Das Ziel dieser Arbeit ist es, durch die Identifikation möglicher Stressoren und Belastungen zu beurteilen, ob und inwiefern Influencer Stress empfinden und welche potenziellen Auslöser und Belastungsreaktionen in Wissenschaft und Praxis existieren. Die zur Beantwortung der zentralen Forschungsfrage präsentierten Ergebnisse und Zusammenhänge basieren zum einen auf der verfügbaren Literatur, andererseits auf Erkenntnissen aus der Praxis.
Da die wissenschaftliche Literatur bisher keine konkrete Analyse des Stressempfindens aus Influencer Sicht bereitstellt, erweitert die vorliegende Arbeit das Publikationsangebot um erste wichtige Erkenntnisse. Das daraus resultierende, verbesserte Verständnis schafft in der Wissenschaft die Grundlage für eine einheitliche Erforschung und Weiterentwicklung des Techno-Stress-Modells aus Influencer Sicht. Zudem bietet die vorliegende Arbeit neue Stressauslöser und Belastungsreaktionen, welche es weiter zu prüfen gilt.
Des Weiteren bietet sie Ansätze für den zukünftig besseren Umgang mit Influencern aus Follower und Unternehmenssicht und schafft ein Bewusstsein für die negativen Seiten der Influencer-Rolle. Die Masterarbeit richtet sich daher neben der wissenschaftlichen Gemeinschaft auch an all jene, die in der Praxis im Bereich Influencer Marketing tätig und interessiert und an die Social Media Nutzer, die mit Influencern agieren.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretische Grundlagen
2.1 Influencer Marketing in Social Media
2.1.1 Social Media als Teil digitaler Werbung
2.1.2 Social Media Influencer– Begriffsbestimmungen und Abgrenzung
2.1.3 Influencer Marketing – Definition, Einordnung und Abgrenzung
2.2 Technostress – Begriffsbestimmung und Modelle
2.3 Forschungsstand und Forschungslücke
3. Methodik
3.1 Vorgehensweise der semi-strukturierten Literaturanalyse
3.2 Vorgehensweise leitfadengestützter Experteninterviews
3.2.1 Datenerhebung
3.2.2 Qualitative Datenanalyse
4. Forschungsergebnisse
5. Diskussion
5.1 Vergleich und Diskussion der Stressoren und Belastungen
5.1.1 Identifizierte Stressoren
5.1.2 Identifizierte Belastungen (strains)
5.2 Implikationen für Wissenschaft und Praxis
5.3 Limitationen der Arbeit
6. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Das Hauptziel dieser Masterarbeit besteht darin, das Stressempfinden von Social Media Influencern im Kontext ihrer digitalen Tätigkeit zu untersuchen. Ausgehend von der Forschungsfrage, welche Stressoren sich für die Influencer-Rolle identifizieren lassen und wie diese das Belastungsempfinden beeinflussen, leistet die Arbeit einen Beitrag zur Technostressforschung, indem sie die Perspektive der Influencer in den Mittelpunkt stellt.
- Analyse des Phänomens Technostress im Kontext der Influencer-Rolle.
- Erforschung von spezifischen Stressoren wie Arbeitsüberlastung, Invasion in die Privatsphäre und sozialem Druck durch Follower.
- Untersuchung von Belastungsreaktionen (strains) wie Erschöpfung, Burnout-Symptomen und Identitätskonflikten.
- Integration von Erkenntnissen aus Experteninterviews mit Influencern zur Validierung bestehender wissenschaftlicher Modelle.
- Ableitung von Implikationen für die wissenschaftliche Weiterentwicklung sowie für die praktische Stressbewältigung in diesem Tätigkeitsfeld.
Auszug aus dem Buch
2.1.2 Social Media Influencer– Begriffsbestimmungen und Abgrenzung
Lazarsfeld, Berelson und Gaudet führten erstmals 1944 den Begriff „Meinungsführer“ im Zusammenhang einer Untersuchung von persönlichem Einfluss im Kontext zu politischen Themen ein (Dressler and Telle 2009). Sie stellten fest, dass es „auf jedem Gebiet und für jede öffentliche Frage ganz bestimmte Personen gibt, die sich um diese Probleme besonders intensiv kümmern, sich darüber auch am meisten äußern. Wir nennen sie die Meinungsführer“ (Lazarsfeld et al. 1969, S. 84). Durch interpersonelle Kommunikation nehmen die Meinungsführer Einfluss auf die Einstellung und Verhaltensweisen anderer. Hintergrund dessen ist das sogenannte Two-Step-Flow Model of Communication. Die Meinungsführer der Gesellschaft verfolgen aufmerksam alle Aktivitäten und Botschaften der Massenmedien und verbreiten diese und deren Interpretationen an die Masse (Katz and Lazarsfeld 1966). Den Meinungsführern wird hierbei ein großes persönliches Einflusspotenzial zugeschrieben, da sie als Filter zwischen den Medien und Konsumenten fungieren (Dressler and Telle 2009). Wie in Kapitel 2.1.1 schon erwähnt, bedingte das Web 2.0 nicht nur die Evolution Sozialer Medien, sondern in diesem Zusammenhang auch das Entstehen neuer Bezeichnungen für Meinungsführer – die Influencer. Der Begriff Influencer entstand um das Jahr 2007 und stammt aus dem Englischen „to influence“, was beeinflussen bedeutet. Influencer können beispielsweise Personen aus der Öffentlichkeit sein, die bereits als Sportler, Politiker oder Schauspieler prominent sind und dadurch eine hohe Reichweite besitzen. Jedoch fokussieren sich viele Unternehmen im Zuge ihrer Marketingaktivitäten mittlerweile auf Privatpersonen, die sich aufgrund ihrer bereichspezifischen Kompetenz und qualitativer Inhalte selbst eine hohe Reichweite erarbeitet haben (Lammenett 2017). Im Kontext von Social Media werden Influencer auch Social Media Influencer (SMI) genannt. In Anbetracht der Zahl der Follower, teilen Bakshy et. al (2011) sie in Mikro-Influencer (bis zu 10.000 Follower) und Makro-Influencer (bis zu 250.000 Follower) ein. Eine detaillierte Segmentierung nimmt Lammenett (2017) vor und unterteilt SMI in Mikro-Influencer (1.000 – 25.000 Follower), Mid-Level-Influencer (25.000 – 100.000 Follower), Top-Tier-Influencer (mehr als 100.000 Follower) und Celebrity Influencer (mehr als 500.000 Follower). Social Media Influencer charakterisieren sich zum einen durch ihre Fähigkeit Konsumentenmeinungen durch ihre Blogs, Tweets und die Verwendung anderer sozialer Medien zu beeinflussen und zum anderen durch Art und Niveau des Engagements für eine Marke (Freberg et al. 2011; Gretzel and Yoo 2014). Die Inhalte werden vor allem über soziale Medien wie Facebook, Instagram, Twitter, YouTube und Snapchat verbreitet (Abidin 2016). SMI verstehen nicht nur die Bedürfnisse und Wünsche der Follower, sondern sind im Vergleich zu traditionellen Prominenten nahbarer und authentischer, indem sie ihr eigenes privates Leben, Outfits, Essen, Urlaube oder Alltag teilen (Abidin 2016; Djafarova and Rushworth 2017).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Hier wird die Relevanz des Themas durch die wachsende Bedeutung von Social Media und Influencern begründet und die Forschungsfrage zu Stressoren und Belastungen in der Influencer-Rolle formuliert.
2. Theoretische Grundlagen: Dieses Kapitel definiert die zentralen Begriffe rund um Influencer Marketing und Technostress und beleuchtet den aktuellen Forschungsstand.
3. Methodik: Die Arbeit nutzt eine semi-strukturierte Literaturanalyse sowie leitfadengestützte Experteninterviews, um das Stresspotenzial aus Influencer-Sicht empirisch zu untersuchen.
4. Forschungsergebnisse: Basierend auf Experteninterviews werden die Wahrnehmung der Influencer-Rolle sowie erste identifizierte Stressoren und Belastungen aus der Praxis dargestellt.
5. Diskussion: Hier werden die theoretischen Erkenntnisse mit den praktischen Ergebnissen aus den Experteninterviews verglichen, evaluiert und Implikationen für die Wissenschaft abgeleitet.
6. Fazit: Das Kapitel fasst die zentralen Ergebnisse der Untersuchung zusammen und ordnet sie in den wissenschaftlichen Kontext ein.
Schlüsselwörter
Influencer Marketing, Social Media, Technostress, Stressoren, Belastungen, Experteninterviews, Qualitative Inhaltsanalyse, Social Media Influencer, IT-Nutzung, Stress-Strain-Modell, Identitätskonflikt, Arbeitsüberlastung, Influencer-Rolle, Digitale Kommunikation, Stressbewältigung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Masterarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den psychischen Belastungen und dem Stress, dem Influencer bei ihrer Arbeit auf Social-Media-Plattformen ausgesetzt sind, basierend auf dem Konzept des Technostresses.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themenfelder umfassen die Rolle von Social Media Influencern, die Identifikation von Stressoren in diesem spezifischen Arbeitsumfeld sowie die Auswirkungen auf das psychische Wohlbefinden der Betroffenen.
Welche Forschungsfrage steht im Fokus?
Die Forschungsfrage lautet, welche Stressoren für die Influencer-Rolle identifiziert werden können, welche Rolle diese bei der Stressbelastung spielen und welche weiteren Faktoren aus der täglichen Praxis hinzukommen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin kombiniert eine strukturierte Literaturanalyse mit einer qualitativen Expertenstudie, bei der acht Influencer in leitfadengestützten Interviews zu ihren Erfahrungen befragt wurden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden theoretische Modelle auf die Praxis übertragen, Expertenmeinungen ausgewertet und diese Ergebnisse in einer umfassenden Diskussion kritisch beleuchtet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Influencer Marketing, Technostress, Stress-Strain-Modell, Identitätskonflikt und psychische Belastungsreaktionen wie Erschöpfung.
Wie gehen Influencer mit dem Druck von Followern um?
Die Studie zeigt, dass Influencer sehr unterschiedliche Strategien anwenden, wie das Blockieren negativer Nutzer, das Deaktivieren von Benachrichtigungen oder die bewusste Reduktion der Plattformnutzung, um sich zu entlasten.
Welche Rolle spielt die Privatsphäre beim Stressempfinden?
Die Störung der Privatsphäre durch SNS-Nutzer, etwa durch Beobachtung im öffentlichen Raum oder das ungewollte Bekanntwerden privater Details, wird von vielen Experten als signifikanter Stressfaktor wahrgenommen.
Inwiefern beeinflussen Unternehmenskooperationen das Stressempfinden?
Unternehmenskooperationen erzeugen oft einen finanziellen und zeitlichen Druck, der die Arbeit von einer Leidenschaft (Hobby) zunehmend in eine berufliche Verpflichtung verwandelt, was den Stresslevel steigern kann.
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- Luisa Aspeleiter (Author), 2021, Die dunkle Seite der Influencer-Rolle. Eine qualitative Expertenstudie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1031391