In dieser Hausarbeit soll die Figur der Deborah Singer analysiert werden, um diese anschließend mit der Frau des biblischen Hiobs zu vergleichen. Dabei wird die Figurenanalyse vor allen Dingen anhand Bachorz Kriterien erfolgen. Zweifelsohne muss dabei auch berücksichtigt werden, dass Hiobs Frau in der Bibel nur einen einzigen Satz von sich gibt, und Deborah Singer sich im Roman wesentlich öfter zu Wort meldet und generell eine sehr ausgearbeitete Figur ist. Daher wird sich diese Arbeit auch mit der Frage befassen, ob es sich bei Deborah Singer um dieselbe Figur oder „nur“ um eine Referenz auf die Figur handelt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Roman Hiob von Joseph Roth und das Buch Hiob des Alten Testaments
2.1 Der Roman Hiob von Joseph Roth
2.2 Das Buch Hiob im Vergleich
3. Deborah Singer und Hiobs Frau - Dieselbe Figur oder „nur“ eine Referenz?
3.1 Analyse: Die Figur der Deborah
3.2 Vergleich: Hiobs Frau
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit verfolgt das Ziel, die Figur der Deborah Singer aus Joseph Roths Roman „Hiob“ mittels einer literaturwissenschaftlichen Figurenanalyse zu untersuchen und sie anschließend mit der Frau Hiobs aus dem biblischen Buch Hiob zu vergleichen, um ihre Bedeutung und Funktion innerhalb des Werkes zu ergründen.
- Vergleichende Analyse zwischen dem biblischen Hiob und Mendel Singer.
- Detaillierte Figurenanalyse der Deborah Singer nach den Kriterien von Stephanie Bachorz.
- Untersuchung der Rolle der Ehefrau als Katalysator für die Entwicklung des Protagonisten.
- Kontrastierung von Passivität (Mendel/Hiob) und aktiver Lebensbewältigung (Deborah/Hiobs Frau).
- Literarische Einordnung der Deborah als Referenzfigur zu Hiobs biblischer Ehefrau.
Auszug aus dem Buch
3.1. Analyse: Die Figur der Deborah
Zunächst einmal steht Deborah durch ihre aktive Art in einem Gegensatz zu Mendels Passivität. Sie nimmt weder das eigene Schicksal noch die kommenden Schicksalsschläge hin, sondern versucht diese aktiv zu beeinflussen. Sie bleibt zwar in der untergeordneten Rolle, die nicht zuletzt auch durch die gesellschaftlichen Ordnungen gesetzt ist und nicht hinterfragt wird, aber organisiert sowohl den Haushalt als auch ihren Mann. „Deborah, die glücklos ist, bevor sie das Unglück unglücklich macht.“ Diese Aussage ist besonders hart, doch Deborah ist tatsächlich während des gesamten Verlaufs des Romans weitgehend unzufrieden und beschwert sich immer wieder bei und über ihren Mann Mendel.
Der Roman beginnt, als Deborah gerade mit Menuchim, also ihrem vierten Kind, schwanger ist. Sie kümmert sich auch hochschwanger noch um den Großteil des Haushalts und der Kindererziehung und sorgt für klare Tagesabläufe und einen eingespielten Rhythmus. Der Alltag wird als ein „Reigen aus Mühsal“ beschrieben, den nur der Sabbat unterbricht.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung der Forschungsfrage und der methodischen Herangehensweise an den Vergleich zwischen dem biblischen Hiob und Joseph Roths Romanfigur Mendel Singer sowie dessen Ehefrau Deborah.
2. Der Roman Hiob von Joseph Roth und das Buch Hiob des Alten Testaments: Untersuchung der Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beiden Werke, insbesondere der Dialektik von Tradition und Identitätskrise sowie der Rolle des Wunders.
3. Deborah Singer und Hiobs Frau - Dieselbe Figur oder „nur“ eine Referenz?: Anwendung einer Figurenanalyse auf Deborah Singer und Gegenüberstellung der biblischen Hiobsfrau, um deren Funktion als treibende Kraft hinter den Protagonisten zu beleuchten.
4. Fazit: Zusammenfassende Bewertung von Deborah Singer als konsequent ausgearbeitete Referenz auf die biblische Figur, die Mendel Singer die notwendige Kritik entgegenbringt, um ihn aus seiner Passivität zu lösen.
Schlüsselwörter
Hiob, Joseph Roth, Deborah Singer, Mendel Singer, Altes Testament, Figurenanalyse, Identitätskrise, Ostjudentum, Feministische Theologie, Literarischer Vergleich, Menuchim, Religion, Passivität, Assimilation, Wunder.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Verbindung zwischen Joseph Roths Roman „Hiob“ und dem biblischen Buch Hiob, wobei der Fokus gezielt auf den Ehefrauen der beiden Protagonisten liegt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf dem Vergleich literarischer Figuren, der Analyse jüdischer Traditionen, der Auswirkung von Glaubensfragen auf das Handeln und der Dynamik zwischen den Ehepartnern.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Es soll geklärt werden, ob Deborah Singer eine bloße Kopie der biblischen Hiobsfrau ist oder eine eigenständige, komplexe Referenzfigur darstellt, die den Roman maßgeblich mitprägt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die literaturwissenschaftliche Figurenanalyse nach den Kriterien von Stephanie Bachorz, ergänzt durch einen komparativen Vergleich der Primärtexte.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Analyse der Rollenbilder im Roman, die Darstellung der Eheleute im Vergleich zu den biblischen Vorbildern und die Bewertung ihres Einflusses auf die Wandlung des Mendel Singer.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie „Identitätskrise“, „Passivität“, „Referenz“ und „feministische Theologie“ (im Kontext der biblischen Deutung) definiert.
Inwiefern beeinflusst Deborahs Tod das Ende des Romans?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass der Verlust der Frau, die das Leben organisierte, bei Mendel Singer erst den Hader mit Gott und die notwendige Erschütterung seines Weltbildes auslöst.
Was macht die „Stimme“ der Ehefrau in beiden Texten aus?
Sowohl in der Bibel als auch bei Roth fungiert die Frau als ein „Gegenüber“, das durch provokante oder kritische Aussagen den Protagonisten dazu zwingt, aus seiner lethargischen Passivität auszubrechen.
- Arbeit zitieren
- Tabea Mielitz (Autor:in), 2021, Deborah Singer aus dem Roman "Hiob" von Joseph Roth und die Frau Hiobs aus dem Buch "Hiob" des Alten Testaments, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1031406