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Spätlegasthenie und Analphabetismus

Title: Spätlegasthenie und Analphabetismus

Examination Thesis , 2002 , 148 Pages , Grade: 1,5

Autor:in: Sven Mihlan (Author)

Pedagogy - Orthopaedagogy and Special Education
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Erst in den siebziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts wurden sich die europäischen Staaten der Tatsache bewusst, dass die Fähigkeiten Lesen und Schreiben in der jugendlichen und erwachsenen Bevölkerung keine Selbstverständlichkeit darstellen. Der Analphabetismus war nun nicht mehr ein Problem, mit dem nur die Länder aus der sogenannten dritten Welt zu kämpfen hatten. Als erste und aus der praktischen Notwendigkeit heraus reagierten die bundesdeutschen Volkshochschulen im Rahmen ihrer Bildungsarbeit auf den modernen Analphabetismus. Die gestiegene Nachfrage an Rechtschreibkursen machte es erforderlich, sich über die Organisation und die Gestaltung entsprechender Maßnahmen völlig neue Gedanken zu machen. Den Volkshochschulen und ihren Mitarbeitern kommt im Hinblick auf die Konzeption und Durchführung von Alphabetisierungsmaßnahmen eine Pionierrolle zu. Im Gegensatz dazu ist der Analphabetismus in der Erziehungswissenschaft auch heute noch kein verbreitetes Forschungsthema. In der vorliegenden wissenschaftlichen Arbeit wird sich nicht damit zufrieden gegeben Begriffe, Größenordnungen und Ursachen für Probleme beim Schriftspracherwerb im Jugendlichen- und Erwachsenenalter zu erläutern und darzustellen. Vielmehr geht es darum, aus dieser Kenntnis eine Notwendigkeit für Alphabetisierungsmaßnahmen abzuleiten und praktische Konsequenzen zu ziehen. Es werden unterschiedliche Schriftsprachentwicklungsmodelle, Vermittlungskonzepte und -methoden vorgestellt und im Hinblick auf ihre Anwendbarkeit im Rahmen von Alphabetisierungsmaßnahmen überprüft. Der praktische Teil beschäftigt sich mit der Planung und Durchführung eines Alphabetisierungskurses mit Patienten der Forensischen Psychiatrie des Klinikums „St. Georg“ in Leipzig. Neben einer Umfeldanalyse im Hinblick auf die Besonderheiten der Arbeit in einer juristischen Verwahrungsanstalt werden diagnostische Methoden vorgestellt, die im Vorfeld mit den Kursteilnehmern zur Erhebung der Lernvoraussetzungen für den Schriftspracherwerb durchgeführt wurden. Am Beispiel eines Kursteilnehmers werden die Untersuchungsergebnisse dargestellt. Das methodische Vorgehen bei der Durchführung des Kurses wird anhand einer ausgewählten Kurssequenz beschrieben. Es werden außerdem Materialien vorgestellt, die im Verlauf der Maßnahme zum Einsatz gekommen sind.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

0. Einleitung

1. Spätlegasthenie und Analphabetismus in der Bundesrepublik Deutschland

1.1. Definitionen

1.1.1. Analphabetismus

1.1.2. Spätlegasthenie

1.2. Größenordnungen des Analphabetismus

1.3. Zu den Ursachen von Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten im Jugendlichen- und Erwachsenenalter

1.3.1. Medizinisch-pathologische Sichtweisen zur Verursachung von Lese- und Schreibschwierigkeiten – Kognitive Lernvoraussetzungen, Teilleistungsschwächen und konstitutionelle Bedingungen

1.3.2. Ungünstige Sozialisationsbedingungen als Ursachen für Lese- und Schreibschwierigkeiten – Biografische Ursachenforschung

1.4. Zur Bedeutung und den Folgen des funktionalen Analphabetismus für die Betroffenen

2. Schriftspracherwerb – Voraussetzungen und Entwicklung

2.1. Voraussetzungen zum Schriftspracherwerb

2.1.1. Metalinguistische Bewusstheit

2.1.2. Verbo-sensomotorische Voraussetzungen

2.2. Entwicklungsmodelle des Schriftspracherwerbs

2.2.1. Stufenmodelle zur Entwicklung des Schriftspracherwerbs

2.2.2. Das Mehrebenenmodell des Schriftspracherwerbs

3. Konzepte zur Alphabetisierung – Methoden zum Erwerb und zur Förderung von Schriftsprachkompetenzen

3.1. Die analytisch-synthetische Lese-Schreib-Lehr- und Lernmethode

3.2. Ganzheitlich analytische und synthetische Lese-Schreib-Lehr- und Lernmethoden

3.3. „Lesen durch Schreiben“ – Die Umkehrmethode von Jürgen Reichen

3.4. Die Morphemmethode

3.5. Der Spracherfahrungsansatz

3.6. Der Fähigkeitenansatz

3.7. Die Computer-unterstützte Rechtschreibförderung

4. Lese-Rechtschreibförderung in der forensischen Psychiatrie – Zur Entstehung, Planung und Durchführung einer Alphabetisierungsmaßnahme

4.1. Die Entstehungsphase

4.2. Umfeldanalyse

4.3. Diagnostische Maßnahmen zur Ermittlung der Lernvoraussetzungen und des Lernstandes

4.3.1. Auswahl der Diagnostika zur Ermittlung der Lernvoraussetzungen und des Lernstandes

4.3.2. Kriterien zur Analyse der Schriftsprachkompetenzen

4.3.3. Darstellung der Untersuchungsergebnisse

4.4. Zur Kursgestaltung

4.4.1. Exkurs: Die „Lautgetreue Rechtschreibförderung“ von Reuter Liehr

4.4.2. Durchführung einer Kurssequenz zum Fehlerschwerpunkt Konsonantendopplung

4.4.3. Lernen mit der Rechtschreibkartei

4.4.4. Übungen zur Sicherung der Lernvoraussetzungen

4.5. Zwischenbilanz

4.6. Ausblick

5. Zusammenfassung

Zielsetzung und Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht Ansätze zur Förderung von Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten bei Jugendlichen und Erwachsenen, wobei der Fokus auf Patienten der forensischen Psychiatrie liegt. Das zentrale Ziel ist es, unter Berücksichtigung der individuellen Voraussetzungen und Ursachen von Lese-Rechtschreibschwierigkeiten, ein methodisch fundiertes Konzept für eine Alphabetisierungsmaßnahme zu entwickeln und dessen praktische Anwendung zu evaluieren.

  • Analphabetismus und Spätlegasthenie in Deutschland
  • Ursachen und biografische Hintergründe von Schriftsprachproblemen
  • Entwicklungsmodelle des Schriftspracherwerbs
  • Methoden und Konzepte der Alphabetisierung
  • Praktische Durchführung eines Alphabetisierungskurses in der forensischen Psychiatrie

Auszug aus dem Buch

Die Entstehungsphase

Mitarbeiter der Klinik für Forensische Psychiatrie, Städtisches Klinikum „St. Georg“ Leipzig, suchten im Frühsommer des Jahres 2001 nach einer Möglichkeit, die von ihnen zum Teil als massiv empfundenen Schwierigkeiten einiger Patienten im Umgang mit der Schriftsprache zu verbessern. Für den Aufbau und die Durchführung einer entsprechenden Maßnahme wandten sie sich hilfesuchend an das Institut für Förderpädagogik, Erziehungswissenschaftliche Fakultät der Universität Leipzig, und wurden an die in der Sprachbehindertenpädagogik tätigen Mitarbeiter weitergeleitet. Schlussendlich und aufgrund glücklicher Umstände bekam ich die Chance, diese verantwortungsvolle Aufgabe zu übernehmen.

Das erste Treffen mit den Mitarbeitern der Klinik für Forensische Psychiatrie diente dem gegenseitigen Kennenlernen sowie dem Austausch grundlegender Gedanken zur Gestaltung eines Kurses zur Förderung der Lese- und Rechtschreibfertigkeiten von Patienten dieser Einrichtung. Dieses war für mich und vor allem zu diesem frühen Zeitpunkt ein schwieriges Unterfangen, da ich zuvor noch nie etwas mit Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten im Jugendlichen- und Erwachsenenalter zu tun hatte. Diese Tatsache ist auf jeden Fall damit zu begründen, dass ich mich im Rahmen meines Studiums, Lehramt an Förderschulen, hauptsächlich mit Lernschwierigkeiten beschäftige, wie sie im Alter von schulpflichtigen Kindern auftreten können. Die Anforderung an mich bestand und besteht noch immer darin, erstens, das Wissen über Schwierigkeiten beim Schriftspracherwerb von Schülern und die förderpädagogischen Möglichkeiten zur Überwindung dieser Schwierigkeiten auf Jugendliche und Erwachsene zu übertragen und zweitens, mich mit den Besonderheiten sowohl im Rahmen der Entstehung von Lese-Rechtschreibschwierigkeiten im Jugendlichen- und Erwachsenenalter als auch mit den sich notwendigerweise vom schulischen Lehren und Lernen unterscheidenden methodisch-didaktischen Vorgehensweisen zu beschäftigen und diese adäquat umzusetzen.

Zusammenfassung der Kapitel

0. Einleitung: Die Einleitung erläutert die Problemstellung des Analphabetismus und der Spätlegasthenie sowie die Zielsetzung der Arbeit zur Förderung dieser Zielgruppe.

1. Spätlegasthenie und Analphabetismus in der Bundesrepublik Deutschland: Dieses Kapitel definiert zentrale Fachbegriffe, analysiert das Ausmaß des Problems und beleuchtet die Ursachen sowie Folgen für die Betroffenen.

2. Schriftspracherwerb – Voraussetzungen und Entwicklung: Hier werden die kognitiven und sensomotorischen Voraussetzungen für das Lesen- und Schreibenlernen sowie verschiedene Entwicklungsmodelle des Schriftspracherwerbs vorgestellt.

3. Konzepte zur Alphabetisierung – Methoden zum Erwerb und zur Förderung von Schriftsprachkompetenzen: In diesem Kapitel werden diverse Lehrmethoden, von analytisch-synthetischen Ansätzen bis hin zu computergestützten Verfahren, kritisch auf ihre Anwendbarkeit bei Jugendlichen und Erwachsenen geprüft.

4. Lese-Rechtschreibförderung in der forensischen Psychiatrie – Zur Entstehung, Planung und Durchführung einer Alphabetisierungsmaßnahme: Der Hauptteil beschreibt praxisnah die Planung, die diagnostischen Maßnahmen, die Kursgestaltung und die Ergebnisse des Alphabetisierungsprojektes in einer forensischen Klinik.

5. Zusammenfassung: Das abschließende Kapitel resümiert die wesentlichen Erkenntnisse zur Förderung von Schriftsprachkompetenzen bei der spezifischen Zielgruppe der Patienten der forensischen Psychiatrie.

Schlüsselwörter

Analphabetismus, Spätlegasthenie, Schriftspracherwerb, Lese-Rechtschreibschwierigkeiten, funktionale Analphabeten, Alphabetisierung, forensische Psychiatrie, Sprachbehindertenpädagogik, Fehleranalyse, Rechtschreibwissen, Schreibprozess, Lernvoraussetzungen, Sprachwahrnehmung, Sprachförderung, Resozialisierung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit behandelt das Thema der Förderung von Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten bei Jugendlichen und Erwachsenen, speziell am Beispiel von Patienten in der forensischen Psychiatrie.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Die zentralen Themen umfassen die theoretischen Grundlagen des funktionalen Analphabetismus, die Voraussetzungen und Entwicklungsmodelle des Schriftspracherwerbs, verschiedene Alphabetisierungsmethoden sowie die Planung und Durchführung eines konkreten Förderprojektes.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, pädagogische Konzepte und Methoden auf ihre Eignung zur Förderung von Lese- und Schreibkompetenzen bei Erwachsenen zu prüfen und diese erfolgreich in einem psychiatrischen Setting anzuwenden.

Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?

Die Arbeit nutzt einen multikausalen und fehleranalytischen Ansatz zur Untersuchung der Lernausgangslage und zur Gestaltung individueller Förderpläne auf Basis des Mehrebenenmodells von Tymister.

Welche Aspekte werden im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil konzentriert sich auf die spezifischen Bedingungen der forensischen Psychiatrie, die diagnostische Erfassung des Lernstandes anhand qualitativer Fehleranalysen und die praktische Umsetzung sowie Evaluation einer Alphabetisierungsmaßnahme.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?

Wichtige Begriffe sind Analphabetismus, Spätlegasthenie, Schriftspracherwerb, forensische Psychiatrie, Fehleranalyse und Sprachförderung.

Warum ist eine spezielle Diagnostik für diese Zielgruppe notwendig?

Da herkömmliche Standardtests für Schulkinder bei Erwachsenen nur bedingt aussagekräftig sind, ist eine individualisierte, qualitative Fehleranalyse erforderlich, um die tatsächlichen Lernvoraussetzungen und Defizite in den verschiedenen Ebenen der Schriftsprachkompetenz zu identifizieren.

Welchen Einfluss haben die Lebensumstände auf den Lernfortschritt?

Die Arbeit zeigt, dass biografische Faktoren, wie traumatische Erfahrungen, häufige Schulwechsel oder soziale Ausgrenzung, einen direkten Einfluss auf die Lernmotivation und das Selbstbild der Betroffenen haben, was bei der Kursgestaltung zwingend berücksichtigt werden muss.

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Details

Title
Spätlegasthenie und Analphabetismus
College
University of Leipzig  (Sprachbehindertenpädagogik)
Grade
1,5
Author
Sven Mihlan (Author)
Publication Year
2002
Pages
148
Catalog Number
V10316
ISBN (eBook)
9783638167741
ISBN (Book)
9783638697965
Language
German
Tags
Spätlegasthenie Analphabetismus
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Sven Mihlan (Author), 2002, Spätlegasthenie und Analphabetismus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/10316
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