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Der Erkenntnisprozess des Ödipus bei Seneca und Sophokles. Vergleich von Dramaturgie und Motiven

Title: Der Erkenntnisprozess des Ödipus bei Seneca und Sophokles. Vergleich von Dramaturgie und Motiven

Master's Thesis , 2019 , 56 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Christian Krieger (Author)

Latin philology - Literature
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Diese Masterarbeit untersucht und vergleicht die Verarbeitung des Sagenstoffs um Ödipus bei Sophokles und Seneca hinsichtlich der Frage, inwiefern der Erkenntnisprozess des Ödipus ausgestaltet worden ist. Aristoteles lobt an der sophokleischen Ödipustragödie unter anderem das Zusammentreffen des Umschwungs der Handlung vom Glück ins Unglück und der Wiedererkennung. Das Ziel dieser Untersuchung ist es, die beiden Tragödien hinsichtlich der Komposition von Peripetie und Anagnorisis zu vergleichen, um die jeweilige Gestaltung des Erkenntnisprozesses bewerten zu können.

Relevant sind deshalb vor allem folgende Fragen: Welche grundsätzlichen strukturellen Gemeinsamkeiten und Unterschiede bestehen zwischen der griechischen und der römischen Fassung? Durch welche Motive wird die Dramaturgie entwickelt? Wie konstruieren die beiden Autoren jeweils die Peripetie und Anagnorisis? Welche Rolle spielt dabei die Charakterzeichnung des Ödipus?

Um Antworten auf die gestellten Fragen zu finden, unterteilt sich die Untersuchung in zwei große Abschnitte. Im ersten Abschnitt wird bis zur Jokasteszene die Dramaturgie in beiden Tragödien miteinander verglichen, um eine Grundlage zur Bewertung von Peripetie und Anagnorisis im Zusammenhang der gesamten Tragödie herzustellen. Da sich die Arbeit auf die Fassung Senecas konzentriert, wird zunächst der jeweilige Abschnitt der römischen Tragödie sprachlich und strukturell untersucht, woraufhin jeweils der Vergleich mit der griechischen Fassung folgt.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Dramaturgie und Motive des ersten Dramenteils

2.1 Der Prolog

2.1.1 Der Prolog bei Seneca

2.1.2 Der Prolog bei Sophokles

2.2 Der Orakelspruch

2.2.1 Der Orakelspruch bei Seneca

2.2.2 Der Orakelspruch bei Sophokles

2.3 Die Fluchrede

2.3.1 Die Fluchrede bei Seneca

2.3.2 Die Fluchrede bei Sophokles

2.4 Die Tatortbeschreibung und der Auftritt des Sehers

2.4.1 Die Tatortbeschreibung und der Auftritt des Sehers bei Seneca

2.4.2 Der Auftritt des Sehers bei Sophokles

2.5 Das Streitgespräch mit Kreon in beiden Fassungen

3. Der Weg zum Höhepunkt der Anagnorisis und die Peripetie

3.1 Merkmale einer guten Tragödie nach Aristoteles

3.2 Die Jokasteszene

3.3 Die Boten- und Hirtenszene

3.4 Peripetie und Anagnorisis bei Seneca und Sophokles

4. Fazit

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht den Erkenntnisprozess des Ödipus in den Tragödien von Seneca und Sophokles, wobei der Fokus auf der kompositionellen Gestaltung von Peripetie und Anagnorisis liegt, um strukturelle Gemeinsamkeiten und Unterschiede sowie die Rolle der Charakterzeichnung zu bewerten.

  • Strukturelle Vergleiche der griechischen und römischen Tragödienfassung
  • Entwicklung der Dramaturgie durch zentrale Motive
  • Konstruktion von Peripetie und Anagnorisis durch beide Autoren
  • Einfluss der Charakterzeichnung des Ödipus auf den Erkenntnisverlauf

Auszug aus dem Buch

2.1.1 Der Prolog bei Seneca

Im ersten Akt der Tragödie Senecas (V. 1-109) werden einige auffällige Motive eingeführt, die für den weiteren Verlauf des Stücks und damit für das Verständnis des Erkenntnisprozesses des Ödipus relevant sind. Im Folgenden wird zunächst versucht, diese Motive zu identifizieren und sprachlich zu belegen. Anschließend folgt ein Vergleich mit der sophokleischen Fassung.

Das sprachlich dominanteste Motiv ist die Furcht des Ödipus: Der erste Teil des Monologs des thebanischen Königs ist geprägt von Ausdrücken der Angst (V. 13 curis solutus; intrepidus V. 15 timeo V. 22 timor V. 26 metuas V. 27 expavesco). Ödipus’ Beschreibung seines positiven inneren Zustandes, bevor er nach Theben kam, verdeutlicht gleichzeitig durch ihren abgrenzenden Charakter die aktuelle Gefühlslage. Das Furchtmotiv ist eng verbunden mit einem weiteren Motiv, nämlich dem der Schuld an den prophezeiten Verbrechen und am Leid der Stadt Theben (V. 17 scelus V. 18 nefas V. 34 Phoebi reus V. 35 sceleribus tantis): Von Anfang an ist sich Ödipus des Orakelspruchs bewusst, dass er seinen Vater töten und seine Mutter heiraten werde (V. 15-22). Anhand der sprachlichen Gestaltung wird bereits hier deutlich, dass der Inzest als deutlich schlimmer gewertet wird als der Vatermord, was im weiteren Verlauf des Stücks immer wieder aufgegriffen wird (V. 15 […] ne mea genitor manu / perimatur V. 17 […] maius […] scelus V. 18 est maius aliquod […] nefas? V. 20f. thalamos parentis Phoebus et diros toros / gnato minatur […]).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in den Ödipus-Stoff und die Rezeption durch Sophokles und Seneca unter Berücksichtigung aristotelischer Tragödienkriterien.

2. Dramaturgie und Motive des ersten Dramenteils: Analyse der einleitenden Szenen inklusive Prolog, Orakelspruch, Fluchrede und Tatortbeschreibung im Vergleich beider Autoren.

3. Der Weg zum Höhepunkt der Anagnorisis und die Peripetie: Untersuchung der entscheidenden Szenen wie der Jokasteszene und der Boten-/Hirtenszene zur Ausarbeitung des Erkenntnisprozesses.

4. Fazit: Zusammenfassende Beantwortung der Forschungsfragen und Synthese der Untersuchungsergebnisse.

Schlüsselwörter

Ödipus, Seneca, Sophokles, Erkenntnisprozess, Tragödie, Peripetie, Anagnorisis, Dramaturgie, fatum, Schuld, Inzest, Vatermord, Vergleich, griechische Antike, römische Antike

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Masterarbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert und vergleicht den Prozess der Selbsterkenntnis des Ödipus in der lateinischen Fassung von Seneca und der griechischen Vorlage von Sophokles.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zentrale Themen sind die dramaturgische Entwicklung, der Umgang mit Motiven wie Furcht und Schuld, die Rolle des Schicksals (fatum) sowie die Unterschiede in der Charakterisierung des Ödipus.

Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, die Komposition der beiden Tragödien hinsichtlich der Peripetie und Anagnorisis zu vergleichen, um die Gestaltung des Erkenntnisprozesses des Ödipus bewerten zu können.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine vergleichende sprachlich-strukturelle Analyse der beiden Tragödien durchgeführt, unter Einbeziehung textkritischer Editionen und einschlägiger Forschungsliteratur.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine Analyse der Dramaturgie und Motive des ersten Dramenteils sowie den Weg zum Höhepunkt der Anagnorisis und Peripetie, jeweils getrennt nach Kapiteln für die einzelnen Szenen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Begriffe umfassen Ödipus, Seneca, Sophokles, Erkenntnisprozess, Tragödie, Peripetie, Anagnorisis, fatum und Schuld.

Warum spielt das Furchtmotiv bei Seneca eine so große Rolle im Vergleich zu Sophokles?

Bei Seneca ist Ödipus bereits zu Beginn des Stücks von der Furcht vor dem Orakelspruch geprägt, was sein gesamtes Handeln und Denken bestimmt und den dramatischen Aufbau grundlegend von der sophokleischen Fassung unterscheidet.

Welchen Einfluss hat die „Raffung“ der Szenen bei Seneca auf die Dramaturgie?

Seneca nutzt die Raffung, insbesondere bei den Verhören, um ein hohes Tempo und eine stufenweise Steigerung der dramatischen Spannung zu erzeugen, die sich von der ausführlicheren Darstellung bei Sophokles abhebt.

Wie unterscheidet sich die Rolle des Sehers in beiden Werken?

Während der Seher bei Sophokles eine starke Persönlichkeit mit Wissen um das Göttliche darstellt, ist er bei Seneca eher als schwacher Greis gezeichnet, der auf die Unterstützung der Manto angewiesen ist.

Welche Bedeutung kommt dem Motiv des Inzests in Senecas Tragödie zu?

Seneca gewichtet den Inzest deutlich stärker als das schlimmere Verbrechen gegenüber dem Vatermord, was zentral für die Erkenntnisentwicklung und die emotionale Färbung der Tragödie ist.

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Details

Title
Der Erkenntnisprozess des Ödipus bei Seneca und Sophokles. Vergleich von Dramaturgie und Motiven
College
University of Bonn
Grade
1,3
Author
Christian Krieger (Author)
Publication Year
2019
Pages
56
Catalog Number
V1033457
ISBN (eBook)
9783346443625
ISBN (Book)
9783346443632
Language
German
Tags
erkenntnisprozess ödipus seneca sophokles vergleich dramaturgie motiven
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Christian Krieger (Author), 2019, Der Erkenntnisprozess des Ödipus bei Seneca und Sophokles. Vergleich von Dramaturgie und Motiven, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1033457
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