Operantes Konditionieren


Studienarbeit, 2001

17 Seiten


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INHALTSVERZEICHNIS

1. EINLEITUNG
1.1. ERKLÄRUNG ZUR THEMENWAHL
1.2. FRAGESTELLUNG
1.3. HYPOTHESE

2. PROLOG IN DIE THEORIE
2.1. KLASSISCHE KONDITIONIERUNG
2.2. OPERANTE KONTITIONIERUNG

3. GRÜNDER DER OPERANTEN/INSTRUMENTELLEN KONDITIONIERUNG
3.1. GESETZ DER WIRKUNG (E.L. THORNDIKE)
3.2. BEHAVIORISMUS (WATSON)
3.3. DAS PARADIGMA DER OPERANTEN/INSTRUMENTELLEN KONDITIONIERUNG (B.F. SKINNER)
3.3.1. DIE VERHALTENSKONTINGENZ
3.3.2. DIE SKINNER - BOX
3.3.3. VERSTÄRKUNGSARTEN
3.3.3.1. Belohnung
3.3.3.2. Bestrafung
3.3.3.3. Löschung (auch etwa: Löschungen im weiteren Sinn)
3.3.4. VERSTÄRKERARTEN
3.3.4.1. Primäre Verstärker:
3.3.4.2. Sekundäre Verstärker:
3.3.4.3. Generalisierende Verstärker:
3.3.5. METHODEN ZUR VERHALTENSBEEINFLUSSUNG
3.3.5.1. Shaping (Verhaltensformung)
3.3.5.2. Chaining (Verhaltensverkettung)
3.3.5.3. Prompting (Hilfestellungen)
3.3.5.4. Fading (Ausblenden der Hilfestimuli)
3.3.6. DER DISKRIMINATIVE REIZ

4. FALLBEISPIEL
4.1. PERSÖNLICHKEIT
4.2 SOZIALE PROBLEMATIK
4.3. INSTITUTION

5. THEORIE – PRAXIS – TRANSFER
5.1. ZIELDEFINIERUNG
5.2. WAHL DER VERSTÄRKERMETHODEN/ -ARTEN UND DEREN WIRKUNG
5.3. FAZIT ZUM THEORIE- PRAXISTRANSFER

6. RESÜMEE
6.1. KRITIK AN DER THEORIE
6.2. PERSÖNLICHE ÜBERLEGUNGEN

7. LITERATURVERZEICHNIS

1. EINLEITUNG

1.1. ERKLÄRUNG ZUR THEMENWAHL

Ein Aspekt des pädagogischen Auftrags in der offenen Jugendarbeit besteht darin, die Be- nützer und Benützerinnen für diejenigen Tätigkeiten, die im Jugendtreff anfallen, zu sensibi- lisieren. Dadurch sollen Jugendliche u.a. lernen, Selbstverantwortung zu tragen und sich mit dem Jugendtreff zu identifizieren. In diesem Zusammenhang wird auch versucht, der ausge- prägten Konsumhaltung von Jugendlichen entgegenzuwirken, indem sie zum Beispiel in den kreativen Prozess einer Neugestaltung der Räumlichkeiten miteinbezogen werden.

Durch zahlreiche Gespräche mit Berufskollegen und -kolleginnen an regionalen Arbeitssitzun- gen, aus eigenen beruflichen Erfahrungen sowie durch einschlägige Literatur stellte sich je- doch heraus, dass es einem grossen Teil von Jugendarbeitern und Jugendarbeiterinnen schwer fällt, Jugendliche für ein aktives Mitgestalten des Jugendtreffalltags zu gewinnen.

Denn die Motive vieler Jugendlichen den Jugendtreff zu besuchen, entsprechen nicht immer den Ansprüchen der Jugendtreffbetreiber. Diese Diskrepanz zeigt sich vor allem im Zusam- menhang mit dem Problem, ob Einsätze von Jugendlichen (wie z.B. den Jugendtreff neu ges- talten, putzen usf.) mit einem Entgeld vergütet werden sollen. Somit kann man vermuten, dass unentgeltliche Tätigkeiten, die der Allgemeinheit zu gute kommen bei Jugendlichen nicht gefragt sind.

Die Wahl der Lerntheorien bereitete mir über längere Zeit Mühe. Alle Theorien schienen mir sehr spannend und auch dazu geeignet, in die Praxis umgesetzt zu werden. Der Umstand, dass wir den neuen Jugendtreff mit viel Eigenleistung einrichten müssen, kam mir aber sehr entgegen. Mit der Anwendung der operanten/instrumentellen Konditionierung sah ich näm- lich die Möglichkeit, die Jugendlichen zu einem aktiven und engagierten Verhalten zu führen. Dies gelang mir bei meinem Fallbeispiel Senad im vorgeschriebenen Zeitraum nicht, jedoch werde ich mit Senad weiter am gewünschten Verhalten arbeiten.

1.2. FRAGESTELLUNG

Ist es auf der Basis der Theorie der positiven Verstärkung und der Anwendung von Verstär- kungsmethoden wie dem Shaping– Verfahren möglich, einen trägen Jugendlichen so zu kon- ditionieren, dass er anstelle von passivem aktives Verhalten entwickelt?

1.3. HYPOTHESE

Ich behaupte, dass durch die Anwendung der operanten/instrumentellen Konditionierung von B.F. Skinner die Möglichkeit besteht, sich träge und passiv verhaltende Jugendlichen zu aktivem Verhalten motivieren zu können.

2. PROLOG IN DIE THEORIE

Konditionierung steht für das Erlernen eines bestimmten Reiz-Reaktions-Verhaltens, d.h. auf einen bestimmten Reiz (Stimulus) erfolgt eine entsprechende Reaktion (Response). Es wird zwischen folgenden zwei Formen der Konditionierung unterschieden:

2.1. KLASSISCHE KONDITIONIERUNG:

Darunter verstehen wir das Pawlow’sche Prinzip der Steuerung von ursprünglich unkonditio- nierten Reaktionen (ungelernte, unwillkürliche und automatische Reaktionen=UCR wie es- sen, schlafen, fortpflanzen etc.) durch ursprünglich neutrale Außenreize(neutrale Reize=NR). Verknüpft man einen neutralen Reiz mit einem unkonditionierten Reiz, erfolgt nach einer gewissen Zeit die bedingte Reaktion (gelernte Reaktion=CR).

Beispiel: Ein neutraler Reiz (z.B. ein Ton) wird kurz vor einem unkonditionierten Reiz (z.B. Futter) einem Hund dargeboten. Der unkonditionierte Reiz löst eine un- konditionierte Reaktion (z.B. Speichelfluss) aus. Nach wiederholter Paarung (Ton und Futter) löst der neutrale Reiz (Ton) auch ohne den unkonditionierten Reiz (Futter) eine konditionierte Reaktion (Speichelfluss) aus.

2.2. OPERANTE KONDITIONIERUNG:

Nach B.F. Skinner kann die Motivation für ein auf die Umwelt einwirkendes Verhalten je nach Reaktion der Umwelt verstärkt oder abgeschwächt werden.

Beispiel: Versuchstiere, die zufällig den Öffnungsmechanismus ihres Problemkäfigs (siehe Punkt 3.3.2., S.6) entdecken und dafür mit Futter belohnt werden, fin- den den Mechanismus in der Folge immer schneller.

Bei der operanten Konditionierung muss das Versuchsobjekt die zu verstär- kende (belohnende) Handlung immer selbst finden.

(vgl. www.sign-lang.uni-hamburg.de (29. April 2001)

3. GRÜNDER DER OPERANTEN/INSTRUMENTELLEN KONDITIO- NIERUNG

Die drei amerikanischen Psychologen – Edward L. Thorndike, John B. Watson und B.F. Skin- ner – gelten als Pioniere in der Entwicklung des Verfahrens des instrumentellen bzw. operan- ten Konditionierens.

3.1. GESETZ DER WIRKUNG (E.L. THORNDIKE)

Gemäss Thorndike’s Paradigma (bzw. Model) ist Lernen ein Vorgang zwischen einem Reiz (S) und einer Reaktion (R) des Organismus – eine Reiz–Reaktion (S-R) Verbindung. Er ging da- von aus, dass Reaktionen, auf die eine Belohnung erfolgt, „Befriedigung“ bringen. Deshalb werden diese verstärkt und „eingeprägt“. Das „nicht-Belohnen“ von Reaktionen hat demnach zur Folge, dass diese geschwächt oder sogar „gelöscht“ werden.

(vgl. Zimbardo, 1992, S.240 u. S.241)

3.2. BEHAVIORISMUS (WATSON)

Watson’s Ansicht nach sollte sich die psychologische Forschung nur beobachtbares Verhalten beschränken. Die Methode des Behaviorismus ist eine Psychologie, die ausschließlich auf Verhaltensweisen basiert, die durch einen außenstehenden Beobachter feststellbar sind.

Im Prinzip versucht der Behaviorist den Organismus (sowohl den menschlichen als auch den tierischen) nach dem Vorbild einer Maschine zu verstehen. Einer Maschine allerdings, in die er nicht hineinsehen kann

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: www. Stangel-taller.at, 29. April 2001

(Black-Box), sondern deren Funktionsweise nur aus dem Input (Reiz) und dem Output (Re- aktion) zu erschließen ist. Psychische Vorgänge wie z.B. Gefühle, Ängste und Wahrnehmun- gen werden dabei also in Reiz-Reaktions-Verbindungen aufgelöst (daher auch die Bezeich- nung Reiz- Reaktions-, bzw. Stimulus – Response – Psychologie).

(vgl. www.stangl-taller.at, 29. April 2001)

3.3. DAS PARADIGMA DER OPERANTEN/INSTRUMENTELLEN KONDITIO- NIERUNG (B.F. SKINNER)

B.F. Skinner war wohl einer der prominentesten Vertreter des operanten Konditionierens. Die Theorie der operanten Konditionierung orientiert sich an vier zentralen Aspekten:

- Verhaltenskontingenzen
- Verstärker
- Methoden zur Verhaltensänderung
- diskriminierenden Reizen

In den folgenden drei Kapiteln werde ich diese vier relevanten Aspekte näher beschreiben.

3.3.1. DIE VERHALTENSKONTINGENZ

Gemäss Skinner spricht man von Verhaltenskontingenz, wenn eine konsistente Beziehung zwischen einer Reaktion (Verhalten) und der nachfolgenden Reiz (Verstärker) besteht. Unter Kontingenz versteht man auch eine Beziehung vom Typ „wenn X – dann Y “. Durch eine sol- che Beziehung kann die Auftretenshäufigkeit oder die Reaktionswahrscheinlichkeit gesenkt oder erhöht werden.

Beispiel: Wenn eine Taube jedes Mal ein Korn erhält, wenn sie auf eine Scheibe pickt, wird die Pick–Reaktion immer häufiger. Wichtig dabei ist, dass nur diejenigen Pick-Reaktionen, welche auf die Scheibe ausgeübt werden, belohnt werden (siehe Punkt 3.3.3.1., S.7), und dass die Belohnung unmittelbar nach der gewünschten Reaktion erteilt wird.

(vgl. Z.T. Zimbardo, 1992, S.243 u. S.244)

3.3.2. DIE SKINNER - B OX

Skinner konstruierte die nach ihm benannte Skinner-Box. Mit Hilfe der Skinner-Box können die Versuchsbedingungen exakt festgelegt und von äußeren Einflüssen abgeschirmt werden. In der Box kann sich das Versuchstier durch Betätigen eines Hebels Futter beschaffen.

Die wichtigste Methode zur Erforschung des Verhaltens gemäss Skinner ist die präzise und regelmässige Beobachtung einzelner Merkmale des Verhaltens. Skinner konnte aufzeigen, dass komplexe Verhaltensweisen als Produkte bestimmter Muster von Kontingenzen verstan- den werden können.

Skinner’s Lerntheorien werden heute noch in der Verhaltenstherapie, Tierdressuren, und der Werbung angewendet. (vgl. Zimbardo, 1992, S.243 u. S.244)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: www.pcz.uni-dortmund.de, 29. April.01

1. Kasten, durch den das Versuchstier von Aussenreizen abgeschirmt wird.
2. Taste, Hebel oder eine Scheibe, durch die sich das Tier Futter beschaffen kann, so- fern es die erwünschte Verhaltensweise annimt.
3. Vorrichtung zur Abgabe von Futterkugeln; zumeist auch diverse Lämpchen (Hinweis- reize).
4. Fernsehkamera, um die Reaktionen des Versuchstieres aufzuzeichnen.

(vgl. z.T. ww.pcz.uni-dortmund.de, 29. April.01)

3.3.3. VERSTÄRKUNGSARTEN

3.3.3.1. Belohnung

Das Verhalten eines Organismus kann mittels Konsequenzen (Verstärkungen) so gesteuert werden, dass eine gewünschte Reaktion vermehrt auftritt.

Wenn nur eine bestimmte Anzahl von Reaktionen verstärkt werden, spricht man von einem Quotenplan . Beim Intervallplan wird nach einer festgesetzten Zeitspanne die Reaktion verstärkt, ohne die gezeigten Reaktionen zu berücksichtigen.

(vgl. z.T. www.uni-freiburg.de, 29.4. 2001)

Positive Verstärkung

- eine angenehme Umweltreaktion (positive Konsequenzen = C+) wird dargebo- ten.

Beispiel: Ein Jugendlicher beteiligt sich an Renovationsarbeiten, woraufhin er Hilfe beim Aufsetzen seines Lebenslaufes, den er für das Bewerbungsschreiben benö- tigt, erhält.

Negative Verstärkung

- eine unangenehme Umweltreaktion (negative Konsequenzen = C-) wird entzo- gen.

Bespiel: Jugendliche organisieren aus eigener Initiative eine Party. Als Belohnung wird die Öffnungszeit des Treffs um eine Stunde verlängert.

3.3.3.2. Bestrafung

Um die Auftretenswahrscheinlichkeit eines unerwünschten Verhaltens zu verringern, wird das unerwünschte Verhalten bestraft. Bestrafung sollte möglichst intensiv und sofort nach der unerwünschten Reaktion erfolgen, grundsätzlich aber sollte sie reduziert angewendet wer- den.

Positive (=direkte ) Bestrafung Typ I

- eine unangenehme Umweltreaktion wird zugefügt (negative Konsequenzen = C-).

Beispiel: Ein Jugendlicher bedroht im Jugendtreff jemanden mit einem Messer, worauf er des Hauses verwiesen und gegebenenfalls bei der Polizei angezeigt wird.

Negative (=indirekte) Bestrafung Typ II (auch etwa: Löschung im engeren Sinn)

- Eine angenehme Umweltreaktion wird bewusst entfernt (positive Konsequenz = C+).

Beispiel: Jugendliche hören zu laut Musik, worauf der Strom ausgeschaltet wird.

3.3.3.3. Löschung (auch etwa: Löschungen im weiteren Sinn)

Die Löschung wird dann verwendet, wenn eine nicht erwünschte Verhaltensweise zu verringern bzw. zu eliminieren ist.

- Sämtliche Reaktionen der Umwelt entfallen (alle Konsequenzen entfallen = C-).

(vgl. z.T. Webpage: uni-freiburg.de, 29.4. 2001)

3.3.4. VERSTÄRKERARTEN

3.3.4.1. Primäre Verstärker:

Primäre Verstärker befriedigen physiologische Bedürfnisse (Hunger, Durst, Sex, Schlaf etc.) und wirken ohne vorhergehenden Lernprozess, da diese natürlichen Bedürfnissen (siehe Punkt 2.1., S.4) entsprechen .

17 von 17 Seiten

Details

Titel
Operantes Konditionieren
Autor
Jahr
2001
Seiten
17
Katalognummer
V103391
Dateigröße
425 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Operantes, Konditionieren
Arbeit zitieren
Roland Del Fabro (Autor), 2001, Operantes Konditionieren, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/103391

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