Die dekonstruktive Perspektive in der Mädchenarbeit. Die Rolle des Faktors Sprache


Bachelorarbeit, 2021

58 Seiten, Note: 1,0


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Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1.Soziale Ungleichheit und Geschlecht
1.1 Geschlecht als Strukturkategorie
1.2 Haus- und Erwerbsarbeit bei Frauen*
1.2.1 Doppelte Vergesellschaftung
1.2.2 Frauenanteil in Berufen
1.2.3 Frauenanteil in sozialen Berufen
1.2.4 Frauenanteil in der Kinder- und Jugendhilfe
1.3 Geschlechtsspezifische Segregation in Berufen

2. Die Entwicklung der Mädchenarbeit
2.1. Die Mädchenarbeit seit den 1970ern
2.2 Strategien und Handlungsprinzipien
2.3 Angebote von Mädchenarbeit

3. Ausgewählte Geschlechtertheorien
3.1 Geschlecht als Konstruktion und doing gender
3.2 Die dekonstruktivistische und diskurstheoretische Theorie nach Judith Butler
3.3 Das System der Heteronormativität

4. Die Bedeutung von Sprache
4.1 Konstruktivistisches Sprachverständnis
4.2 Das generische Maskulinum
4.3 Formen geschlechtergerechter Sprache
4.4 Diskriminierungskritisches Sprachhandeln und Ansprache diskriminierender Sprache
4.5 Die Zukunft geschlechtergerechter Sprache

5. Die dekonstruktive Perspektive bei Fachkräften Sozialer Arbeit in der Mädchenarbeit
5.1 Geschlechtergerechte Sprache zwischen Regelwerk und Dekonstruktion
5.2 Dekonstruktion von Differenz durch die Soziale Arbeit
5.3 Geschlechterbewusste Perspektiven
5.4 Die dekonstruktive Perspektive bei der Mädchenarbeit

6 Fazit

Literaturverzeichnis

Die vorliegende Arbeit ist in geschlechtergerechter Sprache verfasst, um einen nicht-diskriminierenden Sprachgebrauch zu fördern und die Sichtbarmachung von Frauen* in der Sprache zu unterstützen. Der Genderstern wie bei „Leser*innen“ soll alle Geschlechtsidentitäten miteinbeziehen.

Einleitung

Während meiner Nebentätigkeit bei der Offenen Kinder- und Jugendarbeit in Köln, beobachtete ich, dass die Angebote zu ca. 80% von jungen Männern* besucht wurden und entsprechend wenig von jungen Frauen* wahrgenommen wurden. Dies brachte mich zur Überlegung, wie ein Angebot ausgerichtet sein müsste, damit bei den Teilnehmenden der Anteil der verschiedenen Geschlechter ausgeglichener ist. Weiterhin fragte ich mich, warum bei einem Kinderangebot das Ausmalen von Mandalas immer noch als Freizeitbeschäftigung für Mädchen* gilt und das Fußballspielen für Jungen*. Um diesen Fragen in der vorliegenden Bachelorarbeit auf den Grund gehen zu können, bedarf es den Einbezug von Geschlechtertheorien. Anhand von Ergebnissen der Ungleichheitsforschung, aus der hervorgeht, dass Frauen* von struktureller Benachteiligung betroffen sind, wird die Notwendigkeit von Mädchenarbeit in der Sozialen Arbeit deutlich.

Die vorliegende Arbeit beleuchtet die dekonstruktive Perspektive von Fachkräften Sozialer Arbeit bei der Mädchenarbeit und erörtert die geschlechtergerechte Verwendung von Sprache. Ziel der Arbeit ist es, zu untersuchen, ob die dekonstruktive Perspektive sowie der gendersensible Umgang mit Sprache seitens der Fachkräfte Sozialer Arbeit in der Mädchenarbeit die Anerkennung der Adressat*innen fördert und geschlechtsbasierende soziale Ungleichheiten mindern kann. Um den Fokus auf Geschlechtertheorien und Sprache beizubehalten, wird das Gender Mainstreaming, als politische Methode zur Förderung der Geschlechtergerechtigkeit nicht mit einbezogen.

Im ersten Kapitel wird die Korrelation zwischen Geschlecht und sozialer Ungleichheit nachgezeichnet. Inwiefern verfestigt die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung im Rahmen der Trennung zwischen Haus- und Familienarbeit und Erwerbsarbeit die strukturelle Ungleichbehandlung von Frauen*? Daran anknüpfend wird anhand des Frauenanteils in Berufen allgemein und des Anteils in der Kinder- und Jugendhilfe veranschaulicht, in welcher Form sich die Ungleichheit durch die Segregation in Berufen und durch die Ungleichbezahlung der Geschlechter fortführt. Warum gelten Berufe im sozialen Bereich immer noch als „Frauenberufe“? Welche Tätigkeitsbereiche werden in der Sozialen Arbeit dem weiblichen Geschlecht zugeordnet? Das zweite Kapitel skizziert die Entwicklung von Mädchenarbeit seit ihren Anfängen in den 1970er Jahren. Es wird die Bedeutung der Handlungs-prinzipien, die feministischen Ansätzen zugrunde liegt, für die Mädchenarbeit aufgezeigt. Als Konkretisierung für dessen Umsetzung werden daran anschließend Mädchenangebote vorgestellt, mit einem jeweils unterschiedlichen Fokus, und zwar auf den bildungspolitischen Schwerpunkt, auf den Bereich Sport und auf die Zielgruppe queerer Mädchen*. Der Einbezug von Geschlechtertheorien in Kapitel 3 soll als Grundlage für verschiedene Sichtweisen auf die Kategorie Geschlecht dienen. Nachdem das Verständnis der Kategorie Geschlecht als Konstruktion erläutert wird, dient der interaktionstheoretische doing gender Ansatz als zentrale Sichtweise hinsichtlich der Dimension Geschlecht. Die essenziellen Überlegungen aus Butlers dekonstruktivistischen und diskurstheoretischen Werken stellen ein Analysemittel dar, das Konstruktionen als hergestellt erfasst, sie sichtbar macht und hinterfragt. Im Hinblick auf den intersektionalen Zusammenhang von machtvollen Ungleichheitsmechanismen, bestehen neben Benachteiligungen wegen des sozialen Geschlechts auch Diskriminierungen aufgrund der sexuellen Identität, weshalb die Queer- und Gender Studies heteronormativitätskritische Theorien hinzuziehen.

Durch die Ergänzung des Faktors Sprache im vierten Kapitel wird die Perspektive auf Geschlecht mithilfe von Ergebnissen der Genderlinguistik erweitert, um die Bedeutung geschlechtergerechter Sprache für die sozialarbeiterische Mädchenarbeit zu untersuchen. Das konstruktivistische Sprachverständnis schreibt Sprachhandlungen eine geschlechtskonstituierende Handlungsmacht zu, die als diskursiv geformt betrachtet wird. Forschungsergebnisse zur Verwendung des generischen Maskulinums begründen mitunter die Notwendigkeit diskriminierungskritischen und geschlechtergerechten Sprachgebrauchs. Unter Berücksichtigung von Gegenpositionen soll die konkrete Umsetzung veranschaulicht werden und für dessen Anwendung Beispiele genannt werden.

Um die verschiedenen Geschlechtertheorien in den Kontext Sozialer Arbeit zu transferieren, wird in Kapitel fünf die Relevanz der Genderperspektive für die sozialarbeiterische Mädchenarbeit herausgearbeitet. Dafür wird zunächst die Beteiligung an der Herstellung von Differenzen durch Fachkräfte der Sozialen Arbeit reflektiert. Schließlich werden im Anschluss daran die Chancen erläutert, die sich für Mädchen* durch eine dekonstruktive Sichtweise und durch die Berücksichtigung von Sprache im Rahmen einer geschlechterbewussten Arbeit ergeben.

1.Soziale Ungleichheit und Geschlecht

1.1 Geschlecht als Strukturkategorie

Das Verständnis von Geschlecht als „tragende Achse sozialer Ungleichheit“

(Ehlert 2012: 21) wurde in den 1970er und 80er Jahren durch die Hinzunahme von Geschlecht als Strukturkategorie durch die soziologische Ungleichheitsforschung ermöglicht.

Da die systematische Untersuchung von geschlechtsbasierenden sozialen Ungleichheiten und ihre Verstrickung in Herrschaftsverhältnisse in der Soziologie zuerst ausblieb, übernahmen feministische Ansätze diese Funktion (vgl. Becker-Schmidt 2008: 62). Gottschall (2000) beschreibt die Analyse von Geschlechterverhältnissen als Forschung, die die Relation zwischen Männern* und Frauen* als soziale Gruppen untersucht und die Reproduktion dieser Verhältnisse in den Blick nimmt (vgl. Gottschall 2000: 25). Demnach sind die essenziellen sozialen Beziehungen und gesamtgesellschaftliche Strukturen von Geschlecht geprägt. Die auf sozialer Ungleichheit beruhende, sozial konstruierte gesellschaftliche Struktur umfasst folgende Teilbereiche: Auf der einen Seite den Staat, den politischen Diskurs, den Arbeitsmarkt, den kulturellen Bereich, die Institution Familie und Ehe und auf der anderen Seite den sozioökonomischen Status, die Staatsbürger*innenschaft, die berufliche Position und die Geschlechterbeziehungen im Privaten (vgl. Gottschall 2000: 13).

Im Rahmen der erwerbszentrierten Ungleichheitsforschung gelangt Becker-Schmidt (1985) zu dem Ergebnis, dass die hierarchischen Geschlechterverhältnisse zu Ungunsten von Frauen* und zu Gunsten von Männern* strukturiert sind. In Anknüpfung an die Marxsche Kapitaltheorie sieht sie Individuen als Hauptproduktivkräfte mit vergeschlechtlichten Produktions- und Reproduktionsweisen. Die Individuen, denen eine Geschlechtskategorie zugeordnet wird, sind in einer Produktivkraftstruktur (s. Abb. S. 9) verortet, deren dynamische Veränderbarkeit gesellschaftlichen Wandel prägt (vgl. Aulenbacher 2008: 142).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Eigene Abbildung in Anlehnung

an Aulenbacher 2008: 142

Beers (1990) strukturtheoretische Theorie hat den Übergang der von „ständisch-feudalen“ zur „industriell-kapitalistischen“ Gesellschaft als Angelpunkt. Durch die darauffolgenden Arbeiten von Chalupsky/ Beer (1993) konnten Aussagen über Geschlechter(un)-gleichheit in der sozialistischen Gesellschaftsform im Vergleich zur kapitalistischen Gesellschaftsform gezogen werden. Demnach stellte die Einführung der Pflicht zu Erwerbsarbeit in der sozialistischen Planwirtschaft einen fortschrittlichen Faktor hinsichtlich Geschlechtergerechtigkeit dar. Allerdings, so stellen die Autor*innen fest, ist die sozialistische Planwirtschaft trotzdem von Geschlechterungleichheit geprägt gewesen, da der Staat ebenso von ungleicher zweigeschlechtlicher Arbeitsteilung profitierte (vgl. Chalupsky/ Beer 1993: 198-207). Im Anschluss stellt sich ihnen die Frage, inwiefern die kapitalistische Produktionsweise als besonders starker Faktor den Erhalt von Geschlechterungleichheit fördert. Aulenbacher fragt, ob Geschlechtergerechtigkeit und eine kapitalistische Produktionsweise sich nicht logisch ausschließen würden und formuliert die Frage in ihren Analysen somit direkter (vgl. Aulenbacher 2008: 147).

Im Zuge der Einführung der bisher verdeckten Strukturkategorie Geschlecht analysierten Knapp und Becker-Schmidt (1995) im Rahmen des Hannoveraner Ansatzes das Geschlechterverhältnis zwischen den binären Kategorien Männer* und Frauen*. Dabei gehen sie bei den „physiologisch begründete(n)“ Kategorien wie „Weiblichkeit“ und „Männlichkeit“ von „sozio-kulturellen Konstruktionen“ aus (vgl. Becker-Schmidt/ Knapp 1995: 16).

Auf dieser Grundlage stuft Becker-Schmidt (2000) die Unvereinbarkeit von Haus- und Erwerbsarbeit bei Frauen* als „soziales Strukturproblem“ ein. Die erschwerte Vereinbarkeit von Beruf und Familie aufgrund von familienunfreundlicher Zeitstrukturen von Erwerbsarbeit stellt eine Ambivalenz dar (vgl. Becker-Schmidt 2003: 119). Der Widerspruch zeigt sich einmal arbeitswerttheoretisch darin, dass die Erwerbsarbeit einen hohen individuellen Gebrauchswert hat und gleichzeitig gewinnmaximierend sein soll. Zum zweiten besteht das Reproduktionsdilemma darin, dass häusliche Reproduktionsarbeit von der Gesellschaft als notwendig angesehen wird, aber nicht entgeltlich gratifiziert wird (vgl. Becker-Schmidt 2003: 114 ff.).

1.2 Haus- und Erwerbsarbeit bei Frauen*

1.2.1 Doppelte Vergesellschaftung

Weder die Arbeits- und Industriesoziologie noch die Familiensoziologie ließen dem Thema Arbeit von Frauen* eine große Bedeutung in ihrer Forschung zukommen (vgl. Aulenbacher 2010: 143). Erst durch die Frauenarbeitsforschung wurde der Fokus auf die Analyse der Erwerbsverhältnisse von Frauen* gelenkt. Neben dem Bielefelder Ansatz, dem Münchener Ansatz, und dem Frankfurter Ansatz, galt auch der Hannoveraner Ansatz (Becker-Schmidt 1980), auf den im folgenden Bezug genommen wird, als ein wichtiger Bestandteil der Fachdiskurses.

Der Begriff „doppelte Vergesellschaftung“ beschreibt die Anforderung an Frauen*, der Hausarbeit sowie der Erwerbsarbeit gleichzeitig nachzugehen (vgl. Becker-Schmidt 1991: 388 ff.). Das heißt, dass Frauen* doppelt involviert sind, indem sie einmal an der Produktion in der öffentlichen Sphäre und einmal an der Reproduktion in der privaten Sphäre beteiligt sind. Somit war mit „der Entdeckung des Mechanismus der doppelten Vergesellschaftung die Voraussetzung geschaffen, Geschlecht als Strukturkategorie zu begreifen“ und dementsprechend als Ursache sozialer Ungleichheit zu entlarven. (vgl. Degele 2008: 65)

Das Konzept der doppelten Vergesellschaftung entspringt den Ergebnissen eines Projektes, welches Anfang der 1980er Jahre an der psychologischen Fakultät der Universität Hannover durchgeführt wurde. Dort wurden Fabrikarbeiter*innen nach ihren persönlichen Erfahrungen bezüglich Haus- und Erwerbsarbeit befragt. Die Analyse der Ergebnisse trägt zum Verständnis bei, warum Frauen* „trotz aller problematischen Begleiterscheinungen, die mit der Anstrengung verbunden sind, Familienversorgung und Erwerbstätigkeit gleichzeitig zu bewältigen“ (Becker-Schmidt 2008: 63), die Doppelbelastung in Kauf nehmen. Als zentrale Beweggründe stehen, neben dem finanziellen Faktor, die Bedürfnisse nach Kompetenzerwerb, nach sozialer Anerkennung und nach der Pflege eines sozialen Netzwerks außerhalb von Nachbarschaft und Familie.

Des Weiteren betonen die Befragten die ambivalenten Anforderungen, mit denen sie konfrontiert sind. Im Berufsalltag in der Fabrik gilt es, unter Zeitdruck eine größtmögliche Menge an qualitativer Ware zu produzieren. Ebenso wird die Erfahrung als zwiespältig empfunden, solidarisch mit den Kolleg*innen zu sein, bei gleichzeitigem Empfinden eines Konkurrenzgefühls. Ein weiterer Aspekt stellt die Niedrigstellung gegenüber männlichen Kollegen* dar, bei gleichzeitiger Zugehörigkeit zum Betrieb und einer Grundanerkennung für die geleistete Arbeit. Ähnlich findet sich die Ambivalenz bei der täglichen Hausarbeit wieder. Auf der einen Seite lässt die Haus- und Versorgungsarbeit einen Spielraum in der Gestaltung zu sowie auch die Möglichkeit eigenständig zu sein. Andererseits haben viele Arbeitsschritte einen monotonen Charakter, die Arbeit ist allein und unter Zeitdruck zu bewältigen, wobei Anerkennung und entgeltliche Belohnung ausbleiben (vgl. ebd.: 64).

Das Dilemma besteht somit ungeachtet der Entscheidung für oder gegen Erwerbs- und Hausarbeit, in jedem Falle aus einer benachteiligten Situation für Frauen*. Fällt die Entscheidung auf die Karriere, entfällt ein reiches Familienleben und psychosozialen Bedürfnissen kann weniger nachgegangen werden. Dazu erfährt die Erwerbsarbeit eine geringere Bewertung in Form eines geschlechterbasierten Lohngefälles. Die Entscheidung für die Familie wiederum würde finanzielle Abhängigkeit nach sich ziehen, weniger Kooperationserfahrungen bedeuten, ein Wegbleiben beruflicher sozialer Anerkennung sowie einen Verzicht auf zusätzlichen Kompetenzerwerb. Aufgrund gesellschaftlicher Normen sind die Arbeiter*innen in der Position, zweifach vergesellschaftet zu sein und beides miteinander vereinbaren zu müssen. Die energieintensive Zweifachleistung zieht eine geringere Befriedigung individueller Bedürfnisse mit sich und verlangt eine hohe Belastbarkeit gegenüber Stress. Trotz der Herausforderungen und der doppelten Diskriminierung, unterstreicht Becker-Schmidt, entwickelten die befragten Frauen eine Bewältigungsstrategie, stärkten ihr Selbstbewusstsein und bauten einen Eigensinn auf, „um das zusammenhalten zu können, was gesellschaftlich auseinandertritt: Privat- und Erwerbsleben“ (Becker-Schmidt 2008: 64).

Darüber hinaus ist die Übernahme unentgeltlicher häuslicher Versorgungsarbeit und außerfamiliärer Erwerbsarbeit keine reine individuelle Aushandlung zwischen Geschlechtern im Privaten, sondern wird durch „sozialen Zwang“ (vgl. Becker-Schmidt 1998: 102 ff.) bestimmt. Ebenso verdeutlichten Helga Krügers Arbeiten die Verfestigung ungleicher Geschlechterverhältnisse durch institutionalisierte Lebensläufe. Somit wirken sich ungleiche Ausgangsbedingungen aufgrund von geringeren Bildungs- und Erwerbschancen für Frauen* nachteilig auf die Arbeitsteilung in Geschlechterbeziehungen im alltäglichen Kontext aus. Es ließ sich eine Kumulation von Nachteilen für Frauen* und von Vorteilen für Männer* feststellen (vgl. Krüger 1995: 197ff.).

Nina Degele (2008) formuliert als zentrales Ziel von Frauenbewegungen die Anerkennung von Frauen* in der Familien- und Care-Arbeit und in der Erwerbsarbeit. Im Zuge der zweiten Frauenbewegung ab den 1960er Jahren gewann auch die Entdeckung der Verbindung zwischen Kapitalismus und patriarchalen Strukturen im Fachdiskurs an Bedeutung. Vor diesem Hintergrund wird die verhäuslichte, unbezahlte, unsichtbare Reproduktionsarbeit von Frauen* als Voraussetzung dafür gesehen, dass Männer* der monetär belohnten Erwerbsarbeit nachgehen können. Die geschlechtliche Trennung von häuslicher Versorgungsarbeit und Erwerbsarbeit in der öffentlichen Sphäre dient bis heute strukturfunktionalistisch dem Erhalt des patriarchalen Systems und ist tief in der Geschichte verankert (vgl. Degele 2008: 64).

1.2.2 Frauenanteil in Berufen

Obwohl Frauen* heutzutage qualifiziertere Abschlüsse haben, sind sie dennoch überdurchschnittlich im Niedriglohnsektor in prekären Arbeitsverhältnissen beschäftigt. Historisch gesehen waren geringfügige Beschäftigungsformen „bereits in der fordistischen Hochphase die Normalität weiblicher Arbeitsmarktintegration“ (Völker 2011: 40). Weiterhin werden laut UN-Statistik weltweit zwei Drittel der Haus- und Familienarbeit durch Frauen* verrichtet, während sie gleichzeitig lediglich über 10% des Einkommens verfügen und über 1% produktiver Ressourcen (vgl. Klein: 1995: 206). Ideologien, die den Ausschluss von Frauen* von Erwerbsarbeit fördern, sind im alltäglichen sowie im gesellschaftlichen Diskurs immer noch verbreitet. So können auch Sexismen im Alltag eine Haltung manifestieren, die Frauen* in bestimmten Arbeitsbereichen der Erwerbsarbeit als weniger kompetent ansieht. Der aktuellen Pilotstudie über „Sexismus im Alltag“, die vom „Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend“ (BMFSFJ) herausgegeben wurde, ist zu entnehmen, dass 32% der befragten Frauen* und 48% der befragten Männer Debatten über Sexismus für „vollkommen übertrieben“ halten (vgl. Wippermann 2020: 55). Personen, die aber Sexismus-Debatten für übertrieben und unwichtig halten sind oftmals nicht auf Sexismen im Alltag sensibilisiert und befürworten zudem tendenziell biologistische Ansätze bezüglich der Dimension Geschlecht.

Die Argumente für biologistische Ansätze, die von der Geschlechterforschung widerlegt wurden, liegen mehrheitlich subjektiven Empfindungen zugrunde. Es heißt, aufgrund der Familien- und Care-Arbeit bliebe keine Zeit mehr für außerfamiliäre Erwerbsarbeit oder Männern* würden Arbeitsplätze weggenommen werden. Ebenso werden Aussagen gefällt, bei denen von Geschlecht auf Fähigkeit geschlossen wird, wie z.B., dass Frauen* Reproduktionsarbeit einfach gerne machen würden oder dass sie wegen ihrer „Natur“ besser dafür geeignet seien (vgl. Degele 2008: 64).

Die geringe Gratifikation von Hausarbeit durch Frauen* ist nicht nur auf die innerfamiliäre Versorgungsarbeit beschränkt, sondern sie verlagert sich ebenso auf die Erwerbsarbeit. Das heißt, dass Arbeit von Frauen mit Abwertungstendenzen einhergeht und sich in Form der Gender Pay Gap widerspiegelt. Laut einer Veröffentlichung der EU-Kommission lag das geschlechtsspezifische Lohngefälle im Jahre 2011 bei 16, 2%, obwohl Frauen im Durchschnitt bessere Noten in Schule und Universität erreichen. Die Statistik zeigt, dass im Jahre 2012 durchschnittlich 83% der jungen Frauen* die gymnasiale Oberstufe abschlossen, während der Anteil bei den jungen Männern* bei 77,6% lag. Zudem waren 60% der Universitäts- und Hochschulabsolvent*innen weiblich (vgl. Europäische Union 2014: 2). Trotz der aufgezeigten Höher-Qualifizierung wird an Universitäten und in Unternehmen weniger nur jede vierte Führungsposition von einer Frau* besetzt (Brader/ Lewerenz 2006: 1). Der Frauenanteil in den Aufsichtsräten der DAX Unternehmen stieg von 15% im Jahr 2011 auf 35,4% im Jahr 2019 (Statista 2020), dennoch kann eine Abwertungstendenz von Berufen im Falle eines Zutritts durch Frauen* immer noch als gängiges Muster festgestellt werden. So arbeiten Frauen* in Arbeitsfeldern mit randständigen Aufgabenbereichen, in denen sie eine geringere gesellschaftliche Einflussnahme haben als Männer* und sich kaum Aufstiegsmöglichkeiten ergeben (vgl. Bublitz 2016: 110).

1.2.3 Frauenanteil in sozialen Berufen

Soziale Berufe gelten bis heute stereotypisch als „weibliche“ Berufe. Der Frauenanteil von Heimleiterinnen und Sozial- und Heilpädagoginnen betrug im Jahr 2004 70,9%. Zudem lag der Anteil an Sozialarbeiter*innen und Sozialpfleger*innen bereits Ende der 90er Jahre bei 80% und blieb konstant, da laut der Statistik des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, 82,4% von über 1,4 Millionen sozialversichert Beschäftigten im sozialen Bereich Frauen* sind (vgl. IAB 2017).

Der Ansatz einer geschlechtsspezifischen Neigung zu bestimmten Berufen wurde zwar bereits in der Forschung widerlegt, doch es ist immer noch ein hoher Anteil an weiblichen Personen in sozialen Berufen zu verzeichnen. Das Konzept des „weiblichen Arbeitsvermögens“ (Beck-Gernsheim 1981) sieht alleinig die spezifische Sozialisation von Mädchen* und jungen Frauen* als Einflussfaktor für die Berufswahl. Hingegen dessen wird der Einfluss von Entscheidungsprozessen zur Berufswahl heute multifaktoriell gesehen. Dabei spielen die Einstellung der Familie, der schulische Werdegang, der sozio-ökonomische Status, das Verhalten der Arbeitgeber*innen und die Stellenangebote eine Rolle (vgl. Feldhoff 2006: 39).

Zusätzlich existiert auch in geschlechtsheterogenen Berufen das Phänomen, dass Frauen* bestimmte Aufgabenbereiche zugewiesen werden. Vor diesem Hintergrund sind Anzeichen eines weiblichen Arbeitsvermögens nicht als Ursache, sondern als Resultat von betrieblichen, beruflichen und schulischen Sozialisationsprozessen einzuordnen (vgl. Gottschall 2000: 159). Ist von einer sozialisationsbedingten geringen „Erwerbs- und Aufstiegsneigung“ von Frauen* die Rede, dürfe die Intention hinter der stereotypen Einordnung in Männer- und Frauenberufe, nicht außer Acht gelassen werden. Daraus resultiert, dass die Verinnerlichung zugeschriebener Dispositionen seitens der Akteur*innen, zu entsprechendem Verhalten und somit zur Reproduktion der erwarteten Rollenbilder führt, welche der Verfestigung von geschlechtsspezifischer Arbeitsteilung in hegemonialen Strukturen dient (vgl. Rabe-Kleberg 1993: 109).

1.2.4 Frauenanteil in der Kinder- und Jugendhilfe

„Sometimes that’s just where they’re getting hired, even if they have been attempting to be hired elsewhere.” (CNBC: 2019)

Die horizontale und vertikale Geschlechtersegregation in der Sozialen Arbeit wurde bisher weder qualitativ noch quantitativ in großem Umfang untersucht. Ergebnisse zeigen jedoch den hohen Frauenanteil von 96,2 % in Einrichtungen der Kindertagesbetreuung (vgl. Fendrich et al. 2006: 27). Kindertageseinrichtungen verzeichneten im Jahre 2010/11 mehr als 440.000 Fachkräfte und bilden somit einen Teil des Berufsfeldes der Kinder- und Jugendhilfe, welches das größte Arbeitsfeld der Sozialen Arbeit ist (vgl. Fuchs-Rechlin/ Rauschenbach 2018: 583).

Frauen* sind mit 49,3% verstärkt teilzeitbeschäftigt, während Männer* überwiegend vollzeitbeschäftigt sind (vgl. Klein/ Wulf-Schnabel 2007: 139). Männliche Fachkräfte sind in Horten mit einem Anteil von 10% wiederzufinden und bei der Arbeit mit Kleinkindern mit 3%. Im Kontrast dazu sind männliche Sozialarbeiter in der Jugendsozialarbeit mit einem Anteil von 39% bis 43% vertreten (vgl. Fendrich et al. 2006: 23). Auffälligkeiten bezüglich der hierarchischen Differenz zeigen sich laut der Kinder- und Jugendhilfestatistik am Frauenanteil in den Führungspositionen. In der Kinder- und Jugendhilfe sind von über 700.000 Beschäftigten 88,1 % Frauen* und lediglich 11,9% Männer*. In den Leitungs- und Führungspositionen stieg der Frauenanteil von 43% im Jahre 1993 auf 50% im Jahre 2010 (vgl. Fuchs-Rechlin/ Rauschenbach 2018: 582ff.). Mit 95% an weiblichen Leitungskräften stellen die Kindertageseinrichtungen als Arbeitsfeld der Kinder- und Jugendhilfe eine Ausnahme dar (vgl. Ehlert 2012: 51).

Demnach arbeiten Frauen* mehrheitlich in Arbeitsfeldern Sozialer Arbeit mit den Zuständigkeitsbereichen Kinder, Jugend und Familie und männliche Sozialarbeiter sind beispielsweise in der Straffälligenhilfe überdurchschnittlich vertreten. Bezüglich der Aufgabenbereiche lässt sich insofern eine geschlechtsstereotype Verteilung feststellen, als dass Frauen* kontaktbezogen und nahe am Klientel arbeiten, wohingegen Männer* organisationsbezogen und mit größerer Distanz zum Klientel tätig sind (vgl. ebd.: 53). Männlichen Sozialarbeitern wird eher die Aufgabe von hausmeisterlichen, handwerklichen, sportlichen und anderen Außenaktivitäten übergeben und im Falle eines physischen Angriffs zwischen Adressat*innen wird ihnen ein höheres Konfliktlösepotential zugetraut (vgl. Kasiske et. al 2005: 56).

1.3 Geschlechtsspezifische Segregation in Berufen

Die feministische Berufsforschung, welche einen Beitrag zur Ungleichheitsforschung leistet, hat die Veränderbarkeit der Geschlechtslabel von Berufen untersucht. Die Verschiebung der Geschlechterdominanz in Berufen führt zu einem Ansehensgewinn im Falle einer Maskulinisierung und zu einem Statusverlust im Falle einer Feminisierung:

„Ändert sich die Geschlechterdominanz in einem Beruf, wird aus einem Männerberuf ein Frauenberuf oder umgekehrt, dann geht mit diesem Wandel ein Deutungsprozess einher, in dem symbolisch die neue, je spezifische Passung von Berufsarbeit und Geschlechtszugehörigkeit hergestellt wird.“ (Teubner 2008: 494).

Die Verlagerung einer Geschlechterdominanz in Berufen lässt sich in Deutschland exemplarisch an den Berufen Frisör*in, Grundschullehrer*in und Sekretär*in veranschaulichen. Diese Berufe waren ursprünglich männlich dominiert und sind heutzutage stereotype „Frauenberufe“. Segregationsprozesse in Berufen sind nach Willms-Herget temporär abgeschlossen, sobald sich eine Geschlechtermehrheit in einem Beruf gebildet hat und sich daraufhin eine Schließung gegenüber der Geschlechterminderheit ergibt (vgl. Willms-Herget 1985: 261). Dem Wechsel der Geschlechterdominanz folgt oft eine Anpassung des Aufgabenfeldes an das mehrheitlich vertretende Geschlecht und die Bezahlung erhöht sich im Falle einer Maskulinisierung und sie sinkt im Falle einer Feminisierung. Laut den Untersuchungen aus den 90er Jahren des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung entscheiden sich Männer* bei einem Einkommens- oder Prestigeverlust für den Wechsel zu attraktiveren Arbeitsfeldern einer Profession (vgl. Strober/ Cantanzarite 1994: 125).

Ansätze aus der Lebenslaufforschung besagen, dass Geschlechterungleichheiten in der Erwerbsarbeit kontextgebunden in Relation mit den Lebensereignissen, Lebensphasen und Ressourcen von Frauen* stehen (vgl. Heintz/ Nadei 1998: 88). Den Untersuchungen von Becker-Schmidt (1991) (s. Kap. 1.1 - 1.2) zufolge existiert hingegen eine allgegenwärtige Benachteiligung von Frauen* im gesamten Erwerbs- und Berufsverlauf.

Susanne Falk (2005) schließt sich aufgrund der Ergebnisse ihrer Analyse von Übergängen im Erwerbsverlauf an die Theorie der Kontextgebundenheit an. Da Frauen* ein höherer Anteil an Familienarbeit zugeteilt wird, zeigt sich eine höhere Rate an familiär bedingten Erwerbspausen bei Frauen*. Die anschließende Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt bzw. der darauffolgende Berufseinstieg stellt sich strukturell herausfordernder dar als bei Männern* (vgl. Falk 2005: 298). Des Weiteren sieht Falk die Berufswahl zu Beginn des Berufsanfangs als Hauptquelle für geschlechtsspezifische Segregationsprozesse. Dabei wirken Berufswechsel, Zweitausbildungen und Weiterbildungen als kompensatorische Faktoren im Hinblick auf die Verteilung der Geschlechter in Berufen (vgl. Falk 2005: 294).

Somit stellt die Inanspruchnahme von Elternurlaub seitens Frauen* einen weiteren Mechanismus von geschlechtsspezifischer Ungleichheit im Erwerbsverlauf, weil die Berufspause eine Gefahr der Nichtwiederaufnahme der Erwerbstätigkeit mit sich bringt. Zusätzlich zeigte sich für Frauen* in männlich dominierten Berufen eine geringere Stabilität im Berufsverlauf im Falle vorangegangener Erwerbslosigkeit, ein höheres Entlassungsrisiko sowie geringere Einstellungschancen beim Berufseinstieg (vgl. ebd.: 217).

Die geschlechtsbasierte soziale Ungleichheit, die Frauen* in der Geschichte in Form von geschlechtsspezifischer Arbeitsteilung vom Arbeitsmarkt fernhielt, verlagerte sich im Zuge der Eröffnung der öffentlichen, außerhäuslichen Erwerbsarbeit für Frauen* und spiegelt sich in Form von geschlechtlicher Segregation und geschlechtsspezifischem Lohngefälle wider. Teubner (2004) stellt heraus, dass weibliche Personen benachteiligt sind, ergreifen sie einen männlich dominerten Studien- oder Ausbildungsgang. Zudem profitieren sie seltener von einer Beförderung und selbst in Leitungspositionen wird ihnen weniger Verantwortung zugetragen (vgl. Teubner 2004: 432). Die Argumente von Führungskräften mit Personalverantwortung für die Nichteinstellung von Frauen* in männlich geprägten Professionen reichen von der Unterstellung unzureichender körperlicher Belastbarkeit über die Annahme von niedrigem technischen Desinteresse bis zur Nichtvertretbarkeit einer Erwerbsunterbrechung bei einer möglichen Mutterschaft (vgl. Andruschow/ Mersmann 1995: 113).

Die Fakten zu ungleicher Bezahlung von Frauen* im Gegensatz zu Männern* bei gleicher Qualifikation bezeugen die Auswüchse ungleichheitsstrukturierender Bedingungen für Personen mit einer weiblichen Geschlechtszugehörigkeit. Statistiken aus den USA legen dar, dass die Tendenz bei jungen Frauen* gestiegen ist, ein Studienfach zu wählen, dass nach dem Berufseinstieg ein hohes Gehalt verspricht. So wählten weibliche US-amerikanische Studierende aus dem Geburtenjahrgang 1950, im Gegensatz zu ihren männlichen Kommilitonen, noch Studienfächer für Berufe, die um 12,5% geringer bezahlt wurden. Die Studierenden aus dem Geburtenjahrgang der 1990er wählten hingegen Studiengänge von Berufen mit einem um nur 9,5% voraussichtlich geringeren Gehalt. Als Hauptgrund für das geschlechtsspezifische Lohngefälle führt Carnevale, Professor an der Georgetown Universität in Washington D.C., Diskriminierung in Form von sexistischen Vorannahmen an (vgl. CBNC 2019).

Die Einführung der Strukturkategorie Geschlecht (1.1), diente also als Grundbaustein für weitere geschlechtsbasierende Analyseverfahren. Durch die Hervorhebung von unentgeltlich verrichteter Haus- und Versorgungsarbeit durch Frauen* und die Betonung der damit verbundenen Doppelbelastung werden die ungleichen Verhältnisse für Frauen* verdeutlicht. Ergebnisse der Berufsforschung verstärken diese Feststellung, da sich für Frauen* strukturell geringere Aufstiegschancen im Beruf ergeben. Von der ungleichen Geschlechterhierarchie ist das Berufsfeld der Sozialen Arbeit ebenso maßgeblich betroffen. Angesichts der Ungleichheiten nach Geschlecht ist zu untersuchen, inwieweit und durch welche Handlungsprinzipien die Mädchenarbeit der Ungleichheit entgegensteuern kann.

2. Die Entwicklung der Mädchenarbeit

2.1. Die Mädchenarbeit seit den 1970ern

Im Zuge der Frauenbewegung der 1970er Jahre fand bei pädagogischen Fachkräften in Schulen und in der offenen Jugendarbeit aufgrund der Wahrnehmung eigener geschlechtsbasierender Benachteiligungen ein Umdenken statt. Somit setzten sich die Pädgog*innen bei ihrem Klientel für den Abbau von Benachteiligungen aufgrund der Geschlechtszugehörigkeit ein. Ziel war es unter anderem, den Ausbau von Handlungsmöglichkeiten zu unterstützen sowie die Persönlichkeitsentwicklung zu fördern (vgl. Bitzan 2004: 464; Weber 2002: 715).

In den Anfängen der Mädchenarbeit wurde die Einführung einer fachlichen Standardisierung durch das Fehlen wissenschaftlicher Studien erschwert. Es bestand eine geringe wissenschaftliche Thematisierung von Mädchen, sodass das Wissen über die Lebensrealität von Mädchen weitestgehend verdeckt blieb (vgl. Weber 2005: 715 ff.). Die feministisch parteilichen Mädchenarbeiter*innen kritisierten vor allem die ausschließlich androzentrische Gestaltung der bisherigen pädagogischen Angebote, welche sozialräumlich sowie inhaltlich auf das stereotype männliche Geschlecht ausgerichtet worden waren (vgl. ebd.: 716; Hartwig 2001: 59). Dementsprechend war in den damaligen Jugendhäusern eine geringe Besucher*innenzahl von jungen Frauen* von zu verzeichnen. Die stereotyp männlich ausgerichteten Angebote führten dazu, dass Besuchende weiblichen Geschlechts bei den Angeboten anstatt eine aktiv partizipative, eine passiv zuschauende Rolle einnahmen. Deswegen versuchten Mädchenarbeiter*innen geschlechtsspezifische Angebote in Werkstätten, Cafés, Mädchenläden und offenen Einrichtungen zu etablieren, um Mädchen einen Raum, für Gestaltung, Partizipation und Begegnung zu schaffen. Dieser Prozess stieß zunächst auf Widerstand bei männlichen Mitarbeitenden und Besuchenden. (vgl. Bitzan/ Daigler 2001: 45).

Dennoch entwickelte sich, wie im 6. Jugendbericht aus dem Jahre 1988 beschrieben, ein breites Spektrum an geschlechtsspezifischen Angeboten innerhalb der offenen Jugendarbeit, welches an Anerkennung in den Kommunen gewann (vgl. Weber 2005 S. 715-734). Bitzan und Daigler (2001) betonen jedoch, dass die Qualität geschlechtsdifferenzierender Angebote abhängig von Faktoren wie der Qualifikation der pädagogischen Fachkräfte, von deren individuellen Einsatz sowie von der Kooperation von Einrichtungsträgern und Mitarbeitenden war (vgl. Bitzan/ Daigler 2001: 46).

Die Mädchenarbeit während der 70er und 80er Jahre zeichnete sich besonders durch die Verfolgung folgender Ziele aus: Zum einen herrschte der Konsens, dass explizit weibliches pädagogisches Fachpersonal für die Mädchenarbeit besser geeignet sei als männliches. Zweitens lag der Fokus auf der Schaffung von jungenfreien Schutzräumen für Mädchen und drittens lag der Fokus auf dem Grundsatz der Parteilichkeit, welcher eine systematische Unterstützung von Mädchen* vorsah (vgl. Bitzan/ Daigler 2001: 46ff.). Die parteiliche und feministische Mädchenarbeit, die von der Studierendenbewegung unterstützt wurde, liegt der Analyse von ungleichen geschlechtsbasierenden Machtverhältnissen zugrunde. Sie legte den Fokus auf die angenommene, geteilte gemeinsame Erfahrung des Frau-Seins der Mädchenarbeiter*innen und den Mädchen* (vgl. ebd.: 111). In Anlehnung an Böhnischs Theorie über Bewältigungsverhalten, sah die parteiliche Mädchenarbeit rollendeviantes Verhalten in Bezug auf Geschlecht als sinnvolle Bewältigungsstrategie an. Sie versucht(e) dabei, unter Berücksichtigung gesamtgesellschaftlicher Anforderungen gegenüber Mädchen*, die jeweilige Lebenslage im Einzelfall zu betrachten und dem Drängen in vorherrschende traditionelle Geschlechterrollen entgegenzuwirken (vgl. Hartwig/ Muhlak 2006: 91 f.).

Des Weiteren galt es im Rahmen des Handlungsprinzips der Autonomie, Entwicklungsräume für junge Frauen* zu schaffen, die nicht stereotypen Bewertungskriterien unterlagen, um den Akteur*innen zur Entwicklung individueller Körperbilder und Weiblichkeitsvorstellungen zu verhelfen. Das Prinzip der Ganzheitlichkeit entstand im Kontext der Mädchenarbeit als Gegenbewegung zur Individualisierung von Problemlagen von Mädchen* und nahm stattdessen den gesamten Lebenszusammenhang der jungen Adressat*innen in den Blick. Im Rahmen der Ganzheitlichkeit begann sich zudem ein ressourcenorientiertes Arbeiten anstelle der Defizitorientierung zu etablieren. Weiterhin stieg die Tendenz zur Akzeptanz von vielfältigen weiblichen Lebensentwürfen, die auch traditionelle „Frauenberufe“ miteinschlossen (vgl. ebd.: 91).

Der Fokus auf die Untersuchung von geschlechtsspezifischen Eigenschaften und Verhaltensweisen innerhalb der anglo-amerikanischen Geschlechterforschung während der 60er und 70er Jahre ließ Gegenpositionen entstehen. Carol Hageman-White entdeckte anhand der Signifikanzwerte in den Untersuchungsergebnissen, dass die Variationen innerhalb eines Geschlechts höher waren als zwischen den Geschlechtern. Die Schlussfolgerung lautete, dass die geschlechtsspezifische Differenzierung wenig sinnvoll ist und die Kategorie Geschlecht sich nicht als unabhängige Variable eignet (vgl. Hageman-White 1984: 43). Außerdem ist der unentwegte Vergleich zwischen den Genusgruppen durch die Geschlechter-differenzierung von einem defizitorientierten Blick geprägt und führt zu einer Verfestigung von Zuschreibungen (vgl. Kelle 2008: 410).

Während das Verhältnis zwischen Geschlechtertheorien aus der Forschung und Mädchenarbeit in der Praxis zwischen 1970 und 1990 ein unterstützendes ist, ändert sich dies im Zuge der Weiterentwicklung der Gender Studies in den späten 1990er Jahren. Allmählich gerät das monoedukative Setting im Praxisfeld in die Kritik, da die Besucher*innen der Angebote den Bedarf an jungen*freien Räumen nicht mehr zeigen (vgl. Voigt-Kehlenbeck 2008: 86). Argumente für die gleichgeschlechtlich ausgerichteten Angebote sind unter anderem die dadurch erhöhte Sichtbarkeit der individuellen Lebenslagen und Wünsche der Mädchen*. Hingegen plädieren andere Kritiker*innen für koedukative Settings, da durch dekonstruktivistische Theorien die Dichotomie von Geschlechterkategorien und somit auch die geschlechtliche Trennung innerhalb mädchenpädagogischer Angebote in Frage gestellt wird (vgl. ebd. 88). Unabhängig von dem Setting, das heißt der Gestaltung koedukativer oder monoedukativer Angebote, betonen Bitzan und Daigler (2001) die methodische parteiliche Unterstützung sowie die Beziehungsarbeit als gemeinsames Ziel von Mädchenarbeit. Heiliger (2004) beobachtet in der Praxis eine Kombination beider Paradigmen, also der Wechsel zwischen mädchenspezifischer Angebote als Schutzraum und geschlechtsgemischter Angebote, die auf eine Entdramatisierung von Geschlecht abzielen. Dennoch bleiben getrennte Mädchen- und Jungentage beispielsweise in Jugendzentren ein Bestandteil der Wochenplanung. Dieses Prinzip ist bis heute von Bedeutung.

„Die Idee, Mädchen geschlechtshomogene Räume zur Verfügung zu stellen, in denen sie sich von dem Druck geschlechtsrollenkonformer, heteronormativer Selbst-Präsentation entlastet fühlen können, ist bis heute ein Kernstück von Mädchenarbeit“ (Maurer 2016: 349).

Die Inhalte sind dabei breit gefächert; von Kultur, Gesundheit und Beruf bis zur Alltagsbewältigung, Freizeit, Medien und Sport. Das Ziel der Alltagsbewältigung wird unter anderem partizipativ durch Selbsthilfegruppen verfolgt. Die Themen Musik, Theater und Tanz fallen in die Kategorie Kreativität in der Freizeit, wohingegen Techniken der Körperarbeit und Selbstbehauptung dem Oberthema Gesundheit zuzuordnen sind. Weiterhin gibt es die Selbstverteidigung im Rahmen von Sportangeboten sowie die Foto- und Videobearbeitungs-Kurse zur Förderung der Medienkompetenz (vgl. Heiliger 2004: 76).

Den Ergebnissen von Zielgruppenanalysen zufolge, aus Mitte und Ende der 1990er Jahre von Jugendzentren und Mädchentreffs in Tübingen, kristallisierte sich ein unterschiedliches Nutzungsverhalten in Abhängigkeit des sozialen Milieus der Besucher*innen heraus. Die offenen Angebote von Jugendzentren wurden vermehrt von Hauptschüler*innen mit Migrationsgeschichte besucht. Dabei wurden als Grund des Besuchs Langeweile und Suche nach Abwechslung sowie das Bedürfnis nach ungestörter Gerätenutzung in der Einrichtung genannt. Die geschlossenen Mädchentreffs hingegen wurden vor allem von Gymnasiast*innen aus einkommensstärkeren Milieus ohne Migrationsgeschichte wahrgenommen (vgl. Möhlke/ Reiter 1995: 151ff.). Als Motivation für ihre Besuchen nannten sie Entspannung, den Austausch über prägnante Lebensereignisse und den Schutzraum vor Gewalt. Vor allem lesbische Mädchen*, muslimische junge Frauen* und von sexualisierter Gewalt betroffene Besucher*innen empfanden die Mädchentreffs oftmals als einzigen Raum für den geschützten Austausch von Erfahrungen (vgl. Stengelin/ Weiß 1995: 54).

2.2 Strategien und Handlungsprinzipien

Als ein Ziel der Frauenbewegung gilt die Skandalisierung unwürdiger Lebensverhältnisse von Frauen* und Mädchen*. Die Betroffenheit von sexistischen Strukturen und Gewalt lässt eine Frau* oder ein Mädchen* in einer Opferrolle erscheinen, die das Bild des selbstbestimmten Individuums mit einer hohen Handlungsfähigkeit abschwächt. Aus diesem Grund sind Lebenserfahrungen von weiblichen Personen von Widersprüchen gezeichnet (vgl. Maurer 2016: 352). Die Paradoxie besteht in dem gleichzeitigen Erleben von Ungleichheits- und Gleichheitserfahrungen zwischen und innerhalb verschiedener Lebens-zusammenhänge. Dabei erschwert die Unsichtbarkeit von Ungleichheitsstrukturen eine Benennung des Erlebten (vgl. Oechsle/ Geissler 1998: 23). Das Gefühl der kollektiven Betroffenheit von Frauen* diente während den Anfängen der Mädchenarbeit als wichtiger Grundbaustein und als Handlungsprinzip für Mädchenarbeiter*innen. Dennoch hat die Strategie der „Politik der Gleichheit“ auch nachteilige Auswirkungen. Die Annahme einer Betroffenheit einer Gruppe stellt eine Homogenisierung dar und lässt die spezifischen Problemlagen der Individuen in den Hintergrund rücken. Somit führt die Forderung „Gleichheit für alle“ im Zuge der Interessensvertretung von Frauen* aufgrund der Generalisierung zu einer Verdeckung von Differenz (vgl. Maurer 2016: 352 f.). Demnach besteht der Balanceakt einerseits aus der Artikulation der erlebten Diskriminierung und der sozialen Stellungnahme dazu und andererseits aus der Reflexion der zuschreibenden Wirkung der Kategorie Geschlecht (vgl. ebd.: 358).

Die soziale Ungleichheit, von der Frauen* betroffen sind, wie z.B. die Mehrfachbelastung durch Haus- und Erwerbsarbeit (s. Kap. 1), verdeutlicht die Notwendigkeit für die sozialarbeiterische Arbeit mit Mädchen* und Frauen*. Handlungsprinzipien, die im Zuge der feministischen Mädchenarbeit entwickelt wurden (s. Kap. 2.1), lassen sich weiter ausführen.

So ist mit der Parteilichkeit eine Interessensvertretung gemeint, bei der die sozialarbeiterische Fachkraft den Adressat*innen glaubt und als zentrale Ansprechpartner*in fungiert. Dabei ist das Zeigen von Verständnis für die spezifische Multiproblemlage und das damit verbundene Bewältigungshandeln von wesentlicher Bedeutung. Die parteiliche Haltung ist von einem linearen Verlauf zwischen Mitarbeiter*in und Zielperson gekennzeichnet. Problemlagen im Lichte des gesamten Lebenszusammenhangs zu sehen, sowie die Vermeidung von Etikettierungen, entsprechen dem Prinzip der Ganzheitlichkeit. Diesbezüglich ist zu hinterfragen, inwiefern und mit welcher Intention welche Lebensbereiche sinnvoll in Verbindung miteinander gebracht werden sollten. Ist von gemeinsamer Betroffenheit die Rede, ergibt sich als gleiches verbindendes Ziel, die Überwindung patriarchaler Verhältnisse und die Erlangung von Selbstbestimmung und Autonomie. Das große Verständnis der sozialarbeiterischen Fachkraft gegenüber dem Mädchen* oder der Frau* ist als förderlicher Faktor innerhalb des Hilfeprozesses zu sehen. Wichtig bei der Annahme eines ähnlichen Erfahrungshintergrundes ist einerseits die Ziehung von Grenzen und andererseits das Bewusstsein über die aktive Herstellung von Gemeinsamkeiten (vgl. Brückner 2012: 552).

2.3 Angebote von Mädchenarbeit

Die Arbeitsschwerpunkte von Frauen- und Mädchenarbeit lassen sich aufgliedern. So bildet die Anti-Gewaltarbeit ein Feld, welches aufgrund von Öffentlichkeitsarbeit eine höhere Bekanntheit in der Gesellschaft aufweist. Die Frauenrechtsorganisation „medica mondiale“ mit Hauptsitz in Köln konnte ihre Arbeit gegen sexualisierte Gewalt an Frauen* und Mädchen* in Kriegsgebieten in über 13 Ländern etablieren und durch eigene Konzeptionen die Fachkräfte lokal ausbilden (vgl. Medica Mondiale 2020). Außerdem gibt es innerhalb Deutschlands über 30 Mädchenhäuser circa 400 Frauenhäuser und viele Beratungsstellen, die auf die Arbeit mit und den Schutz von gewaltbetroffenen Frauen spezialisiert sind (vgl. Brückner 2012: 554). Die polizeilich registrierten Fälle von sexualisierter Gewalt in Paarbeziehungen, ohne die Dunkelziffer, betrug im Jahr 2019 circa 114.903 weibliche Opfer. In den Frauenhäusern, die statistisch erfasst wurden, befanden sich 7.945 schutzsuchende Frauen* und 8.134 Kinder (vgl. Frauenhauskoordinierung e.V. 2019: 5ff.).

Weitere Angebote von Mädchenarbeit sind freizeit-, bildungs-, und kulturorientiert, wobei letztere oftmals von inter-, und transkulturellen Ansätzen geprägt sind. Inhaltlich werden bei Angeboten Themen wie Berufsförderung abgedeckt, es wird Aufklärungsarbeit geleistet, es werden Beschäftigungsmaßnahmen vermittelt und es finden Beratungen statt. Die Zielgruppen variieren, da sie unter anderem von queeren und lesbischen Mädchen*, von Wohnungslosigkeit Betroffenen, von jungen Frauen* mit Behinderung und von mit Mädchen* mit Migrationserfahrung besucht werden (vgl. Brückner 2012: 554).

Um Inhalte von Mädchenarbeit zu veranschaulichen, dienen Angebote von drei Einrichtungen im Raum Köln, darunter das „Anyway Café“, die „Lobby für Mädchen“ und die „Abenteuerhallen Kalk“. Als erstes ist das Jugendzentrum „Anyway“ zu nennen, welches 1998 eröffnete und auf die Zielgruppe junger Erwachsene aus der LSBT*Q Community ausgerichtet ist sowie seit 2011 ein anerkannter freier Träger der Jugendhilfe im Rahmen des anyway e.V. ist. Es bietet innerhalb des Angebotsspektrums ein niedrigschwelliges Café, das als Treffpunkt im Sozialraum fungiert und von dem aus Veranstaltungen für die Besucher*innen organisiert werden. Die Arbeit des Anyway ist dem Feld der Jugendarbeit zuzuordnen und es wird mit dem Ansatz gearbeitet, bei dem die Fachkräfte selbst queer sind, sodass die Zusammenarbeit von einem ähnlichen gemeinsamen Erfahrungshintergrund gestützt ist. Neben der Inanspruchnahme von Beratungen ist den Besucher*innen die Möglichkeit gegeben, an Filmproduktionsteams wie dem „anywaytv“ mitzuarbeiten oder dem Aufklärungs-, und Bildungsteam „Wir*“ beizutreten, welches Workshops für Schulen veranstaltet, um die Sichtbarmachung von LSBT*Q Lebensformen zu fördern.

Im Rahmen des offenen Cafés gibt es zum Beispiel Angebote unter dem Namen „Mädelsabend: Game Girls – Konsolezocken!“ oder „#talktime Mädels“, die durch die geschlechtsspezifische Ausrichtung auf die Bedürfnisse queerer Mädchen* abgestimmt sind (vgl. Anyway o.J.).

Als zweites Beispiel ist die „Lobby für Mädchen“ (LfM) anzuführen, die sich als Mädchenzentrum an Mädchen* und junge Frauen* mit und ohne Migrations- oder Fluchterfahrung richtet. Ziel der LfM, welche die Gedanken feministischer Mädchenarbeit fortführt, ist die Stärkung bzw. das Empowerment von jungen Frauen* und Mädchen*. Die Notwendigkeit für Mädchenarbeit* bestätigt sich stetig durch die Erlebnisse der Besucher*innen und Teilnehmenden, die an die Mitarbeitenden von LfM herangetragen werden. Dementsprechend schildert Frauke Mahr als Mitarbeiterin und Vorstandsmitglied der LfM:

„Warum brauchen wir noch eine Lobby für Mädchen? Es gibt immer noch viel sexualisierte Gewalt. Es gibt eine große Abwertung von Weiblichkeit (…). Wenn alle um den Tisch sitzen und miteinander reden, da kommen dann die Erfahrungen mit Benachteiligungen. Und auch sehr brutale Erfahrungen mit Sexismus und sexualisierter Gewalt und (…) ganz heftige Erfahrungen mit Rassismus. Cybermobbing, Sexting. Das sind Herausforderungen (…) [und] wir möchten, dass [die] Gesellschaft sensibilisiert wird (…)“ (Mahr 2018).

In Form von Präventionsarbeit werden unter der Leitung der LfM Workshops und Informationsveranstaltungen angeboten, die an Schulen oder im Kontext von Jugendhilfeträgern durchgeführt werden. Als Titel der ein- bis dreistündigen Veranstaltungsreihen sind exemplarisch anzuführen: „Körper, Ideale und Ess-Störungen“, „Beziehungen und sexualisierte Gewalt im Netz“ oder „Der Einfluss digitaler Medien auf Geschlechterrollen“ (vgl. LfM o.J.).

Als drittes Beispiel existiert mit den „Abenteuerhallen Kalk“ (AHK) ein Skate und Bikepark, der dem Träger Jugendzentren Köln gGmbh angehört. Mit dem wöchentlichen Angebot „Girls* Session“ hat sich ein Sportangebot etabliert, das spezifisch für junge Frauen* und Mädchen* aus der Skate- und Bmx-Kultur oder für Interessierte ausgerichtet ist (vgl. Halle59 Abenteuerhallen Kalk 2020). Den Teilnehmenden ist es möglich, sich niedrigschwellig für die Sporteinheiten auf Sozialen Medien wie z.B. über Instagram anzumelden oder ohne Anmeldung vorbei zu kommen. Das Konzept der „AHK“ stimmt mit Teilen der erlebnispädagogischen Theorie überein, da die Teilnahme die Besuchenden innerhalb eines gruppendynamischen Prozesses vor soziale, psychische und physische Herausforderungen stellt (vgl. Heckmair/ Michl 2018: 108). Darüber hinaus führt das Fahren auf den Rampen zu einer Steigerung des Selbstwertgefühls und stellt für Neueinsteigende ein nicht alltägliches Erlebnis dar, welches in Erinnerung bleibt. Hinzu kommt eine Verbesserung der Selbsteinschätzung, indem individuell erprobt werden kann, welche Tricks auf den Sportgeräten gelingen und an welchen noch gearbeitet werden könnte. Zusätzlich entsteht Zeit für Austausch zwischen den Teilnehmenden und es kann sich ein, als subjektiv positiv empfundenes Zugehörigkeitsgefühl zur Gruppe oder zur Community entwickeln. Neben dem erlebnispädagogischen Effekt nutzen die Besucher*innen die Zeit in der Einrichtung also auch, um den pädagogischen Fachkräften oder anderen Teilnehmer*innen von ihren Erfahrungen zu erzählen und um sich zu vernetzen. Als inhaltlicher Vorschlag bezüglich weiterer Angebote der Einrichtung, im Sinne einer queeren Mädchenarbeit, könnten sich heteronormativ ausgerichtete Inhalte gegenüber der Perspektive der Zweigeschlechtlichkeit hinaus öffnen. Beispielsweise könnte die Produktion eines Kurzfilms auch die Einbindung queerer Charaktere vorsehen, um die Repräsentanz von unterschiedlichen sexuellen Orientierungen zu unterstützen.

Resümierend spezialisierte sich die feministische parteiliche Mädchenarbeit erstmalig auf die Bedürfnisse von Mädchen* und jungen Frauen* aus spezifischen weiblichen Lebenszusammenhängen. Eine große Rolle spielt(e) die Funktion von Mädchenangeboten als Schutzraum. Das sich Abwechseln von ko- und monoedukativen Angeboten hat sich als bewährt erwiesen. Obwohl die spezifische Arbeit mit Mädchen* und jungen Frauen* zugenommen hat und weiter ausgebaut wurde, beispielsweise in Form von Frauenhäusern oder Angeboten der Offenen Kinder- und Jugendarbeit, stellt sie in der Sozialen Arbeit immer noch einen geringen Anteil dar und ist erweiterungsbedürftig. Um die Reflektion der Kategorie Geschlecht bei der Mädchenarbeit gewährleisten zu können, werden im folgenden Kapitel die de/-konstruktivistischen Geschlechtertheorien diskutiert.

3. Ausgewählte Geschlechtertheorien

3.1 Geschlecht als Konstruktion und doing gender

Ist von konstruktivistischen Ansätzen die Rede, handelt es sich um Theorien aus verschiedenen Bereichen der Sozialwissenschaften. Der Theorienkomplex umfasst unter anderem interaktionstheoretische, kulturanthropologische, wissens-soziologische, dekonstruktivistische und diskurstheoretische Ansätze. Durch die verschiedenen „Spielarten des Konstruktivismus“ (Knorr-Cetina 1989) unterscheiden sich konstruktivistische Theorien voneinander, aber haben dennoch das gemeinsame Ziel inne, Prozesse der Geschlechterdifferenz zu analysieren (vgl. Wetterer 2004: 123).

Konstruktivistische Geschlechtertheorien gehen von dem Begriff Geschlecht als soziale Konstruktion aus und weisen darauf hin, dass vergeschlechtliche Verhaltensweisen sozial erworben werden (vgl. Ehlert 2012: 23). Nach der konstruktivistischen Logik kann von körperlichen Merkmalen nicht auf Charaktereigenschaften geschlossen werden. Die Unterscheidung zwischen sex und gender, die in den 1970er Jahren aus der englischsprachigen Geschlechterforschung entnommen wurde, beruht auf dem Verständnis von einem biologischen und von einem sozial hergestellten Geschlecht (vgl. Lorber 1999: 37). Erstmals geriet die „Alltagstheorie der Zweigeschlechtlichkeit“ (Hagemann-White 1984) ins Wanken, indem die Unveränderlichkeit und die angenommene Eindeutigkeit der binären Kategorien Mann und Frau in Frage gestellt wurde. Die Geschlechterforschung macht(e) darauf aufmerksam und kritisiert, mit welcher Selbstverständlichkeit im Alltag von einer naturgegebenen Geschlechtszugehörigkeit ausgegangen wird und inwiefern das System der Zweigeschlechtlichkeit machtvoll auf der Mikro- und Makroebene etabliert ist.

Das binäre sex-gender-Modell wurde folgendermaßen um die Kategorie soziale Zuordnung, der sex category erweitert, sodass es dreigliedrig ist: Die Geburtsklassifikation sex ist demnach die Zuordnung zu einem Geschlecht anhand sozial festgelegter biologischer Körpermerkmale nach der Geburt1. Die hinzugefügte Dimension sex category beinhaltet die Zuordnung zu einem Geschlecht anhand von erkennbaren vergeschlechtlichten normativen Verhaltensmustern in Alltags-situationen. Dabei kann die soziale Zuordnung von der Geburtsklassifikation abweichen. Das soziale Geschlecht gender wird in Interaktionsprozessen permanent validiert und ist, ebenso wie die sex category, die Zuordnung zu einem Geschlecht anhand von typischen Verhaltensdarstellungen. Zudem sind die Dimensionen unabhängig voneinander zu analysieren, wobei sie dennoch reziprok zueinanderstehen. Sie unterstreichen die soziale Herstellung der Kategorie Geschlecht (vgl. Gildemeister 2008: 133).

“If sex category is omnirelevant (or even approaches being so), then a person engaged in virtually any activity may be held accountable for performance of that activity as a woman or a man, and their incumbency in one or the other sex category can be used to legitimate or discredit their other activities.” (West/ Zimmermann 1987: 136).

In diesem Sinne ist die zugeschriebene Geschlechtszugehörigkeit nicht mehr wie im sex-gender-Modell Ursprung für die hergestellte Geschlechterdifferenz während Interaktionen, sondern sie resultiert aus jedem sozialen Prozess (vgl. Gildemeister 2008: 132).

Des Weiteren zeigte Fox-Keller (2000) wissenschaftstheoretisch auf, dass binäre biologische Geschlechtskategorisierungen nicht der Natur, sondern dem alltäglichen Wissen und der menschlichen Sozialwelt entnommen sind. Die „man-the-hunter-woman-the-gatherer“- Theorie aus der Primatenforschung (Haraway 1989) beinhaltet in ihrer Auslegung geschlechterdifferenzierende Metaphern, welche Denkmustern einer hergestellten sozialen Umwelt entspringen, anstatt dass sie natürlich gegeben sind (vgl. Wetterer 2008: 127). Das heißt, dass damals auch Frauen* auf die Jagd gingen und die Zuordnung, dass ausschließlich Männer jagten, auf kulturell eingeschriebene Interpretationen zurückzuführen sind

Das ethnomethodologische Konzept des doing gender wurde von West/ Zimmermann (1987) in Abgrenzung zur „sex-gender-Unterscheidung“ entwickelt und liegt Studien über Transsexualität nach Garfinkel (1967) und Kessler/ McKenna (1978) zugrunde. Demnach wird Geschlecht in alltäglichen Handlungsvollzügen durchgängig performativ hergestellt, ohne dass sich Individuen dessen entziehen könnten. Die Geschlechtszugehörigkeit wird also von den Individuen durch soziale Praktiken, die sich nach der herrschenden Gesellschaftsnorm richten, selbst erkennbar gemacht (vgl. Gildemeister 2008: 132). Weiterhin lenkt das doing gender Konzept den analytischen Blick auf die Entstehung von Interaktionsprozessen vor dem Hintergrund soziologischer Interaktionstheorien. Demzufolge bildet sich eine Interaktion, sobald eine wechselseitige Wahrnehmung und eine Reaktion unter Personen stattfinden. Zusätzlich gehen Interaktionen mit sozialen Zwängen einher wie beispielsweise dem Zwang zur kategorialen Identifikation, in die die Akteur*innen eingebunden sind. Die Kategorisierungen und Typisierungen, die in einer Interaktion vollzogen werden, basieren auf angeeigneten Wissenssystemen über institutionelle, kulturelle und soziale Verhaltensregelmäßigkeiten. Dabei hat die Dimension Geschlecht einen komplexitätsreduzierenden Charakter (vgl. Gildemeister 2008: 133). Als Kritikpunkt an der doing gender Theorie wäre die individualisierte Sichtweise zu nennen, nach der individuelles Verhalten für Geschlechterungleichheit verantwortlich gemacht werden könnte. Die autonome Vorstellung von subjektbezogenem Handeln würde eine Nichtberücksichtigung institutionalisierter geschlechtskonstituierender Strukturen bedeuten und somit die Macht- und Hierarchieverhältnisse auf der mesosoziologischen Ebene unbeleuchtet lassen (vgl. Wetterer 2008: 128).

3.2 Die dekonstruktivistische und diskurstheoretische Theorie nach Judith Butler

Die amerikanische Sprachphilosophin Judith Butler gilt durch ihr Werk „gender trouble“, welches in deutscher Übersetzung als „Das Unbehagen der Geschlechter“ 1991 erschien als Begründerin des diskurstheoretischen und dekonstruktivistischen Zweiges der Frauen- und Geschlechterforschung. Butler verortet die Konstruktion von Wirklichkeit in machtvollen gesellschaftlichen Diskursen und in der Sprache (vgl. Butler 1993: 36). Das heißt, dass hegemoniale Diskurse, in Anknüpfung an den Machtbegriff Michael Foucaults, und Sprachgebrauch wirklichkeitskonstruierend sind. Nach Butler sind Diskurse wissensmäßige Denk- und Sprechsysteme, die die Welt sinnlich erfahrbar machen und zu ihrer sinnvollen Einordnung dienen.

Zudem sind Diskurse produktiv, da sie mittels sprachlicher Benennungen (von Ideen, Objekten, Personen) Allgemeines zu Spezifischem formen bzw. konfigurieren (vgl. Butler 1995: 54).

Die diskursive Formung wirkt zugleich repressiv, da sie einen Ausschluss von alternativen Ordnungen mit sich zieht. Butler geht es also um die Analyse der Auswirkungen von Diskursen, welche Subjekte und Geschlechtsidentitäten durch die Kategorisierungen sinnlich wahrnehmbar machen (vgl. Butler 1991: 38). Vor dem Hintergrund des Begriffs des performativen Sprechens (Austin 1985) hat Sprache eine Wirkungsmacht inne, sodass Sprechakte das produzieren, was sie beinhalten. Durch ständiges Wiederholen führen Sprecher*innen Sprachhandlungen aus, die von zeitgenössischen Diskursen geprägt sind (vgl. Butler 1995: 22).

Der Butlersche Subjektbegriff ist von Foulcauts Machttheorien inspiriert und sieht Subjekte in gesellschaftliche Machstrukturen verwoben. Nach Butler werden Subjektivationsprozesse von Anrufungen und Umwendungen beeinflusst, da sinnlich wahrnehmbare bzw. intelligible Titel anerkennend wirken (vgl. Butler 2003: 37). Laut Louis Althusser (1977) stellen Anrufungen wie soziale Titel oder Namen, eine Aufforderung dar sich mit den bezeichneten Kategorien zu identifizieren. So führen Bezeichnungen wie Mädchen*, Frau* oder Ausländerin* zu einer verstärkten Identifikation mit der jeweiligen Kategorie. Der Vorgang des Annehmens der vorangegangenen Bezeichnung ist somit Teil des Subjektivationsprozesses (vgl. Villa 2008: 146).

„Subjektivation“ bezeichnet den Prozess des Unterworfenwerdens durch Macht und zugleich den Prozess der Subjektwerdung. Ins Leben gerufen wird (das) Subjekt, sei es mittels Anrufung (…) im Sinne Althussers, oder mittels diskursiver Produktivität im Sinne Foucaults, durch eine ursprüngliche Unterwerfung unter die Macht“ (Butler 2001: 8 ).

Subjektbezogene Identitätskategorien stellen sich aus folgendem Grund als problematisch dar: Die Verwendung von Anrufungen und Umwendungen geht gleichzeitig mit einer vorläufigen Verwerfung von Subjektpositionen und Geschlechtsidentitäten einher. Wird beispielsweise die Bezeichnung Mädchen* getroffen, sind die Kategorien Migrant*in, Tochter oder Schwester ausgeblendet. So spricht Butler von einer „zeitweiligen Totalisierung“ (Butler 1996: 16) und einem „Prozess der Unsichtbarmachung“ (Butler: 2001: 177) von Wesensanteilen bzw. von potenziellen Subjektpositionen. Das heißt, dass Subjekte durch ihren zugeschriebenen Titel temporär unwillentlich dazu gezwungen werden, die Identität des Bezeichneten anzunehmen. Weiterhin führt die Zuordnung von Identitätskategorien zum Ausschluss von Kategorien, die nicht bezeichnet wurden, sodass auch das identitätsbildend ist, was das Subjekt nicht ist (z.B. Homosexualität bedingt Nicht-Heterosexualität) (vgl. Villa 2008: 147).

Aufgrund der hohen Bekanntheit von Judith Butlers kontroversen Theoriepositionen fanden sich dementsprechend viele Kritiker*innen. Aus den eigenen Reihen des Fachdiskurses wurde ihre Darstellung von Individuen als determinierte Subjekte ohne Handlungsmächtigkeit kritisiert. Die geringe Handlungsmächtigkeit hätte eine entmächtigende Wirkung auf den feministischen Widerstand, der sich gegen strukturelle Geschlechterungleichheiten und für Geschlechtergerechtigkeit einsetzt (vgl. Villa 2008: 150). Seyla Benhabib fragt kritisch: „Was befähigt das Selbst, die Geschlechtercodes zu `variieren`“, wenn es ausschließlich „von einem Diskurs konstituiert ist“? (Benhabib 1993: 109f.). Die Antwort gemäß darauf könnte lauten, dass die Handlungsfähigkeit darauf beruht, kreative Umgangsweisen mit Geschlecht innerhalb bestehender diskursiverer Praxen zu finden. Die Verwendung kreativer Umschreibungen als Reaktion auf dichotome Zuschreibungen würden ein Beispiel für Handlungsfähigkeit darstellen (vgl. Villa 2008: 147). Umschreibungen werden ebenso in der geschlechtergerechten Sprache genutzt, damit sich weibliche Personen in einer männlichen Sprache wiederfinden können. Um ein Beispiel zu nennen, könnte eine sozialarbeiterische Fachkraft bei einem Angebot der Kinder- und Jugendarbeit die ausschließlich männliche Kategorie umgehen, indem sie den die jeweilige Aussage mit einem Relativsatz umschreibt. So kann die Aussage „Jeder der will, kommt gleich mit Fußballspielen“ durch „Alle die wollen, kommen gleich mit Fußballspielen“ ersetzt werden, sodass sich die Mädchen* mitangesprochen fühlen.

Wie der Titel „gender trouble“ des ersten erschienen Werks es ankündigt, war es das Ziel der Ausarbeitung, „Verwirrung“ bezüglich der Kategorie Geschlecht zu stiften (vgl. Butler 1991: 61). Butlers Theorie kann vergleichend zu anderen Ansätzen als radikal eingestuft werden, da ihr Geschlechterbegriff von der Prämisse ausgeht, dass Geschlecht „keine vordiskursive anatomische Gegebenheit sein“ kann (Butler 1991: 26). Ähnlich besagt auch ihr Körperbegriff, dass der Körper bzw. die Materialität des Geschlechts durch Diskurse der Wissenschaft konstruiert und hergestellt wird (vgl. ebd.: 23). In diesem Sinne ist die Realität des Geschlechts nach der Butlerschen dekonstruktivistischen und diskurstheoretischen Theorie brüchig, paradox, dynamisch und wandelbar und der Geschlechtskörper als Ergebnis hegemonialer Diskurse zu verstehen (vgl. Villa 2008: 148).

3.3 Das System der Heteronormativität

Butler kritisierte mit ihrem Begriff „heterosexuelle Matrix“, den heteronormativen Blick innerhalb des feministischen Fachdiskurses. In einem heteronormativen System existiert die allgegenwärtige Annahme einer einzigen spezifischen Sexualität, der Heterosexualität, die im Alltäglichen als selbstverständlich vorausgesetzt wird. Die Motivation hinter Butlers destabilisierender und denaturalisierender Perspektive auf Geschlecht entsprang dem Wunsch, Vorannahmen über Sexualität entgegenzusteuern. Butler beschreibt die Vorannahmen folgendermaßen: „pervasiv assumptions about natural or presumptive heterosexuality that are formed by ordinary and academic discourses on sexuality“ (Butler 1999: XX.). Bereits die sexualitätstheoretischen Arbeiten wie „Der Wille zum Wissen. Sexualität und Wahrheit 1“ von Foucault (1983) und „Thinking Sex: Notes for a radical Theory of the Politics of Sexuality“ von Gayle Rubin (1984) verorteten Heteronormativität und dessen Reproduktion, als sexuelles Ordnungssystem, innerhalb der gesellschaftlichen Instanzen wie Familie, Staat und Ökonomie.

Obwohl Butler es ursprünglich nicht intendiert hatte und vor ihr bereits heteronormativitätskritische Arbeiten verfasst wurden, gilt ihr Modell der „heterosexuellen Matrix“ als Grundbaustein für die Queer- und Gender Studies (vgl. Klapeer 2015: 34). Der Begriff Heteronormativität wurde erstmals durch Warner (1991) eingeführt, der in der Zeitschrift ‚Social Text‘ im Rahmen seiner Schrift „Fear of a Queer Planet“ für eine Fokusverschiebung innerhalb der schwul/ lesbisch/ queeren Analysen plädierte. Es bedarf einer kritischeren Analyse des gegenwärtigen homophoben Gesellschaftssystems mittels eines kritischen Blickes auf die „Hetero-Kultur“ und einer Untersuchung der strukturellen und institutionellen Funktionsweisen von heterosexuellen Normen (vgl. Warner 1991: 16). Die Selbstverständlichkeit mit der Heterosexualität im zweigeschlechtlichen System etabliert wird, beschreibt Degele als „unhinterfragt(en) gesellschaftlichen Tatbestand“ (Degele 2008: 89). Als Beispiel für die Allgegenwärtigkeit zweigeschlechtlicher Geschlechter-, Körper- und Begehrenspraxen gilt die Repräsentation von Heterosexualität in Medien wie in Filmen und Zeitschriften. Ein weiteres Beispiel ist die Tatsache, dass Heterosexuelle keinen Anlass dazu haben sich outen zu müssen (vgl. Klapeer 2015: 28).

Die Ablehnung des toleranzpluralistischen Modells als Grundlage der Queer- und Gender Studies beinhaltet die Kritik an der einfachen Tolerierung einer sexuellen Ausrichtung. Stattdessen bedeutet der Perspektivwechsel die Kritik an heteronormativen Strukturen, welche gesellschaftliche Andersheit erst herstellen. Die Besserstellung bzw. die Privilegierung zweigeschlechtlicher Lebensweisen steht im Kontrast zur Deprivilegierung marginalisierter queerer Lebensweisen (vgl. Klapeer 2015: 29 f.). Diese Hierarchie wird maßgeblich durch Rechtsnormen abgesichert, wie beispielsweise durch das bisherige Verbot der gleichgeschlechtlichen Ehe bis 2017 oder die Diskriminierung von Regenbogenfamilien in Form von Hürden bei einer Adoption. Des Weiteren folgen wenig Sanktionen im Falle von Gewalt gegen LSBTQ*’s aufgrund unzureichender Präventionsarbeit an Schulen und fehlender Anti-Diskriminierungsgesetze. Demnach bedarf es nicht nur einer Analyse heteronormativer gesellschaftlicher Strukturen, sondern einer Kritik und Destabilisierung des heteronormativen Systems mitsamt seinen dazugehörigen Institutionen, Diskursen und Praktiken, um die Rechte von Personen aller sexueller Orientierungen garantieren zu können (vgl. Klapeer 2015: 30).

Die bloße Pluralisierung sexueller Ausdrucksweisen führt immer noch zur Darstellung queerer Lebensweisen als „anders“ und nicht, wie im Zuge von Diversity-Projekten gehofft, zum Durchbrechen der Sexualitäts- und Geschlechterhierarchie (vgl. Klapeer 2015: 41). Weiterhin unterliegt die „toleranzpluralistisch(e) Offenheit“ (Engel 2008: 54) der Gefahr einer Individualisierung von Benachteiligungen, die aus hegemonialen Machtverhältnissen resultieren. Im Lichte des Mottos „anything goes“ würden Diskriminierungen und Gewalt gegen Zugehörige der LSBTQ*-Community individualisiert werden und als ‚selbstverschuldete Ausnahmeerscheinung` angesehen werden (vgl. Hänsch 2003: 13). Im Sinne einer Intervention gegen gesellschaftliche Ungleichheiten fordert Klapeer, anstatt des toleranzpluralistischen Konzepts, die Hinzunahme von intersektionalen2 Ansätzen, um die Anerkennung geschlechtlicher und sexueller Vielfalt zu fördern (vgl. Klapeer 2015: 41).

So wie die Gender Studies die Kategorie Geschlecht analysieren, untersuchen die Queer Studies die Kategorie Sexualität. Eine intersektionale Betrachtung, die das Zusammenwirken mehrerer Formen von Ungleichheit beinhaltet, bezieht zudem den Faktor Sprache mit ein. Denn Sprache ist mit ihren Zeichen und Bezeichnungen nicht nur männlich ausgelegt, sondern auch heteronormativ geprägt. Würde bei einem Jugendangebot das Thema „Liebe und Sexualität“ bearbeitet werden, wäre es förderlich Homosexualität und weitere Sexualitäten miteinzubauen, um möglichst alle Besucher*innen miteinzubeziehen.

Folglich lehnen konstruktivistische Geschlechtertheorien die binäre Aufteilung von Geschlecht ab und sehen Geschlechtskategorien und -identitäten als Konstruktionen an, die durch sozial-gesellschaftliche Prozesse geformt werden. Der dekonstruktivistische und diskurstheoretische Ansatz nach Butler sieht Geschlecht als sprachlich konstituiert an und als ausschließlich durch machtimmanente gesellschaftliche Diskurse geformt. Die Hinzunahme der Heteronormativitätskritik, welche das zweigeschlechtliche System von Grund auf in Frage stellt, dient als theoretische Grundlage für die Mädchenarbeit mit Besucher*innen, die sich mit der LSBTQ*-Community identifizieren. Da der Dekonstruktivismus auch die Analyse von Wissens- und Sprachsystemen beinhaltet, wird im folgenden der Blick auf die Bedeutung und die Wirksamkeit von Sprache gelenkt.

4. Die Bedeutung von Sprache

4.1 Konstruktivistisches Sprachverständnis

Nach dem strukturalistischen Verständnis von Sprache (z.B. nach Saussure) wird Sprache als System von Zeichen begriffen. Dabei kommt einem Zeichen im Einzelnen keine Bedeutung zu, sondern erst durch das Setzen in Relation zu einem anderen Zeichen. An der Vielfalt der Bezeichnungen in unterschiedlichen Sprachen, wie beispielsweise Frau im Deutschen, mujer im Spanischen, woman im Englischen oder femme im Französischen lässt sich eine Willkür bezüglich der Zeichen in den Bezeichnungen und dem Bezeichnetem feststellen. In seinen Abhandlungen ging der Sprachwissenschaftler Ferdinand de Saussure davon aus, dass Bezeichnungen ihre Bedeutung erst durch sprachinterne Differenzierung annehmen (vgl. Hornscheidt 2013: 348).

Im Gegensatz dazu versteht die konstruktivistische Sichtweise Sprache als Handlung, die innerhalb eines sozialen Kommunikationsprozesses hergestellt wird, um eine Wirklichkeitssicht auszudrücken. In Anlehnung an den Aspekt des eigenen Handelns innerhalb des doing gender Konzepts (s. 3.1) ist der Sprechvollzug als Handeln zu verstehen. Mittels Sprachhandlungen werden symbolische Ordnungen kommuniziert, die durch Wiederholungen reproduziert und verfestigt werden. Dies lässt die vermittelten Ordnungen natürlich erscheinen.

Die wissenschaftliche Fokusverschiebung entlang des strukturalistischen zum konstruktivistischen Sprachverständnis beinhaltet den Wechsel der Analyse von Sprachsituationen, denen Sprache immanent ist, hin zu Sprechakten bzw. sprachlichen Handlungsvollzügen.

Zudem unterstreicht die konstruktivistische Sicht auf Sprache den wirklichkeitskonstruierenden Effekt von Sprache. Während des Kommunikations-prozesses nehmen die Akteur*innen an, die Wirklichkeit der anderen Person zu verstehen. Weitere Analysefaktoren, die durch den Konstruktivismus eingeführt wurden, sind die symbolische Ordnung und die Machtgefüge, die durch Sprache aufrechterhalten werden. Darüber hinaus wird in den Sprachwissenschaften der Einfluss der Rolle der Forschenden auf die Ergebnisse von Untersuchungen beachtet (vgl. Hornscheidt 2013: 355). Während die strukturalistische Linguistik von einem Bedeutungskern in Bezeichnungen ausgeht, der von der Sprechsituation weitestgehend unabhängig ist, hebt der Konstruktivismus die Wandelbarkeit von Bedeutungen und ihre dynamische Prozesshaftigkeit hervor. Sprachliche Zeichen unterliegen also Konnotationen und Assoziationen, die sich verschieben können. Folglich besitzen einzelne Bezeichnungen innerhalb des Sprachsystems keinen fixen Bedeutungsinhalt, sondern sind unscharf bezüglich ihrer Bedeutung und somit nicht fassbar wie bisher angenommen. Für die Entschlüsselung der Bedeutung mit dem Ziel der Verständigung sind die die Sprechsituation konstituierenden Eigenschaften unter Betracht zu ziehen. Das heißt, dass eine Bedeutung nach dem Kontext variiert, in dem sie kommuniziert wurde. In diesem Sinne wird Sprache „als Sprech-Akt, als aktive Handlung aufgefasst, die als solche nicht entkontextualisiert denkbar ist“ (vgl. ebd.).

In der konstruktivistischen Genderlinguistik wird davon ausgegangen, dass während Situationen, in denen Sprache ausgedrückt wird, die Identität der Sprechenden gleichzeitig mitgeformt wird. Dabei sind dem Gesprochenen stereotype Vorstellungen inhärent, welche vorgängig sind und in Sprechsituationen zum Ausdruck gelangen. Sämtliche Formen sprachlichen Ausdrucks, z.B. medial, schriftlich oder verbal kommuniziert, sind als Text zu verstehen, der hinsichtlich seines Kontextes analysierbar ist bzw. wird. Mittels wiederholender Benennungspraxen der zugeordneten Normvorstellungen zur Kategorie Frau* reproduzieren sich stereotype Vorstellungen des Frau*-Seins. Sowohl einzelne Individuen als auch Personengruppen erlangen ihre Geschlechtsidentität somit erst durch Kategorisierung, Typisierung und Adressierung im Vollzuge des Sprechaktes. Das Versprachlichte verbirgt zudem Inhalte, welche nicht benannt werden und somit verdeckt und unsichtbar bleiben (vgl. Hornscheidt 2013: 356 f.). Butler beschreibt das Ausmaß der Folgen durch die verdeckten Inhalte folgendermaßen:

„Sobald sich ein Ich erkennt und sich damit eine Identität aneignet, hat es bestimmte Verluste erlitten. Da dies aber vor der Bewusstwerdung geschieht, kann der Verlust nicht betrauert werden, sondern bleibt "gesperrt" (vgl. Villa 2008: 147).

Durch die soziale Wirksamkeit von Sprache, die von dem Sprachphilosophen John Austin in den 1970er Jahren untersucht wurde, werden sprachliche Äußerungen sozial wirksam bzw. Gesprochenes aktiviert soziale Tatsachen (vgl. Austin 1972: 26f.). Dabei trägt nicht maßgeblich die Art und Weise der sprechenden Person zur Erzeugung der Wirklichkeit bei, sondern vielmehr die an die artikulierte Äußerung gebundene soziale Norm, welche mitgedacht und gefestigt wird. Die sprachliche Äußerung schlägt sich somit durch unzählige Wiederholungen innerhalb Interaktionen auf soziale Normen nieder (vgl. Butler 1993: 122f.). Wenn beispielsweise bei Angeboten der Offenen Kinder- und Jugendarbeit, das von einem Mädchen ausgemalte Bild wiederholt als besonders ordentlich kommentiert wird, festigt sich die Vorstellung, dass Ordentlichkeit zu „Weiblichkeit“ gehöre. Sprache ist also machtvoll und kann Differenz erzeugen sowie soziale Positionen herstellen, indem Subjekte ohne ihr eigenes Bestimmen entlang von vorgängigen Differenzkategorien eingeordnet werden (vgl. Plößer 2010: 220). Sprachlich geäußerte Normvorstellungen, wie z.B. stereotype Rollenmuster oder Geschlechtsbilder werden laut der konstruktivistischen Genderlinguistik weitergegeben und wirken sich strukturell aus (vgl. Günthner/ Hüpper/ Spieß 2012: 6). Darstellungen von Gender werden auf verschiedene Weise geformt, wie z.B. durch bestimmte Gesten im Rahmen der Körperhaltung oder der Gangart, durch die Auswahl von Kleidungsstilen wie zugeteilte Farben für Geschlechtskategorien oder durch die Ausübung von zweigeschlechtlich aufgeteilten Tätigkeiten und Berufen (s. Kap 1.3). Zudem werden die genannten Genderdarstellungen mit Hilfe sprachlicher Konstruktionen zum Ausdruck gebracht und gefestigt. Dazu zählen Anreden, vergeschlechtliche Namensnennungen sowie die über Jahrhunderte im Sprachsystem verankerten Wortschätze und Grammatiken (vgl. Kotthoff/ Nübling 2018: 18).

4.2 Das generische Maskulinum

Im deutschsprachigen Raum dominiert im Sprachgebrauch die Verwendung des generischen Maskulinums, wobei eine Gruppe, wie etwa eine gemischtgeschlechtliche Gruppe von Besuchenden eines Jugendzentrums, als „Besucher“ anstatt als „Besucher*innen“ bezeichnet werden. Durch Studien wurde erwiesen, dass die generische Form des Maskulinums (Lehrer, Erzieher) eindeutig die Vorstellung einer männlichen Lehrperson oder eines männlichen Erziehers evoziert anstatt der geschlechtsneutralen Bezeichnung „Lehrkräfte“ oder der gendergerechten Benennung „Erzieher*innen“ (vgl. Diewald 2020: 68).

Männliche Personenbezeichnungen führen zu einer Darstellung, in der die Vorstellung Frau* als Abweichung gesehen wird und die Vorstellung Mann* als Norm manifestiert wird. Da die feminine Wortform mit dem in-Suffix, an eine maskuline Grundform angehängt wird, wird das Maskuline als das Normierende und das Feminine als das Sekundäre wahrgenommen, sodass es sich weiter verfestigt (vgl. Trömmel-Plötz 1978: 49 ff.). Ebenso beschreibt Luise Pusch, als Vertreterin der feministischen Sprachkritik, das generische Maskulinum als „die scheinbar harmlose Grammatikregel, die aus beliebig vielen Frauen Männer macht, sowie ein einziger Mann hinzukommt“ (Pusch 1990: 86).

Der Grund für die Kontroverse um das Thema Gender könnte darin liegen, dass jede Person täglich mit ihrer zugeordneten Geschlechtskategorie konfrontiert ist. Das Thema sexistischer Sprachgebrauch weckt außerdem eine emotionale Ebene, da sich im Alltag jede*r mittels Sprache verständigt und somit auch (potenziell) diskriminierend sprachhandelt. Um dem subjektiven Charakter der Debatte zu entgehen, bietet es sich an, wissenschaftliche Studien heranzuziehen.

Durch psycholinguistische Tests werden Wort-Bild-Zuordnungen untersucht, die durch Sprache hervorgerufen werden. Das Denken in Kategorien ist komplexitätsreduzierend und spart Energie, dennoch führt es zu Fehlurteilen und verkleinert die Vielfalt an eventuellen Möglichkeiten. Folgende exemplarische Aussage, die auf einen sozialarbeiterischen Kontext angepasst wurde, soll die Wirkung einer genderstereotypen Wort-Bild-Assoziation illustrieren: Kurz vor Schluss brach nach dem Fifa Spiel eine laute Auseinandersetzung zwischen den Jugendlichen aus und sie beschimpften sich aggressiv. Nach einiger Zeit beruhigte sich die Lage und die Jugendlichen holten ihre Handtaschen im Eingang, bevor sie das Jugendzentrum verließen. Das Adjektiv „aggressiv“, welches im Konfliktfall eher Männern* und Jungen* als Bewältigungsverhalten zugeschrieben wird, evoziert die Vorstellung von zwei männlichen Jugendlichen. Durch das Wort „Handtaschen“ im zweiten Satz wird, im Falle geschlechtsstereotypen Denkens, eine Verlagerung von der Vorstellung einer männlichen zu einer weiblichen Genusgruppe, stattgefunden haben (vgl. Diewald/ Steinhauer 2020: 79 f.).

Eine oft rezipierte Untersuchung zur Überprüfung des Effekts des generischen Maskulinums ist die 3-faktorielle Varianzanalyse von Stahlberg/ Sczesny (2001). An der Studie nahmen 96 Studierende teil, die 16 Fragen beantworteten. Darunter wurde nach den Lieblingsmusikern, -sportlern und -malern sowie nach Romanhelden und realen Helden der Teilnehmenden gefragt. Eine Fragebogenvariante war im generischen Maskulinum verfasst, eine enthielt die Beidnennung und in einer Variante wurden die neutralen Personenbezeichnungen verwendet. Die bei der Auswertung berücksichtigte unabhängige Variable war die „Anzahl der genannten Frauen“. Es zeigte sich ein hoher Signifikanzwert (p < .05) bezüglich des Unterschiedes zwischen der Verwendung des generischen Maskulinums und der Neutral- und Beidnennung. Das heißt, dass die männlichen und weiblichen Teilnehmenden in der geschlechtergerechten Fragenbogenvariante mehr Frauen* als in der nicht genderkorrekt formulierten Variante nannten. Somit konnte bewiesen werden, dass das generische Maskulinum zur Unsichtbarkeit von Frauen* in der Sprache führt, da es ausschließlich männliche Stereotype in der Denkvorstellung hervorruft (vgl. Stahlberg/ Sczesny 2001: 137).

In einer anderen Studie von Braun/ Gottburgsen/ Sczesny et al. (1998) wurde der sprachliche Einfluss auf die Einschätzung der Geschlechterzusammensetzung in Gruppen untersucht. Hierzu lasen die Teilnehmenden einen fiktiven Zeitungsartikel, der von einer wissenschaftlichen Kongressveranstaltung handelte und der in verschieden Sprachversionen verfasst war, darunter im generischen Maskulinum, in einer neutralen Form und mit der Beidnennung. Als Ergebnis zeigte sich, dass die weiblichen Befragten nach dem Lesen des Berichtes mit der Beidnennung den Prozentanteil an teilnehmenden Frauen* auf dem Kongress höher einstuften als nach dem Lesen des Artikels mit dem generischen Maskulinum und mit der neutralen Form. Hingegen blieb der geschätzte Prozentsatz bei den männlichen Befragten konstant, unabhängig von der verwendeten Sprachform. Basierend auf den signifikanten Ergebnissen, entwickelte sich durch das generische Maskulinum bei den weiblichen Teilnehmenden folglich die Vorstellung, dass mehr Männer* auf dem Kongress anwesend gewesen wären.

Daraus schlussfolgernd konnte die maskuline Sprachform die Kategorie Frau* nicht hervorrufen und führte zu einer veränderten Einschätzung.

Der Gebrauch der männlichen Sprachform basiert(e) auf einer indifferenten, nicht-wertschätzenden Haltung gegenüber dem weiblichen Geschlecht und war nicht geschlechtsneutral, sondern explizit männlich gemeint und schloss Frauen* auch funktionell aus. Rechtshistorisch spiegelt sich der funktionelle Ausschluss in den eingeschränkten Rechten für Frauen* wider (z.B. dem Wahlverbot bis 1919) (vgl. Degele 2008: 69). Hausen (1967) stellte im Zuge der Untersuchung von zugeschriebenen Geschlechtscharakteren heraus, dass in Meyer`s Großem Konversationslexikon vom biologischen Geschlecht auf eine geringere Anzahl von Fähigkeiten bei weiblichen Personen geschlossen wurde: „beim Weib behaupten Gefühl und Gemüt, beim Manne Intelligenz und Denken die Oberhand“ (Meyer 1904: 685). Da davon auszugehen ist, dass dieser Aussage heutzutage die meisten Menschen widersprechen würden, sind gesellschaftliche Fortschritte bezüglich der Gleichberechtigung zu erkennen.

Die empirischen Untersuchungen zur Verwendung des generischen Maskulinums zeigen, dass die Denkvorstellung der Kategorien Frau* und Mädchen* durch eine androzentrische Sprache nicht evoziert werden und sie somit verdeckt bleiben. Für die Mädchenarbeit heißt dies, dass der geschlechtergerechte Sprachgebrauch anstelle des generischen Maskulinums seitens der Fachkräfte den Besucher*innen neue Ausdrucksmöglichkeiten aufzeigen kann. Wird im Rahmen eines Angebots über eventuelle Wunschberufe gesprochen, führt die gendergerechte Umformulierung der Berufstitel wie z.B. Handwerker*in, Ärztin, Ingenieur*in, Hausmeister*in zu einer erleichterten Identifikation der Mädchen* mit den jeweiligen Berufen. Anschließend an die Ausführungen über die nachteiligen Auswirkungen der Verwendung des generischen Maskulinums in diesem Unterkapitel folgen zur Konkretisierung Beispiele für Formen geschlechtergerechter Sprache.

4.3 Formen geschlechtergerechter Sprache

Aufgrund der Unsichtbarkeit und des Ausschlusses von Frauen* durch das generische Maskulinum in der deutschen Sprache haben sich verschiedene Formen einer geschlechtergerechten Sprache entwickelt. Zum einen existiert die Beidnennung mit verschiedenen Gestaltungsmöglichkeiten und zum anderen gibt es mehrere Modi von Umformulierungen. Bei der ausführlichen Beidnennung wird für die feminine Form das Suffix „in“ verwendet, wie Sozialarbeiter und Sozialarbeiterinnen. Um in schriftlicher Form Platz zu sparen, dient der Schrägstrich mit Bindestrich, wie Mitarbeiter/-innen oder ausschließlich der Schrägstrich, wie Kolleg/innen. Diese beiden Varianten entsprechen der amtlichen Rechtschreibung. Der Gebrauch des Binnen-I, wie MädchenarbeiterInnen geht in der Entstehung auf die 1980er Jahre zurück und bildet einen erstmaligen Versuch, gendergerechte Sprache zu verwenden. Mithilfe des Buchstaben I im Wortinneren gelang die Fokusverschiebung auf die zuvor unsichtbar gewesene Kategorie Frau*. Die Nutzung der Klammer um die feminine Endung, wie bei Helfer(innen), wird mittlerweile als weniger geeignet angesehen, da die Klammer eine Zweitrangigkeit impliziert, welche das ursprüngliche Ziel der Gleichstellung der Geschlechter mittels Sprache verfehlen würde. Der Genderstern, wie bei Leser*innen verwendet, hat die Miteinbeziehung aller sexuellen Orientierungen und Geschlechtsidentitäten zum Zweck und erweist sich bei der Pluralverwendung orthografisch als einfacher im Vergleich zum Schrägstrich wie bei Leser(n)/-innen. Ebenso dient der Unterstrich, der Mediopunkt und der Doppelpunkt dazu, die Dichotomie zu durchbrechen und auf eine Vielzahl von Geschlechtskategorien hinzuweisen. Die Verwendung der Zeichen im Wortinneren, wie Pädagog_innen, Besucher·innen oder Teilnehmer:innen, führen während des Lesens zu einer kurzzeitigen Irritation im Schriftbild, sodass die feminine Form ebenso wahrgenommen wird (vgl. Diewald/ Steinhauer 2020: 118 ff.). Während der Unterstrich, auch Gender Gap genannt, bereits länger bekannt ist, wurde der Gender-Doppelpunkt erstmals 2018 verwendet. Bei der Verwendung des Gender-Doppelpunktes wird, wie beim Genderstern eine kurze Sprechpause, auch Glottischlag genannt, eingelegt, um alle Geschlechter miteinzubeziehen. Der Vorteil des Doppelpunktes ist es, dass Lese-Softwaregeräte für Menschen mit Sehbehinderung den Doppelpunkt erkennen und als Glottischlag wiedergeben (Genderleicht 2020).

Um Doppelnennungen bzw. Beidnennungen zu umgehen, eignen sich substantivierte Formen von Partizipien und Adjektiven. Dabei unterscheidet sich der Plural durch das angehängte „n“ nicht wesentlich vom Singular, wie bei den Wortbildungen Studierenden, Teilnehmenden oder Jugendlichen. Eine weitere Möglichkeit ergibt sich durch die Vermeidung von Personenbezeichnungen mithilfe einer abstrakten Sachbezeichnung, indem der Chef mit Leitung ersetzt wird oder der Kollege mit Kollegium. Anzumerken wäre hierbei jedoch, dass Sachbezeichnungen einen unpersönlichen Charakter aufweisen, da die Bildung des Hauptwortes von etwas Konkretem zu etwas Allgemeinem stattfindet. Eine andere Variante stellt die Umformulierung mithilfe eines Attributs dar, dennoch verlangt sie den Sprechenden einiges an Kreativität ab (vgl. Diewald/ Steinhauer 2020: 131 ff.). Demzufolge würden dann Begriffe wie Arzt, Psychiater, Anwalt oder Sozialarbeiter in ärztliche, psychiatrische, juristische oder sozialarbeiterische Hilfe umgewandelt werden.

Zusätzlich hat es sich als vorteilhaft erwiesen, die Genderrelevanz hinter einer Aussage zu überprüfen. Im Falle einer konkreten Bezugnahme auf ein Individuum, wird eine gendergerechte Formulierung notwendig, um semantisch paradoxe Aussagen zu verhindern. Die Information „das muss ich mit Hannah, unserem Chef, abklären“, obwohl sich die Chefin als Frau* identifiziert, ist aufgrund der gewählten männlichen Form sachlich falsch. Die Genderrelevanz ist hierbei besonders hoch, aufgrund der spezifischen Referenz zur Leitungskraft und der syntaktischen Funktion des Wortes Chef* als Dativobjekt. In solchen Fällen ist geschlechtergerechte Sprache eine Prämisse für eindeutige Kommunikation (vgl. Diewald/ Steinhauer 2020: 106 ff.). Andersherum gibt es sachbezogene, zusammengesetzte Wörter, die eine geringe Genderrelevanz aufzeigen (vgl. ebd.: 116). Dies trifft bei dem Komposita Bürgersteig zu, der nicht zu Bürger*innensteig umformuliert wird, da der Fokus auf dem Steig als Gegenstand liegt anstatt auf der Information über die Geschlechtszugehörigkeit derer, die den Gehweg überqueren.

4.4 Diskriminierungskritisches Sprachhandeln und Ansprache diskriminierender Sprache

Lann Hornscheidt (2020) stellt die Hypothese auf, dass Zugehörige einer privilegierten Gruppe (z.B. weiße ethnische Herkunft, nichtbehindert, hetero, männlich) in dem hohen Maße diskriminierende Sprache unhinterfragt annehmen und verwenden, dass daraus geschlussfolgert werden kann, sie finden sich darin wieder (vgl. Hornscheidt 2020: 72). Als Argument für diskriminierungskritischen Sprachgebrauch führt Hornscheidt ein Beispiel aus einer Plakatwerbung des Präventionsnetzwerks „Kein Täter werden“ an. Dieses bietet Beratungen für Täter*innen von sexualisierter Gewalt gegen Kinder an. Es wird unterstrichen, dass der Werbespruch „Lieben sie Kinder mehr als ihnen lieb ist?“ durch die positive Konnotation mit dem Begriff „Liebe“ eine verharmlosende Sichtweise auf sexualisierte Gewalt transportiert und Gewalterfahrungen von Betroffenen nicht gerecht wird (vgl. Hornscheidt 2020: 76). Als weiteres Beispiel kann die Bezeichnung „sexueller Missbrauch“ angeführt werden. Diese Bezeichnung wird vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend bis heute verwendet. So heißt es auf der Internetseite: „Der Unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs ist das Amt der Bundesregierung für die Anliegen von Betroffenen und deren Angehörige (…)“ (BMFSFJ 2021). Dabei impliziert das Wort „Missbrauch“ erstens einen eventuellen „Gebrauch“ von Sexualstraftaten und der Begriff „sexuell“ wird mit Gewalt in Verbindung gebracht (vgl. Hornscheidt 2020: 77). Hingegen wird die Bezeichnung „sexualisierte Gewalt“ von den Vertreter*innen der Genderforschung als angemessener betrachtet, da Gewalt nicht sexuell ist, sondern im Falle sexualisierter Gewalt ein Machtmissbrauch stattgefunden hat, der in den Bereich der Sexualität fällt.

Letztlich plädiert Hornscheidt für eine höhere sprachliche Achtsamkeit, einem respektvollen Sprachhandeln durch diskriminierungskritische Sprache, bei dem die Individuen eigens entscheiden, wie sie benannt werden möchten, um einen gewaltvollen Sprachgebrauch in Zukunft durch eine sprachsensible Umgangsweise prozessual zu verändern oder abzubauen.

Für den Studiengang Soziale Arbeit als interdisziplinäres Fach sind die Gender Studies und die Queer Studies mit in die Hochschullehre aufgenommen worden. Bezüglich der Wirkungen der gelernten Inhalte und Methoden aus der Geschlechterforschung spricht Goel (2016) die Paradoxie an, die während des Sprechens über Diskriminierung entsteht. Ungeachtet der Bemühungen der Beteiligten in Lehr- und Lernräumen sowie in Seminaren oder in Vorlesungen, lässt sich ein diskriminierendes Handeln nicht vollkommen vermeiden. Da alle beteiligten Individuen in vorherrschende gesellschaftliche Diskurse und Machtsysteme verstrickt sind, gibt es „kein Lernen und Sprechen über Rassismen, Heteronormativitäten, Klassismen, Ableismen, etc., das diese nicht aufruft und reproduziert“ (Goel 2016: 40).

Das ursprüngliche Ziel des sogenannten „Calling Outs“, welches als Methode entwickelt wurde auf diskriminierendes Verhalten im öffentlichen Raum aufmerksam zu machen, liegt in der Förderung von mehr Zusammenhalt und Solidarität. Die Methode des Calling Outs kann jedoch für die Anwendenden einige ungewollte Effekte mit sich bringen. Zum einen ist das „Shaming“ aufzuzählen, bei dem Menschen auf unhöfliche Art und Weise sich gegenseitig auf ihre Fehler aufmerksam machen. Zum anderen problematisiert der Begriff „performative activism“ ein aktivistisches Handeln, welches primär dem Zweck der eigenen positiven Selbstdarstellung anstatt dem eigentlichen Ziel dient. Beispielsweise gab es während der US-amerikanischen Anti-Rassismus Bewegung Anfang des Jahres 2020 Fälle bei denen einige Individuen auf die Demonstrationen gingen ohne nachhaltig und intrinsisch an dem Ziel der Proteste interessiert gewesen zu sein. Des Weiteren stellt das „Binäre Denken“ (Okun 2010: 101) seitens der Beteiligten des feministischen Diskurses ein Hindernis für gerechteres Handeln dar, da ein „Besser Fühlen“ gegenüber Nicht-Aktivistinnen die Beanspruchung einer Wahrheitshoheit impliziert, die aufgrund der Fehlbarkeit auch unter Fachleuten nicht gegeben ist. Um dennoch eine möglichst diskriminierungsfreie Lehre zu ermöglichen, betont Krämer (2016), dass im Rahmen solidarischen Handelns gegenseitige Unterstützung sowie Kritikfähigkeit und Kritikäußerung eine wichtige Rolle spielen (vgl. Krämer 2016: 27).

Wie die oben angeführten Beispiele illustrieren, liegen Vorschläge für eine solidarische Haltung zwischen Akteur*innen im fachlichen Kontext vor, wie auch für ein nicht diskriminierendes Sprachhandeln in der Lehre. Anschließend daran wären häufig entgegnete Argumente zu diskutieren, die sich gegen einen geschlechtergerechten Sprachgebrauch wenden.

Ein mehrfach erbrachter Einwand ist, dass die Umsetzung gegenderter Sprachformen kompliziert sei und mit Anstrengung verbunden sei. Hingegen bedeutet es aber andersherum eine hohe Anstrengung für Personen weiblichen Geschlechts, sich in einer männlichen Sprache zu verorten und sich die Kategorie Frau* in jeder Sprechsituation mitzudenken. Es sind also vor allem die Folgen zu bedenken, die aus einer geschlechterungerechten Sprache resultieren. An dieser Stelle ist es sinnvoll, der Tatsache Beachtung zu schenken, dass sich durch die neue Sprachform viele Personen erstmalig im Leben mit angesprochen fühlen, da sie durch die maskuline Form bisher nicht repräsentiert wurden. Andernfalls würde die temporär erbrachte Anstrengung, welche die Umsetzung gendergerechter Sprache erfordert, mehr berücksichtigt werden als das Ziel, diskriminierungsfrei zu Sprachhandeln. An dieser Stelle ist aufzuführen, dass die erstere Ansicht, die das Konzept der diskriminierungsfreien Sprache ablehnt, von der feministischen Linguistik nicht geteilt wird (vgl. AG Feministisch Sprachhandeln 2014: 45).

Gegen den Einwand, dass die gendergerechte Sprachform eine hohe Einschränkung mit sich zieht, ist die Fülle an Möglichkeiten kreativer Sprachvarianten zu nennen. Die Umstellung kann eine Herausforderung darstellen, da es einer kontinuierlichen Reflektion der eigenen Sprache bedarf. Dennoch bietet sich die Gelegenheit, neue Umschreibungen anzuwenden. Dies kann beispielsweise mittels Relativsätze erfolgen, die sich auf die Handlung eines zu beschreibenden Subjekts beziehen. Letztlich, so der Leitfaden der AG Feministisch Sprachhandeln (2014), entscheiden die Individuen in welchem Maße sie sich durch ihre Sprachwahl gegen Diskriminierung durch Sprache einsetzen wollen. Allerdings haben Privilegierte, die keinen Benachteiligungen durch Sprache ausgesetzt sind, eine Verantwortung gegenüber gesamtgesellschaftlichen Verhältnissen inne und gestalten diese durch das eigene Sprachhandeln mit (vgl. ebd.: 45f.).

4.5 Die Zukunft geschlechtergerechter Sprache

Geschlechtergerechte Sprache hat in den letzten Jahrzehnten kontroverse Diskurse ausgelöst und ist als ein in der breiten Öffentlichkeit bekanntes Thema zu charakterisieren (vgl. Diewald/ Steinhauer 2020: 5). Während Lehrveranstaltungen über das Thema Sprache und Geschlecht in den 1980er Jahren noch mit starkem Widerstand begegnet wurde, liegen 40 Jahre später sämtliche Leitlinien für geschlechtergerechte Sprache an Hochschulen vor. Bezüglich der heutigen Kontroverse über die Verwendung gendergerechter Sprache lässt sich eine Verschiebung im Motiv bzw. in den Argumenten für geschlechtergerechte Sprache feststellen. Dominierte in den Anfängen der Debatte das Argument der sprachlichen Unterrepräsentanz von Frauen* sowie Sexismen im Sprachgebrauch, überwiegt heute die Begründung, dass der inkorrekte Sprachgebrauch nicht alle Geschlechtsidentitäten und sexuellen Orientierungen miteinschließt (vgl. Günthner 2019: 576).

Gleichzeitig existieren ebenso Gegner*innen geschlechtergerechter Sprache. In einem Zeit Online Artikel aus dem Jahre 2014 vertritt die Autorin Dagmar Rosenfeld den Standpunkt, dass sie das generische Maskulinum zurückfordert, da das generische Femininum oder die geschlechtergerechte Sprache Frauen* in eine Opferrolle drängt und dass stattdessen das Aushalten des generischen Maskulinums eine therapierende Wirkung hat und das Selbstbewusstsein fördert (vgl. Rosenfeld 2004). Zusätzlich ergab eine Pilotumfrage über die Haltung gegenüber gendergerechtem Sprachgebrauch, die von Studierenden der WWU Münster durchgeführt wurde, dass von 145 Teilnehmenden 36% der weiblichen Befragten genderkorrekte Sprache befürworten und 18% sie ablehnen. Knapp weniger als die Hälfte (44%) gaben an, eine indifferente Haltung dem Thema gegenüber inne zu haben (vgl. Wesian 2007).

Doch wie lässt sich diese Tendenz zu einer gleichgültigen Einstellung gegenüber dem Thema erklären? Im Rahmen von Diskussionen über geschlechtergerechten Sprachgebrauch ist die sprachliche Gleichbenennung als politisches Statement zu betrachten, welches mit Wertevorstellungen verbunden ist. Der hohe Widerstand gegen Forderungen der feministischen Linguistik äußert sich, indem sprachkritische Vorschläge als trivial abgewertet werden und ihnen eine geringe Priorität zugeschrieben wird. Besteht eine Befürwortung der Verwendung des generischen Maskulinums seitens von Frauen*, kann dies als ein Streben nach einem höheren Status, zu dem Männer* zugeordnet werden, interpretiert werden (vgl. Trömel-Plötz 2008: 750). Ein weiterer Erklärungsansatz liegt darin, dass keine notwendige Sensibilisierung gegenüber der Thematik vorhanden ist, sodass die Benachteiligungen nicht also solche dechiffriert werden. Die Befürwortung der Fortführung der Unsichtbarkeit von Frauen* in der Sprache und das damit einhergehende Weiterbestehen von Benachteiligungen könnte also aus einer zu geringen Wahrnehmung von geschlechterbasierter Ungleichbehandlung entspringen. Ein anderer Grund wäre zudem die Verbesserung weilblich zugeordneter Lebenszusammenhänge und die Verdeckung von Ungleichheitsstrukturen. Andererseits könnte die Einstellung auch als eine Entwicklung hin zu einer Auflösung zweigeschlechtlicher Kategorien verstanden werden, die im Sinne des undoing gender Konzepts emanzipatorisch zu interpretieren ist (vgl. Kotthoff 2002: 1-27).

Weiterhin sprechen sich kritische Stimmen aus dem Fachdiskurs gegen ein „starres Regelwerk“ für geschlechtergerechte Sprache aus. Durch eine zu festgefahrene Vorgehensweise würde die ursprüngliche Intention, und zwar das Spielerische und das situative Abwägen, bei der Dekonstruktion androzentrischer Sprache verloren geht. Diskriminierungsfreie Sprache und gewaltfreie Kommunikation stellen in einer Welt mit gewaltvollen Strukturen immer noch ein hohes Ideal dar, dessen Umsetzung sich als herausfordernd gestaltet. Aus diesem Grund ist es wichtig, neue Sprachformen als ein dekonstruierendes Spiel mit der Sprache zu betrachten, um einer zu dominanten Fokussierung auf eine regelgeleitete Umsetzung gendergerechter Sprache zu entgehen (vgl. Boger/ Staab 2020: 78ff.). Nichtdestotrotz stellen Regelwerke für gendergerechte Sprache (s. Kap. 4.3) eine unabdingbare Voraussetzung für die Umsetzung genderkorrekter Sprachformen dar. Die „starre“ Komponente feministischen Widerstands hat in der gesellschaftlichen Entwicklung eine wichtige Rolle gespielt, um sich erfolgreich gegen patriarchale Strukturen zu wehren, weshalb sie nach wie vor ihren Zweck erfüllt.

Zusammenfassend bilden sich Geschlechtskategorien, konstruktivistisch gesehen, im Zuge von wirklichkeitskonstruierenden Sprechakten während Sprechsituationen. Die darin enthaltenen verwendeten Bezeichnungen innerhalb der Sprachhandlungen sind dynamisch und kontextabhängig. Aufgrund der ungünstigen Auswirkungen der Verwendung generischer Maskulina in einer männlichen Sprache, die durch linguistische Studien erwiesen wurden, ist eine fortschreitende Entwicklung der geschlechtergerechten Sprache zu verzeichnen. Der daraus resultierenden Kontroverse ist es möglich, auf verschiedene Weise argumentativ zu begegnen. Im Hinblick auf die Profession Soziale Arbeit stellt sich die Frage, inwiefern die gewonnen Kenntnisse sich auf die sozialarbeiterische Arbeit mit Mädchen* anwenden lassen. Wie sich eine solche Umsetzung gestalten werden kann, soll im folgenden abschließenden Kapitel zusammenführend dargestellt werden.

5. Die dekonstruktive Perspektive bei Fachkräften Sozialer Arbeit in der Mädchenarbeit

5.1 Geschlechtergerechte Sprache zwischen Regelwerk und Dekonstruktion

Die in Kapitel 4.3 genannten Ausführungen zur Anwendung geschlechtergerechter Sprache stellen ein Regelwerk dar, um gendergerechte Sprache verständlich umzusetzen. Durch die Aufnahme von geschlechtergerechten Leitlinien in Handbüchern, wie zum Beispiel durch den Dudenverlag, wird die öffentliche Anerkennung antidiskriminierenden Sprachgebrauchs gefördert. Im Hinblick auf die zugrundeliegenden feministischen Wurzeln von Mädchenarbeit sind Regelwerke für diskriminierungsfreie Sprache als eine große Unterstützung für die Fachkräfte in der Mädchenarbeit zu betrachten. Vorgegebene Regeln können in diesem Kontext also Handlungssicherheit schaffen und als eine praktische Orientierung dienen. Dennoch bieten Interaktionen mit Adressat*innen Handlungsspielräume und bedürfen verschiedener Wege der Gestaltung. Professionelles Handeln ist in Kontaktsituationen in der Sozialen Arbeit situativ abzuwägen und kann „in der Regel nicht technokratisch gelöst werden“ (Motzke 2014: 85-150). So entsteht ein Balanceakt zwischen der intuitiven Anwendung von erlerntem vorgängigem Wissen und einer unvoreingenommenen Haltung. Das heißt, dass einer Situation in der Praxis offen und unbeeinflusst begegnet wird und gleichzeitig Vergleiche zu anderen Situationen gezogen werden, um adäquat handeln zu können (vgl. Schönig 2016: 105).

Genauso verlangt die Anwendung geschlechtergerechter Sprache einen situativen Umgang je nach Situation und Kontext. Die Dekonstruktion (frz. déconstruction = Zerlegung) findet somit nicht einheitlich regelgeleitet statt und ist auch nicht unabhängig von einer gegebenen Sprache zu betrachten. Als Hauptbegründer der Dekonstruktion formuliert Jacques Derrida die Paradoxie zwischen Anwendung und Dekonstruktion wie folgt: „Wenn Sie also `Dekonstruktion tun` wollen (…) dann müssen Sie etwas neu anführen, in ihrer eigenen Sprache, in ihrer eigenen Signatur“ (Derrida 1995: 23ff.). In diesem Sinne ist die Dekonstruktion keine regelhaft anwendbare Methode, da sie selbst Regelbrüche herausfordert sowie auf die Zerlegung von Sprache und ihre Hinterfragung abzielt. Vielmehr stellt sie eine Form des spielerischen Neuanführens von Sprache dar (vgl. Boger/ Staab 2020: 80).

Für die Mädchenarbeit mit einem queeren Ansatz hieße dies, dass pädagogische Fachkräfte geschlechtergerechte Sprache in den Titel ihrer Angebote integrieren, wie z.B. „Girls*Day“, um bei einem monoedukativen Angebot die Offenheit gegenüber Geschlechtervielfalt zu demonstrieren. Bei der Umsetzung neuer Sprachformen ist zudem das Spielerische nicht zu vergessen, um den Druck zu senken, etwas falsch zu formulieren. Eine andere Möglichkeit bestünde darin, die Teilnehmenden zu fragen, wie sie angesprochen werden möchten bzw. welche Anrufung sie favorisieren. Außerdem könnten im Rahmen einer Kennenlern-Runde die jeweiligen Pronomen „er/sein“ und „sie/ihr“ auf den Namensschildern notiert werden.

5.2 Dekonstruktion von Differenz durch die Soziale Arbeit

Aufgrund der intersektionalen Verwobenheit von Diskriminierungsformen dient die differenzkritische Haltung dazu, eine professionelle Sensibilität für Benachteiligungen zu erlangen, die aus der Zuordnung zu verschiedenen binären Kategorien wie soziales Geschlecht, Sexualität, Herkunft oder soziales Milieu resultieren. Um die Folgen der Herstellung von Differenz seitens Sozialarbeiter*innen anzusprechen, bedient sich Plößer (2010) folgendem Beispiel aus der offenen Kinder- und Jugendarbeit: In den 1990er Jahren werden in einem Jugendzentrum die Besucher*innen am Eingang für statistische Zwecke in eine Liste eingetragen. Dabei wird die zweigeschlechtliche Unterscheidung „maskulin/feminin“ sowie die Kategorisierung „einheimisch/ausländisch“ mit notiert. Als eine Fachkraft den jugendlichen Besucher Moustafa (16 J.) mit marokkanischer Migrationsgeschichte in die Spalte „ausländisch“ einträgt, erwidert dieser, dass er falsch in die Liste eingetragen wurde und froh sei, Deutscher zu sein.

Anhand des Praxisbeispiels aus dem Alltag eines Jugendzentrums unterstreicht Plößer, dass die Profession Soziale Arbeit selbst an der Reproduktion von Differenz innerhalb ihrer Zielgruppe beteiligt ist, obwohl sie sich von ihrem Kern her um eine gegenteilige Wirkung bemüht (vgl. Plößer 2010: 218 f.). Das heißt, dass Sozialarbeiter*innen ihre Adressat*innen durch Zuschreibungsprozesse in binäre Kategorien wie zum Beispiel „behindert oder nicht-behindert“, „männlich oder weiblich“, „schwarz oder weiß“ oder „mit oder ohne Migrationshintergrund“ (vgl. Lutz/ Leiprecht 2003: 121) einordnen und somit Exklusionsprozesse von Zielpersonen fördern anstatt sie abzubauen.

Die vorhin aufgezählten verschiedenen Differenzkategorien zeigen im Rahmen der Intersektionalität, dass neben der Geschlechtskategorie noch andere an Macht gebundene Ungleichheitsdimensionen existieren, die ineinander verwoben sind und von der Geschlechterforschung analysiert werden.

Der Kritischen Sozialen Arbeit ist es ein Anliegen, Fachkräfte der Sozialen Arbeit auf ihre Beteiligung an der Herstellung von Differenz, welche an Machverhältnisse geknüpft ist, aufmerksam zu machen (vgl. Rommelspacher 2003: 74). Gleichzeitig sehen es Akteur*innen Sozialer Arbeit aber als ihre Aufgabe an, benachteiligenden hierarchischen Verhältnissen entgegen zu wirken und Exklusionen zu vermeiden (vgl. Eppenstein/ Kiesel 2012: 98). Es bedarf einer Sensibilisierung von Sozialarbeiter*innen für die Folgen von Einordnungen von Adressat*innen in dichotome Differenzkategorien. Die einseitige Zuordnung hat zur Folge, dass Zielpersonen ungefragt in Kategorien eingeordnet werden und gleichzeitig von Kategorien ausgeschlossen werden, denen sie sich ursprünglich zugehörig gefühlt hätten. Zudem führt die Einordnung zum Absprechen einer mehrdeutigen und veränderlichen Identität der jeweiligen Person (vgl. Plößer 2010: 225). Die Soziale Arbeit reproduziert also bestehende machtvolle und hierarchisierende soziale Normen im Differenzbezug (vgl. Plößer 2010: 223). Dies geschieht bereits durch die Benennung der jeweiligen Zielgruppe als „hilfebedürftig“, als „Ausländer*innen“, als „gesund/behindert“ oder als substanzabhängig von „illegalen oder legalen“ Drogen (vgl. ebd.: 230). Dass die Zuordnung zu einer binären Kategorie ebenso mit einer formellen unterschiedlichen Handhabung der Zielgruppe einhergeht, zeigt erneut die Normierungsmacht, die durch die Zuordnung ausgeübt wird.

So wird beispielsweise bei einem veranstaltetem „Jungen-Tag“ in einem Jugendzentrum erwartet, dass Besucher* teilnehmen, die sich der Kategorie Junge* zuordnen. Anthropologisch-philosophisch gesehen wäre ein komplett nicht-kategorisches Denken, ohne zu urteilen, nur schwer möglich. Da Kategorisierungen auch einen identitätsstiftenden Charakter innehaben, wäre es sinnvoll, sie demnach nicht ganz abzuschaffen, sondern dessen Grenzen zu überdehnen. Beispielsweise kann die Benennung von Kategorien ein subjektiv positives Zugehörigkeitsgefühl zu einer Gruppe ausdrücken, wie die Nennung eines Berufsstatus „Azubi/Studi“ oder die Benennung einer Ethnizität wie „POC (Person of Color)/Weiß“. Dabei sollte die Zuordnung aber von den Individuen selbst vorgenommen werden und es sollte möglich sein sich zu mehreren Kategorien gleichzeitig zuordnen zu können.

Dennoch sollten sich Fachkräfte der Sozialen Arbeit über ihre Vorannahmen bewusst sein und sie hinterfragen (vgl. Müller/ Bohne 2015). Wichtig ist es, nach sprachlich geäußerten Differenzbezügen offen und reflexiv zu bleiben und zudem die Sicht der Adressat*innen selbst einzuholen (vgl. Leiprecht 2008: 427 ff.). Neben der Aufforderung der kritisch-reflexiven Sozialen Arbeit, sich der eigenen Normierungsmacht gegenüber Adressat*innen bewusst zu werden, besteht dennoch die Möglichkeit zur Verringerung von Ausschlüssen. Sozialarbeiter*innen können sich somit für die Bearbeitung und Verminderung von Exklusionserfahrungen ihrer Klient*innen einsetzen (vgl. Plößer 2010: 224).

Im Hinblick auf die machtvolle Einordnung von Zielpersonen in Differenzkategorien durch die Soziale Arbeit dient die dekonstruktive Genderlinguistik dazu, eben diese Vorgänge der Einordnung aufzudecken und die daraus resultierenden Diskriminierungen zu minimieren. Da viele Adressat*innen Sozialer Arbeit als „sozial problematisch markiert werden“ (Kessl/ Otto 2012: 1306), ist es umso wichtiger, die der Markierung zugrundeliegenden gesellschaftlichen Vorstellungen von Normalität zu beleuchten (vgl. Plößer 2013: 205). Die stattfindende Reflektion über Normalitäten beinhaltet die Frage, welche Subjekte auf welche Weise exkludiert werden, wie dies gerechtfertigt wird und welche ursprüngliche Funktion die angewandte Unterscheidungspraxis hatte.

„Um als Subjekt anerkennbar zu werden, um sozial intelligibel zu sein, ist der Bezug auf die sozialen Normen also trotz ihres ausschließenden Charakters notwendig, (…) Adressat*innen zu unterstützen, entlang bestehender Normen anerkennbar zu werden, indem sie ihnen solche Zugänge und Handlungsmöglichkeiten eröffnet, mittels derer anerkennbare Subjektpositionen eingenommen werden können“ (Plößer 2013: 2012).

Durch das Hinterfragen von vorgegebenen Normvorstellungen seitens der Sozialen Arbeit kann versucht werden zu verhindern, dass bestimmte Subjekte von der Sozialen Arbeit als weniger unterstützenswert eingeordnet werden als andere (vgl. ebd.: 209). Die Berücksichtigung struktureller Bedingungen sowie ungleich aufgeteilter verfügbarer Ressourcen der Adressat*innen erkennt die Anpassungsbemühungen der Individuen an und fördert die Beachtung und Anerkennung neuer Normalitäten (vgl. ebd.: 2012). Obwohl die Soziale Arbeit also Normen und Differenzen mit (re)-produziert, bietet sich durch sie auch die Möglichkeit das „Andere“ anzuerkennen, zu inkludieren und somit auch zu normalisieren (vgl. ebd.: 208).

5.3 Geschlechterbewusste Perspektiven

Theorien Sozialer Arbeit haben einen geschlechtsneutralen Charakter und die Genderdimension wurde in der bisherigen Theorieentwicklung Sozialer Arbeit wenig berücksichtigt. Beispielsweise integriert Thiersch`s Lebensweltkonzept die Kategorie Geschlecht und stellt Verknüpfungen her, dennoch wird sie nicht weiterentwickelt oder vertieft (vgl. Stecklina 2012: 108 ff.). Auch wenn die Soziale Arbeit in der Lehre die Geschlechtertheorien bezugswissenschaftlich miteinbezieht, laufen die geschlechtertheoretischen Diskurse in der Geschlechterforschung und in der Sozialarbeitswissenschaft parallel und separat voneinander. Eine stärkere Berücksichtigung der Dimension Geschlecht würde die Sichtweise professionellen Handelns erweitern. Bereits der Blick auf die ungleiche geschlechtliche Verteilung innerhalb des Personals bzw. auf den erhöhten Frauenanteil in Tätigkeitsfeldern der Sozialen Arbeit rechtfertigt den Bedarf der Hinzunahme der Kategorie Geschlecht (vgl. Ehlert 2010: 128). Obwohl Gendertheorien von Theorien Sozialer Arbeit aufgegriffen werden und in Handbüchern in Kapiteln zu Jungenarbeit, Mädchenarbeit, Geschlecht oder Gender behandelt werden, gelten sie immer noch als Spezialthema. Stattdessen sind sie jedoch als wesentliche Grundlage für die theoretische und professionsbezogene Ebene sowie für die Erfahrungen der Adressat*innen auf praktischer Ebene zu betrachten (vgl. Plößer/ Sabla 2013: 8f).

Innerhalb der Frauen- und Mädchenprojekte hat in den letzten Jahrzehnten eine Professionalisierung stattgefunden. Aufgrund der Ausdifferenzierung sind Frauen- und Mädchenprojekte nicht mehr zu einer Kategorie zuzuordnen. Dennoch bleibt der emanzipatorische Kerngedanke hinter den Angeboten bestehen (vgl. Brückner 2019: 970). Die Differenzierung führte zur institutionellen Anbindung von Mädchenprojekten in der Sozialen Arbeit und zum Aufgreifen von feministischen Themenschwerpunkten von bereits bestehenden sozialarbeiterischen Mädchenangeboten. Der defizitorientierte Blick wurde durch die ressourcenorientierte Sichtweise abgelöst, sodass die Stärken der Mädchen* im Vordergrund standen und stehen. Dabei spielt die Anerkennung der Interessen der Mädchen* in ihrer Vielfalt eine Rolle sowie das Empowerment zur Entwicklung von Stärken außerhalb der zugeordneten Geschlechtskategorie. Ein wichtiges Ziel ist außerdem das Senken des Drucks, gesellschaftlich vorgegebenen Normen entsprechen zu müssen (vgl. ebd.: 967).

Für die Durchführung von Mädchenangeboten ist von Vorteil, dass die Fachkräfte über das Frau*sein und Mädchen*sein reflektieren sowie Kenntnisse über Geschlechterverhältnisse besitzen. Zusätzlich ist es Fachkräften Sozialer Arbeit dienlich, sich den Gemeinsamkeiten und Unterschieden zwischen ihnen und den Adressat*innen bewusst zu sein. Der widersprüchliche Faktor bei der Gestaltung von Mädchenangeboten ist, dass durch den Einsatz von Zuschreibungen für ein besseres Erreichen der Zielgruppe alte und neue Typisierungen von Geschlecht reproduziert werden, wobei es ursprünglich galt, die Zuschreibungen abzubauen (vgl. Brückner 2012: 555). Beispielsweise zeigt sich bei Zusammenschlüssen von Frauennetzwerken das Dilemma zwischen der angenommenen Gemeinsamkeit einerseits und der unterschiedlichen Interessen andererseits. Aufgrund der geschlechtsspezifischen Vielfalt ist die Kategorie Geschlecht als ein weniger geeignetes Unterscheidungsmerkmal für eine Interessensgruppierung anzusehen, (vgl. Bock 2008: 876).

Weiterhin ist es von Vorteil, wenn Sozialarbeiter*innen sich ihrer eigenen Ambivalenzen bewusst sind. Die stattfindende Reflektion über eigene Vorstellungen von Geschlechtskategorien kann eine ungewollte Projektion dieser auf die Mädchen* und jungen Frauen* verhindern. Die Fachkräfte können als Vorbild für die Mädchen* fungieren, ihnen neue Zugangsmöglichkeiten eröffnen und ihnen den möglichen Umgang mit widersprüchlichen Anforderungen aufzeigen (vgl. Fleßner 2000: 89). Als Beispiel für neue Zugangsmöglichkeiten ist die Vermittlung an andere Netzwerke, an Einrichtungen und an weiterführende Angebote zu nennen,

Im Zuge der Dekonstruktion früherer Mädchenbilder entstehen veränderte und vielseitige Ideale. Infolgedessen können bei den Mädchen* Zweifel entstehen, ob sie „gut genug“ sind und ob sie den vielfältigen Erwartungshaltungen entsprechen können. Die neuen Vorstellungen der Kategorie Mädchen* haben sich von dem Bild des Opfers zu einem starken und emanzipierten Bild gewandelt. Allerdings existiert ein Zwiespalt in dem Erfahren unterschiedlicher Empfindungen, wie beispielsweise Verletzbarkeit und Stärke oder Vorsicht und Widerstandsfähigkeit. Die Vielseitigkeit der Erfahrungen der Mädchen* gelangt aber bei den alten sowie bei den neuen Vorstellungen nicht zum Ausdruck (vgl. Ehlert 2012: 102).

Der gestiegene Pluralismus in Bezug auf Rollenbilder führt bei den Mädchen* zu der Erwartung, mehreren Idealen gleichzeitig entsprechen zu müssen. Insofern kann die Vielfalt an Optionen eine überfordernde Komponente haben. Mit wachsendem Erfolgsdruck in der Kombination, keine Angst zu zeigen und in der Lage zu sein, alles bewältigen zu müssen, ist eine Angleichung weiblicher Rollenerwartungen an die männlichen Rollenerwartungen zu verzeichnen. Diese Annäherung kann als Schritt in Richtung Gleichberechtigung interpretiert werden. Trotz des Zuwachses an Privilegien lassen sich dennoch maßgebliche Unterschiede feststellen in Bezug auf den Grad der Benachteiligungen von Mädchen in Abhängigkeit zum sozialen Milieu, zur Ethnizität und zur Religionszugehörigkeit. Das heißt, dass die Lebenslagen von Mädchen* eine hohe Heterogenität aufweisen und dementsprechend verschiedene Bewältigungsstrategien angewendet werden, die durch Mädchenangebote der Sozialen Arbeit unterstützt werden sollten (vgl. Wallner 2013; 69f.). Im Zuge der sich entwickelnden Gleichberechtigung bleiben Benachteiligungen gegenüber Mädchen* verdeckter, da die geschlechtsspezifische Ungleichbehandlung weniger offensichtlich stattfindet. Trotz der hohen Schulbildung von jungen Frauen* sind die Optionen für sie auf dem Arbeitsmarkt geringer als die für junge Männer*. Werden Erfahrungen des Nichtgelingens gesammelt, empfinden und interpretieren Mädchen* und junge Frauen* dies oft als individuell verursachtes Scheitern. Aus diesem Grund ist es die Aufgabe der Mädchenarbeit, die Erlebnisse zu entindividualisieren und als strukturell bedingt hervorzuheben (vgl. Wallner 2013: 69f.). Insgesamt sollten Genderkonzepte der Sozialen Arbeit darauf abzielen, „dass Kinder und Jugendliche aufwachsen und sich entsprechend ihren Fähigkeiten und Interessen entwickeln können, ohne dabei von Genderzuschreibungen behindert zu werden“ (ebd.: 76).

Bei der Gestaltung eines Angebots gibt es verschiedene zu berücksichtigende Überlegungen. Dekonstruktivistisch gemeinte Vorgehensweisen können bei einer geschlechtskritischen Erziehung von Jungen* und Mädchen* zu neuen Zuordnungen nach Geschlecht führen (vgl. Dausien 1999: 225). Die neuen Kategorien wären allerdings freier individuell gewählt, da sie nicht mehr auf der Entscheidung zwischen zwei Dimensionen basieren. Suchen sich Teilnehmende eines Kinder- und Jugendangebots, die sich als weiblich definieren, das Zeichnen aus und die, die sich als männlich definieren, das Fußballspielen aus, besteht die Gefahr der Einschränkung des Handlungsspielraums der Adressat*innen (vgl. Landhäußer 2012: 137). Wird bei koedukativen Angeboten sozialarbeiterischer Mädchenarbeit also festgestellt, dass sich die Tätigkeiten stereotypisch aufteilen und die Reproduktion stereotyper zweigeschlechtlicher Praxen gefördert wird, könnten Fachkräfte die Besucher*innen dazu ermutigen, die jeweils andere Tätigkeit ebenso auszuprobieren. Auf diese Weise tragen Mädchenangebote zur Reduktion geschlechterbezogener Diskriminierungen bei.

In einer geschlechterbewussten Sozialen Arbeit haben die Fachkräfte eine reflexive Grundeinstellung inne und sind bezüglich der Entstehung der Kategorie Geschlecht sensibilisiert (vgl. Ehlert 2012: 107f.). Sie können bei ihren Adressant*innen sowohl erkennen, welche Handlungsstrategien ergriffen werden, um im Sinne des doing gender Konzepts feminin oder maskulin wahrgenommen zu werden, als auch Muster als konstruiert entlarven, um die Mädchen* in der Entwicklung ihrer individuellen Geschlechtsidentität zu unterstützen.

5.4 Die dekonstruktive Perspektive bei der Mädchenarbeit

Die Ergebnisse der qualitativen empirischen Studie von Micus-Loos et. al (2016) zeigen die Herausforderungen und Einschränkungen auf, die sich für junge Frauen* bei der Berufswahl aufgrund von gesellschaftlichen Normvorstellungen bezüglich Geschlechterrollen ergeben. Ein Interview bezieht sich auf die Ergebnisse des Forschungsprojekts „AN[N]O 2015 – Aktuelle normative Orientierungen, Geschlechteridentitäten und Berufswahlentscheidungen junger Frauen“. Es wird herausgearbeitet, dass eine der Interviewten, Katharina, in ihrem Freund*innenkreis als “anders“3 und „nicht der Normalität entsprechend“ eingeordnet wird, weil sie sich für den Beruf als Industriemechanikerin entschieden hat, welcher einem männlich-dominiertem Berufsfeld zugeordnet wird. Aufgrund Katharinas Wahl einer männlich-dominierten Profession, in der sie ihre Hände viel gebraucht, schenken ihre Freund*innen ihr Handcreme, sodass ihre Hände stereotyp femininer wirken. Die Geste der Freund*innen, ihr Handcreme zu schenken, stellt einen Versuch dar, Katharina an Körperpraxen zu erinnern, die dem westlichen Schönheitsideal für Frauen* entsprechen und in eine heteronormative Ordnung passen.

Die Aussage der Freund*innen in Bezug auf das Produkt Handcreme illustriert die Macht, die Normvorstellungen wie z.B. Körpernormen ausüben und verdeutlicht dessen Manifestierung auf der Ebene des Alltags (vgl. Micus-Loos/ Plößer 2020: 31). Aufgrund der diskursiv entstandenen Rollenerwartungen und Idealvorstellungen bezüglich von Körpernormen entsteht eine Belastung. An dieser Stelle setzt die dekonstruktive Perspektive an, indem sie die Normen als konstruiert aufdeckt und den Mädchen* die Last genommen wird, ihnen entsprechen zu müssen (vgl. Schrader 2014: 66).

Eine dekonstruktive Perspektive beinhaltet das Hinterfragen von Selbstverständlichkeiten, die Infragestellung der diskursiv hervorgebrachten Normen und das Aushalten von Widersprüchen. Ziel der dekonstruktiven Mädchenarbeit ist es, sich der Lebenswirklichkeit der Heranwachsenden anzunehmen und gemeinsam eine neue Zusammensetzung der Teilbereiche ihrer Lebensrealität zu wagen. So werden durch die dekonstruktive Pädagogik die Anliegen der Mädchen* multiperspektivisch aus mehreren Blickwinkeln betrachtet und neue Handlungsmöglichkeiten sowie Bedeutungszusammenhänge vermittelt (vgl. Busche et al. 2010: 13f.). Nach dem Butlerschen Verständnis werden Subjekte erst durch Sprache und dessen vorgängige symbolische Ordnungsmacht zu den Subjekten wie Mädchen* und Jungen*. Die eigene Zuordnung der Subjekte zu einer Geschlechtskategorie erfolgt mittels der Verknüpfung mit bereits bestehenden gesellschaftlichen Normvorstellungen und Rollenbildern, die wiederum durch die Medien, die Wissenschaft und durch Institutionen geformt wurden (vgl. Micos-Loos/ Plößer 2020: 29f.).

So haben sich die Mitarbeiter*innen des Projekts „tivolette Mädchen*club“ in Berlin Pankow, welches dem Träger „Kinder lernen Leben (KileLe) gGmbh angehört, bewusst für den Genderstern in dem Titel des Projekts entschieden, um den intersektionalen, feministischen und queeren Ansatz ihrer Arbeit zu verdeutlichen. Aus der Erfahrung heraus hat sich die hohe Bedeutung des bedürfnisorientierten Handelns bei der Arbeit mit den Jugendlichen herauskristallisiert. Den Adressat*innen ist es freigestellt, ob sie sich nach vorgegebenen Kategorien richten wollen, um Sicherheit zu erleben oder ob sie sich jenseits vorgegebener binärer Kategorisierungen verorten möchten, um sich auszuprobieren. Je nach Fall bedarf es zuzüglich der Besprechung im Team zudem dem Einholen von Rat von anderen Expert*innen. Außerdem hat es sich bewährt, das Konzept der Einrichtung prozessual weiterzudenken und zu entwickeln. Im Rahmen dessen wird reflektiert, welche räumliche Ressourcen für die Umsetzung der Mädchenangebote zur Verfügung stehen und auf welche Weise die Zielgruppe anzusprechen ist (vgl. Bongk/ Krug/ Prieß 2020: 54f.).

Eine dekonstruktive Perspektive in der Mädchenarbeit schließt das Wissen mit ein, dass Identitätskonstruktionen durch machtvolle körperbezogene Normvorstellungen beeinflusst werden und sie sich in alltäglichen Handlungspraxen zeigen und widerspiegeln. Des Weiteren geht es um das Wissen über die unterschiedliche Verfügbarkeit von Ressourcen, welche die Produktion von „nicht-anerkennbaren“ und „anerkennbaren“ Identitäten mitsteuern. Die dekonstruktive Perspektive kann dazu beitragen, die Einschränkung des Handlungsspielraums der Subjekte durch begrenzende Normvorstellungen zu erkennen und aufzudecken. So beschreiben die Autor*innen, dass Mädchenarbeit Raum schaffen sollte für die Bearbeitung, Hinterfragung und Verschiebung von gesellschaftlich vorgegeben Normvorstellungen, um den Adressat*innen den Aufbau alternativer Identitätskonzepte zu ermöglichen (vgl. Micus-Loos/ Plößer 2020: 33).

Resümierend lässt sich sagen, dass die Form des Einsatzes geschlechtergerechter Sprache situativ abgewogen werden kann. Das Bewusstsein über die Beteiligung an Exklusionsprozessen seitens Sozialarbeiter*innen, durch die Zuordnung zu Differenzkategorien, unterstreicht die hohe Bedeutung gendergerechter und diskriminierungsfreier Spracheverwendung. Sozialarbeiterische Fachkräfte wissen um die Vielzahl der Lebenslagen von Mädchen* und ihre geschlechterbewusste Haltung unterstützt die Mädchen* dabei, den Druck zu senken, geschlechts-spezifischen Rollenerwartungen entsprechen zu müssen. Durch die dekonstruktive Perspektive kann den jungen Frauen* vermittelt werden, dass Idealvorstellungen durch machtvolle Diskurse geformt werden, sodass das Nicht-Erreichen dieser Ideale unter einem entindividualisierten Licht betrachtet werden kann.

6 Fazit

Die Mädchenarbeit, die in ihren Anfängen besonders als Schutzraum diente, nimmt Mädchen* in ihren Hoffnungen, Wünschen und Unsicherheiten ernst, erkennt die vielfältigen Lebenslagen, erweitert Handlungsspielräume und erlaubt Mädchen*, sich jenseits von zweigeschlechtlichen Kategorien zu verorten. Trotz den Verbesserungen der Rechtslage bezüglich der Gleichberechtigung und der Zunahme an Chancen für Frauen* verdeutlicht der strukturtheoretische Blick auf die Mehrfachbelastung, durch Haus-, Familien- und Erwerbsarbeit und durch die Benachteiligung auf dem Arbeitsmarkt, die immer noch hohe Relevanz von Mädchenarbeit.

Das Verständnis der binären Kategorie Geschlecht als Dimension, die Ungleichheiten reproduziert und verfestigt, wird durch den Einbezug von Geschlechtertheorien erweitert. Während die Gender- und Queer Studies auf die Verwobenheit von heteronormativen Lebensweisen mit hegemonialen Machtverhältnissen hinweisen, veranschaulicht der interaktionstheoretische doing gender Ansatz, inwiefern Individuen ihre Geschlechtszugehörigkeit im Alltagshandeln wiederholend performativ herstellen. Eben diese Modi der Herstellung werden durch die dekonstruktivistischen Theorien aufgedeckt und hinterfragt. So macht es einen Unterschied, ob Mädchen* wissen, auf welche Art und Weise und warum gesellschaftliche Normvorstellungen an sie herangetragen werden, um daraufhin zu entscheiden, ob sie sich ihnen anpassen wollen oder nicht.

Mit zu berücksichtigen ist dabei, die wirklichkeitskonstruierende Macht von Sprache, die reziprok einerseits Denkvorstellungen von Sprecher*innen widergespiegelt und mittels derer andererseits soziale Ordnungen manifestiert werden. Indem die Genderlinguistik auf die maßgeblich einschränkenden Effekte einer männlich ausgelegten Sprache hinweist, können sich Formen gendergerechter Sprache weiterentwickeln, woraufhin die Hoffnung auf ein diskriminierungsfreies Sprachhandeln gestärkt wird. Identifizieren sich Besucher*innen von Mädchenangeboten durch den Genderstern im Titel einer Veranstaltung mit dieser, ist die jeweilige Zielgruppe angesprochen worden und eine erhöhte Anerkennung und Sichtbarkeit der Subjekte als Adressat*innen Sozialer Arbeit erreicht worden. Vor dem Hintergrund des Wissens über die machtvollen Entstehungszusammenhänge von Diskriminierungsformen bieten geschlechtergerechte Sprachhandlungen die Chance, die Mädchen* bei der Suche ihrer bevorzugten geschlechtlichen Ausdrucksform zu unterstützen.Die Bedeutung der dekonstruktiven Perspektive und der Verwendung geschlechtergerechter Sprache für die Mädchenarbeit in der Sozialen Arbeit zeigt sich im erweiterten Verständnis für die individuellen Lebenszusammenhänge der Adressat*innen, mittels des Einbezuges der Dimension Geschlecht. Durch die dekonstruktive Reflektion eigener stereotyper Vorannahmen über Geschlecht seitens sozialarbeiterischer Fachkräfte können gängige Muster hinterfragt und durchbrochen werden, sodass sie in geringerem Maße reproduziert werden. Der Mehrwert der dekonstruktiven Sichtweise und der gendergerechten Sprache liegt mitunter in der Anerkennung der Adressat*innen auf der Mikroebene und in der Minderung von geschlechtsbasierenden Ungleichheiten auf der Makroebene. Die vorliegende Arbeit verdeutlicht den Gewinn der Ergebnisse der dekonstruktiven Genderforschung und Genderlinguistik für die Mädchenarbeit.

Als ein mögliches qualitatives Forschungsprojekt bezüglich der Überprüfung der Effekte geschlechtergerechter Sprache könnte z.B. die Auswirkung auf Faktoren wie das Selbstwertgefühl der Adressat*innen untersucht werden. Auch wenn die Mädchen* und die jungen Frauen* dieses Selbstwertgefühl bereits haben, vereinfachen neue Sprachformen im Ringen um Verständnis das Zurechtfinden in einer Welt, die so anerkennend und offen ist, wie ihre Sprache es zulässt.

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1. Bezüglich der Geschlechtsklassifikation nach der Geburt untermauern humanwissenschaftliche Erkenntnisse die Infragestellung der biologischen Zweigeschlechtlichkeit. So wird das Geschlecht durch mehrere Faktoren wie den Chromosomen, den Gonosomen, den Hormonen und dem morphologischen Geschlecht bestimmt, welche nicht immer in eindeutig maskulin oder feminin einzuordnen sind (vgl. Christiansen 1995: 17-22).

2 Die Intersektionalitätsforschung analysiert die Wechselwirkungen zwischen den Ungleichheitsdimensionen wie Klasse, Ethnizität, soziale Herkunft, Geschlecht und Religionszugehörigkeit und deren Prägung durch Macht- und Herrschaftsverhältnisse (Cooper 2016).

3 Die Einordnung der Peergroup in die Kategorie „anders“ könnte mit einem Othering-Prozess verglichen werden, bei dem Individuen oder eine Gruppe auf Grund äußerer Merkmale erst anders gemacht werden, indem „die Vorstellung eines als negativ bewerteten Anderen erzeugt wird“ (Leiprecht 2018: 211).

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Details

Titel
Die dekonstruktive Perspektive in der Mädchenarbeit. Die Rolle des Faktors Sprache
Hochschule
Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen
Note
1,0
Autor
Jahr
2021
Seiten
58
Katalognummer
V1033167
ISBN (eBook)
9783346441461
ISBN (Buch)
9783346441478
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Soziale Arbeit, Gender Studies, Mädchenarbeit, Gendergerechte Sprache
Arbeit zitieren
Jana Zerche (Autor:in), 2021, Die dekonstruktive Perspektive in der Mädchenarbeit. Die Rolle des Faktors Sprache, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1033167

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