Das Ziel der Studie ist die Erarbeitung einer Methodik, die Einsatz und Anwendung von Ökobilanzierung und Lebenszykluskostenbetrachtung bei der Vergabe von Tiefbaumaßnahmen berücksichtigt. Lebenszykluskosten (LZK) sind inzwischen ein wichtiges Kriterium bei der Konzeption, Planung, Errichtung und dem Betrieb von Bauwerken. Die Richtlinie 2014/24/EU des Europäischen Parlaments und des Rates über die öffentliche Auftragsvergabe (Artikel 67 und Artikel 68) sieht grundsätzlich die Einbeziehung der gesamten LZK als Entscheidungskriterium bei der Vergabe von Bauaufträgen vor. Der deutsche Gesetzgeber war gehalten, diese Neuerungen umzusetzen und für alle Vergaben von Bauaufträgen anzuwenden. Somit sieht die VOB/A - Abschnitt 2 vor, die LZK bei der Vergabe von Bauaufträgen einzubeziehen.
Während für den Hochbau bestimmte Kriterien und Zertifizierungen in der Praxis bereits Anwendung finden, besteht im Tiefbau diesbezüglich noch großer Handlungsbedarf. Dabei leistet der Tiefbau einen enormen Beitrag für die öffentliche Infrastruktur und die öffentliche Daseinsvorsorge. Anhand der nicht unerheblichen Bedeutung von Tiefbaumaßnamen und dessen Vergabe durch öffentliche Auftraggeber, sollte daher ein viel stärkerer Fokus auf deren Nachhaltigkeit und Effizienz, ähnlich wie beim Hochbau gelegt werden. Die Einbeziehung von Ökobilanzierung und Lebenszykluskosten bei Tiefbaumaßnahmen können hier immense Vorteile bringen und eine umweltschonende und wirtschaftliche Planung über den gesamten Lebenszyklus gewährleisten.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung und Problemstellung
1.1 Einführung in das Thema der Arbeit
1.2 Zielsetzung, Methodik und Aufbau der Arbeit
2 Rechtliche Rahmenbedingungen und Begriffsbestimmungen
2.1 Öffentliche Auftragsvergabe
2.2 Ökobilanz (LCA)
2.3 Lebenszykluskosten (LZK) / Life Cycle Costs (LCC)
2.4 Tiefbau und Tiefbaumaßnahmen
3 Entwicklung einer Methodik
3.1 Spezifikationen des Tiefbaus
3.2 Lebensdauer von Komponenten
3.3 Vorteile der bauteilorientierten LZK-Betrachtung
3.4 Methodik zur Einbindung von LZK und Ökobilanzierung
4 Praxiseinsatz der entwickelten Methodik
4.1 Beschreibung der Tiefbaumaßnahme und der Angebote
4.2 Anwendung der Methodik
5 Zusammenfassung und Ausblick
Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Ziel dieser Masterarbeit ist die Entwicklung einer methodischen Grundlage, um Umweltaspekte (Ökobilanz) sowie langfristige Wirtschaftlichkeitsaspekte (Lebenszykluskosten) systematisch in den Vergabeprozess von öffentlichen Tiefbaumaßnahmen zu integrieren. Die Arbeit adressiert dabei das Defizit, dass im Gegensatz zum Hochbau für den Infrastruktursektor bisher keine vergleichbaren standardisierten Ansätze zur nachhaltigen Entscheidungsfindung bei Ausschreibungen existieren.
- Analyse der rechtlichen Rahmenbedingungen für die öffentliche Auftragsvergabe unter Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien.
- Untersuchung der theoretischen Grundlagen von Ökobilanzierung (LCA) und Lebenszykluskostenrechnung (LCC).
- Systematisierung der Besonderheiten von Tiefbaumaßnahmen und deren spezifische Anforderungen an die Lebenszyklusbetrachtung.
- Praktische Erprobung der entwickelten Methodik anhand einer beispielhaften Kanalsanierung.
Auszug aus dem Buch
3.1 Spezifikationen des Tiefbaus
Hochbau, ist ein Teilgebiet des Bauwesens, das sich maßgeblich mit Bauwerken beschäftigt, die überwiegend oberhalb der Erdoberfläche liegen. Insbesondere im öffentlichen Sektor stellen diese Bauwerke einen wesentlichen Teil der Infrastruktur dar, wie zum Beispiel:
- Sozialer Wohnungsbau,
- Verwaltungsgebäude,
- Kindertagesstätten,
- Sportstätten,
- etc.70
Diese sind durch wechselhafte Nutzeransprüche geprägt. Es besteht eine Vielfalt von Nutzeranforderungen durch den Wechsel von Nutzern:
- architektonische Ästhetik (z.B. Raumgeometrie, Farbgebung, etc.)
- Lärmschutz
- Objektstandorte
- etc.
Durch die o.a. wechselhaften Nutzeransprüche entsteht ein Nutzerwettbewerb, der ein immer stärker werdendes ökonomisches Handeln erfordert, beispielweise aufgrund von Attraktivitätssteigerungen durch Berücksichtigung energetischer Maßnahmen bei Wohnungen.
Bauwerke benötigen eine hohe Nutzungsdauer, wobei Lebenszykluskosten hierbei Bestandteil von Wettbewerbsqualitäten darstellen.
Es wird unterschieden zwischen einer technischen und einer wirtschaftlichen Lebensdauer.
Unter der technischen Lebensdauer versteht man den Zeitraum zwischen der Errichtung und dem Ausfall des Bauteils. Sie bildet eine Obergrenze für die Haltbarkeit. Kann ein Bauteil seine Funktion nicht mehr erfüllen, so ist diese Obergrenze erreicht und das Bauteil muss i.d.R. ausgetauscht werden.71
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung und Problemstellung: Dieses Kapitel führt in die Relevanz des nachhaltigen öffentlichen Bauens ein und formuliert das Ziel der Arbeit, eine Methodik zur Einbindung von Ökobilanz und Lebenszykluskosten im Tiefbau zu entwickeln.
2 Rechtliche Rahmenbedingungen und Begriffsbestimmungen: Hier werden die gesetzlichen Grundlagen der öffentlichen Auftragsvergabe (u.a. VgV, VOB/A) sowie zentrale Fachbegriffe der Ökobilanzierung und der Lebenszykluskostenrechnung erläutert.
3 Entwicklung einer Methodik: Dieses Kapitel erarbeitet den theoretischen Leitfaden, indem es Tiefbauspezifika analysiert, Lebensdauern von Komponenten betrachtet und einen strukturierten Prozess zur Einbindung der Nachhaltigkeitskriterien definiert.
4 Praxiseinsatz der entwickelten Methodik: Hier wird der entwickelte methodische Ansatz an einem konkreten Beispiel der Erneuerung eines Mischwasserkanals angewandt, um die Funktionalität bei der Angebotsbewertung zu demonstrieren.
5 Zusammenfassung und Ausblick: Die Arbeit schließt mit einer Rekapitulation der Ergebnisse und einem Ausblick auf die Notwendigkeit, zukünftig standardisierte Tools und Gütesiegel für KMU im Tiefbau zu etablieren.
Schlüsselwörter
Ökobilanz, Lebenszykluskosten, LCC, LCA, Tiefbau, öffentliche Auftragsvergabe, Nachhaltigkeit, VOB, Vergabeverfahren, Infrastrukturmanagement, Baukosten, Nutzungsdauer, Umwelteinwirkungen, Bauteilorientierung, Nachhaltiges Bauen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Integration von ökologischen und ökonomischen Kriterien in die Vergabe von öffentlichen Tiefbauaufträgen, um über den gesamten Lebenszyklus nachhaltigere Entscheidungen zu ermöglichen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind das öffentliche Vergaberecht, die Ökobilanzierung (LCA) nach DIN EN ISO 14040, die Lebenszykluskostenrechnung (LCC) nach DIN 276/18960 sowie deren spezifische Anwendung im Tiefbau.
Was ist das primäre Ziel der Studie?
Das primäre Ziel ist die Entwicklung einer praxistauglichen Methodik, die Auftraggebern und Auftragnehmern als Leitfaden dient, um Nachhaltigkeitskriterien bei Tiefbaumaßnahmen messbar und vergleichbar zu machen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird ein systematischer, methodischer Ansatz gewählt, der auf einer Literaturanalyse der rechtlichen und technischen Grundlagen basiert und durch eine Fallstudie (Praxiseinsatz) validiert wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Aufarbeitung der theoretischen Grundlagen und die anschließende Entwicklung eines Ablaufschemas zur Integration von Ökobilanz und Lebenszykluskosten in den Vergabeprozess.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Ökobilanz, Lebenszykluskosten (LCC), Vergabeverfahren und Tiefbau.
Warum ist eine bauteilorientierte Betrachtung im Tiefbau sinnvoll?
Da Bauwerke aus zahlreichen Einzelkomponenten bestehen, ermöglicht eine bauteilorientierte Sichtweise eine präzisere Analyse von Betriebskosten, Instandsetzungsintervallen und spezifischen Umweltauswirkungen.
Wie unterscheidet sich der Tiefbau vom Hochbau in diesem Kontext?
Im Gegensatz zum Hochbau, der von wechselhaften Nutzeransprüchen geprägt ist, stehen im Tiefbau die öffentliche Daseinsvorsorge, sehr lange Nutzungsdauern und oft unterirdisch verlegte Netzstrukturen im Vordergrund.
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- Klaus Michael Gottfreund (Author), 2019, Ökobilanzen im Tiefbau. Eine Methodik zur Berücksichtigung der Lebenszykluskosten bei der Bauvergabe, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1033450