Versailler Vertrag (Alternativer Leistungsnachweis)


Referat / Aufsatz (Schule), 1999
17 Seiten, Note: 14 Punkte

Leseprobe

Der Versailler Vertrag

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Man muss davon ausgehen, dass trotz aller "Warnsignale", an denen es gewiss nicht gemangelt hat, die Abgeordneten der Weimarer Nationalversammlung und die Reichsregierung Scheidemann ebenso wie die deutsche Nation als Ganzes sich in den Monaten Januar bis Mai 1919 in Illusion über einen gemäßigten Frieden ("Wilson-Frieden") wiegten. Der psychologische Schock, den das Bekanntwerden des Inhalts des Friedensvertrages auf die Abgeordneten, die Regierung und die Nation ausübte, kann daher in seiner unmittelbaren Auswirkung kaum hoch genug veranschlagt werden. Wenn es schließlich überhaupt zur Vertragsunterzeichnung kam, dann war neben der Unmöglichkeit, erfolgreich militärisch Widerstand zu leisten (...) die Entschlossenheit maßgeblich, ausgehend von der Möglichkeit, die sich -trotz aller Gebietsverluste, ökonomischer Einbußen und militärischer "Fesseln", von der erhalten gebliebenen Einheit des Reiches (...) aus boten, die (...) Revision des Vertrages zu verbindlichen Richtschnur für die Außenpolitik der Republik zu machen.

Damit ist zugleich die Problematik des Versailler Friedens umschrieben, der als "Versöhnungsfrieden" zu hart, aber als "karthagischer" Frieden zu weich war: er beseitigt aktuell die Großmachtstellung des deutschen Reiches, beließ sie aber potentiell. Vom Versailler Frieden ging kein Zwang für die Deutschen und ihre sozialen und politischen Führungskräfte aus, sich mit der entstandenen Situation ein für allemal abzufinden und- sozusagen von der Annahme einer politischen Kapitulation her- einen Politischen Neuanfang auf ganz anderer Basis als vor 1914 zu beginnen. Das "Diktat" der westlichen Siegermächte wirkte in jedem Fall zunächst, indem es eine psychologische Abwehrhaltung aller politischen Kräfte in Deutschland (...) provozierte, integrierend auf die Nation und auch zugunsten der Republik, die sie nun einmal repräsentierte. Die Agitation gegen "Versailles" wendet sich jedoch in dem Maße auch - in zunehmend stärkerem Maße- gegen die tragenden Kräfte der Republik (d.h. gegen die der Weimarer Koalition zusammengeschlossenen Parteien der Mitte: SPD, Zentrum, Deutsch- Demokraten), indem sich die psychologisch "einleuchtende", propagandistisch wirksame Verknüpfung von "November-Verrat", "Dolchstoß" und "Versailles" in Teilen der Nation als Interpretationsmuster für die Misere der Gegenwart durchsetzte. Die Entwicklung des "demokratischen Nationalsozialismus" (...) konnte die Spaltung der Nation über den Komplex "Novemberverrat", "Dolchstoß" - "Versailles" nicht verhindern, er erschwerte jedoch seinerseits eine realistische Einschätzung der außenpolitischen Möglichkeiten in dieser frühen Phase der Republik.

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Als das Deutsche Reich erwartungsgemäß den Krieg gegen eine Welt von selbstgeschaffenen Feinden verliert und die Siegermächte in Versailles über den knapp 50-jährigen Staat zu befinden haben, wird die neue Deutsche Frage von 1918/19 im Grund auf erstaunliche Weise gelöst: Trotz einiger Gebietsamputationen bleibt das Reich, ungeachtet aller Bitterkeit und allen Hasse s auf der Friedenskonferenz, als Staat, damit auch als potentielle Großmacht, erhalten, ebenso gut hätte es wieder aufgeteilt werden können, keine deutsche Gegenmacht hätte diese hypothetische Alternative zu verhindern vermocht. Ein Hauptmotiv für das Gegenteil ist der Aufbau eines möglichst auch Deutschland umfassenden "cordon sanitaire" gegenüber der jungen Sowjetunion. Aber selbst wenn man davon absehen könnte, ist es im Vergleich mit dem Frieden von Brest-Litowsk, den Deutschland unlängst noch Lenins Russland zugemutet hat, alles andere als ein karthagischer Frieden. Im Gegenteil, er fällt mild aus, auch wenn die deutsche Öffentlichkeit von rechts bis links den Frieden, das "System von Versailles" beklagt und, jäh aus aller Kriegszieleuphorie gerissen, jede Erinnerung an das eigene Verhalten verbannt. Fraglos wird die Innenpolitik der neuen deutschen Republik durch den dramatisch hochstilisierten "Schandfrieden" vergiftet, ihre Auenpolitik unter den Primat der Revision der Kriegsergebnisse gestellt. Das ist die neue "Deutsche Frage" nach 1919. Kurze Zeit wird sie dadurch erweitert, dass die Mehrheit der Deutschösterreicher den Anschluss an die Weimarer Republik, die sich weiter Reich nennt, wünscht. Selbstverständlich denkt jedoch keiner der Alliierten daran, auf diese Weise einen guten Teil der Reichsdeutschen Niederlage sogleich wieder wett zu machen.

Bei den beiden vorliegenden Quellen handelt es sich jeweils um Sekundärliteratur. Die Quelle von A. Hillgruber wurde 1980 verfasst, während die Quelle von Wehlers 1987 erscheint. Beide sind circa 70 Jahre nach den eigentlichen Geschehnissen geschrieben worden. Die sieben Jahre Unterschied, denn Hillgruber schrieb seine Rede ja früher, spiegeln auch Meinungsunterschiede und unterschiedliche Schwerpunktsetzungen wieder. 1980-1987 war ja in Deutschland immer noch eine bewegte Zeit. Ich könnte mir vorstellen, dass die Autoren auf Grund der sich um Deutschland spinnenden Geschehnisse, zu diesem Thema äußerten. Die immer noch spürbaren Nachwehen des Zweiten Weltkrieges machte Deutschland erneut zum politischem Ziel der Besatzungsmächte. Allerdings war man zu diesem Zeitpunkt schon in einer deutlichen Phase der Entspannungspolitik, deren Grundlagen durch den Moskauer- und Warschauer Vertrag von 1970, durch das Viermächteabkommen ein Jahr später und durch den Grundlagenvertrag, gelegt wurde. 1882 wurde Helmut Kohl Bundeskanzler und 1987 besuchte Honecker, der 1989 von allen Ämtern enthoben wurde, offiziell die BRD.

Im Großem und Ganzen kann zusammenfassend gesagt werden, dass die Quellen einige Gemeinsamkeiten aufweisen. Bestimmte "Schlüsselwörter, wie zum Beispiel "Karthagischer Frieden" (Zeile14 beziehungsweise 11), tauchen in beiden Quellen auf. Der benannte Frieden beinhaltet das Diktat Roms an das besiegte Karthago, das diesem die Machstellung militärisch, wirtschaftlich und politisch raubte und es Lebensunfähig machte. Es konnte sich auch nicht erholen und wurde schließlich von Rom zerstört, und dass beide Autoren den Versailler Vertrag damit in Verbindung bringen, demonstriert auch die Angst die von deutscher Seite aus geherrscht haben muss.

Eine grundlegende Gemeinsamkeit liegt darin, dass beide Verfasser auf Begrifflichkeiten verweisen, die historisches Hintergrundwissen verlangen. Dieses "Phänomen" ist bei Hillgruber mehr ausgeprägt als bei Wehlers. Aus dieser Tatsache kann man wiederum schließen, dass Hillgruber einen weitaus größeren Anspruch an seine Leser stellt als Wehlers.

Hillgrubers Zielgruppe richtet sich wahrscheinlich eher an die etwas mehr gebildeten und politisch Interessierten, die mit gegeben Begrifflichkeiten, aber auch mit der Komplexität der Satzstrukturen leicht klar kommen. Wehlers Quelle hat einen leichteren Anspruch, da weder derartig komplexe Satzstrukturen auftauchen, noch ein derartig großes Maß an politischen Bezügen vorhanden ist. Seine Rede ist meiner Meinung nach einer größeren Bevölkerungsschicht zugänglich, weil der argumentative Aufbau an Hand von Erläuterungen gut nachvollziehbar und verständlich ist.

Hillgruber behauptet, dass die "Abgeordneten der Weimarer Nationalversammlung, die Reichsregierung Scheidemann ebenso wie die deutsche Nation als Ganzes sich in den Monaten Januar bis Mai 1919 in Illusion über einen gemäßigten Frieden wogen" (Z.1 - 5). Dies ist indirekt eine Beschuldigung an selbige, die anscheinen früher hätten abwägen sollen. Seiner Meinung nach wurden die "Einbildungen" über den "Wilson-Frieden", durch von benannten Personen und Institutionen übersehende "Warnsignale", an denen es nicht gemangelt hätte, genährt (Z. 1). Diese Warnsignale waren unter anderem die bereits schweren Verhandlungen als es nur um den Waffenstillstand an sich ging. Das Bekanntwerden des Inhalts des Friedensvertrages wäre ein psychologischer Schock auf die Abgeordneten, die Regierung und die Nation, der in seiner unmittelbaren Auswirkung kaum hoch genug veranschlagt werden könne (Z. 5-7). Diesen Punkt werde ich im zweitem Teil noch genauer beleuchten, aber im Vergleich drückt Hillgruber das was Wehlers als Klagen beschreibt (Zeile 11-14), viel dramatischer als Schock aus. Im weiterem Verlauf seines Statements behauptet er sogar, dass es lediglich zur Vertragsunterzeichnung kam, weil neben der Unmöglichkeit, erfolgreich militärisch Widerstand zu leisten die Entschlossenheit maßgeblich war, die Revision des Vertrages zur verbindlichen Richtschnur für die Außenpolitik der Republik zu machen. Er geht davon aus, dass dies trotz aller Gebietsverluste, ökonomischer Einbußen und militärischer "Fesseln" des erhalten gebliebenen Einheit des Reiches geschieht (Zeile 10-12).

Wehlers beginnt seine Argumentation damit, zu behaupten, dass das Deutsche Reich den Krieg gegen eine Welt von selbstgeschaffenen Feinden erwartungsgemäß verloren (Zeile 1) hat, was in Bezugnahme auf Hillgrubers Behauptung der Illusion über den Wilson-Frieden, einen ganz anderen Ausgangspunkt darstellt. Die politische Situation Deutschlands war, dass es von Russland durch seinen wachsenden Einfluss im vorderen Orient und von England durch die Kontrolle der Bagdad-Bahn im indischem Vorfeld, als störend empfunden wurde. Wehlers schiebt die Niederlage auf die selbstgeschaffenen Feinde, Hillgruber auf die illusorisch übersehenden Warnsignale. Am weiterem Verlauf von Hillgrubers Rede kann man feststellen das dieser rein strukturell gesehen zuerst mit Argumenten beginnt und dann erklärt um welchen Sachverhalt es ihm eigentlich geht. Der Grund weshalb er diese Gegner als selbstgeschaffen bezeichnet, könnte das Streben der Deutschen gewesen sein, die Weltgeltung und ihren Platz an der Sonne wollten. Das ist natürlich Provokation und Angst, die die anderen Mächte zu immer neuen Gegenmaßnahmen forderten, um gegen das als arrogant und als kraftmeierische Deutschland ankommen zu können. Letztlich ist also die Rivalität Schuld, dass Deutschland, obwohl der Kolonialbesitz in Übersee tatsächlich eher gering war, ausgeschaltet werden sollte. Auch der Flottenbau, also das Wettrüsten belastete das Verhältnis von England und Deutschland, da letztere eine regelrechte Kriegsflotte in Planung hatten. Dies steigerte sich durch gegenseitige Ängste der Hegemonie Deutschlands, beziehungsweise von Deutschlands Sicht aus der Einkreisung durch die sich ändernden Verhältnisse von Russland zu Frankreich, England und umgedreht. Der Flottenbau war auch der Grund für die Hinwendung Englands zu Frankreich und Russland. Selbst als Russland 1894 ein Defensivbündnis mit Frankreich schloss und den Rückversicherungsvertrag nicht verlängerte, vertraute Deutschland immer noch auf die traditionellen weltpolitischen Gegensätze Englands und Russlands und die kolonialpolitischen Gegensätze Englands und Frankreich. Es ist berechtigt, dass Hillgruber meint, es wurden Warnsignale übersehen und dass Wehlers von selbstgeschaffenen Feinden redet. Diese Gegensätze, dachte die Deutsche Regierung, bieten weite Entfaltungsmöglichkeiten, übersah aber, dass, entgegen Bismarcks ständigen Bestrebungen, jetzt eine Allianz der Großmächte geformt war, die dem Dreibund Gegenüber stand.

Weitere Spannungen zu den Westsmächten entstanden durch die Haltung Deutschlands in der Marokko-Krisen von 1905/06 und 1911, bei denen es sich gegen den von England unterstützten Vorschlag wandte das formal Souveräne nordafrikanische Land zu französischem Protektorat zu machen. Die als militärische Drohgeste empfundene Entsendung eines Kanonenbootes vertiefte lediglich die antideutsche Koalition. Auch die Balkankrise, die zustande kam, weil Österreich-Ungarn die ihnen auf dem Berliner Kongress 1878 zu Verwaltung zugesprochenen Provinzen Herzegowina und Bosnien seinem eigenem Staat einverleiben wollten, obwohl diese noch unter türkischer Oberheit standen. Da Deutschland, auf Seiten seines Zweibundpartners stand, wurde die antihabsburgische Stimmung noch verschärft. Die Russen, geschwächt von der Niederlage gegen Japan, konnten nicht eingreifen, fühlten sich deshalb ebenso wie die Serben verraten und gedemütigt.

Hillgruber stellt ziemlich am Anfang seiner Ausführungen da, dass die von ihm eingehend genannten Gründe die Problematik des Versailler Friedens umschreiben. Von seinem Standpunkt aus wäre dieser Frieden als "Versöhnungsfrieden" zu hart, aber als "karthagischer" Frieden zu weich, da er die Großmachtstellung des deutschen Reiches beseitigt war, aber potentiell belassen blieb (Z.13-15). Wehlers vergleicht die Situation mit dem Frieden von Brest- Litowsk, den Deutschland unlängst noch Lenins Russland zugemutet hat und behauptet weiterhin, dass der Versailler Frieden alles andere als ein karthagischer Frieden ist. Dies wiederum deckt sich nicht mit Hillgrubers Aussage, da Wehlers denkt, der Frieden fällt mild aus, auch wenn die deutsche Öffentlichkeit diesen von rechts bis links als das "System von Versailles" beklagt und, aus aller Kriegszieleuphorie gerissen, jede Erinnerung an das eigene Verhalten verbannt. (Z.9-14) Laut Hillgruber ging vom Versailler Frieden zwar kein Zwang für die Deutschen und ihre sozialen und politischen Führungskräfte aus sich mit der entstandenen Situation ein für allemal abzufinden und einen politischen Neuanfang auf ganz anderer Basis als vor 1914 zu beginnen, aber er bezeichnet den Frieden deshalb noch lange nicht als "mild", wie Wehlers, sondern als "Mittelding" zwischen vernichtend und weich. Auch sei es nicht nötig, sich von der Annahme einer politischen Kapitulation her neu zu beginnen (Zeile 18). Wehlers beschreibt die Problematik als "die neue Deutsche Frage von 1918/19" (Z.3), die seiner Meinung nach erstaunliche Weise gelöst wurde. Es gäbe zwar einige Gebietsamputationen aber das Reich bleibt "ungeachtet aller Bitterkeit und allen Hasses auf der Friedenskonferenz" (Z.4-5) als Staat, damit auch als potentielle Großmacht, erhalten. Diesen Punkt empfindet auch Hillgruber als positiv, aber Wehlers ergänzt diesen Gedanken noch durch die durchaus realistische Einschätzung, dass das Reich ebenso gut hätte wieder aufgeteilt werden können. Wehlers behauptet weiterhin, dass diese hypothetische Aufteilung durch keine deutsche Gegenmacht hätte verhindert werden können. Hillgruber bezieht sich in diesem Punkt noch näher darauf, welche Vorteile diese Situation hat, nämlich die der bereits benannten Zwanglosigkeit. Beide Autoren sind sich wiederum einig, wenn sie behaupten, dass Gebietsamputationen nicht entscheidend in dieser Lage sind.

Die westlichen Siegermächte wirkten, indem sie eine psychologische Abwehrhaltung aller politischen Kräfte in Deutschland provozierten integrierend auf die Nation und wie Hillgruber weiterhin behauptet zugunsten der Republik, die sie nun einmal repräsentierte (Z. 19-22). Wehlers drückt es relativ harmlos aus wenn er sagt, dass Siegermächte in Versailles über den knapp 50-jährigen Staat zu befinden haben, während Hillgruber es als "Diktat" bezeichnet (Z.19).

Dieser führt seine Ausführungen damit fort, dass er behauptet, die Agitation gegen "Versailles" wende sich in zunehmend stärkerem Maße gegen die tragenden Kräfte der Republik, die er als die in der Weimarer Koalition zusammengeschlossenen Parteien der Mitte, also die SPD, das Zentrum und die Deutsch-Demokraten definiert. In diesem Zusammenhang sieht er eine psychologisch "einleuchtende", propagandistisch wirksame Verknüpfung von "November- Verrat", "Dolchstoß" und "Versailles" in Teilen der Nation, die für ihn als Interpretationsmuster für die Misere der Gegenwart durchgesetzt wurden. Auf diese Misere bin ich ja zu beginn bereits eingegangen. Es geht eben darum, dass der Frieden zu hart war und durch den Zweiten Weltkrieg die Situation erneuert wurde. Zum Schluss betont er noch einmal, dass die Entwicklung des "demokratischen Nationalsozialismus" seiner Meinung nach die Spaltung der Nation über den Komplex "Novemberverrat", "Dolchstoß" - "Versailles" nicht verhindern konnte, dass dieser jedoch eine realistische Einschätzung der außenpolitischen Möglichkeiten, in dieser frühen Phase der Republik, erschwerte (Zeile 30-31). Damit spricht er auf die bereits erläuterten gegenseitigen Anschuldigungen an. Wehlers seinerseits sieht das Hauptmotiv für das Gegenteil der bereits angesprochenen Aufteilung des Reiches, im Aufbau eines möglichst auch Deutschland umfassenden "Cordon Sanitaire" gegenüber der jungen Sowjetunion.(Z.8) Dies war ein osteuropäischer Staatengürtel, der deutsche Ausdehnungsgelüste in Richtung Osten, aber auch das Eindringen des Bolschewismus in Mitteleuropa stoppen sollte. Die Situation des "Cordon Sanitaire" wurde bewusst offen gelassen, womit Wehlers Behauptung stimmen könnte. Diesen Gedankengang zieht Hillgruber in seine Überlegengen überhaupt nicht mit ein, was durchaus dadurch bedingt sein könnte, dass er seine Quelle schon früher schrieb, oder einfach nur andere Prioritäten setzt. 1887 waren die Deutschlandverhandlungen in ihrer Klarheit ja schon wesentlich offener und im Prinzip war Deutschland schon immer Spannungsfeld der Ost- gegen die Westmächte.

Resümierend bezeichnet Wehlers Innenpolitik der neuen deutschen Republik als fraglos vergiftet, während die Außenpolitik durch den dramatisch hochstilisierten "Schandfrieden" unter den Primat der Revision der Kriegsergebnisse gestellt ist (Z. 14-16). Diese Problematik ist laut Wehlers die neue "Deutsche Frage" nach 1919, die kurze Zeit wird sie dadurch erweitert wird, dass die Mehrheit der Deutschösterreicher den Anschluss an die Weimarer Republik, die sich weiter Reich nennt, wünscht (Z.16-18). Für Wehlers ist es auch selbstverständlich, dass keiner der Alliierten daran denkt, auf diese Weise einen guten Teil der Reichsdeutschen Niederlage sogleich wieder wett zu machen (Z.18-20). Die letzten beiden Ausführungen sind in Hillgrubers Rede nicht genannt. Wehlers bietet dem Leser indirekt eine Definition der Deutschlandfrage, in der er Inhalte darstellt und Erläuterungen gibt, während Hillgruber den Versailler Frieden umschreibt. Letzterer erläutert den Sachverhalt und resümiert mit der Feststellung, dass durch die Situation an sich eine realistische Einschätzung unmöglich war, man könnte sogar sagen, dass er denkt, der ganze Verlauf hätte besonders auf Grund des sich entwickelnden "deutschen Nationalsozialismus" keinen anderen Weg nehmen können. Hillgruber listet im Vergleich weitaus mehr negative Begebenheiten auf, betrachtet vieles kritischer und mit härteren Worten als dass Wehlers tut, der immer wieder auf einen positiven Schlusspunkt zu scheinen kommt. Zum Beispiel Redewendungen wie "psychologischer schock" und "Diktat" sind eher negativ beheftet, was darauf hindeutet, dass Hillgruber den Frieden für hart, notgedrungen angenommen, aber nicht zu hart hält. Wehlers Äußerungen hören sich eher so an, als würde dieser Frieden Deutschland recht geschehen: Er vergleicht mit Brest-Litowsk, wo die Deutschen einen ebenso harten Frieden diktierten, behauptet die Feinde wären "selbstgeschaffen" und hält den Frieden für mild. Er nutzt auch die negative Bezeichnung, dass die Deutschen kriegseuphorisch gewesen seien und stellt dann wie ein Vorwurf daneben, dass sie jetzt nicht ihre Schuld tragen wollen, sich sogar noch beschweren.

[...]

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Versailler Vertrag (Alternativer Leistungsnachweis)
Note
14 Punkte
Autor
Jahr
1999
Seiten
17
Katalognummer
V103438
ISBN (eBook)
9783640018161
Dateigröße
388 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Eine Sehr ausfühliche Arbeit über Ursachen und Folgen des Vertrages anhand von Quellen.
Schlagworte
Versailler, Vertrag, Leistungsnachweis)
Arbeit zitieren
Dana Otto (Autor), 1999, Versailler Vertrag (Alternativer Leistungsnachweis), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/103438

Kommentare

  • Gast am 25.11.2001

    hallo.

    huhu is ja ne ganzschöne arbeit gewesen!!! genau das hab ich gesucht!!! hähä dafür krieg ich bestimmt ma ne gute note!! merci beaucoup!!!

  • Gast am 26.11.2007

    jop.

    STREBER!!! gute arbeit:D

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Titel: Versailler Vertrag (Alternativer Leistungsnachweis)


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