Vorliegende Arbeit beschäftigt sich innerhalb des Bereiches Internationale Politik mit der spezifischen Außenpolitik Chiles, und damit der Außenpolitik eines Landes, dass bis vor kurzem noch der dritten Welt zugeordnet wurde, inzwischen aber den Sprung zum Schwellenland geschafft hat, und in Bezug auf seine politischen Institutionen und seine Entwicklungsstrategie als vorbildlich für Lateinamerika gilt.
Die Möglichkeit der intensiven Beschäftigung mit dem Untersuchungsgegenstand verdanke ich verschiedenen wissenschaftlichen und außerwissenschaftlichen Kontextvariablen und damit verbundener Personen und Institutionen die ich an dieser Stelle danken erwähnen möchte. Beim Deutschen Akademischen Austauschdienst bedanke ich mich für die Möglichkeit aufgrund eines Stipendiums zur Anfertigung einer Abschlussarbeit vor Ort zu recherchieren. In diesem Zusammenhang möchte ich mich bei meinen Gutachtern und Professoren Dieter Nohlen und Werner Mikus bedanken, die mein Interesse an Lateinamerika geweckt haben und mich in die Probleme dieses Raumes eingeführt und dafür sensibilisiert haben. Auch dafür, dass ich von ihrem Wissen und ihrer Erfahrung auf diesem Gebiet profitieren konnte und sie mir mit wissenschaftlichem Rat zur Seite standen, gebührt ihnen mein Dank. Für die Übernahme der Zweitkorrektur danke ich Prof. Dr. Axel Murswieck. Den Teilnehmern der von Dieter Nohlen in Politik und Werner Mikus in Geographie geleiteten Kolloquien danke ich für zahlreiche Anregungen für meine Arbeit und fruchtbare Diskussionen über das Themengebiet. Meinen Kommilitonen Thorsten Reuter, Christian Rainer und Veronika Ivanova danke ich für Verbesserungsvorschläge, Korrektur und Motivation auf dem Weg hin zur Vollendung dieser Arbeit. Allen Freunden, Gesprächspartnern und Institutionen hier und in Chile die mir den Einstieg in die Materie und deren Vertiefung erleichterten, besonders René Ayala Camacho, Thomas Barth, Peter Brosch, Simone Enzensberger, Thomas Kaltenbach, Briscila Vasquez Sobarzo, Claudia Zilla und allen anderen, die durch ihre Offenheit und ihr Interesse für das Thema und damit verbundenen Gesprächen zur Fortentwicklung der Arbeit beitrugen, sage ich hiermit ein herzliches Dankeschön. Und schließlich gebührt mein besonderer Dank meinen Eltern für wertvollen Rat, ihr Vertrauen und ihre Unterstützung während meines gesamten Studiums.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretischer Rahmen
2.1 Forschungszusammenhang
2.2 Methodologische Überlegungen
2.3 Begriffserklärungen
2.3.1 Außenpolitik
2.3.2 Redemokratisierung
2.3.3 Entwicklungsstrategie
2.3.4 Vergleichende Methode
3. Drei Bedingungsfaktoren chilenischer Außenpolitik: Geographische Lage, Regimetyp und Internationaler Kontext
3.1 Geographische Lage
3.2 Regimetyp und Außenpolitik
3.2.1 Konstanz und Wandel in der Außenpolitik Chiles
3.2.2 Die Außenpolitik der Regierung Allende
3.2.2.1 Die importsubstituierende Industrialisierung
3.2.3 Die Außenpolitik des Militärregimes
3.2.3.1 Der entwicklungsstrategische Paradigmenwechsel
3.2.4 Die Außenpolitik seit der Redemokratisierung
3.2.4.1 Der neostrukturalistische Ansatz der CEPAL
3.2.4.2 Aktive Weltmarktintegration
3.2.4.3 Sozialer Austausch
3.2.4.4 Die Rolle des Staates und der Staatsreform
3.3 Internationaler Kontext
3.3.1 Wandel des Internationalen Kontextes
3.3.2 Regionale Kooperation
3.3.3 Interregionale Kooperation
4. Entwicklungsstrategie als Bedingungsfaktor chilenischer Außenpolitik
4.1 Die marktwirtschaftliche Transformation in Chile – Die chilenische Entwicklungsstrategie
4.2 Zusammenhang zwischen marktwirtschaftlicher Transformation und Außenpolitik
4.2.1 Das Netz bilateraler Abkommen
4.2.2 Die Beziehungen zu den USA
4.2.3 Die Beziehungen zu Europa
4.2.4 Die Beziehungen zum asiatisch-pazifischen Raum
4.2.5 Die Beziehungen zu den lateinamerikanischen Staaten
4.3 Beurteilung der chilenischen Entwicklungsstrategie
5. Vergleich der Bedingungsfaktoren der aktuellen chilenischen Außenpolitik
5.1 Geographische Lage, Regimetyp, Internationaler Kontext und Entwicklungsstrategie
6. Schlussbetrachtung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht die Bedingungsfaktoren der chilenischen Außenpolitik, wobei der Fokus auf dem Einfluss der chilenischen Entwicklungsstrategie liegt. Ziel ist es, durch einen Vergleich der historischen und aktuellen Einflüsse (Geographie, Regimetyp, internationaler Kontext und Entwicklungsstrategie) zu klären, inwieweit die wirtschaftliche Ausrichtung die außenpolitischen Spielräume und Zielsetzungen des Landes bestimmt.
- Analyse der historischen Bedingungsfaktoren (Geographie, Regimetyp)
- Untersuchung des Paradigmenwechsels in der chilenischen Entwicklungsstrategie
- Auswirkung der marktwirtschaftlichen Transformation auf die Außenhandelspolitik
- Vergleich der außenpolitischen Strategien unter verschiedenen Regierungen
- Evaluation der Bedeutung internationaler Abkommen und regionaler Integration
Auszug aus dem Buch
Die importsubstituierende Industrialisierung
Das Modell der importsubstituierende Industrialisierung entstand in Lateinamerika als Reaktion auf die Wirtschaftskrise 1929/1930, da hier traditionelle Exportmärkte verloren gingen. Man konzentrierte sich in der Folgezeit auf den Aufbau einer nationalen Industrie die durch staatliche Subventionierung und protektionistische Abschottung gefördert werden sollte. Eine Binnenmarktorientierung und eine Entwicklung nach innen (desarollo hacia adentro) sollte durch eine aktive Rolle des Staates im Modernisierungsprozess flankiert werden. Ziel war es, durch eine aufholende Entwicklung eine aktive Rolle im Weltmarkt zu erreichen, um so von Preisschwankungen auf dem Rohstoffmarkt unabhängiger zu werden, und dementsprechend der Verschlechterung der terms of trade entgegenzuwirken.
Dementsprechend versuchte die Politik Allendes diese Vertiefung der ökonomischen und politischen Unabhängigkeit unter anderem durch aktive staatliche Eingriffe in die Wirtschaft zu erreichen. Mittels gewährten Einkommenssteigerungen sollte die kaufkräftige Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen gesteigert werden. „Preiskontrollen sollten inflationäre Tendenzen bereits im Ansatz unterbinden, die Abwälzung der Lohnerhöhungen auf die Verkaufspreise verhindern und dazu beitrage, dass die Kaufkraft breiter Volksschichten real erhöht blieb“ (Nohlen 1973: 193).
Im Bereich der Außenwirtschaftspolitik verfolgte man „eine unrealistische Wechselkurspolitik, die mit stabilitätspolitischen Argumentationen einerseits, mit dem ökonomisch sinnfreien Argument der Stärke und Unabhängigkeit andererseits, begründet wurde“ (Nohlen 1973: 207). Das in der Folgezeit eingetretene Absinken der Devisenreserven, die negative Zahlungsbilanz, das Ausbleiben ausländischer Kapitalhilfe sowie die hohe Auslandsverschuldung führten aber zu einer höchst kritischen außenwirtschaftlichen Situation.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Darstellung der Problemstellung hinsichtlich der Koexistenz von Konstanz und Wandel in der chilenischen Außenpolitik sowie der vier zentralen Bedingungsfaktoren.
2. Theoretischer Rahmen: Diskussion des Forschungszusammenhangs, der methodologischen Überlegungen und Definition grundlegender Begriffe wie Außenpolitik und Entwicklungsstrategie.
3. Drei Bedingungsfaktoren chilenischer Außenpolitik: Geographische Lage, Regimetyp und Internationaler Kontext: Untersuchung der geographischen Abgeschiedenheit, des Einflusses verschiedener politischer Regime sowie des internationalen Umfelds auf die Außenpolitik.
4. Entwicklungsstrategie als Bedingungsfaktor chilenischer Außenpolitik: Analyse der marktwirtschaftlichen Transformation und deren direkter Zusammenhang mit außenpolitischen Abkommen und Beziehungen zu den wichtigsten Handelsregionen.
5. Vergleich der Bedingungsfaktoren der aktuellen chilenischen Außenpolitik: Synchrone Analyse des Einflusses der vier Bedingungsfaktoren auf die aktuelle Außenpolitik und Beantwortung der Frage nach einem zentralen Faktor.
6. Schlussbetrachtung: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse und Ausblick auf die Weiterentwicklung der chilenischen Außenpolitik unter Berücksichtigung der Entwicklungsstrategie.
Schlüsselwörter
Chile, Außenpolitik, Entwicklungsstrategie, Marktwirtschaft, Globalisierung, Redemokratisierung, Neoliberalismus, Exportförderung, Handelsabkommen, Geopolitik, Internationale Beziehungen, CEPAL, lateinamerikanische Integration, Wirtschaftstransformation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Faktoren, die die Außenpolitik Chiles im historischen Verlauf und in der aktuellen Phase nach der Redemokratisierung beeinflussen und bedingen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen sind die vier identifizierten Bedingungsfaktoren: Geographische Lage, Regimetyp, internationaler Kontext und insbesondere die wirtschaftliche Entwicklungsstrategie.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Hauptziel ist es, zu ermitteln, ob es einen zentralen Bedingungsfaktor für die chilenische Außenpolitik gibt und welchen Stellenwert die Entwicklungsstrategie dabei einnimmt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die vergleichende Methode, wobei diachrone und synchrone Vergleiche der Variablen durchgeführt werden, um Hypothesen zur chilenischen Außenpolitik zu generieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt detailliert die historische Entwicklung unter verschiedenen Präsidenten, den Prozess der marktwirtschaftlichen Transformation sowie die Außenhandelspolitik und das Netz bilateraler Abkommen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Chile, Außenpolitik, Entwicklungsstrategie, Marktwirtschaft, Globalisierung, Neoliberalismus und Exportförderung.
Warum spielt die Geographie für Chile eine so große Rolle?
Die geographische Lage, oft als periphere Abgeschiedenheit bezeichnet, prägt das chilenische Selbstverständnis als "pazifische Nation" und beeinflusst die Sicherheits- und Infrastrukturpolitik erheblich.
Welche Bedeutung hatte der Regimewechsel 1973 für die Außenpolitik?
Der Machtantritt des Militärregimes markierte eine radikale Zäsur, die mit einem Übergang vom importsubstituierenden Modell zu einem radikal neoliberalen Wirtschaftsmodell einherging.
- Quote paper
- Daniel Brandtner (Author), 2002, Die Außenpolitik Chiles - die chilenische Entwicklungsstrategie als Bedingungsfaktor, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/10320