Die Reichsburg Kalsmunt


Hausarbeit (Hauptseminar), 2000

17 Seiten, Note: 2-


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Inhalt

1 EINLEITUNG

2 DIE STAUFISCHE REICHSBURG ‚KALSMUNT’
2.1 DIE REICHSBURG IN DER KAISERLICHEN TERRITORIALPOLITIK
2.2 DIE BURGMANNEN
2.3 DIE TOPOGRAPHISCHE LAGE DES KALSMUNT IM BEZUG ZUR STADT WETZLAR

3 WETZLAR UND DAS REICH
3.1 DIE STADT ALS ABGESCHLOSSENER RAUM 9
3.1.1 DIE RAUMFUNKTION DER STADTMAUER
3.1.2 DER POLITISCHE RAUM ‚STADT WETZLAR’
3.2 DAS VERHÄLTNIS DER S TADT ZUM R EICH

4 DAS VERHÄLTNIS ZWISCHEN BURG UND STADT
4.1 DIE ROLLE DER B URGMANNEN IN DER STÄDTISCHEN S OZIALORDNUNG
4.2 FUNKTIONSTEILUNG ODER F UNKTIONSVERDICHTUNG

5 DAS ENDE DER BURG

6 LITERATURV ERZEICHNIS

7 ANHANG: REGESTEN DER ACTA IMPERII, DIE REICHSBURG KALSMUNT BETREFFEND

1 Einleitung

Das Seminar Hessische Städte im späten Mittelalter im Wintersemester 1996/97 erlaubte mir im Rahmen meines Geschichtsstudiums einen Ort zu untersuchen, dem ich mich durch meine persönliche Geschichte in gewissem Sinne verbunden fühle. Die Burg Kalsmunt bei Wetzlar war unter den Schülern der Goetheschule mit geschichtlichem Interesse ein beliebter Ort, im Atem der Geschichte gleichzeitig, im schönen Anblick der modernen Stadt, kontemplativ innezuhalten.

Meine Heimatverbundenheit war sozusagen das ausschlaggebende Moment, ein Referatsthema zu wählen, das sich für eine wissenschaftliche Betrachtung als sehr begrenztes erwies. August Schoenwerk hat mit seinem Beitrag über den Kalsmunt bereits 1962 den Stand der Forschung markiert, der bis heute einen Endpunkt der Betrachtungen über den Kalsmunt darstellt. Der Grund dafür ist weniger dem wissenschaftlichen Eifer der Heimathistoriker zuzuschreiben, als der Verwertbarkeit des Kalsmunt zu wissenschaftlichen Zwecken.

Mein Vorhaben, die Geschichte der kleinen Reichsburg im größeren Zusammenhang zu betrachten, ist aufgrund einer zu schmalen Quellenbasis gescheitert. Nach Untersuchung der betreffenden Acta Imperii schien mir eine Erforschung territorialpolitischer Zusammenhänge auf der Ebene kaiserlicher Macht, in die die kleine Reichsburg hätte verwickelt gewesen sein können, zu gewagt. Der Vollständigkeit halber habe ich alle Regesten, welche die Reichsburg betreffen dem Anhang beigefügt. Die Arbeit beschränkt sich somit auf einer Ausarbeitung meines Referates, das ich im Rahmen des Seminars gehalten habe.

2 Die staufische Reichsburg ‚Kalsmunt’

2.1 Die Reichsburg in der kaiserlichen Territorialpolitik

Die Gründungszeit der Reichsburg Kalsmunt (1170-80) fällt in die Regierungszeit Friedrichs I. Barbarossa, (?1122-1190).[1] Es ist eine Zeit, in der ein staatsbildender Territorialisierungsprozeß nur sehr schleppend in Gang kommt. Die Macht im Reich wird vorwiegend durch lokal orientierte Adelige oder kirchliche und geistliche Zentren, wie Bistümer, Stifte oder Klöster ausgeübt. Die Herrschaftsgrenzen werden gebildet durch die Grenzen, in denen direkte Machtausübung möglich ist.

Nicht viel anders stellt sich die Situation für ein Machtgebilde dar, wie es das staufische Königshaus ist. Natürlich sind die Formen kaiserlicher Machtausübung vielfältiger und Einsetzungs- und auch schon Heiratspolitik spielen eine wichtige Rolle neben tatsächlichem Grundbesitz und Truppenstärken.[2] Das Staufische Haus konnte sich kaum auf ein angestammtes starkes Kernland stützen, wie beispielsweise später die Habsburger Dynastie auf ihre Erblande, und so waren seine Herrscher bestrebt ein möglichst großes zusammenhängendes Territorium herauszubilden, das die Grundlage ihrer Hausmacht, aber auch - mit Erlangung der Kaiserwürde - ihrer Reichsmacht, darstellen sollte. Zur Sicherung ihrer Macht im Reichsland war die materielle Präsenz kaiserlicher Gewalt von existentieller Bedeutung, Den kleineren Territorialherren mußte die übergeordnete Gewalt immer vor Augen gehalten werden.[3]

Friedrich Barbarossas Wirken im Rhein-Main-Gebiet und in der Wetterau zielte darauf, dieses Gebiet dem Reichsland einzugliedern. Durch seine Hand entstanden dort eine Reihe Staufischer Stützpunkte: die Burg Gelnhausen, welche später zur Kaiserpfalz ausgebaut wurde, die Burg Münzenberg, Frankfurt wurde besonderer Aufmerksamkeit gewidmet (Ausbau des Saalhofes) und schließlich, zur Markierung des äußersten Zipfel der wetterauer terra imperii, die Privilegierung der Stadt Wetzlar (1180)[4] und die Errichtung der Reichsburg Kalsmunt (vor 1180). Die Burg, die 1226 erstmals erwähnt wurde,[5] befindet sich direkt gegenüber des Wetzlarer Stiftsberges, also an der westlichen Fortsetzung der Weinstraße und beherrscht damit die vom Lahntal über den Westerwald nach Köln führende „Hohe Straße“.[6]

Auf die Bedeutung dieses nördlichsten kaiserlichen Stützpunktes kann anhand der Überlieferung in zweierlei Hinsicht geschlossen werden: einerseits sollte die Burg gegenüber der Stadt eine Schutzfunktion ausüben, die man auch als vordergründigen Errichtungsgrund für die Burg annehmen darf. Konrad IV. weist in einer Bestätigungsurkunde der Privilegien der Stadt Wetzlar von 1242 nochmals ausdrücklich darauf hin.[7] Zum zweiten ist zu erwähnen, daß vor der urkundlichen Erwähnung der Burg Münzenfunde darauf hinweisen, daß der Kalsmunt Münzstätte gewesen ist. Die Vermutung könnte angestellt werden, daß für die Burg eine zukunftweisende Funktionserweiterung vorgesehen war.[8]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Münze der Prägestätte auf dem Kalsmunt[9]

Ob die Reichsburg Kalsmunt die ihr anvertrauten Funktionen erfüllen konnte und ob sich ihre aussichtsreiche Situation zu Nutze machen konnte oder sich sogar, wie beim Vorbild Friedberg, in die Stadtgeschäfte vehement einmischen konnte, wird im weiteren Verlauf zu klären sein.

Doch zunächst ein Blick in die Burg bzw. die Frage nach ihren Bewohnern.

2.2 Die Burgmannen

Als Besatzung der Burg dienten Dienstmannen, meist aus dem Stand der Reichsministerialen, die sich aus dem niederen Adel der Umgebung rekrutierten.[10] Die Burgmannen, miles castellanus oder castrensis, belehnte der Kaiser mit Einkünften aus Grundbesitz, Waldanteilen, Geleit- oder Wegeabgaben, mit zunehmender Geldwirtschaft auch mit Steuereinkünften, wie es für den Kalsmunt beispielsweise für die Judensteuer belegt ist.[11] Die Burgmannen ihrerseits verpflichten sich dafür dem Kaiser gegenüber die Burg in Stand zu halten, evtl. sie aus- oder aufzubauen und somit grundsätzlich die kaiserliche Macht zu repräsentieren. Eine Präsenz, die sich vorwiegend gegen die sich im Aufwind befindenden Territorialgewalten und Herrschergeschlechter richtete. Diese waren stets bestrebt ihr Territorium und damit ihre landesherrlichen Rechte zu vergrößern.[12] Kaiserlichen Lehen waren Entwicklungen der Art, daß mächtige Lehensmänner sich von dem Einfluß des Kaisers freizumachen suchten, nicht fremd und so gehörte die Praxis der Aufteilung eines Lehens zu der Sicherung des kaiserlichen Einflusses. Das gesamte Burglehen wurde nicht einem mächtigen Herren anvertraut, sondern auf eine Burgmannschaft verteilt. Die Burgmannen stammten aus verschiedenen Familien, so daß die Hoffnung bestand, es würde schlecht zu einer Einigung unter Ihnen kommen und sich eine geschlossene Körperschaft entwickeln, die das kaiserliche Lehen dann gegen den Kaiser einsetzen würde.[13]

Die Reichsburg Kalsmunt war ursprünglich als reine Verteidigungsanlage konzipiert worden. Man nimmt an, daß der heute als einziges Überbleibsel erhaltene Turm, das früheste und lange Zeit wohl auch das einzige Bauwerk auf dem gleichnamigen Berg gewesen ist. Inwieweit sich der Dienst der Burgmannen auf eine permanente Besetzung der Burg, oder nur eine zu Zeiten der Bedrohung bezog, ist nicht bekannt. Rudolf v. Habsburg (1273-91) sorgte, im Zuge einer allgemeinen Verstärkung seiner Reichsburgen für den Ausbau der Burg und es ist uns bekannt, das nach 1269 wenigstens noch ein Wohn- haus und eine Kapelle auf dem Burgberg gestanden haben, sowie die ganze Anlage mit Ringmauer und Wall umgeben

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Reichsburg Kalsmunt – Skizze[14]

war.[15] Daß es in der Ganerbengemeinschaft einen

Teil gegeben hätte, der in der Geschichte der Burg besondere Aufmerksamkeit hervorgerufen hätte, ist nicht zu berichten, wohl aber, daß ein Herrenhaus in seinem Namen den Namen der Burg führte und demzufolge auch auf der Burg lebte: die Erben der Herren von Kalsmunt, die Herren von Buseck, verkauften 1463 ihr gesamtes Burgerbe dem Grafen v. Nassau, nennen dabei auch die Wohngebäude, die Kapelle und die Gift (das Ausstattungsgut).[16]

Was sich in diesem Verkauf bereits andeutet, daß die Reichsburg in den Sog territorialpolitischer Zusammenhänge geraten ist - durch den Zuschlag an den Territorialherren v. Nassau -, scheint bei einem Blick auf die Lage, die die Burg in ihrer Umgebung einnimmt bereits schärfere Konturen zu bekommen.

[...]


[1] Vgl. Hahn, Herbert „Untersuchungen zur Geschichte der Reichsstadt Wetzlar im Mittelalter“, Darmstadt und Marburg 1984, S.99f

[2] zu sehen bereits bei der Konsolidierung der Staufischen Herzogenwürde, vgl. Engels, Odilo „Die Staufer“, Stuttgart[u.a.] 71998, S. 15

[3] Zernack, Klaus „Landesausbau und Ostsiedlung“ in: „Die Zeit der Staufer. Geschichte – Kunst – Kultur“, Katalog der Ausstellung, Bd. 3 (Aufsätze), Stuttgart 1977

[4] WUB I, Nr. 5, S. 2

[5] Schoenwerk, August „Geschichte von Stadt und Kreis Wetzlar“, Wetzlar 21975, S. 66.

[6] vgl. Hahn 1984, S.98f (s. Anm.1)

[7] WUB I, Nr. 33, S.10

[8] Hahn 1984, S.99 (s. 1)

[9] Kaiser Friedrich I. Häv.294 0,80g skk, Die Vorderseite zeigt den thronenden Kaiser mit Lilienzepter und Palmenzweig, die Umschrift, - z.T. verdorben -, heißt FRIDERICUS IP; die Rückseite zeigt eine dreitürmige Architektur und die Umschrift, - ebenfalls verdorben -, CALSMUND VCP. Quelle: Haussherr, Reiner (Hg.) „Die Zeit der Staufer. Geschichte - Kunst – Kultur“, Katalog der Ausstellung, Bd. I (Katalog), Stuttgart 1977, S. 131

[10] Felschow, Eva-Marie „Wetzlar in der Krise des Spätmittelalters“, Darmstadt/Marburg 1985, S.14

[11] WUB I, Nr. 774, S. 328; Nr. 874, S. 364

[12] Schoenwerk 1975, S.98f (s. Anm. 5)

[13] Schoenwerk, August „Die Reichsburg Kalsmunt bei Wetzlar“, Franfurt/Main 1962, S.16f

[14] Quelle: Schoenwerk 1975, S.97 (s. Anm. 5)

[15] WUB I, Nr. 148, S.56

[16] vgl. Schoenwerk 1975, S. 100 (s. Anm. 5); WUB II,

17 von 17 Seiten

Details

Titel
Die Reichsburg Kalsmunt
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen
Veranstaltung
Hessische Städte im späten Mittelalter
Note
2-
Autor
Jahr
2000
Seiten
17
Katalognummer
V103261
Dateigröße
618 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Reichsburg, Kalsmunt, Hessische, Städte, Mittelalter
Arbeit zitieren
Guy Simonow (Autor), 2000, Die Reichsburg Kalsmunt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/103261

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