Im Verlauf dieser Arbeit wird geklärt, inwieweit über gezielte gesellschaftliche Veränderungen eine nationale Identität, etwa auch durch Leistungen bedeutender Staatsmänner wie Kwame Nkrumah, erfolgreich im Bewusstsein der Bevölkerung verankert werden konnte. Betrachtet man in heutiger Zeit den Staat Ghana, so zeichnet er sich im Vergleich zu anderen Staaten vor allem durch eine intern, im Vergleich zu vielen anderen afrikanischen Staaten, stabile politische und gesellschaftliche Situation aus. In der Gesellschaft existieren mehrere Elemente, die einen einheitsstiftenden Charakter besitzen. So ergreift der Staat z. B. Maßnahmen, die auf Erhaltung elementarer Bedürfnisse des Lebensstandards in der gesamten Bevölkerung abzielen . Des Weiteren konnte auch die englische Sprache erfolgreich für das gesamte Gebiet als Nationalsprache etabliert werden . Schließlich besteht eine einheitliche Regelung von Fragen der Gerichtsbarkeit, z. B. in der einheitlich etablierten, unabhängigen Judikativen .
Bei Beschreibungen der Goldküste, des Küstengebietes des späteren Staates Ghana, aus der frühen Zeit der Präsenz europäischer Mächte, fällt im Gegensatz dazu noch deutlich auf, dass im gesamten Gebiet noch keinerlei einheitliche Identität der einheimischen Bevölkerung erkennbar ist und die unzähligen verschiedenen Völker sich z. B. über sehr unterschiedliche Sprachen unterscheiden . Noch unmittelbar vor der vollständigen Unabhängigkeit 1957 bestand ein starker Gegensatz vor allem zwischen den südlichen, stärker kolonialem Einfluss ausgesetzten Küstenregionen und den nördlicheren, weiter im Inland gelegenen Gebieten . In mehreren Fällen, wie z. B. in einem Angriff Steine werfender Demonstranten auf das Auto des britischen Gouverneurs im nördlich gelegenen Kumasi, konnten diese sogar gewaltsame Ausmaße annehmen .
Insgesamt muss damit von frühkolonialer bis in heutige Zeit ein zumindest teilweise erfolgreicher gesellschaftlicher Entwicklungsprozess zur Herausbildung einer nationalen Identität, etwa über Bildungsinstanzen stattgefunden haben. Bereits ab frühkolonialer Zeit bis zum Ende der Kolonialzeit ist die zunehmende Entstehung eines Einheitsgedankens erkennbar.
Inhaltsverzeichnis
I. Wichtige Entwicklungen im Raum der Goldküste in früher Zeit
a) Frühe Expansion und Handelsniederlassungen Europas an der Goldküste
b) Veränderungen in der Staatenwelt der Goldküste
c) Schwächung und Niedergang des Asantereiches
II. Die Goldküste als Kolonie im britischen Empire
a) Die politisch-ökonomische Entwicklung der Goldküstenkolonie
b) Innere Kolonisierung und veränderte Identität
c) Widerstand und Wandel
III. Der Weg in den autonomen Staat Ghana
a) Aufbau und Festigung politischer Machtstrukturen der CPP in Ghana
b) Nationale Identität im Staat Ghana
IV. Die weitere Entwicklung Ghanas
V. Gesamtergebnis
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die historische Entstehung eines einheitlichen Staates und einer nationalen Identität in Ghana, ausgehend von den kolonialen Strukturen an der Goldküste bis hin zur Etablierung einer modernen Demokratie.
- Einfluss europäischer Handelsforts auf lokale Herrschaftsstrukturen
- Wandel der gesellschaftlichen Ordnung unter britischer Kolonialherrschaft
- Rolle der Convention People’s Party (CPP) und Kwame Nkrumahs bei der Nationsbildung
- Herausforderungen durch ethnische und politische Heterogenität
- Transformation von der Kolonie zum autonomen Staat
Auszug aus dem Buch
I. Entwicklungen im Raum der Goldküste in früher Zeit
Für die Entwicklung eines Verständnisses der Integration traditioneller afrikanischer Gesellschaftsstrukturen im Gebiet des heutigen Ghana ist es zunächst erforderlich diese in ihrer ursprünglichen und nicht durch europäische Vorstellungen verfälschten Form zu betrachten. Insgesamt gilt eine Rekonstruktion staatlicher Geschichte aus dem Raum Westafrikas allerdings als schwierig, da etwa aufgrund einer ausgeprägten oral tradition, kaum Schriftquellen vorhanden sind. Das ab dem 9. Jhd. in arabischen Quellen auftauchende, mittelalterliche Reich Ghana steht in keinem räumlichen Bezug zum heutigen Staat Ghana. Ein Großteil wichtiger Quellen besteht damit in frühen Überlieferungen europäischer Kolonialmächte an der Goldküste.
a) Handelsniederlassungen und Expansion der Europäer an der Goldküste
Eine frühe Expansion aus dem Raum Europas erfolgte ab dem 15. Jhd. durch Portugal, welches aller Kenntnis nach bereits ab 1530 eingerichtete Handelsposten vor der Goldküste zur Verschiffung von Sklaven in neu erschlossene amerikanische Gebiete nutzte. Weitergehende, nennenswerte Kontakte ins Landesinnere erfolgten längere Zeit nicht. Bedeutendere Veränderungen lassen sich damit erst ab etwa dem beginnenden 17. Jhd. beobachten, ab dem auch andere europäische Mächte, so im Raum der Goldküste vor allem Holländer und Briten, wie etwa im Falle des Forts St. Anthony durch Verdrängung von Portugiesen, in den transatlantischen Handel drängten. Die mit diesem Prozess einhergehende Entwicklung des Aufkaufes oder Neubaues von Forts führte nach und nach zu einer gleichartigen Präsenz vor allem britischer und holländischer, sowie einer geringeren Anzahl dänischer Forts entlang der Goldküste bis zum Beginn des 18. Jhd.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Wichtige Entwicklungen im Raum der Goldküste in früher Zeit: Das Kapitel untersucht die vorkoloniale und frühkoloniale Geschichte, geprägt durch den Einfluss europäischer Forts und die Machtverschiebungen zwischen lokalen Reichen wie den Asante und Denkyira.
II. Die Goldküste als Kolonie im britischen Empire: Hier wird der Prozess der administrativen und wirtschaftlichen Unterwerfung beschrieben, inklusive der indirekten Herrschaft durch lokale Stammesführer und der Einführung westlicher Bildungsansätze.
III. Der Weg in den autonomen Staat Ghana: Fokus auf der Unabhängigkeitsbewegung nach dem Zweiten Weltkrieg, der Gründung der CPP unter Kwame Nkrumah und den Bemühungen um nationale Einheit.
IV. Die weitere Entwicklung Ghanas: Dieses Kapitel behandelt die Zeit nach 1966, den Sturz Nkrumahs, die Ära der Militärregime und den Übergang zur vierten Republik.
V. Gesamtergebnis: Die Zusammenfassung reflektiert den Prozess der Staatsbildung und die erfolgreiche Etablierung nationaler Identität trotz historischer Krisen.
Schlüsselwörter
Ghana, Goldküste, Kolonialismus, Asantereich, Nationale Identität, Kwame Nkrumah, CPP, Unabhängigkeit, Indirekte Herrschaft, Staatsbildung, Traditionelle Gesellschaftsstrukturen, Handelsforts, Demokratisierung, Politische Transformation, Subsistenzwirtschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die historische Transformation des heutigen Staatsgebiets von Ghana von einem Raum verschiedener Stammesgebiete an der Goldküste hin zu einem souveränen, einheitlichen Staat.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind der Einfluss kolonialer Mächte, der sozioökonomische Wandel durch den Handel, die Bedeutung von Bildungssystemen sowie die politische Entwicklung zur Unabhängigkeit.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es zu klären, inwieweit gezielte gesellschaftliche Veränderungen und staatliche Maßnahmen erfolgreich dazu beitrugen, eine nationale Identität im Bewusstsein der ghanaischen Bevölkerung zu verankern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine historische Analyse unter Auswertung von Primärquellen, kolonialen Überlieferungen und wissenschaftlicher Sekundärliteratur.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil beleuchtet die frühkoloniale Entwicklung, die Zeit der britischen Kolonialverwaltung, den Aufstieg der CPP sowie die nachunabhängige politische Geschichte bis zur Etablierung der vierten Republik.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Ghana, Kolonialismus, Nationale Identität, Asantereich, Kwame Nkrumah und Staatsbildung.
Welche Rolle spielten die Forts für die Kolonialmacht?
Die Forts dienten anfangs primär der Absicherung des Sklaven- und Warenhandels, entwickelten sich jedoch später zu Stützpunkten administrativer Kontrolle über das Umland.
Warum war die Sprache für die nationale Identität so wichtig?
Die Einführung von Englisch als Nationalsprache diente dazu, die sprachliche Heterogenität der verschiedenen Volksgruppen zu überbrücken und eine einheitliche Kommunikation im neu entstehenden Staat zu ermöglichen.
Was war das Hauptproblem des indirekten Herrschaftssystems?
Problematisch war, dass die durch die Kolonialregierung eingesetzten Chiefs oft mehr dem Kolonialherrn als den Interessen ihrer eigenen Bevölkerung verpflichtet waren, was zu sozialen Spannungen führte.
- Arbeit zitieren
- Gunnar Maier (Autor:in), 2012, Staat und nationale Identität in Ghana, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1031802