Schneider, Robert - Schlafes Bruder - Legendenhafte Elemente


Hausarbeit, 2000

18 Seiten, Note: 1


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1. Einleitung

In der deutschen Gegenwartsliteratur gab es 1992 einen überraschenden und einmaligen Erfolg für Robert Schneider mit seinem Roman „Schlafes Bruder“, der von der Literaturkritik viel gelobt, aber auch kritisiert wurde. „Schlafes Bruder“, gern in eine Reihe mit Patrick Süskinds „Das Parfüm“ gestellt, erzählt die Geschichte eines Hör-Genies, das sich aus Liebe durch Schlafentzug zu Tode bringt. Der Roman zeichnet sich durch seine „Wiederkehr des Erzählens“ aus1 und tatsächlich wird der Leser in eine andere Welt entführt, die Robert Schneider geschickt vor unseren Augen entwickelt und konstruiert. Interessant wird der Roman aber auch durch seine Erfolgsgeschichte, denn erst nachdem 23 Verlage das Manuskript abgelehnt hatten, entschied sich der Reclamverlag für eine Veröffentlichung, die nicht nur in Deutschland zu großen Erfolgen führte, sondern auch im Ausland. Der Roman ist inzwischen in 24 Sprachen übersetzt und sogar verfilmt2.

Neben den Fragen zum Erzähler, zur besonderen Sprache des Romans, zur Intertextualität oder zum Themenkomplex Liebe und Tod, gesellt sich immer auch die Frage nach der Gattung, die ebensowenig eindeutig zu beantworten ist, wie die anderen Fragen, da der Roman bewußt mit Gegensätzen und Uneinigkeiten spielt. „Schlafes Bruder“ läßt sich unter verschieden Gesichtspunkten lesen und einordnen, so daß häufig nicht nur der Dorf-, Heimat- oder Künstlerroman als Gattung in Betracht gezogen, sondern auch eine Nähe zur Sage, oder der Bezug zur Legende, zur Heiligenlegende hergestellt wird.3 Keine Einordnung in eine spezielle Gattung erfaßt den Roman dabei ganz, so heißt es zum Beispiel bei Werner, der die Kategorie Legende prüfte:

„...zeigt sich, daß es falsch wäre, ‚Schlafes Bruder‘ mit einer Heiligenlegende im strengeren Sinne gleich- oder parallelzusetzen. Ein Wunder an zentraler Stelle, eine außergewöhnliche Begabung in Verbindung mit geheimnisvollen körperlichen Veränderungen und außerdem die eindringliche, sogar sichtbare Gegenwart Gottes - all das reicht nicht für eine solche gattungsspezifische Einordnung aus. Zwar finden sich durchweg ... Anklänge an Heiligenlegenden ... eine konsequente Linie ... ist jedoch nirgends zu finden ...“4

Im Folgenden soll nun untersucht werden, in welcher Weise die erwähnten Anklänge in Struktur und Inhalt einer Legende beziehungsweise einer Heiligenlegende ähneln und welche Bedeutung die Erzählinhalte damit erhalten.

2. Zur Definition der Legende

Der Alltag und die Wissenschaft, hier insbesondere die Literatur- wissenschaft, kennen verschiedene Bedeutungen für den Begriff der Legende. Die umgangssprachlich eher negative Verwendung, also die Hervorhebung des Märchenhaften, des Unwahren einer Erzählung, begründet sich in Martin Luther, der, im Zuge seiner Kritik am Heiligenkult der katholischen Kirche, das Lügenhafte der Legende hervorhob.5

Die christliche Legende nämlich, und genau diese möchte ich im Zusammenhang mit „Schlafes Bruder“ als Vergleichsmoment benutzen, ist die Darstellung der Lebensgeschichte, beziehungsweise von Passagen aus diesem von Wundern geprägten Leben, eines Märtyrers oder Heiligen. Theologisch ist dabei von Bedeutung, daß die Erzählung eine von Gott begnadete Person aufzeigt, die als historisch bezeugt gilt und mit einem exemplarischen Glauben an Gott, den Zuhörer oder Leser damit zu einem gottgefälligen Leben anregt.6 Denn Ziel einer echten Legende ist es, nicht nur den Beweis eines heiligmäßigen Lebens zu erbringen, sondern auch zu einer anbetenden Verehrung zu führen.7

Der Ursprung des Begriffs Legende liegt im lateinischen legere mit dessen Gerundiv legenda, was „das zu Lesende“ bedeutet.8 Damit hieß das Buch, aus dem nach christlichem Brauch am Jahrestag eines Heiligen oder Märtyrers seine Lebens- und Leidensgeschichte verlesen wurde, legenda. Hier beginnt also im religiösen und literarischen Bereich die Vermischung der Bedeutungen von Legende und Heiligenlegende. Wenn ich also von der Legende spreche, meine ich immer auch die Heiligenlegende und umgekehrt. Neben den stark verbreiteten Heiligenlegenden findet man auch noch Christus- und Marienlegenden. Da die Legende als Gattung nah an verschiedenen anderen Gattungen, wie zum Beispiel dem Märchen, der Sage, dem Mythos, dem Mirakel, steht, fallen eindeutige Abgrenzungen offenbar bis heute schwer.9

Das Hoch der Legende ergab sich im Mittelalter. Sie war bis zur Reformation die beliebteste Form der Erzählung des Christentums. Die Gegenreformation und der Barock griffen die Gattung wieder auf, als die Reformation ihren Erfolg unterbrochen hatte. In der Aufklärung war die Legende natürlich verspottet und erlebte erst im Zuge der Romantik eine Wiederbelebung, die von vielen Romantikern mit getragen wurde. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts ist sie allerdings in den Bereich der katholischen Erbauungsliteratur zurückgekehrt und die für die Literaturwissenschaft interessanteren Beiträge finden sich erst wieder im 20. Jahrhundert. Hier wird nun häufig die ironisch oder parodistische Auseinandersetzung mit der Gattung gewählt. Auch „Schlafes Bruder“ wurde nicht nur auf den Zusammenhang mit der Legende, wobei hier „ein leichtfertiger Umgang mit traditionsbehafteten Termini“10, also mit den Begriffen Heiliger und Legende, zu vermeiden ist, sondern auch auf eine Legendenparodie hin betrachtet.11

3. Formale Analyse des Romans in Hinblick auf die Gattung Legende

Auffällig an „Schlafes Bruder“ sind vor allem auch formale Aspekte wie die Erzählhaltung, die Struktur und besonders die Sprache des Romans. Aspekte, die Robert Schneider absichtlich12 spielerisch einsetzt, um ein überzeugendes Bild der Zeit, von der er berichtet, zu präsentieren. Wenn ich diese Formalia nun näher betrachte, um festzustellen, wie sie in der Gattung Legende vorkommen und ob vielleicht auch schon die formale Seite Hinweise auf die inhaltliche gibt, so soll damit nicht gesagt werden, daß Robert Schneider eigentlich eine Legende schreiben wollte.

Zum Erzähler ist zunächst zu sagen, daß Schneider neben der alten Sprache auch hier einen Rückschritt wagt, indem er die Figur des vermeintlich allwissenden Erzählers benutzt, der den an sich einfach komponierten Roman präsentiert. Über die „verdeckte Hauptfigur“13, die für Schneider „ein ganz großes ironisches Moment“14 ist, ist bereits einiges geschrieben worden und soll von mir hier nicht weiter behandelt werden. Ich möchte nur festhalten, daß auch die Legende meist einen allwissenden Erzähler hat,15 der ähnlich wie der als Chronist auftretende Erzähler in „Schlafes Bruder“ die Funktion des Zeugen für das vorgestellte außergewöhnliche Leben übernimmt. Denn wie eingangs in der Definition der Legende erwähnt, glauben Christen an ihre Heiligen als historische Persönlichkeiten, die folglich wirklich gelebt haben. Allerdings gibt sich der Erzähler in traditionellen Legenden, die ebenfalls in der Regel linear16 erzählt sind, nicht so zu erkennen, wie das hier der Fall ist.

Meiner Meinung nach findet man auch in der von Schneider angewandten Erzählstruktur eine gewisse Parallele zur Legende, da Schneider seine Geschichte insgesamt dreimal erzählt und schon mit dem ersten Satz des Romans das Leben seines Helden verrät. Diese Lebensgeschichte beginnt eigentlich erst im vierten Kapitel mit der Geburt des Johann Elias Alder und wird nach dem Tod Alders noch ein drittes Mal, nämlich als Märchen wie es heißt, von Elsbeth dargestellt. Diese Wiederholungen, besonders auch die Vorwegnahme der Spannung im ersten Kapitel, kann man mit der Legende insofern in Verbindung bringen, als daß auch dort ein bekannter Sachverhalt, nämlich die Lebensgeschichte eines Heiligen, in verschiedenen Gestaltungen wiederholt wird. Das Moment der Spannung ist also auch in der Legende ein eher nebensächliches.

Liest man „Schlafes Bruder“, so kommt man an der Sprache nicht vorbei. Schneider versucht hier, die Sprache des 19. Jahrhunderts wiederzubeleben und konstruiert damit eine recht eigenwillige Ausdrucksweise, die mit historischen, mit dialektischen und mit erfundenen Elementen arbeitet. So beschäftigt sich auch fast jede Literaturkritik mit dem Phänomen der Sprache und „die eigentliche Herausforderung des Romans, ‚die Zumutung, die Robert Schneider riskiert‘“17 wird kontrovers diskutiert. Begeisterung für die geschaffene Atmosphäre und Ablehnung gegenüber dem Konstrukt und dem Kalkül geben sich hier die Hand.18

Die archaischen Worte und Wendungen in „Schlafes Bruder“ sowie die Anlehnungen an die Sprache, den Stil und die Symbolik der Bibel sollen dem Erzähler zur Seite stehen und die Geschichte, passend zur dargestellten Zeit, farbig ausschmücken. Mit Blick auf die Legende lassen sich nun auch hier Gemeinsamkeiten in der pathetischen, getragenen Sprache des Romans und in der einer Legende finden, denn die historischen Heiligenlegenden stammen aus Zeiten, in denen historisch bedingt tatsächlich in einer - für uns heute - altertümlichen Sprache geschrieben wurde und die nicht selten biblische Wendungen benutzte. Sprachlich gleich sind also die archaisierenden und die biblischen Elemente, die Schneider angelehnt an Heiligenlegenden ausgewählt hat.19 Nicht gemeint sind die erfundenen Wörter oder die aus dem Dialekt.

Auf formaler Seite bringen damit besonders die Gemeinsamkeiten in der Sprachgestaltung des Romans mit dem Tonfall einer Legende eine Vorausdeutung auf die inhaltliche Legendenhaftigkeit.

4. Zu den im Roman konkret aufgegriffenen Ähnlichkeiten mit bestimmten Heiligenfiguren

4.1 Christologische Bezüge in Johannes Elias Alders Lebensgeschichte

„Alder, das Genie der Musik und der Liebe, trägt unverkennbar christologische Züge. Seine Geburt und Entwicklung sind von wundersamen Umständen begleitet. Seiner außergewöhnlichen musikalischen Begabung wird er durch eine Gottesbegegnung gewahr, von welcher er eine bleibende Verfärbung seiner Iris davonträgt Doch seine Bestimmung zur Liebe bis zur Selbstaufgabe geht ihm erst auf, als ein Johannes dem Täufer gleicher Schauprediger in Alders Dorf die freie Liebe verkündigt ... Er stirbt, von seinem Jünger und Jugendfreund auf sein Geheiß an einen Baum gefesselt, wie Christus am Kreuz ...“ 20

Selbst wenn man nicht theologisch an den Roman herangeht oder auf der Suche nach Heiligen ist, die als Vorbild oder Pate für „Schlafes Bruder“ gestanden haben könnten, fallen die Parallelen der Leidensgeschichte Elias mit der Jesu Christi ins Auge. So beginnt auch die Erzählung von Elias Leben schon mit einer besonderen Geburt, die unter dem Schutz Gottes steht, denn „Das Tedeum21 hatte dem Kind das Leben gerettet“ (SB 19)22, und die der Erzähler wörtlich ein Wunder (SB ebd.) nennt. Der wirkliche Vater des Kindes ist zudem der Geistliche Kurat Elias Benzer und wohl nicht zufällig heißt Elias Ziehvater ausgerechnet Joseph.23

Auch das göttliche „Wunder seines Hörens“ (SB 30), das dem kleinen Elias widerfährt und das ihn mit gelben Pupillen gekennzeichnet hinterläßt, deutet in der Beschreibung des Erzählers auf eine Parallele zu Jesu Leidensweg hin, da hier Elias das Leid der Welt auf seinen Schultern trägt: „Das Gesicht des Kindes aber bot einen derart entsetzlichen Anblick, als lägen alle je gehörten Wehschreie des Menschen und der Kreatur in ihm eingegraben“ (SB 35).24 Das herausragende Ereignis dieser Wundererfahrung ist das Hören von Elsbeths Herzschlag und die Erkenntnis seiner Bestimmung der Liebe zu ihr. Wie später deutlich wird, bleibt diese Liebe rein und jungfräulich, da Elias Elsbeth „sein Lebtag nicht begehren“ (SB 108) will und die Einstellung zeigt, „daß die wahre Liebe nicht das Fleisch sucht, sondern sich ganz an die Seele verschenkt“ (SB ebd.). Da Elias und Elsbeth aber nicht zusammenfinden und Elias nach der Erlösung von seiner Liebesqual die Leidenschaft fehlt, beschließt er, gegen den Willen Gottes, seine Liebe wieder zu beleben. Hierbei liebt Elias der Liebe willen, womit er die Liebe zuletzt verabsolutiert. Für Elias ist sie zum Schluß sein wahrer Gott, wofür er aber stirbt, ist nur die Illusion der echten Liebe.

Auch Jesus ist für den Gott der Liebe, wie ihn das Neue Testament verkündet, gestorben, allerdings „starb Christus aus wirklich empfundener Liebe zu den Menschen wie zu Gott“25. Trotz dieses großen Unterschiedes in der Motivation des Todes bleibt die Ähnlichkeit im Zusammenhang von Liebe und Tod bestehen. Auch stirbt Elias an einen Baum gebunden ähnlich wie Christus. Indem Elias offensichtlich in die Nähe zu Jesus gestellt wird, soll neben seiner Reinheit besonders sein Tod aufgewertet werden. Es wird suggeriert, daß hier ein großer Mensch für eine große Sache sein Leben gegeben habe.

Auch Formulierungen wie „daß Elias unverdorben blieb ... ist allein dem Wesen seines Herzens zuzuschreiben. Es war gut. Es hatte die Kraft zu hoffen.“ (SB 53) oder die Ausführungen, wie er den Kindern im Dienst der Kirche ein „herzensguter“ Lehrer wird (SB 119), bergen messianische Informationen, da Herz und Kinder zweifelsfrei auch mit Jesus in Verbindung gebracht werden.

Werner sieht zudem die besondere Auffälligkeit, daß auch Elias predigt (SB 118). Die Predigt weise in „Tonfall und Wortwahl offenkundige Entsprechungen mit Worten Jesu im Evangelium auf, so etwa Mt 25,13 oder Mk 9, 42.“26 Auch die Szene in der Kirche (SB 143ff) bringt Elias Aussagen in die Verbindung mit den Worten Jesu. Nach Werner werde hier deutlich, daß Andeutungen sowohl auf die Weihnachts- als auch auf die Passionsgeschichte gewollt seien:

„Wenn Elias ruft, es sei sein und nicht Gottes Wille, wenn er untergehe (SB 145), so ist dies eine Umkehrung der Worte Jesu am Ölberg (Lk 22,42), welche die Ergebenheit Jesu in den Plan Gottes verdeutlichen. Auch Elias‘ Ausruf ‚ich fürchte Dich nicht‘ (SB 146) könnte man, gerade wegen seines Gebrauchs in Hinsicht auf das Kind, als Anspielung auf das ‚Fürchtet euch nicht‘ (Lk 2,10) des Engels von Bethlehem interpretieren.“27

Den Eindruck, den Jesus mit seinen Worten sowie mit seinen Taten auf die Menschen machte, zeichnet der Roman nach, wenn Elias „Märtyrer-Tod ... eine Charakterwandlung Peters (bewirkt), der - dem Apostel Paulus vergleichbar - ‚wie durch ein Damaskus-Erlebnis‘ vom Sadist und Brandstifter zum umgänglichen Menschen- und Tierfreund ‚geläutert‘ wird.“28 Selbst auf die Auferstehung Jesu Christi wird nach Moritz in dem Roman angespielt. „Wie Maria Magdalena am Ostermorgen den Stein vom Grabe Jesu nicht mehr vorfindet, so traut die Lukasin in der Schlußszene ihren Augen nicht ...“29, da der Stein des Elias, der aussah „wie die Fußsohle unseres Herrn und Gottes“ (SB 204), verschwunden ist. Ähnlich wie die Frauen in der Osterszene bewahrt auch Elsbeth den Glauben an Elias Weiterleben (SB 204).

Trotz einiger Gemeinsamkeiten in der Vita von Jesus und Elias, bleiben natürlich die Unterschiede größer. Neben der Tatsache, daß Elias, im Gegensatz zu Jesus, an Gott verzweifelt und ihn „in sich zu Tode“ (SB 142) schreit, gibt es einen weiteren gravierenden Unterschied zwischen der Hauptfigur des Romans und der Hauptfigur des Christentums. Elias bewirkt selbst keine Wunder. Er erfährt zwar ein Wunder des Hörens an sich (SB 30ff), hat eine Gotteserscheinung in der Kirche in der Form eines Kindes (SB 142ff) und Gott wirkt an ihm, indem er schwarzes Wasser aus seinem Mund spritzen läßt (SB 87), aber tätig wie Jesus ist die Hauptfigur des Romans nicht.

Festzuhalten bleibt, daß sich erhebliche Ähnlichkeiten in der Lebens- und Leidensgeschichte des Elias mit der des - laut der katholischen Lehre - größten Heiligen Jesus Christus finden lassen, die Robert Schneider offenbar bewußt konstruiert hat, um seine Hauptfigur - wenn auch vielleicht nicht größer als Jesus30 zu zeigen - so doch in der Bedeutung neben Jesus zu stellen. Insbesondere die Jungfräulichkeit, die Güte und die Liebesfähigkeit von Elias lassen eine bewußt gewollte Nähe zu Jesus erkennen.

4.2 Parallelen zu Hiob, zur heiligen Cäcilia und zu Franz von Assisi

Elias Lebensgeschichte ist nicht nur messianisch geprägt, sondern weist auch offensichtliche Ähnlichkeiten mit anderen Heiligengeschichten beziehungsweise mit Lebensgeschichten von biblischen Gestalten auf. Die vorhandenen Parallelen sind auf der einen Seite konkret auf bestimmte Heilige bezogen, aber auf der anderen Seite auch unbestimmt gehalten, so zum Beispiel, wenn Elias Leid beschrieben wird. Da es vor der Institution Kirche noch keine Heiligsprechungen und damit auch noch keine Heiligen in dem Sinne, wie die Kirche das meint, gegeben haben kann, helfen sich die Lexika mit dem Terminus biblische Gestalten, um Menschen beschreiben zu können, die ein christlich vorbildliches Leben geführt haben. Auch ich möchte Elias nicht nur neben Heilige, sondern auch neben eine biblische Gestalt stellen.

Eine konkrete Anspielung auf die biblische Gestalt Hiob findet man in dem Kapitel „Gott fürchtet den Elias“ (SB 142). Hier erkennt Elias, von der Liebe enttäuscht und ohne Hoffnung, daß Gott ihn ein Leben lang getäuscht hat. In seiner Anklage gegen Gott, die als Paraphrase auf die des Hiob gelesen werden kann, fragt er nach dem guten Gott, nach dem Sinn seines Leidens und endet mit einer Verfluchung Gottes. Im Buch Hiob der Bibel wird ein redlicher Mann geschildert, dem großes Unglück widerfährt, und der aber trotzdem nicht aufhört an Gott und dessen Größe zu glauben. Die Frage nach dem ungerechten Leid bleibt hier ein ungelöstes Rätsel. Hiobs Klagen, so zum Beispiel „Deine Hände haben mich gebildet, mich gemacht; dann hast du dich umgedreht und mich vernichtet“ (Hiob 10,8) oder „Ausgelöscht

sei der Tag, an dem ich geboren bin (Hiob 3,3)“ und „Ich mag nicht mehr. Ich will nicht ewig leben. Laß ab von mir ...“ und „Wie lange schon schaust du nicht weg von mir, läßt mich nicht los ... Hab‘ ich gefehlt? Was tat ich dir ... Bin ich dir denn zur Last geworden? ( Hiob 7,19f)31 ähneln nicht nur im Ton und in der Art der Anklage Elias, sondern auch inhaltlich: „Gott, wo in meinem Leben bist Du??!!“ (SB 143) oder „Du Schöpfer aller Menschen, der Tiere, der Welt und aller Sterne. Warum hast Du mich, den Johannes Elias Alder geschaffen? ... Weshalb weidest Du dich an meiner Trauer, an der Mißgeburt meiner Augen, am Kummer meiner Liebe?“ (SB ebd.) und „Warum demütigst Du mich? Hast Du mich nicht nach Deinem Ebenbild geschaffen? ...“ (SB ebd.). Erst die folgende Gotteserscheinung, die Elias in Form eines verletzten Kindes widerfährt, bringt ihm die Erlösung. Elias muß nicht mehr lieben und er erhält seine natürliche Augenfarbe wieder zurück. Seine spätere Entscheidung aber, aus Liebe für Elsbeth zu sterben, trifft er gegen den Willen Gottes und somit löst sich die Parallele zu Hiob spätestens hier auf.

Die Verbindung zu einer Heiligen, nämlich zur heiligen Cäcilia, muß der Leser noch nicht einmal selbst herstellen, indem er zum Beispiel weiß oder herausfindet, daß das Attribut der Orgel der heiligen Cäcilia zugeordnet wird, sondern er bekommt diesen Zusammenhang von der Romanfigur Goller, dem Organisten in Feldberg, mitgeteilt. So gibt der Organist seinem Erstaunen über Elias musikalisches Talent mehrmals durch Anrufungen wie: „Oh, heilige Cäcilia“ (SB 166 u.ö.) Ausdruck. Nun heißt es aber in verschiedenen Lexika der Heiligen zunächst nur, daß Cäcilia die Patronin der Kirchenmusik, der Musiker und der Orgelbauer ist32 und „... vom 15. Jh. an läßt sich die Handorgel als ihr bezeichnendes Attribut nachweisen.“33 Die sonstigen Lebensdaten und Ausführungen lassen - bis auf ein Lob der Jungfräulichkeit - keine weiteren Schlüsse auf eine Verbindung mit der Romanfigur Elias Johann Alder zu. Erst das Wissen um Heinrich von Kleists Legende „Die heilige Cäcile oder die Gewalt der Musik“, das Angelika Steets34 in ihrer Interpretation von „Schlafes Bruder“ nennt, bringt die Gemeinsamkeiten zur heiligen Cäcilia ans Licht. So erscheint die Heilige in Kleists Legende unerwartet und nimmt während einer Messe den Platz der erkrankten Dirigentin ein. Auch Elias vertritt zunächst den spielunfähigen Onkel in der Kirche und seine Aufführung in Feldberg begeistert, erschreckt und wirkt gleichermaßen zur Frömmigkeit anregend wie die Cäliens:

„Sowohl bei Kleist als auch bei Schneider vereint die Musik himmlische wie zerstörerische Kraft. Während auf der Orgelempore die musizierenden Nonnen ‚wunderbarer, himmlischer Trost‘ überkommt, der ‚ihre Seelen, wie auf Schwingen, durch alle Himmel des Wohlklangs‘ führt, regt sich unten in der Kirche ‚kein Odem‘ und es hat den Anschein, ‚als ob die ganze Bevölkerung der Kirche tot sei‘ ... Als Elias während des Orgelwettbewerbs seine Improvisation beginnt, um darzulegen, wie der Mensch sich gegen den Tod aufzulehnen habe, entsteht im Dom ‚eine derart unheimliche Stimmung, als ahnten das Kind und der Greis zu gleicher Zeit: Der Tod ist in diesen Mauern‘...“35

Die angeführten Parallelen zwischen Elias und Cäcile stützen sich offensichtlich mehr auf die Intertextualität, nämlich auf die Legende von Kleist, als auf die katholische Heiligenfigur. Da es mir aber um legendenhafte Elemente im Roman „Schlafes Bruder“ geht und offensichtlich Anklänge an die Legende von Kleist zu erkennen sind, wurde die Kleist‘sche Interpretation der Figur der Cäcilia hier auch beachtet. Die direkten Anspielungen auf Franziskus von Assisi sind eindeutiger auf eine der bekanntesten Heiligengeschichten bezogen. Indem Elias mit den Tieren kommunizieren kann, er „die Hörfrequenz der Tiere getroffen“ (SB 56) hat, er „Zwiesprache hält mit den Tieren“ (SB 61) und seine „letzte Botschaft“ (SB 197) den Waldtieren vorbehalten bleibt, wird der Legende entsprochen, in der Franziskus den Tieren predigte und auch mit ihnen sprechen konnte. Werner meint nun, daß im Zusammenhang mit Elias Gabe, Stimmen nachzuahmen, „die Thematik der Heiligenlegende gewissermaßen ad absurdum geführt wird und der unterschwellige Vergleich von Elias mit Heiligen wie Franziskus von Assisi als Ironie entlarvt wird.“36 Begründet sieht er diese „offensichtliche Ironie“37 in dem Romaninhalt, daß Elias den biblischen Propheten Elias imitiert. Die damit dargestellte „Direktheit der Anspielung auf Elias als ‚Heiligen‘ ...“38 entlarve nicht nur das Gottesbild der Dorfbewohner, sondern eben auch die Parallelen zu den Heiligen als ironische Versatzstücke.

Über das Stilmittel der Ironie in „Schlafes Bruder“ darf man - und ist man in den Rezensionen der ersten Jahre auch - geteilter Meinung sein. Überzeugend ist meiner Meinung nach der Hinweis auf die offensichtliche Ironie in Elias Imitation des Propheten Elias, nicht zwingend scheint mir allerdings der Rückschluß darauf, daß dadurch auch die anderen Hinweise, zum Beispiel der auf den heiligen Franziskus, ironisiert werden. Sieht man sich diese (oben genannten) Textstellen an, so findet sich hier meiner Meinung nach kein Bruch und damit keine Ironie.

5. Indirekte Anspielungen auf Elemente aus verschiedene n Heiligen- legenden

5.1 Besonderheiten in Elias Vita, die in Anlehnung an Heiligen- geschichten erzählt sind

Nach der Beschreibung der besonderen Geburt des Elias fährt der Erzähler mit der Taufe fort, die den Jungen das erste Mal mit der Musik in Berührung bringt und als die Orgel spielt, „jubilierte (Elias) über die Entdeckung der Musik“ (SB 29). Seinen Vater Seff jedoch beschleicht wegen Elias Schreien ein fröstelndes Gefühl und er meint, daß mit dem Jungen etwas falsch sei (SB ebd.). Auch dem Kuraten ist nicht ganz wohl. Allerdings zittert ihm die Hand bei der Taufe doch eher, weil er der Vater des Kindes ist und nicht angesichts der Stimme des Säuglings. Drei Tage nach dieser Taufe wird der Kurat tot aufgefunden und das Gerücht von einen Selbstmord hält sich lange. Die Taufe ist also umrandet von Vorahnungen und seltsamen Begebenheiten, die vor allem das Besondere des Kindes Elias hervorheben. Das beschriebene Mysterium um Elias läßt sich keinem bestimmten Heiligen zuordnen, außerdem beginnt eine Heiligenvita nur selten direkt mit der Geburt, da speziell die Wandlung zum Christentum Mittelpunkt der Geschichten ist. Trotzdem kann man sagen, daß diese Passage in Anlehnung an Heiligenlegenden geschrieben ist, weil im Zusammenhang mit der Taufe etwas Mysteriöses geschieht, das den Vater erschreckt und den Seelsorger zunächst vor einer Berührung scheuen läßt - der Unreine trifft auf den Reinen - und dann in den Tod treibt.

In der weiteren Entwicklung des Jungen wird deutlich, daß auch er, wie sein ganzes Dorf, fromm ist und so erzogen wird. Im Gegensatz zu der geheuchelten Frömmigkeit der Dorfbewohner wird die des Elias aber als echt dargestellt. So heißt es vom Erzähler bei Elias Kommunion: „... daß kein Kommunikant so fromm und lauter das Jesulein in sein Herzkämmerchen treten ließ als unser Elias Alder“ (SB 47). Auch in der Schule wird Elias christliche Gesinnung hervorgehoben: „Das Kind war in den Dingen der Christenlehre derart beschlagen, wußte so trefflich alle Namen und Geschichten der beiden Testamente herauszusagen ...“ (SB 56), die sich im Alter zeitweise sogar bis in eine „seltsam gesteigerte Marienverehrung“ (SB 120) ausweitet. Diese verabsolutierte Frömmigkeit findet man natürlich ebenso in den verschiedensten Heiligenlegenden. Die Frage bleibt offen, inwieweit Elias hier Naivität oder tiefen Glauben zeigt. Deutlich ist aber, daß der Erzähler dem Leser die Tugendhaftigkeit Elias vorführen will.

Legendenhaft ist wohl auch der ständige Hinweis auf Elias Außenseitertum, das nur von seinem einzigen Freund Peter durchbrochen wird. Der Freund wird zum bösen Widerpart, an dem sich Elias Tugendhaftigkeit um so heller spiegelt. Peters Wandlung durch Elias vom furchtbar bösen zum sehr guten Menschen hebt Elias neben die Heiligen, die die Menschen bekehrten und zum wahren Glauben führten. Auch diese Menschen waren nach dieser Wandlung gut - allerdings im Glauben an Jesus Christus. Wie verschiedene Heilige spricht auch Elias zu den Menschen, er „machte nicht bloß Musik, er predigte“ (SB 175). Seine Kommunikationslosigkeit verliert er nur im Orgelspiel - hier kann er seine Botschaften ausdrücken.

Selbst wenn es vom Erzähler heißt: „Wir stellen unseren Heiligen nicht in die Reihe dieser Heiligen. Aber ihm widerfuhr dasselbe Schicksal: Sterben wollte er.“ (SB 149), so wird die Gleichstellung doch bewußt durch die Inhalte und den Ton der Geschichte inszeniert. Verstärkt wird das Ganze durch eine stringent durchgehaltene biblische Zahlensymbolik, die zum Beispiel von den drei Feuern und von der siebten Nacht, in der Elias stirbt, spricht. Der Tod von Elias, gefesselt an die Esche, ist dabei der Höhepunkt der ähnlich ausgeführten Lebensläufe von Heiligen und ihm selbst. Der Erzähler versucht also immer wieder, Elemente aus Vita von Heiligen unterzubringen, er spricht sogar von Elias als Märtyrer (vgl. SB 196), jedoch weisen die Einzelheiten dabei auf verschiedene - und nicht auf eine bestimmte - heilige Person hin. Die letzte Konsequenz aber, nämlich ein Leben und Sterben in Vertrauen auf Gott, wird ausgelassen, gerade weil Elias zum Schluß nur für eine Illusion stirbt.

5.2 Erzählinhalte aus der Umgebung Elias, die Bezüge zu Heiligenlegenden zeigen

Vorbild für die eher religiös-kitschig gehaltene Episode der Gotteserscheinung des Elias in der Kirche (SB 146f) ist neben Anlehnungen an das Jesuskind „... möglicherweise auch die Tiroler Legende vom ‚Anderl von Rinn‘...“39 Der heilige Andreas Oxner von Rinn wurde als dreijähriges Kind von jüdischen Händlern ermordet und über dem Stein, auf dem die Bluttat geschah, errichtete man der Legende nach eine Kirche. Die Kirchenszene im Roman ist nun so erzählt daß sich beim Leser Ehrfurcht einstellen soll. Die mystischen Elemente,- egal ob das Jesuskind oder Andres gemeint ist - die die Szene ausschmücken, verstärken diesen Eindruck. Leider wirkt Elias Begegnung mit Gott in der Gestalt eines Kindes aber auch trivial, da zu viele unerklärliche Phänomene in der Kirche letztendlich die Glaubwürdigkeit der Szene zerstören.

Der Köhler Michel erfährt seine Bestimmung zum Dichter, indem Schneider noch einmal kurz auf den heiligen Franz von Assisi zurück greift: „Eine Amsel habe zu ihm geredet und ihm geboten, nicht länger die Arbeit eines gemeinen Mannes zu verrichten, sondern die Berufung zum geistlichen Dichter anzunehmen.“ (SB 63) Man sieht also, daß einiges religiös einfach zu begründen ist. Auch die „geregelte Alterspension“ (SB 21) der Seelenzilli ist religiös - wenn auch falsch religiös - geprägt. Die alte Frau besitzt angeblich die seherische Gabe mit den Verstorbenen des Dorfes Kontakt aufzunehmen. Dabei bitten sie die Toten, den Lebenden Verwandten zu sagen, was diese alles zur „Rettung ihrer toten Verwandten zu leisten hätten“ (SB ebd.). Zwischen Fegefeuer und Paradies liegen also zum Beispiel „sieben Klafter weiches gehacktes Brennholz“ (SB 22), die der Tote der Seelenzilli schuldet und die nun von seinen lebenden Verwandten an sie gezahlt werden muß. Hier kann man eine ironische Perversion der Funktion der katholischen Heiligen beobachten. Fungieren die Heiligen doch eigentlich nach ihrem Tod als Mittler zwischen dem Menschen und Gott. Der gläubige Mensch betet sie an und bittet um Beistand, um ins Paradies zu kommen. Im Roman bitten aber umgekehrt die Toten die Lebenden um (materiellen) Beistand, damit ihnen das Paradies gewiß ist.

Religionskritik wird mit der Figur des negativen Heiligen, mit dem Schauprediger Corvinius Feldau von Feldberg, eingeführt. Wie die Heiligen fordert auch Corvinius eine Umkehr und wird von den Menschen erhört. Seine Predigt aber bezieht sich auf rein sexuelle und triebhafte Inhalte. Er spricht zwar von Liebe und endet mit den Worten „Wer schläft, liebt nicht!!“ (SB 103), die Elias so prägen, er meint jedoch die körperliche Lust, die grenzenlos ausgekostet werden soll. Elias, als einziger, versteht diese Predigt falsch und bleibt rein, alle anderen Dörfler geben sich der Wollust hin. Damit hat der Schauprediger genau das erreicht, was die katholische Kirche und damit auch die Heiligen verdammen. Dadurch, daß er im Namen der Kirche zur sogenannten fleischlichen Sünde aufruft und sein auch Ziel erreicht, pervertiert er im Roman zu einem negativen Heiligen.

6. Schluß

Der Roman „Schlafes Bruder“ von Robert Schneider ist ein Roman voller religiöser Elemente. Die Geschichte, die der Erzähler dem Leser anbietet, wird in Tonfall, Struktur und auch inhaltlich an die Bibel und an Legenden angelehnt erzählt. Die erzielte Wirkung ist eine Sicht des Lesers auf die Hauptfigur Elias, die stark von dieser Erzählhaltung beeinflußt ist. Trotz der vielen aufgezeigten Parallelen zu den unterschiedlichsten Heiligenlegenden, kann der Roman selbst nicht zu der Gattung Legende gezählt werden, weil die Anspielungen nicht konsequent durchgehalten werden. Da sich dieses Nebeneinander von Argumenten dafür und dagegen zum Beispiel auch in der Frage nach dem Dorfroman, dem Heimatroman oder dem Liebesroman hält, bleibt „Schlafes Bruder“ ein für Untersuchungen immer spannendes und auch offenes Unterfangen.

7. Literaturverzeichnis

Primärliteratur:

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Sekundärliteratur:

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Kasper, Walter (Hrsg.), u.a.: Lexikon für Theologie und Kirche. 3. Völlig neu bearb. Aufl. Freiburg, u.a. 1997.

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2. zu „Schlafes Bruder“:

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Gottwald, Herwig: Mythos und Mythisches in der Gegenwartsliteratur. Studien zu Christoph Ransmayr, Peter Handke, Botho Strauß, Georg Steiner, Patrick Roth und Robert Schneider. Stuttgart 1996. (= Stuttgarter Arbeiten zur Germanistik, 333.)

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Möckel, Magret: Erläuterungen zu Robert Schneider Schlafes Bruder. Hollfeld 1997 (= Königs Erläuterungen und Materialien, 390.)

Moritz, Rainer: Nichts Halbherziges. Schlafes Bruder: das (Un-) Erklärliche eines Erfolges. In: Moritz, Rainer (Hrsg.): Über „Schlafes Bruder“. Materialien zu Robert Schneiders Roman. 3. Aufl. Leipzig 1998. (= Reclam-Bibliothek, 1559.), S. 11 - 29.

Moritz, Rainer: Robert Schneider Schlafes Bruder. Stuttgart 1999. (= Universal-Bibliothek, 16015: Erläuterungen und Dokumente.)

Moritz, Rainer (Hrsg.): Über „Schlafes Bruder“. Materialien zu Robert Schneiders Roman. 3. Aufl. Leipzig 1998. (= Reclam-Bibliothek, 1559.)

Steets, Angelika: Robert Schneider Schlafes Bruder. Interpretation. München 1999. (= Oldenbourg Interpretationen, 69.)

Werner, Mark: Schlafes Bruder - eine Heiligenlegende? In: Moritz,

Rainer (Hrsg.): Über „Schlafes Bruder“. Materialien zu Robert Schneiders Roman. 3. Aufl. Leipzig 1998. (= Reclam-Bibliothek, 1559.), S. 100 - 123.

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1 Förster, Nikolaus: Die Wiederkehr des Erzählens. Deutschsprachige Prosa der 80er und 90er Jahre. Darmstadt 1999, S. 148.

2 Joseph Vilsmaier verfilmte „Schlafes Bruder“. Der Film kam im Herbst 1995 in die deutschen Kinos.

3 Vgl. z.B. Möckel, Magret: Erläuterungen zu Robert Schneider Schlafes Bruder. Hollfeld 1997 (= Königs Erläuterungen und Materialien, 390.), S. 7: „...ob es sich bei dem Roman um eine Legende, einen Entwicklungsroman, einen Künstler- oder Dorfroman oder gar um ein Märchen ...“ sowie vgl. Steets, Angelika: Robert Schneider Schlafes Bruder. Interpretation. München 1999. (= Oldenbourg Interpretationen, 69.), S. 10: „Die Lesarten, die der Roman anbietet - Dorfgeschichte, Künstlerroman, Heiligenlegende ...“ u.a.

4 Werner, Mark: Schlafes Bruder - eine Heiligenlegende? In: Moritz, Rainer (Hrsg.): Über „Schlafes Bruder“. Materialien zu Robert Schneiders Roman. 3. Aufl. Leipzig 1998. (= Reclam-Bibliothek, 1559.), S. 122. Im Folgenden zitiert mit: Werner: Materialien.

5 „M. Luther nannte die Gattung Lügenden und prägte so das negative neuzeitliche Verständnis des Litertur-Typs als unglaubwürdige Erzählung.“ aus: Kasper, Walter (Hrsg.), u.a.: Lexikon für Theologie und Kirche. 3. Völlig neu bearb. Aufl. Freiburg, u.a. 1997, S. 743. Im Folgenden zitiert mit: LThK.

6 Vgl. LThK, S. 741.

7 Vgl. Rosenfeld, Hellmut: Legende. 4. Verb. u. verm. Aufl. Stuttgart 1982. (= Sammlung Metzler; M9: Abt. E, Poetik.), S. 93.

8 Vgl. Rosenfeld, Hellmut: Legende. 4. Verb. u. verm. Aufl. Stuttgart 1982. (= Sammlung Metzler; M9: Abt. E, Poetik.), S. 1.

9 Vgl. Werner: Materialien, S. 101.

10 Werner: Materialien, S. 100. So z.B. „Die Legende vom schlaflosen Musiker“ (Erich Hackl, Die Zeit 02.10.1992) oder „Die Legende vom Genie“ (Beat Mazenauer, Luzerner Zeitung 12.11.1992) u.a.

11 Vgl. Werner: Materialien, S. 123. Er lehnt die Bezeichnung Legenden-Parodie hier ab.

12 Vgl. Schneider über den Erzähler in: Moritz, Rainer: Robert Schneider Schlafes Bruder. Stuttgart 1999. (= Universal-Bibliothek, 16015: Erläuterungen und Dokumente.), S. 27.

13 Möckel, Magret: Erläuterungen zu Robert Schneider Schlafes Bruder. Hollfeld 1997 (= Königs Erläuterungen und Materialien, 390.), S.66.

14 Moritz, Rainer: Robert Schneider Schlafes Bruder. Stuttgart 1999. (= UniversalBibliothek, 16015: Erläuterungen und Dokumente), S. 33.

15 Vgl. Voragine, Jacobus de: Legenda Aurea. Heiligenlegenden. Zürich 1982. (= Manesse Bibliothek der Weltliteratur.) Die Legenden sind auktorial erzählt, wobei häufig die Perspektive des Heiligen eingenommen wird. Der Erzähler gibt sich hier kaum zu erkennen, Hinweise auf ihn sind Formulierungen wie „Andreas und einige andere Jünger sind von unserem (sic!) Herrn dreimal gerufen worden ...“

16 Vgl. Voragine, Jacobus de: Legenda Aurea. Heiligenlegenden. Zürich 1982. (= Manesse Bibliothek der Weltliteratur.) In den Legenden werden einzelne Passagen aus dem Leben des Heiligen aneinandergereiht erzählt. Meist enden die Erzählungen mit dem Tod, also mit dem Martyrium des Heiligen und in soweit wird auch hier linaer erzählt.

17 Steets, Angelika: Robert Schneider Schlafes Bruder. Interpretation. München 1999. (= Oldenbourg Interpretationen, 69.), S. 52. Das enthaltene Zitat stammt aus: Hermann Wallmann: Klangwetter, Klangstürme, Klangmeere, Klangwüsten. In: Moritz, Rainer (Hrsg.): Über „Schlafes Bruder“. Materialien zu Robert Schneiders Roman. 3. Aufl. Leipzig 1998. (= Reclam-Bibliothek, 1559.), S. 144.

18 Vgl. z.B. die Kontroverse in „Das literarische Quartett“ In: Moritz, Rainer: Robert Schneider Schlafes Bruder. Stuttgart 1999. (= Universal-Bibliothek, 16015: Erläuterungen und Dokumente.), S. 67. Oder auch Hubert Winkels: „Wofür soll man ihn am meisten tadeln? Für sein zeitabgewandtes Fantasieren, seinen erhaben-distanzierten Ton, für das künstliche Wortgeklingel, die preziösen Redewendungen, den manierierten Dialekt und die verlogene Urigkeit seiner Dorfgeschichte?“ In: Moritz, Rainer (Hrsg.): Über „Schlafes Bruder“. Materialien zu Robert Schneiders Roman. 3. Aufl. Leipzig 1998. (= Reclam- Bibliothek, 1559.), S. 160 und August Everding: „Die Sprache fängt mich ein, sie zündet meine Phantasie, weckt meinen Verstand, reizt meine Sinne Diese Sprache zwingt mich, Bilder zu entwerfen von Landschaften ... läßt mich Töne und Tonfolgen komponieren, die ich noch nie improvisiert hatte ...“ In: Ebd., S. 32.

19 Vgl. z.B. Voragine, Jacobus de: Legenda Aurea. Heiligenlegenden. Zürich 1982. (= Manesse Bibliothek der Weltliteratur.) Die Sprache der Legenden ist zum Beispiel mit Bibelzitaten und biblischen Wendungen oder Aneinanderreihungen durch ‚und‘, ‚dann‘ durchsetzt und benutzt die gleichen Symbole wie Schneider (Feuer, Zahlen ...).

20 Körtner, Ulrich H. J.: Liebe, Schlaf und Tod. Ein theologischer Versuch zu Robert Schneiders Roman ‚Schlafes Bruder‘. In: Moritz, Rainer (Hrsg.): Über „Schlafes Bruder“. Materialien zu Robert Schneiders Roman. 3. Aufl. Leipzig 1998. (= Reclam-Bibliothek, 1559.), S. 95. Im Folgenden zitiert mit: Körtner: Materialien. Da der Beitrag auch in den Lutherischen Monatsheften erschienen ist, gehe ich von einer theologischen Herangehensweise aus - auch hat der Autor das theologische Anliegen, zu widerlegen, daß die Romanfigur Elias größer und vollkommener als Jesus sein könnte.

21 Kirchenlied, übersetzt als „Lob Gottes“

22 Schneider, Robert: Schlafes Bruder. 12. Aufl. Leipzig 1995. (= Reclam-Bibliothek, 1518.), im Text zitiert mit SB.

23 Vgl. Werner: Materialien, S. 122.

24 Vgl. Möckel, Magret: Erläuterungen zu Robert Schneider Schlafes Bruder. Hollfeld 1997 (= Königs Erläuterungen und Materialien, 390.), S. 96f.

25 Körtner: Materialien, S. 97.

26 Werner: Materialien, S. 122 der Ausdruck „diese Kleinen“ taucht in der Bibel an den genannten Stellen auf sowie „Stunde anzeigt“.

27 Werner: Materialien, S. 115.

28 Steets, Angelika: Robert Schneider Schlafes Bruder. Interpretation. München 1999. (= Oldenbourg Interpretationen, 69.), S. 39. Die enthaltenen Zitate stammen aus einem Interview Schneiders mit Kruse.

29 Moritz, Rainer: Nichts Halbherziges. Schlafes Bruder: das (Un-) Erklärliche eines Erfolges. In: Moritz, Rainer (Hrsg.): Über „Schlafes Bruder“. Materialien zu Robert Schneiders Roman. 3. Aufl. Leipzig 1998. (= Reclam-Bibliothek, 1559.), S. 28.

30 Vgl. Körtner: Materialien, S. 92-100.

31 Vgl. bes. Hiob 10, 1-22 und 7, 11-21.

32 Vgl. Wimmer, Otto; Melzer, Hartmann: Lexikon der Namen und Heiligen. 4. neubearb. u. wesentl. erw. Aufl. Innsbruck, u.a. 1982, S. 183.

33 Keller, Hiltgart L.: Reclams Lexikon der Heiligen und der biblischen Gestalten. Legende und Darstellung in der bildenden Kunst. 3. Aufl. Stuttgart 1975. (= Universal-Bibliothek, 10154.), S. 85.

34 Vgl. Steets, Angelika: Robert Schneider Schlafes Bruder. Interpretation. München 1999. (= Oldenbourg Interpretationen, 69.), S. 40 - 42.

35 Steets, Angelika: Robert Schneider Schlafes Bruder. Interpretation. München 1999. (= Oldenbourg Interpretationen, 69.), S. 41.

36 Werner: Materialien, S. 111.

37 Ebd.

38 Ebd.

39 Gottwald, Herwig: Mythos und Mythisches in der Gegenwartsliteratur. Studien zu Christoph Ransmayr, Peter Handke, Botho Strauß, Georg Steiner, Patrick Roth und Robert Schneider. Stuttgart 1996. (= Stuttgarter Arbeiten zur Germanistik, 333.), S. 164.

18 von 18 Seiten

Details

Titel
Schneider, Robert - Schlafes Bruder - Legendenhafte Elemente
Note
1
Autor
Jahr
2000
Seiten
18
Katalognummer
V103305
Dateigröße
377 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Untersuchung des Romans auf legendenhafte Elemente, zunächst eine kurze Einführung in die Gattung Legende und dann die Anwendung auf Robert Schneiders Roman (Elias als Jesus, als Hiob und als Franz von Assisi ...). Ziemlich speziell, aber mit vollständiger Bibliographie.
Schlagworte
Schneider, Robert, Schlafes, Bruder, Legendenhafte, Elemente
Arbeit zitieren
Judith Haunhorst (Autor), 2000, Schneider, Robert - Schlafes Bruder - Legendenhafte Elemente, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/103305

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