Diese Arbeit wird auf die politischen und sozialen Denkweisen, die seit der Antike bis hin zur Neuzeit über die Geschlechterordnung vertreten waren, eingegangen und die davon ausgehenden Konsequenzen für die Aufgaben und Eigenschaften der Frauen benannt. Ein besonderes Augenmerk soll dabei auf die soziale Institution "Familie" gerichtet werden, die dem öffentlichen Leben in vielen Theorien und Denkweisen abgesondert gegenübersteht und viele Frauen auf einen Handlungsort, den häuslichen Bereich, beschränkt. Außerdem soll die Idee der politischen Repräsentation aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet werden und ein angemessenes Konzept beleuchtet werden, bei dem Frauen eine gleichberechtigte Teilhabe am politischen Geschehen garantiert wird.
Frauen finden im klassischen Kanon der Philosophie kaum Beachtung. Obwohl man auf viele einflussreiche Philosophinnen stößt, werden jedoch zu wenige Frauen im 18ten Jahrhundert in den Kanon integriert. Die Abwesenheit von Philosophinnen in unserem Kanon heute zeugt noch von dieser "gestohlenen Geschichte". Einige Gründe dieser Lücken im philosophischen Kanon gilt es zu ergründen und in dieser Hausarbeit herauszustellen. Es soll um die Frage gehen, warum es einer geschlechterkritischen Auseinandersetzung in der politischen Theorie bedarf, und auf welche Aspekte eine politische Theorie daher besonders achten sollte.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Vorgehensweise und Zielsetzung
2 Warum bedarf es einer geschlechterkritischen Perspektive in der Politischen Theorie?
2.1 Ungerechtfertigte Legitimationsgrundlage für Herrschaftsverhältnisse in der Antike
2.2 Blindheit gegenüber unterschiedlicher Situierung in der Familie
2.3 Aspekte, die eine geschlechterkritische Politische Theorie beachten muss
3 Wie ist politische Repräsentation auszugestalten, um die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen zu garantieren?
3.1 Ausgangspunkte und Fragen der politischen Repräsentation
3.2 Repräsentation bei Hobbes
3.3 Repräsentation bei Pitkin
3.4 Gleichberechtigte Teilhabe von Frauen durch entsprechende Gruppenvertretungen
4 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Notwendigkeit einer geschlechterkritischen Perspektive in der klassischen politischen Theorie und analysiert, wie politische Repräsentation gestaltet werden muss, um eine gleichberechtigte Teilhabe von Frauen zu gewährleisten.
- Kritik am Ausschluss von Frauen aus dem philosophischen Kanon
- Analyse der geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung und der Rolle der Familie
- Untersuchung klassischer Repräsentationskonzepte (Hobbes, Pitkin)
- Diskussion deskriptiver Repräsentation und Gruppenvertretungen
- Voraussetzungen für eine inklusive politische Partizipation
Auszug aus dem Buch
3.2 REPRÄSENTATION BEI HOBBES
„Eine Person ist der, dessen Worte oder Handlungen entweder als seine eigenen angesehen werden [natürliche Person], oder als solche, die die Worte oder Handlungen eines anderen Menschen oder Dinges vertreten [künstliche Person], denen man sie tatsächlich oder durch Fiktion zuschreibt.“ (Hobbes 1966: 123).
Für Thomas Hobbes ist die politische Repräsentation in Kapitel 16. des „Leviathan“ Kern seiner Argumentation. Dabei nahm er eine wichtige zeitgenössische Debatte um die künstlichen Herrschernachbildungen auf. Hobbes formulierte im Leviathan 1651 eine Grundidee der Demokratie, in dem er alle Bürger zum Teil eines lebendigen Bildes machte. Eine Person ist Hobbes zufolge „dasselbe wie ein Darsteller“ (1966: 123), also jemand der wie auf einer Bühne oder im Gerichtssaal stellvertretend spricht oder handelt. Hobbes unterschied, indem er die Person, als den mit Autorität handelnden Vertreter, dem Autor, als den rechtmäßigen Besitzer seiner Worte und Handlungen, gegenüberstellte (vgl. 1966: 123). Erste Grundzüge demokratischen Denkens lassen sich dabei unter den Bedingungen finden, die eine solche Übertragung der Autorität seitens des Autors auf seinen Vertreter, der die gewünschte, vertraglich geregelte Handlung durchführt, regelt.
„Niemand wird durch einen Vertrag verpflichtet, dessen Autor er nicht war und folglich nicht durch einen Vertrag, welcher der von ihm verliehenen Autorität zuwiderläuft oder sich nicht im Rahmen hält. (…) Handelt der Vertreter auf irgendeine Art auf Befehl des Autors gegen das natürliche Gesetzt und ist er durch einen vorausgegangenen Vertrag zu Gehorsam verpflichtet, so bricht nicht er, sondern der Autor das natürliche Gesetz“ (1966: 124).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der Unterrepräsentation von Frauen im philosophischen Kanon ein und skizziert das methodische Vorgehen zur Untersuchung geschlechterkritischer Ansätze.
2 Warum bedarf es einer geschlechterkritischen Perspektive in der Politischen Theorie?: Das Kapitel beleuchtet die historische Benachteiligung von Frauen durch Theorien, die Herrschaftsverhältnisse auf die Natur oder die Struktur der Familie stützen, ohne die spezifische Lebensrealität von Frauen zu berücksichtigen.
3 Wie ist politische Repräsentation auszugestalten, um die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen zu garantieren?: Dieser Teil analysiert verschiedene Konzepte der politischen Repräsentation und diskutiert, ob Gruppenvertretungen und deskriptive Repräsentation geeignet sind, um die Inklusion benachteiligter Gruppen zu fördern.
4 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass eine egalitäre Gesellschaft die Aufarbeitung historischer Geschlechterungleichheiten erfordert und betont die Notwendigkeit deskriptiver Repräsentation für eine authentische Teilhabe.
Schlüsselwörter
Politische Theorie, Geschlechterkritik, Repräsentation, Familie, Aristoteles, Hobbes, Pitkin, Feminismus, Deskriptive Repräsentation, Partizipation, Gruppenvertretung, Care-Arbeit, Demokratie, Emanzipation, Machtverhältnisse
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die geschlechterspezifische Ausgrenzung in der klassischen politischen Theorie und analysiert Anforderungen an ein Repräsentationsmodell, das Frauen eine gleichberechtigte Teilhabe ermöglicht.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen gehören die Geschichte der Geschlechterordnung, die Kritik an der privaten Sphäre (Familie), Konzepte der politischen Repräsentation und Ansätze für eine inklusivere Demokratie.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, warum politische Theorien eine geschlechterkritische Perspektive benötigen und wie Repräsentation gestaltet werden muss, damit die Interessen von Frauen angemessen artikuliert werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Analyse der politischen Ideengeschichte sowie eine kritische Auseinandersetzung mit feministischen Theoriebeiträgen zu Repräsentation und Gesellschaft.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse der Vernachlässigung von Geschlechterfragen durch bekannte Philosophen und eine detaillierte Auseinandersetzung mit Repräsentationstheorien, insbesondere bei Hobbes, Pitkin und Iris M. Young.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Politische Theorie, Geschlechterkritik, Repräsentation, deskriptive Repräsentation, Familie und gesellschaftliche Partizipation.
Warum spielt die Unterscheidung zwischen „Oikos“ und „Polis“ bei Aristoteles eine Rolle?
Diese Unterscheidung legitimierte historisch den Ausschluss von Frauen aus dem öffentlichen politischen Leben, da sie auf den privaten Haushalt reduziert und ihre Vernunft als unvollkommen diskreditiert wurde.
Inwiefern unterscheidet sich das Repräsentationsverständnis von Hobbes zu dem von Pitkin?
Während Hobbes Repräsentation als bloße Autorisierung zur Sicherung von Stabilität betrachtet, erweitert Pitkin den Begriff um das Kriterium der Accountability (Rechenschaftspflicht), um die Macht des Repräsentanten kontrollierbar zu machen.
Warum ist das Konzept der „deskriptiven Repräsentation“ laut Iris M. Young wichtig?
Es ist wichtig, da es sicherstellt, dass unterdrückte Gruppen, deren Erfahrungen durch universelle Begriffe nicht erfasst werden, authentisch in den politischen Entscheidungsprozessen vertreten sind.
- Arbeit zitieren
- Felix Märtin (Autor:in), 2020, Geschlechterkritische Perspektiven in der politischen Theorie. Warum man sie braucht und wie politische Repräsentation gestaltet sein muss, um die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen zu garantieren, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1031754