Kaizen im Studium. Selbstoptimierung durch japanische Unternehmensphilosophie?


Hausarbeit, 2021

12 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Ursprünge und Grundlagen des Kaizens
2.1. Definition und Ursprung
2.2. Die 5 zentralen Grundlagen

3. KAIZEN-Methoden und Anwendungsmöglichkeiten im Studium
3.1. Die 3 Mu (Muda, Mura, Muri)
3.2. Die 5S-Methode
3.3. Die 6W-Checkliste
3.4. Die 4M- bzw. 7M-Methode und das Ishikawa-Diagramm

4. Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

„Versuche nicht mehr als kleine Schritte auf ein Mal, aber versuche sie jeden Tag, und du wirst sehen, welch großen Fortschritt du machst.“ [sic].1

Fortschritt ist einer der zentralen Aspekte, die unsere Gesellschaft seit Millionen von Jahren prägen. Jeder will besser, stärker, intelligenter sein als sein Antagonist – und das in jeder Branche. Auch für Studenten im Studium ist Fortschritt und Erfolg von besonderer Relevanz, denn ohne diese wird es schwierig, einen guten Abschluss und später gute Jobaussichten zu erlangen. Deshalb ist es von Anfang an wichtig, ein gutes Selbstmanagement zu besitzen, gerade in einem Zeitalter, das immer schnelllebiger wird, und in einem Land, in welchem die Akademikerquote in den letzten Jahren immer weiter steigt.2

Doch wie erreicht man ein Ziel, welches scheinbar ungreifbar ist? Pavel Kosorin beschreibt in seinem Zitat, dass es die kleinen Schritte sind, die große Veränderungen hervorrufen, dass man jeden Tag eine kleine Veränderung umsetzen soll und damit jeden Tag ein bisschen besser werden kann.

Genau dieser Grundgedanke ist auch der Kern der japanischen Unternehmensphilosophie Kaizen. Diese findet dort seit Jahrzehnten Anwendung und trifft vor allem auch in der westlichen Welt auf immer mehr Anklang, aufgrund vieler erfolgversprechender Reporte von bekannten Unternehmen, wie beispielsweise der Toyota Motor Corporation. Jedoch wurde dem Thema bisher in der Forschung wenig Aufmerksamkeit gewidmet, weil es nicht ein großes Ziel verfolgt. Ferner befasst es sich mit dem langsamen, dennoch stetigen Erfolg.

Im Rahmen dieser Arbeit soll neben den grundlegenden Fragen in Kapitel 2, was Kaizen überhaupt ist und welche Grundlagen bzw. Methoden dieses Konzept mit sich bringt, die zentrale Forschungsfrage in Kapitel 3 genauer erörtert werden, wie sich diese in den Alltag eines Studenten integrieren lassen. Ist es als ursprünglich für die Industrie entwickelte Methodik generell auf den arbeitsaufwendigen Studienalltag anzuwenden? Oder sollte man doch lieber auf etablierte Methoden wie dem „Eisenhower-Prinzip“ oder der „Pomodoro-Technik“ zurückgreifen, um Erfolg im Studium zu gewähren? Und gibt es womöglich noch weitere Möglichkeiten seinen Alltag mit Kaizen zu erleichtern? Die Beantwortung dieser Fragen wird zusammenfassend in Kapitel 4 vorgenommen.

2. Ursprünge und Grundlagen des Kaizens

2.1. Definition und Ursprung

Der Begriff Kaizen hat seinen Ursprung im Japanischen. Dort bedeutet „Kai“ Veränderung und „Zen“ zum Besseren. Kaizen lässt sich demnach mit „Veränderung zum Besseren“ übersetzen. Dies beschreibt bereits sehr genau den Kern der Kaizen-Methode: Perfektion eines Arbeitsprozesses oder eines Produktes durch stetige Optimierung. Dabei gilt es, möglichst effektiv und vor allem effizient zum Ziel zu gelangen. Verschwendung, Ungleichmäßigkeit und Unzweckmäßigkeit (Muda, Mura und Muri, vgl. 3.1.) sollten dafür eliminiert werden.3

Ursprünglich stammt das Konzept der stetigen Verbesserung aus den Vereinigten Staaten von Amerika. Dort entstand während des Zweiten Weltkrieges, ein Versorgungsengpass, da es an Arbeitskräften mangelte. Infolgedessen entwarf die US-Regierung ein Konzept, nach welchem die verbliebenen Arbeitskräfte ihre eigenen Arbeitsabläufe hinterfragen und diese selbst verbessern sollten.

Nachdem der Krieg beendet war, bemerkten die US-amerikanischen Unternehmen, dass das Konzept der stetigen Verbesserung für sie nicht mehr von Relevanz war, da einige von ihnen große Profite verzeichnen konnten.

Da Japans Wirtschaft und vor allem Industrie stark unter den Folgen des Krieges gelitten hatten und die USA Japan als eine Art „Pufferzone“ zu Nordkorea etablieren wollten, entsandte die US-Regierung mehrere Experten nach Japan, um den dort ansässigen Unternehmen neue Management-Fähigkeiten näherzubringen. Ebenda wurde die Idee der stetigen Verbesserung dankend entgegengenommen und „Kaizen“ benannt. Viele der japanischen Unternehmen wandten diese Methode an und konnten schnell ein Wirtschaftswachstum verzeichnen.4

Das beste Beispiel für eines solches Unternehmen ist die „Toyota Motor Corporation“, welche zudem Managementsysteme konzeptioniert hat, die bis heute in der Wirtschaft Anwendung finden. Das sogenannte „Toyota Production System“ (kurz: TPS) beschreibt übergeordnet alle von Toyota angewandten Prinzipien im Management, von welchen in erster Linie Kaizen einen wichtigen Leitgedanken darstellt.5

Als Antwort auf das japanische Kaizen, übernahmen die USA später dessen Grundprinzip für das sogenannte Lean Management (zu Deutsch: schlankes Management), welches in der modernen Geschäftsphilosophie immer mehr Anklang findet, um eine effizientere Arbeitsatmosphäre zu schaffen.6

In Deutschland hat sich gegen Ende der 1980er-Jahre die japanische Kaizen-Methode ebenfalls verbreitet und wurde weiterentwickelt im Konzept des „Kontinuierlichen Verbesserungsprozesses“ (kurz: KVP) verankert.7

Verschiedene Methoden und Checklisten sollen, neben den 5 zentralen Grundlagen (Kapitel 2.2.), die Anwendung der Kaizen-Optimierung vereinfachen. Diese werden in Kapitel 3, bezugnehmend auf das Studium, analysiert.

2.2. Die 5 zentralen Grundlagen

Die fünf Zentralen Grundlagen des Kaizens sind Prozessorientierung, Kundenorientierung, Qualitätsorientierung, Kritikorientierung und Standardisierung.

Prozessorientierung heißt, dass jeder in dem Unternehmen ablaufende Prozess permanent erfasst, reflektiert und stetig verbessert wird. Der Fokus auf das Ergebnis wird hierbei abgelegt, da der Prozess, der zu diesem Ergebnis führt, im Vordergrund steht. Jeder Mitarbeiter ist dazu verpflichtet, diesen Grundgedanken zu verfolgen, um so die Innovationsleistung des Unternehmens zu erweitern.

Kundenorientierung bedeutet neben dem Sicherstellen der Zufriedenheit der Kunden auch das Sicherstellen der Qualitätsleistung, die jene hervorruft. Kaizen unterteilt die Kunden in zwei Gruppen – intern und extern. Als externer Kunde wird ausschließlich der Endverbraucher betrachtet. Der interne Kunde kann verschiedene Rollen einnehmen und kann beispielsweise ein Mitarbeiter sein, der Informationen eines vorangehenden Kollegen oder dessen Produkt weiterverarbeitet, und kann somit gewissermaßen als Kunde des vorherigen Mitarbeiters bezeichnet werden. Eine gute Kommunikation ist an diesen Schnittstellen von besonderer Bedeutung, um Mängel frühzeitig zu eliminieren.

Qualitätsorientierung beschreibt permanente Kontrollen der einzelnen Arbeitsschritte und lässt sich nahezu mit dem Begriff der Prozessorientierung gleichsetzen. Jedoch fokussiert die Qualitätsorientierung eher die einzelnen Verfahren zur Kontrolle der Produktqualität. Diese können händisch aber durch Maschinen durchgeführt werden.

Kritikorientierung ist ein sehr wichtiges Instrument, um überhaupt eine Verbesserung herbeizuführen. Kritik von Kunden und Mitarbeitern ist stets erwünscht und sollte von den Führungseinheiten berücksichtigt und auch umgesetzt werden. 8

Daraus folgt ein permanenter Kreislauf aus Planen, Durchführen, Prüfen und Verbessern – der sogenannte PDCA-Zyklus (Plan – Do – Check – Act).9 Dieser Zyklus lässt sich sehr gut vergleichen mit dem Management-Kreislauf.10

Standardisierung wird dann für einen Arbeitsablauf eingesetzt, falls sich eine angewendete Verbesserung als brauchbar bewiesen hat. Dieser verbesserte Ablauf wird hierauf fest in das Gesamtgeschehen integriert und erst wenn dieser komplett standardisiert wurde, werden neue Verbesserungen anvisiert. Hierzu wird der oben genannte PDCA-Zyklus zu dem SDCA-Zyklus (Standardize – Do – Check – Act).

3. KAIZEN-Methoden und Anwendungsmöglichkeiten im Studium

3.1. Die 3 Mu (Muda, Mura, Muri)

Einer der Hauptaspekte im Kaizen ist, wie in Kapitel 2.1. beschrieben, alle Formen von Verschwendung aus den Arbeitsabläufen zu beseitigen. Dafür wurden diverse Vorgehensweisen und Checklisten erarbeitet, mit denen die Analyse vereinfacht werden soll.

Die erste von diesen ist die 3-Mu-Checkliste. Sie beinhaltet drei Quellen, welche der stetigen Verbesserung und damit der Optimierung eines Arbeitsprozesses im Wege stehen, und werden durch die folgenden japanischen Begriffe beschrieben:11

Muda bedeutet Verschwendung.12 Im Studium können diese Mudas zum Beispiel durch zeitliche Verschwendung, Kräfte-Verschwendung in Bezug auf Konzentration oder der Verschwendung der eigenen Möglichkeiten, die einem beispielsweise die Hochschule bietet (Vorlesungen, Seminare, Workshops), beschrieben werden. Diese sollten so weit wie möglich bei allen Abläufen vermieden werden.

Mura heißt Ungleichmäßigkeit und stellt somit die Abweichung von Standards dar.13 Um diese zu umgehen, sollte sichergestellt sein, dass die Zeit, die man beispielsweise zum Lernen für eine Klausur oder zum Schreiben einer Hausarbeit benötigt, stets im Verhältnis zu dem erreichbaren Ergebnis steht. Einer benoteten Prüfungsleistung sollte demnach mehr Zeit gegeben werden als jener, die lediglich als Leistungsnachweis erbracht wird. Ebenfalls das Vor- und Nacharbeiten sollte immer in einem gesunden Verhältnis zur Gewichtung des Moduls gewählt werden.

Muri ist die Unzweckmäßigkeit oder die Überlastung.14 Das heißt, jegliche Abläufe, Arbeitsschritte oder Tätigkeiten, die nicht zu guten Noten im Studium beitragen oder nur Ablenkungen während des Lernens darstellen, müssen vermieden und gänzlich aus dem Lernalltag gestrichen werden. Denn man sollte sich stets sein Ziel vor Augen behalten.

3.2. Die 5S-Methode

Die sogenannte 5S-Methode wurde ursprünglich von dem Automobilhersteller Toyota unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg, das heißt noch vor Kaizen, entwickelt und im Unternehmen angewendet. Grund hierfür waren Mangel an Ressourcen und vor allem Material- und Werkzeugverluste. Mit der 5S-Methode konnte Toyota seine Arbeitsabläufe wieder optimieren.

Die Methode setzt am Arbeitsplatz und -umfeld der Mitarbeiter an und soll für mehr Ordnung und daraus folgend Sicherheit gewährleisten. Außerdem wird so die Produktivität gesteigert, was ebenfalls zu einem verbesserten Arbeitsprozess beiträgt.15

[...]


1 Pavel Kosorin (*1964), tschechischer Schriftsteller und Aphoristiker.

2 Vgl. Kramer (2019).

3 Vgl. Hofmann (2020), S. 42.

4 Vgl. Harvey (2020), S. 15 f.

5 Vgl. Kostka/Kostka (2017), S. 11 f.

6 Vgl. Harvey (2020), S 15 f.

7 Vgl. Kostka/Kostka (2017), S. 6.

8 Vgl. Kresser (o.J.).

9 Vgl. Kostka/Kostka (2017), S. 32 ff.

10 Eigene Darstellung, in Anlehnung an E Schreyögg, G./Koch, J. (2014), S. 13 und Kostka/Kostka (2017), S. 7.

11 Vgl. Fleig (2019).

12 Vgl. Hofmann (2020), S. 42 f.

13 Vgl. ebd. (2020), S. 43.

14 Vgl. ebd. (2020), S. 43.

15 Vgl. Kresser (o.J.).

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Kaizen im Studium. Selbstoptimierung durch japanische Unternehmensphilosophie?
Hochschule
AMD Akademie Mode & Design GmbH
Note
1,0
Autor
Jahr
2021
Seiten
12
Katalognummer
V1031690
ISBN (eBook)
9783346435941
ISBN (Buch)
9783346435958
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kaizen, Studium, Selbstoptimierung, Management, japanisch, Unternehmen, Philosophie
Arbeit zitieren
Fabian Mages (Autor:in), 2021, Kaizen im Studium. Selbstoptimierung durch japanische Unternehmensphilosophie?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1031690

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