Kleist Heinrich von - Käthchen von Heilbronn - Das Frauenbild


Referat / Aufsatz (Schule), 2001

4 Seiten


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Das Frauenbild in Kleists „Käthchen von Heilbronn“

Heute basiert das Idealbild einer Frau hauptsächlich auf den individuellen Vorstellungen jeder einzelnen Person. Während wir Frauen heute nicht mehr in eine klar definierte Rolle eingeteilt sind und wir über mehr Freiheiten in der Gesellschaftsordnung verfügen, war der Frau von früher ihre Rolle in der Gesellschaft genau zugeteilt. In Kleists „Käthchen von Heilbronn“ wird anhand der Personen Kunigunde und Käthchen deutlich aufgezeigt, durch welche Grundwerte das Idealbild einer Frau in dieser Zeit gekennzeichnet ist. Folglich zeigen wir auf, wie das ideale Frauenbild damals charakterisiert war.

Das Wesen des Käthchens wird von der Dorfgesellschaft aufgrund ihrer lieblichen, frommen und zärtlichen Gestalt bewundert. Dank ihrer Tugend und ihrer makellosen Schönheit an Leib und Seele wird sie von der Gesellschaft beinahe vergöttert. Die ganze Dorfgemeinde erscheint an ihrem Namenstag, um sie mit den mitgebrachten Geschenken zu würdigen. Zudem sind die Männer von ihrem Werte zu tiefst gerührt. Sie entspricht exakt den Wertvorstellungen und Ansprüchen des männlichen Geschlechts. Doch das Interesse der sie beobachtenden Männer geht über die blosse Bewunderung hinaus. Intelligenz und sprachliches Ausdrucksvermögen spielen in der Bewertung Käthchens keine Rolle, sie wird vielmehr von ihrem männlichen Umfeld wegen ihrer natürlichen Ausstrahlung geehrt. Auch von Gottschalk wird sie geschätzt und als ein liebenswürdiges Mädchen bezeichnet. Auf jede Person in ihrem Umfeld hat sie eine individuelle Wirkung. Die Tatsache, dass sich Käthchen dem Grafen von Strahl völlig hingibt, löst bei den Gerichtsgeschworenen Zweifel über ihre Persönlichkeit aus. Nicht nur Wenzel, sondern zuerst auch der Graf von Strahl selbst stellen Käthchens psychische Ausgeglichenheit in Frage. Käthchen wirkt auf diese beiden Herren verstört und verwirrt. Dies äussert sich dadurch, wie sich der Graf von Strahl gegenüber dem Käthchen verhält. Er schenkt ihr keine Beachtung und zeigt zu Beginn des Stückes eine sehr abweisende Haltung. Dies verdeutlicht sich in der Situation, als er Käthchen auffordert, nach Heilbronn zurückzukehren, ohne Rücksichtnahme auf die Tatsache, dass sie ihn verehrt.

Für Käthchens Vater, Theobald Friedeborn, ist seine Tochter das grösste Geschenk auf Erden und er stellt sie einem Engel gleich. Käthchen verkörpert das Bild einer Frau die absolut unschuldig und frei von jeglichen Sünden ist. Für den Vater Theobald ist das Interesse des Käthchens am Grafen von Strahl ebenfalls gravierend. Theobald ist der Ansicht, dass seine einzige Tochter durch den Grafen von Strahl ihre Werte, welche ihre Einzigartigkeit ausmachen, verloren hat. Er hat Angst, sein Mädchen zu verlieren und beschuldigt den Grafen, bei Käthchen schwarze Magie angewendet zu haben. Er verschliesst seine Augen vor der Realität und will es nicht wahrhaben, dass der Grund für Käthchens merkwürdiges Verhalten ihre Liebe zum Grafen sein könnte. Für ihn stand nie in Frage, dass sich Käthchen in einen Mann ihresgleichen verlieben würde. Zum Einen, weil es die Sitten vorschreiben, zum Andern weil er überzeugt ist, dass dies das Beste für sie wäre. Doch am Ende des Stückes löst sich für ihn das Problem des Standesunterschiedes zwischen seiner Tochter und dem Grafen von Strahl durch das Geständnis des Kaisers. Theobald kann nun mit gutem Gewissen sein Einverständnis zur Heirat der Beiden geben. Der Vater ist zu diesem Zeitpunkt in der Lage, sich von seiner Tochter Käthchen zu lösen und sie in feste Hände zu übergeben.

Im Monolog vom Graf von Strahl haben wir zum ersten Mal einen Einblick in seine wahre Gefühlswelt. Er steht in einem inneren Konflikt. In Wirklichkeit liebt er sie, kann es sich aber nicht eingestehen, denn es stellt sich ihm das Problem des Standesunterschiedes. Er würde alles dafür geben, Käthchen als seine Frau nennen zu können. Für eine solche tugendhafte und liebreizende Frau, mit einer Seele rein von allem Bösen, würde er die Länder durchreisen und die Sprachen der Welt lernen. Die Erwartungen der Gesellschaft lassen es jedoch nicht zu, dass sich ein Mann adeliger Herkunft mit einem Mädchen, welches einem niedrigerem Stand angehört, verheiratet.

Die Passage, bei welcher Käthchen dem Grafen von Strahl einen Brief, in welchem er vor einem Angriff auf das Schloss Thurneck gewarnt wird, übergeben möchte, und der Graf sie erneut abweist, zeigt, dass er sich im Zwiespalt zwischen Verstand und Gefühl befindet. Auch im weiteren Verlauf der Szene zeigt sich seine äusserliche Abneigung Käthchen gegenüber, indem er sie als unverschämte, landstreichende Dirne bezeichnet und zudem die Peitsche hervorholt, um zu verdeutlichen, dass sie endlich nach Heilbronn zurückkehren soll. Im Moment, als er die Peitsche wieder sieht, realisiert er, einen Fehler begannen zu haben. Dies bestätigt sich darin, wie er ihr kurz darauf anbietet, sie bei sich im Wirtshaus aufzunehmen. In seinem Innern weiss er, dass Käthchen von Grund auf gut ist und will sie nun dementsprechend behandeln. In der Szene, in der das Schloss in Brand steckt, und Käthchen versucht, das Futteral zu holen, zeigt er seine Besorgnis um sie offen. Für ihn bricht eine Welt zusammen, als er Käthchen tot glaubt. Daher merken wir, wieviel Käthchen ihm in Wahrheit bedeutet. Die Bestätigung dafür wird im darauffolgenden Monolog vom Graf von Strahl ersichtlich. Er kann es nicht mitansehen, wie sich Käthchen ihm völlig hingibt, obwohl sie seiner Meinung nach den herrlichsten Bürger zum Mann haben könnte. Beim Gespräch zwischen dem Grafen von Strahl und Käthchen, indem sie ihm von ihrem Traum erzählt, wird dem Grafen klar, dass es sich in seinem Traum nicht um Kunigundens Gestalt handelte, sondern ihm Käthchen erschienen war. Nun stellt sich ihm das Problem, weshalb es sich in seinem Traum um eine Kaiserstochter handelte, denn Käthchen gehörte bis anhin zur bürgerlichen Gesellschaftsschicht. Gleich darauf macht sich der Graf von Strahl auf den Weg, um die nötigen Beweise bezüglich Käthchens Abstammung zu beschaffen. Nun ist er der festen Überzeugung, dass Käthchen eine Kaiserstochter ist, aufgrund seines Traumes, indem er offensichtlich Käthchen sah und sie dort eine Tochter des Kaisers war. Als der Graf den Kaiser persönlich konsultierte, gab der Kaiser zu, vor Jahren mit Käthchens Mutter Gertrud geschlafen zu haben. Beide gehören demnach dem gleichen Stand an und können so ungehindert eine Ehe eingehen. Somit stellt sich nichts mehr zwischen eine Beziehung vom Grafen von Strahl und Käthchen.

Käthchen selbst weiss ganz genau was sie will. In ihrem Herzen ist sie völlig sicher und überzeugt, in dem was sie tut. Käthchen handelt einzig und allein aus ihren Emotionen, ohne sich Gedanken über die daraus resultierenden Folgen zu machen. Sie hinterfragt und bedenkt keinerlei gesellschaftliche Normen oder Werte, als sie sich ihren Gefühlen hingibt und dem Grafen von Strahl folgt. Dies ist der Grund dafür, weshalb sie auf die beiden Herren Wenzel und den Grafen von Strahl zu Beginn des Stückes einen verwirrten Eindruck hervorruft. Ihre Sicherheit basiert auf einer Traumvision, in der ihr der Graf von Strahl erschienen ist. Sie träumte davon, wie sie in einem weissen Brautkleid vor dem Grafen stand. Sie ist sich deshalb sicher, den Grafen einst zu heiraten. Dies ist der Grund dafür, dass sie auf die Abweisungen des Grafen ignorierend reagiert. Sie lässt sich nicht von ihrer Überzeugung abbringen, mag sich der Graf auch noch so ablehnend und zurückweisend verhalten. Sie lässt die grössten Strapazen über sich ergehen. Selbst stundenlanges Gehen und Übernachtungen in Ställen machen ihr nichts aus. Nicht einmal die Beziehung zwischen Kunigunde und dem Grafen von Strahl lassen bei ihr Zweifel über die Wahrwerdungen des Traumes aufkommen. Ihr absolutes Vertrauen in den Traum, lässt sie naiv erscheinen. Ihre Naivität kommt unter anderem zum Ausdruck, als sie ohne zu zögern Kunigundens Befehl, deren Futteral aus dem brennenden Schloss zu holen, folgeleistet.

Aus der Wirkung, die Kunigunde auf die Männer hat, lässt sich einiges über das Frauenbild in der damaligen Zeit herauslesen. Mit Hilfe ihrer Schönheit zieht sie die Männer auf ihre Seite. Der Graf von Strahl äussert sich darüber im Gespräch mit Flammberg. Auch er als Mann hat festgestellt, dass Kunigunde wegen ihrer Schönheit jeden Mann um den Finger wickeln kann. Ihre Schönheit wirkt auf die Männer so überwältigend, dass ihr alle zu Füssen liegen. Als er sie in der Köhlerhütte mit gefesselten Händen und verstopftem Mund am Boden liegen sah, und ihm nicht bewusst war, dass es sich dabei um seine Feindin Kunigunde handelt, fühlte er sich von ihr gleich angezogen. Er half ihr von dort aus zu entfliehen, und nahm sie gleich in seinem Schloss auf. Obwohl er eigentlich weiss, wie Kunigunde ist und ihre Schönheit zu ihrem Vorteil anwendet, muss er sich später eingestehen, wie er selbst ihren Reizen nachgegeben hat. Käthchen hat zwar dieselben körperlichen Reize wie Kunigunde, doch erzielte nicht von Anfang an die selbe Wirkung auf den Grafen, da sie einem untergeordneten Stand angehört. Bei Kunigunde stellt sich dem Grafen von Strahl nicht das Problem des Standesunterschiedes in den Weg, denn sie gehört zum Stamm der alten sächsischen Kaiser. Dies sind die Gründe, weshalb er zuvor glaubte, dass es sich in seinem Traum um Kunigunde handelte. Der Graf von Strahl ist jedoch nicht der Einzige, der den körperlichen Reizen von Kunigunde verfallen war. Der Rheingraf musste diese Erfahrung auch schon durchleben. Dieser war mit Kunigunde verheiratet und hatte mit der Zeit erkannt, wie sie wirklich ist. Der Rheingraf wurde von ihr betrogen und weiss über ihren schlechten Charakter und ihre absolute Falschheit bescheid. Er hat erkannt, dass er sie einmal verehrte, sie es aber aufgrund ihres inneren Wesens nicht wert war. Wegen seiner Kenntnis über Kunigunde will er nicht zulassen, dass der Graf von Strahl dieselben Erfahrungen durchmachen muss. Eine Hochzeit der Beiden schliesst er aus, weil er davon überzeugt ist, dass es nicht lange dauern wird bis Kunigunde ihre Falschheit ans Licht bringt und den Grafen ebenfalls betrügt. An dem Tage, als sie in der Grotte baden war, kommt zum Vorschein, wie sie in Wirklichkeit aussieht. Käthchen bekam zufälligerweise mit, wie es wirklich um Kunigundes physische Erscheinung steht. Ihr ganzer Körper ist nämlich aus gekauften Objekten zusammengestellt. Ihre ganzen Werte, weshalb sie von den Männern bewundert wurde, sind demnach falsch. Das heisst, alles, womit sie die Männerwelt beeinflussen und sich dadurch eigene Vorteile verschaffen konnte, ist erloschen. Sobald der Graf von Strahl von dieser Neuigkeit erfuhr, hat Kunigunde für ihn keinen Wert mehr. Nur ihre inneren Werte zählen jetzt noch, welche jedoch keine positiven Eigenschaften aufweisen. Sie hat nichts mehr, womit sie die Aufmerksamkeit der Männer auf sich lenken kann.

Kunigunde ist sich vollständig bewusst, was für eine Wirkung sie auf die Männer hat. Sie setzt dies gezielt ein, um an für sie wichtige Geschäfte zu gelangen. Anders als Käthchen handelt sie überlegt und macht sich schon im Voraus Gedanken darüber, welche Folgen ihr Handeln im späteren Verlauf haben werden. Im Gegensatz zu den Männern weiss nur sie zu Beginn des Stückes, dass sie falsch und betrügerisch ist und lässt sich deshalb nach Aussen perfekt erscheinen. Sie missbraucht das Vertrauen der Männer, weil sie der Überzeugung ist, dass sie jeden Mann verführen kann, den sie will und niemals alleine dastehen wird. Kunigunde schreckt vor nichts zurück und schliesst den Gedanken an einen Mord an Käthchen nicht aus. Denn einen solchen plant sie, als sie Käthchen ins brennende Schloss und somit in den nahezu sicheren Tod führt. Bewacht von einem Cherub überlebt Käthchen jedoch das gefährliche Unterfangen und Kunigunde sieht sich abermals genötigt, ihre Feindin loszuwerden. Sie beauftragt Rosalie deswegen, Käthchen zu vergiften. Kunigunde ist nur daran interessiert, ihre Ziele zu verfolgen, bei welchen ihr Käthchen im Wege steht. Kunigunde sieht Käthchen als eine Konkurrentin bezüglich des Grafen von Strahl. Sobald sich herausstellt, dass Kunigundens Schönheit nur gestellt war, weiss sie, dass ihre intrigischen Kämpfe keine Erfolge mehr erzielen können. Ihrer Wertlosigkeit ist sich Kunigunde völlig bewusst und hat keine Aussichten mehr auf die Erreichung ihrer ursprünglichen Ziele. Kunigunde kann es nicht ertragen als Verliererin dazustehen und muss selbst am Schluss, als für sie das Spiel schon gelaufen ist, ihre schlechten Charakterzüge und skrupellosen Absichten völlig entfalten. Am Ende des Stückes ist Kunigunde nicht bereit aufzugeben und schwört auf ewige Rache.

Die beiden Frauen, Käthchen und Kunigunde, stehen im totalen Gegensatz zueinander. Das Denken und Handeln der Beiden unterscheidet sich in allen Bereichen. Durch die sture Verfolgung Kunigundens Ziele, wird immer wieder deutlich, dass sie von Grund auf böse ist. Die Figur Käthchens wird als eine Frau definiert, die angesichts der Ansprüche der Gesellschaft nicht perfekter sein könnte. Für Käthchen bedeuten wichtigste Grundwerte innere Reinheit und Unschuld, wobei bei Kunigunde Äusserlichkeiten die höchste Bedeutung darstellen. Daraus resultiert, wie Käthchen und Kunigunde These und Antithese aufzeigen. Während Kunigunde eine Intrigantin und Falschspielerin ist und mit ihren skrupellosen Handlungsweisen die Erwartungen der damaligen Gesellschaft nicht erfüllt, verkörpert Käthchen im Kontrast dazu, die Frau, welche Reinheit, Tugendhaftigkeit und natürliche Schönheit repräsentiert und somit der ethischen Erwartungshaltung in der damaligen Zeit entspricht. Käthchen verkörpert aufgrund dessen das Idealbild einer Frau von damals.

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Details

Titel
Kleist Heinrich von - Käthchen von Heilbronn - Das Frauenbild
Autor
Jahr
2001
Seiten
4
Katalognummer
V103308
Dateigröße
348 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kleist, Heinrich, Käthchen, Heilbronn, Frauenbild
Arbeit zitieren
Désirée Hummer (Autor), 2001, Kleist Heinrich von - Käthchen von Heilbronn - Das Frauenbild, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/103308

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