Szenische Interpretation - Cicero "De officiis"


Hausarbeit (Hauptseminar), 2000
19 Seiten, Note: 2

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Inhaltsverzeichnis

1. Ciceros Leben unter philosophischen Aspekten

2. Cicero: „De officiis“
2.1 Überblick über das erste Buch
2.2 Überblick über das zweite Buch
2.3 Überblick über das dritte Buch

3. Ausarbeitung zu den Kapiteln 19b bis 32 aus dem dritten Buch

4. Literaturverzeichnis

1. Ciceros Leben unter philosophischen Aspekten

Seit seiner frühesten Jugendzeit befasste sich Cicero im Rahmen seiner rhetorischen Studien, die auch die griechische Bildung einschlossen, mit Philosophie. Vor allem war es das Bildungsideal des Scipionenkreises, dem er anhing, aber auch ein Epikureer namens Phädrus hatte ihn damals beeindruckt. Während er sich mit seinen rhetorischen Studien befasste und in den Jahren rastloser politischer und gerichtlicher Tätigkeit nur in wenigen Mußestunden Zeit für diese Wissenschaft fand, nahm seine Hingabe an die Philosophie in den Jahren seines politischen Abstieges immer mehr zu. Die unfreiwilligen Mußezeiten nutzte er jeweils zur intensiven Beschäftigung mit Philosophie: In der Zeit vor dem Bürgerkrieg entstanden die staatsphilosophischen und rhetorischen Schriften, die philosophische Studien voraussetzen. (Ciceros Rednerideal "Orator perfectus" verbindet philosophisches Wissen mit formaler Beredsamkeit.) Während der Diktatur Caesars und nach der Einigung zwischen Octavianus und Antonius verfasst er die philosophischen Schriften:Consolatio,Hortensius,Academici libri (Akademische Bücher),de finibus bonorum et malorum(Maßstäbe des Guten und des Bösen),Tusculanae disputationes(Tuskulanische Gespräche),de natura deorum(Über das Wesen der Götter),de divinatione(Über die Wahrsagung),de fato( Über das Schicksal),Cato maior de senectute(Über das Alter),Laelius (Über die Freundschaft) undDe officiis(Über das rechte Handeln) - diese unschätzbaren und historischen Dokumente und autobiographischen Zeugnisse sind von höchstem Wert. Als seine Lehrer nennt Cicero selbst zum einem den Stoiker Diodotos - mit ihm hat Cicero lange Zeit in einem Haus gelebt - und zum anderem den Akademiker Philon von Larissa, dessen Skeptizismus er in der Erkenntnislehre übernahm, wonach ein sicheres Erkennen der Wahrheit für den Menschen nicht möglich ist. Auf seiner Bildungsreise in den Osten (79-77 v. Chr.) hatte er den Stoiker und Universalgelehrten Poseidonius (135-51 v. Chr.) kennen gelernt. Dessen Kosmologie, die auf Anschauung von der Ordnung, Zweckmäßigkeit und Schönheit der Welt, sowie auf der von ihnen gestalteten Vernunft beruht, fand seine Zustimmung. Während Cicero die rigorose und lebensferne Ethik der älteren Stoa ablehnte, ließ er sich er sich in vielen seiner Schriften von den jetzt gemilderten sittlichen Grundsätzen der Lehre, wie der welterfahrene Stoiker Panaitios sie neu formuliert hatte, leiten. Panaitios sah es als erwiesen an, dass Tugend sich vor allem im Alltag bewähren müsse, und dass erst durch pflicht- und verantwortungsbewusste Mitarbeit am Gemeinwohl das eigentliche Menschsein verwirklicht werden könnte. Das beeinflusste nicht nur die führenden Männer Roms, sondern kam auch Ciceros römischen Wesen entgegen.

Des weiteren übernahm Cicero auch denhumanitas- Gedanken von Panaitios, der besagt, dass nicht nur die herablassende Milde, sondern auch die Sorge für Wohltat und Glück der Untertanen gewährleistet sein muss, dazu ergänzt Cicero aber noch die virtus. Beides in einer Person vereint entspricht für Cicero erst dem Vollbild des neuen Römers. Dieses Gedankengut, das Cicero der damaligen Tendenz zur Verschmelzung der Akademie, des Peripatos und der Stoa ausgewählt hatte (Eklektizimus), bildet die Grundlage für seine philosophischen Werke.

2. Cicero: „De officiis“

Ciceros „De officiis“ hat zwei herausragende Besonderheiten. Zum einen war es eines der ersten Bücher, die gedruckt wurden, nämlich im Jahre 1465 in Mainz, also ca. 1500 Jahre nach seiner Entstehung. Zum anderen ist es Ciceros erstes Werk, das nicht in Dialogform geschrieben ist, sondern in Briefform. Cicero richtet das ganze Werk an seinen Sohn Marcus.

Bis in die heutige Zeit hat das Werk „De officiis“ Auswirkungen in der Literatur-, Philosophie- und Kulturwelt. (Vgl. Anhang 3)

2.1 Überblick zum ersten Buch

Die Pflichten der Ehrenhaftigkeit (honestum) Das erste Buch beginnt mit einer Widmung Ciceros an seinen Sohn Marcus und mit zwei Ermahnungen an ihn; erstens soll er das Lateinische mit dem Griechischen nach seinem Vorbild verbinden und zweitens wird er zur Lektüre der rhetorischen und philosophischen Schriften ermahnt. (1- 3)

Darauf folgen einige Vorbemerkungen zum Thema:

- Cicero begründet die Wahl des Themas damit, dass er seinem Sohn etwas

Schriftliches hinterlassen möchte, das seinem Alter angemessen ist und Ciceros Ansehen nach am angemessensten ist, nämlich die Lehren und Ermahnungen über das pflichtgemäße Handeln, das Ciceros Meinung nach noch nicht zu Genüge von den Philosophen behandelt wurde.

- Er führt einen Überblick über den ethischen Ansatz der einzelnen Schulen auf und

- nennt die Stoiker als Vorbild der Schrift, (Mehr zur Stoa siehe im Anhang 1)

- definiert den Begriff des pflichtgemäßen Handelns (officiium),

- teilt diese in „mittlere“ und „vollkommene“ Pflichten auf,

- kritisiert Panaitios` Dreiteilung und

- teilt in fünf Hauptpunkte auf: In mehr oder weniger Ehrenhaftes, in mehr oder weniger Nützliches und den Konflikt zwischen Ehrenhaftem und Nützlichem. „Mehr oder weniger Ehrenhaftes“ wird im I. Buch behandelt, „mehr oder weniger Nützliches“ im II. Buch und der Konflikt zwischen Ehrenhaftem und Nützlichem wird im III. Buch abgehandelt. (I / 4- 10)

Mit der Erörterung des Ehrenhaften im allgemeinen fährt Cicero fort, indem er das Ehrenhafte als Vollendung der Vernunftnatur des Menschen an Beispielen begründet:

- Durch seine Vernunft kontrolliert der Mensch den Selbsterhaltungs- und Fortpflanzungstrieb.

- Er bildet eine Gemeinschaft.

- Der Mensch hat einen Erkenntnisdrang und Machtstreben.

- Er kann die innere Struktur der Dinge sinnlich und geistig erfassen.

(I / 11- 17)

Daraufhin erwähnt Cicero die vier Kardinaltugenden, in denen die Pflichten geübt werden:

- Weisheit: theoretische und praktische Erkenntnis (a)

- Gerechtigkeit: Gerechtigkeit und Gemeinschaftssinn (b)

- Tapferkeit: Seelengröße (c)

- Selbstbeherrschung: Sinn für Ordnung und Maß (d)

Diese Aufteilung zieht sich durch das ganze Werk hindurch weiter fort. (I / 15- 17)

Cicero geht im Folgenden genauer darauf ein, was in den entsprechenden Tugenden ehrenhaft ist:

1. Die Weisheit (Sapienta): Der Erkenntnisdrang, auf praktische und theoretische „würdige Gegenstände“ (S.21, Z.4) gerichtet. (I / 18-19)

2. Die Gerechtigkeit und die Gerechtigkeit im sozialen Handeln (Iustitia)

A. Die Gerechtigkeit (I / 20- 41)

a. Die ehrenhaften Aufgaben der Gerechtigkeit sind die Wahrung des

Privateigentums, die Förderung der Mitmenschen und die Einhaltung derfides >Verlässlichkeit, „Stehen zu Zusagen wie Übereinkünften und Wahrhaftigkeit“ (S. 23, Z.28/29)

b. Es gibt zwei Arten der Ungerechtigkeit: Unrecht tun und Unrecht leiden. Cicero geht zuerst auf die Ursachen für das Unrecht tun ein, welche Angst und Habsucht, und Machtstreben sind. Die Ursachen für Unrecht leiden sind Nachlässigkeit und Eigenliebe.

c. Weil verschiedene Situationen unterschiedliches Handeln erfordern, führt Cicero ein paar Beispiele an:

- man muss ein Versprechen nicht halten, wenn die Erfüllung dessen schadet,

- wenn das Versprechen durch Einschüchterung erzwungen wurde,

- wenn Rechtsverdrehungen vorliegen.

Dann geht Cicero auf die Bestrafung von Privatleuten und Staatsfeinden ein,

- auf das Kriegsrecht

- das Völkerrecht

- das individuelle Verhalten

- und auf das Verhalten gegenüber Sklaven (Vermeidung von Gewalt und Betrug) ein.

B. Gerechtigkeit im sozialen Handeln (I / 41- 60)

Cicero erörtert die Grundregeln der Wohltätigkeit und Großzügigkeit. Dabei geht er auf die Gefahren des Missbrauchs der Wohltätigkeit und Großzügigkeit ein, darauf, dass man berücksichtigen muss, wie groß das eigene Vermögen ist und wie der Charakter des Empfängers ist. Dann stellt er noch Regeln für die Vergeltung von Wohltaten auf (nach deren Wert).

Um richtiges soziales Handeln zu ermöglichen, muss man über die verschiedenen sozialen Bereiche informiert sein. Deswegen erläutert Cicero zuerst die Gesamtheit der Menschen, die Volksgemeinschaft und Verwandtschaft und dann die Familie, Gemeinschaft derboni(= Männer) und das Gemeinwesen. Abschließend zu dieser Tugend schreibt Cicero noch, dass Differenzierungsvermögen und praktische Erfahrung das soziale Handeln bestimmen.

3. Tapferkeit und Seelengröße

Nachdem Cicero auf das Ansehen der Tapferkeit eingegangen ist, beschreibt er die Tapferkeit als „für die Gerechtigkeit kämpfende Tugend“, daraufhin erläutert er die Gefahr des Machtstrebens, die dann eintritt, wenn Tapferkeit ohne Gerechtigkeit auftritt. Darauf folgt eine Beschreibung der beiden Eigenschaften der Tapferkeit: die Verachtung äußerer Werte und die Ausführung reicher Taten. Danach erklärt er, dass man sich von jeder Leidenschaft fernhalten soll, um die innere Festigkeit zu erlangen, was besonderes Ehrgefühl erbringt. Wahrscheinlich um seinem Sohn nahe zu legen, Politiker zu werden, schreibt er im Folgenden, dass jeder, der die nötigen Begabungen dazu hat, Ämter übernehmen soll, um so seinen Teil zu der Gemeinschaft beizutragen. Dann geht er darauf ein, dass die Leistungen eines Staatsmannes bedeutender sind, als die eines Feldherren. Er erwähnt noch seine eigenen Leistungen, wahrscheinlich als Ansporn für den Sohn, ihm nachzueifern. Mit dem Thema der Tapferkeit und Vernunft im Krieg und im Frieden nähert er sich dann wieder dem eigentlichen Thema Tapferkeit und nachdem er auf die Aufgabe des Staatsmannes, Sorge für die einzelnen Bürger und das gesamte Gemeinwesen zu tragen, eingegangen ist, fügt er noch hinzu, dass man gegenüber seinen Gegnern Versöhnlichkeit und Milde zeigen soll und wie sich die Tapferkeit in anderen Situationen zeigt.

Zum Abschluss macht Cicero noch eine Zusammenfassung über Seelengröße und Tapferkeit bei Staatsmännern, Philosophen und Privatleuten. (I / 61- 92)

4. Selbstbeherrschung: Die innere Harmonie der Seele

Zuerst geht Cicero auf die allgemeine Natur des Menschen ein.

Er beginnt mit der Definition des Schicklichen, das er beschreibt, als „Anstandsgefühl“ und gleichzeitig als „eine Art Schönheitssinn in der Lebensgestaltung, Sichbescheiden, Mäßigung und (...) die völlige Beherrschung der Leidenschaften“ (S. 83, Z. 28- 31), dessen Bedeutung darin liegt, dass es von Ehrenhaftigkeit nicht abtrennbar ist. „Denn was schicklich ist, ist ehrenhaft und was ehrenhaft ist, ist schicklich.“ (S. 83, vorletzte und letzte Zeile) Darauf folgt Ciceros Unterscheidung eines allgemein Schicklichen und eines besonderen Schicklichen und dass das Schickliche in der Dichtung und im Leben gewahrt werden sollte.

Danach listet er die Aufgaben der Schicklichkeit für die erste Rolle des Menschen auf:

- Die Vernunft muss die Triebe leiten

- Regeln zum Scherzen (nach den erledigten, wichtigen Aufgaben und auf höherem Niveau)

- Über die Überlegenheit des Menschen über das Tier kommt er zu der Geringschätzung des körperlichen Vergnügens.

Im Folgenden geht Cicero auf den einzelnen Menschen ein.

Zuerst erläutert er die Verschiedenheit der Charaktere mit Beispielen aus der Geschichte.

Dann kommt er zu der zweiten Rolle des Menschen: jeder muss seiner Natur gemäß handeln.

Das Verhalten des Menschen nach den gegebenen Umständen beschreibt die dritte Rolle des Menschen, welch Berufswahl und Wahl des Lebensweges beeinflusst. Gegebene Umstände sind auch die naturgegebenen Anlagen, die man befolgen muss, auch wenn man seinen Lebensstil ändern möchte. Zu diesen Umständen zählt auch das Lebensalter, dementsprechend man sich verhalten muss (bringt auch Verpflichtungen mit). Außerdem muss man sich seiner sozialen Stellung gemäß verhalten.

Die vierte Rolle des Menschen ist das Verhalten der harmonischen Persönlichkeit. Dazu gehört:

- der Körper

- die äußere Erscheinung

- die öffentliche Rede und das private Gespräch

- Ausmaße des Hausbaus (das Haus muss dem Besitzer angemessen sein.)

- Die drei Grundsätze bei allen Unternehmungen:

1. Das Begehren hat sich der Vernunft zu fügen

2. Klarwerden über die Bedeutung jedes Vorhabens

3. Die äußere Erscheinung und die Würde eines freien Mannes soll das rechte Maß einhalten.

Im folgenden Kapitel definiert Cicero das Wort „Mäßigung“ in bezug auf Zeit und Ordnung, zieht praktische Schlussfolgerungen daraus, geht auf das Urteil und den Rat erfahrener Menschen ein und hält zum Abschluss dieser Ausführung über die vierte Rolle des Menschen eine Abhandlung über die angemessenen und schmutzigen Berufe.

(I / 93- 151)

Um Panaitios zu ergänzen, in punkto „Konflikt der Pflichten“, führt er folgendes aus:

Der 1. Konflikt besteht darin, dass die Pflichten der Gemeinschaft wichtiger sind, als die der theoretischen Erkenntnis, wie eben auch Ciceros eigene schriftstellerische Leistung.

Der 2. Konflikt geht m soziales Handeln und harmonische Persönlichkeit mit Hinweis auf Poseidonius.

Der 3. Konflikt besteht in der Differenzierung der Pflichten für das Gemeinwesen. (I / 153- 161)

2.2 Überblick zum zweiten Buch

Die Frage des Nutzens Bei der Frage des Nutzens geht Cicero zuerst darauf ein, dass Nutzen und Ehrenhaftigkeit nur theoretisch trennbar sind, nicht aber praktisch.

In der Einleitung nimmt Cicero eine Klassifizierung der Quellen des Nutzens vor. Da die Mitmenschen größten Nutzen bringen können, z. B. beim Erbringen von Lebensnotwendigkeiten, von Leistungen, die das Leben verschönern oder weil überragende Leistungen nur mit Hilfe anderer Menschen möglich ist, ist es notwendig, diese für sich gewinnen zu können. Cicero vergisst dabei aber nicht zu erwähnen, dass die Mitmenschen auch Schaden bringen können. Nach einem Exkurs über Nutzen und Schaden durch Glück und Unglück geht Cicero auf die Möglichkeiten zur Gewinnung der Sympathien der Mitmenschen ein, indem er zuerst einige allgemeine Bemerkungen dazu macht, dann erläutert, dass Furcht eine ungeeignete Hilfe dazu ist, was er mit Beispielen der Tyrannen untermauert. Nach einem Vergleich der griechischen mit der römischen Tyrannenherrschaft, erwähnt er , dass die Zuneigung der Mitmenschen dazu nützlich ist und wenn sie dazu hilfreich war, kann sie auch bei anderen Vorhaben dienlich sein. (II / 11- 20)

Danach kommt er zum Thema Ruhm. Nach allgemeinen Betrachtungen über den Ruhm, erklärt er, wie man diesen erreichen kann:

- durch Wohltaten

- mit Verlässlichkeit

- durch Bewunderung für überragende Tugend und Gleichgültigkeit gegen

äußere Werte (=Selbstbeherrschung - auch eine Tugend!)

Nebenbei geht er noch auf die Methode der Darlegung ein: man muss alles gut erörtern können (= argumentieren und belegen) und in der Sprache des Volkes sprechen, dass alles verstanden wird, was man sagt.

Bei seinen Betrachtungen über die Gerechtigkeit, setzt er zuerst die Gerechtigkeit als Unabdingbarkeit für den Ruhm voraus. Die Gerechtigkeit ist ebenfalls die Voraussetzung der Verfassungen und muss diese auch sein. Weitere Grundregeln für die Gewinnung von Ruhm sind:

- Wahrhaftigkeit

- Leistungen im Krieg (besonders für junge Menschen, Hinweis für den Sohn)

- Geistige Vorzüge und gutes Verhalten (z.B. Bescheidenheit)

- Hilfsbereitschaft

- Freundlichkeit im Gespräch

- Beredsamkeit

Im Folgenden geht er auf die Nützlichkeit der Wohltätigkeit und Großzügigkeit ein. Nach allgemeinen Betrachtungen darüber, grenzt er sich gegen die Verschwendungssucht ab (>Hinweis an den Sohn, der seiner Meinung nach zu viel Zeit und Geld dem Wein, Weib und Gesang widmet?). Cicero teilt auf in die Verschwenderischen und freigiebigen Leute. Den Anschein der Wohltätigkeit erreicht man durch Aufwand bei Spielen und durch die Vermeidung des Verdachtes auf Knauserei. Danach stellt er Regeln auf, für Rücksichten bei Wohltätigkeit und Großzügigkeit.

Wohltätig ist man aber auch mit persönlichen Diensten für den einzelnen, z.B. mit seinen Rechtskenntnissen, mit seiner Beredsamkeit oder mit anderen Diensten. Dabei muss man aber immer die notwendigen Rücksichten auf den Charakter des Bedachten nehmen.

Auch mit persönlichen Diensten an der Gemeinschaft ist man wohltätig. Der Staatsmann ist es mit seinen Pflichten, indem er Sorge trägt für das Eigentum, die Bürger nicht übermäßig besteuert, sie mit Lebensnotwendigkeiten versorgt und die Habsucht meidet. Anhand zweier Beispiele zeigt Cicero auf, wie man sich als Staatsmann falsch verhält und wie man sich richtig verhält. Außerdem ist Cicero der Meinung, dass Enteignungen nicht eine Wohltat sind, sondern eine Auflösung der moralischen Grundlagen des Gemeinwesens.

(II / 20- 85)

Darauf folgt ein Nachtrag über die Sorge für Gesundheit und Vermögen. (II / 86- 87)

In den letzten beiden Kapiteln (II / 88/89) geht Cicero auf den Konflikt verschiedener Pflichten in bezug auf den Nutzen ein.

2.3 Überblick zum dritten Buch

Der Konflikt zwischen Ehrenhaftigkeit und Nutzen Nach einem Vergleich zwischen Scipio maior, der Ruhe suchte zum Nachdenken, und Cicero, der sich quasi aus Langeweile Gedanken macht (weil er in der Verbannung lebt >vgl. Anhang 2) und einer Ermahnung an den Sohn, sich auf sein Studium zu konzentrieren, um später davon profitieren zu können, geht er auf den Konflikt zwischen Ehrenhaftigkeit und Nutzen ein. Cicero leitet das Thema mit dem unvollendeten Werk Panaitios ein, der zwar versprochen hatte, sich damit zu befassen, es aber nicht getan hat. Cicero meint, dass dieser Konflikt in Wahrheit gar nicht besteht und vermutet, dass auch Panaitios in Wahrheit nicht an diesen Konflikt glaubte und sich deshalb nicht mehr damit befasst hat. Cicero erklärt, dass das im eigentlichen Sinne Ehrenvolle eine Sache der Weisen ist und nur im gewöhnlichen Sinne eine Sache des Nichtweisen. Weil das gemeine Volk zu den Nichtweisen zählt, kann es nicht wahrhaft ehrenvoll handeln (höhere Pflichten). Aber auch die Erfüllung der mittleren Pflichten hilft, weiter zu kommen. (III / 7- 19a)

Die folgenden Kapitel (III / 19b- 32) werden unter XXXX ausführlicher behandelt. Cicero möchte einen Maßstab zur Beurteilung des der Situation angebrachten Handelns aufstellen, basierend auf den mittleren Pflichten. (>Regel) Zunächst begründet er, warum er seinen akademischen Standpunkt mit der stoischen Ethik vereinbaren kann.

Danach stellt er eine Regel auf, die besagt, dass man seine Vorteile nicht aus den Nachteilen anderer Menschen ziehen kann, weil das gegen die Natur des Menschen ist. Dafür führt er einige Beweise an:

- Der erste Beweis kommt aus der Betrachtung der Gemeinschaft, aus dem

Vergleich von Organismus und Staat, aus dem Naturrecht, dem Völkerrecht und dem positiven Recht.

- Den zweiten Beweis zieht er aus der Betrachtung des Einzelmenschen und seiner Beziehung zur Gemeinschaft.

- Den dritten Beweis folgert er aus dem Naturtrieb des Menschen und seiner Bindung an das Naturgesetz.

- Den vierten Beweis leitet er aus der Lösung nur scheinbarer Konfliktfälle nach dem Maßstab der Gerechtigkeit.

>Gegensatz zwischen den für die Gemeinschaft wertvollen und nutzlosen

Menschen

>Gegensatz zwischen dem Tyrannen und dem gutgesinnten Mann

Cicero stellt die Hypothese auf, dass nichts außer dem Ehrenvollen um seinetwillen erstrebenswert sei oder zumindest, dass das, „was ehrenhaft ist, am meisten um seiner selbst willen erstrebenswert“ (S. 249, Z. 16/17) ist. Panaitios hat aber nur den scheinbaren Konflikt zwischen Nutzen und scheinbarer Ehrenhaftigkeit angenommen.

Danach belegt er mit dem Beispie des Gyges, dass unentdecktes Unrecht keinen Nutzen bringt, ebenso bringt natürlich auch offensichtliches Unrecht keinen Nutzen, obwohl es noch unentschiedene Fälle gibt.

Dass die Grenze des Einsatzes die Gerechtigkeit ist, untermauert Cicero mit dem Beispiel des Aristides und unterscheidet zwischen den Grenzen des Einsatzes für Freunde und für das Vaterland.

Es gibt auch das Unrecht durch formal- juristisch gedeckte Verheimlichung der Wahrheit, das er an den Beispielen der Getreidespekulation, des ungesunden Hauses und des erstaunlichen Fischfangs verdeutlicht. Cicero bietet dann zwei Lösungsmöglichkeiten an, die auf gesetzlichem Wege und die auf philosophischem Wege (durch Naturrecht und positives Recht). Mit Einzelbeispielen geht er von der Verheimlichung über zu der positiven Täuschung. Er führt hierzu das Testament des Basilus, das Konsulat des Marius und das Gesetz des Gratidianus auf. Kommt dann zu der Tyrannei, die er als schlimmstes Übel bezeichnet, für den Tyrannen und für den Bürger. (Bsp. Caesar) An den kasuistischen Einzelbeispielen aus Hekaton leitet er die Entscheidungen nach dem Maßstab derhumanitasab und schreibt über Verträge und Versprechungen, deren Erfüllung gefährlich ist. Diesen Teil schließt Cicero mit einer knappen Zusammenfassung.

(III / 33- 96)

Im folgenden systematischen Teil, der nochmals die vier Tugenden behandelt, beginnt er zuerst mit der Klugheit (Weisheit) und der Gerechtigkeit, kommt dann zur Tapferkeit, mit dem Vergleich von einem griechischen und einem römischen Beispiel: Odysseus und Regulus, das er näher erörtert, im Gegensatz zu seinem Zweiten Vergleich zwischen Torquatus und den zehn Gefangenen und schließt dann mit der Mäßigung (Selbstbeherrschung) ab.

Im vorletzten Teil seines Werkes geht er auf die Tugenden und das Vergnügen ein und weist dabei Hedonismus zurück.

(III / 116- 120)

Das Werk endet mit einem Schlusswort an den Sohn, in dem er ihn dazu anhält, sein Werk mit Freude und Interesse zu lesen und ihm anbietet, weiteres zu schreiben, wenn sein Sohn es möchte. So könne er nämlich auch in seiner Abwesenheit mit ihm sprechen.

(III / 121)

3. Ausarbeitung zu den Kapiteln 19b bis 32 aus dem dritten Buch

(19b):

Cicero möchte ein Verfahren aufzeigen, das im Vergleich von Werten hilft, um sich nicht vom pflichtgemäßen Handeln zu entfernen, d.h., dass man seine mittleren Pflichten kennt und weiß, wie man diese erfüllen kann.

(20):

Er stimmt mit der stoischen These überein, dass das, was ehrenvoll ist, höher steht, als das, was nützlich scheint. Auf der Basis, dass alles, was ehrenvoll ist, zugleich nützlich scheint, nichts aber nützlich, was nicht ehrenvoll ist. Nachdem Cicero im ersten Buch über die Pflichten der Ehrenhaftigkeit geschrieben hat und im zweiten Buch über die Frage des Nutzens, stellt er nun fest, dass im Vergleich von Ehrenhaftem und Nützlichem das Ehrenhafte über dem Nutzen steht. Auch aus dem Grunde, dass die vier Kardinaltugenden (Weisheit, Tapferkeit, Mäßigung/Selbstbeherrschung und Gerechtigkeit), die er auch von der Stoa übernommen hat, allesamt ehrenvoll sind. (Vgl. Anhang 1)

(21):

Cicero geht davon aus, dass der Mensch von Natur aus ein Gemeinschaftswesen ist. (Griechisch: zoon politicon) Wenn ein Mensch seinen eigenen Vorteil aus dem Nachteil eines anderen zieht, krankt das System, es hebt sogar die Lebensgemeinschaft der Menschen auf und ist somit gegen die Natur des Menschen.

Daraus leitet er folgende Verfahrensregel ab:

Ein Mensch darf sich nicht aus dem Nachteil eines anderen einen Vorteil herausziehen.

(22):

Die Menschen gehören in der Gemeinschaft, so zusammen, wie die einzelnen Glieder zu einem Körper.

Wie der Körper nur dann gesund sein kann, wenn alle Gliedmaßen gesund sind, so kann auch die Gemeinschaft (>Körper) nur dann funktionieren, wenn alle Menschen (>Gliedmaßen) dementsprechend handeln. D.h., wenn jeder einzelne versucht, dem anderen alles zu nehmen um sich selbst zu bereichern (über das notwendige Maß hinaus), wird die Gemeinschaft der Menschen zerstört.

(23):

Dies entspricht sowohl dem Naturgesetz, als auch dem Völkerrecht und den Gesetzen der Volksgemeinschaften, weil alle das Bestreben haben, die Vereinigung der Bürger zu erhalten.

Wer nach der Vernunft (>dem Gesetz der Götter und Menschen) handelt, der wird niemals fremdes Gut erstreben, es dem anderen entziehen und es für sich beanspruchen.

(24):

Wer naturgemäße Werte des gemeinsamen Nutzens, wie Umgänglichkeit,

Gerechtigkeit und Freigiebigkeit achtet, dafür Vergnügen, Erhaltung des Lebens und Reichtum verachtet, hat eine großmütige und erhabene Gesinnung.

(25):

Wer sich bemüht, sich für die Rettung ins Unterstützung aller Völker einzusetzen, handelt der Natur gemäß, im Gegensatz zu dem, der sich in der Einsamkeit von diesen Beschwernissen fernhält (und es sich dort gut gehen lässt). Cicero zieht folgende Schlussfolgerung: Wenn man sich der Natur unterordnet, also der Natur gemäß handelt, kann seinen Mitmenschen nicht schaden.

(26):

Es ist falsch, einen Mitmenschen zu verletzen, um selbst einen Vorteil zu gewinnen. Es ist auch falsch, Tod, Armut, Schmerz und Verlust der Kinder, Verwandten oder Freunde mehr zu meiden, als jemandem Unrecht zu tun. Wer aber denkt, Tod, Armut und Schmerz seien viel größere Übel, der hält einen Fehler des Körpers oder des Besitzes für schwerwiegender als einen Fehler der Seele.

Es ist also klar, das der Nutzen aller Einzelpersonen dem Nutzen der Allgemeinheit identisch ist. Was dem Einzelnen hilft, hilft auch der Gemeinschaft.

(27):

Weil der Mensch will, das für seinen Mitmenschen gesorgt ist, ist der Nutzen aller, gemäß der Natur, Gemeininteresse. Deshalb werden wir durch das Gesetz der Natur gehindert, den Nächsten zu verletzen.

(28):

Wer die menschliche Gemeinschaft auf die Familie begrenzt und keine Rücksicht auf die übrigen Mitbürger nimmt, hat eine Einstellung, die jegliches Gemeinschaftsgefühl der Bürgerschaft aufhebt. Wer die Gemeinschaft aber auf seine Mitbürger beschränkt und damit die Ausländer ausgrenzt, hebt die alle umfassende Gemeinschaft der Menschen auf. Damit werden auch die Werte der Gemeinschaft aufgehoben und das ist pflichtvergessen gegenüber den Göttern, denn diese haben die Gemeinschaft der Menschen gegründet und deshalb ist es eine Pflicht, diese Gemeinschaft mit allen Kräften zu erhalten.

(29):

Beispiel 1: Dürfte ein hungriger Weiser seinem unnützen Mitmenschen Essen Wegnehmen? Man könnte darauf sagen: Nein, denn es ist eine nützlichere Seelenhaltung, niemanden wegen meines persönlichen Vorteils zu verletzen. Beispiel 2: Darf ein gutgesinnter Mann einem grausamen und brutalen Tyrannen die Kleidung rauben, um nicht zu erfrieren?

(30):

Zu Beispiel 1 meint Cicero, dass man, wenn man ein unnützer Mensch ist, der Raub auf persönlichem Nutzen gegründet ist und damit unmenschlich und gegen das Naturgesetz handelt. Ist man aber jemand, der dem Gemeinwesen und der menschlichen Gemeinschaft viel nützt, ist der Raub nicht tadelnswert, weil der Raub dann im Endeffekt der Gemeinschaft der Menschen dienlicher ist. Es wäre sogar ungerecht und gegen die Natur, wenn man den gemeinsamen Vorteil außer Acht ließe.

(31):

Deshalb entscheidet das Naturgesetz selbst, dass lebensnotwendige Dinge von einem untüchtigen, unnützen Menschen auf einen weisen, gutgesinnten, tapferen und vor allem gemeinnützigen Mann übertragen werden.

Aber Cicero warnt auch vor Selbstüberschätzung und vor zu großer Eigenliebe, dies zu Unrecht als Vorwand zu nehmen.

(32):

Nun kommt Cicero auf die Antwort zum zweiten Beispiel. Cicero setzt voraus, dass Tyrannen nicht zur menschlichen Gemeinschaft gehören und es deshalb nicht gegen die Natur ist, diese zu berauben. Er vergleicht es mit dem Körper: so wie schadende Glieder amputiert werden, muss auch der Tyrann aus der menschlichen Gemeinschaft ausgeschlossen werden. Somit fällt er aus der Verfahrensregel heraus und man darf einen Tyrannen ohne weiteres berauben.

4. Literaturverzeichnis

Cicero „De officiis“, Vom pflichtgemäßen Handeln Philipp Reclam jun.

Stuttgart 1992

19 von 19 Seiten

Details

Titel
Szenische Interpretation - Cicero "De officiis"
Hochschule
Pädagogische Hochschule Weingarten
Veranstaltung
Literaturdidaktisches Hauptseminar
Note
2
Autor
Jahr
2000
Seiten
19
Katalognummer
V103278
Dateigröße
364 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Analyse zu einem Artikel der Zeitschrift Praxis Deutsch Nr.166, März 2001
Schlagworte
Szenische, Interpretation, Cicero, Literaturdidaktisches, Hauptseminar
Arbeit zitieren
Tanja Uhl (Autor), 2000, Szenische Interpretation - Cicero "De officiis", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/103278

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