Pädagogik, Erziehung und Schule im Nationalsozialismus


Ausarbeitung, 2001
8 Seiten

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Unter Erziehung versteht man heute:

Unter Erziehung versteht man nach dem „Brockhaus“ die „Unterstützung und Förderung des heranwachsenden Menschen, die ihn in seiner geistigen und charakterlichen Entwicklung befähigen soll, sich sozial zu verhalten und als eigenverantwortlicher Mensch zu handeln“.

Im Rückblick auf den Nationalsozialismus und die dort vorhandene Auffassung von Erziehung passt dieser Begriff nicht mehr. Treffender wären Begriffe wie „Zerstörung der Person“ (STIPPEL, 1957), „Verführung“ (GAMM 1964) oder „Perversion der politischen Pädagogik“ (ASSEL 1969).

Schon vor Hitlers Machtergreifung gab es nationalistische Gedanken:

- Hugo G ö ring (deutscher Schulreformer) veröffentlichte im Jahr 1890 seine Schrift: „Die neue deutsche Schule“, die im Untertitel als „Ein Weg zur Verwirklichung vaterländischer Erziehung“ bezeichnet wird.
- Schon er sagt, die Schule sei dem Leben entfremdet und jede Schulreform müsse diese Entfremdung aufheben
- Leben wird schon hier als Nationales Leben verstanden, die Schulreform hat daher einen politischen Kern
- Die „undeutsch“ (Göring 1890, S.4) gewordene Schule soll verändert werden; dieses setzt nationale Stärke voraus: Die Umgestaltung der Schule „muss durch die Erreichung eines Höhepunktes in der Machtentfaltung des Staates begründet werden“ (Göring 1890, S.10)
- Görings Schule verbindet: Arbeit und Leben, nimmt den theoretischen Unterricht zurück, erteilt keine Hausaufgaben und keine Zensuren, hält keine punktuellen Prüfungen ab, gibt statt dessen halbjährliche individuelle Schülerbeurteilungen und fördert die Gesundheit der Schüler
- Weiterhin religiöse Gesinnung, strenge Pflichtgefühl, Wahrhaftigkeit und Vaterlandsliebe
- Die Willenserziehung ist der Mittelpunkt der pädagogischen Arbeit; ihr dienen Militärübungen, Arbeitsunterricht, Schulreisen und patriotische Feste
- Hier wird die Gemeinschaft nicht als Gegensatz zur ausdrücklich betonten Individualität des Schülers gesehen, da die Erziehung beiden Zielen dienen soll

Ausgangssituation:

Die Ausgangssituation zur möglichst großen Beeinflussung von Menschen war für Hitler denkbar günstig:

Vor seiner Machtergreifung 1933 war die Weimarer Republik, die nach der Weltwirtschaftskrise Ende der 20er scheiterte. Die Menschen finanziell geschwächt. Das Geld aus Krediten musste an die Banken zurückgezahlt werden. Die Menschen konnten sich keine Maschinen und Rohstoffe mehr kaufen. Die Produktion in den Betrieben musste eingestellt werden, die Arbeiter teilweise entlassen.

Not und Hoffnung trieben Millionen Menschen seit 1930 dazu, die Parteien zu wählen, die Feinde der Republik waren, aber allen „Arbeit und Brot“ versprachen.

Brüning wurde von Hindenburg zum Kanzler ernannt. Dieser regierte mit Notverordnungen was letztendlich die Wählerschaft radikalisierte, die NSDAP (Hitlers Partei) und die KPD hatten immer größere Wahlerfolge. Mit seinem Rede- und Organisationsgeschick schaffte Hitler es dann am 30.01.1933 nach Brüning und Hindenburg zum Reichskanzler.

Ab diesem Zeitpunkt rieselte eine unablässige Propaganda auf die Deutschen nieder. Alles was an Information aus dem Ausland kam wurde sorgsam abgeschirmt, jedermann war von der Partei irgendwie erfasst: im Betrieb, in der Hausgemeinschaft, in den nationalsozialistischen Organisationen, in den Vereinen und in der Schule. Alles Leben war gleichgeschaltet, auf den Führer Adolf Hitler ausgerichtet.

Die Frage nach dem Erziehungskonzept

Im Nationalsozialismus gab es nie ein Konzept für ein Erziehungsprogramm, die Eingriffe in das Erziehungssystem hingen eng mit den wechselnden machtpolitischen Interessen zusammen: Zunächst waren während der Zeit der Machtergreifung (1933/1934) noch Ansätze einer sozialrevolutionären Erziehung auszumachen, doch in der Periode der Machtkonsolidierung und Kriegsvorbereitung (1934-1940) dominierte der Wille zu lückenloser Erfassung, Kontrolle, und politischer Instrumentalisierung der gesamten Generation.

Die Nationalsozialisten konnten sich bei der Machtergreifung nicht auf ein eindeutig formuliertes Erziehungskonzept einigen. Die Aussage Hitlers, erst müsse man die Macht haben, dann werde man weitersehen, war auch auf den Bereich Schule und Erziehung gerichtet. Das nationalsozialistische Erziehungssystem ist nicht durch pädagogische Planung entstanden. Dies zeigt sich nicht zuletzt darin, dass Konflikte im Bereich Erziehung, Bildung und Schule in der gesamten Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft an der Tagesordnung waren.

In Hitlers Buch „Mein Kampf“ lassen sich einige Textstellen über seine Einstellung zur Jugenderziehung belegen, z.B:

,,Der völkische Staat hat [...] seine gesamte Erziehungsarbeit in erster Linie nicht auf das Einpumpen bloßen Wissens einzustellen, sondern auf das Heranzüchten kerngesunder Körper. Erst in zweiter Linie kommt dann die Ausbildung der geistigen Fähigkeiten".

„ Meine P ä dagogik ist hart. Das Schwache muss weggeh ä mmert werden. In meinen Ordensburgen wird eine Jugend heranwachsen, vor der sich die Welt erschrecken wird. Eine gewaltt ä tige, herrische, unerschrockene, grausame Jugend will ich. Jugend muss das alles sein. Schmerzen muss sie ertragen. Es darf nichts Schwaches und Z ä rtliches an ihr sein. Das freie, herrliche Raubtier muss erst wieder aus ihren Augen blitzen. Stark und sch ö n will ich meine Jugend. Ich werde sie in allen Leibeserziehungen ausbilden lassen. Ich will eine athletische Jugend. Das ist des Erste und Wichtigste. (...) Ich will keine intellektuelle Erziehung. Mit Wissen verderbe ich mir die Jugend. Am liebsten lie ß e ich sie nur das lernen, was sie ihrem nat ü rlichem Spieltriebe folgend sich freiwillig aneignen. Aber Beherrschung m ü ssen sie lernen. Sie sollen mir in den schwierigsten Problemen die Todesfurcht besiegen lernen. Das ist die Stufe der heroischen Jugend. Aus ihr w ä chst die Stufe des Freien, des Menschen, der Ma ß und Mitte der Welt ist, des schaffenden Menschen, des Gottmenschen. In meinen Ordensburgen wird der sch ö ne, sich selbst gebietende Gottmensch als kultisches Bild stehen und die Jugend auf die kommende Stufe der m ä nnlichen Reife vorbereiten. “

- Anhand dieses Beispiels sieht man, dass Hitler eine Jugend nach folgenden Idealen haben wollte:
- Sie sollte gewalttätig, grausam, schmerzunempfindlich, herrisch, unerschrocken, athletisch, beherrscht und nicht intellektuell gebildet sein.
- Heutzutage weiß man, dass Hitler damit nur ein Ziel verfolgte: Er wollte Soldaten, die für seine Überzeugung kämpften. Sie sollten nicht intellektuell sein, damit sie Hitlers Ideologie nicht hinterfragen konnten. Sie sollten lediglich sportlich sein, damit sie ihrem Gegner körperlich überlegen waren.

Alle Textstellen enthalten zumeist eine Mischung aus Rassismus, Volksverhetzung, Banalitäten, aber leider auch durchaus plausible Behauptungen, wie das Problem des Stoffumfangs im Unterricht. Jeder kann etwas finden, was seine Meinung oder Einstellung zur Erziehung bestätigt oder dem er wenigstens teilweise zustimmen kann. Das macht die Mischung dieses Buches und auch der anderen angeschauten Bücher gefährlich.

Hitlers Erziehungsvorstellungen basieren immer auf rassistisch-biologischen Grundlagen. Sein Menschenbild ist auf die naturgegebene Ungleichheit bezogen. Rassenunterschiede bei Tieren werden einfach und fälschlicherweise auf den Menschen bezogen. Der sogenannte Rassenunterschied wird als naturgegeben und damit als richtig und unantastbar hingestellt. Fremdartige Kinder und Jugendliche waren nach Hitlers Vorstellungen erst gar nicht erziehbar.

Es ist erkennbar, dass die körperliche Ausbildung als wesentlich angesehen wird. Danach kommt die Charakterbildung, deren Krönung im ,,Rassenbewusstsein" zu sehen ist. Die wissenschaftliche Ausbildung wird als nicht besonders wichtig betrachtet. Ein entscheidender Punkt ist immer die Reinhaltung des deutschen Blutes. Die Erziehung muss daher nicht nur auf die Jugend sondern auf die ganze Gesellschaft gerichtet sein.

Der Anspruch der totalen Erziehung wird mit der rassischen Bedrohung des deutschen Volkes begründet. Die Erziehung ist nicht mehr zeitlich bestimmt oder begrenzt. Kinder und Jugendliche können von vornherein nationalsozialistisch erzogen werden, Erwachsene m ü ssen umerzogen werden.

Es ist wichtig festzustellen, dass die Grenzen zwischen Erziehung, Bildung und Propaganda nicht mehr deutlich sichtbar waren.

Welche Schwächen sieht Hitler in der Erziehung vor seiner Machtergreifung?

- Auf die Ausbildung des Charakters des Einzelnen wurde wenig Wert gelegt.
- Der Förderung der Verantwortungsfreudigkeit wurde nur wenig Aufmerksamkeit geschenkt.
- Die Erziehung der Entschlusskraft wurde überhaupt nicht gepflegt

Folgen:

- keine starken Menschen
- Feigheit vor der Verantwortung
- Schwäche in der Behandlung von lebenswichtigen Problemen
- tiefe willensmäßige Schwäche brachte den Deutschen um die Achtung in der Fremde

Was wollte Hitler anders machen? → jmd. vorlesen lassen

Am 2. Dezember 1938 legte Hitler seine Absichten offen dar:

„ Diese Jugend die lernt ja nichts anderes als Deutsch denken, deutsch handeln. Sie komme vom Jungvolk n die Hitler-Jugend und dort behalten wir sie wieder vier Jahre, und dann geben wir sie erst recht nicht zur ü ck in die H ä nde unserer alten Klassen- und Standeserzeuger, sondern dann nehmen wir sie sofort in die Partei oder in die Arbeiterfront, in die SA oder die SS, in das NSKK und so weiter. Und wenn sie dort... noch nicht ganz Nationalsozialisten geworden sein sollten, dann kommen sie in den Arbeitsdienst und werden dort wieder sechs oder sieben Monate geschliffen, alle mit einem Symbol, dem deutschen Spaten. Und was dann nach sechs oder sieben Monaten noch an Klassenbewusstsein oder Standesd ü nkel da oder danach vorhanden sein sollte, das ü bernimmt die Wehrmacht. Dann nehmen wir sie, damit sie auf keinen Fall r ü ckf ä llig werden sofort wieder in SA, SS und so weiter. Und sie werden nicht mehr frei, ihr ganzes Leben. “ (Renzo-Vespignani Faschismus, Elefantenpress, Hamburg)

Der Nationalsozialismus erfindet keine neue Theorie. Neu ist die Brutalität des „pädagogischen Willens“, nicht aber die Gedanken, sondern eher die Methode, mit der die Erziehungsziele umgesetzt werden.

Dies erreichte Hitler insbesondere durch eine Jugendorganisation, die parallel zur Schule lief, die „Hitler Jugend“ (HJ). Dieses von Hitlers Partei, der NSDAP, geführte Programm fand am Anfang wenig Beachtung, wurde aber innerhalb kürzester Zeit populär. Schließlich löste sie die kirchlichen und gewerkschaftlichen Jugendbewegungen aus der Weimarer Republik ab, bzw. verdrängte sie.

Die Inhalte und Ziele der Hitlerjugend:

Die Ziele der HJ: Verpflichtung der Jugend auf die Person Hitler, Volksgemeinschaftliche Einheitsorganisation für die deutsche Jugend, das Prinzip der Selbstführung und die Verbesserung der sozialen Lage der Jugend.

Inhalte waren: Rassenbewusstsein, Gehorsam, Loyalität zur Führung und den Glauben an die uneingeschränkte Selbstaufopferung einzurichten. Sprüche wie: „Die Fahne ist mehr als der Tod“ sollten Wirklichkeit werden.

Rollenverteilung von Mädchen & Frau und Junge & Mann

„Hüterin der Innenwelt - Kämpfer in der Außenwelt“

Dieses Zitat, aus einem zeitgenössischen Familienratgeber, zeigt anschaulich die Aufspaltung in unterschiedliche Geschlechtscharaktere zur Zeit des Nationalsozialismus. Die Ausbildungsgänge für Mädchen orientierten sich an vergangenen Leitbildern der Frauenrolle als vorbildliche tugendhafte Mutter, währenddessen die männliche Jugend zu heldenhaften und tapferen Kämpfern erzogen werden sollten.

Die Ausbildung von Jungen und Mädchen wurden deutlicher als zuvor gespaltet: Die Mutter soll sich ganz ihren Kindern und der Familie (die Sorgfalt für Haushalt und Kinder wurde zur staatsbürgerlichen Pflicht), die Frau sich dem Manne widmen können, und das unverheiratete Mädchen soll nur auf solche Berufe angelernt werden, die der weiblichen Wesensart entsprechen. Jede Berufstätigkeit außerhalb der Familie, soll dem Mann überlassen sein.

Während für die Mädchen Tugenden wie Fleiß, Ordnungsliebe, Sparsamkeit, Wirtschaftlichkeit aufgestellt wurden, ließ sich die Erziehung der Jungen auf das Ziel des zukünftigen Soldaten reduzieren. Sie sollten hart wie Kruppstahl, z ä h wie Leder und schnell wie die Windhunde werden, während der kalte Intellekt abgelehnt wurde. Die Jungen, die sich diesem Bild vom Helden nicht fügen konnten oder wollten, mussten darunter leiden.

Ein wörtliches Zitat Hitlers: „ Trotzige Verk ö rperung m ä nnlicher Kraft und Weiber, die wieder M ä nner zur Welt bringen k ö nnen “

Das Schulwesen:

- von einem Gesamtorganismus der Bildung kann hier nicht mehr die Rede sein
- die völkische Schule soll zu einem Gesamtorganismus werden und zum einheitlichen völkischen Weltbild aufsteigen
- ab dem 7. Lebensjahr soll die Schule beginnen, ab dem 6. Lebensjahr wäre es verfrüht, mit 18 sollt die Schulzeit beendigt werden, da dann der Wehrdienst, der Arbeitsdienst und die Hochschule an der Reihe sind
- auf die vierjährige Grundschule baut sich die vierjährige Volksschule, danach Fach- und Berufschule, falls nicht die Unterstufe einer hören Schule vorhanden, auf
- neben der Schule gehörten die Jungen von 10-14 Jahren dem „Jungvolk“ an, danach traten sie von 14 bis einschließlich 18 Jahren in die „HJ“ ein.
- So waren auch die Mädchen unterteilt. Sie traten von 10-14 Jahren bei den „Deutschen Jungmädeln“ ein, von 14 - 21 Jahren gehörten sie dem „Bund Deutscher Mädel“ an. Zudem wurden sie von 17 bis 21 Jahren im Werk „Glaube und Schönheit“ erfasst, welches dem „Bund Deutscher Mädel“ angegliedert war.
- Ab 1936 wurde die Mitgliedschaft in der HJ durch einen gesetzlichen Rahmen verpflichtend.

Aufgabe der Volksschule und dem Unterbau der höheren Schule:

- Verwirklichung und Lehre der völkischen Allgemeinbildung

Höhere Schulen:

- sie sollen den Kreis weiterspannen ➨ d.h. Ausbau des gemeinvölkischen Weltbildes im Zusammenhang mit :

- dem natürlichen Wirklichkeiten
- den geschichtlichen Gegebenheiten
- den nationalpolitischen Aufgaben

Allgemein kennzeichnend:

- die hohe Allgemeinbildung, der Mechanismus Fach an Fach, Stoffgebiet an Stoffgebiet, der starre Stundenplan, wobei der Schüler den Sinn und das Weltbild selbst erkennen muss, werden nun abgelehnt

- aus dem einheitlichen Ziel der Bildung sind lebendige Einheiten und gegliederte Lehrpläne und Bildungspläne aufzubauen

- d.h. Stundenpläne sollen elastisch und dynamisch gestaltet werden, damit die Bildungsarbeit des Lehrers und des Schülers sich dem ganzheitlichen Sinne des Gesamtunterrichts bewegen kann

- gerade in den höheren Schulen muss die Allgemeinbildung radikal gebrochen werden und eine Gabelung der Fächer erfolgen, d.h. der Schüler soll z.B. zwischen mehreren Fremdsprachen entscheiden können. Somit soll dem Schüler nicht die volle Breite der Bildung (Allgemeinbildung) zugemutet werden, das wäre sinnlos

- dies ist bereits ein nichtzwingende Vorentscheidung zum beruflichen Werdegang
- dies Art der Gabelung ist in Schulen auf dem Land ausgeschlossen: Der Schüler muss nehmen, was vorhanden ist

Gabelungen:

1.) sprachlich-geschichtlich-kulturwissenschaftlich Aufgabenkreis
2.) mathematisch-naturwissenschaftlich Aufgabenkreis
3.) technisch künstlerisch Aufgabenkreis

+

m ö gliche Zweige

- fremdsprachliche Gruppen

- geographisch-biologische Gruppen

- biologisch-chemische Gruppen

- technisch-physikalische Gruppen

- in der Oberstufe (höhere Schule) ist ein gemeinsames Pflichtfach die deutsche Landes- und Volkskunde
- jedes Fach muss auf das Lebensganze eingehen

Fachbeispiel mit Lerninhalt:

Deutsch:

Allgemein:

- wie an allen anderen Fächern ging auch im Fach deutsch das nationalsozialistische Gedankengut ein und wurde zur völkisch-nationalen Identitätsfindung missbraucht
- Zentrales Thema war das Deutschtum, dessen Wurzeln bis in die germanische Zeit zurückverfolgt und verherrlicht wurden

Beispiel: Deutsches Lesebuch für Volksschulen 5. und 6. Schuljahr, Nürnberg, Verlag der Friedr. Kornschen Buchhandlung 1935

Das Vorwort lautet:

„ Durch deutsche Eltern gab uns Gott das Leben. Vom deutschen Boden schenkt er uns das Brot. So sind Blut und Erde, Volk und Heimat die H ä nde Gottes, aus denen wir alles haben, was wir sind. Nie wollen wir diese H ä nde loslassen. Wir wollen festhalten an der deutschen Heimat und eins sein mit unserem deutschen Volke. Heil Hitler! Gezeichnet: Der Verleger." (S.1)

- In vielen Büchern ist die Verherrlichung der Heimat und des deutschen Volkes zu erkennen
- Ganz deutlich erkennt man immer wieder die nationalsozialistischen Propaganda- Methoden, selbst in Büchern des 1. Schuljahres:

Beispiel:

Hirt, Ferdinand Berliner Fibel, Schreiblesefibel Breslau, Verlag Hirt, 1935

(für das 1. Schuljahr)

Um den Buchstaben „ T “ und seine Verwendung kennen zu lernen wurde folgender Satz verwendet:

„ Trari trara - trari trara! Trompeter sind da Trompeter werden wir, im Takt marschieren wir."

- schon dieser Satz ist mit dem Militär verbunden, zeigt jedoch noch keine Merkmale des Dritten Reichs, wenn da nicht die den Text umgebenden Zeichnungen wären:

- Über dem Text sind einmarschierende SA-Truppen zu sehn, ausgestattet mit braunen Uniformen und Hakenkreuz-Armbinden

Weiterhin wurde in einigen Büchern auf die Verfremdung deutscher Sprache eingegangen:

K ü ffner, K.; Dorner, F.; Krell, L. Deutscher Sprachunterricht in Lehre und Beispiel Bamberg, C. C. Buchners Verlag, 1935 34

Die neu erwachte Begeisterung für die alten Sprachen, vor allem aber die „Verfälschung" im Gefolge des Dreißigjährigen Krieges und der Weltverkehr des 19. Jahrhunderts seien Ursachen für das „ Eindringen der h ä sslichen Fremdlinge" (S.226).

Lehrplan:

- die Aufklärung war in deutschen Schulbüchern so gut wie gar nicht vertreten, da ihre Motive zur Selbstbestimmung und Humanität überhaupt nicht in das Schema eines totalitären Staates passten
- Die Klassik, die sich ja an der griechisch- römischen Antike orientierte hatte es nicht einfach
- Einige Werke Schillers ließen sich nicht mit den Naziideologien vereinbaren
- Wilhelm Tell wurde für seine große Freiheitsliebe für den Schulgebrauch verboten
- Am besten ließ sich die Romantik für den Schulgebrauch der Nazis missbrauchen
- Neuere Stile wie der Naturalismus und der Expressionismus wurden für die Schule als völlig untauglich angesehen

Ernst Krieck

Er wird als der „Chefideologe der nationalsozialistischen Erziehung“ bezeichnet und schrieb zum Beispiel das Buch „Erziehungsphilosophie“, in dem Themen wie „Das deutsche Bildungsideal“ oder „Die Bildungsmethode“ behandelt wurden.

„Das deutsche Volk solle im Sinne der nationalsozialistischen Revolution seine Aufgabe endlich an sich selbst und an seiner Zukunft durch die Zucht erfüllen oder vor dieser Aufgabe versagen.“

Georg Usadel

Usadel propagiert in seinem Buch „Zucht und Ordnung - Grundlagen einer nationalistischen Ethik“ die Meinung, dass das „Ordnen von Erbgut“ von Gott so gewollt ist und dass „das Erbgut [...] veredelnd weitergeben“ werden soll. Weiterhin soll „...eine gesunde rassische Zusammensetzung des deutschen Volkes die Vorraussetzung für sämtliche Leistungen auf allen Lebenswegen“ sein.

Literatur:

- Keim, Wolfgang (Hrsg.):Pädagogen und Pädagogik im Nationalsozialismus - ein unerledigtes Problem der Erziehungswissenschaft, 3. Auflage, Frankfurt/M., 1991
- Krieck, Ernst: Erziehungsphilosophie, keine Angeben zum Erscheinungsjahr/-ort im Buch
- Ebeling, Hans: Die Reise in die Vergangenheit, Band 3, 1. Auflage, Braunschweig,
- Bauer, Josef u. andere: Die Schule im nationalsozialistischen Staat, Leipzig, 1935
- Usadel, George: Zucht und Ordnung, Berlin, 1935
- Goeritz, Erich/Immisch, Joachim: Zeiten und Menschen, Band 4, 10. Auflage, Paderborn, 1992

7 von 8 Seiten

Details

Titel
Pädagogik, Erziehung und Schule im Nationalsozialismus
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen
Veranstaltung
Allgemeine Wissenschaftstheorien und Probleme pädagogischer Theoriebildung
Autor
Jahr
2001
Seiten
8
Katalognummer
V103378
Dateigröße
363 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Pädagogik, Erziehung, Schule, Nationalsozialismus, Allgemeine, Wissenschaftstheorien, Probleme, Theoriebildung
Arbeit zitieren
Sabrina Hill (Autor), 2001, Pädagogik, Erziehung und Schule im Nationalsozialismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/103378

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