Hochwälder, Fritz - Holokaust


Referat / Aufsatz (Schule), 2001

6 Seiten, Note: Sehr gut


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Inhalt:

Mister Roberts hat sich zum Ziel gesetzt Victor Glaser, der seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs verschwunden ist, zu finden und ihn inoffiziell vor Gericht zu stellen. Für die Verhandlung hat Mister Roberts auch drei Hauptbelastungszeugen: Elmer Klein, Jechiel und Berek. Sie alle haben den Holocaust überlebt und sind Zeugen der Verbrechen von Victor Glaser. Für die Verhandlung hat Mister Roberts ein Haus an der Cote d’Azur gemietet. Bei der Ankunft von Victor Glaser wird es bereits von den drei Zeugen, Mister Roberts, Madame Singer und Rouzha bewohnt. Victor Glaser wird von Rouzha in das Haus gelockt, doch er weiß, dass das eine Falle ist und deshalb kommt es noch am selben Abend zur Verhandlung. Victor Glaser bekennt sich in allen ihm vorgeworfenen Anklagepunkten für schuldig, erwartet aber trotzdem seinen Freispruch. Im Laufe der Verhandlung treten alle drei Zeugen auf, wobei sich herausstellt, dass auch diese nicht unbedingt eine weiße Weste haben. Mister Roberts spricht den Angeklagten frei.

Am nächsten Morgen reisen Elmer und Jechiel ab, weil sie glauben, dass Glaser schon vor ihnen abgereist sei. Sie wollen Victor Glaser erneut suchen und verurteilen.

Nach ihrer Abreise kommt es noch einmal zu einem Gespräch zwischen Mister Roberts und Victor Glaser. Mister Roberts gesteht Glaser, dass er genauso gehandelt hätte. Woraufhin Glaser ihm einen „Prozess“ macht. Nun erfährt Mister Roberts Glasers Ansicht über das Geschehen. Mister Roberts erkennt, dass für Victor Glaser nur das Todesurteil ein Freispruch ist. Auf Drängen von Victor Glaser vollzieht Berek das Todesurteil. Glaser stirbt unter der Obhut von Madame Singer und Rouzha.

Autor:

Der österreichische Autor Fritz Hochwälder wurde 1911 in Wien geboren. 1938 emigrierte er in die Schweiz nach Zürich. Seine literarischen Tätigkeit begann er aber bereits in Wien. Aus dieser Zeit stammt beispielsweise die Tragödie „Jehr“ mit dem Thema Blutschande.

Für seine Werke erhielt er zahlreiche Auszeichnungen unter anderem auch den Literaturpreis der Stadt Wien und den österreichischen Staatspreis. Am bekanntesten wurde das Drama „Das heilige Experiment“, wobei es sich um ein „geschichtlich verkleidetes Ideendrama um das ewige Thema Macht und Recht“ (Adalbert Schmidt; Geschichte der deutschen Literatur Band 5). Hochwälder starb 1986 in Zürich.

Weiters zählen zu seinen Werken unter anderem: „Liebe in Florenz“, „Meier Helmbrecht“ und noch viele andere. Das Stück „Holokaust“ wurde erst in seinem Nachlass gefunden und deshalb erst nach seinem Tod veröffentlicht.

Thematik:

In seinem Werk „Holokaust“ beschäftigt sich Hochwälder, wie nicht anders zu erwarten, mit dem Holocaust und seinen Folgen. Die in der Tragödie vorkommenden Personen haben den Holo caust alle anders erlebt. Victor Glaser überlebte ihn als eine jener maßgebenden Personen, die über Leben und Tod anderer, in der Funktion als Helfershelfer, und dadurch als Teil der Vernichtungsmaschinerie missbraucht wurde. Elmer Klein erlebte den Holocaust aus der Sicht eines im Ghetto lebenden Juden, der versucht sein Leben zu retten.

Hochwälder gibt in seiner Tragödie auch moralische Bedenken. „Mit dem Einsatzkommando beim Sekt Menschenmaterial sortiert, Mordlisten diskutiert, die Böcke von den Lämmern geschieden, links zur Ausrottung, rechts zum Überleben, wer waren die Böcke, wer die Lämmer, wer setzt sich gottgleich zum Richter ein?“ Leben zu retten ist nichts Schlechtes, sondern etwas Positives. Jedoch mit welchem Recht dürfen sich Menschen zu Richtern erheben, die über das Leben oder den Tod ihrer Mitmenschen entscheiden? Nach welchen Kriterien kann gegangen werden, um die Lebenswürdigen von den „Lebensunwürdigen“ zu trennen?

Die Frage mit welchem Recht sich die Menschen gottgleich machen, hat durchaus noch nicht an Aktualität verloren. In vielen Ländern gibt es bis heute die Todesstrafe, unter dem Deckmantel verschiedener Gesetze auch in Demokratien. Auch hier urteilen Menschen über das Schicksal anderer, wobei Irrtümer nicht ausgeschlossen sind, denn irren ist menschlich.

Charaktere:

Victor Glaser: Er ist ungefähr 60 Jahre alt. Seit Kriegsende lebt er unter dem Namen Vitrier in Midi. Beruflich ist er Einkäufer einer Pariser Antiquitätenfirma.

Er wird seit 10 Jahren von Mister Roberts, wegen seiner Verbrechen im Zweiten Weltkrieg, gesucht. Von Rouzha, die er im Spielkasino kennenlernt, wird er zu dem Haus an der Cote d’Azur gebracht, unter dem Vorwand sich das Bureau von Ludwig XVI. anzusehen. Glaser weiß, dass dieser Besuch eine Falle, ist und so bringt er den Zeitplan von Mister Roberts ein wenig durcheinander. Die Verhandlung findet noch am selben Tag statt. Glaser bekennt sich zu den genannten Vorwürfen schuldig, fordert aber trotzdem seinen Freispruch. Das mag vielleicht etwas verrückt klingen, aber Victor Glaser meinte einen anderen Freispruch als Mister Roberts. Nicht umsonst sagt er nach dem erhaltenen Freispruch: „Wo bleibt mein Freispruch?“

Am Morgen nach der Verhandlung, als Mister Roberts ihm gesteht, dass er „nicht um ein Jota anders gehandelt“ hätte, macht Glaser Mister Roberts den Prozess. Er macht ihm klar wie unmenschlich seine eigene Tat wat und das für ihn nur das Todesurteil eine Befreiung von seinen „Gewissensbissen“ ist, was schlussendlich auch von Berek vollzogen wird.

Mister Roberts: Er ist etwa 60 Jahre alt. Sein wirklicher Name wird in dem ganzen Stück nicht erwähnt „Nennen Sie mich Mister Roberts, mein wirklicher Name tut nichts zur Sache“. Sein Großvater war ein armseliger Ostjude, der nach Übersee auswanderte. Er selbst war schon Sohn und Alleinerbe eines steinreichen Industriellen. Obwohl er ausgebildeter Jurist ist, bezeichnet er sich als Nichtstuer, der schon in der Jugend am inhaltslosen Leben ohne Aufgaben am verzweifeln ist. Auch die heiligen Bücher seiner Vorfahren, auf die sein Großvater vertraute, sind ihm keine Stütze mehr.

Nachdem er die Broschüre, die von Elmer Klein herausgegeben wurde, „Victor Glaser, le taitre juif“ gelesen hatte, setzte er sich zum Ziel, sein Vermögen zum Aufspüren von Victor Glaser einzusetzen und ihn vor sein Gericht zu stellen. 10 Jahre verbrachte er mit der Suche, bis er ihn endlich gefunden hat. Mister Roberts hat alles bis ins kleinste Detail geplant. Wie er Victor Glaser in das Haus lockt. Wann die Zeugen im Prozess aufzutreten haben. Und was nach der voraussichtlichen Verurteilung zum Tod mit der Leiche passieren soll und was die einzelnen Personen weiter machen.

Bei Verhandlungsbeginn weist Mister Roberts nochmals daraufhin, dass er diese objektiv führen will. Er verliest Victor Glaser die Anklageschrift und fragt ihn, ob darin alles seine Richtigkeit habe. Während der Verhandlung stellt er fest, dass er genauso gehandelt hätte und dies ist für ihn der Grund, Victor Glaser freizusprechen.

Nach dem Gespräch am nächsten Morgen mit Glaser verlässt Mister Roberts verwirrt und alleine das Haus.

Elmer Klein: Er ist der Verleger des nach 1945 gegründeten Verlagshauses „Les Edition Elmer“. Er hat auch die Broschüre „Victor Glaser, le taitre juif“ herausgebracht. Im Prozess von Victor Glaser ist er einer der drei Hauptbelastungszeugen. Er glaubt jedoch nicht wirklich daran, dass Mister Roberts Glaser diesmal schnappen wird. Er ist sehr ungeduldig und würde am liebsten sofort wieder abreisen, doch Berek hindert ihn daran. Elmer war ein Schulfreund von Victor Glaser. Er beschuldigt Victor Glaser ihn um eine halbe Million betrogen zu haben. Erst während des Prozessverlaufs wird klar, dass Elmer Glaser bestochen hat um sich und seine Familie zu retten, denn Glaser war dafür verantwortlich einige Menschen vor dem Abtransport ins Konzentrationslager zu retten. Nun hatte er aber weder Elmer noch jemanden von Elmers Familie auf die Liste gesetzt, trotz des Geldes das er von Elmer bekommen hat. Doch während des Prozesses wird auch klar, dass Elmer das Geld nicht auf legale Art besorgt hat, so verliert er für Mister Roberts die Glaubwürdigkeit.

Am Morgen nach der Verhandlung will er sich sogleich wieder auf den Weg machen um Glaser aufzuspüren, dazu würde er sogar mit Jechiel zusammenarbeiten. Doch Elmer verfolgt in bezug auf Victor Glaser ganz andere Ziele als Jechiel. Er möchte die Memoiren, „die er mir zur Exklusivauswertung überlässt, tantiemenfrei, versteht sich; das wird ein Bucherfolg, sage ich Ihnen, jeder General muss vor Neid erblassen: Übersetzungsrechte, Filmverkauf- Für Ihre Mithilfe beteilige ich Sie in angemessener Weise, sagen wir: mit einer Quote von -“.

Jechiel: Auch er ist ein Hauptbelastungszeuge gegen Victor Glaser, obwohl er erst Mitte 30 ist. Jechiel überlebte den Holokaust nur durch ein Wunder. „Einerlei, was die Narben betrifft: seines Lebens wird man erst richtig froh, wenn man schon einmal tot war Man hockt gefesselt im Zug, der durch die Karpaten rumpelt, und da man nun einmal Fallschirmer ist, kann man das Springen nicht lassen, hopps, hinaus! - Die Begleitwache siebt einen wacker durch mit der Maschinenpistole, es lohnt nicht, den Zug anzuhalten, der Kadaver auf der Strecke ist garantiert tot...“ Dass Jechiel fast ins Konzentrationslager gekommen wäre, wirft er Glaser vor.

Noch während der Verhandlung stellt sich heraus, dass auch Jechiel nur die halbe Wahrheit im vorhinein bekannt gegeben hat. „Ende Mai 1944 wurden wir eingesetzt, drei Fallschirmoffiziere. Wir hatten Befehl, Sabotageakt zu begehen wir meldeten uns bei Victor Glaser. - Er wollte nichts von Sabotage hören...als Gruppenführer war ich verantwortlich für die sofortige Durchführung der Aktion Schließlich bunkerte er uns ein Drei Tage später wurden Olga und Loeser im Gefängnishof vor meinen Augen erschossen...“. “Wir erwarteten die Fallschirmer Anfang März, damals wären sie von Nutzen gewesen. Als sie kamen, Ende Mai, war die Deportation nahezu vollzogen... Jechiel hatte den Befehl den Westbahnhof in die Luft zu sprengen - den Westbahnhof, wo seit Tagen der Rettungszug zur Abfahrt bereitstand Die Aktion war sinnlos ich flehte die Dreiergruppe zuzuwarten Jechiel erzwang mit vorgehaltenem Revolver Durchführung eines Befehls, der Wahnsinn war.“ Auch Jechiel zieht am nächsten Morgen los, um Glaser erneut aufzuspüren, jedoch aus anderen Gründen wie Elmer, denn er kommt einfach nicht von seiner Vergangenheit los.

Berek: Er ist der dritte Hauptbelastungszeuge von Mister Roberts.

Während des Zweiten Weltkriegs war er Ghettopolizist. Er kannte Glaser von früher und nennt ihn auch Vetter. Seit Kriegsende lebt Berek bei seiner Schwester. Er fürchtet sich vor Glaser und bittet Mister Roberts ihn zu verstecken. Der Grund dafür wird erst durch das Gespräch zwischen Glaser und Berek klar. Glaser droht ihm seiner Schwester zu sagen, dass er seine Eltern zur Deportation gebracht hat. Berek ist verzweifelt und in dieser Verzweiflung erschießt er Glaser.

Madam Singer: „Ich habe die Verfolgung in Südfrankreich überlebt, versteckt von einfachen Bauern, die nie begriffen, weshalb eine Deutsche vor den eigenen Landsleuten flüchtet ...“

Sie versorgt die Gäste im Haus und beginnt schon sehr bald an der Schuld Glasers zu zweifeln.

Rouzha: Sie ist Mitte 30 und sehr hübsch. Sie arbeitet für Mister Roberts und spielt deshalb den Lockvogel, um Glaser in das Haus an der Cote d’Azur zu locken. Sie führt zu Beginn das Protokoll und fängt an Glaser für unschuldig zu halten. Rouzha verliebt sich in Glaser und ist schockiert über sich selbst, wie sie einen Menschen völlig grundlos hassen konnte.

Sie weigert sich mit Mister Roberts zurück nach England zu gehen. Victor Glaser stirbt in ihren Armen.

Form:

Hochwälder verarbeitete sein Stück in der Form der Tragödie. In den drei Akten erkennt man sehr gut das aufkommen der Spannung den Höhepunkt und das Ende mit dem Tod von Victor Glaser.

Der Höhepunkt des Stücks ist sicherlich die Gerichtsverhandlung, die mit einem Freispruch für Victor Glaser endet. Der Freispruch kommt eher unerwartet, denn hinsichtlich der von Glaser verübten „Verbrechen“ wäre ein Schuldspruch durchaus gerechtfertigt.

Dadurch, dass Hochwälder Victor Glaser in seinem Drama wirklich freispricht, hält er, meiner Ansicht nach, die Spannung aufrecht.

6 von 6 Seiten

Details

Titel
Hochwälder, Fritz - Holokaust
Note
Sehr gut
Autor
Jahr
2001
Seiten
6
Katalognummer
V103312
Dateigröße
334 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Hochwälder, Fritz, Holokaust
Arbeit zitieren
Elke Mayerhofer (Autor), 2001, Hochwälder, Fritz - Holokaust, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/103312

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