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Die Reform des Mudawwana in Marokko

Institutionelle Hindernisse bei der Umsetzung des 2004 reformierten Personenstatuts

Title: Die Reform des Mudawwana in Marokko

Term Paper (Advanced seminar) , 2019 , 33 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Lea Seiter (Author)

Orientalism / Sinology - Islamic Studies
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Diese Arbeit geht der Frage nach, inwiefern institutionelle Mechanismen und Strukturen die Um- und Durchsetzung des 2004 reformierten Mudawwana in Marokko behindern. Der Fokus liegt auf der Anhebung des Ehefähigkeitsalters, da diese besonders kontrovers diskutiert wird und in der Literatur als das zentrale Hemmnis der erfolgreichen Anwendung des betreffenden Artikels aufgegriffen wird.

Das Personenstatut, auch Familienrecht oder Personenstandsrecht Marokkos, umfasst das nach dem Vorbild des klassisch islamischen Rechts gefasste, auf die Person bezogene Recht. Dieses erfuhr im Jahr 2004 umfassende Reformen, mit denen die Rechte von Frauen und Kindern gestärkt und die Gleichheit zwischen Frau und Mann gesetzlich festgeschrieben werden sollte.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung – Grundlagen, Personenstatut und Reform

II. Institutionelle Rahmenbedingungen in Marokko

1. Politische Strukturen

2. Justiz und Rechtssystem

III. Die Reform des marokkanischen Personenstatuts - inhaltlich

1. Eheschließung und Ehefähigkeit

2. Scheidung und Scheidungsformen

3. Kinder und Sorgerecht

4. Sonstige Bestimmungen

IV. Interpretationsspielräume und richterliche Autorisierung

1. Fallbeispiel Ehefähigkeitsalter

2. Praktische Umsetzung der Reform im institutionellen Rahmen

2.1 Bildung der Bevölkerung

2.2 Rechtswege und juristische Abläufe

2.3 Aus- und Weiterbildung des Gerichtspersonals

2.4 Unabhängigkeit der Justiz und Korruption

2.5 Institutionelle Haltung gegenüber der Reform

V. Fazit – Angleichung von Gesetz und Realität

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die Diskrepanz zwischen den reformierten Gesetzestexten des marokkanischen Personenstatuts (Mudawwana) von 2004 und deren tatsächlicher praktischer Anwendung. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, inwieweit institutionelle Mechanismen und sozio-kulturelle Strukturen die effektive Durchsetzung der Reformziele, insbesondere im Hinblick auf den Kinderschutz und die Anhebung des Ehefähigkeitsalters, behindern.

  • Analyse der institutionellen Rahmenbedingungen von Politik und Justiz in Marokko.
  • Untersuchung der inhaltlichen Neuerungen des Mudawwana von 2004.
  • Identifikation von Hindernissen wie Korruption, Bildungsdefiziten und patriarchalen Wertvorstellungen bei Gericht.
  • Evaluierung der Auswirkungen von Interpretationsspielräumen auf die richterliche Praxis.

Auszug aus dem Buch

1. Eheschließung und Ehefähigkeit

Im ersten Buch unter Titel II, Kapitel 1 sind die Gesetzesartikel bzgl. Ehefähigkeit und Vormundschaft erfasst. Art. 19 hebt das Ehefähigkeitsalter für Frauen von bisher 15 auf 18 vollendete gregorianische Jahre an und belässt es für Männer bei 18.31 Damit setzt der Gesetzgeber sich, ebenso wie im überholten Mudawwana, über die allgemeine malikitische Ehefähigkeitsbestimmung von 17 Jahren32 hinweg. Er hält jedoch in Art. 20 fest, dass eine Ehe zwischen Minderjährigen oder mit einer beteiligten minderjährigen Partei unter Berücksichtigung der Interessen und Motive und nach Anhörung der gesetzlichen Vormünder und eines medizinischen oder sozialen Gutachtens, durch den zuständigen Richter autorisiert werden darf.33 Diese Entscheidung kann, sofern positiv, nicht angefochten oder revidiert werden.34 Weiterhin untersteht die Entscheidung über den Antrag zur richterlichen Autorisierung der Ehen Minderjähriger dem gesetzlichen Vormund, es sei denn, der*die Minderjährige stellt den Antrag und der Familienrichter verfügt über die Sache.35

Am Fall des Ehefähigkeitsalters lässt sich der Versuch Mohammeds des VI. erkennen, die Reformen des Mudawwana religiös und unter Zuhilfenahme der klassischen islamischen Rechtsquellen zu legitimieren. Hier beruft er sich zwar nicht direkt auf Koran oder Sunna, die eingangs erwähnte Zitierung des Propheten Muḥammad im Vorwort unterstreicht aber durchaus seine Absicht der Rückbesinnung auf die Intention des Islam mithilfe von iǧtihād. Mit den Aussagen, man könne Frauen nicht gegen ihren Willen in die Ehe zwingen, und Gleichheit zwischen Mann und Frau müsse auch in Bezug auf das Ehefähigkeitsalter gelten, geht er auch hier vom Propheten aus, dessen Ausspruch, nur eine ehrbare Person würdige Frauen und nur eine niederträchtige degradiere sie, seine Rechtfertigungen stützen soll.36

Darüber hinaus war es bis 2004 einer marokkanischen Frau laut Gesetz unmöglich, ihre Ehe eigeständig zu schließen, denn sie benötigte die Zustimmung und die aktive Teilnahme ihres männlichen Vormundes, um einen gültigen Ehevertrag in ihrem Namen zu unterzeichnen. Diese Regelung der gesetzlichen Notwendigkeit eines Tutors, dem sog. walī ist mit der Reform des Mudawwana abgeschafft. Es ist einer volljährigen Marokkanerin nun erlaubt, einen Ehevertrag abzuschließen, indem sie diesen entweder selbst unterzeichnet oder das Mandat einem walī, überträgt.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung – Grundlagen, Personenstatut und Reform: Einführung in das marokkanische Personenstatut (Mudawwana) und Darlegung der zentralen Forschungsfrage bezüglich der institutionellen Umsetzungshindernisse.

II. Institutionelle Rahmenbedingungen in Marokko: Analyse der politischen und justiziellen Strukturen Marokkos, die das Fundament für die Implementierung familienrechtlicher Reformen bilden.

III. Die Reform des marokkanischen Personenstatuts - inhaltlich: Detaillierte Darstellung der inhaltlichen Neuerungen des Mudawwana von 2004 in Bezug auf Ehe, Scheidung und Sorgerecht.

IV. Interpretationsspielräume und richterliche Autorisierung: Untersuchung der Faktoren, die eine effektive Reformumsetzung behindern, einschließlich Bildungsstand, juristischer Prozesse und institutioneller Korruption.

V. Fazit – Angleichung von Gesetz und Realität: Zusammenfassende Bewertung der Diskrepanz zwischen Reformanspruch und gesellschaftlicher Praxis sowie Ausblick auf notwendige weitere Schritte.

Schlüsselwörter

Mudawwana, Marokko, Personenstatut, Familienrecht, Islamisches Recht, Frauenrechte, Justizreform, Ehefähigkeitsalter, Kinderehe, institutionelle Hindernisse, Rechtsprechung, Korruption, Gleichberechtigung, Gesetzesimplementierung, Rechtsweg.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Umsetzung des im Jahr 2004 reformierten marokkanischen Familienrechts, des sogenannten Mudawwana, und beleuchtet kritisch, warum die gesetzlichen Neuerungen oft nicht die beabsichtigte Wirkung entfalten.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zentrale Themen sind das Familienrecht, die institutionellen Rahmenbedingungen der marokkanischen Justiz, die Rolle des Monarchen bei Gesetzgebungsreformen und die sozio-ökonomischen Faktoren, die den Zugang der Bevölkerung zu ihren Rechten einschränken.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Forschungsfrage lautet, inwiefern institutionelle Mechanismen und politische Strukturen die Durchsetzung der 2004 reformierten Mudawwana in Marokko konkret behindern.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?

Es handelt sich um eine politik- und islamwissenschaftliche Analyse, die auf der Auswertung von Gesetzestexten, wissenschaftlicher Fachliteratur sowie Regierungs- und NGO-Berichten basiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die inhaltliche Vorstellung der Reformen und eine detaillierte Analyse der Umsetzungshindernisse, wobei besonders das Ehefähigkeitsalter als Fallbeispiel für eine "de facto Gesetzeslücke" dient.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Mudawwana, Rechtssicherheit, Interpretationsspielräume, Korruption, patriarchale Wertvorstellungen und die Unabhängigkeit der Justiz.

Warum wird das Ehefähigkeitsalter als zentrales Fallbeispiel genutzt?

Das Ehefähigkeitsalter ist ein hochgradig kontroverses Thema, bei dem sich durch Ausnahmeregelungen und richterliche Interpretationsspielräume eine deutliche Lücke zwischen dem Reformanspruch von 18 Jahren und der tatsächlichen Praxis der Kinderehen zeigt.

Welche Rolle spielt die Korruption bei der Umsetzung der Reform?

Korruption im Justizsystem untergräbt laut der Arbeit die Unabhängigkeit der Gerichte und ermöglicht es, dass persönliche Interessen und Bestechungen über die gesetzlich festgelegten Schutznormen für Frauen und Kinder gestellt werden.

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Details

Title
Die Reform des Mudawwana in Marokko
Subtitle
Institutionelle Hindernisse bei der Umsetzung des 2004 reformierten Personenstatuts
College
Christian-Albrechts-University of Kiel  (Orientalistik)
Course
Ehe, Familie und Geschlechterrollen im Islam der Moderne
Grade
1,7
Author
Lea Seiter (Author)
Publication Year
2019
Pages
33
Catalog Number
V1032482
ISBN (eBook)
9783346439970
ISBN (Book)
9783346439987
Language
German
Tags
Mudawwana Marokko Frauenrechte Familienrecht Scharia
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Lea Seiter (Author), 2019, Die Reform des Mudawwana in Marokko, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1032482
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