Der Dramatiker Arthur Adamov wird nicht nur der Avantgarde des 20. Jahrhunderts zugeordnet, sondern spätestens seit der Veröffentlichung von Martin Esslins Buch „Das Theater des Absurden“ wird Adamov zudem gemeinsam mit Beckett und Ionesco als einer der wichtigsten Vertreter eines Theater des Absurden gesehen. Dennoch scheint es schwierig, den Begriff des Absurden auszuklammern, wenn man eines seiner frühen Stücke analysieren möchte.
Adamov sah im Theater vor allem die Möglichkeit, seinen inneren psychischen Zwängen Ausdruck zu verleihen. Das Gefühl, entfremdet und getrennt zu sein von der Welt, innere Zweifel und Selbsthass lagen vielen seiner Stücke zu Grunde. Adamov, welcher zeitlebens unter schweren Neurosen litt, sah im Schreiben darüber hinaus auch eine Art Selbsttherapie: Indem er seinen krankhaften Gefühlen und Gedanken Ausdruck verlieh, konnte er diese zum Teil sogar überwinden. Auch wenn es nicht Adamovs Intention gewesen sein mag, ein „Theater des Absurden“ zu kreieren, so hilft es uns, sein Stück unter jenen Aspekten zu betrachten, die diese Bezeichnung mit sich bringt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Einführung
1.2 Adamovs Leben und Werk: Von der Absurdität zur Revolte
1.3 Das Theater des Absurden
1.4 Adamovs erstes Stück: La Parodie
2. Dramenanalyse
2.1 Figurenkonzeption
2.2 Figurencharakterisierung
2.3 Dialog und Sprache: Über die Unmöglichkeit zwischenmenschlicher Kommunikation
2.4 Handlung: La Présence de l'absence
2.5 Raum und Requisiten
2.6 Zeit: L'horloge sans aiguilles
3. Schlussbetrachtungen
3.1 La Parodie – Une parodie de quoi?
3.2 Wirkungsabsicht: Rechtfertigung und Revolte
3.3 Konklusion
Zielsetzung und Themen
Diese Arbeit untersucht das Werk "La Parodie" von Arthur Adamov unter dem Fokus der Absurdität. Ziel ist es zu analysieren, wie Adamov durch die Reduktion von Handlung, Figuren und Sprache sowie die bewusste Manipulation von Raum und Zeit existenzielle Ängste und die Unmöglichkeit zwischenmenschlicher Kommunikation dramatisch darstellt.
- Die Entstehungsgeschichte und Einordnung von Adamovs Frühwerk im Kontext des Theaters des Absurden.
- Die detaillierte Figurenkonzeption und Charakterisierung der Protagonisten als schemenhafte, austauschbare Individuen.
- Die Analyse der sprachlichen Defizite und der Kommunikation als Instrument der Entfremdung.
- Die Bedeutung der visuellen Ebene, wie Bühnenbild und Requisiten, für die Atmosphäre der Absurdität.
Auszug aus dem Buch
2.3 Dialog und Sprache: Über die Unmöglichkeit zwischenmenschlicher Kommunikation
Die Sprache im Stück ist einfach, hat aber oft symbolischen Charakter, der nicht immer auf den ersten Blick erkennbar ist. Der Dialog im Stück ist quasi nicht vorhanden. Wenn die Figuren miteinander sprechen, so findet zwischen ihnen keine wirkliche Kommunikation statt: Es werden jene Kommunikationsmaxime verletzt, die normalerweise für eine gelingende Unterhaltung notwendig sind. Das allgemeine Kooperationsprinzip wird von den Figuren häufig missachtet; die Dialoge sind vor allem durch mangelnde Responsivität gekennzeichnet. Die Figuren sprechen miteinander, ohne auf die Worte der anderen Bezug zu nehmen: „oui ils parleront, chacun entendra ce que dira l'autre, mais l'autre ne dira pas ce qu'il aura à dire.“ So etwa in folgender Szene, in der die Worte N.s scheinbar einfach „überhört“ werden:
N. - Je n'ai rien à perdre, pas même la vie; je l'ai donnée à Lili, en échange elle me donne la mort. (A voix basse.) Elle m'a promis que je mourrai de sa main. LE DIRECTEUR, au Journaliste. - Quel heureux hasard! Je voulais justement vous parler: j'ai une grosse affaire en main. (33)
Nicht selten sprechen die Figuren auch einfach weiter, obwohl ihre Gesprächspartner sie längst verlassen haben, wie etwa der Angestellte in jener Szene:
L'EMPLOYÉ, qui n'a pas remarqué le départ de Lili.- Je ne sais pas comment vous remercier. Aucun mot ne peut dire la joie... A neuf heures précises devant le Continental... Je vous attendrai aussi longtemps qu'il faudra. Je ne suis quand même pas à un quart d'heures près. Chaque instant, je le vivrai en vous, mon grand amour. (16)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung verortet das Werk im Kontext des Theaters des Absurden und beleuchtet Adamovs biografischen Hintergrund.
2. Dramenanalyse: In diesem Kapitel werden Figuren, Sprache, Raum und Zeit in La Parodie detailliert untersucht, um die Absurdität der Existenz aufzuzeigen.
3. Schlussbetrachtungen: Hier wird das Werk als Parodie reflektiert und Adamovs Intention hinter der Darstellung der Absurdität zusammenfassend bewertet.
Schlüsselwörter
Arthur Adamov, La Parodie, Theater des Absurden, Existenzialismus, zwischenmenschliche Kommunikation, Figurencharakterisierung, Entfremdung, Sprachlosigkeit, Bühnenbild, zeitliche Desorientierung, Revolte, Antitheater, Dramenanalyse, französische Literatur, Absurdität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit Arthur Adamovs Stück "La Parodie" und dessen Einordnung sowie inhaltlicher Analyse innerhalb des Theaters des Absurden.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die menschliche Entfremdung, die Unmöglichkeit echter Kommunikation, die Statik von Figuren und das Fehlen einer klassischen Handlungslogik.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Adamov durch spezifische dramaturgische Mittel die Absurdität der menschlichen Existenz auf der Bühne erfahrbar macht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Dramenanalyse angewandt, die primär auf dem Primärtext sowie einschlägiger Sekundärliteratur zur Ästhetik des absurden Theaters basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die Figurenkonzeption, die sprachliche Kommunikation, die Bedeutung des Bühnenraums und der Umgang mit Zeit analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Arthur Adamov, La Parodie, Absurdität, Entfremdung und die Unmöglichkeit der Kommunikation.
Wie unterscheidet sich "La Parodie" von einem klassischen Theaterstück?
Das Stück verzichtet auf eine kohärente Handlung, Figuren sind austauschbar und statisch, und die Kommunikation zwischen ihnen findet faktisch nicht statt.
Welche Rolle spielt die Figur "N." in Adamovs Stück?
N. fungiert als nihilistische Figur, die masochistische Tendenzen aufweist und eine Schlüsselrolle in der Darstellung der Lebensfeindlichkeit einnimmt.
Warum wird Adamovs Stück als "Parodie" bezeichnet?
Der Titel deutet auf eine Verzerrung und die Demystifizierung herkömmlicher Werte hin, wobei die Parodie hier nicht ein konkretes Werk, sondern die menschliche Existenz selbst betrifft.
Welche Bedeutung haben Raum und Zeit in der Inszenierung von "La Parodie"?
Raum und Zeit sind nicht definiert; das Bühnenbild und die fehlende Zeitmessung unterstreichen die Orientierungslosigkeit und Sinnlosigkeit des Daseins.
- Arbeit zitieren
- Nicole Prosser (Autor:in), 2017, Das Theater des Absurden. Eine Untersuchung der Absurdität in "La Parodie" von Arthur Adamov, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1032521