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Das maslaha-Konzept bei At-Tufi (gest. 716/1316). Versuch der Anwendung auf die Erbberechtigung der Töchter im Islamischen Erbrecht

Titre: Das maslaha-Konzept bei At-Tufi (gest. 716/1316). Versuch der Anwendung auf die Erbberechtigung der Töchter im Islamischen Erbrecht

Thèse de Master , 2020 , 68 Pages

Autor:in: Mohamed Gad (Auteur)

Orientalisme / Sinologie - Arabe
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Diese Studie will einen Zugangspunkt finden, von dem man zu einem Prinzip gelingen kann, das basierend auf den autoritativen Quellen des Islam eine Lösung für die aktuellen Probleme der ganzen islamischen Gemeinschaft bietet. Die Studie setzt sich mit den Konzepten Gemeinwohl, dem Text und der Spezifizierung bei at-Tufi wissenschaftlich auseinander, um dann zu prüfen, ob dieses Prinzip auf aktuelle Probleme des islamischen Rechts wie die Erbberechtigung der Töchter anzuwenden ist.

Die Erbberechtigung der Töchter im Islam war revolutionär. Doch in einer Zeit, wo sich diese auf den Arbeitsmarkt begibt, am Unterhalt der Familie teilnimmt, ja sogar Familienernährerin wird, ist es ungerecht, ihr trotzdem nur die Hälfte vom Erbteil einer männlichen Person zu erteilen.

Die Praxis der Prophetengefährten weist mehrere Fälle auf, wo sie für Gerechtigkeit unter den Erben von den autoritativen Erbteilstellen im Koran abgewichen sind, was in Frage stellt, ob sie eindeutige endgültige Bedeutung haben. Dienten die Erbteilstellen dementsprechend nur als leitende Beispiele?

Das maslaha-Konzept bei aṭ-Tufi prüft die Rechtsnormen auf Folgen in der Wirklichkeit. Wenn eine Norm aus einem präsumtiven Text abgeleitet wurde und in der Praxis irgendwie zur Schädigung der Menschen führt, darf man hier eher den Nutzen der Menschen verwirklichen und den Schaden abwenden. Ob die Erbteilstellen präsumtiv sind und das maslaha-Konzept zur Anwendung kommt, ist Gegenstand dieser Arbeit.

Extrait


Inhaltsverzeichnis

0.Einleitung

0.1. Forschungsstand

0.2. Fragestellung

0.3. Zielsetzung

0.4. Methodik und Vorgehensweise

0.5. Formalia

1. Eine Kurzbiografie von aṭ-Ṭūfī und sein geistiger Werdegang

1.1. Aṭ-Ṭūfīs Leben

1.2. Aṭ-Ṭūfīs Werke

2. Aṭ-Ṭūfīs Konzept von maṣlaḥa

2.1. Grundlagen des ṭūfīschen Konzepts in der Tradition der Methodologie der islamischen Normenlehre (Uṣūl al-Fiqh)

2.2. Einführung in das Konzept aṭ-Ṭūfīs

2.3. Authentizität des ḥadīṯ (lā ḍarara wa lā ḍirār)

2.4. Auslegung des ḥadīṯ (lā ḍarara wa lā ḍirār)

2.5. Bevorzugung der Berücksichtigung des maṣlaḥa-Prinzips

2.5.1. Beweisführung

2.5.2. Begründung

2.5.3. Einschränkung auf die zwischenmenschlichen Handlungen (muʿ āmalāt)

2.6. Widerlegung des Konsenses als Rechtsquelle

2.7. Spezifizierung (taḫṣīṣ)

2.7.1. Definition in der Uṣūl-Literatur

2.7.2. Definition bei aṭ-Ṭūfī

2.7.3. Geltungsbereich der Spezifizierung

2.7.4. Methode der Spezifizierung

2.7.5. Kritik an der Spezifizierung

2.8. Der Text (naṣṣ) im Sinne von aṭ-Ṭūfī

2.8.1. Aṭ-Ṭūfīs Verständnis vom Text

2.8.2. Der Text in aṭ-Ṭūfīs anderen Werken

2.8.3. Welcher Text kann im Widerspruch zum Nutzen stehen?

2.9. Kollision von Nutzen

2.10. Ṭūfīsche Widerlegung möglicher Einwände

2.11. Rezeption aṭ-Ṭūfīs bei den modernen Reformisten

3. Die Praxis des Erbrechts und das ṭūfīsche Konzept

3.1. Einführung

3.2. Die Stellung der Frau im islamischen Erbrecht

3.3. Versuche, die Praxis des Erbrechts zu hinterfragen

3.4. Annäherungen an die Erbberechtigung der Töchter

3.4.1. Die Annäherung Šaḥrūrs

3.4.2. Die Annäherung Alrahmanys

3.4.3. Iǧtihād in der Erbteilung

3.4.3.1. Der Fall von ʿAbdullāh ibn Masʿūd

3.4.3.2. Der Fall derʿUmarīyyatān

3.4.3.3. Das Pflichttestament (al-Waṣīyya al-Wāǧiba)

3.4.3.4.Teilhabe am Vermögensaufbau (Al-Kadd wa al-Siʿāīah) im malikitischen Recht

4. Schlussfolgerungen

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht das maṣlaḥa-Konzept (Gemeinwohl) des hanbalitischen Gelehrten aṭ-Ṭūfī und dessen innovative methodologische Anwendung, um Lösungen für aktuelle rechtliche Probleme im islamischen Erbrecht zu finden, insbesondere im Hinblick auf die Erbberechtigung von Töchtern.

  • Analyse der historischen Entwicklung und der theoretischen Grundlagen des maṣlaḥa-Prinzips bei aṭ-Ṭūfī.
  • Kritische Untersuchung der Schlüsselbegriffe maṣlaḥa, Text (naṣṣ) und Spezifizierung (taḫṣīṣ) im Werk aṭ-Ṭūfīs.
  • Evaluation der Anwendbarkeit des ṭūfīschen Ansatzes auf zeitgenössische Fragen der Erbteilung.
  • Diskussion von Reformansätzen innerhalb des islamischen Erbrechts unter Berücksichtigung der Absichten der Scharia.

Auszug aus dem Buch

2.2 Einführung in das Konzept aṭ‐Ṭūfīs

Einer der meist umstrittenen Ansichten über das Gemeinwohl der Muslime stellt die Ansicht von Naǧm ad-Dīn aṭ-Ṭūfī dar. Er betrachtet es aus einem relativ utilitaristischen Blickwinkel. Es ist interessant zu erwähnen, dass der Autor der für konservativ bekannten ḥanbalītischen Rechtsschule angehört. Er hält die unterschiedlich interpretierbaren präsumtiven autoritativen Texte für umstritten, die Berücksichtigung seines maṣlaḥa-Prinzips dagegen für unumstritten. Er hatte den Dissens unter den Rechtsschulen vor Augen, weshalb er auf der Suche nach Vereinheitlichung der Normen war.

Die ständige Interpretation der Texte kann zu widersprüchlichen Normen führen. Er wollte deshalb aus den autoritativen Texten ein allgemeingültiges Prinzip ableiten, das auf den Absichten der Scharia beruht und den Menschen als Leitbild gilt, damit sie nicht immer auf die Texte zurückgehen. Es ist interessant, dass der Autor sein neues Konzept nicht an dem Koran, sondern stark an einer bestimmten Überlieferung orientiert. Die anderen Gelehrten bezogen ihr Konzept dagegen, obwohl sie eine Reihe von Hinweisen aus den Überlieferungen anführen, auf die allgemeine Induktion der Normen.

Seine Meinung stellt eine elementare Wende in der Betrachtung der Normen der Scharia dar. Er prüft die Normen auf ihre Anwendung und die daraus resultierenden Folgen. Er stellt sich die Frage: Entsprechen die Normen ihrem Ziel? Die Befolgung der Normen kann aufgrund von unterschiedlichen Lebensverhältnissen zum Gegenteil ihrer Absicht führen, zum Schaden. Allerdings nennt er keinen Fall, wo eine Rechtsnorm im Widerspruch zu einem Nutzen steht.

Zusammenfassung der Kapitel

0.Einleitung: Einführung in das Forschungsthema und die Relevanz des maṣlaḥa-Konzepts für aktuelle Herausforderungen des islamischen Rechts.

1. Eine Kurzbiografie von aṭ-Ṭūfī und sein geistiger Werdegang: Darstellung der Lebensgeschichte, der wissenschaftlichen Prägung und der bedeutenden Werke des Autors aṭ-Ṭūfī.

2. Aṭ-Ṭūfīs Konzept von maṣlaḥa: Detaillierte Analyse der theoretischen Herleitung, der methodologischen Innovation und der wissenschaftlichen Kontroverse um das maṣlaḥa-Prinzip.

3. Die Praxis des Erbrechts und das ṭūfīsche Konzept: Anwendung der ṭūfīschen Methode auf konkrete erbrechtliche Probleme, insbesondere zur Hinterfragung traditioneller Erbteilungen für Frauen.

4. Schlussfolgerungen: Synthese der Forschungsergebnisse und Fazit zur Bedeutung der ṭūfīschen Methodik für eine zeitgemäße Interpretation der Scharia.

Schlüsselwörter

aṭ-Ṭūfī, maṣlaḥa, Gemeinwohl, islamisches Erbrecht, Scharia, Uṣūl al-Fiqh, Rechtsmethodologie, Erbberechtigung von Töchtern, Normenlehre, Rechtsfindung, iǧtihād, Rechtsreform, naṣṣ, taḫṣīṣ, utilitaristisch.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?

Die Arbeit befasst sich mit dem maṣlaḥa-Konzept des hanbalitischen Gelehrten aṭ-Ṭūfī und prüft, ob seine innovative Rechtsmethodik eine Grundlage für die Lösung aktueller Probleme im islamischen Recht, speziell im Erbrecht, bieten kann.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zentrale Themen sind die theoretische Fundierung des Gemeinwohls (maṣlaḥa), die Interpretation von autoritativen Textquellen im Widerspruch zu utilitaristischen Nutzenabwägungen sowie die kritische Reflexion der traditionellen Erbteilungspraktiken.

Welches Ziel verfolgt die Arbeit?

Das Ziel ist es, einen Zugangspunkt innerhalb der klassischen Rechtsmethodologie zu identifizieren, der es erlaubt, basierend auf den Quellen des Islam, praxisnahe Lösungen für gegenwärtige Herausforderungen der islamischen Gemeinschaft zu formulieren.

Welche wissenschaftliche Methodik kommt zum Einsatz?

Der Autor verwendet einen geschichtlichen, deskriptiven, induktiven und deduktiven Ansatz, um sowohl den historischen Kontext als auch die logische Konsistenz der ṭūfīschen Theorie zu prüfen und diese mit der traditionellen Rechtsschule zu vergleichen.

Was behandelt der Hauptteil der Arbeit?

Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Teil, der das maṣlaḥa-Konzept und seine Begriffe wie naṣṣ und taḫṣīṣ definiert, und einen praktischen Teil, der die Anwendung dieser Prinzipien auf die Erbrechtsansprüche von Töchtern demonstriert.

Welche Schlagworte charakterisieren diese Studie am besten?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie aṭ-Ṭūfī, maṣlaḥa, islamisches Erbrecht, Rechtsmethodologie, iǧtihād und Rechtsreform charakterisieren.

Wie unterscheidet aṭ-Ṭūfī zwischen verschiedenen Textkategorien?

Er unterscheidet zwischen vier Kategorien basierend auf der Überlieferungsweise (mehrfach oder einzeln) und der Eindeutigkeit der Bedeutung (eindeutig oder mehrdeutig), um zu bestimmen, welcher Text möglicherweise im Widerspruch zu einem Nutzen stehen kann.

Warum ist das maṣlaḥa-Konzept bei aṭ-Ṭūfī historisch so kontrovers diskutiert worden?

Es ist kontrovers, weil aṭ-Ṭūfī den Nutzen (maṣlaḥa) teilweise als stärkste Rechtsquelle über autoritative Texte stellt, was von Kritikern als Dementierung oder willkürliche Interpretation der Scharia ausgelegt wurde.

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Résumé des informations

Titre
Das maslaha-Konzept bei At-Tufi (gest. 716/1316). Versuch der Anwendung auf die Erbberechtigung der Töchter im Islamischen Erbrecht
Université
University of Leipzig  (Orientalisches Institut)
Auteur
Mohamed Gad (Auteur)
Année de publication
2020
Pages
68
N° de catalogue
V1031752
ISBN (ebook)
9783346507280
ISBN (Livre)
9783346507297
Langue
allemand
mots-clé
aṭ-ṭūfī versuch anwendung erbberechtigung töchter islamischen erbrecht
Sécurité des produits
GRIN Publishing GmbH
Citation du texte
Mohamed Gad (Auteur), 2020, Das maslaha-Konzept bei At-Tufi (gest. 716/1316). Versuch der Anwendung auf die Erbberechtigung der Töchter im Islamischen Erbrecht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1031752
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