Im Verlauf dieser Hausarbeit werden folgende Fragen beleuchtet: Wie kann es gelingen, dass Lehrende sich besser in die Gedankenwelt der SchülerInnen versetzen können? Welche Gestaltungsmöglichkeiten gibt es, die dabei helfen, dass die Schüler ihre Kompetenzen und Möglichkeiten bestmöglich entfalten können? Wie kann das vermittelte Wissen maximal gewinnbringend für die SchülerInnen im beruflichen und privaten Alltag sein? Wie können die Ansätze des Konstruktivismus dabei hilfreich sein?
Dazu soll zunächst der Konstruktivismus beschrieben werden. Im Anschluss daran wird auf den historischen Kontext und auf eine Auswahl bedeutender Persönlichkeiten des Konstruktivismus eingegangen. Danach wird der erwachsenenpädagogische Konstruktivismus in den gesellschaftlichen Kontext eingeordnet, um abschließend die Konsequenzen aus dem Konstruktivismus für eine Lehr-Lernsituation am Beispiel der Berufsschule zu beleuchten
Als oberstes Ziel der Didaktik definiert Siebert, Menschen zu motivieren, sich lernend mit sich und ihrer Umwelt zu befassen. Es wird impliziert, dass die Didaktik die Voraussetzung des erkenntnistheoretischen Realismus enthält, nämlich, dass der Mensch in der Lage ist, die Wirklichkeit so zu begreifen, wie sie tatsächlich ist. Dieses Modell wird von der konstruktivistischen Theorie angezweifelt und durch die Annahme ersetzt, dass die Kognition eine jeweils individuelle Wirklichkeit erzeugt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Konstruktivismus im historischen und gesellschaftlichen Kontext
2.1. Definition und Inhalte des Konstruktivismus
2.2. Historischer Kontext und bedeutende Persönlichkeiten des Konstruktivismus
2.3. Gesellschaftlicher Kontext des erwachsenenpädagogischen Konstruktivismus
3. Konsequenzen aus dem erwachsenenpädagogischen Konstruktivismus am Beispiel von Berufsschulunterricht
4. Schlussteil
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die theoretischen Grundlagen des Konstruktivismus sowie dessen Anwendungsmöglichkeiten in der Erwachsenenbildung. Dabei wird insbesondere der Frage nachgegangen, wie konstruktivistische Prinzipien dazu beitragen können, den Berufsschulunterricht effektiver zu gestalten und die individuelle Lernkompetenz der Schülerinnen und Schüler zu fördern.
- Grundlagen und Definition des Konstruktivismus
- Historischer Kontext und einflussreiche Theoretiker (u.a. Kant, Kelly, Maturana)
- Gesellschaftlicher Wandel und die Bedeutung des Lebenslangen Lernens
- Methodische Konsequenzen für eine ermöglichungsorientierte Didaktik
- Praktische Umsetzung in Berufsschul-Lernszenarien
Auszug aus dem Buch
2.1. Definition und Inhalte des Konstruktivismus
Der Konstruktivismus stellt die Frage, in welcher Beziehung die menschliche Erkenntnis zur Wirklichkeit steht (Siebert, 2011, S. 86). Die konstruktivistische Metatheorie geht davon aus, dass der Mensch nur über einen mittelbaren Zugang zur Realität verfügt und er sich diese deshalb autopoietisch, also selbstreferenziell, innerhalb seines kognitiven Systems konstruiert und sie interpretiert (Arnold/ Nolda/ Nuissl, 2010). Die Außenwelt ist uns nur durch unsere kognitiven Fähigkeiten zugänglich. Die Erkenntnis selbst ist durch unser mentales System „strukturdeterminiert“. Somit ist sie subjektiv und auch nicht auf die reine Wahrheit ausgerichtet, sondern auf Viabilität. Viabilität meint die Passung und die Zweckmäßigkeit der Wahrnehmung für lebensdienliche Handlungen. Dies macht sie sowohl selektiv als auch ökonomisch und situativ sinnvoll (Siebert, 2011, S. 86–87). Viabilität gewährleistet das Überleben des Systems, auf das die Wahrnehmung trifft (Siebert, 2014, S. 30). Unser mentales System ist dabei biografisch geprägt wie kein zweites. Es hat eine eigene Historie, die dadurch entstanden ist, dass der Mensch sie erlebt hat. Das Leben als solches ist somit ein Prozess, durch den Erkenntnis entsteht (Siebert, 1998, S. 16).
Beim Übertragen dieser Anschauung auf den Begriff des Lernens lässt sich ableiten, dass auch das Lernen keine Wiedergabe des Gelehrten ist, sondern eine Einbindung des Gelehrten in vorhandene Muster durch Akkommodation und Assimilation. Akkommodation meint dabei die Integration neuer Situationen in vorhandene Deutungsschemata und ist somit ein bestätigender Vorgang, wohingegen bei der Assimilation der Deutungsrahmen durchbrochen und erweitert wird, wenn er nicht mehr ausreicht (Siebert, 1998, S. 37–38). Lernen und Erkenntnis stehen dabei in einem zirkulären Prozess, indem sie sich gegenseitig bedingen und aufeinander einwirken (Siebert, 1998, S. 17). Eine neue Einwirkung auf das System wird so lange als Störung (Pertubation) empfunden bis ein Gleichgewicht zwischen den bereits vorhandenen Deutungsmustern und dem neuen Einfluss hergestellt werden kann (Arnold/ Nolda/ Nuissl, 2010, S. 173).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Autorin begründet das Interesse am Konstruktivismus durch eigene Praxiserfahrungen und formuliert die Forschungsfrage zur besseren Gestaltung von Lernprozessen in der Berufsschule.
2. Der Konstruktivismus im historischen und gesellschaftlichen Kontext: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Definitionen, stellt zentrale Vordenker vor und beleuchtet die gesellschaftliche Relevanz des lebenslangen Lernens.
2.1. Definition und Inhalte des Konstruktivismus: Hier werden die Kernbegriffe wie Viabilität, autopoietische Systeme sowie Akkommodation und Assimilation als Grundlage für Erkenntnis und Lernen definiert.
2.2. Historischer Kontext und bedeutende Persönlichkeiten des Konstruktivismus: Es wird ein Abriss der ideengeschichtlichen Wurzeln gegeben, wobei Immanuel Kant, George Kelly und Humberto Maturana als prägende Figuren hervorgehoben werden.
2.3. Gesellschaftlicher Kontext des erwachsenenpädagogischen Konstruktivismus: Dieses Kapitel verknüpft bildungspolitische Entwicklungen mit dem pädagogischen Leitkonzept des lebenslangen Lernens und der zunehmenden Individualisierung.
3. Konsequenzen aus dem erwachsenenpädagogischen Konstruktivismus am Beispiel von Berufsschulunterricht: Der theoretische Rahmen wird in konkrete Handlungsempfehlungen für Lehrende übertragen, um Lernumgebungen passgenau und zielorientiert zu gestalten.
4. Schlussteil: Die wesentlichen Erkenntnisse der Arbeit werden zusammengefasst und offene Fragen bezüglich der praktischen Umsetzbarkeit in starren Lehrplänen kritisch reflektiert.
Schlüsselwörter
Konstruktivismus, Erwachsenenbildung, Berufsschulunterricht, Viabilität, Ermöglichungsdidaktik, Lebenslanges Lernen, Erkenntnistheorie, Autopoiese, Wissensaneignung, Identitätsfindung, Lernberatung, Didaktik, Selbstorganisation, Individuelle Förderung, Lernumgebung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Übertragung konstruktivistischer Theorien auf die praktische Erwachsenenbildung, insbesondere im schulischen Bereich der Berufsausbildung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten zählen die Erkenntnistheorie des Konstruktivismus, der historische Wandel der Erwachsenenbildung sowie die didaktische Gestaltung von Lernprozessen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie Lehrende durch konstruktivistische Ansätze eine lernförderliche Umgebung schaffen können, die den Transfer von Wissen in die berufliche Praxis unterstützt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Literaturanalyse, um den erwachsenenpädagogischen Konstruktivismus einzuordnen und daraus praktische Konsequenzen für den Berufsalltag abzuleiten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden neben den theoretischen Definitionen auch historische Vordenker analysiert und die Anwendung auf konkrete Lernszenarien im Berufsschulunterricht diskutiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind neben Konstruktivismus insbesondere Viabilität, Ermöglichungsdidaktik, Lebenslanges Lernen und die Rolle der Lehrkraft als Lernberaterin.
Wie unterscheidet sich die Rolle der Lehrkraft laut dieser Arbeit von traditionellen Konzepten?
Der Konstruktivismus sieht die Lehrkraft nicht als Wissensvermittler, sondern als Prozessbegleiter, der Rahmenbedingungen schafft, in denen Lernende ihr Wissen autopoietisch selbst konstruieren können.
Welche Bedeutung hat das Konzept der Viabilität für den Unterricht?
Viabilität bedeutet, dass Lehrinhalte an die vorhandenen Deutungsmuster der Lernenden anknüpfen müssen, um für den Einzelnen als nützlich und anschlussfähig empfunden zu werden.
Warum wird die Förderung der Selbstorganisation besonders betont?
Da Wissen im konstruktivistischen Sinne nicht einfach übertragen werden kann, ist die Fähigkeit des Lernenden, den eigenen Wissenserwerb zu steuern, eine Schlüsselqualifikation für die moderne Wissensgesellschaft.
Was ist die kritische Schlussfolgerung bezüglich der Praxis?
Die Arbeit erkennt an, dass eine vollständige Umsetzung konstruktivistischer Ansätze an strukturelle Hürden wie zeitlich eng getaktete Lehrpläne stoßen kann.
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- Anonym (Author), 2020, Der erwachsenenpädagogische Konstruktivismus und seine Konsequenzen für die Erwachsenenbildung am Beispiel von Berufsschulunterricht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1033438