Der Konstruktivismus und Realismus. Eine Gegenüberstellung


Hausarbeit, 2021

17 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Grundlegende Informationen
2. 1 Theoriegattungen
2. 2 Bausteine der internationalen Politik

3 Der Realismus
3. 1 Der klassische Realismus
3.2 Der Neorealismus

4 Der Konstruktivismus

5 Gegenüberstellung
5. 1 Wie wird die Anarchie betrachtet?
5. 2 Sicherheit gleich Selbsthilfesystem?

7 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Die Entstehung der einzelnen Theorien der internationalen Beziehungen hat seinen Ursprung in historischen Vorkommnissen, wie z.B. die zahlreichen Kriege, Terroranschläge oder Klimakatastrophen1, welche strukturellen Veränderungen im internationalen System zur Folge hatten. Die Verantwortung der internationalen Politik liegt hierbei darin, diese schwerwiegenden Erfahrungen zu vermeiden, indem Sicherheit gewährleistet, die natürlichen Lebensgrundlagen erhalten, Wohlfahrt gesteigert und Freiheiten und Menschenrechte eingehalten werden.2 Vor diesen Herausforderungen steht die internationale Politik nicht nur in der Praxis, sondern auch in der Theorie. Der wesentliche Unterschied besteht darin, dass ein Praktiker Erfahrungen durch die aktive Teilnahme an der Wirklichkeit sammelt und der Theoretiker durch das Beobachten und die Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit an Erkenntnis erlangt.3

Eine Theorie ist eine „Mithilfe eines einheitlichen Begriffsapparates formuliertes sprachliches System, dessen Mittelpunkt Gesetzesaussagen bilden. Theorien gelten als Hauptinformationsträger wissenschaftlicher Erkenntnis.“4

Bevor zwei der wichtigsten Theorien der internationalen Politik vorgestellt und in zwei Kernpunkten gegenübergestellt werden, wird eine grundlegende Basis zur Erläuterung und Analyse hergestellt, indem im Vorfeld fundamentale Hintergrundinformationen gegeben werden.

Die folgende Hausarbeit beschäftigt sich mit zwei ausgewählten Theorieströmungen der internationalen Politik, dem Realismus und dem Konstruktivismus. Nachdem diese erläutert werden, folgt eine Gegenüberstellung der Theorien in zwei Kernelementen.

2 Grundlegende Informationen

2. 1 Theoriegattungen

Um einen besseren Einblick in die Theorien zu gewähren, sollen die Theoriegattungen in Abgrenzung voneinander erläutert werden.

Während die deskriptive Theorie die Wirklichkeit systematisch beschreibt und ordnet, eignet sich die normative Theorie dazu, eine wünschenswerte aber unrealistische Welt zu gestalten. Die kausaltypische Theorie dahingegen beschreibt durch die Erklärungsfunktion die Art und Weise der Entstehung. Dazu gehört sowohl die Prognosefunktion, welche Vorhersagen über die Entwicklung trifft, als auch die Problemlösefunktion, welche die Realität nach Wünschen gestaltet.5

2. 2 Bausteine der internationalen Politik

Außerdem bestehen die Sozialwissenschaftlichen Theorien, wozu die der internationalen Politik eingeordnet werden, aus vier aufeinander aufbauenden Bausteinen.

1. Akteure und Dispositionen:

Den ersten Baustein der Theorien bilden die Sozialen Akteure, die sich zum einen durch das bewusste Eingreifen in ihre Umwelt und zum anderen durch vorhandene Bedürfnisse und Wünsche auszeichnen. Unter Dispositionen versteht man die Art und Weise, wie Entscheidungen getroffen und Ziele verfolgt werden. Die relevanten Akteure in der internationalen Politik sind meistens Gruppen und Organisationen, wie Staaten, Nationen oder Wirtschaftsunternehmen.

2. Strukturen und Strukturwirkung:

Unter den zweiten Baustein fallen Strukturen, welche im Gegensatz zu den sozialen Akteuren nicht handeln können. Außerdem sind sie nicht sinnlich erfahrbar, setzen aber den den Rahmen der Möglichkeiten für das Handeln fest. Strukturen lassen sich in Schemata, also kulturelle Strukturen wie z.B. die Sprache oder kulturelle Unterschiede, in Regeln, worunter die Angaben für Elemente des Systems, dessen Anordnung und Position fällt und zuletzt in Ressourcen unterteilen, womit die Verteilung menschlicher und materieller Ressourcen der Akteure intendiert ist.

3. Prozesse und Interaktionen:

Um den Prozess zwischen Akteuren mit kausaler Autonomie zu erklären, müssen sich die unabhängige und die abhängige Variable auf einer gleichgestellten Ebene des Systems befinden. Darüber hinaus muss die Theorie den Interaktionsmechanismus spezifizieren, was die Handlungen der Teilnehmer in kollektive Handlungsergebnisse umwandelt. Aktionen, welche nicht immer beabsichtigt sind, können möglicherweise auch unerwartete Eigenschaften aufweisen, woraus gegebenenfalls ein Problem resultieren kann.

4. Rückwirkungen und Dynamiken:

Politische Ergebnisse wirken auf der einen Seite stabilisierend, wenn das Ergebnis den Zielen entspricht und auf der anderen Seite destabilisierend, wenn die Ergebnisse den Absichten der Akteure widersprechen. Hierunter fällt auch die Erwartung der Transparenz darüber, wie und unter welchen Bedingungen sich Akteure, Strukturen und Prozesse verändern und reproduzieren. Mit diesem letzten Punkt wird die Theoriekonstruktion vervollständigt.6

Der Zweck der Theorien besteht aus vier verschiedenen Funktionen. Die heuristische Funktion trägt zur Reduktion der komplexen Realität sowie zur Kategorisierung und Ordnung von Vielfalt bei, während die operative Funktion, Forschungsschritte operationalisieren, also Ziele messbar machen soll. Die Aufgabe der Theoriebildung im legitimatorischen Charakter ist es, politisches Handeln mit Beachtung des Kontextes zu begründen. Schließlich soll die kritische Funktion Korrelationen aufzeigen, politische Entscheidungen vorbereiten und die kritische Auseinandersetzung darüber erzielen.7

3 Der Realismus

Die Entwicklung der Theorieströmungen der internationalen Beziehungen werden stark durch die verheerenden Folgen und Erfahrungen des ersten Weltkriegs geprägt, woraus der Realismus seine eher pessimistische Grundhaltung entwickelte. Um die Zweigliedrigkeit des Realismus zu verdeutlichen, wird zunächst der klassische Realismus nach Hans J. Morgenthau und anschließend der Neorealismus nach Kenneth Walz näher gebracht.

3. 1 Der klassische Realismus

Die Grundsätze des klassischen Realismus wurden im Hauptwerk „Politics Among Nations“ des Hauptbegründers, Hans Joachim Morgenthau, niedergeschrieben. Diese Theorie basiert auf dem anarchischen Zustand der Staaten ohne jegliche dominierende Machtvertreter oder die Akzeptanz einer politischen Autorität, welche die Verantwortung für die Organisation innerhalb der zwischenstaatlichen Beziehungen trägt.8

Während ein Staat hierarchisch und zentralistisch geordnet ist und eine dominierende politische Autorität besitzt, ist das internationale System somit von der Abwesenheit einer übergeordneten Ordnungs- und Sicherheitsinstanz geprägt. Der homo oeconomicus basiert laut Thomas Hobbes auf einem negativen Naturzustand und strebt seine egoistischen Bedürfnisse auf Kosten unbeteiligter an. Eine Art Gesellschaftsvertrag welcher zwischen dem Staat und dessen Bürgern beschlossen wird, soll dies durch Normierungen und Regelungen vermeiden.9 Der Realismus geht davon aus, dass die Anarchie eine vorgegebene Variable ist, die als einzige logische Konsequenz, das Selbsthilfesystem, im Sinne „Krieg Aller gegen Alle“, mit sich bringt.10

Ursächlich für das nihilistisch Menschenbild des bekanntesten jüdischen Realisten, Hans Joachim Morgenthau, sind zeithistorisch beeinflusste Faktoren, wie die Erfahrung mit dem Holocaust, dem Nationalsozialismus oder die ständige Diskriminierung während seiner Schulzeit.11 12 13

Der auf den Krisenerfahrungen basierende Realismus betrachtet Macht als das Fundamentalelement der Politik^, welcher die Politik errichtet und regelt.13 Morgenthau konnte seine Frage, wodurch die Staaten zum Eintritt in die internationale Politik motiviert seien damit beantworten, dass das unmittelbare Ziel der internationalen Politik stets die Macht sei, wodurch die Durchsetzungsfähigkeit der nationalen Bedürfnisse auf internationaler Ebene erreicht wird.14 Sobald der Versuch erfolgt, Macht zu maximieren, beginnt das Betreiben der internationalen Politik, da Ungewissheit und Unsicherheit über die Absichten und Ziele anderer Staaten herrschen.15

„Unter Macht versteht man zumindest die Ausübung einer der folgenden Möglichkeiten, eigene Ziele auch gegen Widerstand durchzusetzen (Hart 1976 ) Lenkung von Ressourcen, Beherrschung von Akteuren, Lenkung von Politik- ergebnissen.“16

Hans J. Morgenthau folgerte aus dem Naturzustand dem „Krieg Aller gegen Alle“ nach der Logik der Hobbes'schen Anarchie, dass die wichtigste Ambition eines jeden Staates das Erreichen der eigenen Sicherheit sein müsse. Außerdem bedeutet das die Annahme über „Absolutes Misstrauen Aller gegen Alle“17 Das Erreichen der eigenen Sicherheit soll durch das Bestreben nach Macht erreicht werden, da jeder Staat ein potenzieller Gegner ist.18 Die Akteure innerhalb der internationalen Politik, sind Staaten und Staatsmänner.19

Genau hier setzt die Theorie von John Herz, ein Mitgründer des klassischen Realismus an. Während Morgenthau davon ausgeht, dass das Streben nach Macht in der menschlichen Natur liegt, betrachtet Herz das Machtstreben nicht als anthropologisch gegebenen Fakt, sondern versteht das Streben nach Sicherheit und die Angst vor Angriffen, als einen Faktor, der den Menschen zu einer Machtanhäufung zwingt. Somit ist das Ziel nicht die Macht, sondern die Sicherheit.20 „Das Streben nach Sicherheit im anarchischen Selbsthilfesystem führt zum Sicherheitsdilemma.“21 Definitionsgemäß bedeutet das einen „Teufelskreis von Sicherheitsbedürfnis und Machtanhäufung“22, indem das Überleben nur durch die Dominanz der militärischen Macht anderen Staaten gegenüber gesichert werden kann. Hierbei ist das eigentliche Ziel nicht die gezwungene Machtanhäufung sondern nur das Streben nach Sicherheit.23

3.2 Der Neorealismus

Diese zuvor erläuterten Grundgedanken greift der Professor für Politikwissenschaften, Kenneth Neal Walz auf und überarbeitet sie aufgrund seiner Behauptung, es herrsche Mangel an Wissenschaft und begründete daraus den Grundstein des Neorealismus in seinem Buch „Man, the State and War“, wobei „Man“ für das Individuum, „State“ für den Staat und „War“, für die Struktur des Internationalen anarchische Systems steht.24

[...]


1 vgl. Zimmermann, Hubert/Elsinger, Milena (2019): Grundlagen der Internationalen Beziehungen: Eine Einführung. Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart, S. 9.

2 vgl. Schimmelpfennig, Frank (2008): Internationale Politik. Verlag Ferdinand Schöningh GmbH & Co. KG, Paderborn, S. 28.

3 vgl. ebd. S. 39 ff.

4 vgl. Prof. Dr. Thommen, Jean-Paul: „Gabler Wirtschaftslexikon: Das Wissen der Experten“, unter: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/theorie-48604 [27.3.21]

5 vgl. Schimmelpfennig, 2008, S. 43 ff.

6 vgl. Schimmelpfennig, 2008, S. 50 ff.

7 vgl. Lemke, Christiane (2012): Internationale Beziehungen: Grundkonzepte, Theorien und Problemfelder. Oldenburg Wissenschaftsverlag GmbH, München, S.4 f.

8 vgl. Lemke, 2012, S. 15.

9 vgl. Antonczyk, Erik/Feske, Simon/Oerding, Simon (Hrsg.)(2014): Einführung in die internationalen Beziehungen: Ein Lehrbuch. Verlag Barbara Budrich, Oplaten, Berlin&Toronto, S. 23.

10 vgl. Gu, Xuewu (2010): Theorien der internationalen Beziehungen: Einführung. Oldenburg Wissenschaftsverlag GmbH, München, S. 234.

11 vgl. Lemke, 2012, S. 16.

12 vgl. Gu, 2010, S. 59.

13 vgl. Schieder, Siegfried/Spindler,Manuela (Hrsg.) (2017):Theorien der Internationalen Beziehungen. Springer VS Fachmedien Wiesbaden GmbH, Wiesbaden, S. 40.

14 vgl. Gu, 2010, S. 58.

14 vgl. Zimmermann/Elsinger, 2019, S. 57.

16 vgl. Tuschhoff, Christian (2005): Internationale Beziehungen. UVK Verlagsgesellschaft GmbH, Konstanz&München, S. 29.

17 Gu, 2010, S. 243.

18 vgl. Lemke, 2012, S. 15.

19 vgl. Zimmermann/Elsinger, 2019, S. 57.

20 vgl. Gu, 2010, S. 61.

21 Tuschhoff, 2005, S. 32.

22 Werkner, Ines-Jaqueline (2020):Friedens- und Konfliktforschung: Eine Einführung,Springer VS Fachmedien Wiesbaden GmbH, Wiesbaden, S. 211.

23 vgl. Gu, 2010, S. 243.

24 vgl. Antonczyk/ Feske/ Verding, 2014. S. 23 f.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Der Konstruktivismus und Realismus. Eine Gegenüberstellung
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Note
1,7
Autor
Jahr
2021
Seiten
17
Katalognummer
V1032648
ISBN (eBook)
9783346441263
ISBN (Buch)
9783346441270
Sprache
Deutsch
Schlagworte
konstruktivismus, realismus, eine, gegenüberstellung
Arbeit zitieren
Sara Cicek (Autor:in), 2021, Der Konstruktivismus und Realismus. Eine Gegenüberstellung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1032648

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