Die Ideologie - einer der umstrittensten Begriffe in der Geschichte der Wissenschaften


Referat / Aufsatz (Schule), 2001
2 Seiten, Note: 1

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Die Ideologie - einer der umstrittensten Begriffe in der Geschichte der Wissenschaften von Thomas Neiß

1) Begriffsklärung „Ideologie“

Der aus dem Griechischen stammende Begriff „Ideologos“ meint eigentlich die reine Lehre von den Ideen. Aus unserer heutigen

Sicht, die geprägt ist von historischen Betrachtungen und Auslegungen dieses Begriffes, verstehen wir unter Ideologie ein System aus weltanschaulichen (moralischen, religiösen, wirtschaftlichen, rechtlichen und pädagogischen) Überzeugungen, die insgesamt nach einer präzisen Definition verlangen. Beim Versuch einer solchen Analyse des Ideologiebegriffs stößt man aber schnell auf die Vielfalt der unterschiedlichen Auslegungsmöglichkeiten des Wortes.

2) Der Bedeutungswandel des Wortes Ideologie auf historischer Basis

a) Der Ursprung des Begriffs lag bei dem englischen Staatsmann und Philosophen Sir Francis Bacon (1561-1626). Er erwähnte das Wort Ideologie in seiner gesellschaftskritischen „Idola-Lehre“. Darin beschäftigte sich der Philosoph mit dem „Idol“(von griechisch eidolon = Trugbild, Götzenbild) und baute es zu einer philosophischen Lehre von den Vorurteilen aus. In diesem Konzept unterschied Bacon zwischen:

1. idola tribus: Vorurteile des menschlichen Stammes, die in der menschlichen Natur liegen
2. idola specus: Vorurteile der Höhle, die in der Individualität des Einzelnen liegen (subjektive Wünsche)
3. idola fori: Vorurteile des Marktes, soziale Vorurteile, die bei der Anwendung der Sprache als Instrument der Erkenntnis und nicht der reinen Informationsweitergabe entstehen
4. idola theatri: Vorurteile des Theaters, vorgegaukelte Anschauungen, die meist von einer Autorität vorgegeben werden

Diese erste Analyse des Ideologiebegriffs behielt bis ins Ende des 18.Jahrhunderts ihre Gültigkeit.

b) Gegen Ende des 18.Jahrhunderts begründete der französische Philosoph Antoine

Destutt de Tracy eine sensualistische (Sensualismus: Die Sinneswahrnehmung als einzige Erkenntnisquelle), philosophische Richtung, die er selbst als „Ideologie“ bezeichnete. Durch genaue und systematische Kenntnis der Ideen, der psychischen und physiologischen Wahrnehmungen der Welt, wollte de Tracy so ein praxisorientiertes Regelwerk für Ethik, Politik und Erziehung erstellen.

c) Der französische Feldherr, Diktator und Eroberer Napoleon I. Bonaparte (1769-1821) gründete seine Erfolge als Kaiser der Franzosen auch auf die neue Bedeutungsgebung der Ideologie. Er ließ sie zu einer umgangssprachlichen Redewendung werden und sorgte dafür, dass der Begriff Ideologie nicht mehr allein als neutrale Bezeichnung für die Wissenschaft von der Entstehung und Entwicklung geistesgeschichtlicher Ideen verstanden wurde, sondern fortan auch das National- und Identitätsgefühl der Franzosen mitbestimmte.

d) 1845/1846 verfasste Karl Marx (1818-1883), der deutsche Sozialökonom und

Begründer des wissenschaftlichen Sozialismus, mit dem Titel: „Die deutsche Ideologie“, ein Werk, das man als Hauptwerk der Ideologieinterpretation sehen kann. Hierin entwarf er das Bild eines Staates, der in unterschiedliche Klassen und Schichten unterteilt ist, die jede für sich ihre ureigenen Interessen durchsetzen will. Zum ersten Mal wird in Marx´Werk der Begriff „Ideologe“ als Denker einer Klasse erwähnt, der theoretisch das Interesse seines Standes vertritt. So lieferte Karl Marx gemeinsam mit Friedrich Engels die Grundlage für sein System des Marxismus und Kommunismus.

3) Auswirkungen einer als einzigen Wahrheit verstandenen Ideologie

In der Geschichte der Menschheit hat es immer wieder radikale und menschenverachtende Ideologien gegeben, die in den meisten Fällen in der Katastrophe ihr Ende fanden. Zu nennen sind hier insbesondere der Faschismus, der in Deutschland in seiner spezifischen Ausformung des Nationalsozialismus millionenfache Todesopfer forderte und der Kommunismus. Diese beiden großen Ideologien waren prägend für das gesamte 20.Jahrhundert. Infolge der erfahrenen Geschichte hat sich im heutigen Sprachgebrauch der Begriff Ideologie als Bezeichnung für das gesamte Denk-, Wertungs- und Normensystem einer Gesellschaftsgruppe durchgesetzt. Im besonderen steht der Begriff aber auch für weltfremde Dogmatismen und enge, einseitige Weltkonzepte, die alle gesellschaftlichen Konflikte auf einen einfach erscheinenden Nenner bringen und den richtigen Lösungsweg zu haben vorgeben. So spricht man von einer „Ideologisierung“, wenn man die Ebene kritischer Objektivität verlässt und stattdessen einem realitätsfernen Wert- und Wahrheitsmaßstab folgt. Im Grunde geht es also für uns heute darum, nicht einfach allem zu glauben, was uns durch Medien und subjektive Ansichten suggeriert werden soll. Viel wichtiger ist es, dass wir hinter die Kulissen unserer Gesellschaft blicken und uns nicht von einer einzigen Wahrnehmung täuschen lassen.

Quellen:

1) Kleines Philosophisches Wörterbuch (Hrsg: Max Müller, Alois Halder, Verlag Herder 1971)

2) Ideologie.Eine Geschichte der Entstehung des gesellschaftskritischen Begriffs (Autor: Hyondok Choe, Verlag Peter Lang 1997)

3) Microsoft Encarta 2001

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Details

Titel
Die Ideologie - einer der umstrittensten Begriffe in der Geschichte der Wissenschaften
Veranstaltung
Deutsch-Unterricht
Note
1
Autor
Jahr
2001
Seiten
2
Katalognummer
V103319
Dateigröße
341 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Eine Begriffsklärung des Wortes "Ideologie".
Schlagworte
Ideologie, Begriffe, Geschichte, Wissenschaften, Deutsch-Unterricht
Arbeit zitieren
Thomas Neiß (Autor), 2001, Die Ideologie - einer der umstrittensten Begriffe in der Geschichte der Wissenschaften, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/103319

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