Schiller, Friedrich - Die Räuber, Der Verbrecher aus verlorener Ehre und Büchner, Georg - Woyzeck unter dem Gesichtspunkt der Darstellung sozialer Konflikte in der Literatur


Referat / Aufsatz (Schule), 1998

3 Seiten, Note: 1


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„Die Räuber“, „Der Verbrecher aus verlorener Ehre“ und „Woyzeck“ unter dem Gesichtspunkt der Darstellung sozialer Konflikte in der Literatur

Um die oben genannten Werke von Friedrich Schiller und Georg Büchner in ihren sozialen Konflikten miteinander vergleichen zu können, sollte man sich zunächst dem Inhalt jedes einzelnen Stückes zuwenden.

Bei Schillers „Verbrecher aus verlorener Ehre“ geht es um den jungen Mann Christian Wolf, der, nicht gerade mit Schönheit und Reichtum bedacht, im Verlaufe des Stückes einen gesellschaftlichen Niedergang durchlebt, in dem er erst zum Wilddieb, dann sogar zum Mörder wird. Erst als sich Christian als Anführer einer Räuberbande wiederfindet, merkt er, wie tief er gesunken ist und flieht. Doch bei einem Aufenthalt in einem Dorf glaubt er, daß die Falschheit seines Passes entdeckt worden sei. Er zögert nicht lange und stellt sich der weltlichen Gerichtsbarkeit, die an dieser Stelle des Stückes in Form eines Oberamtmannes auftritt.

Das Schauspiel „Die Räuber“, ebenfalls von Schiller, handelt von dem Schicksal des jungen Grafen Karl Moor, der durch die List und Tücke seines boshaften Bruders Franz um sein Erbe gebracht wird. Als Karl schließlich einen gefälschten Brief erhält, aus dem er die Nachricht erfährt, daß er vom Vater verstoßen wird, treiben ihn Verzweiflung und Enttäuschung soweit, daß er zum Gründer einer Räuberbande wird. Im weiteren Verlauf des Werkes erfährt Karl doch von dem Betrug seines Bruders. Er ist auf Rache aus, will Franz lebendig haben. Doch dieser nimmt sich in größter Angst vor Karls Rache das Leben. Am Ende zeigt Karl, der Hauptmann der Räuber, Reue, indem er sich in die Hände eines armen Menschen begibt, der die hohe Belohnung, die auf Karls Ergreifung ausgesetzt ist, einstreichen soll. In dem Fragment „Woyzeck“ von Georg Büchner geht es um den einfachen Soldaten Woyzeck, auf dem die gesellschaftlich höher gestellten Personen ständig „herumtrampeln“. Für die meisten ist Woyzeck nicht mehr als ein Laufbursche, er wird für geisteskrank gehalten, da er seine Gedanken oft nicht ordnet, bevor er sie ausspricht, sondern sie einfach aus sich heraussprudeln läßt. Der Doktor aus seinem Umfeld betrachtet ihn nicht einmal wie einen Menschen, eher wie einen Gegenstand. Diese Tatsachen allein mögen schon ausreichen, Woyzeck sein Selbstvertrauen verlieren zu lassen, doch es kommt noch schlimmer. Als Woyzeck mitbekommt, daß seine Geliebte Marie ihn betrügt, ist er nicht mehr zu halten. Er greift zum Äußersten und bringt Marie um. Hiernach stirbt Woyzeck selbst, ob durch einen Unfall oder durch Selbstmord geht nicht eindeutig aus dem Stück hervor. Wenn man diese drei Werke nun zu einem Vergleich heranziehen will, so fällt sofort auf, daß es bei allen hauptsächlich um einen jungen Mann geht. Dieser gelangt durch Umstände, die in den einzelnen Stücken mehr oder weniger von dem Umfeld abhängen, welches die betreffende Person umgibt, in die Gesetzlosigkeit.

Beim „Verbrecher aus verlorener Ehre“ ist es sicherlich so, daß an Christian Wolfs Verfall in die Kriminalität zum größten Teil die Gesellschaft, also seine Umwelt, verantwortlich ist. Den ersten Schritt jedoch, der ihn ins Verbrechen führte, tat Christian zweifellos aus freien Stücken, zumal er sich nur einbildete zu lieben. Wäre er ehrlich zu sich selbst gewesen, hätte es gar nicht soweit kommen können. Er wäre nie Wilddieb geworden, weil er keiner Geliebten hätte Geschenke machen müssen, um deren Zuneigung zu gewinnen. Doch dies hätte wohl nicht seinem Charakter entsprochen, denn er war einfach zu stolz und auch zu verweichlicht, um den ehrlichen Lebensweg einzuschlagen.

Für diese erste Tat trägt Christian also die Verantwortung, doch die weiteren Taten, die folgen, muß man seinem Umfeld anrechnen, da Christian ja sogar an einem Punkt versucht, die schon fast geschlossene Tür zum ehrlichen Leben in der Gesellschaft wieder aufzustoßen. Denn er bemüht sich sehr stark, wieder durch ehrliche Arbeit Geld zu verdienen, doch überall in seiner Heimatstadt, wo er sich bewirbt, wird Christian abgelehnt und weggeschickt. Diese Tatsache läßt natürlich seine Enttäuschung hochkommen und verletzt seinen Stolz zutiefst. So ist es auch kein Wunder, daß er rückfällig wird. Daraufhin wird er allerdings als Wiederholungstäter ins Zuchthaus gebracht, in dem ihn der Umgang mit Mördern und anderem Gesindel völlig ins Negative verändert und in dem er seinen Stolz und sein Ehrgefühl verliert.

Ich bin der Meinung, daß doch an diesem Beispiel des Christian Wolf von Schiller heftigste Kritik an der damaligen Obrigkeit, genauer gesagt an der damaligen Justiz geübt wird, die er praktisch dazu verurteilt, aus einem im Grunde guten Menschen einen Mörder gemacht zu haben, der zur Bedrohung für das Wohl der Gesellschaft selbst wurde. Die Darstellung des sozialen Konfliktes in dem Stück „Die Räuber“ geht in etwa in die gleiche Richtung wie beim „Verbrecher aus verlorener Ehre“. Man kann zwar nicht sagen, daß die Gesellschaft im allgemeinen Karl zum Verbrecher werden ließ, doch schließlich gehört auch Franz in gewisser Weise zu Karls Umwelt. Und dieser ist, wie man aus dem Schauspiel weiß, eigentlich die Person, die aus Karl mittels seiner gefälschten Briefe einen Gesetzlosen werden läßt. Denn ausschlaggebend dafür, daß Karl den Weg ins Verbrechen wählt, ist ja, daß er nach dem Erhalt des Briefes so von seinen Emotionen, wie Enttäuschung, Wut und Unverständnis, beherrscht wird. Er war wahrscheinlich gar nicht mehr in der Lage, rational zu denken und zu handeln, sondern ließ sich von der Stimmung des Momentes berauschen und stimmte dem Vorschlag seiner Gefährten zu, Hauptmann der Räuber zu werden.

Es ist klar, daß Schillers Schauspiel für die damalige Zeit, in der in Deutschland noch das Ständewesen herrschte, absolut revolutionär gewesen sein muß. Denn noch niemals vorher wurde ein Theaterstück über die Menschen geschrieben, die in der Gesellschaft praktisch auf der untersten Stufe standen, wie zum Beispiel Zigeuner, Vagabunden und eben Diebe und Räuber. Doch für Schiller gab es in der Darstellung des sozialen Konfliktes in den „Räubern“ in dieser Richtung kein Tabu. Völlig unverblümt spricht er ein zu damaliger Zeit hochbrisantes Thema wie die Ständeordnung an. Schiller ging doch auch soweit, daß er nicht einfach nur über diese, von der Gesellschaft verstoßenen Menschen schrieb, er erhob sie sozusagen auch noch in einen gewissen Heldenstatus und setzte einen adeligen Hauptmann an deren Spitze, was für die Obrigkeit dieser Zeit sicherlich ein Schock war und auch an dem etwas verstaubten Weltbild, welches die meisten Adeligen ohne Zweifel hatten, rüttelte. Um nun zu Georg Büchners Werk „Woyzeck“ zu kommen, muß man sagen, daß dieses wieder erstaunliche Parallelen zu Schillers „Verbrecher aus verlorener Ehre“ aufweist. Auch hier wird eine Person, nämlich Woyzeck, zum Mord getrieben, an dem er selbst sicher nur eine Minimalschuld zu tragen hat. Allerdings sind in dem Fragment „Woyzeck“ die negativen Einflüsse der Gesellschaft noch viel extremer als bei Schiller. Natürlich muß man sagen, daß Woyzeck eine Teilschuld trifft, doch wird diese eher unbedeutend, wenn man sich einmal genau die Ursachen für den Mord ansieht.

Vom Hauptmann muß sich Woyzeck zum Beispiel ständig Hänseleien anhören, die seinem seelischen Gleichgewicht sicher nicht gerade förderlich waren. Vom Doktor sogar nur als Versuchsobjekt angesehen, um Experimente durchzuführen, war es nach dem Verlust von Marie an den Tambourmajor nur noch eine Frage der Zeit, bis das „Dynamit“ Woyzeck explodieren würde. Denn Marie war die Person auf der Welt, die für Woyzeck den Sinn seines Lebens darstellte, an der er Halt finden konnte. Woyzeck arbeitete und schuftete dafür eigentlich ununterbrochen, um Marie und sein Kind versorgen zu können. Doch Marie erkennt das gute Herz des einfachen Soldaten nicht und wendet sich lieber dem gesellschaftlich weit höher gestellten Tambourmajor zu. So gesehen war der Mord, den Woyzeck an seiner Geliebten Marie beging, eine logische Konsequenz einer Verkettung von Enttäuschungen und Demütigungen, die Woyzeck erleben mußte.

So muß man sagen, daß „Woyzeck“ eine strenge Kritik an der Gesellschaft ist und deren Schwächen schonungslos aufdeckt, da sie nicht einmal bemerkt, wie eines ihrer Mitglieder unaufhaltsam auf einen Abgrund der Verzweiflung zutreibt, an dessen Ende der Tod steht, sondern ihm vielmehr noch einen Stoß gibt, der ihn endgültig in diesen Abgrund befördert. Am Ende kann man über die drei Werke sagen, daß sie in gewisser Weise alle eine Kritik an der Gesellschaft und ihren Strukturen darstellen und einen Appell an dieselbe, feinfühliger mit Menschen, die ein Verbrechen begangen haben, zu sein und eine Person nicht gleich als schlecht hinzustellen, sondern zu hinterfragen wie und warum sich ein Mensch so ins Negative verändern konnte.

Wörter: 1357

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Details

Titel
Schiller, Friedrich - Die Räuber, Der Verbrecher aus verlorener Ehre und Büchner, Georg - Woyzeck unter dem Gesichtspunkt der Darstellung sozialer Konflikte in der Literatur
Note
1
Autor
Jahr
1998
Seiten
3
Katalognummer
V103307
Dateigröße
332 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Schiller, Friedrich, Räuber, Verbrecher, Ehre, Büchner, Georg, Woyzeck, Gesichtspunkt, Darstellung, Konflikte, Literatur
Arbeit zitieren
Dirk Petter (Autor), 1998, Schiller, Friedrich - Die Räuber, Der Verbrecher aus verlorener Ehre und Büchner, Georg - Woyzeck unter dem Gesichtspunkt der Darstellung sozialer Konflikte in der Literatur, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/103307

Kommentare

  • Gast am 21.9.2004

    Voll der Schrott.

    Voll die Scheiße!!! Wie kann man nur 1.49 Euro für so einen Mist verlangen.
    Lern erst einmal richtig Deutsch!!! Deine Arbeit dient nur als Brennholz!!

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