Ziel dieser Arbeit ist es, herauszufinden, ob die Versicherten die aktuelle Versicherungsleistung mit den Inhalten der Standmitteilungen verstehen und beurteilen können. Verschiedene Studien der Verbraucherzentrale Hamburg, der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) sowie des Zweitmarktes für Versicherungen, vertreten durch die Policen Direkt Versicherungsvermittlung GmbH und Partner in Life S. A., untersuchen die Inhalte der versendeten Standmitteilungen deutscher Lebensversicherer vor und nach der Gesetzesänderung. Diese Arbeit greift auf diese Studien zurück und zeigt, ob durch die Gesetzesanpassung die Standmitteilungen deutscher Lebensversicherer umfangreicher und verständlicher geworden sind. Die weitere Literaturrecherche knüpft daran an und fasst Empfehlungen für weitere Verbesserungen des Verständnisses der Standmitteilungen zusammen.
Im Abschnitt 2 folgt die Konkretisierung der Notwendigkeit einer gesetzlich verankerten Informationspflicht über die Entwicklung der Überschussbeteiligung und Darstellung der gesetzlichen Vorschriften aus § 155 VVG vor und nach der Anpassung im Jahr 2018. Danach werden in Kapitel 3 der Umfang und die Aussagekraft von versendeten Standmitteilungen vor und nach der Neuregelung im Jahr 2018 beurteilt. In Kapitel 4 folgen, basierend auf den Ergebnissen von Kapitel 3, Gestaltungsempfehlungen für weitere Verbesserungen der Transparenz und Verständlichkeit der Standmitteilungen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung und Gang der Arbeit
2. Die Standmitteilung als jährliche Informationspflicht der Lebensversicherer nach § 155 VVG
2.1 Notwendigkeit der Informationspflicht
2.2 Veränderung der gesetzlichen Vorgaben
3. Analyse der Aussagekraft der Standmitteilungen
3.1 Vor der Reform des § 155 VVG
3.2 Nach der Reform des § 155 VVG
4. Steigerung der Verständlichkeit der Standmitteilungen
5. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, ob Versicherte durch die jährlichen Standmitteilungen der Lebensversicherungsunternehmen in die Lage versetzt werden, ihre aktuelle Versicherungsleistung fundiert zu verstehen und zu beurteilen. Ziel ist es, auf Basis von Studien verschiedener Marktakteure aufzuzeigen, wie sich gesetzliche Neuregelungen auf die Transparenz und Verständlichkeit dieser Mitteilungen ausgewirkt haben und wo weiterhin Verbesserungsbedarf besteht.
- Analyse der gesetzlichen Rahmenbedingungen gemäß § 155 VVG.
- Untersuchung des Informationsgehalts von Standmitteilungen vor und nach der Reform.
- Evaluation der Verständlichkeit durch externe Studien und Marktuntersuchungen.
- Identifikation von Gestaltungsempfehlungen zur Steigerung der Transparenz.
Auszug aus dem Buch
3. Analyse der Aussagekraft der Standmitteilungen
Nach dem Überblick über die Veränderung der gesetzlichen Regelungen folgt in diesem Kapitel die Darstellung der Studien, welche den Informationsgehalt der versendeten Standmitteilungen untersuchen und bewerten. Unter Anlage 3 bis Anlage 6 finden sich die Seiten einer anonymisierten Standmitteilung einer fondsgebundenen Lebensversicherung in Form einer betrieblichen Altersversorgung bei der Zurich Deutscher Herold Lebensversicherung AG, die an die Verfasserin gesendet wurde. So können die Lesenden sich beispielhaft ein eigenes Bild über die Verständlichkeit einer versendeten Standmitteilung machen.
Die Marktwächter Hamburg der Verbraucherzentrale analysierten in den Jahren 2014 und 2015 insgesamt 68 Standmitteilungen. Die Versicherer können gemäß ihrer gebuchten Bruttobeiträge einen Marktanteil von 89 % ausweisen. Die erste von drei Ebenen ist die Überprüfung der Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben nach § 155 VVG in der Fassung vor dem 01.07.2018. Die nächsten zwei Ebenen der Überprüfung werden Grund- und Leitstandard genannt. In Anlage 2 findet sich eine Übersicht über die von Marktwächter Hamburg festgelegten Kriterien. 26% der untersuchten Standmitteilungen, konnten die damals geltenden gesetzlichen Vorgaben nicht erfüllen. 47% der untersuchten Standmitteilungen konnten den Vorgaben des Grundstandes nicht entsprechen. Keine untersuchte Standmitteilung erfüllte die Anforderungen an den Leitstandard.
Aufgrund der Nicht-Einhaltung der Mindestangaben durch zwölf Lebensversicherer hat die BaFin im Jahr 2018 eine eigene Überprüfung der Standmitteilungen vorgenommen. In der Zwischenzeit hatten die meisten Lebensversicherer ihre Standmitteilungen angepasst und bis dato fehlende oder nicht ausreichende Angaben zu Todesfallleistungen und den garantierten Überschüssen aufgenommen. Die Prüfung der BaFin führte aufgrund der damals gültigen gesetzlichen Vorgaben jedoch auch bei Nichtanpassung zu keinen aufsichtsrechtlichen Beanstandungen. Da die Überprüfung vor den neuen Regelungen des § 155 VVG stattgefunden hat, würden nicht alle geprüften Standmitteilungen, ohne eine vorige Anpassung, einer aufsichtsrechtlichen Überprüfung nach aktuellen gesetzlichen Regelungen standhalten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Relevanz der Standmitteilungen im Kontext der Lebensversicherung und definiert die Forschungsfrage bezüglich der Verständlichkeit und Transparenz dieser Dokumente.
2. Die Standmitteilung als jährliche Informationspflicht der Lebensversicherer nach § 155 VVG: Dieses Kapitel erläutert die regulatorischen Notwendigkeiten der jährlichen Informationspflicht und die signifikanten Anpassungen der gesetzlichen Vorgaben über die Zeit.
3. Analyse der Aussagekraft der Standmitteilungen: Hier werden Studien zur Qualität der Standmitteilungen vor und nach der Reform analysiert, wobei kritisch auf die Einhaltung gesetzlicher Mindeststandards durch die Versicherer eingegangen wird.
4. Steigerung der Verständlichkeit der Standmitteilungen: In diesem Kapitel werden Ansätze diskutiert, wie die Darstellungsweise von Vertragsdaten und Versicherungsleistungen für den Kunden verständlicher gestaltet werden kann.
5. Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und konstatiert, dass trotz Verbesserungen weiterhin gesetzlicher Handlungsbedarf hinsichtlich einer einheitlichen und transparenten Informationsdarstellung besteht.
Schlüsselwörter
Lebensversicherung, Standmitteilungen, § 155 VVG, Verbraucherschutz, Überschussbeteiligung, Transparenz, Versicherungsvertrag, BaFin, Rückkaufswert, Versicherungsleistung, Betriebliche Altersvorsorge, Marktwächter, Informationspflicht, Garantiezins, Verständlichkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die jährlichen Standmitteilungen von Lebensversicherern und bewertet deren Informationsgehalt sowie die Verständlichkeit für die Versicherten.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Themen sind die gesetzlichen Informationspflichten, die Analyse der Aussagekraft von Standmitteilungen anhand von Marktstudien sowie die Transparenz gegenüber dem Verbraucher.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es zu untersuchen, ob Versicherte durch die Standmitteilungen in der Lage sind, ihre Versicherungsleistungen zu verstehen und zu beurteilen, und ob gesetzliche Reformen zu einer tatsächlichen Verbesserung der Qualität geführt haben.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine anwendungsbezogene Forschungsarbeit, die auf einer umfassenden Literaturrecherche sowie der Sekundäranalyse existierender Studien von Organisationen wie der Verbraucherzentrale Hamburg, der BaFin und spezialisierten Dienstleistern basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Entwicklung der Informationspflichten gemäß § 155 VVG, bewertet die Qualität der Mitteilungen vor und nach den Neuregelungen und leitet Gestaltungsempfehlungen für eine bessere Transparenz ab.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Die Untersuchung wird maßgeblich durch Begriffe wie Lebensversicherung, Standmitteilungen, Verbraucherschutz, Transparenz und gesetzliche Informationspflichten geprägt.
Wie bewerten die untersuchten Studien die Informationsqualität?
Die Studien kommen zu dem Schluss, dass trotz gesetzlicher Verbesserungen weiterhin große Qualitätsunterschiede zwischen den Anbietern existieren und viele Standmitteilungen für Laien schwer verständlich bleiben.
Welche Rolle spielt die BaFin in diesem Kontext?
Die BaFin fungiert als Aufsichtsbehörde, die durch Auslegungsentscheidungen und Prüfungen versucht, die Einhaltung gesetzlicher Transparenzpflichten zu erzwingen, wobei die Sanktionen bei Nichteinhaltung teilweise als unzureichend kritisiert werden.
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- Kim Vanessa Graumann (Author), 2020, Jährliche Standmitteilungen zur Lebensversicherung. Wie verständlich sind sie seit der Gesetzesänderung von 2018?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1033684