus sit iudicasse orbem terrae“ 134 (es scheint, als hätte Er den Erdkreis gewissermaßen vor der Zeit gerichtet). Weder „pepercit populo suo, non suo nomini“ 135 (hat er Sein Volk geschont, noch Seinen Namen). Das Ergebnis von Gottes Zorn waren Tausende von toten Kreuzfahrern, „aut interfecti gladio, aut fame consumpti“ 136 (entweder vom Schwert erschlagen oder vor Hunger verschmachtet). Doch trotz dieser schrecklichen Schilderungen bleibt Gottes Heilsplan mit den Menschen bestehen, denn Gott ist ja „non adversum vos, sed pro vobis“ 137 (nicht gegen euch, sondern für euch)! Bernhard setzt hier zwei biblische Stellen allen möglichen Zweifeln an dieser Behauptung entgegen. Als Mose das israelitische Volk aus Ägypten führte, kamen sie auch nicht sofort in das Gelobte Land, im Gegenteil, viele Menschen fanden den Tod auf dem harten Marsch, und Gott ließSein Volk weitere 40 Jahre in der Wüste herumirren. 138 Dies war kein Fehler des Führers Mose, sondern alles geschah unter Gottes Führung und Leitung („Omnia faciebat Domino imperante, Domino cooperante“ 139 ). Die Menschen sollten zur Demut zurückgeführt werden.

Auch als die Stämme gegen Benjamin zogen, waren sie nicht sofort siegreich. Zwei bittere Niederlagen mußten sie hinnehmen, bis ihnen Gott den Sieg schenkte. 140 In beiden Beispielen sucht Bernhard für die Gescheiterten Trost zu finden. Gottes Verheißungen bleiben bestehen, trotz scheinbarer Widersprüche gegen Seine Güte („Neque enim aliquando promissiones Die iustitiae Die praeiudicant.“ 141 )

Andererseits legt Bernhard auch eine gewisse Teilschuld in die Hände der Kreuzfahrer selbst. Ja, sie hätten ihre Schuld sogar selbst zugegeben! Bernhard klagt die ständigen Zweifel innerhalb der Heere an, offenbar waren sie nicht mit ganzem Herzen dabei, sondern „Quando et isti per totam viam non redierunt corde in Aegyptum?“ 142 (Wann kehrten sie auf ihrem ganzen Weg nicht mit dem Herzen nach Ägypten zurück?). Es kam also zu einer Niederlage aufgrund von mangelndem Vertrauen auf Gott und ständigem Murren, sowie Uneinigkeit unter den Führenden. Ähnlich wie bei Israels Exodus, hat Gott auch unter die Kreuzfahrer die gerechten Strafen verhängt, welche aber niemals Gottes Gerechtigkeit und Verheißungen aufheben. Aber es sei eben kein Wunder, daßdas Unternehmen zum Scheitern verurteilt war, denn was den Israeliten widerfahren ist, gelte auch für die jetzigen Gene rationen. Auch die Kreuzfahrer haben nicht aufgehört, sich dem Bösen zuzuwenden.

Nichtsdestotrotz wird offenbar, daßselbst Bernhard an die Grenzen seines Verstehens für den göttlichen Willen gestoßen ist: "Beatum, qui non fuerit scandalizatus in eo“ 143 (Selig, wer daran keinen Anstoßnimmt). Wem sich ein solcher Abgrund auftut, wie es den Kreuzfahrern geschehen ist, stößt unweigerlich auf die Grenzen seines Vertrauens auf Gott und des Glaubens. Gottes Urteil war grausam, dennoch bemüht sich Bernhard, nichts Schlechtes an seinen Herrn herankommen zu lassen. Er hält fest an Gott, vertraut Ihm weiterhin, denn „Gloria mihi est, consortem fieri Christi“ 144 (Es ist mir Ehre, ein Teilhaber an Christi Schicksal zu sein). Mögen ihn all die „detrahentium linguas meledicas et venenata spicula blasphemorum“ 145 (Schmähungen der Verleumder und die Giftpfeile der Lästerer) treffen, die Hauptsache ist, nichts davon gelangt zu Gott, Er soll unangetastet und heilig bleiben. Bernhard will Ihm als Schutzschild dienen.

Des weiteren versucht Bernhard selbst, sich vor Anschuldigungen und Kritik von außen zu rechtfertigen. Er, der sein Tun und Wirken stets als Gottesgebot und Gottesliebe ansah 146, ist plötzlich Zielscheibe vieler Anschuldigungen und bemüht sich, seine Person im Zusammenhang mit dem negativen Ausgang des Kreuzzuges ins rechte Licht zu rücken. Offenbar hat man „seine den Willen Gottes vermittelnde Funktion“ 147 in Zweifel gezogen („...apud eos qui facta ex eventibus aestimant“ 148 - bei denen, die die Taten nach ihren Erfolgen beurteilen). Doch auch dagegen weißsich Bernhard zu wehren, indem er die oben erwähnten Bibelstellen als Gegenbeweise zitiert 149 und das Scheitern des Kreuzzuges als Glaubensprüfstein anerkennt. Denn trotz Unterlegenheit im Kampf sei Israel um so stärker im Glauben geworden 150, was Bernhard scheinbar als Selbstverständlichkeit auch bei den Kreuzfahrern annimmt. Er beharrt am Ende seiner Apologie geradezu darauf, daßdie einzig richtige Haltung trotz der Niederlage nur das Vertrauen auf Gott sein kann. Daher auch die Bereitschaft, für Gott / anstelle Gottes alle Schmähungen auf sich zu nehmen: „Non recuso inglorius fieri, ut non irruatur in Dei gloriam“ 151. Gottes Wille bleibt manchmal also unbegreiflich und unerklärlich, doch Er ist es, der über allem steht. „Ieiunavimus, et non aspexit, humiliavimus animas nostras, et nescivit“ 152 (wir haben gefastet, und Er hat es nicht gesehen, wir haben uns gedemütigt, und Er hat es nicht gemerkt). Dies besagt, Gott hatte Seine eigenen Pläne, wenn sie auch unverständlich sind, so gilt es doch, an Seiner Weisheit und Seiner Gnade festzuhalten.

6. Zusammenfassung und Schluß

Zeit seines Lebens war Bernhard eine umstrittene Persönlichkeit, was in der Niederlage des Zweiten Kreuzzuges seinen Höhepunkt fand. Er hatte Tausende in den Tod geschickt, und die Menschen sahen sich verführt und betrogen. Doch trotz der vielen Anschuldigungen war Bernhard durchaus noch einmal bereit, wiederum für einen Kreuzzug zu werben, in dem er sogar als Führer fungieren sollte. 153 Doch schon die Vorbereitungen scheiterten wegen Unstimmigkeiten seitens der Fürsten im Orient und im Westen.

Es ist aber zu beachten, daßBernhard nie einen Eroberungskrieg wollte, wenn man dies auch aufgrund seiner eifrigen Werbung für den Kreuzzug und seiner Verbissenheit und Sturheit 154 annehmen kann! Bernhard wollte im Grunde der Welt entfliehen und ihr entsagen 155, so daßer sich vollkommen dem Willen Gottes öffnen konnte. Für ihn bestand die Überzeugung, ein Werkzeug Gottes zu sein, woraus sich automatisch seine innerweltliche Tätigkeit ergab. Er handelte nie aus Berechnung oder Eitelkeit 156, sondern stellte die Sache, z. B. das Wohl der Kirche, immer über die Person. Ausschlaggebend für Bernhards Handeln war seine Meinung, er lebe den Gottesdienst. 157 Dies mag sogar das Schlagwort seines ganzen Lebens sein, das, was ihn selbst und sein Leben ausmachte: Gottesdienst. Bernhard selbst wollte nie im Mittelpunkt stehen.

Dann scheint es doch erstaunlich, daßBernhard trotz solch einer Demut seiner eigenen Person einen so ausschlaggebenden und eindrücklichen Erfolg bei den Massen hatte. 158 Der christliche Adel in jener Zeit fand in Bernhard einen Mann der mutigen Tat, und für die Bauern, Armen und Unterdrückten bot er eine Identifikationsmöglichkeit in seiner (selbst gewählten) Armut und Bedürfnislosigkeit. Bernhard blieb immer „einer von ihnen“, ein Mensch mit Schwächen und Gebrechen 159, sowohl in Körper, als auch in der Seele.

Ein nicht zu vergessener Grund für seine große Einflußnahme auf Menschen jeglicher sozialer Schichten war aber auch seine meisterhafte Rhetorik. Diese gilt es auf keinen Fall zu unterschätzen! Seine Werbebriefe sind „Meisterstücke der Psychologie“ 160. Bernhard hatte eine hervorragende Selbst - und Menschenkenntnis 161, die er zur Verfassung seiner Briefe und Predigten nutzte. Wo immer er konnte, führte er Zitate oder ganze Passagen aus der Bibel an, um seiner Autorität als Sprachrohr Gottes Ausdruck zu verleihen. Oft zielte Bernhard auch auf die Emotionen der betreffenden Personen ab, um ihnen so durch seine Sensibilität und Beredsamkeit das Gute und die Liebe Christi nahe zu bringen und sie zum Handeln aufzufordern. Daher konnte man nach Bernhards Auffassung im Kreuzzug Gott und seinem Nächsten dienen. Alle Laien waren somit in den Dienst der Kirche gestellt, so daßsie ihren Beitrag zum Werk der Erlösung leisten konnten, sowohl für sich, als auch für andere. 162 Doch Bernhard neigte zum Idealismus. Er wollte ein Unternehmen, den Kreuzzug, auf die gesamte Christenheit ausdehnen, hat sich aber nicht über die verschiedene n Wege ins Heilige Land und die Strategien eines solch umfassenden Planes informiert. Er kannte die Gefahren nicht, die auf dem Marsch lauerten, rechnete nicht mit Uneinheitlichkeiten der Führer und Heere, ebensowenig wie mit Streitereien untereinander, wo man doch für ein und dieselbe Sache, nämlich den Namen Christi, kämpfte. Bernhard durchdachte nicht die Praxis, war hauptsächlich ein Mensch des Denkens und der Kirche. Die Rolle, die Bernhard im Zweiten Kreuzzug gespielt hat, zeigt klar die Grenzen auf, auf die auch ein so fähiger und begabter Mann des Geistes stößt, wenn er Politik treibt! 163 „Der Mönch, der dauernd mit weltlichen Geschäften befaßt war, ohne Laie zu sein, mit kirchlichen, ohne Lenker der Kirche zu sein“ 164 wurde von Papst Alexander III. (1159-1181) 1174 heilig gesprochen. Pius VIII. (1829-1830) erhob ihn 1830 zum Kirchenlehrer. 165

Literaturverzeichnis

Vorbemerkung:

Als Kurztitel in den Anmerkungen dient jeweils das / die m. E. aussagekräftigste/n

Substantiv/e des Gesamttitels. Die verwendeten Abkürzungen richten sich nach:

Schwertner, S.: Theologische Realenzyklopädie. Abkürzungsverzeichnis, 2. Aufl., Berlin 1994

a) Quellen:

- Winkler, G. B. (Hg.): Bernhard von Clairvaux. Sämtliche Werke lateinisch / deutsch, Bd. I - III; Bd. X, Innsbruck 1990-1999

b) Hilfsmittel:

- Nestle, E. und E. / Aland, K. und B. u. a. (Hgg.): Novum Testamentum Graece, 27. rev. Aufl., Stuttgart 1998

- Sinz, P. (Hg.): Das Leben des heiligen Bernhard von Clairvaux (Vita prima). Herausgegeben, eingeleitet und übersetzt von Paul Sinz, Düsseldorf 1962

c) Sekundärliteratur (in alphabetischer Reihenfolge):

- Bredero, A. H.: Bernhard von Clairvaux. Im Widerstreit mit der Historie, Institut für europäische Geschichte Mainz. Vorträge, Nr. 44, Wiesbaden 1966
- Busse, H.: Art. Atabeg, LMA I, München / Zürich 1980, Sp. 1158
- Diehrs, M.: Bernhard von Clairvaux. Elitäre Frömmigkeit und begnadetes Wirken. Beiträge zur Geschichte der Philosophie und Theologie des Mittelalters, Neue Folge, Bd. 34, Münster 1991
- Dinzelbacher, P.: Bernhard von Clairvaux. Leben und Werk des berühmten Zisterziensers. Gestalten des Mittelalters und der Renaissance, Darmstadt 1998
- Fechner, H.: Die politische Tätigkeit des Abtes Bernhard von Clairvaux in seinen Briefen, Bonn / Köln 1933
- Grill, J.: Art. Bernhard von Clairvaux, Die Heiligen ihrer Zeit II, 3. Aufl., Mainz 1967
- Huhn, W.: „Die heilige Narrheit“. Bernhard von Clairvaux, die Kreuzzüge und der „Pfaffenregent“ Konrad, Schwerte - Ruhr 1953
- Kandler, K. - H.: Christliches Denken im Mittelalter bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts, Kirchengeschichte in Einzeldarstellungen I / 11, Leipzig 1993
- Leclercq, J.: Bernhard von Clairvaux. Ein Mann prägt seine Zeit, München u. a. 1990
- Mayer, H. E.: Geschichte der Kreuzzüge, Stuttgart 1965
- Runciman, S.: Geschichte der Kreuzzüge, Bd. I - II, München 1957-1958
- Steinen, W. v. d.: Bernhard von Clairvaux. Leben und Briefe, Breslau 1926
- Wentzlaff - Eggebert, F. - W.: Kreuzzugsdichtung des Mittelalters. Studien zu ihrer Geschichte und dichterischen Wirklichkeit, Berlin 1960
- Winkelmann, F.: Die Kirchen im Zeitalter der Kreuzzüge (11.-13. Jahrhundert), Kirchliche Darstellungen I / 10, Leipzig 1994

[...]


1 Kandler, K. - H., Christliches Denken, S. 68.

2 Bernhard v. C., Sämtliche Werke I, S. 660-667.

3 Die ersten beiden Viten sind verfaßt von Gottfried von Auxerre und Wilhelm von Saint - Thierry, Freunden und engen Vertrauten Bernhards, der dritte Zeuge ist ein gewisser Berengar (Lebensdaten unbekannt), der von Bernhard eher eine Karikatur verfaßt hat, die aber wohl wenig den historischen Menschen zeigen will.

4 An dieser Stelle gibt es schon das erste Problem. Die Vertreter der Kirchengeschichte sind geteilter Meinung, was das Geburtsjahr Bernhards angeht, so ist s ich Bredero, A. H. sicher und sieht auch die historischen Fakten hinter sich, daßBernhard im Jahre 1091 geboren wurde, vgl. Bredero, A. H., Widerstreit, S. 20 und 237-241. Viele andere Kirchenhistoriker sprechen sich aber für das Geburtsjahr 1090 aus, so z. B. Leclercq, J., Bernhard, S. 13 oder Dinzelbacher, P., Leben und Werk, S. 3. Ich möchte mich der allgemeineren Meinung anschließen und entscheide mich für 1090.

5 Geburts - und Todesdaten sind unbekannt.

6 Es ranken sich sogar einige Legenden um Aleth, so habe sie während ihrer Schwangerschaft einen Traum über das spätere Wirken Bernhards gehabt, in dem ihrem Sohn ein herausragendes Leben als Geistlicher gedeutet wurde, vgl. Leclercq, Bernhard, S. 13f.

7 Vgl. dazu auch Dinzelbacher, P., Leben und Werk, S. 6 und Leclercq, J., Bernhard, S. 14-17.

8 Leclercq, Bernhard, S. 16.

9 Leclercq, J., Bernhard, S. 16.

10 Offenbar brachte diese Schule einige sehr gute und begabte Schriftsteller hervor, von denen jedoch keiner die Berühmtheit eines Bernhard von Clairvaux erlangte, s. Leclercq, J., Bernhard, S. 15.

11 Zumal Bernhard selbst nichts über seine Kindheit und Jugend in seinen Briefen berichtet und nie darüber gesprochen hat, vgl. auch Dinzelbacher, P., Leben und Werk, S. 5 und Leclercq, J., Bernhard, S. 9.

12 Mit Leclercq, J., Bernhard, S. 23 und Dinzelbacher, P., Leben und Werk, S. 10. So meint Dinzelbacher zu wissen, daßBernhard dachte, er tauge nicht für die Welt, er habe Angst, bei all den Versuchungen der Welt seine Seele nicht retten zu können, vgl. Leben und Werk, S. 14.

13 So meint Dinzelbacher, P., Leben und Werk, S. 14.

14 Auch hier ist sich die Bernhard - Forschung nicht einig, wann sein Eintritt ins Kloster korrekt zu datieren ist.

15 Es handelte sich um ein sehr strenges Kloster, dessen Mönche nach der Benediktusregel lebten: diese beruhten hauptsächlich auf den Idealen und Normen der Urkirche, den Tagesablauf bestimmten Liturgie und Arbeit, vgl. Dinzelbacher, P., Leben und Werk, S. 23.

16 S. Leclercq, J., Bernhard, S. 35 und 42.

17 Der Name Clairvaux stammt von dem Lateinischen clara vallis (= helles Tal). Im Zuge der ständigen Sprachveränderung im Raume Frankreichs entstand erst die Schreibweise „Clervauz“, dann das heutige Clairvaux, vgl. Dinzelbacher, P., Leben und Werk, S. 32.

18 Leclercq, J., Bernhard, S. 52: Bernhards Briefe sind in ihrer Aussage sehr genau, sie entsprechen der kirchlichen Tradition und sind doch zugleich sehr persönlich und kunstvoll verfaßt. Das läßt sich höchstwahrscheinlich auf „eine Persönlichkeit, ein Talent und eine Gnade ganz außergewöhnlicher Art“ zurückführen.

19 In dieser Hinsicht ist Bernhard sehr genau! Er überarbeitet jeden einzelnen seiner Briefe und ordnet die Hälfte seiner Briefe in eine streng gegliederte Sammlung ein. Doch einige Briefe sondert er aus, die Kriterien für diese Auswahl bleiben aber im Dunkeln. So fehlt uns ja auch die Kreuzzugspredigt von Vézelay. Vgl. Leclercq, J., Bernhard, S. 103f.

20 Die Antwort auf den Brief seines Onkels schreibt er z. B. „in lectulo decumbentem“, Bernhard v. C., Ep 288, Sämtliche Werke III, S. 203. Ebenfalls wird Bernhard 1118 veranlaßt, aufgrund einer schweren Magenerkrankung jede Anstrengung und Askese zu vermeiden, so daßer sich für ein Jahr „eine Auszeit“ nimmt, s. Bernhard v. C., Sämtliche Werke I, S. 38.

21 S. Dinzelbacher, P., Leben und Werk, S. 26, vgl. aber auch Sinz, P., Leben, S. 161.

22 Vgl. Bernhards Schrift „Liber ad milites templi“, Bernhard v. C.., Sämtliche Werke, Bd. I, S. 11-31.

23 Diese und ähnliche Gedanken sind für die spätere Analyse der Rundbriefe für einen erneuten Kreuzzug zu beachten, da Bernhard einige dieser Grundüberzeugungen weitergibt.

24 Leclercq, J., Bernhard, S. 104.

25 Es gibt keine einheitliche Erkenntnis über die Ursache und die Thematik der Streitereien, möglicherweise waren diese politischer, ekklesiologischer oder sozialer Natur, vgl. Leclercq, J., Bernhard, S. 84f und Kandler, K. - H., Christliches Denken, S. 69.

26 Bernhard v. C.., De consideratione ad Eugenium papam. Sämtliche Werke, Bd. I, S. 626-827.

27 Zu finden in: Winkler, G. B. in: Bernhard v. C., Sämtliche Werke III, S. 648-661und IV, S. 894- 901. Zwar läßt sich in Ep 457 ebenfalls ein Aufruf sehr ähnlicher Art finden, doch dieser gilt hauptsächlich dem „Wendenkreuzzug“ gegen die Bedrohung der Slawen, vgl. Bernhard v. C., Sämtliche Werke, Bd. IV, S. 890-893.

28 Für die Datierung von Ep 363 spricht der Bezug zur Judenverfolgung, die Bernhard verhindern will. Deshalb mußer gleichzeitig oder unmittelbar nach Ep 365 geschrieben worden sein, der davon in besonderer Weise handelt, vgl. Winkler, G. B. in: Bernhard v. C., Sämtliche Werke III, S. 1184. Ep 458 wird wohl eher Anfang 1147 verfaßt worden sein, da er sich auf den die Kreuzzugsaufforderung betreffenden Reichstag von Regensburg am 13. Februar 1147 Bezug nimmt. Winkler lehnt sich aber auch an Ausführungen von Leclercq, J., vgl. Winkler, G. B. in: Bernhard v. C., Sämtliche Werke III, S. 1220f.

29 Bernhard v. C., Sämtliche Werke III, S. 446-449. Datierung unbekannt.

30 Bernhard v. C., Sämtliche Werke III, S. 890-893. Datierung unbekannt.

31 Bernhard v. C., Sämtliche Werke III, S. 984-986. Der Brief kann zwischen Mai und Juni 1150 datiert werden, vgl. Winkler, G. B. in: Bernhard v. C., Sämtliche Werke III, S. 1231.

32 Bernahrd v. C., Sämtliche Werke III, S. 1038-1041. Angaben für die Datierung sind entweder Januar - Mai 1147 oder November - Dezember 1146, vgl. Winkler, G. B. in: Bernhard v. C., Sämtliche Werke III, S. 1237

33 Bernhard v. C., Sämtliche Werke I, S. 268-321. Wahrscheinlichstes Entstehungsdatum ist wohl knapp vor 1130, möglich ist aber auch ein späteres Datum, vgl. Winkler, G. B. in: Bernhard v. C., Sämtliche Werke I, S. 259.

34 Die Dynastie der „Zengiden von Monsul“ behauptete die Jahre 1127-1222, vgl. Busse, H., Atabeg, LMA I, Sp. 1158.

35 Winkelmann, Zeitalter, S. 55.

36 Bernhard v. C., Ep 363, S. 650 u. 652.

37 Bernhard ist äußerst auf Rom fixiert, sein Verständnis der Kirche leitet er von den Ursprüngen der ersten Gemeinden sowie Petrus und Paulus her, s. Dinzelbacher, P., Leben und Werk, S. 285.

38 Obwohl er sich ansonsten stets gegen jegliche Pilgerfahrten ins und Ordensgründungen im Heiligen Land ausgesprochen hat. Vergebung der Sünden und ein gottgeweihtes Leben kann man seiner Meinung nach durchaus in seiner Heimatstätte erfahren. Er drohte sogar mit Exkommunikation seiner Mönche im Falle einer Wallfahrt! Vgl. Dinzelbacher, P., Leben und Werk, S. 285.

39 Hierbei ergibt sich das Problem, daßgar nicht gewißist, ob Bernhard seine Predigt überhaupt gehalten hat, geschweige denn ob er anwesend war!! Es ist kein Text der Ansprache erhalten. Wie hätte er sich auch verständigen können vor Fürsten und Vertretern der verschiedenen Länder? Wenig später veröffentlichte Bernhard aber Ep 363, welcher als Enzyklika aufgenommen wurde, vgl. Leclercq, J., Bernhard, S. 97.

40 Steinen, W. v. d., Briefe, S. 34. Vgl. dazu auch Runciman, Geschichte II, S. 243: „Die Männer begannen, nach Kreuzen zu rufen: `Kreuze! Gebt uns Kreuze!´“.

41 S. Dinzelbacher, P., Leben und Werk, S. 286.

42 Möglich ist es, daßes sich nicht nur um einfache Begeisterung handelt, sondern schon um Massenpsychose, da viele Zuhörer während der Predigten Halluzinationen hatten (z. B. Feuerkreuze am Himmel). Es könnte sich dabei um Autosuggestionen handeln, die aber nur wenige Tage anhielten. Die Menschenmassen standen „unter dem Eindruck der faszinierenden Erscheinung des heiligen Bernhard“, wahrscheinlich ist, daßder Dolmetscher gar nicht zu Wort kam! Huhn, W., Narrheit, S. 5. Huhn sieht die Begeisterungsfähigkeit des Volkes auf die Auftritte Bernhards äußerst kritisch!

43 Fechner, H., politische Tätigkeit, S. 45.

44 S. Dinzelbacher, P., Leben und Werk, S. 287.

45 Bernhard v. C., Ep 363, S. 656, Z. 9. „Das Kreuz auf sich nehmen“ beruht auf Lk 14,27: ostij ou bastazei ton stauron eautou kai ercetai opisw mou, ou dunatai einai mou maqhthj. Der Vers bezieht sich auf die direkte Nachfolge Christi.

46 Bernhard v. C., Ep. 363, S. 654, Z. 17.

47 Insgesamt dreimal in Ep 363, viermal sogar in Ep 458, zweimal in Ep 521.

48 Bernhard v. C., Ep 363, S. 650, Z. 6., ebenso wie Ep 458, S. 896, Z. 14.

49 Beide Zitate: Bernhard v. C., a. a. O., Z. 7.

50 Beide Zitate: Bernhard v. C., Ep 458, S. 896, ZZ. 15f.

51 Bernhard v. C., Ep 521, S. 984, Z. 9f.

52 Bernhard v. C., Ep 363, S. 650, Z. 5 und Ep 458, S. 896, Z. 13f.

53 Bernhard v. C., Ep 363, S. 650, Z. 9f.

54 Wentzlaff - Eggebert, Kreuzzugsdichtungen, S. 9.

55 Runciman, Geschichte I, S. 38.

56 Bernhard v. C., a. a. O., Z. 8f.

57 Bernhard v. C., a. a. O., Z. 9.

58 Bernhard v. C., a. a. O., Z. 13.

59 Bernhard v. C., a. a. O., Z. 14.

60 Vgl. Runciman, a. a. O.

61 Bernhard v. C., Ep 458, S. 896, Z. 21.

62 Bernhard v. C., Ep 363, S. 652, Z. 3f.

63 Diers, M., Frömmigkeit, S. 357.

64 Z. B. Quid facitis, viri fortes?, Itane dabitis sanctum canibus et margaritas porcis? (Ep 363, S. 652, Z. 1f.), Quid moramini, servi crucis?, Quid dissimulatis vos, quibus nec robur corporum, nec terrena substantia deest. (Ep 458, S. 898, Z. 5f.).

65 Bernhard v. C., Ep 458, S. 894, Z. 7.

66 Bernhard v. C., Ep 363, S. 652, Z. 1f.

67 Er schmeichelt ihnen mit Bezeichnungen wie „viri fortes“ (Ep 363, S. 652, Z.1), fecunda virorum fortium terra vestra et robusta...iuventute referta (Ep 363, S. 654, Z. 15f.), laus est vestra in universo mundo (a. a. O., Z. 16.)

68 Bernhard v. C., Ep 458, S. 898, Z. 14.

69 Bernhard v. C., Ep 363, S. 654, Z. 1.

70 Bernhard v. C., a. a. O., Z. 2.

71 Bernhard v. C., a. a. O., Z. 7.

72 Bernhard v. C., Ep 458, S. 896, ZZ. 7-9.

73 Bernhard v. C., Ep 363, S. 654, Z. 1.

74 Bernhard v. C., a. a. O., Z. 4.

75 Bernhard v. C., a. a. O., Z. 14.

76 Bernhard v. C., a. a. O., Z. 2f.

77 Diehrs, M., Frömmigkeit, S. 362.

78 Bernhard v. C., a. a. O., Z. 5f.

79 Diehrs, M., Frömmigkeit, S. 361.

80 Bernhard v. C., Ep 363, S. 652, Z. 11.

81 Bernhard v. C., Ep 363, S. 654, Z. 2.

82 Cesset pristina illa non militia ,sed plane malitia (schönes Wortspiel zwischen militia und malitia), qua soletis invicem sternere, invicem perdere, ut ab invicem consumamini, Bernhard v. C., Ep 363, S. 656, Z1f. Vgl. dazu auch bernhards Schrift Ad milites Templi, S. 274 ebenso prangert er die kalten Herzen der Fürsten an („Intepuerunt corda principum.), Ep 521, S. 984, ZZ. 16-19 und Ep 288, S. 446, ZZ. 8-10.

83 Bernhard v. C., Ep 363, S. 656, Z. 6f.

84 Bernhard v. C., Ep 363, S. 654, Z. 17.

85 Mit Diehrs, M., Frömmigkeit, S. 363.

86 Dinzelbacher, P., Leben und Werk, S. 288.

87 Suscipe Crucis signum, et omnium pariter, de quibus corde contrito confessionem feceris, indulgentiam obtinebis delictorum, Bernhard v. C., Ep 363, S. 656, Z. 9f.

88 Bernhard v. C., Ep 458, S. 898, Z. 10.

89 Vgl. Dinzelbacher, P., Leben und Werk, S. 297.

90 Bernhard v. C., a. a. O., Z. 7f.

91 Bernhard v. C., a. a. O., Z. 8.

92 Bernhard v. C., Ep 363, S. 660, Z. 6f.

93 Bernhard v. C., Ep 458, S. 898., Z. 10f.

94 In Ep 363 heißt es noch, Gott werde einem die Sünden vergeben, es Sei die Güte Seines Erbarmens, daßEr „exiguos vermiculos“ (S. 652, Z. 11) zur Rettung Seiner geheiligten Stätte zu Hilfe ruft. Gott möchte Seine Kinder sich für Ihn einsetzen sehen. Jedoch in Ep 458 heißt es, der Pontifex, also Papst Eugen III., habe die Macht und die Befugnis, auf der Erde den Sünder zu lösen (QUODCUMQUE SOLVERIS SUPER TERRA, ERIT SOLUTUM ET IN CAELO, S. 898, Z.8f.) Geht es Bernhard in Ep 458 schon darum, die Bereitwilligkeit der Menschen zum Aufbruch durch die Vereinfachung und nun von einem Menschen verfügte Sündenvergebung zu erhöhen? Schnellerer und sicherer Lohn für schnellere Bereitschaft, dafür zu kämpfen? In Ep 457 wird diese Vermutung ebenfalls nahegelegt. Dort wirbt Bernhard „nur“ für den Wendenkreuzzug, also einen Krieg gegen die den Zug des Kreuzheeres bedrohenden Slawen. Bernhard verspricht „eamdem...indulgentiam hac adepturos expeditione“ (Ep 457, S. 892, Z. 10). Es scheint, als verteile er die Gnade und Vergebung aus der Hand, man müsse nur bereit sein zu kämpfen, um sich die Vergebung quasi „abzuholen“.

95 Bernhard v. C., Ep 363, S. 656, Z. 7f.

96 Bernhard v. C., a. a. O., Z. 8.

97 Dinzelbacher, P., Leben und Werk, S. 287.

98 Bernhard v. C., Ep 458, S. 898, Z. 2.

99 Bernhard v. C., a. a. O., Z. 3f.

100 Dinzelbacher, P., Leben und Werk, S. 288.

101 Dinzelbacher, P., a. a. O.

102 Bsp.: salus nostra (Ep 363, S. 648, Z. 9) , propter nos, Vita nostra (Ep 363, S. 650, Z. 14, ebenso Ep 458, S. 896, Z. 20), arbitramur (Ep 363, S. 652, Z. 9).

103 Bernhard v. C., Ep 363, S. 652, Z. 9, S. 658, Z. 1, S. 660, Z. 8 (dort sogar „fratres mei dilectissimi“).

104 Bernhard v. C., Ep 363, S. 650, Z. 3 und 4.

105 Bernhard v. C., Ep 363, S. 652, Z. 1., ebenso Ep 458, S. 898, Z. 5.106 Bernhard v. C., Ep 363, S. 654, Z. 2 und 7.

107 Bernhard v. C., Ep 363, S. 656, Z. 6f.

108 Noch auf dem Sterbebett ist Bernhard aufgrund der Gefahr in Palästina erschüttert: Vae principibus nostris! (Ep 288, S. 446, Z. 8.). Er wirft den Fürsten in den östlichen Gebieten vor, viel Unheil dort gestiftet zu haben, was ihn scheinbar sehr bedrückt.

109 Bernhard v. C., Ep 363, S. 650, Z. 12.

110 Bernhard v. C., Ep 363, S. 658, Z. 3f.

111 Bernhard wurde sogar von der Judenschaft als Wohltäter angesehen wegen seiner Hilfe, vgl. Dinzelbacher, P., Leben und Werk, S. 291.

112 Dinzelbacher, P., Leben und Werk, S. 292.

113 Bernhard v. C., Ep 363, S. 658, Z. 6f.

114 Bernhard v. C., a. a. O., Z. 7.

115 Vgl. Bernhard v. C., Ep. 363, S. 658.

116 Bernhard v. C., Ep 458, S. 898, Z.12f.

117 Bernhard v. C., a. a. O., Z. 14.

118 Dieser verstand es als begabter Wander - und Bußprediger zwischen 50000 und 70000 Menschen aus den unteren sozialen Schichten um sich zu scharen und ohne Plan, Ausrüstung und Nahrung nach Palästina aufzubrechen. Die Gruppe entwickelte sich zu einer wütenden Schar und ermordeten im Rheinland an die 10000 Juden, sie plünderten und brandschatzten. Im Raum Kleinasiens wurde sie aber von türkischen Heeren immer wieder angegriffen und hatten im Endeffekt keine Überlebenschance, vgl. Bernhard v. C., Ep363, S. 660, ZZ. 14-19. Nicht einmal 10% der Kreuzfahrer hat überlebt.

119 Bernhard v. C., Ep 363, S. 660, ZZ. 12-14.

120 Bernhard v. C., Ep 458, S. 898, Z. 15.

121 Bernhard v. C., a. a. O., Z. 16.

122 Vgl. Mayer, H. E., Kreuzzüge, S. 103.

123 So erklärten die sächsischen Fürsten auf dem Reichstag in Frankfurt im März 1147, daßsie lieber gegen die Slawen, sprich Lutizen, Wenden, Polaben und Obodriten, zögen, mit welchen man sich in einem ständigen Kriegszustand befand und eine Gefahr der Sicherheit für das Kreuzzugsheer darstellten. S. Mayer, Kreuzzüge, S. 102f. und Dinzelbacher, P., Leben und Werk, S. 301f. Bernhard von Clairvaux verfaßte daraufhin ein Schreiben, das den sogenannten "Wendenkreuzzug" proklamiert. Der Abt gibt dieselben Zugeständnisse der vollständigen Sündenvergebung und verspricht sämtliche Vorteile, welche auch den Kreuzfahrern ins Heilige Land zugesichert waren. S. Bernhard v. C., Ep 457, S. 890-893.

124 Seine Geburts - und Todesdaten sind nicht bekannt.

125 Leider sind keine genauen Zahlen bekannt, wie viele Menschen zum Zweiten Kreuzzug aufgebrochen sind. Es dürften aber kaum weniger als beim Ersten Kreuzzug gewesen sein (ca. 120 000).

126 Manuel weigerte sich z. B., für Führer und Lebensmittel zu sorgen, ehe nicht die Beziehungen zum byzantinischen Reich geklärt waren, vgl. Mayer, H. E., Kreuzzüge, S. 105.

127 Der ja nicht besonders gefestigt zu sein schien, bedenkt man einmal die eigenmächtigen Pläne Konrads III., der nicht auf eine Vereinigung mit den französischen Genossen in Konstantinopel, um gemeinsam nach Kleinasien überzusetzen, noch auf einen gemeinsamen Plan gewartet hat.

128 Mayer, H. E., Kreuzzüge, S. 106.

129 Mayer, H. E., a. a. O.

130 Mayer, H. E., Kreuzzüge, S. 107.

131 In: Bernhard v. C., Sämtliche Werke. De consideratione ad Eugenium Papam, Liber II, S. 660-667.

132 Mit Diehrs, M., Frömmigkeit, S. 189f.

133 Bernhard v. C., Apologia, S. 660, Z. 20.

134 Bernhard v. C., a. a. O., Z. 19.

135 Bernhard v. C., Apologia, S. 660, Z. 20 und S. 662, Z. 1.

136 Bernhard v. C., Apologia, S. 662, Z. 3.

137 Bernhard v. C., Ep 363, S. 654, Z. 3f.

138 Vgl. Bernhard v. C., Apologia, S. 662.

139 Bernhard v. C., Apologia, S. 664, Z. 2f.

140 Vgl. Bernhard v. C., Apologia, S. 664.

141 Bernhard v. C., a . a. O., Z. 11f.

142 Bernhard v. C., a. a. O., Z. 8f.

143 Bernhard v. C., Apologia, S. 662, Z. 15.

144 Bernhard v. C., Apologia, S. 666, Z.24f.

145 Bernhard v. C., a. a. O., Z. 21.

146 Er fühlte sich sogar als „gottgesandter Prophet“, Fechner, H., politische Tätigkeit, S.20.

147 Diehrs, M., Frömmigkeit, S. 188.

148 Bernhard v. C., Apologia, S. 666, Z. 15. Die Menschen, die Taten nur nach Erfolgen bewerten, können das tiefe Vertrauen auf Gott nicht empfinden und werden das Positive, das der gescheiterte Kreuzzug mit sich gebracht hat, nämlich die Bekehrung so vieler Seelen („indem sie nämlich bei ihrem Tod auf dem Kriegszug des päpstlichen Ablasses teilhaftig wurden“, Dinzelbacher, P., Leben und Werk, S. 328), nicht begreifen können und wollen. Diese Menschen bezeichnet Bernhard dann auch als „qui dicunt bonum malum et malum bonum, ponentes lucem tenebras et tenebras lucem“, Bernhard v. C., a. a. O., Z. 17f.

149 Trotz Niederlagen haben sich beide biblischen Unternehmen doch als von Gott gewollt erwiesen.

150 Mit Diehrs, M., Frömmigkeit, S. 188.

151 Bernhard v. C., Aplogia, S. 666, Z. 22f.

152 Bernhard v. C., Apologia, S. 662, Z. 10.

153 Am 7. Mai 1150, drei Jahre vor Bernhards Tod, fanden unter Bernhards Beteiligung in Chartres Gespräche mit dem König über ein erneutes Kreuzzugsunternehmen statt, vgl. Dinzelbacher, P., Leben und Werk, S. 332.

154 Diese Seite an ihm sieht auch Diehrs, M., Frömmigkeit, S. 190. Sie bezeichnet diese Eigenschaft Bernhards als „an Starrheit grenzende Haltung des Beharrens“.

155 Vgl. Fechner, H., politische Tätigkeit, S. 15f.

156 S. Fechner, H., politische Tätigkeit, S. 22.

157 Vgl. Fechner, H., politische Tätigkeit, S. 26f. und S. 39f.

158 Siehe die angebliche Kreuzzugspredigt in Vézelay, Punkt 5.2, S. 6.

159 Vgl. seine chronischen Magenschmerzen, Punkt 2.3, S. 3f.

160 Fechner, H., politische Tätigkeit, S. 50.

161 Bernhard war überzeugt, daßeben diese gute Menschenkenntnis und sein Einflußauf Menschen von Gott gegeben war, vgl. Fechner, H., politische Tätigkeit, S. 18.

162 Vgl. Leclercq, J., Bernhard, S. 101.

163 Ich persönlich halte es auch für bedenklich, von sich zu behaupten, „den Willen Gottes auszuführen“. Ein Mensch kann sich nie des Willens Gottes und Seiner Pläne sicher sein. Wie schnell interpretiert man eigene Gedanken in den angeblichen Auftrag Gottes hinein, wie selbstverständlich wird Gott für die eigene Ideologie benutzt...

164 Grill, L., Bernhard v. C., S. 23.

165 Grill, L., a. a. O.

24 von 24 Seiten

Details

Titel
Bernhard von Clairvaux und der Zweite Kreuzzug
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Veranstaltung
Christentum und Islam im Reformationszeitalter
Note
1
Autor
Jahr
2000
Seiten
24
Katalognummer
V103125
Dateigröße
418 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bernhard, Clairvaux, Zweite, Kreuzzug, Christentum, Islam, Reformationszeitalter
Arbeit zitieren
Sabine Reinberg (Autor), 2000, Bernhard von Clairvaux und der Zweite Kreuzzug, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/103125

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