Theorie und Praxis antirassistischer Erziehung


Hausarbeit, 2001
24 Seiten

Gratis online lesen

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

1. Geschichte und Vertreter der antirassistischen Erziehung

2. Hintergründe und Ursachen von Rassismus
2.1 Geschichte des Rassismus
2.2 Ursachen für das Entstehen von Rassismus
2.3 Definitionen des Rassismus
2.4 Institutioneller Rassismus oder der Umgang der Politik mit dem Thema Integration
2.5 Rassismus als aktuelles Thema

3. Antirassistische Erziehung in der Schule
3.1 Aufbau der antirassistischen Erziehung in der Schule
3.2 Forderungen einer antirassistischen Erziehung an den unterrichtlichen Aufbau
3.3 Ziele, Werte und Inhalte der antirassistischen Erziehung
3.4 Unterrichtsinhalte
3.5 Differenzierte Betrachtung des vorgeschlagenen Unterrichtsbeispiels der „Anansi und Spiderman“ - Geschichte

4. Literaturliste

1. Geschichte und Vertreter der antirassistischen Erziehung

Das Anti - Racist - Education - Modell gilt als Antwort auf die Folgen der Kolonisation und Einwanderung. Es ist aus einer Konstellation heraus formuliert, die es in der Bundesrepublik Deutschland so nicht gibt, nämlich aus der Perspektive der schwarzen Bevölkerung Großbritanniens.

Das Modell wurde durch die ab Anfang der 80er Jahre zunehmende Rassendiskriminierung und durch Rassenkonflikte in den britischen Städten heraufbeschwört.

Dieses Erziehungsmodell wurde1 „auf der Grundlage, daß Rassismus ein gesellschaftliches Phänomen ist, das sich aus sozialen, ökonomischen und politischen Voraussetzungen herleitet,[..] unter aktiver Mitarbeit der Minoritätengruppen [ ]“gebildet, und hat zum Ziel die eigene „kritische Analyse der aktuellen Politik und die [der] gesellschaftlichen sowie schulischen Praxis hinsichtlich ihrer rassistischen Elemente“. Nur durch die Sichtbarmachung rassistischer Elemente können Maßnahmen gegen diese getroffen werden! Diese können sich durch bessere Integration, Umstrukturierung des Bildungssystems, in Bezug auf die Berücksichtigung ethnischer, sprachlicher oder auch kultureller Gewohnheiten oder auch durch die höhere Beachtung der Meinung oder Initiativen von Minoritäten zeigen. Herauszustellen ist auch, daß sich dieses Modell nicht nur auf individueller oder unterrichtlicher Ebene aufbaut, sondern auch den institutionellen Rassismus mit einbezieht.

Bedeutende Vertreter für Anti - Racist - Education - Modelle sind u.a. Mullard, Carington, Cole, Troyna. Sie entwickelten verschiedene Ansätze für die antirassistische Erziehung.

Ein weiteres Modell ist das Einstellungs-/ Sozialisationsmodell des Rassismus:

Bei diesem Lernprozess wird den SchülerInnen kein eigentlicher Lerngegenstand angeboten, bei dem sie entscheiden können, ob sich die Aneignung dessen für sie als lohnenswert erweist, sondern sie werden selbst zum Lerngegenstand. Die SchülerInnen selbst und ihre Einstellungen werden damit veränderbar bzw. neue erlernbar. Daraus ergibt sich, daß der Lehrer/die Lehrerin zum/zur RichterIn (anti-) rassistischer Verhaltensweisen wird. [ problematisch hierbei ist, daß die Orientierung des Lernens nicht an inhaltlichen Punkten, sondern an zu erwartenden Reaktionen des Lehrers/ der Lehrerin gebunden wird und damit eine Trennung von Schule und Realität wahrscheinlich werden würde.]

Das Konzept des strukturellen Rassismus in Zusammenhang mit der individuellen Handlungsfähigkeit gestaltet sich folgendermaßen:

In dem Ansatz werden die „Individuen nicht, , als Resultat von [und] über Sozialisationsprozesse vermittelte Fremdeinflüsse, sondern als begründet Handelnde“ aufgefaßt. Diskurse (hinsichtlich des institutionellen Rassismus) sind demnach „nicht in sich selbstgenügsame politisch-gesellschaftliche Erscheinungen, sondern (den) Individuen zugekehrt“, also mitbestimmt und deswegen auch selbstreflektierend. In diesem Zusammenhang sollten Mehrheits-Minderheits-Diskurse kontextualisiert werden um begreiflich zu machen, daß „2 Schüler und Schülerinnen nicht nur potentielles Subjekt von rassistischen Ausgrenzungs-und Diffarmierungsbewegungen gegenüber ethnischen Minderheiten sind, sondern als Jugendliche, Mädchen, Behinderte etc. selbst auch potentielle Opfer durch andere“ werden können. Der „lohnende“ Lerngegenstand wäre hiermit die Erkenntnis, daß wenn man sich nicht selber schaden will, man für alle Menschen die gleichen Rechte verlangen muß - sozusagen ein Kampf um wirklich demokratische Verhältnisse.

Ferner gibt es pädagogische Ansätze, die versuchen durch das Wecken von Verständnis für andere Kulturen Rassismus entgegenzuwirken. Hierbei ist kritikwürdig, daß die Kultur als starr angesehen wird. Auch findet eine Akzentuierung von Verschiedenheit und Festlegung der Andersartigkeit statt und damit eine Verstärkung dieser Begriffe.

Ein ähnliches Modell spiegelt sich bei dem Versuch der Aufklärung wieder. Hier geht man davon aus, daß man „3 den aus der Arbeiterklasse kommenden SchülerInnen nur die historischen Tatsachen über das Imperium vermittelt, welche strukturell unterschiedlichen Gründe für Arbeitslosigkeit und Einwanderung erklären, die ungleichen Austauschprozesse zwischen den Ländern Europas und der dritten Welt aufzeigt - mit einem Wort, ihnen vor Augen führt, was tatsächlich hinter ihrem Rücken und für sie unsichtbar in der Welt vor sich geht, damit sie die Ideologie des gewöhnlichen, alltäglichen Rassismus über Bord werfen und erkennen können, daß Schwarz und Weiß vor ähnlichen materiellen Problemen stehen und sich mithin vereinigen und gegen den gemeinsamen Klassenfeind kämpfen sollten.“ Hierbei kritisiert der Autor jedoch selbst, daß keine Gefühlsstrukturen berücksichtigt werden.

2. Hintergründe und Ursachen von Rassismus

2.1 Geschichte des Rassismus

Allgemein läßt sich sagen, daß der Begriff des Rassismus erst im 20. Jahrhundert auftauchte, insbesondere im Zusammenhang mit dem Nationalsozialismus. Die erste lexikalische Definition des Begriffs findet sich in Meyers Lexikon aus dem Jahr 1942: „Rassismus, urspr. Schlagwort des demokrat.-jüd. Weltkampfes gegen die völkischen Erneuerungsbewegungen und deren Ideen u. Maßnahmen, ihre Völker durch Rassenpflege zu sichern und das rassisch wie völkisch und politisch-wirtschaftlich zerstörende Judentum sowie anderweitiges Eindringen fremden Blutes abzuwehren und auszuschalten, als inhuman und ihre Träger als „Rassisten“ zu verleumden. Die Anwendung des Schlagwortes im urspr. Sinne wurde durch gelegentliche fanatische und wirklichkeitsfremde Überspitzung des Rassengedankens erleichtert. Heute wird in manchen Ländern das Wort Rasse auch im zustimmenden Sinne gebraucht.“

Der hier aufgeführte Rassismusbegriff entstand im engen Zusammenhang mit der menschenvernichtenden Politik des Nationalsozialismus, dessen Reflexion erst stark verspätet einsetzte und dieses auch nur im Hintergrund. Dies kann evtl. dadurch begründet werden, daß sich in der Bundesrepublik Deutschland dieser Begriff nicht an den klassischen „Rassenmerkmalen“ wie der Hautfarbe usw. festmachen ließ und sein historischer Hintergrund lange Zeit „tabuisiert“ wurde. Erst seit den 80er Jahren, während heftiger Debatten zum Thema „Ausländerfeindlichkeit“, wurde der Begriff wieder aktuell.

Hier schlie ß t sich die Frage an, wie Rassismus ü berhaupt entstehen kann.

2.2 Ursachen für das Entstehen von Rassismus

Zu Anfang sollte zusätzlich festgestellt werden ob Rassismus gleich Ausländerfeindlichkeit ist.

Pädagogisch betrachtet, zeigen Untersuchungsergebnisse, daß das Seelenleben der meisten Jugendlichen ambivalenter ist, als vielfach angenommen; d.h. macht jemand ausländerfeindliche Bemerkungen, kann er zugleich eine liberale oder kommunikative Position beanspruchen. Diese Jugendlichen sind in ihrer Meinung nicht gefestigt, sie versuchen den Verlust von Halt und Selbstwertgefühl durch ihre „autoritäre Aggression“ zu überspielen und können noch leicht beeinflußt werden. Kennzeichen Jugendlicher mit rechtsextremen Tendenzen (Ausländerfeindlichkeit) sind oft „offene Rechnungen“ mit den Vätern. Die Beziehung zu ihren Eltern steht unter Strom. Gleichzeitig sind sie jedoch beziehungshungrig. Sie sind besonders anfällig für „Gegenprogramme“4 rechter Führer, die Beziehungsangebote enthalten.

Die rechtsradikalen Rituale rechter Gruppen helfen den Jugendlichen dabei, eigene Verantwortung und Schuld von sich zu wenden. Gleichzeitig projizieren sie in das Bild des Fremden (Ausländers) Bedrohungen der Realität , das eigene ungeliebte „Über-Ich“ und sie nähern sich diesem Bild auf der Triebebene. Es entsteht Versorgungsneid, der durch die Konsumgesellschaft verstärkt wird.

Daneben sind es anale Regungen, Bilder von Schmutz, trotzigem Machtanspruch und Korruption, die das Ausländerbild vieler SchülerInnen charakterisieren. Gewalt als Droge, Gewalt als Demonstration von Männlichkeit (die meisten rechtsextremen Schüler sind männlich), Gewalt als Mittel um für (die selbstgewählte) Gerechtigkeit zu sorgen, Gewalt zur Hebung des Selbstwertgefühls!

Allgemein läßt sich hierzu sagen„...umfaßt Rassismus Ideologien und Praxisformen auf der Basis der Konstruktion von Menschengruppen als Abstammungs- oder Herkunftsgemeinschaften, denen kollektive Merkmale zugeschrieben werden, die implizit oder explizit bewertet und als nicht oder nur schwer veränderbar interpretiert werden“.

Anzufügen ist hier, daß für Johannes Zerger „5 auch die Frage der Machtverhältnisse- und den dahinter stehenden Interessen- für die Rassismusanalyse von zentraler Bedeutung [ist]“.

Um sich mit den Argumenten der Rechten auseinandersetzen zu können, sollte man auch ihre Weltanschauung hinsichtlich biologisch begründeter Aspekte betrachten.

Das Kernstück der Gruppierung der rechten Ideologie ergibt sich aus Naturgesetzen.

Dabei werden Ergebnisse aus Naturbeobachtungen auf den Menschen übertragen, das führt zunächst zu einer Ablehnung des Primats der allgemein akzeptierten Ansicht der Vernunft. Stattdessen werden andere Prinzipien aufgestellt, die oft ein mystisches Denken beinhalten:

Erwähnenswert ist dabei der Darwinismus. Er bedeutet das Überleben des Stärkeren: Daraus ergibt sich die "natürliche Herrschaft" weniger Individuen über die restlichen Menschen.

Dabei wäre die Ungleichheit das Resultat natürlicher Entwicklung. Rassismus wird damit ebenfalls als das angeborene Recht der Stärkeren und Begabten getarnt.

Auch die Verteidigung von Besitzansprüchen in Bezug auf Territorien und die damit verteidigten Rechte des übersteigerten Militarismus und dem Hang zur "Bewahrung" des deutschen Volkes gehört zu diesen Prinzipien, genauso wie das Prinzip der Ungleichheit von Rassen. Mit diesem Punkt rechtfertigen Rechte ihre Einteilung der Menschheit in Übermenschen und Untermenschen und die Überheblichkeit der Übermenschen. Diese aus der Biologie gewonnenen Beobachtungen werden zu sozialen Leitlinien erhoben. Ergebnisse dieser Beobachtungen sind:

- Die Menschheit ist ein Kosmos konkurrierender Nationalstaaten
- Die eigene Gruppe / Nation steht im Mittelpunkt und ist das Absolute; andere Gruppen und Nationen werden an der eigenen gemessen

Dieses wird auch bezeichnet als Ethnozentrismus.

[Einfügung: 6 Ethnozentrismus wird definiert als starres Unterscheiden zwischen der eigenen und fremden Gruppe, wobei der Fremdgruppe feindselig gegenüber gestanden wird. Dazu kommt die Überzeugung, daß die eigene Lebensordnung höherwertig ist. Dieses Denken bezieht sich inzwischen nicht mehr nur auf Gruppen oder Nationen (wie Adorno 1968), sondern auch auf größere Bezugsgruppen, wie das Abendland, den Osten Europas,...]

Ethnozentrismus ist sozusagen der Sonderfall einer allgemeinen Menschenscheu bzw. - verachtung, also auch eine Form von Rassismus. Die unmittelbare Bezugsgruppe soll frei bleiben von fremden Einflüssen. So bleibt die unmittelbare Bezugsgruppe des Einzelnen homogen, das bedeutet also eine Aufteilung des sozialen Umfeldes in Freunde und Feinde. Das erspart die Auseinandersetzung mit Widersprüchen und differenziertem Denken. Die Gruppe gibt Einzelnen Gewißheit, Zugehörigkeit und Orientierung. Eine Gruppe wird, veranschaulicht betrachtet, als Körper gesehen, in dem die einzelne Zelle nichts, die Gesamtheit aller Zellen aber der funktionierende Organismus ist.

Gibt es innerhalb der Gruppe Mißstände, ist grundsätzlich eine Fremdgruppe dafür verantwortlich. Sie schädigt, so wird wieder und wieder behauptet, das Volk wirtschaftlich und sogar moralisch.7 „Die Fremdgruppe ist kommunistisch infiziert, steckt voller Krimineller, lebt als Parasit von der Arbeit anderer und gefährdet die biologische Substanz der eigenen Gruppe. Gesellschaftlich wirkt der Ethnozentrismus integrierend und damit stabilisierend. Mit ihm wird es möglich Zugehörigkeit - zu einem Volk, einer Rasse, einer Nation - zu erlangen, ohne die sonst für die Aufnahme in die soziale Gruppierung meist geforderten Leistungen zu erbringen.“ Ethnozentrismus entsteht aus einem Zusammenwirken von individuellen Dispositionen mit den historisch - sozialen Lebensbedingungen. So wird erklärbar, daß es einen Zusammenhang zwischen sozioökonomischen Mißständen und Ausländerfeindlichkeit gibt.

Aufgrund dessen und der Theorie der Ungleichheit der Rassen läßt sich auch die Feindlichkeit gegenüber Ausländern, Judentum, Homosexuellen, Sozialismus, Liberalismus, Christentum etc. erklären, die für die Gleichheit aller Menschen eintreten. Aus dem Vorrang der Einzelgruppe, der übersteigerten Bedeutung von Ruhe und Ordnung, dem Recht des Stärkeren und dem Gehorsam ihrer Weltanschauung gegenüber ergibt sich der Militarismus der Rechtsextremisten.

Am Begriff des Ethnozentrismus wird deutlich, wie unterschiedlich sich Formen des Rassismus darbieten können. So kommt es, daß je mehr Menschen sich mit dem Thema Rassismus befassen, desto mehr Definitionen aufkommen. Zur Veranschaulichung einige weitere Theorien:

2.3 Definitionen des Rassismus

- „Rassismus ist die Summe aller Verhaltensweisen, Gesetze, Bestimmungen und Anschauungen, die dazu führen schwarze Menschen nicht als gleichwertig anzusehen, sondern ihre ethnische Herkunft als minderwertig auszugeben und sie entsprechend zu beurteilen und zu behandeln. Rassismus beruht auf einem Ungleichgewicht der gesellschaftlichen Machtverhältnisse auf ökonomischem, politischem und sozialem Gebiet.“

( L. van den Broek, 1988)

- „Der Rassismus besteht in einer Hervorhebung von unterschiedlichen, in einer Wertung dieser Unterschiede und im schließlichen Gebrauch dieser Wertung im Interesse und zugunsten des Anklägers.“

( A. Manni, 1987)

- „Rechtsextremismus definieren wir mit Hilfe von 3 Faktoren:

Erstens kommt es zur Rechtfertigung oder Verharmlosung des Nationalsozialismus, zweitens wird ein ethnozentrisches Weltbild propagiert, und drittens ist die Gewaltbereitschaft ein weiteres wesentliches Bestimmungsmerkmal. Rechtsextreme Tendenzen liegen dann vor, wenn nur eine oder zwei der Variablen sichtbar sind “ (Psychologie heute Januar 1999, interviewt wurde Klaus Ottomeyer /Psychotherapeut und Sozialpsychologe)

- „Rassismus als Heilmittel für die „Überzähligkeitsangst“?

(Psychologie Heute 1999, K. Ottomeyer)

- „Rechtsextremismus als Folge eines gnadenlosem Über- Ichs?“

(Psychologie Heute 1999, K. Ottomeyer)

- „Rechtsextremismus:

Nationalismus als aggressiver Form, als Feindschaft gegen Ausländer und Minderheiten. Intoleranz gerechtfertigt durch den Glaube an das Recht des Stärken, elitär-unduldsames Sendungsbewusstsein und die Diffamierung Andersdenkendender prägen das rechtsextremistische Denken.

Die Verherrlichung des NS-Staats als Vorbild. Hierbei kommt es zu einer Negierung bzw. Verharmlosung der NS-Verbrechen und eine latente Bereitschaft zur gewaltsamen Propagierung und Durchsetzung der erstrebten Ziele.“

(Rechtsextremismus; Neubacher: "Medienspektakel")

Weitere Ausprägungen des Rassismus verbergen sich hinter:

- „Antisemitismus: Gegen Juden und Sinti gerichtete Feindseligkeit.“

(Lexikon)

- „Faschismus: Bezeichnung für politische Strömungen mit autoritären und nationalistischen Tendenzen, die zwischen den Weltkriegen in Europa entstanden. Der Führer will das ganze Volk zu einer Gemeinschaft unter einer persönlichen Führerschaft zusammenbündeln. Bsp.: Nationalsozialismus.“

(Lexikon)

- „Die faschistische Bewegung ist trotz des national- und sozialrevolutionären Anspruchs in ihren Zielen totalitär, antiliberal, antidemokratisch und antiparlamentarisch, sie vertritt einen extremen Nationalismus, dem sich das Individuum bedingungslos unterzuordnen hat, verfolgt expansionistische Ziele, ihre Struktur ist autoritär und hierarchisch. Ausserdem pflegt die faschistische Bewegung eine kultische Verehrung ihres Führers Mussolini, der sich zum "Duce" erklärte.“

Quellen: dtv Lexikon; Faschismustheorien, in: Enzyklopädie, Digitale Bibliothek, S. 1349 (vgl. EdNS, S. 458) Verlag Klett-Cotta.

Wir halten die oben angeführte Definition von Johannes Zerger für gut formuliert, da sie allgemein genug ist, hinsichtlich der sehr verschiedenen Erscheinungsformen von Rassismus. Sie ist aber auch spezifisch genug, um Gemeinsamkeiten der unterschiedlichen historischen Entwicklungen aufzuweisen und gegen verwandte Begriffe abzugrenzen.

Neben dem allgemeinen Rassismus steht auch gerade der institutionelle Rassismus, welcher durch die Politik initiiert wird, im Zentrum der antirassistischen Erziehung.

Wie gestaltet sich nun der Umgang der Politik mit dem Thema Rassismus bzw. der dagegenwirkenden Integration?

2.4 Institutioneller Rassismus oder der Umgang der Politik mit dem Thema Integration

Betrachtet man die von Rechten häufig aufgeführte Anschuldigung „die nehmen uns unsere Arbeitsplätze“ weg, so ist man doch erstaunt darüber, daß die meisten ausländischen Arbeitskräfte in Zentralbereichen der Produktion und in Dienstleistungsbereichen beschäftigt sind, die wegen ihrer oft sehr harten und gefährlichen Arbeitsbedingungen nur sehr selten (trotz relativ guten Verdienstmöglichkeiten) von deutschen Arbeitskräften geschätzt werden. In diesem Zusammenhang läßt sich sagen, daß das „Gastarbeitermilieu“ sich hinsichtlich der sozialen und wirtschaftlichen Startposition an die nächste Generation weitervererbt hat, und der „Ausländer“ eher als Lückenbüßer, statt als Konkurrent fungiert. Auf dieser Basis entstehen radikale Ansichten, die „den Ansatz (teilen) das patriarchale und rassistische Ausbeutungssystem, das fast verharmlosend „Festung Europa“ genannt wird, zu sabotieren, es in seiner verrechtlichten Systematik zu unterlaufen: Netzwerke im Untergrund aufzubauen, Solidarität zu praktizieren, unter den Außenmauern des vereinten Europas immer hindurchzukriechen, Gänge zu graben “ (8 Projekt Zuflucht).

Wie kann man solche Gefühle der Ausgrenzung und Ausbeutung verhindern, wenn doch die besseren Arbeitsplätze im Großen und Ganzen (hier) deutschen Arbeitern vorbehalten sind? Hierzu folgende Grafik9:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Wie wird man Deutscher und möchte man das überhaupt, bei diesen Gefühlslagen? „Viele Mitbürger meinen, die Ausländerprobleme lösten sich von selbst, würden die Ausländer sich nur konsequenter bemühen Deutsch zu lernen und sich an deutsche Sitten und Lebens - gewohnheiten anzupassen.“ Doch wie soll man sich positiv darstellen, bei über - durchschnittlich hoher Arbeitslosigkeit, extrem schlechten Arbeitsbedingungen und zumeist schlechten Wohnverhältnissen. Die Aussicht auf Besserung ist gering, da niemand mit einem Stimmzettel von Ausländern unter Druck gesetzt werden kann. So können auch die Bedingungen für Einbürgerung oder die Durchsetzung einer doppelten Staatsbürgerschaft nicht positiv beeinflußt werden. Momentan gestalten sie sich folgendermaßen:

1) Einbürgerungsanspruch für junge Ausländer:

„Ein Ausländer, der rechtmäßig seinen gewöhnlichen Aufenthalt im Inland hat, ist auf einen vor Vollendung des 18. Lebensjahres gestellten Antrag einzubürgern, wenn er:

- Rechtmäßig seit fünf Jahren im Inland mit einem Elternteil lebt, der eine unbefristete Aufenthaltserlaubnis... besitzt
- Nicht wegen einer Straftat verurteilt worden ist.“

2) Einbürgerungsanspruch für Ausländer mit längerem Aufenthalt:

“Ein Ausländer, der seit acht Jahren rechtmäßig seinen gewöhnlichen Aufenthalt im Inland hat, ist auf Antrag einzubürgern, wenn er:

- Eine Aufenthaltserlaubnis besitzt
- Nicht wegen einer Straftat verurteilt worden ist
- Den Lebensunterhalt für sich ohne Inanspruchnahme von Sozial- oder Arbeitslosenhilfe bestreiten kann.“...

3) Ausschlußgründe:

„Ein Anspruch auf Einbürgerung besteht nicht, wenn:

- Eine Verständigung mit dem Einbürgerungsbewerber in deutscher Sprache nicht möglich ist
- Der Einbürgerungsbewerber Bestrebungen verfolgt oder unterstützt hat, die gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung, den Bestand oder die Sicherheit des Bundes oder Landes gerichtet waren oder eine ungesetzliche Beeinträchtigung der Amtsführung der Verfassungsorgane des Bundes zum Ziel hatte “

4) Änderung des Reichs- oder Staatsangehörigkeitsgesetzes:

„Durch die Geburt im Inland erwirbt das Kind, ausländischer Eltern, die deutsche Staatsangehörigkeit, wenn:

- Ein Elternteil im Geltungsbereich des Gesetztes geboren wurde oder vor Vollendung des 14. Lebensjahres seinen Aufenthalt genommen hat.“

(Nach; Frankfurter Rundschau v. 13.1.1999)

Wie man sieht, ist die Erlangung der deutschen Staatsbürgerschaft nicht ganz einfach.

Erschwert wird sie durch die Abhängigkeit der Kinder vom Status der Eltern und von der Forderung nach selbständiger Finanzierung des Lebensunterhaltes, besonders wenn man dabei die Erschwernis der Arbeitssuche von Ausländern bedenkt.

Erleichtert wird die Entsprechung der Forderungen auch durch verschiedene Parteien nicht, man denke dabei an die umstrittene CDU- Kampagne „Kinder statt Inder“. Anstatt das Problem der fehlenden Fachkräfte objektiv zu debattieren, wird die Angst vor „Überfremdung“ geschürt. Um diesen Tendenzen entgegenzuwirken, fordert Koopmann z.B. eine Integrationspolitik die „10 Rechte und Pflichten für beide Seiten [enthält] und [sich durch] Respekt [nicht Toleranz!!] für kulturelle Unterscheide [auszeichnet].“

Letzterer Aspekt der Anerkennung von Gleichwertigkeit und Unversertheit sollte an oberster Stelle stehen und ist nur durch Sicherung von Rechten möglich.

Betrachtet man die Rechte bei der in Planung befindlichen Asyl-Card, so läßt sich wohl kaum von Rechten, sondern eher von Überwachung und Kontrolle sprechen.

Auf dieser Karte sollen sich zum Einen Identifizierungs- und Verfahrensdateien befinden und zum Anderen Leistungsdateien, wie z.B. Empfang von Unterstützungsleistungen, Arbeitserlaubnis, Leistungen von Dritten vermerkt sein.

Die Forderung nach regelmäßiger Meldung macht das Speichern umfassender Bewegungsbilder möglich - ähnlich einer „rund-um-die-Uhr- Beobachtung“. Diese Überwachung ist wohl kaum mit Respekt oder Rechten zu vereinen, und so bleibt die Forderung bestehen, „11 nichtdeutsche BürgerInnen von der Toleranz der Einheimischen unabhängig zu machen - indem man ihnen als Mindestvoraussetzung dafür gleiche Rechte wie deutschen Staatsbürgern gibt.“

Es gibt also Gefühle der Diskriminierung auf der einen Seite, auf der anderen Seite Angst vor Überfremdung, beides lechzt nach neuen Gesetzen. Durch aufgestaute Emotionen ist wohl Vorsicht geboten, damit „12 eine Politik sozialer Sicherung nicht zu einer Politik öffentlicher Sicherung wird.“

Ein Beispiel für die Gefahr der öffentlichen Sicherheit ist der Rechtsextremismus im Osten. „13 Er dominiert in vielen Dörfern und Kleinstädten die Jugendszene. Rassismus und Antisemitismus gehören zum guten Ton.“

Doch wo und wie soll eine Integrationspolitik hier ansetzten?

Öffentliche Sicherung wäre wohl kaum bei einem Umsturz von Gesetzesrechten gegeben, da Rechtsextremismus ein Gruppenphänomen ist und sich nicht aus dem Rand der Gesellschaft bildet, sondern gegen den Rand der Gesellschaft vorgeht. Vorgeschlagener Ansatzpunkt ist die Aufklärung über institutionellen Rassismus, was zwar einerseits die eigene Überzeugung in Frage stellen könnte, andererseits wohl aber die einzige Möglichkeit ist, handlungsfähig zu bleiben. Auch Bürgerinitiativen gehören zu den vorgeschlagenen Möglichkeiten Rassismus zu bekämpfen, werden aber von der hiesigen Politik aus Kostengründen schnell auf Eis gelegt (ein Beispiel hierfür ist das Xenos-Programm).

Festzuhalten bleibt jedoch, daß „14 Die Kritik des jugendlichen Glatzkopfes ohne die Kritik [an] nationaler Ausländerpolitik und der nationalistischen Menschensortierung nach In- und Ausländern, die jeder Ausländerpolitik zugrunde liegt [auf jeden Fall] nicht zu haben ist.“

Nach den vorangehenden Erl ä uterungen stellt sich die Frage, ob eine demokratische Politik nicht auch eventuell in einem gewissen Rahmen Rassismus sch ü ren kann.

Denn auffallend ist die große Anzahl rassistischer Übergriffe in der Bundesrepublik Deutschland in einem sehr geringen Zeitraum.

2.5 Rassismus als ein aktuelles Thema:

Im Weiteren folgen einige Fallbeispiele, die zum Einen die Aktualität von Rassismus und damit die Notwendigkeit einer antirassistischen Erziehung verdeutlichen und zum Anderen aber auch deutlich machen sollen, daß rassistische Übergriffe oft nicht publik gemacht werden und damit die Dringlichkeit von Gegeninitiativen nicht oder nur unzulänglich zum Vorschein kommt.

15 Fallbeispiele:

02.04.01:“ Mädchen Hakenkreuz in Unterarm geritzt. Vier Männer haben in Düsseldorf ein deutsch-koreanisches Mädchen überfallen. Der Staatsschutz hat sich in die Ermittlungen eingeschaltet. Die Männer ritzten der 15- jährigen nach Angaben der Polizei ein Hakenkreuz in den Unterarm. Die Männer mit kahlgeschorenen Köpfen hätten das Mädchen im Stadtteil Niederkassel angegriffen, es in die Nähe einer Tiefgarage gezerrt und geschlagen. Es sei nicht auszuschließen, daß es sich bei den Tätern um Skinheads aus der rechten Szene handle. Das Mädchen wurde den Angaben zufolge ambulant im Krankenhaus behandelt. Der Vorfall ereignete sich dem Sprecher zufolge tagsüber in einem belebten Viertel. “

12.04.2001:

„22 jähriger Randalierer ruft „Sieg Heil!“ und verletzt Heimbewohnerin in Frankfurt. Wie die Polizei am Donnerstag mitteilte, trat der Randalierer am Mittwochabend die Eingangstür des Heimes ein und brüllte mehrmals diese Naziparole. Die 56 Jahre alte Heimbewohnerin wurde von dem alkoholisierten Mann mit der Faust ins Gesicht geschlagen. Die Frau erlitt einen Nasenbeinbruch und mußte in eine Klinck gebracht werden. Beamte nahmen den Täter vorläufig fest.“

15.04.2001:

„In Ellerbeck schlugen Rechtsextremisten am Sonntag zwei, wegen Streits bei einer Partei herbeigerufene, Polizisten zusammen.“

16.04.2001:

Rechte Schläger brachen Amerikaner das Nasenbein. Erhebliche Verletzungen erlitt ein US - Amerikaner der am späten Sonntagabend im brandenburgischen Wittstock von einer Gruppe von Schlägern angegriffen wurde. Wie die Polizei am Montag mitteilte, befand sich der Mann als Mitglied einer 7- köpfigen Reisegruppe in einem Schnellrestaurant als die drei Männer ihn bedrohten. Die kurz nach der Tat festgenommenen Schläger gehören nach Angaben der Polizei eindeutig der rechten Szene an.“

20.04.2001:

„Herne: Jugendliche randalierten am U-Bahnhof. Sechs 18 bis 21jährige haben in Herne Freitagnacht vier Passanten angepöbelt und mit Baseballschlägern angegriffen. Dabei wurden auch rechtsradikale Parolen gebrüllt, berichtet die Polizei. Zwei der offenbar betrunkenen Täter wurden festgenommen, später aber wieder auf freien Fuß gesetzt. Eines der Opfer wurde nach Augenzeugenberichten an der Schulter getroffen und leicht verletzt.“

20.04.2001:

„Im Norden Sachsen - Anhalts hatten sich am Abend des 20. Aprils, dem Geburtstag Adolf Hitlers, an verschiedenen Orten Neonazis versammelt. Die Polizei löste drei Treffen auf. Wie ein Sprecher der Polizeidirektion Stendal mitteilte, war es dabei auf einem Grundstück in Stendal bei Tangerhütte zu Auseinandersetzungen gekommen. Zehn Angehörige der rechtsextremen Szene wurden festgenommen. Sie wurden am Samstag von Polizei und Staatsanwaltschaft vernommen. Die Gruppe von Neonazis war auf die Polizei mit Steinen, Stöcken, einer Axt und einem Kampfhund losgegangen, als Beamte die Zusammenkunft auflösen wollten. Verletzte gab es den Angaben zufolge nicht. Zuvor hatte die Polizei in Tangerhütte auf einem Privatgrundstück einer ebenfalls großen Gruppe Neonazis Platzverweise erteilt und damit ein Konzert einer Skinhead - Band verhindert, hieß es weiter. In einer Schrebergartenanlage in Gardelegen hätten Beamten gegen dort versammelte Neonazis 25 Platzverweise ausgesprochen.

20.04.2001:

„Wie die Polizei am Samstag mitteilte, wurde ein 47 Jahre alter Algerier am Freitagabend in Magdeburg von den drei Jugendlichen im Alter von 16 und 19 Jahren geschlagen, als er mit dem Fahrrad unterwegs war. Nach Angaben eines Sprechers des Innenministeriums werden sie der rechtsextremen Szene zugeordnet. Der Ausländer erlitt bei dem Überfall den Angaben zufolge im Gesicht leichte Verletzungen. Die drei Magdeburger seien wegen Körperverletzungsdelikten bereits polizeilich bekannt. Sie wurden festgenommen. Ihnen werde gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. Das Trio war nach dem Überfall auf den Ausländer zu einer Gruppe Jugendlicher gestoßen, die sich an einem andern Ort aufgehalten hatte. Die Polizei fand die drei jungen Männer dort in der Gruppe. Als diese beim eintreffen der Polizei in eine Straßenbahn flüchtete, stoppten die Beamten die Bahn. Die Jugendlichen versuchten aggressiv die Festnahme der drei Jugendlichen zu verhindern, hieß es weiter. Sie zerschlugen in der Straßenbahn eine Fensterscheibe. Alle 25 Jugendlichen, die erheblich Alkohol getrunken hatten, wurden in Gewahrsam genommen. Bis auf die drei des Überfalls auf den Ausländer beschuldigten Jugendlichen wurden die Jugendlichen nach Feststellung der Personalien und Rücksprache mit der Staatsanwaltschaft entlassen.“

Die Anzahl der eben aufgef ü hrten Ü bergriffe wirkt erschreckend auf uns, welche Kriterien mu ß die antirassistische Erziehung nun erf ü llen um wirksam dagegen vorzugehen?

3. Antirassistische Erziehung in der Schule

3.1 Aufbau der antirassistischen Erziehung in der Schule

Antirassistische Erziehung soll nicht erst in der Schule sondern schon im Kindergarten präsent sein. ErzieherInnen und LehrerInnen sollten sich mit Rassismus in ihrem eigenen Denken und Fühlen auseinandersetzen. Um mit ihren SchülerInnen effektiv an der Bewältigung des Rassismus zu arbeiten, können sich LehrerInnen Unterstützung bei Ansprechpartnern wie der RAA (Regionale Arbeitsstellen zur Förderung ausländischer Kinder und Jugendlicher) holen.

So ist es schon in der Grundschule möglich den SchülerInnen, unter spezieller Anleitung, politische Zusammenhänge von Migration und Ausländerfeindlichkeit zu verdeutlichen und am Miteinander in der Klasse zu arbeiten.

Für die Sekundarstufe sollte eine multiperspektivische Allgemeinbildung und politische Bewußtseinsbildung vermittelt werden.

Die Folgen der kapitalistischen Weltwirtschaftsordung und Phänomene des globalen Arbeitsmarktes können begriffen und behandelt werden. Ebenso sollten Funktionsweisen des Rassismus, subjektive und gesellschaftliche Funktionen von Vorurteilen Unterrichtsgegenstand sein. Wichtig hierbei ist, daß SchülerInnen der Sekundarstufe lernen Stellung zu beziehen und diese zu hinterfragen, aber auch zu verteidigen.

Für wichtig halten wir auch, daß nicht nur in der Schule eine Förderung antirassistischer Entwicklung stattfindet, sondern auch außerhalb des Unterrichts (Freizeit, Familie) diese intensiv unterstützt wird.

Als Voraussetzung f ü r eine effektive antirassistische Arbeit ist nicht nur die Behandlung des Themas „ Rassismus “ bzw. „ Antirassismus “ als Unterrichtsgegenstand, sondern auch die Beachtung dieses im schulischen Auftreten von Bedeutung.

3.2 Forderungen einer antirassistischen Erziehung an den unterrichtlichen Aufbau

Um ein vorurteilsfreies Miteinander zu ermöglichen sollte z.B. die Übersetzung der Standardbriefe an die Eltern in der jeweils nötigen Sprache Voraussetzung sein.

Dazu gehört auch die Rücksichtnahme auf kulturelle Traditionen im Unterricht, wie z.B. die Reduzierung hoher Leistungsanforderungen an die SchülerInnen, während des Ramadans (moslemischer Fastenmonat). Auch auf den Wunsch nach separaten Schwimm- und Sportunterricht für moslemische Jungen und Mädchen sollte nach Möglichkeit eingegangen werden.

Um innerhalb der Klasse Unterdrückung bzw. Konkurrenz durch sprachliche Schwierigkeiten zu verhindern, wäre eine Verlagerung des sprachlichen Schwerpunktes auf Hilfen, die konkretisieren, veranschaulichen und mehrere Sinne ansprechen ratsam. Das bedeutet, daß bei der Bewertung von Leistung Rücksicht auf die Problematik der Zweisprachigkeit genommen wird. Hilfreich kann dabei die Zusammensetzung von schulischen Lerngruppen mit Schülern/ Schülerinnen verschiedener ethnisch - kultureller Herkunft, mit Jugendlichen mit und ohne Migrationshintergrund sein. In diesen Lerngruppen kann eine kritische Auseinandersetzung mit kulturellen Besonderheiten auf freundlicher Basis und unter gegenseitigem Vertrauen stattfinden. Hierbei sollte eine Vermutung über ethnisch - kulturell beeinflußte Unterschiede im gegenwartsbezogenen Erinnerungsprozeß hinsichtlich der Wahrnehmung, des Ausdrucks und der Reflexion von Fremden durch die SchülerInnen gemeinsam überprüft werden. Zur Verdeutlichung des16 Ausländer- und Aussiedleranteils an nordrhein-westfälischen Schulen dient das neben- stehende Schaubild.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3.3 Ziele, Werte und Inhalte der antirassistischen Erziehung

Eine Erziehung gegen Rassismus muß primär unter dem Aspekt begonnen werden, die Probleme zu bearbeiten die Angehörige der Mehrheitskultur selbst mit EinwanderInnen haben bzw. die auf der Straße, am Arbeitsplatz, in der Schule beobachtet werden oder aus den Medien entnommen werden können. Damit ist sie, in Bezug auf die schulische Erziehung, alters- und fachunabhängig.

Zentraler Ansatzpunkt ist die Thematisierung des eigenen Befremdetseins, der eigenen Ängste und des eigenen Rassismus.

Inhaltlich sollte sich die antirassistische Erziehung u.a. auf die Aufklärung der Lebenswelt migranter Kinder und ihrer Familien beziehen. Die Ursachen für Migration sollten deutlich herausgearbeitet und z.B. durch Befragungen von „betroffenen“ Eltern zugänglich gemacht werden.

In dem Zusammenhang kommt es zum Hinterfragen der eigenen Lebensform und zum Erkennen struktureller Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten, die auch im eigenen nichtmigranten Leben stattfinden. Die antirassistische Erziehung leugnet hierbei nicht die kulturellen Unterschiede. Sie ist aber deutlich gegen eine Fokussierung und Verherrlichung dieser und will nicht, daß eine Ausblendung der Rassen- und Klassenkonflikte stattfindet. Die SchülerInnen sollen durch das Erkennen sozialer Benachteiligung, aufgrund rassistischer Merkmale lernen, das Anderssein zu akzeptieren.

Es ist unumgänglich die Gesellschaftsstruktur zu problematisieren und die Geschichte als eine Geschichte der Klassenkämpfe, des Geschlechterkampfes und des Rassenkonfliktes vor Augen zu führen.

Es sollte der Zusammenhang zwischen Sexismus und Rassismus deutlich gemacht werden.

Dieser äußert sich durch eine Intoleranz innerhalb der eigenen Gesellschaft, genauer betrachtet schon innerhalb der eigenen, unmittelbaren Umgebung (Nichtakzeptanz von Frauen der gleichen Nationalität und mit gleichen Normen- und Kulturvorstellungen).

Besteht nun eine Diskriminierung bei doch gleichen Lebensformen, so ist die Ablehnung gegenüber Fremden fast vorprogrammiert. Begünstigt wird dieser Prozeß noch durch wirtschaftliche Krisen innerhalb der Gesellschaft, die eine allgemeine Unzufriedenheit aufkommen lassen, welche auf das Abgelehnte projiziert wird.

Den SchülerInnen soll im Rahmen der antirassistischen Erziehung gezeigt werden, daß ein Wechselspiel zwischen der gesellschaftlichen Struktur und Einstellung, sowie dem politischen System herrscht. Der durch dieses Wechselspiel beeinflußte institutionelle und strukturelle Rassismus (in der Bundesrepublik Deutschland z.B. das Ausländerrecht) sollte neben der Verdeutlichung sozialer Benachteiligungen aufgegriffen werden.

Hieraus ergibt sich das Lernziel einer im Sinne der antirassistischen Erziehung positiven Vermittlung von politischem Bewußtsein, sozialer Haltung und Kompetenz.

3.4 Unterrichtsinhalte

Wir greifen nun weitere Unterrichtsinhalte auf, die im Rahmen der antirassistischen Erziehung von Bedeutung sind, denn zur Aufklärung und Analyse gesellschaftlicher Strukturen wären folgende Punkte zu berücksichtigen:

- Migrationsursachen & - folgen im Rahmen der Weltwirtschaftsordnung
- Nord - Süd - Gefälle
- Probleme der Dritten Welt
- Geschichte des Kolonialismus
- Lage Osteuropas
- Struktureller Rassismus in der BRD (speziell das Ausländerrecht)
- Geschichte des Antisemitismus
- Analyse öffentlicher Medien, von Trivial- & Jugendliteratur & Schulbüchern (denn in allen Arten von Medien sind versteckte, stereotype Bilder von Fremden, kulturalistische Erklärungen für Armut, Klischees von anderen Kulturen etc.)
- Vergleich der Anansi und Spiderman - Geschichte
- Politische Dimensionen von Mehrheit- und Minderheit
- Klärung der Verwendung des Antirassismus - /Rassismus- und des Rassebegriffs in anderen Ländern und Verknüpfung mit den dortigen spezifischen Bedingungen

3.5 Differenzierte Betrachtung des vorgeschlagenen Unterrichtsbeispiel der„Anansi und Spiderman“- Geschichten

Um den SchülerInnen einen effektiven Umgang mit Jugendmagazinen o.ä. Produkten der Kulturindustrie und Alltagskultur bzw. dem Erkennen deren Botschaft zu ermöglichen, könnte die Anansi und Spiderman - Geschichte17 Bestandteil einer Unterrichtseinheit zum Antirassismus sein.

Es folgt eine Zusammenfassung der Anansi - Geschichte:

Im Wald leben viele Tiere, wobei der Tiger der König dieser ist und Anansi, die Spinne, „der Schwächste von allen“ ist. Ihm wird nicht zugehört, über ihn wird gelacht, er wird also nicht ernstgenommen. Doch auch Anansi möchte Beachtung; er möchte, daß die im Wald erzählten Geschichten nicht mehr wie auch alles andere, nach dem Tiger benannt werden, sondern nun Anansi - Geschichten heißen.

Als Gegenleistung erwartet Tiger, daß Anansi ihm Frau Schlange lebendig fängt - eine unlösbare Aufgabe?! Anansi versucht mit verschiedenen Fallen Frau Schlange zu fangen (er baut ein Loch und eine Kalebasse (Schlinge)), doch sie schnappen nicht zu. Mit seinen Fangversuchen hat Anansi allerdings den Zorn der Schlange auf sich gezogen und um sein Leben zu retten gibt er vor, sein Vorhaben sei es zu beweisen, daß Frau Schlange das längste Tier im Wald ist. Dieses reizt Frau Schlange, die nach Anansis Schmeicheleien ja auch zusätzlich noch sehr schlau ist und sie will beweisen, daß sie länger als ein sehr langer Bambusstock ist. So legt sie sich neben diesen und - angeblich der genauen Messung wegen - bindet die Spinne sie daran fest.

Nun ist Frau Schlange lebendig gefangen und die Tigergeschichten heißen seitdem Anansi - Geschichten und dieser wird nun auch nicht mehr belacht.

Zusammenfassung des Spiderman - Comics:

Der amerikanische Comicheld Spiderman, der ungewöhnliche Fähigkeiten besitzt, kämpft in diesem Beispiel gegen Thunderball. Dieser ist aus dem Gefängnis ausgebrochen und hat mit einer 4 - köpfigen Bande eine Eisenkugel, Kette und Brechstange geklaut, wobei letztere ihm überdimensionale Kräfte zufließen läßt. Er entledigt sich darauf hin - mit seiner neu erlangten Kraft - seiner „Brechstangen-Bande“ indem er sie fast zu Tode schlägt.

Spiderman versucht die Macht Thunderballs abzubauen. Bei diesem Kampf in der Nähe einer Autobahn wird die unendliche Kraft Thunderballs nochmals sehr deutlich.

Spiderman unterliegt Thunderball trotz der Abnahme der Brechstange haushoch. Erst durch die Bindung Thunderballs an ein Stromnetz, wodurch eine Riesenexplosion stattfindet, kann Thunderball außer Kraft gesetzt werden. Aber statt Dankbarkeit für die Rettung der Welt erntet Spiderman nur Schuldzuweisungen der Bürger, die eine Zeitverzögerung aufgrund des Kampfes und des daraus entstandenen Verkehrschaos `auf der Autobahn hinnehmen müssen. Spiderman reicht es, er macht den Rest des Tages frei.

Unterrichtsvorschlag für eine Grundschulklasse:

1. Einarbeitung/gemeinsames lesen der beiden Geschichten, und Klärung möglicher Fragen.
2. Die SchülerInnen sollen den Helden Eigenschaften der Liste, sortiert nach „gut“ und „böse“ zuteilen.

Liste der Adjektive: „ klug, beharrlich, schlau, zuverlässig, tapfer, schwach, dumm, zaubernd, gerissen, grausam, unfreundlich, gewalttätig, stark, freundlich, lustig, ausgefuchst, jämmerlich, komisch, bescheiden, betrügerisch“ Es folgt ein Vergleich der Zuordnung (Gemeinsamkeiten/ Unterschiede)

Fragen aufgrund dieser Basis:

- Welche Eigenschaften und Fertigkeiten benutzt Spiderman um seinen Feind zu besiegen?
- Sind es die gleichen wie die, die Anansi benutzt?
- Wenn Anansi in der gleichen Welt wie Spiderman leben würde, würde er sich anders verhalten?

Beurteilung der Geschichten/ der Handlungen von Anansi und Spiderman

- Ist es richtig zu kämpfen, wenn es sich um eine gute Sache handelt?
- Triumphiert das Gute über das Böse?
- Ist es egal wie man gewinnt, hauptsache man gewinnt?
- Ist es besser schlau zu sein, als stark? ⇓ Diskussion!

Reflexion des Erarbeiteten unter Anleitung des Lehrers.

Unterrichtsvorschlag für eine Sekundarstufe

1. Einarbeitung in den Text
2. Analyse der Charaktere
3. Analyse der Erzählformen unter Berücksichtigung geschichtlicher und gesellschaftlicher Hintergründe
4. Formulierung einer Bildergeschichte, in der beide Charaktere aufeinandertreffen (Grundgerüst kann vorgegeben werden - ein Beispiel: „Spiderman arbeitet für eine große amerikanische Firma, die den Wald gekauft hat, in dem Anansi und die Tiere leben. Sie planen den Wald zu räumen und die Tiere in ein Naturreservat zu bringen, wo sie eine zusätzliche Attraktion für Touristen sein werden.. Als Anansi von dem Vorhaben hört, faßt er mit den Tieren einen Plan, mit dem sowohl der Wald, als auch er selbst gerettet werden soll...“)

- Eröffnung einer Diskussion über Volkshelden und wie sie von dominanten und unterdrückten Kulturen produziert werden. Dieses soll auch eine Anregung für weiße und schwarze SchülerInnen (bzw. nichtmigrante und migrante SchülerInnen) sein, über Bedeutungen auf gleicher Basis nachzudenken

Literaturliste

1) Klaus Holzkamp; „Schriften 1; Antirassistische Erziehung als Änderung rassistischer „Einstellungen“? Funktionskritik und subjektwissenschaftliche Alternative (1994) Rassismus und das Unbewußte in psychoanalytischem und kritisch-psychologischem Verständnis“ (1995)
2) Philip Cohen; „Verbotene Spiele; Theorie und Praxis antirassistischer Erziehung“ (1994)
3) Raihana Begum; „Antirassistische Erziehung und interkulturelle Bildung“ ( 1993)
4) Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung; „Illegale Beschäftigung und Schwarzarbeit schaden uns allen“. (2000)
5) Nora Räthzel; „Theorien über Rassismus“ (2000)
6) Robert Miles; „Rassismus - Einführung in die Geschichte und Theorie eines Begriffs“ (1992)
7) Politisches Lernen; „Demokratie nach Diktaturen - Vom Umgang mit der Vergangenheit“ (1999)
8) Manfred Huth; „Lehren und Lernen interkulturell/antirassistisch“ (1997)
9) Georg Auernheimer; „Einführung in die interkulturelle Erziehung“

Internetadressen:

1) www.dielinkeseite.de

2) www.lds.nrw.de

3) www.antirassismus.de

5) www.aric.de

Zeitungsartikel

1) Psychologie Heute; „Die eigenen Ängste werden anderen eingejagt“ von Ulrich Sollmann (Januar 1999)
2) nds; „Rechts kommt nicht aus dem nichts“ von Wilhelm Heitmeyer (September 2000)
3) Die Zeit; „Nazis sind chic“ von Toralf Staud (15. Februar 2001)
4) Deutsche Lehrer Zeitung- Spezial; „Institutioneller Rassismus“ von Ute Osterkamps (11. Dezember 1997)
5) Weg und Ziel; Auszug aus: Jugendgewalt v. Frank Huisken (April 1999)
6) WAZ; „Studie: Alles Fremde wird abgelehnt, erregt Wut und Abscheu“ von Christopher Onkelbach (22. März 2001)

[...]


1 Aus: Politisches Lernen; Demokratie nach Diktaturen - Vom Umgang mit der Vergangenheit (1999)

2 Klaus Holzkamp; Schriften 1; Antirassistische Erziehung als Änderung rassistischer „Einstellungen“? Funktionskritik und subjektwissenschaftliche Alternative (1994) Rassismus und das Unbewußte in psychoanalytischem und kritisch - psychologischem Verständnis (1995)

3 Philip Cohen; Verbotene Spiele; Theorie und Praxis antirassistischer Erziehung (1994)

4 Mit den Begriff „ Rechte “ usw. bezeichnen wir Menschen mit rassistischer Gesinnung, um eine Abgrenzung zu den Rechten im gesetzlichen Sinne zu schaffen, kennzeichnen wir diese Begriffe mit kursiver Schrift

5 Johannes Zerger aus „Politisches Lernen; Demokratie nach Diktaturen - vom Umgang mit der Vergangenheit“(1999)

6 Lippert/ Wakenhut, 1983

7 Bott, 1968

8 Quelle: www.antirassismus.de

9 aus: Wochenschau - Verlag, 2. Auflage 2000, S. 71

10 Koopmann, erwähnt in WAZ vom 22.03.2000; Titel: „Studie: Alles Fremde wird abgelehnt, erregt Wut und Abscheu“

11 U.Osterkamps aus „Deutsche Lehrer Zeitung - Spezial“ 11.12.97

12 W. Heitmeyer aus „nds“ - Ausgabe 9/2000

13 T. Staud, in „Die Zeit“ vom 15.02.2001

14 Frank Huisken, Auszug aus „Jugendwelten“ in „Weg und Ziel“ (April 1999)

15 Internet: www.dielinkeseite.de

16 Quelle : www.lds.nrw.de/aktuell/presse/pres_052.htm

17 teilweise übernommen aus: Philip Cohen „Verbotene Spiele; Theorie und Praxis antirassistischer Erziehung“

23 von 24 Seiten

Details

Titel
Theorie und Praxis antirassistischer Erziehung
Hochschule
Technische Universität Dortmund
Autor
Jahr
2001
Seiten
24
Katalognummer
V103371
Dateigröße
577 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Theorie, Praxis, Erziehung
Arbeit zitieren
E. Szymanski (Autor), 2001, Theorie und Praxis antirassistischer Erziehung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/103371

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Theorie und Praxis antirassistischer Erziehung


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden