Metakommunikation


Ausarbeitung, 2001

14 Seiten


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Inhalt:

1. Die Theorie der Metakommunikation
1.1 Definition
1.2 Die Grundlagen zur Metakommunikationsfähigkeit
1.3 Anwendungsgebiete
1.4 Aussagen der Metakommunikation
1.5 Schwierigkeiten bei der Metakommunikation

2. Durchführung des Referates
2.1 Vortrag
2.2 Struktur-Lege-Technik
2.3 Metakommunikation über das Struktur-Legen

3. Anhang
3.1 Horst Avenarius: Was ist Metakommunikation? Aus: http://www.gpra.com/prfor/arch/ar2-00_3.htm
3.2 Zum Asperger Syndrom
3.3 Beispiel einer Metakommunikation Aus: http://www.niehenke.de/einblick/messages/

1. Die Theorie der Metakommunikation

Kommunikation läuft zwangsläufig immer auf zwei Ebenen ab: auf der Ebene der eigentlichen Mitteilung und der Ebene derMetakommunikation. Das Phänomen der Metakommunikation bedeutet Kommunikation über Kommunikation, also eine "Auseinandersetzung über die Art, wie wir miteinander umgehen, und über die Art, wie wir die gesendeten Nachrichten gemeint und die empfangenen Nachrichten entschlüsselt und darauf reagiert haben". (F.SCHULZ VON THUN).

Metakommunikation kann explizit oder implizit ablaufen. Metakommunikation im eigentlichen Sinne ist explizite Metakommunikation. I. LANGER versucht, den Begriff der Metakommunikation durch ein Bild besser verständlich zu machen. Die Gesprächspartner begeben sich gleichsam auf einen "Feldherrnhügel", um Abstand von dem "Getümmel" zu nehmen, in das sie sich verstrickt haben. Auf diesem Feldherrnhügel der Metakommunikation machen Sender und Empfänger die Art, wie sie miteinander umgehen, zumGesprächsgegenstand. Explizite Metakommunikation kann - sparsam eingesetzt - eine ausgezeichnete Methode sein, durch das bewusste Analysieren und Ansprechen von Störfaktoren in einem Gespräch das gegenseitige Verstehen der Gesprächspartner wieder zu ermöglichen.

Parallel zur Kommunikation auf der Mitteilungsebene läuft immer auch Kommunikation auf der Metaebene im Sinne einer impliziten Metakommunikation ab. Es ist der "So-ist-das-gemeint-Anteil" jeder Nachricht. Dadurch qualifizieren sich die Botschaften beider Ebenen gleichzeitig. J. HALEY (1978) unterscheidet dabei 4 Möglichkeiten, durch die Botschaften einander in kongruenter oder inkongruenter Weise qualifizieren können: Die Qualifikation durch den Kontext, die Art der Formulierung, durch Mimik und Gestik sowie den Tonfall.

Wenn die Fürstin in TOLSTOIS "Anna Karenina" in kühlem und trockenem Ton den jungen Ljewin mit den Worten verabschiedet "Wir werden uns freuen, Sie zu sehen", dann erlebt der so Verabschiedete ein klassisches Beispiel für implizite Metakommunikation. Er merkt, dass der Sachinhalt der Nachricht ("Wir werden uns freuen...") eine leere Höflichkeitsfloskel ist, weil die eigentliche Botschaft durch den Tonfall der Verabschiedungsworte zum Ausdruck kommt.

Die richtige Entschlüsselung einer Nachricht ist daher auch wesentlich an die Fähigkeit gebunden, metakommunikative Inhalte zu erkennen. Das Wesen impliziter Metakommunikation lässt sich daher auf die kurze Formel bringen: "Wenn ich eine Nachricht sende, sende ich - ob ich will oder nicht - auch eine Botschaft, wie diese Nachricht gemeint ist" (F. SCHULZ VON THUN).

Metakommunikation macht zusätzlich deutlich, wie komplex der Vorgang der Nachrichtenübermittlung in der zwischenmenschlichen Kommunikation ist.

1.1 Definition

Man unterscheidet zwischen impliziter und expliziter Metakommunikation.

Die implizite Metakommunikation ist in der normalen Kommunikation schon mit dem „So-ist-das-gemeint-Anteil“ enthalten.

Die explizite Metakommunikation ist die Kommunikation über die Kommunikation. Es geht dabei um die Art, wie wir miteinander umgehen; es geht darum, wie die gesendeten Nachrichten vom Sender gemeint sind, wie sie beim Empfänger ankommen und wie darauf reagiert wird.

Die Kommunikation wird mit Abstand, bzw. aus einer anderen Perspektive heraus analysiert. ( „Feldherrenhügel“ nach LANGER oder, wie in der folgenden Skizze wird die Spirale der missverständlichen Kommunikation von oben betrachtet)

1.2 Grundlagen zur Metakommunikationsfähigkeit

Man benötigt zum Metakommunizieren einige Voraussetzungen.

Zum einen braucht man Mut zur Selbsterfahrung. Sträubt man sich bei der Metakommunikation gegen die Selbsterfahrung, die immer stark mit dieser verbunden ist, ist eine echte Metakommunikation nicht möglich. Zum anderen verlangt die Metakommunikation einen vertieften Einblick in die eigene Welt, die man wiederum nur über die Selbsterfahrung gewinnen kann. Mit dem Wissen um die vier Seiten einer Nachricht und der systemorientierten Betrachtungsweise hat man eine gute Wahrnehmungshilfe zur Bewusstmachung, was sich bei der Kommunikation in einem Selbst und zwischen den Kommunikationspartnern abspielt.

1.3 Anwendungsgebiete

Die Metakommunikation kann ein Heilmittel für „kranke“ oder gestörte Kommunikation sein. „Kranke“ Kommunikation meint hier, wenn ein oder sogar beide Gesprächspartner eine oder mehrere Botschaft/en auf den vier Seiten einer Nachricht, auf die es in dem Gespräch ankommt, überhaupt nicht wahrnimmt oder eine der vier Seiten nicht kennen gelernt hat. (Einer nicht weiß, dass es z.b. auch eine Selbstoffenbarungsseite oder eine Beziehungsseite einer Nachricht gibt und nimmt diese deshalb überhaupt nicht wahr. Z.B: Menschen mit dem Asperger Syndrom -> s. Anhang)

In der gestörten Kommunikation liegt das Problem eher darin, dass der Sender einen anderen Schwerpunkt in seiner Nachricht senden wollte, als den, den der Empfänger setzt. Wenn der Sender z.b. eine Nachricht mit Schwerpunkt auf der Sachebene schickt und der Empfänger nur mit dem Appellohr hört. („Die Umweltverschmutzung ist heutzutage ein großes Problem.“ - „Ich trenne meinen Müll aber schon seit langem und die Regenwasserklospülung ist bei mir auch schon in Planung, es fehlt nur noch an dem Geld, diese in die Realität umzusetzen.“)

Die Metakommunikation kann auch eine Befreiung unausgedrückter Spannung sein. („Das Thema der Umweltverschmutzung war nur als Information gedacht.“ - „Ach so, ich dachte du wolltest mich dazu anregen, mehr für den Umweltschutz zu tun.“)

Außerdem beinhaltet sie die Chance, aus der Störung, bzw. aus der Verkettung von Missverständnissen durch das Einnehmen einer anderen Perspektive, herauszukommen.

1.4 Aussagen der Metakommunikation

Sinn der Metakommunikation ist es, die Wahrheit der Situation zu fördern, indem man mit gezielten Fragen Aussagen zur Situation bekommt.

Allgemein dreht sich die Metakommunikation hauptsächlich um die Fragen: „Was geht jetzt in mir vor? Wie erlebe ich dich? Was spielt sich zwischen uns ab?“ Man erhält in der Metakommunikation Aussagen über:

- Den Zustand und die Absichten des Senders („Ich bin unsicher, ob das stimmt.“)

- Den Zustand und das Verständnis des Empfängers („Verstehst du, was ich meine?“)

- Die Beziehungen zwischen en Kommunikationspartnern („Als Freunde können wir offen miteinander reden.“)

- Den Inhalt der auszutauschenden Mitteilungen („Verträgst du die volle Wahrheit?“)

- Die Form der auszutauschenden Mitteilungen („Das sollten wir schriftlich fixieren.“)

1.5 Schwierigkeiten bei der Metakommunikation

In der Metakommunikation kann es zu den gleichen Störungen kommen, wie in der Kommunikation auf „normaler“ Ebene, wenn die Offenheit und die Bereitschaft zur Selbsterfahrung fehlt.

Hilfe zur Metakommunikation kann man von außenstehenden Kommunikationshelfern bekommen, die sich betätigen als „Hebamme“ klarer, quadratischer Nachrichten oder als (einfühlsamer) Anwalt förderlicher Interaktionsregeln. Die Kommunikationshelfer sind also in der Funktion von Schiedsrichtern, die sehr gerecht und einfühlsam agieren müssen, um den Prozess der Metakommunikation zu fördern.

2. Die Durchführung des Referates

2.1 Vortrag

Zur Informationsvermittlung werde ich über die oben genannten Inhalte referieren. Zu den einzelnen Abschnitten werde ich nachfragen, ob ich noch einzelne Sachverhalte näher erläutern soll, oder ob noch jemand etwas zur Ergänzung weiß.

2.2 Struktur-Lege-Technik

Als Einleitung in die Übungsphase und zur Festigung der vermittelten Inhalte bekommen die Studenten in 3-er oder 4-er Gruppen die wichtigsten Inhalte des Themas in Stichwörtern auf Kärtchen und sollen diese in eine beliebige Ordnung bringen. So werden die inhaltlichen Zusammenhänge des Themas bei jedem Einzelnen nochmals nachvollzogen, überdacht und verinnerlicht. Nach einer Struktur-Lege-Phase von ca. fünf Minuten werden die verschiedenen Strukturen inhaltlich kurz besprochen (mit Hilfe des Overheadprojektors) und evtl. aufgekommene Fragen geklärt.

2.3 Metakommunikation über das Struktur-Legen

Danach werde ich Fragen in der Metaebene an die Gruppenmitglieder stellen, die sie entweder öffentlich beantworten können oder in ihrer Gruppe. Nach dieser Gesprächsrunde wird klargestellt, dass sie soeben eine explizite Metakommunikation geführt haben, also Kommunikation über Kommunikation.

Die Fragen werden folgende sein:

- „Habt ihr euch gleich geeinigt?“

- „Hatte einer von euch das Gefühl, alles allein gemacht zu haben? / -, alles allein machen zu müssen?“

- „Fühlte sich jemand übergangen? Hätte sich jemand gerne mehr eingebracht?“

3. Anhang

3.1 Horst Avenarius: Was ist Metakommunikation?

Horst Avenarius

Was ist Metakommunikation?

Ein notwendiges Begriffs-Exercitium

PR Forum 6. Jg. (2000), Nr. 2, S. 46

Klaus Merten, der Vorsitzende der Prüfungskommission der Deutschen Akademie für Public Relations, bezeichnete in dieser Zeitschrift einmal alle PR eine Metakommunikation (4/97). Wenn das mehr als eine Metapher ist, müssen wir uns mit diesem Begriff befassen. Berufsständisch ist es dann fraglich, ob wir noch den Kommunikatoren selbst zuzurechnen sind; und wissenschaftlich ergeben sich dadurch vielleicht ein paar neue Einblicke in den Sinn unserer Tätigkeit.

Was kann, was sollte mit Metakommunikation gemeint sein? Fragen wir uns zunächst generell: Was bedeutet das griechische Suffix meta im deutschen Sprachgebrauch?

Im Falle der Metaphysik ist die Sachlage eindeutig: Es ist die hinter aller Physik liegende Welt des Nicht- Physikalischen gemeint; dahinter oder danach oder darunter, wie immer es beliebt, die Konjunktionen zu verwenden. Zwar benannte man damit ursprünglich alle Schriften des Aristoteles, die im Gesamtverzeichnis seiner Werke "nach" den über die Natur handelnden eingereiht waren. Aber schon seit dem 10. Jahrhundert verstanden die Gelehrten unter Metaphysik jene Wissenschaften, die die Grenzen der natürlichen Erfahrung überschreiten und sich mit den Grundfragen des Seins beschäftigen, also zum Beispiel mit dem Verhältnis von Gott und Welt - die Theologie - , von Unendlichkeit und Endlichkeit - die Philosophie - , von Seele und Außenwelt - die Psychologie. Die "Physis" vulgo Natur und ihre Gesetze haben in diesen Zusammenhängen nur untergeordnete Bedeutung.

Bis auf den heutigen Tag prägt die Meta-Physik im landläufigen Sprachgebrauch alle anderen mit meta besetzten Wörter. Es geht um das zum jeweiligen Begriff Jenseitige, Transzendentale: zum Beispiel bei der Metamorphose, der Metastase und dem Metabolismus, also den Verwandlungen in einen anderen Zustand, dem Wechsel in andere Organe oder dem Stoffwechsel im menschlichen Körper. Von Meta-Theorien sprechen die beiden Gurus der PR-Wissenschaft James Grunig und Manfred Rühl. Letzterer meint damit "erkenntnistheoretische Regelungen", in die jede Kommunikationstheorie eingebettet sei (Theorie der Public Relations 1992). Grunig transzendiert den Theoriebegriff ganz und spricht von Denkvoraussetzungen, "presuppositions", und manchmal benutzt er dafür auch das deutsche Wort Weltanschauung (Symmetrical Presuppositions as a Framework for Public Relations Theory 1989).

Dementsprechend müsste unter Metakommunikation eigentlich das die Kommunikation Transzendierende oder Transformierende verstanden werden. Dem ist aber nicht so. Drei ganz andersartige Zugriffe auf unseren Begriff dominieren in der heutigen Kommunikationswissenschaft.

Der erste Zugriff: In einem Glossar zu einem Aufsatz im PR-MAGAZIN 9/98 definierte Klaus Kocks als Metakommunikation die "über die verbale Verständigung hinausgehende Kommunikation (Gesten, Mimik)." Beim zweiten Zugriff umschreibt Roland Burkart damit "die Kommunikation über bereits stattgefundene oder soeben stattfindende Kommunikation" (Kommunikationswissenschaft 1998). Und Klaus Merten bezieht unseren Begriff ausdrücklich auf einen einzigen kommunikativen Berufsstand: "PR agiert nicht auf der Ebene der Kommunikation, sondern prinzipiell auf der Ebene der Metakommunikation" (PR-Forum 1997).

Halten diese drei Zugriffe einer kritischen Prüfung stand? Betrachten wir zunächst Gesten und Mimik, die nonverbalen Begleitphänomene einer Kommunikation. Spätestens seit George Herbert Mead wissen wir, dass die Geste der früheste Anfang von Kommunikation überhaupt ist (Geist, Identität, Gesellschaft 1968). Es ist nonverbale, damit zugleich visuelle Kommunikation, aber eben Kommunikation und nicht meta.

Gewiss führt die nonverbale Art des Kommunizierens nicht zu der gleichen intelligenten Verständigung wie die verbale, und beide Bestandteile ein und desselben Aktes mögen bisweilen sogar einander widersprechen. Da macht jemand eine ernsthafte Aussage und muss dabei ständig grinsen. Oder eine grausame Illustration konterkariert einen euphorischen Pressebericht. Es liegt natürlich nahe, den jeweils abgründigeren, hintersinnigen Teil einer solchen Kommunikation als meta zu bezeichnen. Tatsächlich ist er aber nicht anders zu bewerten als die in eine Rede eingestreuten Sarkasmen oder Aphorismen. PR-Leute sind darin geübt, beide Teile einer Botschaft gesamthaft einzusetzen.

Sie wissen auch, dass visuelle, nonverbale Kommunikation prinzipiell mehrdeutig ist. Das BMW- Verwaltungsgebäude in München steht den meisten Betrachtern wie den BMW-Leuten selbst als ein Zeichen für Modernität, Dynamik und Technizität. Sein Bild wird daher in der visuellen PR-Kommunikation weidlich eingesetzt; auch die bayerische Werbung nutzt es als Symbol für die genannten Inhalte. Eines Tages illustrierten die Jesuiten in Sankt Georgen damit jedoch eine Anzeige, darinnen sie eine Welt beklagten, "die Menschen in den Schatten ihrer Türme drängt, eine Welt gegen den Menschen - und gegen Gott." So kann man den BMW-Turm natürlich auch sehen. Ein Bauwerk kommuniziert allerhand.

Innerhalb der Deutschen Gesellschaft für Publizistik und Kommunikationswissenschaft ist eine neue Fachgruppe für "Visuelle Kommunikation" geplant (Aviso No 26, Februar 2000). Sie wird darunter doch wohl nicht "Metakommunikation" verstehen?

Der zweite Zugriff ist anspruchsvoller. Er geht von der Fähigkeit des Menschen aus, über sich selbst zu reflektieren. Das beginnt beim Sprechen, sobald dabei auch über das Sprechen selbst gesprochen wird. Verschiedene Sprachwissenschaftler unterscheiden daher zwischen der "Objektsprache", mit der inhaltliche Aussagen über Objekte - Gegenstände oder Verhältnisse - gemacht werden, und der "Metasprache", mit der über die Sätze dieser Objektsprache gesprochen wird. Redner kennen dieses Phänomen. Es gehört schließlich zu den einfachsten rhetorischen Übungen, in eine Rede Reflexionen über die Rede selbst, die Wortwahl und kommunikative Absichten einzuflechten.

Die Wissenschaft belässt es nicht dabei. Natürlich könne - wie Roland Burkart 1998 ausführte - auch ein metasprachlicher Satz abermals Gegenstand eines Satzes werden, der dann als metametasprachliche Aussage zu bezeichnen wäre. Das ließe sich gewiss fortspinnen. Sprachkünstler, zum Beispiel Kabarettisten, sind zu etlichen meta-hoch-x-Sätzen fähig.

Aber schon die einfache Form dieser Abstraktion wurde zum Anlass, auch von Meta-Kommunikation im Sinne der Reflexion über Kommunikation zu reden. Die Fähigkeit zur Metakommunikation, schreibt Burkart, versetze uns in die Lage, missverständliche bzw. missverstandene sprachliche Äußerungen selbst zum Gegenstand einer Aussage und damit zum Objekt einer kommunikativen Interaktion zu machen; also Verständigung zu bewirken. Burkart belässt es bei dieser oft heilsamen Anwendung. Aber ist dann nicht auch seine Abhandlung darüber Metakommunikation, ja sogar Metametakommunikation, weil eine Reflexion über metakommunikative

Sachverhalte? Nach dieser Begriffswahl ist alles kommunikations-wissenschaftliche Reden und Publizieren Metaund Meta-hoch-x-Kommunikation.

Warum sagen wir nicht einfach, dass das alles Kommunikation ist? Ein Mensch redet, ein Berufskommunikator - sei er Journalist oder PR-Fachkraft - teilt wort- und bilderreich mit, ein Wissenschaftler erörtert mit Vorder- und Hintersinn, und alle kommunizieren dabei sowohl Sachverhalte wie Selbstreflektiertes. Wir könnten das alles daher als eine Wortglauberei abtun, verwiese uns nicht Klaus Merten mit seinem meta-Zugriff auf die gesellschaftliche Funktion der PR: Sie ist "eine neue Dienstleistung professioneller Konstrukteure kommunikativer Wirklichkeit". Sie agiere daher nicht auf der Ebene der Kommunikation, sondern auf einer uneinholbar vorgeordneten Ebene der Metakommunikation. "Sie betreibt Kommunikation, um Kommunikation zu betreiben" (1997).

Man braucht nicht unbedingt dem Basistheorem des Konstruktivismus anhängen, um Mertens Überlegungen nachzuvollziehen. Dennoch müssen wir es kurz heranziehen. Es besagt, "dass sich das kognitive System des Menschen kein Abbild der realen Wirklichkeit erzeugen kann, sondern sich seine Wirklichkeit notwendig eigenverantwortlich und daher subjektiv durch Kommunikation erzeugen muss." Das kann man so sehen; und man kann daraus auch folgern, dass PR ihren Teil dazu beitrage, indem sie "wünschenswerte Wirklichkeiten" konstruiere. Aber bietet das Kriterium, wie wünschenswert diese Konstruktionen sind, ein einwandfreies Unterscheidungsmerkmal zwischen PR und Presse? Seitdem Mathias Kepplinger (Instrumentelle Aktualisierung 1984) nachgewiesen hat, wie final, also zielgerichtet, man könnte auch sagen: wie voreingenommen Redakteure Nachrichtenfaktoren selektieren, scheinen auch sie nur "wünschenswerte Wirklichkeiten" konstruieren zu können.

Trotzdem hat Klaus Merten diesen Sachverhalt sogar in den Rang einer Definition von PR erhoben, und eine seiner Schülerinnen baute das auf 400 Seiten aus: Andrea Kückelhaus, "Public Relations: Die Konstruktion von Wirklichkeit" (1998). Das sollte "nüchterner" als die ideologisch beeinflussten gängigen Definitionen von PR sein. Aber beide Autoren neigen dazu, entgegen dem Konzept des radikalen Konstruktivismus diese Konstruktionsrolle unter der Hand nur der PR zuzuschreiben, ihr dabei vornehmlich Heimlichtuerei zu unterstellen und sie damit gegenüber der Presse abzuqualifizieren. "Die hohe Schule der PR besteht ja gerade darin, Wirklichkeit durch PR so geschickt zu konstruieren, dass der unbefangene Beobachter dem Eindruck erliegt, das Konstrukt sei kein Konstrukt, sondern reale Wirklichkeit" (Merten 1997).

So kann natürlich nur schlussfolgern, wer die Konstruktionsrolle der PR-Leute gegenüber der der Journalisten auf eine andere, "uneinholbar vorgeordnete Ebene" hebt und sie zur Metakommunikation erklärt. Von dort geht alles Unheil aus.

Kommen wir zu unserer ersten Überlegung zurück! Metakommunikation sollte heißen, dass damit etwas die Kommunikation Transformierendes oder Transzendierendes gemeint ist. Es gibt Autoren, die diese Position nahelegen: Paul Watzlawick und sein Team. Deren zweites Axiom lautet: "Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt, derart, dass letzterer den anderen bestimmt und daher eine Metakommunikation ist." Jede Mitteilung verfügt nicht nur über einen bestimmten Inhalt, sondern auch über "einen Hinweis darauf, wie ihr Sender sie vom Empfänger verstanden haben möchte. Sie definiert also, wie der Sender die Beziehung zwischen sich und dem Empfänger sieht und ist in diesem Sinn seine persönliche Stellungnahme zum anderen." Watzlawick und seine Koautoren stellen daher fest, dass jedermann, der kommuniziert, gleichzeitig auch metakommunizieren muss (Menschliche Kommunikation 1990) .

An dieser Begriffswahl reiben sich andere Forscher mit anderen Konzepten, begreiflicherweise auch Roland Burkart. Nicht an ihr reiben muss sich, wer mit dem Stichwort Beziehungen konkret das jedem kommunikativen Akt zugrundeliegende Verhältnis zwischen Kommunikationspartnern bezeichnet sieht. Bei dieser Betrachtungsweise scheint neben / hinter / unter der wahrnehmbaren Kommunikation plötzlich ein Beziehungsfeld auf. Dadurch transzendiert Kommunikation und wird zur Beziehung.

Solche Beziehungen, meint Watzlawick, würden selten bewusst und ausdrücklich definiert. Das mag für die personal Relations, die Watzlawick im Auge hat, durchaus gelten. Es gilt jedoch nicht für die public Relations. Diese sind, wenn gut, bewusst geplant. Ihre Intention ist die Pflege von Beziehungen zu bestimmbaren Teilen der Öffentlichkeit. Mit denen zu kommunizieren ist eine daraus ableitbare Tätigkeit. Das heißt, dass für alle PRLeute jeder aktuellen Kommunikation ein Konstrukt verstetigter Bindungen oder loser Beziehungen mit Teilöffentlichkeiten zugrunde liegt. Aber das hat noch keiner erforscht.

Metakommunikation ist in diesem Sinne durchaus der Auftrag, das Ziel, der Zweck der PR. Aber ist sie nicht jeder in Öffentlichkeiten agierenden Organisation aufgetragen, auch den Medien, sogar den Redaktionen? Wer kommt ohne öffentliche Beziehungskisten aus? Wer macht keine Public Relations?

Über den Autor

Horst Avenarius, Vorsitzender des deutschen Rats für Public Relations (DPRG) war annähernd zwei Jahrzehnte PR-Chef von BMW und ist jetzt Dozent für Public Relations/Public Affairs an der BAW und Lehrbeauftragter an verschiedenen Hochschulen.

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3.2 Zum Asperger Syndrom

3.2.1 Aus: rainer@autismus-in-berlin.de Das Asperger-Syndrom

Wer als Laie an Autismus denkt, hat vermutlich das Bild von einem Kind vor Augen, das vollständig in sich gekehrt ist, immer wieder dieselben Bewegungen wiederholt und bei Berührungen zu Panikattacken, Schreien und Selbstverletzungen neigt. Tatsächlich ist das aber nur eine mögliche Form von Autismus, die man auch Kanner-Autismus nennt. Sehr vielen Autisten sieht man dagegen ihre Behinderung auf den ersten Blick kaum an, da sie eine weniger schwerwiegende Form des Autismus haben, das Asperger-Syndrom.

Asperger-Betroffene wollen oft von ihrer Umwelt nicht als Behinderte abgestempelt werden und sind darum bemüht, möglichst wenig „anzuecken“, manch einer ist auch berufstätig oder studiert, bei vielen findet sich eine Hochbegabung, aber wenn man genauer hinsieht, erkennt man, dass hinter dieser sozusagen durch hohe Schauspielkunst aufrechterhaltenen Fassade oft massive Probleme verborgen liegen, die sich besonders im Umgang mit anderen Menschen zeigen. Asperger-Autisten sehen anderen Menschen ungern in die Augen, vermeiden Körperkontakt, wie etwa das Händeschütteln, sind unsicher, wenn es darum geht, Gespräche mit anderen zu führen, besonders, wenn es sich um einen eher belanglosen Smalltalk handelt, denn all die sozialen Regeln, die andere intuitiv beherrschen - und die ja auch nicht immer der Logik folgen - etwa, dass man nur um des freundschaftlichen Kontaktes willen (und nicht aus meteorologischem Interesse) über das Wetter redet oder einfach fragt: „Wie geht’s?“, ohne dass man einen medizinischen Zustandsbericht erwartet, das sind Dinge, die zu begreifen Autisten schwer fallen und die, wenn überhaupt, nur durch einige bewusste Anstrengung des Intellekts von ihnen geleistet werden kann. Daher haben Autisten oft auch keine oder kaum Freunde, jedenfalls was den Kontakt zu Nichtautisten angeht. In der Schule etwa sind sie in den Pausen lieber für sich, weil sie mit dem „ganz normalen“ Umgang anderer Schüler untereinander, mit ihrem Geplauder und ihren Witzen wenig anfangen können. Im Unterricht haben sie naturgemäß regelmäßig bessere schriftliche als mündliche Noten und etwa vor versammelter Klasse einen Vortrag zu halten ist etwas, das die wenigsten Asperger-Autisten leisten können. Da aber auch in der Ausbildung und im Studium oft derartige Dinge gefordert sind, findet man immer wieder Autisten, die vielleicht einen weit über dem Durchschnitt liegenden IQ haben und dennoch eine Ausbildung nach der anderen abbrechen müssen. Dazu kommt, dass auch die Information über Autismus in der Allgemeinheit immer noch längst nicht so verbreitet ist, wie es nötig wäre, sodass die meisten Autisten auch überhaupt nicht wissen, dass sie zu dieser Gruppe von Menschen gehören und je später eine korrekte Diagnose erfolgt (auch bei vielen Psychologen fehlt hier das Detailwissen, sodass sie bisweilen bei dieser von außen schwer eindeutig erkennbaren auch Fehldiagnosen stellen), desto schwieriger ist die Hilfe. Autismus ist auch im eigentlichen Sinne nicht heilbar; die Wahrnehmung der Welt und die Beziehung zu anderen Menschen bleibt ein Leben lang anders als bei „normalen“ oder wie Autisten gern sagen „neurologisch typischen“ (NT) Menschen; dennoch lässt sich mit kompetenter Hilfe viel erreichen. Autisten verfügen oft über ganz erstaunliche kreative Potentiale - es gibt gute Musiker unter ihnen, auch liegt oft eine Neigung zu Sprach- und Wortspielen vor - die oft genug unentdeckt und ungenutzt bleiben, wenn keine Hilfe erfolgt. Auch haben viele Asperger-Autisten umfangreiches Wissen in begrenzten Spezialgebieten - wenn man einen Menschen sieht, der sich stundenlang mit irgendwelchen Statistiken oder Tabellen beschäftigt, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass man einen Autisten vor sich hat. Wichtig ist vor allem, dass der Zugang zu diesen Menschen möglichst indirekt erfolgt. Übliche Methoden mit Lob und Tadel greifen oft nicht und verstärken oft nur selbstbestrafendes Verhalten des Autisten; auch Festhaltetherapien sind in der Regel nur eine Qual für alle Beteiligten, ohne dass der Nutzen dabei allzu groß wäre. Auf jeden Fall ist indirektes schriftliches Vorgehen oft besser als direkte mündliche Ansprache. Am Anfang steht jedenfalls die korrekte Diagnose als Asperger-Autist; hat der Betroffene, egal ob Kind oder Erwachsener, erst einmal einen Begriff für sein Handicap, erlebt er das meist als eine Befreiung. Es lassen sich dann auch leichter Fachleute finden, mit denen man darüber reden kann, die einem auch Therapiemöglichkeiten aufzeigen können und vor allem findet man ja so auch erst den Zugang zu dem ständig wachsenden Angebot an Selbsthilfe. So verständnisvoll und behutsam Eltern und Psychologen auch vorgehen, es ist doch kein Vergleich damit, was betroffene Autisten untereinander auszutauschen in der Lage sind; hier fällt das schwierige Erklären, was denn Autismus ist, weg, damit auch viele psychologische Hemmungen und man erlebt untereinander auch immer wieder den das- kenne-ich-bei-mir-auch-Effekt, der oft große Erleichterung bewirkt.

Von Rainer Döhle

Rainer@autismus-in-berlin.de

3.2.1 Aus: http://www.autismus-in-berlin.de

Asperger Diagnosekriterien nach Gillberg & Gillberg (1989)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3.3 Beispiel einer Metakommunikation

14 von 14 Seiten

Details

Titel
Metakommunikation
Hochschule
Pädagogische Hochschule Weingarten
Autor
Jahr
2001
Seiten
14
Katalognummer
V103279
Dateigröße
372 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schriftliche Ausarbeitung des Referats zum Thema Metakommunikation nach Schulz von Thun.
Schlagworte
Metakommunikation
Arbeit zitieren
Tanja Uhl (Autor), 2001, Metakommunikation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/103279

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