Das Thema Zeit in der Grundschule


Wissenschaftlicher Aufsatz, 2002

11 Seiten, Note: nicht benotet


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Entwicklung des Zeitbewusstseins beim Kind

3. Das kindliche Verhältnis zur Zeit

4. Was für Erziehungs- und Lernziele entstehen daraus?

5. Die Zeit als Unterrichtsthema
5.1. Konkretes Beispiel: Uhr und Uhrzeit

6. Schlussbemerkung

Das Thema „Zeit“ in der Grundschule

1. Einleitung

Schon lange vor der Erfindung der mechanischen Uhr (14. Jh.) gab es in der Menschheit ein fortwährendes Bemühen, die Zeit zu messen und ein Zeitbewusstsein zu entwickeln. Zeit spielt in der Gesellschaft eine große Rolle, da sie das tägliche Handeln und Planen der Menschen von je her bestimmt.

Für unseren Zeitbegriff lässt sich nicht so einfach eine Definition herausarbeiten. Dennoch wird der Begriff „Zeit“ im alltäglichen Leben ständig benutzt und jeder weiß, was damit gemeint ist. Um Zeit anschaulich zu machen, bedienen wir uns Vorstellungshilfen wie z.B. dem zyklischen (orientiert an Planetenbewegung, Wechsel von Tages- und Jahreszeiten, Uhr) und dem linearen Zeitmodell (orientiert an ins Unendliche laufenden Linien wie z.B. dem Jahreszahlenstrahl, dem Lebensalter, etc.). Außerdem unterscheiden wir zwischen zwei unterschiedlichen Aspekten von Zeit: der objektiven und der subjektiven Zeit. Dabei wird die objektive Zeit als die messbare Zeit angesehen, welche auch die Grundlage für unseren Kalender bildet. Die subjektive Zeit ist die individuelle Empfindung des einzelnen Menschen von Zeit. Objektiv gleiche Zeitspannen werden von jedem Menschen unterschiedlich erlebt, je nachdem wie erfüllt die Zeit für den Einzelnen ist. Um solch subjektive Zeit näher zu beschreiben bedienen wir uns raumgebundener Begriffe wie z.B. „kurze Zeit“, „die Zeit rast“ oder „ewig lang hin“.

Kinder verfügen im Grundschulalter zwar schon über eigene Zeiterfahrungen, besitzen aber noch keine Vorstellung vom objektiven Zeitbegriff. Sie erleben Zeit grundsätzlich anders als Erwachsene, da sie sich stark am Wechsel von Tages- und Jahresrhythmen und an bestimmten Haltepunkten des Jahres (z.B. Feste) orientieren. Die Aufgabe der Schule ist es, den Kindern sowohl ein numerisches als auch ein abstraktes Zeitbewusstsein zu vermitteln, denn es ist für Kinder nicht nur wichtig, einen Zeitbegriff zu erwerben, sondern auch zu lernen, eigenverantwortlich mit der persönlichen Zeit umzugehen. Zeitorientierung, Zeiteinteilung sowie Zeitplanung auf der Grundlage des Zeitwissens, der Zeiterfahrung, der Zeitschätzung und der Zukunftsorientierung sind wichtige Lernziele.

Aus der Untersuchung der Entwicklung des Zeitbewusstseins beim Kind und der Darstellung des kindlichen Verhältnisses zur Zeit, sollen Möglichkeiten gefunden werden, wie diese Voraussetzungen im Unterricht zur Förderung des Zeitbewusstseins verwendet werden können.

2. Entwicklung des Zeitbewusstseins beim Kind

Bei der Frage, wann Kinder ein Zeitbewusstsein entwickeln und in welchem Lebensstadium es sinnvoll ist, dieses zu fördern, stimmen die Entwicklungspsychologen weitgehend darin überein, dass der Beginn der Grundschulzeit der bestmögliche Zeitpunkt ist. Roth (1955) z.B. unterteilt die Entwicklung des Zeitbewusstseins in die “Phase des naiven Zeiterlebens” (Kleinkind), die „Phase des Zeitwissens“ (Grundschulkind) und die „Phase der Zeiterfahrung und -reflektion“ (Pubertierender). Er geht somit davon aus, dass das Grundschulkind sich in der Phase befindet, in der es unterschiedliche Zeitbegriffe erlernt und die zeitliche Ordnung des Kalenders und der Uhr zu verstehen beginnt.

Piaget (1946) hat erkannt, dass Kinder ein anderes Zeitverständnis besitzen als Erwachsene. Dabei geht er jedoch, bezogen auf Einsteins Relativitätstheorie, von einem physikalischen Zeitbegriff aus, d.h. er sieht Zeit als Bewegung im Raum. Ein Zeitverständnis wird von Kindern durch die kognitive und aktive Auseinandersetzung mit der Umwelt erworben. Schritt für Schritt kann das Kind seine Erlebnisse und seine Wahrnehmung zeitlich koordinieren. Von einem noch getrennten räumlichen und zeitlichen Verständnis (je mehr man leistet, desto länger dauert es), kommt es nach und nach durch Erfahrung zu der Fähigkeit Zeit in Relation zu Geschwindigkeit und Raum zu verstehen (durch schnellere Aktion kann man in der selben Zeit mehr leisten). Vorraussetzung für die Entwicklung dieses „operativen“ Zeitbegriffs ist, dass sich der Zahl- und Raumbegriff beim Kind entwickelt hat. Dies geschieht laut Piaget ungefähr zu Beginn des Grundschulalters. Die im Elternhaus und in der Schule gemachten Erfahrungen unterstützen also den Prozess zur Entwicklung eines Zeitbewusstseins beim Kind.

3. Das kindliche Verhältnis zur Zeit

Wie schon erwähnt, empfinden Kinder Zeit ganz anders als Erwachsene. So brauchen sie z.B. für Wege, die bei einem Erwachsenen zehn Minuten an Zeit einnehmen, vielleicht eine halbe Stunde, da sie bummeln und sich intensiv mit ihrer Umwelt befassen. Werden sie beim Spiel unterbrochen, fühlen sie sich oft gestört und begreifen nicht, warum sie aufhören müssen. Sie denken noch nicht in Stunden, sondern orientieren sich eher an den Beschäftigungen, die für sie an einem Tag eine Rolle spielen (z.B. Ballettkurs, Freund treffen, Kindersendung). Dennoch ist auch das Handeln eines Kindes an unterschiedliche Zeitfaktoren gebunden: So muss das Kind sich im alltäglichen Leben genauso wie die Erwachsenen nach der „öffentlichen Zeit“ (Öffnungszeiten, Fahrplan, Sprechstunden) richten. Auch die Gestaltung der eigenen Freizeit ist zeitlichen Regelungen unterworfen (Sendezeiten, Veranstaltungstermine, „Zeithaben“ der Freunde). Aber auch die jeweilige Zeiteinteilung der Familie bestimmt die Art des Umgangs des Kindes mit der Zeit. So ist es z.B. an bestimmte Essenszeiten gebunden und bestimmte Vorhaben sind abhängig vom Tagesablauf und der Berufstätigkeit der Eltern.

Diese Gebundenheit an bestimmte moderne Zeitschemata muss sich nicht nur negativ auf das Kind auswirken. Zwar unterliegt es den zeitlichen Zwängen und muss seine Aktivitäten sorgfältig im Voraus planen oder durch Fremdeinfluss bestimmen lassen. Dennoch fördert gerade dies die Selbstständigkeit des Kindes: Es muss aus bestimmten Angeboten eines auswählen (entweder ich treffe mich mit Freunden oder sehe meine Lieblingssendung), mehrere Aktionen miteinander verknüpfen und somit die zur Verfügung stehende Zeit eigenständig disponieren.

[...]

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Das Thema Zeit in der Grundschule
Hochschule
Universität der Künste Berlin  (Erziehungswissenschaft und Psychologie / Grundschulpädagogik)
Note
nicht benotet
Autor
Jahr
2002
Seiten
11
Katalognummer
V10329
ISBN (eBook)
9783638167857
Dateigröße
406 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Thema Zeit, Grundschule, Unterricht, Unterrichtsvorschläge, Vorgehen, Bedeutung des Themas für den Menschen, Entwicklung des Zeitbewusstseins, Erziehungsziele, Lernziele, Vorschläge, Uhr, Uhrzeit
Arbeit zitieren
Kathrin Schwarz (Autor), 2002, Das Thema Zeit in der Grundschule, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/10329

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