Diese Arbeit zeichnet ein Portrait des Theologen Urs von Balthasar und beschäftigt sich anschließend mit der Theologie der Drei Tage - der Triduum Mortis.
Urs von Balthasar war ein theologischer Vorkämpfer des 2. Vatikanischen Konzils. Der Neuscholastik vollkommen abhold, suchte und fand er neue Wege der Rückanbindung an den Ursprung des Christentums, an Jesus Christus selbst. Balthasar war für die vorkonziliare Kirche ein Unbequemer, ein Denker und Theologe, der von tiefem Glauben an den barmherzigen und liebenden Gott des Christentums gänzlich erfüllt war. Er sperrte sich gegen jede Domestizierung durch die Kirchenhierarchie, wurde von den Kirchenoberen oft kritisiert und letztlich doch wieder rehabilitiert. Er starb zwei Tage vor seinem Konsistorium, Papst Johannes Paul II hatte ihn zum Kardinal ernannt, und entzog sich dadurch letztendlich doch wieder dem Lehramt und der Vereinnahmung durch die Kirche.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Kurzbiografie
Balthasar und Przewara
Balthasar und Henri de Lubac
Balthasar und Adrienne v. Speyr
Meta-Antrophologie
Trinität – Theodramatik
Theologie der Drei Tage - Triduum Mortis
Der Gang zum Kreuz – Karfreitag
Der Gang zu den Toten - Karsamstag
Der Gang zum Vater – Ostersonntag
Über die Hölle
Persönliche Stellungnahme
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit gibt ein theologisches Portrait von Hans Urs von Balthasar, beleuchtet seinen Werdegang, seine prägenden Wegbegleiter sowie zentrale Pfeiler seines theologischen Denkens, insbesondere seine Trinitätslehre und die Theologie des Karsamstags, mit dem Ziel, seine Bedeutung für die kirchliche Erneuerung und das christliche Verständnis von Gottes Barmherzigkeit darzustellen.
- Biografische Stationen und prägende Wegbegleiter
- Die Methode „Das Ganze vor seinen Teilen“
- Trinitarisches Verständnis und Theodramatik
- Die Karsamstag-Theologie und der Abstieg in die Hölle
- Hoffnung auf die All-Erlösung
Auszug aus dem Buch
Der Gang zu den Toten - Karsamstag
Für Balthasar ist dieser Karsamstag so bedeutend, dass von einer Theologie des Karsamstag gesprochen werden muss. Im Glaubensbekenntnis heißt es „...hinabgestiegen in das Reich des Todes...“ Bei Balthasar wird diese beschönigende Beschreibung aufgegeben. Christus erlebt eine Höllenfahrt. Besonders an dieser Stelle fließen Adrienne v. Speyrs mystische Erfahrungen in das Werk Balthasars ein.
Mit Tod ist nicht nur der biologische Tod gemeint. Es geht auch um den „zweiten Tod“, die definitive Trennung des Menschen von Gott. Gott - der Sohn - solidarisiert sich mit all jenen, die in der Scheol sind. Er teilt das Schicksal der „Kraftlosen“, er nimmt die Erfahrung der „poena damni“ der sündigen Söhne Adams auf sich und nimmt stellvertretend ihre Stelle ein. So ist er nicht nur für die vielen gestorben sondern hat Tod und Hölle durchlebt und durchลitten, die „Wirklichkeit des Todes gelebt“, gelangte bis zur Strafe der Hölle und wird durch diese Solidarität in Tod und Hölle zum „zweiten Adam“, durch den wir alle leben und auferstehen.
Tiefer als der Sohn ist niemand in den Zustand des Hölleseins abgestiegen, daher gehört die Hölle künftig Christus. Der verratene und ermordete Sohn trägt das Heil in den Abgrund der Verräter und Mörder und konstituiert dadurch das Fegfeuer, also die Möglichkeit der läuternden und reinigenden Begegnung mit dem Sohn in der selbstgewählten Hölle und dadurch erlangte Erlösung und Vollendung im Vater.
Christus bringt aus dem Abgrund jeden Menschen mit sich (der ihm gehören will - freier Wille*), denn nun gibt es keinen Abgrund mehr, in den ein Mensch geraten kann, ohne darin Christus zu finden, der schon vor ihm dorthin hinabgestiegen ist, um ihn von dort aus heimzuholen.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Balthasar wird als Vorkämpfer des 2. Vatikanischen Konzils vorgestellt, der trotz seiner Kritik an der Neuscholastik und kircheninterner Widerstände wesentlich zur Erneuerung der Kirche beitrug.
Kurzbiografie: Dieser Abschnitt zeichnet den Lebensweg Balthasars nach, von seiner Ausbildung und den Begegnungen mit Erich Przywara, Henri de Lubac und Karl Barth bis hin zu seiner Gründung der Johannesgemeinschaft mit Adrienne von Speyr.
Meta-Antrophologie: Balthasar definiert den Menschen als ein auf Gott hin geschaffenes Geistsubjekt, das in der Begegnung mit dem „Du“ und in der Nachfolge Christi seine Bestimmung findet.
Trinität – Theodramatik: Das Kapitel erläutert die immanente Trinität als liebende Beziehung zwischen Vater und Sohn im Heiligen Geist und beschreibt Gottes Wirken als ein dramatisches Geschehen der Selbstentäußerung.
Theologie der Drei Tage - Triduum Mortis: Hier wird der Leidensweg Jesu vom Ölberg über das Kreuz und den Karsamstag bis zur Auferstehung als zentrales Erlösungsgeschehen gedeutet, in dem Christus die Weltsünde solidarisch auf sich nimmt.
Über die Hölle: Basierend auf der Frage nach Gottes Gerechtigkeit versus Barmherzigkeit begründet Balthasar die christliche Hoffnung auf eine leere Hölle.
Persönliche Stellungnahme: Die Verfasserin reflektiert ihre persönliche Auseinandersetzung mit dem Werk Balthasars und bewertet dessen theologischen Ansatz kritisch aus ihrer Sicht als Ärztin.
Schlüsselwörter
Hans Urs von Balthasar, Theologie, Trinität, Theodramatik, Karsamstag, Höllenfahrt, Adrienne von Speyr, Erlösung, Gnade, Kirche, Gottessuche, Analogia entis, Christus, Schöpfung, Christentum.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet ein theologisches Portrait von Hans Urs von Balthasar und analysiert sein Denken im Kontext der Theologie des 20. Jahrhunderts.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen Balthasars Lebensweg, seine Ekklesiologie, die Trinitätslehre sowie seine spezifische Theologie der drei Tage (Triduum Mortis).
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, das theologische Profil Balthasars und seine Rolle bei der Erneuerung der katholischen Kirche sowie sein Verständnis von Gottes Liebe und Erlösung aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine theologische Werkanalyse, die Balthasars Methode „Das Ganze vor seinen Teilen“ folgt, ergänzt um biografische und komparative Ansätze.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Biografie, der Meta-Anthropologie, dem Verständnis der Trinität und der detaillierten Theologie des Karfreitags, Karsamstags und Ostersonntags.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Trinität, Theodramatik, Karsamstag, All-Erlösung, Gnade und das Verhältnis von Natur und Gnade.
Warum spielt Adrienne von Speyr eine so wichtige Rolle für Balthasar?
Balthasar betrachtete ihr Werk und sein eigenes als untrennbar verbunden; ihre mystischen Erfahrungen, besonders zum Karsamstag, prägten sein theologisches Denken maßgeblich.
Was versteht Balthasar unter der „Hoffnung auf eine leere Hölle“?
Balthasar argumentiert, dass Christen aus Nächstenliebe hoffen sollen, dass die göttliche Liebe jede menschliche Weigerung durchdringt und somit letztlich alle Menschen erlöst werden.
Wie bewertet die Verfasserin Balthasars theologische Ansätze kritisch?
Sie schätzt sein theologisches Urteil und seinen Mut zur Erneuerung, steht jedoch der Einbeziehung der Privatoffenbarungen Adrienne von Speyrs in dogmatische Überlegungen skeptisch gegenüber.
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- Beatrix Schwaiger (Author), 2017, Urs von Balthasar. Ein Portrait, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1032837