In diesem Essay erfolgt die Auseinandersetzung mit dem Begriff Tyrann im Rückblick auf die Antike. Auf Grundlage Sophokles Antigone soll das Machtverhalten Kreons betrachtet werden. War er seiner Macht verfallen und nutzte er seine Herrschaft aus? Beachtete er den Willen der Götter und nahm er sein Volk in menschlichen Belangen ernst?
In der Antike versteht man unter dem Begriff Tyrann einen Herrscher, der absolut alleine regiert. Zur damaligen Zeit ist dies zwar ein vorwiegend neutraler, politischer Begriff, jedoch enthält dieser auch eine negative Betrachtungsweise. Aus heutiger Sicht würde sein Verhalten etliche Debatten und Widerstandsbewegungen auslösen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung und Begriffsklärung des Tyrannen
2. Kreons Herrschaftsverständnis und das Bestattungsverbot
3. Konfliktpotenzial und das Vater-Sohn-Verhältnis
4. Die Rolle des Sehers Teiresias und die Peripetie
5. Fazit und Reflexion der Machtausübung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Machtverhalten von Kreon in Sophokles' „Antigone“ und analysiert kritisch, ob sein Handeln als tyrannisch zu bewerten ist, indem sie den Spannungsfeld zwischen weltlichen Gesetzen und göttlichem Willen beleuchtet.
- Analyse des Herrschaftsstils Kreons im antiken Kontext
- Gegenüberstellung von staatlichem Recht und göttlichen Gesetzen
- Untersuchung des Konflikts zwischen Kreon und Antigone
- Die Bedeutung des Vater-Sohn-Verhältnisses für die Machtdarstellung
- Der Einfluss von Teiresias als Wendepunkt (Peripetie) der Handlung
Auszug aus dem Buch
Die Ambivalenz der Macht in Theben
Kreon, Herrscher Thebens, erlaubt es Antigone nicht, ihren Bruder Polyneikes zu bestatten. Das Bestattungsverbot soll als Strafe dienen, da Polyneikes als Feind der Stadt angesehen wird. Trotz des Verbotes handelt Antigone laut Bossinade als Gesetzesbrecherin, um ihrem Bruder diese letzte Ehre des Familienrechtes zu erweisen. Kreon lässt sie festnehmen, gestehen und verurteilt sie zum Tode.
Bei einer möglichen Beschreibung Kreons denkt man an stur, stark, entschlossen, prinzipientreu, aufbrausend, zornig und kritikunfähig. Kreon als weltlicher Herrscher regiert die Stadt Theben. Dabei stellt er sein weltliches Gesetz vor das der Götter. Es ist fragwürdig, ob dieses Verhalten positiv oder negativ gewichtet ist. Es bleibt festzuhalten, dass Kreon mit aller Macht seine Gesetze und Vorstellungen zum Wohle eines zufrieden geführten Volkes durchbringen will und dabei die Götter mit ihren Ansichten vorerst ignoriert.
Bereits in seinen ersten Worten – der feierlichen Rede zur Thronbesteigung – ist zu erkennen, welche Grundprinzipien und Vorstellungen Kreon in seiner Herrschaftszeit für wichtig erachtet. Es sind die geltenden Gesetze des Vaterlandes und deren konsequente Einhaltung, die er benennt. Er sieht sich als „Lenker einer ganzen Stadt“ (Z. 178) und vertritt selbstbewusst die Meinung, auf Grundlage der geltenden Gesetzlichkeiten stets das Beste zu wohlen – auch gegen den Willen der Götter. Bereits an dieser Stelle werden positive Ansätze einer klaren Machtvorstellung und das möglichst gerechte Regieren deutlich. Aber bei näherer Betrachtung sind erste Grundsteine einer Sturheit erkennbar, denn Kreon kritisiert ansatzweise die Stellung der Götter und ordnet diese seiner Macht unter.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung und Begriffsklärung des Tyrannen: Dieses Kapitel definiert den Begriff des Tyrannen in der Antike und leitet die Fragestellung zur Machtausübung Kreons in Sophokles' Werk ein.
2. Kreons Herrschaftsverständnis und das Bestattungsverbot: Hier wird Kreons Fokus auf weltliche Gesetze beleuchtet und sein Konflikt mit Antigone aufgrund des Bestattungsverbots analysiert.
3. Konfliktpotenzial und das Vater-Sohn-Verhältnis: Das Kapitel thematisiert die familiäre Dynamik zwischen Kreon und Haimon, in der sich Kreons Unnachgiebigkeit und Machtanspruch widerspiegeln.
4. Die Rolle des Sehers Teiresias und die Peripetie: Hier wird der entscheidende Wendepunkt durch die Warnungen des Sehers und die darauffolgende katastrophale Entwicklung für Kreons Familie beschrieben.
5. Fazit und Reflexion der Machtausübung: Das abschließende Kapitel fasst die Erkenntnisse zusammen und bewertet Kreons Handeln als hochmütig und letztlich unüberlegt.
Schlüsselwörter
Kreon, Antigone, Sophokles, Theben, Tyrannenherrschaft, Machtausübung, göttliches Gesetz, weltliches Gesetz, Bestattungsverbot, Teiresias, Peripetie, Haimon, antikes Drama, Gehorsam, Herrschaftsverständnis.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Frage, ob die Herrschaft von Kreon in Sophokles' „Antigone“ als tyrannisch einzustufen ist, da er weltliche Gesetze über göttliche Gebote stellt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen gehören das Spannungsverhältnis zwischen staatlicher Ordnung und göttlichem Recht, der Konflikt zwischen Individuum und Staat sowie die psychologische Untersuchung der Herrscherpersönlichkeit.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist eine kritische Auseinandersetzung mit der Machtausübung Kreons, um zu klären, inwiefern seine Sturheit und sein Festhalten an weltlichen Normen als tyrannisch zu bewerten sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse des Dramas „Antigone“ unter Einbeziehung von Sekundärliteratur zur Interpretation der Charaktere und der historischen Begrifflichkeit.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert Kreons erste Thronrede, das Bestattungsverbot, den Konflikt mit Antigone und seinem Sohn Haimon sowie die intervenierende Rolle des Sehers Teiresias.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Tyrannis, göttliche Gesetze, Machtdemonstration, Antigone, Kreon, Pflicht, Gehorsam und der dramaturgische Wendepunkt der Peripetie.
Inwiefern beeinflusst das Vater-Sohn-Verhältnis Kreons Handeln?
Das Verhältnis zu Haimon zeigt Kreons absolute Unnachgiebigkeit; selbst innerhalb der eigenen Familie besteht er auf Gehorsam, was seine Isolation und Sturheit verdeutlicht.
Warum spielt der Seher Teiresias eine entscheidende Rolle?
Teiresias fungiert als Mahner und Vertreter der göttlichen Macht. Sein Auftreten führt zu einer verspäteten Einsicht bei Kreon und markiert den dramatischen Wendepunkt im Werk.
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- Christine Ploner (Author), 2019, Der Tyrann in der Antike. Analyse von Kreon aus Sophokles Drama "Antigone", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1033487