Zu Beginn der Arbeit wird in Kapitel 2. ein Überblick über die zentralen Begriffe gegeben. Hierbei soll vor allem durch die Aufteilung der Begriffe "Queer", "Migration" und "Sexarbeit" ein erster Einblick für die Leser*innen geschaffen werden, um zu verstehen welche Personengruppe gemeint ist und welcher Tätigkeit diese nachgeht. Die Sexarbeit als Arbeit wird außerdem ausführlicher im 2. Kapitel ausgeführt, da der Bereich und die Szene der Sexarbeit ein komplexes und vielfältiges Feld ist.
In dieser Arbeit wird sich hauptsächlich der mann-männlichen Prostitution gewidmet. Hierbei wird zunächst ein kurzer Überblick über den Ursprung der mann-männlichen Prostitutionsszene gegeben. Anschließend wird auf die Sexarbeiter*innen und deren Kund*innen eingegangen, mit dem Versuch einer Definition.
Das 3. Kapitel widmet sich der rechtlichen und politischen Lage der Sexarbeit. In diesem Kapitel wird das im Jahre 2002 in Kraft getretene Prostitutionsgesetz, das in 2017 darauf aufbauende Prostituiertenschutzgesetz und das Infektionsschutzgesetz näher erläutert. Die Orte und Erscheinungsformen der Sexarbeit von Cis-Männern und queer-refugees werden in Kapitel 4. definiert.
Das 5. Kapitel setzt sich mit Queerness und Flucht auseinander. Zu Beginn wird darauf eingegangen, wie sich die Unterstützungsangebote seit dem Sommer der Migration in 2015 in Deutschland verändert haben. Weiter werden in diesem Kapitel die Gründe genannt, weshalb queere Menschen aus ihren Heimatländern fliehen und welche Diskriminierungs- und Ausgrenzungserfahrungen die queer-refugees beim Ankommen in Deutschland machen. Dabei wird im letzten Abschnitt des Kapitels, die Erfahrung von Rassismus und Ethnosexismus genauer erläutert.
Im 6. Kapitel werden die Lebens- und Problemlagen von queer-migrantischen Sexarbeiter*innen aufgeführt. Die Problemlagen werden in diesem Kapitel ausführlicher beschrieben, da diese der Ansatzpunkt für die Soziale Arbeit sind und aufzeigen, wie die Soziale Arbeit die Sexarbeiter*innen unterstützen kann, um ihnen einen gelingenderen Alltag zu ermöglichen.
Abschließend wird im 7. Kapitel die Soziale Arbeit aus einer lebensweltorientierten Sicht betrachtet, wie diese die queer-migrantischen Sexarbeiter*innen unterstützen kann und welche Kompetenzen Sozialarbeiter*innen hierfür mitbringen sollten. Abschließend wird in diesem Kapitel auf die aktuelle Situation eingegangen und über die Auswirkungen der Covid-19 Pandemie berichtet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Aufbau der Arbeit
1.2 Sommer der Migration in 2015
2. Begriffsbestimmung
2.1 Queer
2.2 Migration
2.3 Sexarbeit
2.3.1 Mann-männliche Prostitution
2.3.2 Sexarbeiter*innen
2.3.3 Kund*innen
2.4 Queer-migrantische Sexarbeit
3. Rechtliche und politische Rahmungen
3.1 Prostitutionsgesetz
3.2 Prostituiertenschutzgesetz
3.3 Infektionsschutzgesetz
3.4 Rechtlicher Rahmen der queer-migrantischen Sexarbeit
4. Orte und Erscheinungsformen der Sexarbeit von Cis-Männern und queer-refugees
4.1 Prostitution in öffentlichen Räumen
4.2 Prostitution in halböffentlichen Räumen
4.3 Prostitution in virtuellen Räumen
5. Queerness und Flucht
5.1 (Queer-)Refugees Unterstützung seit dem Sommer der Migration
5.2 Queerfeindlichkeit in den Herkunftsländern
5.3 Ethnosexismus und Rassismus als Erfahrung des Ankommens in Deutschland
6. Lebens- und Problemlagen von queer-migrantischen Sexarbeitenden
6.1 Lebenslagen
6.1.1 Motivation der Sexarbeitenden
6.2 Problemlagen
6.2.1 Gesellschaftliche Aspekte
6.2.1.1 Heteronormativität
6.2.1.2 Stigmatisierung
6.2.2 STI
6.2.3 Sucht
6.2.4 Gewalt
6.2.5 Psychische Folgen
7. Soziale Arbeit im Bereich der queer-migrantischen Sexarbeit
7.1 Die lebensweltorientierte Theorie
7.2 Leitlinien für die lebensweltorientierte Soziale Arbeit mit queer-migrantischen Sexarbeiter*innen
7.3 Ziele der lebensweltorientierten Sozialen Arbeit mit queer-migrantischen Sexarbeiter*innen
7.4 Gesundheitsfördernde und präventive Ansätze der lebensweltorientierten Sozialen Arbeit mit queer-migrantischen Sexarbeiter*innen
7.5 Arbeitsbereiche und Methoden der lebensweltorientierten Sozialen Arbeit mit queer-migrantischen Sexarbeiter*innen
7.6 Anforderungen an die Sozialarbeiter*innen
7.7 Aktuelles
8. Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht, welchen Beitrag die Soziale Arbeit aus einer lebensweltorientierten Perspektive leisten kann, um queer-migrantischen Sexarbeiter*innen einen gelingenderen Alltag zu ermöglichen. Im Fokus steht dabei die Analyse der spezifischen Lebens- und Problemlagen dieser marginalisierten Gruppe sowie die Ableitung von Handlungsempfehlungen für die sozialpädagogische Praxis.
- Strukturelle Lebenslagen und Problemlagen von queer-migrantischen Sexarbeitenden
- Einfluss von Heteronormativität, Rassismus und Stigmatisierung
- Rechtliche und politische Rahmenbedingungen der Prostitution in Deutschland
- Theoretische Grundlagen und praktische Methoden der lebensweltorientierten Sozialen Arbeit
- Einfluss von Fluchterfahrungen und queerer Identität auf die Lebensrealität
Auszug aus dem Buch
2.1 Queer
Queer wird oftmals als Oberbegriff für die sexuelle Orientierung bzw. geschlechtliche Identität, welche von der heteronormativen Norm der Mehrheitsgesellschaft abweicht, verwendet.
Zunächst galt der Begriff queer als Schimpfwort, für all jene, die den geschlechtlichen und sexuellen-gesellschaftlichen Normen nicht entsprachen, also z.B. gegen homosexuelle Menschen. Im Laufe der Zeit jedoch nutzten homosexuelle Personen den Begriff um sich damit selbst zu identifizieren und er wurde somit zum Empowerment Begriff der LSBTIQPA*-Community (vgl. CZOLLEK/PERKO/WEINBACH 2009, S.33f.).
Heute fungiert Queer als Sammelbegriff für jegliche Abweichung von der Heteronormativität. Die Heteronormativität meint in diesem Kontext, dass Heterosexualität als Norm in der Gesellschaft angesehen und davon ausgegangen wird, dass jenes sexuelles Verlangen immer auf das jeweils Geschlecht gerichtet ist. Außerdem wird von einer binären Sichtweise ausgegangen, dass lediglich das weibliche und männliche Geschlecht existiert (vgl. WAGENKNECHT 2007, S.17f.).
Somit stellt der Begriff Queer die Stereotypisierungen infrage und erweitert das Verständnis der binären Sichtweise hin zu einer offenen und vielfältigen Ansicht der diversen Genderformen und sexuellen Orientierungen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik ein, definiert die Zielgruppe der LSBTIQPA*-Community im Kontext der Prostitution und begründet die Relevanz der Arbeit angesichts der Migrationsbewegungen ab 2015.
2. Begriffsbestimmung: Dieses Kapitel klärt die zentralen Begrifflichkeiten „Queer“, „Migration“ und „Sexarbeit“ und differenziert dabei insbesondere die Identitäten der Akteur*innen sowie die Strukturen der mann-männlichen Prostitution.
3. Rechtliche und politische Rahmungen: Das Kapitel analysiert die gesetzliche Situation in Deutschland, insbesondere das Prostitutionsgesetz und das Prostituiertenschutzgesetz, und beleuchtet, inwieweit diese für queer-migrantische Sexarbeiter*innen relevant sind oder sie ausschließen.
4. Orte und Erscheinungsformen der Sexarbeit von Cis-Männern und queer-refugees: Hier werden die unterschiedlichen Räume – öffentlich, halböffentlich und virtuell – untersucht, in denen Sexarbeit stattfindet, wobei ein besonderer Fokus auf der zunehmenden Relevanz digitaler Plattformen liegt.
5. Queerness und Flucht: Dieses Kapitel befasst sich mit den Gründen für die Flucht queerer Menschen aus ihren Herkunftsländern sowie mit den Herausforderungen und Unterstützungsmöglichkeiten, die sich nach dem Ankommen in Deutschland ergeben.
6. Lebens- und Problemlagen von queer-migrantischen Sexarbeitenden: Der Hauptteil analysiert die vielfältigen Herausforderungen, wie Stigmatisierung, Heteronormativität, Suchtproblematiken, Gewalt und psychische Belastungen, die den Alltag der Betroffenen prägen.
7. Soziale Arbeit im Bereich der queer-migrantischen Sexarbeit: Dieses Kapitel überträgt die lebensweltorientierte Theorie in die Praxis und formuliert Leitlinien, Ziele und Methoden für eine unterstützende sozialpädagogische Arbeit mit der Zielgruppe.
8. Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen und betont die Notwendigkeit einer stärkeren Berücksichtigung der speziellen Bedürfnisse dieser Gruppe in Politik und Gesellschaft.
Schlüsselwörter
Queer, Migration, Sexarbeit, Mann-männliche Prostitution, Lebensweltorientierung, Stigmatisierung, Heteronormativität, Intersektionalität, Soziale Arbeit, LSBTIQPA*, Prostituiertenschutzgesetz, Empowerment, Flucht, Diskriminierung, Gesundheitsförderung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den Lebensrealitäten von queer-migrantischen Sexarbeiter*innen in Deutschland und der Frage, wie die Soziale Arbeit sie unter Berücksichtigung ihrer spezifischen Problemlagen unterstützen kann.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Felder sind die Auswirkungen von Stigmatisierung und Rassismus, die rechtliche Lage in der Prostitution, die Bedeutung von Identitätsfindung sowie die Implementierung lebensweltorientierter Ansätze in der Sozialpädagogik.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, Handlungsmöglichkeiten für die Soziale Arbeit aufzuzeigen, um queer-migrantischen Sexarbeiter*innen zu einem gelingenderen Alltag zu verhelfen, ohne sie dabei notwendigerweise aus ihrem Arbeitsfeld drängen zu wollen.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Arbeit?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse bestehender Studien und fachlicher Diskurse zu den Themenbereichen Prostitution, Migration und Soziale Arbeit.
Was steht im Hauptteil der Arbeit im Mittelpunkt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Lebens- und Problemlagen sowie der theoretischen und methodischen Ableitung einer lebensweltorientierten Sozialen Arbeit in diesem speziellen Feld.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie „Queer“, „Intersektionalität“, „Lebensweltorientierung“ und „Stigmatisierung“ maßgeblich geprägt.
Inwiefern spielt der "Sommer der Migration 2015" eine Rolle?
Dieses Ereignis dient als Ausgangspunkt für die Arbeit, da es die Szene der queer-migrantischen Sexarbeiter*innen in Deutschland maßgeblich veränderte und neue Anforderungen an die Soziale Arbeit stellte.
Wie wirkt sich Heteronormativität auf die Zielgruppe aus?
Heteronormativität führt zu Stigmatisierung und Ausgrenzung, da die Lebensweise der Betroffenen nicht dem normativen binären Bild der Gesellschaft entspricht, was psychische Belastungen und soziale Isolation verstärkt.
Welchen Stellenwert nimmt die virtuelle Sexarbeit ein?
Die Arbeit zeigt, dass sich ein Großteil der Sexarbeit in den digitalen Raum verlagert hat, was einerseits Anonymität bietet, aber die präventive Erreichbarkeit durch Sozialarbeiter*innen erschwert.
Welche Rolle spielt die "lebensweltorientierte Theorie" für die Praxis?
Sie dient als Basis, um die Adressat*innen in ihrem sozialen Kontext zu respektieren und ihre individuellen Ressourcen zu stärken, anstatt sie ausschließlich über ihre Probleme zu definieren.
- Arbeit zitieren
- Jonathan Batsching (Autor:in), 2021, Queer-migrantische Sexarbeit und Soziale Arbeit. Welchen Beitrag kann die Soziale Arbeit aus einer lebensweltorientierten Sicht leisten, um queeren Sexarbeitern einen besseren Alltag zu ermöglichen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1033784